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The Jimi Hendrix Book (3) – Kindheit, Army, Profimusiker

Jimi on Sunday 03: Born in the USA

2. Oktober 2022

Der 1942 geborene Gitarrist, Komponist, Sänger und Bandleader Jimi Hendrix hat Rock, Blues und auch Jazz mehr geprägt als die meisten anderen Musiker der späten 1960er-Jahre. Lothar Trampert hat ein Buch über Jimi Hendrix, das exklusiv bei AMAZONA.de als Serie erscheint. In Folge 3 geht es um Jimis Leben, bevor er Popstar wurde.

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Dieser vergleichsweise kurze Trip durch die Kindheit und Jugend des späteren Jimi Hendrix kann und will auch nicht mit diversen 400-Seiten-Biografien konkurrieren. Hier geht es darum, seine menschliche und künstlerische Entwicklung der ersten Jahre zu skizzieren, einfach um alles, was danach kam, besser zu verstehen.

Johnny, Jimmy, James & Buster: Jimi Hendrix‘ Kindheit

Es kommt selten vor, dass ein Mensch seinen Namen wechselt. Bei dem Musiker, um den es hier gehen soll, war das aus verschiedenen Gründen gleich mehrmals der Fall: Aus dem gebürtigen Johnny Allen wurde nach knapp vier Jahren James Marshall, er selbst nannte sich Jimmy und seine internationale Karriere in England wurde dann 1966 bekanntlich unter einer so reduzierten wie originellen Variante gestartet. Es geht um Jimi Hendrix.

Johnny Allen Hendrix wurde am 27. November 1942 in Seattle, Washington, im Nordwesten der USA geboren. Seine Eltern Al und Lucille waren Afroamerikaner mit irischen und Cherokee-Vorfahren und stammten beide aus ärmlichen Verhältnissen. Kurz nach ihrer Hochzeit im Frühjahr 1942 wurde Al zur Armee eingezogen. Seine bei der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes gerade siebzehnjährige Frau, war der Verantwortung für das Kind nicht gewachsen. Sie war überfordert und sie hatte andere Interessen. So verbrachte Johnny Allen seine ersten drei Lebensjahre meist bei Verwandten und Freunden von Lucille.

Nachdem Al Hendrix seinen Dienst bei der Army beendet hatte und nach Seattle zurückgekehrt war, konnte er nicht wie erhofft seinen Sohn wiedersehen, denn der war inzwischen bei einer mit Lucilles Mutter befreundeten Mrs. Champ, in Berkeley, California untergebracht worden. Al fuhr also 800 Meilen nach Süden, um seinen Jungen nach Hause zu bringen. Der Traum vom intakten Familienleben scheint sich aber für ihn damals nicht mehr erfüllt zu haben. Auch nach seiner Rückkehr war Johnny Allen, nicht zuletzt aufgrund der Spannungen zwischen Mr. und Mrs. Hendrix und zeitweise exzessiver Trinkgewohnheiten, immer wieder bei Verwandten untergebracht.

Der von Lucille Hendrix bestimmte Namen für ihren Sohn wurde am 11. September 1946 von Al geändert: Er beantragte eine offizielle Neueintragung in die Geburtsurkunde und aus Johnny Allen wurde James Marshall. Nach langen Auseinandersetzungen trennten sich Al und Lucille fünf Jahre später endgültig und wurden am 17. Dezember 1951 geschieden.

James Marshall, der von seinen Freunden Buster genannt wurde, war zur Zeit der Scheidung gerade neun Jahre alt geworden. Er und sein Bruder Leon (*1948) blieben bei ihrem Vater, drei weitere Geschwister, Joseph (*1949), Cathy (*1950) und Pamela (*1951) wuchsen bei anderen Familien auf, die sie adoptiert hatten. Al Hendrix verdiente den Lebensunterhalt für sich und seine beiden Söhne mit verschiedensten Jobs, bis er eine Anstellung als Landschaftsgärtner in Seattle fand. Jimmy und seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Leon war es möglich, eine „weiße Schule“ zu besuchen, die nicht die damals verbreitete Rassentrennung praktizierte – im Süden der USA war sie in den 40er- und 50er-Jahren noch die Regel.

Jimmys Interesse am Schulbesuch scheint eher weniger stark ausgeprägt gewesen zu sein, er hatte eigentlich nur im Kunstunterricht etwas Erfolg und wechselte bis zu seinem 15. Lebensjahr mehrmals zwischen verschiedenen Elementary- und Junior High-Schools hin und her. Daneben war er Mitglied der örtlichen Pfadfindergruppe und spielte auch zwei Jahre im „Fighting Irish“-Football-Team. Außerdem soll er sich als Kind für Autos interessiert haben, die er zeichnete und auch eigene Modelle entwarf.

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Jimmy entdeckt die Musik

Während dieser Zeit muss sich aber sein Interesse für die Musik verstärkt haben. Angeblich war er schon früher gelegentlich mit einem Besen in der Schule aufgetaucht, um vor seinen Mitschülern eine Gitarren-Show abzuziehen. Der neue Trend hieß Rock & Roll, und an dem kam niemand vorbei, denn Radios gab es in jedem Haushalt. Nachdem Jimmy dann noch einige Experimente mit selbstgebauten Saiteninstrumenten – Modell: Besenstiel, Zigarrenkiste und Bindfaden – durchgeführt hatte, die für seine Freunde ein weiterer Anlass für Witze über ihn waren, machte er Ernst. Zuerst brachte er sich auf einer gefundenen Ukulele ein paar Melodien und einfache Akkorde bei und kurze Zeit später besorgte er sich dann das erste richtige Instrument: eine billige akustische Gitarre, die er einem Freund seines Vaters abkaufte.

