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Top News: Percussa mSSP, Eurorack Synthesizer

25. November 2018

Super Signal Prozessor fürs Eurorack

Percussa mSSP

Im Jahr 1995 erschuf Dieter Doepfer das Eurorack-Format mit dem ersten A-100 Analog Modular System. Damals waren es vor allem einfache analoge Module wie ein Oszillator, Filter, Hüllkurve, LFO usw. Seit einigen Jahren ist aber Eurorack ein Dauerthema in Synthesizer-Foren und jeden Monat kommen neue Hersteller dazu. In diesen 23 Jahren seit den ersten Modulen hat sich der Markt aber stark gewandelt. Wo damals alles auf analog gesetzt wurde, sind heute zahlreiche spannende digitale Module, die für Begeisterung sorgen, beispielsweise von Hersteller wie Mutable Instruments aus Frankreich.

Dieses Jahr veröffentlichte Percussa den SSP (Super Signal Processor), ein digitales Modul, das alles kann, was es sonst in einzelnen Modulen oder im Rechner nur gibt. Von Granular-Synthese, Sampler, polyphonem Synthesizer mit diversen Synthese-Arten, Effekten, Utility-Funktionen, aber auch Support für Linux VST-Plugins, die auf ARM laufen. Die modularen Synthesizer-Communities sind bis heute sehr zwiegespalten mit dem Produkt: Auf der einen Seite kann es alles, was man sonst auf einem Computer macht und mehr. Auf der anderen Seite nimmt es sehr viel Platz im Rack ein und kostet so viel wie verschiedene sehr gute Hardware-Synthesizer.

Percussa mSSP

Auf diese Kritik haben die Entwickler (Bert Schiettecatte, Celine Van Damme) diese Woche reagiert und den mSSP (micro Super Signal Processor) vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine abgespeckte und günstigere Version des SSP. Das mSSP Modul basiert auf dem gleichen Quad-Core ARM Cortex A17 Prozessor mit 1,8 GHz (einer der schnellsten ARM Prozessoren), den gleichen Highend AKM Audio-Wandlern, aber nur mit 8 Eingängen und 4 Ausgängen mit 192 kHz, 32 Bit (SSP besitzt 16 Eingänge/8 Ausgänge).

Percussa mSSP

Weitere Unterschiede sind:

  • kein USB-Device-Port für Audio-Streaming zum PC/Mac
  • ein kleineres Display
  • kein SD-Karten-Slot
  • 2 USB-Host-Ports, die MIDI (MPE) -Controller unterstützen, aber auch USB-Massenspeicher
  • 8 Druckknöpfe anstatt 16
  • 4 GB interner Speicher anstatt 16 GB
  • 2 GB RAM
  • kein 2D internes Patching-System

Percussa mSSP

Auf dem mSSP wird die gleiche DSP-Software laufen wie beim großen Bruder SSP, hat aber weniger Hardware-Controller und weniger Speicher. Ausgeliefert wird der mSSP mit 50 verschiedenen Modular-Synthesis-Patches, die viele Synthese- und Audioverarbeitungs-Technologien beinhalten werden. Hierzu zählen beispielsweise:

  • 8-stimmiger Wavetable-Synthesizer mit 3D-Morphing (2 OSC pro Stimme, MIDI-Support, XYZ-Modulation, Hüllkurven und Delay/Reverb Effekte)
  • 8-stimmiger Granular-Synthesizer mit bis zu 200 Grains pro Stimme (Live-Eingang & Sample-Support)
  • 32 Oszillator additiver Synthesizer
  • 4-stimmiger Physical-Modeling Membrane-Synthesizer
  • 4-stimmiger Karplus-Strong-Synthesizer
  • 8 Kanal Delay- & Reverb-Effekte
  • und vieles mehr

Eine Demo der Granular Engine 

Neben den 50 verfügbaren Programmen auf dem fertigen Modulen, lassen sich auch neue Patches, die man mit dem SSP entwickelt hat oder aus der SSP Community heruntergeladen hat, benutzen. Auch gibt es die Möglichkeit, VST-Plugins ins Modul zu importieren, diese müssen aber für Linux/ARM kompiliert sein. Als Beispiel haben die Entwickler ein Quad-VCA VST-Plugin in C++ mit dem JUCE Framework geschrieben, was man kostenlos auf Github herunterladen und in das SSP/mSSP importieren kann.

