Podcast aufnehmen ohne Laptop
Zoom PodTrak P4next ist ein auf die Produktion von Podcasts optimierter Mixer und Recorder, der den gleichzeitigen Anschluss und die Aufnahme von bis zu vier Mikrofonen erlaubt. Das Einspeisen von USB-Signalen sowie eines Anrufers per Smartphone runden die Ausstattung ab. Kann der Zoom PodTrak P4next Mixer im Test überzeugen?
Was ist es? Zoom PodTrak P4Next Podcast-Mixer/Recorder, ein kompakter Recorder mit Mischpult-Funktionen für die gleichzeitige Aufnahme von bis zu vier Mikrofonen plus USB und Smartphone-Anrufer.
- Zielgruppe: Ideal für mobile, spontane Podcast-Produktionen mit mehreren Sprechern.
- Ausstattung: 4x XLR, 4x Kopfhörer, Soundpads, microSD-Recording sowie USB-Audiointerface.
- Rauschminderung: Die AI Noise Reduction arbeitet im Praxistest überzeugend, auch bei starken Umgebungsgeräuschen.
- Kritik: Aussteuerung ist heikel, die Anzeige ist ungenau und es fehlen Mix-Optionen für die Kopfhörer und die Aufnahme.
- Fazit: Gute Idee und stark unterwegs, aber deutliche Einschränkungen (keine Line-I/Os)
Zoom PodTrak P4next Mixer/Recorder
Einleitung: Was ist ein Podcast?
Podcasts erfreuen sich großer Beliebtheit, ob als Audio-Podcast oder sogar Video-Podcast. Das Prinzip ähnelt einer Radioproduktion: Ein Podcast ist eine On-Demand- oder Streaming-Sendung zu einem bestimmten Thema. Es kann ein Solo-Podcast mit nur einem Moderator und vorproduzierten Inhalten sein oder ein Podcast mit einem oder mehreren Gästen oder gar Anrufern, die ins „Studio“ geschaltet werden.
Was wird für die Produktion von Podcasts benötigt?
Für die Produktion eines Podcasts benötigt man selbstverständlich neben einem Computer oder Smartphone/Tablet ein Mischpult zum Anschließen eines Mikrofon oder mehrerer Mikrofone und anderer Audioquellen, außerdem ein Audiointerface, um das Mischpultsignal in den Computer einzuspeisen (oder umgekehrt Computersignale ins Mischpult).
Da ein Podcast erst durch Jingles oder andere Sound-Effekte so richtig lebendig wird, muss eine Möglichkeit gefunden werden, diese schnell abzurufen.
Für Interview-Situationen ist zudem der Anschluss mehrerer Kopfhörer wichtig. Möchte man externe Anrufer interviewen, ist eine Mix-Minus-Funktion notwendig, die störende Echos und Rückkopplungen unterbindet.
Für das mobile Arbeiten wäre wünschenswert, dass alle beteiligten Gerätschaften mit Batterien oder Akkus betrieben werden können.
Ausstattung
Die Stromversorgung des Zoom PodTrack P4next Mixer/Recorders erfolgt entweder über die USB-C-Schnittstelle per Bus-Power, zum Beispiel von einem Computer, über eine zweite USB-C-Buchse zum Anschluss eines externen Netzteils oder einer Powerbank oder Batterien, die sich auf der Unterseite einsetzen lassen.
Der Zoom PodTrack P4next Mixer/Recorder ist mit vier Mikrofoneingängen (XLR) ausgestattet. Eine +48 V Phantomspeisung lässt sich über einen kleinen Schalter auf allen Mikrofoneingängen gleichzeitig zuschalten. Für jedes Mikrofon steht ein eigener Gain-Regler samt Mute-Schalter bereit.
Für den Anschluss eines Smartphones ist ebenfalls gesorgt. Dafür steht an der Seite eine Miniklinkenbuchse zur Verfügung (TRRS Miniklinke mit vier Kontakten, SPITZE: L, RING: R, RING: GND, SLEEVE: MIC). Hier lässt sich auch der optionale Bluetooth-Adapter Zoom BTA-2 anschließen, der dann eine drahtlose Einbindung von Smartphones per Bluetooth ermöglicht. Praktisch.