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Al Hendrix hatte (entgegen mancher Anekdoten über angebliche musikalische Frühförderung) die künstlerischen Interessen seines ältesten Sohns anfangs anscheinend eher ignoriert – vielleicht auch, weil er kein Geld übrig hatte, um ein Instrument zu kaufen. Er selbst hatte keine musikalische Ausbildung, liebte aber Musik und beherrschte die alte Sklaventradition des rhythmischen Schenkel-Trommelns mit zwei Esslöffeln. Später versuchte er es angeblich auch mal mit dem Saxophonspiel, das er jedoch nach einiger Zeit wieder aufgab.

Sein Sohn blieb dabei: Jimmy lernte jetzt also das Gitarrenspiel auf seiner selbstgekauften Acoustic, autodidaktisch. Aufgrund der Fortschritte die er machte, schenkte sein Vater ihm ein Jahr später eine E-Gitarre, auf der er, anfangs ohne Verstärker, versuchte, die im Radio gehörte Rock-&-Roll-Songs nachzuspielen. Er war fasziniert, talentiert und hartnäckig. Und kam voran.

Am 2. Februar 1958 starb seine Mutter Lucille, zu der er in den Jahren seit der Scheidung seiner Eltern kaum noch Kontakt hatte.

Hendrix‘ erste Band, in die er im Sommer 1958 als 15-Jähriger einstieg, hieß The Velvetones, wurde aber nach drei Monaten umbesetzt und umbenannt: The Rocking Teens existierten dann bis Anfang 1959 und im Sommer des Jahres gründeten einige ehemalige Mitglieder The Rocking Kings, die überwiegend Cover-Versionen spielen und bei denen Hendrix wegen Gitarristen-Überschuss als Bassist engagiert wurde – allerdings mit seiner normalen E-Gitarre.

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Hendrix in der US-Army

Jimmy verließ noch im selben Jahr die High School, um eigenes Geld zu verdienen. Einige Einnahmen hatte er auch schon durch gelegentliche Auftritte mit seiner Band. 1960 wechselte er zu Thomas & The Tom Cats, die er aber 1961 verlassen musste, als er im Mai des Jahres zur Armee ging. Angeblich wurde er damals wegen Autodiebstahl verhaftet und man stellte ihn vor die Alternative, US-Knast oder US-Army. Hendrix wählte das zweite Übel und meldete sich mit achtzehn Jahren als unfreiwillig Freiwilliger zur 101st Airborne, einer Fallschirmspringertruppe. Stationiert war er in Fort Campbell, Kentucky, und bis heute wird er auf der Website www.military.com als „famous veteran“ erwähnt. Allerdings nicht nur lobend.

In Kentucky gründete er Anfang 1962 zusammen mit anderen eingezogenen Musikern die Band The King Kasuals und absolvierte regelmäßig Auftritte in den von der US-Armee betriebenen Unterhaltungs-Clubs und im Pink Poodle Club in Clarksville. Das Repertoire von Jimis neuer Formation, zu der auch der ein Jahr ältere Bassist Billy Cox gehörte (der später für Hendrix noch mal eine sehr bedeutende Rolle spielen sollte), bestand aus Top-40-Titeln – eine weitere Cover-Band also. Neben Hendrix und Cox spielten noch Drummer Gary Ferguson, Saxophonist Charles Washington und der Trompeter Jimmy Darden in der Band, später kam noch der etwas ältere Sänger Johnny Jones dazu.

Nach etwas mehr als einem Jahr war Hendrix‘ Karriere als Fallschirmspringer beendet – aber nicht aufgrund einer Fußverletzung, die er sich bei einem Sprung zugezogen haben will, wie er später selbst gerne erzählte. Es war wohl eher so, dass man sich nach diversen Abmahnungen „in gegenseitigem Einvernehmen“ trennte, denn James Marshall Hendrix hatte sich wohl regelmäßig während seiner Dienstzeit aufs Ohr gelegt und auch ansonsten eher mit Zurückhaltung geglänzt. Die Army war nicht sein Ding. Im Juni 1962 kehrte er ins zivilisierte Leben zurück und begann jetzt, mit vollem Einsatz, hauptberuflich als Musiker zu arbeiten. Jimmys Gitarre war damals aufgrund akuten Geldmangels oft im Pfandhaus untergebracht und wurde vor den Gigs nur ausgelöst, wenn Geld leichter aufzutreiben war als ein anderes Instrument. Überhaupt lieh er sich den größten Teil seines Equipments damals von Freunden und verschiedenen Club-Besitzern zusammen.

Nachdem Billy Cox im September ebenfalls aus der Army entlassen worden war, zogen er und Hendrix zusammen nach Clarksville, kurz darauf weiter nach Nashville. Ihre gemeinsame Band, die jetzt The King Casuals oder auch mal The Casuals hieß, führten sie weiter, arbeiteten aber darüber hinaus auch mit anderen Musikern zusammen, so z. B. mit Johnny Snead & The Imperials und Bob Fisher & The Barnevilles, mit denen sie einen Monat lang The Marvelettes und Curtis Mayfield begleiteten. Hier spielten beide auch mit dem Gitarristen Larry Lee zusammen, der wie Cox sieben Jahre später wieder in einer Hendrix-Band auftauchen sollte. In diese Zeit fiel auch angeblich die erste, wenn gleich nicht sehr erfolgreiche Studioarbeit von Hendrix. Er nahm an einer Recording-Session von Starday-Records für Bill Hoss Allen in Nashville teil. Die von ihm eingespielte Gitarrenspur konnte jedoch nicht verwendet werden und wurde vom Produzenten gelöscht.

