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Tour-Tagebuch: Mad Max on the Road – Teil 2

25. August 2018

Rock-Tour: Jeder Tag ein neues Abenteuer

Nach den ersten Tagen auf Tour geht es in im zweiten Teil wieder in den Süden der Republik. Teil 1 der Rocker-On-Tour-Story findet Ihr HIER.

Tour-Tagebuch: Mad Max on the Road – Teil 2. Am Ende des Tagebuch hat uns Kai ein Interview gegeben – ganz frisch und ganz aktuell vom August 2018.

Tag 7 : Mittwoch 17.06.2009, 13:25 – Rastplatz an der A8 Richtung München

Das nächste Ziel heißt München! Hier sind die ersten Verluste zu beklagen.

Mit Kai Lünnemann II. (5), seinen Geschwistern „Dilara“ (7) und „Tom“ (3) stehen wir erwartungsvoll auf dem Rastplatz und halten nach dem Bus Ausschau. In der Zwischenzeit werden die LKW-Kolosse, die aus der Sicht eines Fünfjährigen garantiert noch viel größer erscheinen, bestaunt und dann kommt der Bus. Natürlich dürfen die „Kleinen“ auch noch einen kleinen Blick in den sicher etwas unheimlich wirkenden Tourbus werfen. Von außen kann man schließlich nicht reinschauen durch die verdunkelten Gläser. Gleichzeitig schüchtern und total aufgeregt gibt’s dann noch ein Blick in die Lounge und Händeschütteln mit den Rock ’n‘ Rollern. Das wird vermutlich für eine gewisse Zeit das aufregendste Erlebnis für die Kids bleiben, dicht gefolgt von Baumeister Bobs Geschichten. Dann macht sich der Bus auf den Weg Richtung Bayerischer Landeshauptstadt, die ich das letzte Mal gesehen habe, als ich in der 11. Klasse war.

Ich erinnere mich noch gut an die nette Jugendherberge, in der wir 16-Jährigen es total cooool fanden, mit unserem damaligen Lehrer auf dem Zimmer ein Gläschen Pflaumenwein zu trinken. Ja das waren sie … die ersten Kontakte mit Alkohol … spulen wir jetzt aber mal lieber wieder 15 Jahre vor, und genau in diesem Moment hält der Bus nämlich auch schon wieder an. Polizei-Kontrolle. So ein blau-weißes Auto mit „Bitte folgen“-Laufschrift erzeugt doch immer einen gewissen Adrenalinkick, selbst wenn man weiß, dass man sich 100%ig korrekt verhalten hat und nichts zu befürchten haben dürfte. Ich befürchte daher natürlich Schlimmes wie z. B. eine komplette 5-stündige Drogendurchsuchung des ganzen Busses (zur Info: Sie hätten nichts finden können!), aber es handelt sich zum Glück nur um einen Check der Ruhezeiten des Fahrers, alles in Ordnung und die Fahrt kann weitergehen. Puh.

In der „GARAGE“ dann doch relativ frühzeitig in München ankommen, dürfen wir uns über ein sensationelles Wetter freuen und hängen alle eine ganze Weile in der Sonne und lassen uns ihre Strahlen auf die Astralkörper brutzeln.

Die Garage-Deluxe in München

Die Garage-Deluxe in München

Urlaubsflair macht sich breit und ich beobachte auf einer Parkbank sitzend die „Bayerrrn“ (bitte das r rollen), die da so vorbei schlendern. Ich stelle fest: Die sehen hier einfach mal alle total geil aus. *tschuldigung* Also mal im Ernst. Da kann Heidi Klum mit ihrem Kindergarten aber einpacken, denn die 50 People, die hier ihren Live-Walk vor mir präsentieren, gehen alle in der Bohlenschen Kategorie „hammermäßig“ durch. Nicht nur die Mädels, nein auch die Typen sehen alle aus wie geleckt und als kämen sie direkt vom Laufsteg. Auch Expertenjury-Mitglied „Mr. Voss“ ist da mit mir „D’Akkordeon“ (um mal Ernie aus Stromberg zu zitieren) und kommentiert nur mit „fucking awesome“.

Unser Sänger und mein Namensvetter Kai Noll von „Crush, Zac, Begg and a friend“ hat sich an diesem Tag einen üblen Virus eingefangen und nachdem er bereits am Morgen einen Notfall-Besuch beim Doc hatte, gehe ich am Nachmittag noch einmal mit ihm zu einer Apotheke, um Kamillosan (ich kriege keinen Cent für Schleichwerbung) zu besorgen. Laut iPhone (hier auch nicht) sollte die nächste Apotheke 300 m weit weg sein. Kein Problem – wir also guten Mutes los.

