Test: ZOOM RhythmTrak RT-323 Drumcomputer

25. Januar 2001

Silberne Groovebox zum sportlichen Preis

Der Markt für Drumcomputer ist mittlerweile spärlich.

Nur noch selten gibt es innovative Neuvorstellungen. Stattdessen erobern sogenannte Groove-Boxen die Herzen der User. ALL IN ONE-Dancestations wie die MC Serie von ROLAND sind der große Renner im Handel, während die klassischen Schlagzeugklopfer einer aussterbenden Gattung angehören.

Das Geheimnis der Drumcomputer

Wie ich den Unterschied definieren würde? Drumcomputer liefern Schlagzeug- und Percussionklänge mit einem Patternsequenzer. Groove-Boxen bieten zusätzlich das komplette Begleitarrangement an Instrumenten. Angefangen von Bass-Sounds bis hin zu Streichern, Lead-Sounds und vielem mehr. Darüber hinaus stellen Groove-Boxen auch mehr Spuren als nur die Schlagzeugspur zur Verfügung, um diverse Spuren mit Instrumenten-Stimmen aufzeichnen zu können.

Sampler haben längst die Domäne der Drumcomputer übernommen und liefern Schlagzeugklänge in unendlicher Vielzahl von CD-ROM. Und doch sind gerade einige Vintage-Modelle bei Dance-Produzenten sehr beliebt. Wer nun denkt, ich spreche von den Klassikern der TR Serie, der liegt falsch. So zählt die digitale ROLAND R8 längst zum Standardinventar vieler Profistudios und selbst die in die Jahre gekommene ALESIS SR16 wird nach wie vor gebaut und erfolgreich verkauft (zumindest in den Staaten).

ZOOM schickt mit dem RT-323 nun ein Zwitterwesen ins Rennen um die Gunst der User zu gewinnen. Neben den besagten Drumsounds, bietet der RT-323 auch eine gelungene Auswahl an Bass-Klängen und drei unabhängige Sequenzerspuren, auf denen man zwei Drumkits und einen Bassklang aufzeichnen kann. Eine vierte Spur für die Aufzeichnung externen Midi-Daten ist ebenfals vorhanden. Doch dazu später mehr…!

Der silberne Zoom RT-323

Der Zoom RythmTrak RT-323 präsentiert sich in einem handlichen silbernen Kunststoffgehäuse mit griffigen Gummipads und einem ausreichend großen Display. Die Drumpads vermitteln ein sehr gutes Spielgefühl und erlauben ein überaus dynamisches Spiel. Die transparenten Tasten sind mit roten Leuchtdioden hinterlegt, so dass sich der jeweilige Betriebszustand auch in der dunkelsten Umgebung ablesen lässt. Leider trifft das nicht auf das Display zu – hier wurde auf die Hintergrundbeleuchtung verzichtet.

Positiv fallen sofort die vier vollwertigen Audioausgänge, der Smart Media Karteneinschub sowie das Batteriefach an der Unterseite des Gehäuses auf.

Über den Smart-Media Schacht lässt sich der interne Speicher auf einer 4MB großen Karte ablegen. Zum einen dient dieses Medium zum Anlegen eines Back-Ups seiner eigenen Daten, zum anderen kann man aber auch RT-323 Pattern damit in einen ZOOM Palmtop Studio PS-2 laden und umgekehrt. Die richtige Innovation, damit editierte Samples aus einem Computer in den RT-323 zu übertragen, fehlt aber leider.

Als Negativ wurde auch der fehlende Midi-Thru-Ausgang empfunden. Eine Krankheit, die sich leider viele Drumcomputer und auch Groove-Boxen teilen. Der RT-323 lässt sich deshalb nur an einem Ende des Midi-Stranges einsetzen. über das externe Netzteil sehen wir geflissentlich hinweg, da es in dieser Preisklasse ebenfalls Usus ist, ebenso wie der auf der Rückseite angebrachte Kopfhörerausgang.

Auf Grund der Bedienoberfläche merkt man sofort, dass man es beim RT-323 mit einer recht komplexen Maschine zu tun hat, die sich nicht ohne weiteres von selbst erklärt. Aber schon nach dem ersten Blick ins deutschsprachige Handbuch zerstreuen sich alle Zweifel. Hat man einmal die Struktur des RythmTrak verstanden, ergeben sich alle Folgefunktionen fast wie von selbst. Das ausführliche und gut beschriebene Manual steht dabei hilfreich zur Seite.