Vier Kopfhöreranschlüsse (Miniklinke) stehen auf der Frontseite zur Verfügung. Alle Kopfhörer lassen sich getrennt in ihrer Lautstärke regeln.
Aufgenommen wir auf handelsüblichen microSD-Karten. Diese können zum Datenaustausch entweder dem Zoom PodTrak P4next entnommen und in den Card-Reader eines Computers gesteckt oder aber über USB-C per Computer bespielt werden.
Vier Soundpads erlauben das Abfeuern von Effekt-Sounds und Jingles. Auch eine Aufnahme von Mikrofonsignalen ist möglich.
Der Zoom PodTrak P4next Mixer/Recorder besitzt zudem einige einfache, aber sinnvoll gewählte Bearbeitungsfunktionen für die Mikrofonsignale:
- Tone (EQ-Preset)
- Comp (Kompressor)
- AI Noise Reduction
- Low Cut
- Limiter
Die ersten drei Funktionen Tone, Comp und AI Noise Reduction sind über je einen eigenen Schalter direkt auf der Oberfläche des Zoom PodTrak P4next zu erreichen. Low Cut und Limiter verbergen sich hingegen im Menü, das über einen ebenfalls eigenen Taster aufgerufen werden kann.
Pegel, Einstellungen und Wellenform der aufgenommenen Audiodateien werden auf dem monochromen OLED Display dargestellt. Auch die Dateiverwaltung aufgenommener Audiodateien und der Dateien für die Soundpads findet hier statt. Navigiert wird über die vier Funktionstasten rechts neben dem Display (Mene, Tone, Comp, AI Noise Reduction).
Die Aufnahme starten wir bei eingelegter SD-Karte über den großen Aufnahme-Button direkt über dem Display. Ein kleinerer Button dient der Wiedergabe/Pause-Funktion. Während die Wiedergabe läuft, können wir über die vier Soundpad-Buttons in der Aufnahme navigieren.
Zum Abschluss sei noch erwähnenswert, dass Zoom PoTrak P4next über einen Betriebsschalter verfügt, was besonders im Batteriebetrieb sinnvoll erscheint, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen.
Technische Daten
Die vier Mikrofoneingänge haben jeweils eine Eingangsverstärkung von +70 dB. Die Eingangsimpedanz liegt bei ≥ 3 kOhm. Viel mehr erfahren wir nicht. Deshalb habe ich mal nachgemessen. Achtung: Da es sich hier nicht um eine Messung mit teurem Labor-Messequipment handelt, sind die folgenden Werte eher als Richtwerte zu verstehen.
Frequenzgang
Der Frequenzgang ist von 80 Hz bis 20 kHz linear. Unterhalb von 80 Hz zeigt sich ein sanfter Roll-off, der bei 20 Hz -2,5 dB erreicht.
Tone
Auch über die Funktionsweise der Tone-Schaltung schweigt sich Zoom aus. Die Messung liefert das folgende Ergebnis:
Der Bass ist also sehr leicht angehoben, bei 600 Hz findet eine etwas breitere und stärkere Absenkung statt. Eine sehr leichte Absenkung finden wir bei 3 kHz und eine etwas stärkere und breitere oberhalb von 5 kHz, vermutlich um S-Laute zu entschärfen.
Low Cut
Der Low Cut ist bei Sprachaufnahmen sinnvoll und senkt nicht benötigte Bassfrequenzen stark ab. Es scheint sich hier um eine Flankensteilheit von 12 dB/Oktave mit einer leichten Resonanz bei 65 Hz zu handeln.
Total Harmonic Distortion (THD)
Die Verzerrungen des Mikrofoneingangs werden von REW mit 0,0044 % für 1 kHz angegeben. Der Noisefloor liegt bei -109 dBFS, ebenfalls ein guter Wert.
Wandler
Gewandelt und aufgenommen wird mit 24 Bit und 48 kHz. Schade, dass man hier die Chance verpasst hat, auf die auch bei Zoom schon seit einiger Zeit verbreiteten 32 Bit Floating Point Wandler zu setzen, die eine Aussteuerung deutlich leichter machen.
Praxis
Die Handhabung des Zoom PodTrak P4next erklärt sich auch ohne Benutzerhandbuch fast von selbst. Das gut gemachte Benutzerhandbuch lässt sich aber von der Hersteller-Website herunterladen und liegt sogar auf Deutsch vor.