On the road: Hendrix wird Profimusiker

Im Winter zog Hendrix wieder in die Nähe seiner Heimatstadt Seattle; er lebte bei Verwandten im benachbarten Vancouver und spielte in dieser Zeit mit Tommie Chong (später eine Hälfte der Kiffer-Komiker Cheech & Chong) und Bobbie Taylor & The Vancouvers. Doch schon im Frühjahr 1963 ging er zurück nach Nashville und fand auch sofort wieder Anschluss an die dortige Musikszene. Mit der Band von Gorgeous George Odell tourte er dann durch die gesamten USA. Auch diese Combo lebte im Wesentlichen von Backing-Jobs für verschiedene Solisten. Es kam während dieser Tour auch zu ersten Kontakten mit Rock-&-Roll-Musiker Little Richard, bei dem Hendrix in dieser Zeit jedoch, wenn überhaupt, nur kurz als Aushilfsgitarrist tätig war. Im folgenden Jahr wurde Jimmy als Begleitmusiker für eine Package-Tour mit Interpreten wie B.B. King, Jackie Wilson und The Supremes verpflichtet. In dieser Zeit beginnt auch Hendrix‘ stärker werdendes Interesse für den Blues, das u. a. ausgelöst wurde durch weitere Begegnungen, u. a. mit den Musikern Albert King, Willie Dixon und Muddy Waters.

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Anfang 1964 zog Jimmy nach New York City. Am 13. Mai 1964 war Hendrix mit dem amerikanischen Singer/Songwriter Don Covay im Studio und spielte den Titel ,Mercy Mercy’, auch bekannt als ,Have Mercy’ ein. Es ging weiter mit einer Konzerttournee und Plattenaufnahmen für die Isley Brothers, einer Soul-orientierten, damals nur mittelmäßig erfolgreichen Band hervorragender Musiker. Nach einem Gig in Nashville/Tennessee im November des Jahres verließ er die etwas überraschte Band genauso plötzlich, wie er aufgetaucht war. Im benachbarten Memphis angekommen, traf er im Stax-Studio den Gitarristen Steve Cropper, bekannt geworden durch die Band Booker T. & The M.G.’s. Hendrix erzählte später, er habe bei seinem Besuch eine Demo-Single eingespielt, was aber lt. Cropper nicht stimmt. Anschließend begleitete Hendrix im Rahmen einer Package-Tour den Soul-Sänger Sam Cooke bei einigen seiner letzten Auftritten.

Hendrix und The Isley Brothers

Die Aufnahmen mit dieser Band entstanden bereits 1964 in New York. Die Isley Brothers spielten in folgender Besetzung: Ronnie Isley (g/voc), Kelly Isley (dr/voc), Rudy Isley (b/voc), Jimi Hendrix (g). Und Hendrix‘ Gitarren-Licks waren hier schon sehr gekonnt, funky, knackig und mehr auf den Punkt als bei seinen meisten frühen Aufnahmen. Insbesondere in ,Move Over, Let Me Dance, Part I & II‘ spielt er eine absolut großartige, von Licks & Riffs durchsetzte Rhythmusgitarre – und die Aufnahme klingt auch sehr gut. U. a. auf folgenden LPs wurden die eigentlich nur als Singles erschienenen Titel zusammengefasst, in denen Hendrix als Lead-Gitarrist zu hören ist: ,In The Beginning‘ (1970), ,Together‘, ,Jimi Hendrix & The Isley Brothers‘ etc.

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Die Isley-Brothers waren vermutlich Hendrix‘ professionellster und musikalisch bester Job, bevor er selbst ein Star wurde. Hier die Titelliste der gemeinsamen Aufnahmen:

  • Have You Ever Been Disappointed, Part I & II
  • Looking For A Love
  • Move Over, Let Me Dance, Part I & II
  • Simon Says
  • My Little Girl
  • Testify, Part I And II
  • Wild Little Tiger

Stress im Job: Hendrix und Little Richard

Die erste Hälfte des Jahres 1965 war Jimmy, jetzt auch mal unter dem Pseudonym Maurice James aktiv, wieder Mitglied der Upsetters, der damaligen Begleit-Combo von Little Richard. Mit dieser Band entstanden neben den im Vordergrund stehenden Tourneen einige wenige Studioaufnahmen. Richards Manager feuerte ihn aber nach einiger Zeit wegen permanenter Unpünktlichkeit.

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Hendrix spielte, entgegen früherer Vermutungen, wahrscheinlich nur Anfang 1965 mit Little Richard. Auf folgenden, in den 70er-Jahren erschienenen LPs ist diese Zusammenarbeit angeblich dokumentiert: ,The Explosive‘ (1970), ,Friends From The Beginning‘, ,Jimi Hendrix & Little Richard‘ etc. Ob Hendrix auf diesen Alben auch nur mit einem Ton zu hören ist, ist sehr umstritten. Auch im Fall diverser Live-Aufnahmen ist fraglich, ob er daran beteiligt war. Ganz sicher hat er nur (mehrere Takes) der Single-Tracks ,Dancing All Around The World‘ und ,I Don’t Know What You’ve Got, Part I & II‘ (1965) eingespielt. Für möglich halte ich noch, dass Hendrix auch an dem Track ,It Ain’t Whatcha Do‘ (1965) beteiligt war. Das war’s aber dann auch schon.