Limitierte Version in transparent, grünem Gehäuse

Innenleben

Wie bereits erwähnt, arbeitet der RT-323 grundsätzlich mit drei Spuren. Den ersten beiden Spuren kann ein beliebiges DRUM KIT zugeordnet werden. Davon stehen 64 Preset-Kits zur Verfügung, 64 weitere Speicherplätze können vom User mit eigenen Kits belegt werden. Die dritte Spur greift grundsätzlich auf einen Bass-Sou nd. 54 Bass-Sounds von Slap bis Analog stehen zur Auswahl.

Spur 4 dient der Aufzeichnung von externen Midi-Daten. Leider – und das blieb dem Autor verschlossen – lässt sich diese vierte Spur nicht editieren. Eigentlich schade, denn sonst hätte der RT-323 in Kombination mit einem kleinen Synthie bereits ein interessantes Live-Set-Up ergeben. So wird man diese Spur wohl eher als Notizblock für Ideen verwenden, als für wirklich ausgefeilte Arrangements.

Wie bei den meisten Drumcomputern üblich, werden zunächst alle Grooves in Patterns aufgezeichnet. Wie gesagt, nicht vergessen, die einzelnen Patterns bestehen aus zwei Drumkits und der Bass-Spur. Damit lassen sich sehr ausgefallene und komplexe Grooves erstellen. Bis zu 100 eigener Grooves können Sie im internen Pattern-Speicher ablegen. Der Clou: Um nicht jeden Schrittt „from Scratch“ programmieren zu müssen, stehen bereits 400 Preset-Patterns zur Verfügung, die Sie nach Belieben abwandeln können.

Danach lassen sich einzelne Patterns zu Songs kombinieren. Im internen Speicher haben wiederum 100 solcher Songs Platz.

Sequencer

Wie nicht anders zu erwarten, können Pattern in Echtzeit durch Spielen der Pads aufgezeichnet werden, oder im schrittweisen Verfahren (Step-Modus). Leider fehlt hier die geniale Roland-Erfindung der Lauflicht-Programierung, ein Feature aus alten TR Tagen, welches heute in jeder Groove-Box zu finden ist. Keine Ahnung, warum ZOO M gerade auf dieses Feature verzichtet hat, steckt doch unter jedem Pad eine rote Leuchtdiode. Aber auch so lassen sich im Handumdrehen coole Grooves erzeugen.

Ein Song ist nichts anderes als eine übergeordnete Abspielliste für Patterns, die vorgibt wann und wie oft ein Pattern innerhalb eines Songs angetriggert wird. Die Zusammenstellung dieser Liste lässt sich nun „Step by Step“ bewerkstelligen, indem man in eine Playlist die Nummern der Pattern und deren Wiederholungen eingibt. Pattern können innerhalb eines Songs unkompliziert gelöscht, verschoben und ergänzt werden.

Songs lassen sich aber auch in Echtzeit programmieren. Zu diesem Zweck werden allen Pattern, die normalerweise mit einzelnen Drumsounds belegt sind, Pattern zugewiesen. Danach startet man im Song-Modus die Aufnahme und nach Belieben die unterschiedlichen Pattern. Mehr als ein Pattern ist jedoch nicht möglich.

Groove Play

ähnlich wie bei der Realtime-Groove Programmierung ordnet man im Modus GROOVE PLAY den einzelnen Pads Pattern statt Sounds zu. Anders als im Song-Modus lassen sich im Groove Play Modus aber bis zu vier Pattern gleichzeitig antriggern. Mit Hilfe der großen Repeat-Taste unterhalb der Pads kann man dabei während der Session entscheiden, welche Pattern endlos wiederholt werden und welche nur so lange laufen wie man den Finger auf de Pad behält. Natürlich lassen sich über diese Repeat Taste auch auf „endlos“ gestellte Patterns wieder stoppen.

Pattern lassen sich auch während der Session manuell den Pads zuweisen. Eigentlich eine gute Sache, sie hat nur einen Haken. Um die Pads mit neuen Pattern zu belegen, muss man sie erst einmal anspielen. Eine „Offline“ Zuweisung während der Session gibt es leider nicht.

über den Sound Jammer (der Fader auf der linken Seite der Box) lassen sich nun Pattern, die sich in Spielbetrieb befinden, in Echtzeit in folgenden Parametern ändern: Tonhöhe, Pegel und Soundzuweisung der jeweils angewählten Spur (Drumkit 1, Drumkit 2 oder Bass-Spur).

Mit ein bisschen übung kommt schnell Freude und DJ-Feeling auf. Einziger Nachteil: Genau dieses Groove Play lässt sich nirgends aufzeichnen – Ihre Session also unbedingt life mitschneiden, denn der RT-323 merkt sich leider keine Ihrer coolen Kombinationen.