Wichtig zu wissen ist, dass für die Mikrofonkanäle von Werk aus Low Cuts und Limiter eingeschaltet sind. Das war mir nicht bewusst und wurde somit von mir bei der Messung bemerkt. Es empfiehlt sich, diese für den ersten Test zunächst einmal auszuschalten. Dazu muss man ins Menü und dort dann unter den jeweiligen Menüpunkten die Einstellungen vornehmen.
Getestet habe ich den Zoom PodTrak P4next Mixer/Recorder mit meinem Rode Wireless Go Mikrofon. Der Empfänger wurde mit Kanal 1 verkabelt und den Sender habe ich an mein Revers geklemmt. Zum Abhören nutze ich einen Kopfhörer am Kopfhörerausgang 1.
Schon bei den ersten Sprechproben fällt auf, dass die Aussteuerung alles andere als trivial ist:
Die Mute-Schalter leuchten rot auf, sobald die Clipping-Grenze überschritten wird. Allerdings scheinen sich diese ausschließlich auf die Wandler und damit 0 dB FS zu beziehen, denn mein Gehör sagt mir, dass es schon deutlich früher zerrt, obwohl laut Display und Clipping-LED noch Luft nach oben ist. Also habe ich noch einmal eine Messung durchgeführt:
Die Messung zeigt dann auch deutlich die Verzerrungen, die eigentlich laut Zoom PodTrak P4next noch gar nicht vorhanden sein sollten. Auch der Limiter ändert daran nichts, sondern verschiebt lediglich das Signal im Pegel ein Stück nach unten. Die Verzerrungen bleiben. Das schränkt natürlich seinen Nutzen gewaltig ein, sorgt er doch so lediglich dafür, dass der Ausgang nicht übersteuert wird.

Diese Verzerrungen zeigen sich schon deutlich, bevor die Clip-LED leuchtet. Grün: mit eingeschaltetem Limiter.
Ich empfehle deshalb dringend, lieber dem Gehör zu vertrauen als der Anzeige am Zoom PodTrak P4next. Eine Auto-Gain-Funktion gibt es leider nicht. Schade.
Der Tone-Schalter räumt das Mikrofonsignal ordentlich auf. Comp ist ein One-Knob-Kompressor und scheint auf den kompletten Mix zu wirken, der im Pegel nach dem Einschalten ordentlich angehoben wird. Damit steigt jedoch auch der Pegel der Nebengeräusche.
AI Noise Reduction
Gut, dass wir die AI Noise Reduction haben. Diese funktioniert nach dem Fingerprint-System. Nach dem Einschalten wird für einige Sekunden ein Fingerabdruck der Nebengeräusche genommen, die dann im Anschluss aus dem Nutzsignal herausgerechnet werden. Das funktioniert sehr gut. Natürlich ist das Ergebnis stark davon abhängig, dass die entsprechenden Geräusche auch im Fingerabdruck enthalten sind.
Den Test habe ich bei geöffneter Tür zum Garten und bei offenen Fenstern durchgeführt. Die Kinder des benachbarten Kindergartens waren zum Testzeitpunkt auf dem Außengelände und laut und deutlich auf der Aufnahme hörbar. Mit der AI Noise Reduction ließen sich diese heftigen Nebengeräusche gut unterdrücken. Nur dann, wenn z. B. das Schreien eines Kindes nicht im Fingerabdruck enthalten war, wurde es nicht vollends von der AI Noise Reduction erfasst.
Audiointerface und Direktaufnahme
Nutzt man den PodTrak P4next als Audiointerface, kann zwischen denselben zwei Aufnahmemodi unterschieden werden, die auch für die Aufnahme auf microSD-Card zur Verfügung stehen: Stereo und Multitrack. Im Stereomodus wird das Gesamtsignal des Mixers aufgenommen, während im Multitrack-Modus alle Signale einzeln aufgezeichnet werden. Das gilt auch für die Soundpads. Möchte man also die Audiosignale später noch in einer DAW oder einem Videoeditor nachbearbeiten, sollte man für die Aufnahme den Multitrack-Modus wählen.