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Zwischen seinen Jobs bei Richard spielte er mit Arthur Lee und Rosa Lee Brooks in Los Angeles eine Single ein, begleitete das Soul-Duo Sam & Dave und war als Gitarrist an einigen Shows der Ike & Tina Turner Revue beteiligt. Tina Turner kann sich zwar nicht daran erinnern, ihr weirder Ex-Mann Ike aber schon – was bedeutet, dass diese Information eher mit Vorsicht zu genießen ist.

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Von 1965 stammt auch die vermutlich früheste Filmaufnahme von Hendrix. Mit verschiedenen Musikern, zum Teil Mitgliedern der Upsetters, spielte er für eine TV-Show in Dallas/Texas den Titel ,Shotgun‘ – interpretiert vom Gesangs-Duo Buddy & Stacy. Kurz nach seiner Kündigung bei Richard hatte er außerdem seinen ersten Plattenvertrag bei Sioux-Records in New York unterzeichnet – mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Näheres dazu, also etwa, an welchem musikalischen Projekt Hendrix hier beteiligt werden sollte, ist nicht bekannt. 1965 absolvierte Hendrix außerdem Gigs mit Carl Holmes & The Commanders, spielte mehrfach mit der Band des Saxophonisten King Curtis, und im November/Dezember tourte er mit Joey Dee & The Starlighters

Hendrix und Curtis Knight

Hendrix hat wahrscheinlich von Ende 1964 bis 1965 in Curtis Knights Band „The Squires von gespielt. In dieser Zeit sind einige Studioaufnahmen entstanden, vorliegende Live-Aufnahmen sind teils von relativ schlechter Qualität und lassen vermuten, dass es sich hierbei um Amateurmitschnitte von Club-Gigs handelt, andere klingen wie Studioaufnahmen mit Applaus.

The Jimi Hendrix Book (3)

Reissues der Aufnahmen von Hendrix mit Curtis Knight & The Squires

Knight selbst sprach in Interviews von Recording-Sessions zwischen 1964 und 1968, diese Daten sind jedoch sehr anzuzweifeln. Ich gehe davon aus, dass Hendrix nur in den Jahren seiner Band-Zugehörigkeit auch bewusst mit Knights Band aufgenommen hat. Ein späterer Aufnahmetermin im August 1967, nach Hendrix‘ Monterey-Erfolg in den USA, der unter anderem auch eine Single hervorgebracht hat, war im Grunde genommen nur eine einfache Jam-Session, die vermutlich unerlaubt mitgeschnitten wurde und dann zum gewünschten Produkt zurechtmanipuliert wurde. Die auf diese Art produzierte Platte wurde 1967 von Capitol Records, natürlich mit einem aktuellen Hendrix-Foto auf der Plattenhülle veröffentlicht, eine Taktik , die auch bei anderen früh entstandenen Aufnahmen nach seinen ersten Erfolgen praktiziert wurde. Das alles geschah ohne Hendrix‘ Wissen und/oder Genehmigung.

Hendrix: „On one side of the disc in ,Hush Now‘ I only play the guitar. The singer’s voice has been superimposed. On the other ,Flashing‘ all I do is play a couple of notes. Man, I was shocked, when I heard it. I walked into a record store and saw the record of mine. When I played it, I discovered that it had been recorded during a jam session I did in New York. We had only been practising in the studio. I had no idea it was being recorded. (zitiert nach: Henderson, David: Jimi Hendrix …, New York 1978, S. 199)

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Dass, wie Curtis Knight behauptete, noch zwei oder drei weitere Sessions nach Hendrix‘ Durchbruch in New York stattgefunden haben sollen, ist also sehr stark zu bezweifeln. (Siehe Knight, Curtis: Jimi Hendrix, London 1974, S. 90.) Die wichtigsten Aufnahmen von Curtis Knight wurden u. a. auf LPs mit folgenden Titeln veröffentlicht: ,Get That Feeling‘ (1967), ,Strange Things‘, ,Flashing‘ (1968), ,Birth Of Success‘, ,The Eternal Fire Of Jimi Hendrix‘ (1970), ,The Ballad Of Jimi‘, ,Early Jimi Hendrix Vol.1 & 2‘, ,The Great Jimi Hendrix In New York‘, etc.

The Jimi Hendrix Book (3)

Hendrix mit Curtis Knight & The Squires

The Jimi Hendrix Book (3)

Curtis Knight & The Squires live

The Jimi Hendrix Book (3)

Jimi mit Zunge an seinem Lieblingsinstrument.