Standard-Version in silbernem Gehäuse

Drumkits

Wie bereits erwähnt, besteht jedes Kit aus zwei Drumkits und einem Bassklang. Um schnell zu den einzelnen Parts umschalten zu können, muss man nicht in endlosen Menüs suchen, sondern betätigt einen der drei Taster: Drum A, Drum B oder Bass. Im Zeitalter endloser Display-Menüs leider keine Selbstverständlichkeit.

Jedes Drumkit besteht wiederum aus drei Pad-Bänken. Damit ist eine komplette Drumbelegung der 13 Drumpads gemeint, mit denen man die Klänge spielt. über den Pad-Bank-Taster lassen sich bis zu drei verschiedene Belegungen abrufen. De facto enthält ein Drumkit 39 verschiedene Klänge. Jedes Pad verfügt über folgende Parameter: INSTRUMENT (hier legen Sie fest, welcher der 377 Klänge aus dem ROM Speicher dem Pad zugewiesen wird), PITCH (die Tonhöhe des ausgewählten Klanges), PANORAMA (die Zuordnung der Position im Stereo-Klangbild) und LEVEL (die Lautstärke des Klangs).

Danach folgt quasi ein kleiner Line-Mixer. Denn statt einer einfachen Ausgangszuweisung, erlaubt der RT-323 für jedes Pad die individuelle Einstellung des Pegels für den Summenausgang sowie für die Ausgänge Sub 1 und Sub 2. Es gibt also nicht nur die einfach Entweder/Oder – Schaltung bei der Zuweisung der Subausgänge. Die Subausgänge 1 und 2 lassen sich somit quasi als Send-Wege für externe Effektgeräte nutzen.

Ein Beispiel: Sie nehmen grundsätzlich alle Klänge über den Summenausgang ab. Gleichzeitig schicken Sie von einigen Klängen aber Signale an die Sub-Ausgänge, die wiederum in ein Effektgerät führen. Sie könnten damit z.B. einen Flanger auf die HiHat legen und zusätzlich ein Delay auf die Snare Drum. Da viele der Klänge bereits mit Effekten versehen sind, lässt sicher über dieses System mit einem oder zwei externen Effektgeräten bereits ein komplexer Drummix realisieren, der ansonst mit vier Ausgängen nur schwer machbar wäre. KLASSE!!!

Aber wo viel Licht ist, da ist leider auch Schatten. ZOOM hat nämlich im RT-323 vollkommen auf die Möglichkeit verzichtet, Drumsounds zu editieren. Bis auf die Pad-Parameter gibt es keine Möglichkeit Drumsounds selbst zu erstellen.

Jam Regler

Der Jam-Regler erlaubt beim manuellen Spielen der Drumsounds es, einige Parameter in Echtzeit zu verändern. Diese sind: Pitch, Volume, Pan und Sound Change. (Der Sound wird in Abhängigkeit von der Reglerbewegung umgeschaltet. Die Art der änderung hängt vom Drum-Kit bzw. Bass-Programm ab)

über die Funktionstaste JAM FUNCTION wird einer der oben genannten Parameter angewählt und der JAM REGLER aktiviert. Alle von da ab gespielten Klänge können bei gleichzeitiger Reglerbwegung in Echtzeit editiert werden.

Der Sound des Zoom RhythmTrak

Der RT-323 klingt druckvoll, rauschfrei und vielseitig. Sie können mir glauben, ich habe alle 377 Drum/Percussionsounds plus die 55 Bass Klänge durchgesteppt und angespielt.

Dabei fiel sofort auf, dass es sich natürlich nicht um über 400 verschiedene Samples handelt, sonder vielmehr um eine geschickte Zusammenstellung von vielleicht 150 verschiedenen Samples. Der Clou des RT-323 liegt in der Tatsache, dass ein einzelner Drumsound aus mehreren Samples bestehen kann, die in unterschiedlicher Weise zusammengeschichtet wurden (vergleichsweise wie im Procussion vom EMU – siehe Test im Archiv). Samples werden sowohl abhängig von der Anschlagdynamik gewechselt, oder im Stereopanorama verteilt oder geschickt kombiniert, um Flanging- und Delay-Effekte zu erzielen. Da auch Samples mit Reverb- und Gated Reverb-Effekten im Speicher liegen, gibt es auch manche Sounds, die den Eindruck entstehen lassen, man hätte sie durch ein Effektgerät gejagt. Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es immer fragwürdiger, warum man solche Stackings nicht selbst zusammenstellen kann. Vor allem die Sounds, in denen ein zweites Sample quasi als Delay hinten angehängt wurde, sind vollkommen für die Katz, da sich die Verzögerungszeit ja nicht mehr verändern lässt. Aber vielleicht haben Sie ja Lust, Ihren Song dem Delaytempo des Drumsounds anzupassen?