Nach gefühlten 1,5 km kommen wir am angegebenen Punkt an, aber von der Apotheke weit und breit keine Spur. Durch Nachfragen bei einigen Passanten bestätigt sich unser Verdacht, dass es Kartendaten von 1980 sind und wir müssen weitere 1,5 km laufen. Kai Noll, mit schwerer Grippe inzwischen doch reichlich geschwächt, kann sich Schöneres vorstellen, wie ich seinem Gesichtsausdruck entnehmen kann, aber tapfer kämpfen wir uns bis zum Kamille-End-Lager durch. Wir sehen anschließend beide aus, als hätten wir einen 40 km Marathon hinter uns. Trotz der ersten Misere ein neuer Blick auf die iPhone-Karte, man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. Unsere Idee: Unter dem Ostbahnhof hindurch auf die andere Seite der Schienen gelangen, Luftlinie ca. 250 m – wir sind natürlich im Kreis gelaufen. Zur Sicherheit frage ich im Bahnhof eine Angestellte eines Brötchenverkaufstandes „Hallo. Wie kommen wir denn auf die andere Seite der Schienen?“ Sie schaut mich an, als wäre ihr der 15:20 ICE aus Hannover auf Gleis 8 direkt ins Gesicht gefahren und antwortet tatsächlich „Was denn für Schienen?“ (noch mal zur Info: Wir befinden uns unter dem Ostbahnhof in München, über uns unzählige Gleise und Züge.) Jetzt schaue ich sie an, als hätte mich der ICE auch erwischt und Kai und ich erklären daraufhin die Situation für ausweglos. Wir nehmen uns das nächste Taxi und fahren die 250 m – für 8 Euro, aber immerhin kommen wir an. Was für ein Abenteuer, für ’ne Prise Kamille, die aber letztlich Kais Stimme in den folgenden Tagen ein bisschen heilen wird.

Michael Voss & Kai Lünnemann während der Tour

Der Club ist ansprechend gemacht und reiht sich nahtlos ein in die Liste von familiären Locations mit Westcoast-Flair. Die Bühne ist ein bisschen höher und ich muss mich in eine Ecke quetschen und kann mich gerade mal 20 cm vor und zurück bewegen. Das bin ich ja eher anders gewohnt, wenn ich als Gitarrist oder Sänger on the road bin, und ich merke, wie schwer es eigentlich als Keyboarder ist, 2 Stunden auf der Stelle zu stehen und trotzdem Live-Action zu machen. Aber ich habe da ein sehr gutes Vorbild: Corvin Bahn, mit dem ich früher schon einiges zusammen auf die Bühne gebracht habe und der nun mit Uli John Roth und Gamma Ray auf Welttourneen geht. Stellenweise ertappe ich mich selbst dabei, die gleichen Moves & Grooves zu machen wie er. Irgendwie witzig. Schön ist an diesem Tag, dass es ein paar Gäste mehr sind und es stellt sich raus, dass eine Gruppe von Mädchen bereits vor ca. 25 Jahren, als ich noch fast (!) in die Windeln gemacht habe, schon mal bei einem MadMax-Gig in dieser Stadt war und die Jungs von MadMax schwelgen noch bis spät in die Nacht in Erinnerungen an Zeiten und Situationen, an die sie sich eigentlich doch nicht erinnern können – aber geschwelgt wird trotzdem! Es ist ja auch immerhin die 25th Anniversary-Tour.

Jürgen bringt in der Garage die Wände zum Wackeln

Jürgen rockt die Garage

Nach dem Gig stehe ich draußen noch ein wenig vor dem Bus und langweile mich, als ich aus einem ca. hundert Meter entfernten Blockhäuschen noch Musik höre. Allerdings krumm und schief, dass es mir die Nägel hochzieht. Grund genug, diesem Phänomen einmal auf den Grund zu gehen und so entscheide ich mich, mal dort in Erwartung einer drittklassigen Coverband hineinzuschauen, aber Fehlanzeige. Es ist … eine Karaoke-Bar :)! Ich amüsiere mich eine Stunde köstlich über die Darbietungen der inzwischen natürlich total betrunkenen Gäste und staune nicht schlecht, dass es immer wieder neue Leute gibt, die reinkommen, sich durch die Liederliste mit 100000000 Titeln stöbern, drauflos singen und wieder den Laden verlassen. Hat eigentlich schon mal jemand bemerkt, dass in diesen dicken Karaoke-Bar-Ausliege-Songlisten die meisten Tracks ohne erkennbaren Unterschied 15-60 mal aufgeführt sind? Das muss mir mal einer erklären, bitte! Ich glaube, Robbie Williams „Angels“ war ca. 125 mal hintereinander abgedruckt – aber NEIN … ich habe natürlich nicht gesungen – war ja auch nicht betrunken!

Zehn aufs übelste versägte Klassiker später halte ich’s dann auch nicht mehr aus und begebe mich in mein märchenhaftes Bett, um zu schlafen bzw. es zumindest zu versuchen.

Forum
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    Atarkid  AHU

    Wow! Was für eine Sonntagslektüre!!!! Toll dass Du uns an diesen Erlebnissen teilhaben lässt, kommen dadurch viele fast vergessene Erinnerungen hoch. Macht mich fast ein bißchen wehmütig.
    Das Interview im Anschluss ist auch prima, weil’s das Dilemma der handwerklich fundierten Musik aufzeigt. Heutzutage verdienen DJs live das große Geld mit Produktionen für die man oftmals auch nix können muss. Eine richtige Band, die nicht grad Scorpions oder AC/DC heißt, tut sich vermutlich verdammt schwer. Fürchterliche Entwicklung, und das sag ich als jemand der ausschließlich elektronische Instrumente benutzt (sie aber auch spielt und nicht nur programmiert ^^)….

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