Mehrfach und unter verschiedenen Bezeichnungen wurden auch Produzent Ed Chalpins sogenannte „PPX Tapes“ veröffentlicht, Live- und Studioaufnahmen in der Besetzung: Curtis Knight (voc), Jimmy Hendrix (g/b-voc), Nathaniel Edmonds (kb), Ed Bugs Gregory und Napoleon Hank Anderson (b), Marion Booker und Ray Lucas (dr). Hendrix hatte 1965 einen Künstlervertrag mit ihm unterzeichnet, der ihm nach seinen ersten eigenen Erfolgen einigen Ärger machte – Chalpin konnte mit diesen alten Aufnahmen und dem Material einer weiteren kurzen Session im Sommer 1967 so ziemlich machen, was er wollte. Noch 1996 erschienen sie z. B. in Deutschland als 6 CD-Set mit 57 Tracks. 2005 wurde dann, mittlerweile unter der Regie der Hendrix-Familie, die daraus kompilierte CD ,You Can’t Use My Name. The RSVP/PPX Sessions‘ veröffentlicht. Hier ist Hendrix bei Aufnahmen aus dieser Session im Gespräch mit Chalpin zu hören , wo er darauf besteht, dass diese Tracks eben nicht unter seinem Namen veröffentlicht werden sollten. Das Album enthält nur noch 14 roughe R&B-Tracks aus den Jahren 1965/66, angeblich durchgehend mit dem damaligen No-Name-Sideman Jimmy James oder Jimmy Hendrix an der E-Gitarre – Jimi wurde er ja erst in England. In manchen Songs erkennt man ihn ganz klar, in anderen muss man feste glauben. Alle Gitarren-Parts hat Hendrix hier ganz sicher nicht eingespielt. Historisch-dokumentarisch wertvoll, musikalisch sehr durchwachsen, mit schönem Foto-Booklet. Curtis Knight und Produzent Chalpin haben mit dem Beginn von Jimis internationaler Karriere, alles veröffentlicht, was er noch im Schrank hatte und irgendwie oder irgendetwas mit Hendrix zu tun hatte. Auf dem familieneigenen Bootleg-Label Dagger Records erschienen dann später noch ,Curtis Knight feat. Jimi Hendrix: Live At George’s Club 20 1965 & 1966‘ und ,No Business: The PPX Sessions Vol. 2 by Curtis Knight & The Squires‘ (2020) – hier legte man etwas mehr Wert auf authentische Aufnahmen, als bei den alten Ed-Chalpin-Stückeleien.

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Hier alle bekannten Titel, die Curtis Knight (höchstwahrscheinlich) mit Hendrix eingespielt hat. Falls du dich jetzt fragst, was du mit dieser Liste sollst: In unzähligen „Best Of“-Compilations wurden immer wieder Tracks als Jimi-Hendrix-Originals reingeschmuggelt, die der als Sideman eingespielt hat. Da man sich bei solchen Veröffentlichungen discografische Angaben meist spart, kann man mit den folgenden Angaben z. B. die Curtis-Knight-Tracks identifizieren, Studioversionen sind mit S, Live-Aufnahmen mit einem L gekennzeichnet, SL heißt, es existieren sowohl Studio- als auch Live-Aufnahmen, „Voc/Inst.“ signalisiert Gesangs- und Instrumental-Versionen. Von manchen Titeln sind mehrere Aufnahmen aufgetaucht, eventuell handelt es sich aber auch nur um unterschiedliche Mixes. Alle Titel ohne Jahreszahl stammen aus den 1965er-Sessions bzw. Konzerten. 1967er-Aufnahmen gehen auf unerlaubt mitgeschnittene Jams zurück. Ebenfalls interessant war Knights Praxis, Tracks unter verschiedenen Namen auf immer wieder neuen Compilations unterzubringen. Oder auch bekannte Songs sehr frei zu interpretieren und als eigene zu verkaufen: ,How Would You Feel‘ wird Bob Dylan geärgert haben, denn es klingt passagenweise wie ein Freestyle-Rap über ,Like A Rolling Stone‘.