Trotzdem: Die Auswahl und Zusammenstellung der Sounds ist gelungen.

Stark vertreten: Rock-Drums, RnB-Drums, Pop-Drums und Latin Percussions
Mittelstark vertreten: Drum ´N Bass, TR808, TR909 und sonstige Analog-Drums
Schwach vertreten: Sommons Sounds, LoFi Drums und World Percussion, FX-Sounds
Praktisch gar nicht vertreten: Orchester Drums und Jazz (Besen) Drums

An der Klangqualität ist eigentlich fast nichts zu bemängeln. Nur bei manchen Sounds macht sich die Speicherkomprimierung negativ bemerkbar. Da fehlt es an Transparenz und Brillanz. Vor allem einige Beckenklänge leiden unter diesem Effekt.

Vergleicht man die Sample-Qualität hingegen mit den Groove-Boxen von Roland und Yamaha, ist der RT-323 in dieser Kategorie eindeutig Testsieger. überrascht war ich vor allem von den Bass-Klängen. Diese sind nicht nur nettes Beiwerk, sondern können es durchaus mit hochwertigen Sample-CD-Roms mithalten. Aber auch hier gilt, dass es sich maximal um zehn verschieden Bässe handelt und nicht um 55.

Filter, LFO´s, Hüllkurven und sonstiges Synthesebeiwerk finden Sie im RT-323 leider ebenfalls nicht. So gesehen ist der RT-323 ein raffinierter Sample-Player.

Midi

Ja, immer noch ein Thema!
Der RT-323 erlaubt eine Midi-Synchronisation Intern/Extern, empfängt Programmwechselmeldungen und die Funktion des SOUND JAMMERS lässt sich ebenfalls über einen Midi-Controller steuern und somit auch aufzeichnen. Auch die Datenübertragung in den Sequenzer funktioniert einwandfrei.

Auch als Soundmodul macht der RT-323 eine gute Figur, da er quasi über einen dreifachen Multimode verfügt. Je zwei Drumkits sowie der Bass-Part lassen sich über frei definierbare Midikanäle ansteuern. Da auch hier die Program-Changes auf allen drei Kanälen getrennt eingesetzt werden können, lassen sich z.B. über den Sequenzer schnell und einfach eigene Groove-Kits zusammenstellen und sogar während der Wiedergabe wechseln.

ZOOM RT-323 Factlist

  • Sampling Frequency: 48kHz
  • D/A Wandler: 24bit 8 fach Oversampling
  • Maximum Polyphony: 30 Stimmen
  • Tempo: 40 to 250BPM
  • Maximum Notes/Events: 40,000
  • Drum Sounds: 377
  • Bass Sounds: 55
  • Drum Kit: 128(Preset 64/User 64
  • Rhythm Pattern: 500 (Preset400/User100)
  • Song: 100
  • Pads: 13 Velocity sensitive pads x 3 Bank
  • Display: 640 segment LCD
  • Sound Jammer Slider: 1
  • MIDI: IN/OUT
  • Line Input: 1 x Klinke
  • Control Input: 2 x Klinke
  • Line Output: 2 x Klinke (L/Mono, R)
  • Sub Output: 2 x Klinke
  • Kopfhörerausgang: Mini stereo Klinke
  • Memory Card: 3.3V Smart Media Karten von 4MB bis 128MB
  • Abmessungen in mm: 265(Breite) x 175(Tiefe) x 55(Höhe)
  • Gewicht: 870g (ohne Batterien)
  • Inkl. Netzteil AD-0006 DC9V 300mA
  • Optionales Zubehör: Expression Pedal FP-02, Foot Switch FS-01 *0dBm = 0.775Vrms

Fazit

Der ZOOM Drumcomputer RT-323 besticht durch einen vielseitigen Groove-Sequenzer (drei vollwertige Spuren), einen druckvollen und guten Klang sowie durch ein ausgeklügeltes Sub-Out System.

Wer also einen druckvollen Groove-Master braucht, dem kann ich den RT-323 absolut empfehlen. Selbst als reines Drumsoundmodul ist er in dieser Preisklasse einmalig. Anschlagsabhängige Drumsounds und ausgefeilte Samplekombinationen in hoher Soundqualität (bis auf einige Ausnahmen) sind seine große Stärke.

Wer hingegen auf Soundeditierung steht, an Filtern schrauben möchte und das am besten in Echtzeit, der stößt beim RT-323 auf Granit. Synthese ist für diese Drumbox ein Fremdwort.

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