Auch USB-Returns stehen zur Verfügung, sodass zurückgespielte Signale aus dem Computer oder von einem Smartphone/Tablet über den Zoom PodTrak P4next abgehört werden können.
Der Zoom PodTrak P4next arbeitet immer mit Direct-Monitoring, d. h. alle Eingangssignale sind latenzfrei auf den Kopfhörern hörbar. Da der Zoom PodTrak P4next keinerlei Line-Eingänge besitzt, ist er als Ersatz für ein handelsübliches Studio-Audiointerface eher ungeeignet, auch wenn die Roundtrip-Latenz von unter 5 Millisekunden in Ableton Live bei einem Buffer von 32 Samples beträgt und das Audiointerface stabil lief.
Weitere Funktionen
Bindet man einen Anrufer per Smartphone ein, lässt sich das Smartphone auf den Mikrofonkanal 4 schalten. Wir haben es hier also mit einem alternativen Eingang für Kanal 4 und nicht einem weiteren Kanalzug zu tun. Mit der Mix-Minus-Funktion unterbindet man Rückkopplungen, wie sie durch das Zurückspielen des Anrufersignals auf das Smartphone entstehen würden.
Für die Soundpads stehen verschiedene Abspielmodi wie z. B. One Shot, Loop, Hold etc. zur Verfügung.
Hat man eine Aufnahme gestartet und gibt sie wieder, zeigt das Display die Wellenform an. Marker lassen sich direkt bei der Aufnahme setzen oder werden automatisch gesetzt.
Was fehlt?
Neben den fehlenden Line-Eingängen fehlt auch ein Master-Ausgang, um den Zoom PodTrak P4next an eine Studioabhöre anzuschließen. Wir sind hier auf den Betrieb mit Kopfhörern beschränkt oder müssten die Studiomonitore an einen Kopfhörerausgang anschließen. Sehr schade.
Des Weiteren fehlt eine Möglichkeit, irgendwie die Lautstärke der angeschlossenen Mikrofone für die Aufnahme oder die Kopfhörerwiedergabe zu mischen. Das geht ausschließlich über die Gain-Regler, was dann aber auch wieder die Aussteuerung beeinflusst. Nur die Soundpads lassen sich in ihrer Lautstärke einzeln und insgesamt regeln. Warum nicht auch die Mikrofonkanäle? Ich hoffe, dass Zoom eine solche Funktion mit einem Update nachreicht.
Die Aufnahme erfolgt immer als WAV-Datei. Auch die Soundpads können nur mit WAV-Dateien belegt werden. Warum man hier nicht auch das seit einiger Zeit lizenzfreie MP3-Format implementiert hat, bleibt wohl ein Geheimnis des Herstellers.
Alternativen
In seiner Preisklasse ist der Zoom PodTrak P4next als kombinierter Mixer/Recorder mit Podcast-Spezialisierung wohl einzigartig. In höheren Preisklassen gibt es aber zahlreiche (bessere) Alternativen:
Die wohl bekanntesten Podcast Studios mit einer Kombination aus Mixer und Recorder kommen von Rode: RodeCaster Duo und RodeCaster Pro II.
Sie sind zwar beide deutlich teurer als der Zoom PodTrak P4next, bieten dafür aber auch deutlich mehr Funktionen und eine noch bessere Qualität. Features wie integrierte Empfänger für die aktuellen Rode Funkmikrofone, viele DSP-Effekte, Line-Ein- und Ausgänge, Dual-USB für den gleichzeitigen Anschluss von zwei Computern oder Computer plus Smartphone/Tablet, HD-Touchscreen und mehr machen diese zur ersten Wahl für professionelle Podcast-Erstellung.
Auch Mackie verfolgt mit dem Mackie DLZ Creator XS ein ähnliches Konzept und ist in der gleichen Preisklasse wie Rode zu finden:
Möchte man auch Video-Podcasts veröffentlichen, liegt man beim Rode RodeCaster Video S genau richtig. Auch dieser besitzt zwei Empfänger für aktuelle Rode Wireless Mikrofone, zahlreiche DSP-Effekte, zwei Mikrofonanschlüsse und dazu noch die Möglichkeit, bis zu vier Videoquellen samt Audio anzuschließen und umzuschalten.










