  • Ain’t That Peculiar (Rogers/Robinson) L
  • Ballad Of Jimi (Curtis Knight) S 1967
  • Bleeding Heart (Elmore James) L
  • Bright Lights, Big City (Jimmy Reed) L
  • Bo Diddley (Bo Diddley) L
  • California Night (Memphis Slim) L
  • Day Tripper (Lennon/McCartney) S 1967
  • Don’t Accuse Me (Curtis Knight) S
  • Driving South (Curtis Knight) L
  • Future Trip (Ed Dantes) S 1967
  • Flashing (Ed Dantes) S 1967
  • Fool For You Baby (Curtis Knight) S
  • Get Out Of My Life, Woman (Allen Toussaint) L
  • Get That Feeling (Curtis Knight) S 1967
  • Gloomy Monday (Curtis Knight) S 1967
  • Gotta Have A New Dress (Curtis Knight) S
  • Got To Have It (aka Happy Birthday) (Curtis Knight) S 1967
  • Hang On Sloopy (Russell Farrell) L
  • How Would You Feel (Curtis Knight) S
  • Hornet’s Nest S
  • Hush Now (Curtis Knight) S Voc/Instr. 1967
  • Happy Birthday (aka Got To Have It) (Curtis Knight) S 1967
  • Hold On To What You Got (Joe Tex) L
  • Have Mercy Babe (= Mercy Mercy) (Curtis Knight) L
  • Hard Night (= Let The Good Times Roll) (Earl King) L
  • I’ll Be Doggone (Robinson/Moore/Tarplin) L
  • I’m A Man (Bo Diddley) L
  • Itsy Bitsy Teenie Weenie …. (= Just A Little Bit) (Curtis Knight) L
  • It’s Not My Gig (= Bleeding Heart) (Curtis Knight / Elmore James) L
  • I Should Have Quit You (= Killing Floor) (Curtis Knight / Howlin‘ Wolf) L
  • Just A Little Bit (Gordon/Head) L
  • Killing Floor (Howlin‘ Wolf) L
  • Knock Yourself Out S Voc/Instr.
  • Let’s Go, Let’s Go, Let’s Go (Ballard) L
  • Let The Good Times Roll (Earl King) S
  • Love Love (Curtis Knight) S Voc/Instr 1967
  • Level (= Hush Now) (Curtis Knight) S 1967
  • Last Night (Axton/Smith/Moman) L
  • Land Of A 1000 Dances (Kenner/Domino) L
  • Left Alone (= Bleeding Heart) (Curtis Knight / Elmore James) L
  • Mercy Lady Day (Curtis Knight) (=Love Love) S
  • Mercy Mercy (Covay/Ott) L
  • Mr. Pitiful (Otis Redding) L
  • My Best Friend (= Instr. Ballad Of Jimi) (Curtis Knight) S
  • My Heart Is Higher (Curtis Knight) S
  • Money (Gordy/Bradford) L
  • Mister Pitiful No Business (Curtis Knight) S 1967
  • No Such Animal Part I & II
  • Not This Time (= You Got Me Running) (Curtis Knight) L
  • Odd Ball (Ed Dantes) S Voc/Instr. 1967
  • On The Killing Floor (= Killing Floor) (Curtis Knight / Howlin‘ Wolf) S
  • Running Slow (= Let’s Go, Let’s Go …) (Curtis Knight)
  • Second Time Around (= Get That Feeling) (Curtis Knight) S 1967
  • Something You’ve Got (A.Robinson) L
  • Sleepy Fate (= Instr. No Business) (Curtis Knight) S 1967
  • Sweet Little Angel (B.B.King) L
  • Stand By Me (Ben E.King) L
  • Satisfaction (Jagger/Richard) L
  • Sugar Pie Honey Bunch (Holland/Dozier) L
  • Simon Says (Curtis Knight) S
  • Strange Things (Curtis Knight) S
  • There Is Something In Your Mind (Curtis Knight) L
  • Torture Me Honey (=Hush Now) (Curtis Knight) S 1967
  • Twist And Shout (Medley/Russell) L
  • Ufo12 (Curtis Knight) S 1967
  • Wah Wah (= Hush Now) (Curtis Knight) S
  • Walking The Dog (Rufus Thomas) L
  • Welcome Home (Curtis Knight) S
  • What I’d Say (Ray Charles) L
  • Woolly Bully (Sam The Sham) L
  • You Can Do It (= Strange Things) (Curtis Knight) S
  • You Don’t Want Me (Curtis Knight) S
  • You Got Me Running (Jimmy Reed) L
  • You Got What It Takes (Tex) L
The Jimi Hendrix Book (3)

Curtis Knight machte 1967  das Beste daraus, dass sein Ex-Sideman in England Popstar war. © Lothar Trampert

Über Curtis Knight lernte Hendrix auch den Produzenten Ed Chalpin kennen, der ihm, nachdem er ihn bei Aufnahmen in seinem Studio erlebt hatte, ebenfalls einen Vertrag anbot. Der verpflichtete Jimmy, was Studioaufnahmen anging, für drei Jahre nur mit Chalpins Firma PPX Enterprises zusammenzuarbeiten. Anfang 1966 kam es in diesem Rahmen u. a. zu Aufnahmen mit der Schauspielerin & Sängerin Jayne Mansfield und dem kanadischen Newcomer Ricky Mason. Auch mit der Band von King Curtis entstanden einige Studioaufnahmen – die Bänder mit den drei Songs ,Linda Lou‘, ,Baby How About You‘ und ,I Can’t Take It‘ wurden aber bei einem Brand vernichtet. Die King Curtis Band spielte u. a. bei einer Party von Atlantic Records in New York City, wo Hendrix am 5. Mai 1966 Percy Sledge, Esther Phillips, Wilson Pickett und Don Covay begleitete.

Hendrix und Lonnie Youngblood

Das Missverständnis, ein großartig spielender Jimi Hendrix habe bereits 1963 in Philadelphia gemeinsam mit Lonnie Youngblood seine ersten Studioaufnahmen gemacht, wurde von den Initiatoren der beeindruckenden Website www.earlyhendrix.com akribisch widerlegt. Man kann anhand anderer Aufnahmen auch nachvollziehen, dass Hendrix sich in den drei Jahren bis Mitte ‘66 noch beachtlich entwickelt hatte. Die meisten Aufnahmen der Lonnie Youngblood Band entstanden demnach erst im Februar/März 1966 in den Allegro Sound Studios, New York City, in folgender Besetzung: Lonnie Youngblood (sax/voc), Jimi Hendrix (g), Napoleon Hank Anderson oder Ace Hall (b), May Thomas (b-voc); der Schlagzeuger und der in manchen Tracks zu hörende Organist sind unbekannt. Ganz sicher war Hendrix, laut earlyhendrix.com nur an den folgenden Tracks beteiligt:

  • Soul Food (That’s A What I Like)
  • Goodbye, Bessie Mae
  • Go Go Shoes
  • Go Go Place
The Jimi Hendrix Book (3)

Fotomontage? Jimi Hendrix & Lonnie Youngblood  © Lothar Trampert

Hier ist ein fähiger Gitarrist zu hören, dessen Rhythmusspiel eine Band tragen kann. Und der mit ein paar Solo-Licks wirklich glänzt und einen simplen R&R-Song wie ,Goodbye, Bessie Mae‘ bereichert. Diese Aufnahmen von Youngblood mit Hendrix wurden u. a. auf LPs mit folgenden Titeln veröffentlicht: ,Two Great Experiences‘, ,Jimi Hendrix & Lonnie Youngblood‘, ,Rare Hendrix‘, ,20 Golden Pieces Of Jimi Hendrix‘, ,Gangster Of Love‘, ,In The Beginning‘, Rare Hendrix‘ etc.

