Plattform zur Entwicklung von Plug-ins
Die Firma UJAM kennen wir aufgrund ihrer zahlreichen Software-Instrumente und Effekte. Mit UJAM Gorilla Engine öffnet der Hersteller nun seine Plattform zur Entwicklung von Plug-ins für Dritthersteller. Für Hobby-Entwickler ist der Zugang zur Gorilla Engine sogar kostenlos.
UJAM Gorilla Engine
Die meisten Nutzer und Entwickler setzen bei ihren Software-Instrumente auf den weit verbreiteten Software-Sampler Kontakt. Nicht nur, aber sicherlich auch aufgrund der letzten Entwicklungen bei Native Instruments (hier unser Artikel zum aktuellen Insolvenzverfahren bei Native) möchte UJAM mit Gorilla Engine eine Alternative aufzeigen.
Bei Gorilla Engine handelt es sich um ein umfassendes SDK zur Entwicklung von Audio-Plug-ins für Entwickler und Sound Designer. Mit Hilfe der Plattform lassen sich individuelle Sound-Kerne entwerfen, diese in den gängigen DAWs testen und diese inklusive Installationsprogrammen in den Formaten VST, AU und AAX exportieren.
Die Gorilla Engine bietet Entwicklern Zugriff auf mehr als 60 Effekt-Algorithmen, Filter und Oszillatoren – alles in einer modularen Umgebung, in der Sound Designer, Entwickler und UI-Designer parallel arbeiten können. Für das Soundcore-Design, das Prototyping und die finale Kompilierung stehen jeweils eigene Werkzeuge zur Verfügung, ergänzt durch eine flexible Benutzeroberfläche und eine Skriptsprache, die die Audiologik, das Layout der Benutzeroberfläche und das Steuerungsverhalten klar voneinander trennen.
Passend zu dieser Engine bietet UJAM den Product Hub an. Hierbei handelt es sich um ein integriertes Lizenzierungs- und Vertriebssystem. Entwickler können ihre Produkte hierüber verwalten, Installer ausliefern oder spezielle Downloader anbieten.
Gleichzeitig bietet Product Hub eine Webshop-Anbindung, die einen Abgleich von Lizenzdaten ermöglicht sowie eine Integration von Benutzernamen/Passwörtern über eine JavaScript Client Library. Im Grunde bekommen Entwickler von UJAM also eine komplette All-in-one-Plattform/Umgebung für die Entwicklung und den Vertrieb ihrer Plug-ins geboten.
Für Entwickler, die aktuell von Kontakt migrieren, bietet die Gorilla Engine einen direkten und vergleichsweise unkomplizierten Weg. Die zum Einsatz kommende Skriptsprache Gorilla Script ist recht ähnlich zu Kontakt Script (KSP), so dass lediglich minimale Anpassungen notwendig sind, um auf die Gorilla Engine zu wechseln. Hier findet ihr weitergehende Informationen dazu.
Die Gorilla Engine kann ab sofort unter macOS und Windows genutzt werden. UJAM bietet ein abgestuftes Lizenzmodell an. Hobby-Entwickler können die Engine kostenlos nutzen. Alle Informationen dazu gibt es hier.




























Hallo zusammen,
ich finde es super, dass UJAM auch den Markt für Plugin-Entwicklung bedient. Dass Entwickler aus dem Indie-Bereich, die typischerweise eigentlich keine signifikanten Einnahmen machen, das Tool kostenlos benutzen können, ist auch prima.
Mittlerweile ist der Markt aber etwas unübersichtlich geworden. Es gibt Engines mit Skriptsprache wie Kontakt, HISE oder eben auch UJAM Gorilla und die eher tradionelle Entwicklung mit einem Audio/Pluginframework wie JUCE oder iPlug2 und einer Programmiersprache wie C++.
Meine Plugins habe ich mit JUCE entwickelt; JUCE bietet auch das Lizenzmodell an, dass ein Open-Source-Entwickler nichts zahlen muss. Allerdings ist bei einem C++-Framework der initiale Aufwand, das Ganze zum Laufen zu bringen, etwas größer: es ist halt „klassische Softwareentwicklung“.
Dass die Pluginentwicklung auf einem abstrakteren Level erfolgt, ist für den Einstieg sicher auch hilfreich. Und UJAM hat ja schon selbst gezeigt, dass sie damit tolle Sachen erstellen können.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Plugin-Markt so nachhaltig ist, dass UJAM über viele Jahre diese Plattform pflegen kann. Das Schicksal von NI wurde ja im Artikel schon erwähnt…
Gruß
Fredi
Nur weil NI grade ein Insolvenzverfahren hat, geht Kontakt ja nicht gleich unter, dafür ist die Plattform auch viel zu groß, das ist der Industriestandard. Grade kommt ja Komplete 26 raus (mal schauen, was die Jahreszahl jetzt im Namen ausmacht).
Mal schauen, ob man sich damit auch relativ einfach selber was zusammen basteln kann und ob ähnlich wie bei Reaktor auch ein großer Markt für Freeware Instrumente entsteht.
@ollo Hallo ollo,
naja, gehen wir mal vom Worst-Case bei einer Insolvenz aus und NI verschwindet vom Markt, dann bleibt halt unklar, wer die Weiterentwicklung von Kontakt dann übernehmen wird.
Soweit ich weiß, ist Kontakt eine Closed-Source-Plattform, d.h. Anpassungen an neue Oberflächenframeworks, neue Plattformen (man denke z.B. an den damaligen Wechsel von Apple auf eine neue Prozessorarchitektur usw.) bleiben dann unerledigt oder dauern eben (falls jemand doch die Softwarepflege übernehmen kann).
Egal, man wird sehen, wie es weitergeht. Und UJAM Gorilla bietet ja theoretisch einen Migrationspfad für Kontakt-Skripte auf Gorilla an: das könnte eine Option für Bibliotheksentwickler sein, wenn alle Stricke reißen.
Gruß
Fredi