Eine Demo der Wavetable Engine

Das Percussa mSSP kann man jetzt auf Kickstarter vorbestellen für einen Preis von 549 USD und wird voraussichtlich im Juni 2019 an die Unterstützer ausgeliefert. Der finale Retail-Preis ist noch nicht bekanntgegeben worden.

Forum
  1. Profilbild
    Hectorpascal  AHU

    Abgespeckt ist der nix halbes und nichts ganzes. Da liegt ein ER-301 bei Haptik und Funktion weit vorne. Die große Variante ist schon klasse und sollte Richtung Mini-DAW für Euroracker entwickelt werden. Komplett Open Source ohne Apple IOS Wucherei. Solche Konzepte haben ein riesiges Potential wenn sie gut durchdacht sind und stetig weiter entwickelt werden.

    • Profilbild
      Tom Aka SYNTH ANATOMY  RED

      Naja der ER-01 kann eine bestimmte Anzahl an Funktionen, der hier ist so gesehen unendlich da du selbst Programme vom SSP laden kannst die du selbst entwickelt hast. Von einem kompletten Granular, Wavetable, FM oder Physical Modelling Synthesizer, diversen Effekten oder einfach Tools wie einem Sequencer, Utility Funktionen usw.

      So viel kann der ER-01 dann leider nicht und persönlich mag ich die Haptik des SSP und mSSP lieber. ER-301 ist relativ kompliziert aufgebaut aber kann mich irren ;).

      • Profilbild
        Hectorpascal  AHU

        So richtig vergleichbar sind die beiden ohnehin nicht. Der ER-301 ist schon sehr einzigartig. Der ER „emuliert“ komplexe Oszillatoren, Wavetables, „Grains“ und Karplus Strong aus seinem Fundus an Modulen, die ihm sein Entwickler mitgegeben hat. Er ist kein Maggi-Fix, eher wie ein Max for Live in Miniaturform mit Knöpfen, Steckern und Reglern. Einerseits softwaremäßig proprietär, dann aber flexibel genug um dem gewünschten Ergebnis nahe zu kommen oder dieses sogar zu übertreffen. Der ER-301 gehört bei mir zu den Top 10 im Eurorack-Universum. Eine Bestellung steht leider noch aus. Es gibt wie so oft wichtigere Dinge im Leben. ;)

  2. Profilbild
    Coin  AHU

    Geiler Sound.
    Finde die Technologie schon interessant und fetzig.
    Aber ich verliere bei Hardware immer den Überblick.
    Spannend zu sehen was andere damit schaffen.

  3. Profilbild
    Leverkusen  

    Für den Preis mit den mitgelieferten Presets scheint mir das ein sehr flexibles und interessantes Modul zu sein. Möglicherweise würde schon das eine oder andere alleine als Modul so viel kosten dürfen. Das macht mich neugierig

    Andererseits finde ich das Finanzierungsziel ziemlich sportlich und die angebotenen Sammlerstücke irritierend. Ich würde ja ehrlich gesagt nicht mal für ein Autogramm von Tony Rolando extra zahlen. Und das hier wird ja wohl kaum irgendwann ein ultrarares Sammlerstück werden. Maths Nummer eins wäre hingegen für den, der’s mag sicher genau das richtige.

    Natürlich darf jeder das so handhaben wie er will, aber ich fange dann eben schon auch an, an den technischen und kaufmännischen Fähigkeiten zu zweifeln wenn jemand so weit ab vom wirklichen ist und gleichzeitig so überzeugt von sich. Das wiederum mach mich eher vorsichtig.

    Schade, bzw. bin gespannt, wie es ausgeht…

  4. Profilbild
    Kybernaughty  

    Sehr gut gesagt, Leverkusen>
    „an den technischen und kaufmännischen Fähigkeiten zu zweifeln wenn jemand so weit ab vom wirklichen ist und gleichzeitig so überzeugt von sich.“… das denke ich mir bei den jüngsten Eurohipster – Verrenkungen öfters. Back to the Nineties – futzelige Displays (OK, in bunt) mit nondeskripten Encodern und vielen schönen Menus.
    Ich denke, dass hier ein Laptop mit entsprechender Soundkarte der bessere Weg ist. Der diskrete Aufbau ist ja gerade das, was mich anno dazumal am A-100 so gefallen hat, und die zunehmende Funktionsintegration und Kompaktheit sind für mich der Weg in die entgegengesetzte Richtung. Aber wie immer: wanns schee macht…

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