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Aus dem wenigen Material haben Youngblood und Gitarrist Herman Hitson dann eine Menge gemacht – Instrumental-Versionen, Single-Edits, Remixes – und Youngblood hat diese Tracks dann unter verschiedensten Namen auf immer wieder neuen Compilations untergebracht. Aber nicht nur diese Tracks. Denn auch hier bin ich der Meinung, dass Hendrix bei Weitem nicht an allen Stücken beteiligt war, von denen Youngblood das behauptete. Immer wenn es sich in puncto Sound, Phrasierung, Bendings und Intonation nicht so ganz perfekt anhört, war es Herman Hitson – und von Hendrix ist dann definitiv nichts zu hören. Oder , wie im Fall einer Version von ,Good Times‘, nur im Intro: Nach einem kurzen Fake-Live-Applaus, an den man ein paar Töne Hendrix-Gitarre geschnitten hat (vermutlich aus ,Go Go Shoes‘), folgt ein Track mit verstimmten Gitarren von Bending-Nichtkönnern. Dreisterweise wurde der Name „Hendrix“ aber sogar in den Songwriting-Credits aufgeführt, um echt zu wirken. Zu diesen Hitson-Fake-Tracks gehören:

  • A Mumblin‘ Word
  • Bring My Baby Back
  • Free Spirit
  • Get Down
  • Good Feeling
  • Good Times [aka Let Me Thrill Your Soul]
  • Groove Maker
  • Hey Leroy
  • Hot Trigger
  • House Of The Rising Sun
  • Let The God Sing
  • Something You Got
  • Suspicious
  • Voice In The Wind
  • Voices
  • Whipper
The Jimi Hendrix Book (3)

Eine ganz dubiose Compilation. Sicher ist, dass der Mann auf dem Cover Jimi Hendrix sein soll.

The Jimi Hendrix Book (3)

Garantiert Hendrix-frei ist die hier zu findende Interpretation des Lagerfeuer-Klassikers ,House Of The Rising Sun‘

,House Of The Rising Sun‘ ist ein gutes Beispiel für die zeitweise sehr effektiv funktionierende Masche – denn dieser populäre Song wurde auf diversen Compilations, die unter dem Namen Jimi Hendrix vermarktet wurden, immer wieder als Interpretation einer Hendrix-Band verkauft. Er ist aber sehr sicher in einer Recording-Session mit Herman Hitson (und Lonnie Youngblood) entstanden – im Juni 1966 in New York. Während man Hendrix in anderen Youngblood/Hitson-Tracks wie ,Hey, Leroy‘ und ,Free Spirit‘ noch ansatzweise zu erkennen glaubt (was aber ein Irrtum ist!), hört man in ,House Of The Rising Sun‘ einen dilettantisch intonierenden Gitarristen, der insbesondere gar kein Feeling für Bendings hat. Heute wissen wir sicher, was schon vor 40 Jahren vielen Fans und genauen Zuhörern klar war: Das war nicht Hendrix – oder er war breit wie ein Scheunentor. Inzwischen ist sicher, dass hier Herman Hitson die E-Gitarre bediente – er selbst hat die ganze Geschichte bestätigt. Der 1943 geborene amerikanische Musiker hat u. a. mit Joe Tex, Bobby Womack und Wilson Pickett gespielt, war später sicher kein schlechter Gitarrist, aber definitiv kein begnadeter Hendrix-Imitator.

Bekannt sind von diversen Lonnie-Youngblood- oder Pseudo-Hendrix-Releases anderer, unbekannter Interpreten noch folgende Song-Titel, die oft nur für bereits bekanntes Material verwendet wurden, um Fans mit Komplettierungswahn das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen.

  • All I Want
  • Feel That Soul
  • Freedom And You
  • Funky
  • Girl So Fine
  • Git Down
  • Gotta Find Someone
  • Groove
  • Let Me Go
  • Miracle Worker
  • Psycho
  • She’s So Fine
  • Sweat Segway I II III
  • Sweet Thing
  • Table I II III
  • Two In One Goes
  • Under The Table
  • Wipe The Sweat
  • Young Generation
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Wo Jimi draufstand, war nicht immer Jimi drin

Hendrix in New York: Jimmy James & The Blue Flames

Die zwei Jahre in New York waren für Jimmy Hendrix‘ musikalische Entwicklung sehr wichtig: Er hatte Jobs in der Stadt, ging zwischendurch auf Tour und lernte viele unterschiedliche Künstlerinnen & Künstler kennen. Viele verschiedene Einflüsse kamen hier auf ihn zu – Blues, Soul, Jazz, Singer/Songwriter-Folk-Rock, Poetry, Bildende Kunst, Freiheit.

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Dann war ein wichtiger Schritt einfach überfällig: 1966 gründete Hendrix, jetzt unter dem Pseudonym Jimmy James aktiv, seine eigene Band The Blue Flames, zu der auch zeitweise der damals 15-jährige Randy Wolfe gehörte, der später als Randy California bekannt gewordene Gitarrist von Spirit. Hier interpretierte Jimmy neben Blues- und Rock-&-Roll-Standards auch erstmals einige Titel von Bob Dylan, bei denen er sich auch als Sänger präsentierte – der Begleitmusiker wurde zum Frontman. Kein leichter Schritt, denn bisher hatte sich Hendrix wegen mangelndem Selbstbewusstsein in Bezug auf seine gesanglichen Fähigkeiten bis auf ganz wenige Ausnahmen zurückgehalten. Dylans zwar dilettantischer, aber durchaus expressiver Gesangsstil, sowie seine Stimme, „die klingt, als käme sie über die Mauern eines Tuberkulose-Sanatoriums“ (so Siegfried Schmidt-Joos & Barry Graves im legendären „Rocklexikon“,1979), hatten es Hendrix angeblich leicht gemacht, diese Zweifel zu überwinden. In erster Linie verstand er sich aber auch weiterhin als Gitarrist. Angeblich soll Hendrix seine Band kurz auch mal in „The Rainflowers“ umbenannt haben und mit Ed Sanders, Tuli Kupferberg und Ken Weaver von „The Fugs“ zusammengearbeitet haben.

In den drei Monaten in denen die Band existierte erregte sie einiges Aufsehen in der Künstlerszene von Greenwich Village. Musiker wie der Bassist Jeff Baxter, der Keyboarder Al Kooper und der Gitarrist und Harmonikaspieler John Hammond Jr. (Sohn des legendären Produzenten John Hammond) stiegen für kurze Zeit ein, britische Popstars, die in den USA auf Tour waren, u. a. die Beatles, die Rolling Stones und die Animals, wurden auf den Insider-Tipp Jimmy James aufmerksam und besuchten das Cafe Wha? und das Cafe A GoGo, in denen der neue Ausnahmegitarrist zu hören war. Und als Gitarrist wurde er auch der Geheimtipp des New Yorker Sommers ’66.

Die Entdeckung

Und das bedeutete den Wendepunkt in seiner Karriere: Der Bassist der britischen Formation The Animals, Chas Chandler, der Jimmy schon im Juli gesehen hatte, kehrte Anfang September nach einer US-Tour nach New York zurück und überzeugte ihn davon, seine Band zu verlassen und mit nach England zu kommen, um dort eine neue Gruppe zusammenzustellen. Chandler kannte den britischen Markt schon lange genug und er sah, wie auch Animals-Manager Michael Jeffery, gute Chancen, die am Blues orientierte Musik Hendrix‘ kommerziell nutzen zu können. Hendrix und Chandler einigten sich, die nötigen Papiere wurden besorgt und die Reise ins Ungewisse konnte beginnen. Deal!

Chas Chandler hatte vorher noch die bestehenden Vertragsrechte von Sioux-Records für 50 US-Dollar aufgekauft. Den 3-Jahres-Vertrag mit Ed Chalpin hatte Chas zu seinem Pech nicht weiter berücksichtigt; vielleicht war er hierüber auch gar nicht informiert. Diese Tatsache sollte ihm und Hendrix noch eine Menge Ärger bereiten …

Nächsten Sonntag, 17 Uhr …

geht es weiter mit JIMI ON SUNDAY 04: Jimi Hendrix geht nach London und startet eine Weltkarriere.

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Forum
  1. Profilbild
    Fredi

    Hallo Lothar,

    danke für den – wie immer – sehr informativen Artikel!

    Man bekommt schon den Eindruck, dass Hendrix zu Beginn seiner Karriere relativ erratisch unterwegs war. Aber vermutlich waren das damals einfach die Rahmenbedingungen auf dem Chitlin‘ Circuit, und so richtig bandtauglich scheint er ja auch nicht gewesen zu sein.

    Lustig ist, wie man dann mit wirklich halbgaren Aufnahmen versucht hat, das letzte Geld aus seinem Genie herauszupressen. Das war ja später dann auch ja mit der Polydor-Sammelbox und den Alben „Midnight Lightning“ und „Crash Landing“ von Alan Douglas so, wo aus irgendwelchen Studioschnipseln dann nach Hendrix‘ Tod im Nachgang mit Studiomusikern komplette Stücke gemacht wurden. Aber ehrlich: ich fand diese Sachen teilweise gar nicht so schlecht, weil sie eben schon eine neue Richtung andeuten, in die Hendrix hätte gegangen sein können.

    Prima, ich sauge Deine Stories förmlich ein! Hoffentlich bin ich nicht der Einzige dabei: das hätte Deine tolle Serie nicht verdient!

    Gruß
    Fredi

    • Profilbild
      LOTHAR TRAMPERT RED

      Hallo Fredi,

      ich denke, er hat in seinen ersten Profi-Jahren alles angenommen, was seine Rechnungen bezahlt hat – und das waren eben tourende Musiker auf einem gewissen Niveau. Hendrix hatte sich für solche Jobs anscheinend schnell einen guten Namen erspielt.

      Zu den Alan-Douglas-Veröffentlichungen: Das war ganz sicher nicht alles schlecht, denn es waren ja sehr gute Musikerbeteiligt. Aber kaum ein Track hatte für mich diese Ausstrahlung der originalen Studio-Alben. Ehrlich gesagt habe ich aber da seit ewigen Zeiten nicht mehr reingehört …

      Dann bis demnächst!
      Lothar

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