Sicheres und verantwortungsbewusstes Arbeiten auf Bühnen
Ob Festival, Stadtfest, Clubshow oder Vereinskonzert – auf und hinter der Bühne geht es oft hektisch zu: Kabel, Cases, Traversen und Technik – viele Hände packen an, egal ob Veranstaltungstechniker, Hobby-DJ oder ehrenamtlicher Helfer. Die Bühne ist ein Arbeitsplatz mit hohem Unfallrisiko. Dieser Workshop richtet sich an Einsteiger, Stagehands, Laien und ehrenamtliche Helfer, die auf oder hinter der Bühne mitarbeiten – aber auch an Veranstaltungstechniker, die ihr Wissen auffrischen wollen. Er zeigt praxisnah, welche Sicherheitsvorschriften gelten, welche Gefahren typisch sind – und wie man mit gesundem Menschenverstand, Aufmerksamkeit und Basiswissen Unfälle vermeiden kann. Das Ziel: ein Verantwortungsbewusstsein für sicherheitsrelevante Themen zu schaffen!
- Gefahren erkennen: Strom, Lasten über dem Kopf, Stolperfallen, Lärm und Feuer gehören zu den häufigsten Unfallrisiken.
- Rechtliche Grundlagen: DGUV-Vorschriften und die Versammlungsstättenverordnung regeln zentrale Sicherheitsmaßnahmen.
- PSA & geprüfte Technik: Schutzausrüstung und regelmäßige Prüfungen (z. B. DGUV V3) sind Pflicht – auch bei mitgebrachtem Band-Equipment.
- Verantwortung für alle: Sicherheit geht alle an – vom Stagehand bis zur Fachkraft, unabhängig von Veranstaltungsgröße oder Budget.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung in die Sicherheitsvorschriften und Unfallverhütung
- Rechtlicher Rahmen – was gilt für wen?
- Gefahren im Bühnenbereich – worauf muss ich achten?
- Sturzgefahren und Stolperfallen
- Elektrische Gefährdung
- Lasten über dem Kopf
- Feuergefahr
- Lärm
- Schwere körperliche Arbeit
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
- Sichere Arbeitsmittel & Prüfung
- Rigging & Arbeiten in der Höhe
- Brandschutz
Einführung in die Sicherheitsvorschriften und Unfallverhütung
Dieser Workshop soll einen Einblick in das Thema Sicherheit auf Bühnen geben. Die Sicherheitsvorschriften sind so weitreichend, dass man zu jedem Thema einen eigenen Workshop schreiben könnte. Deshalb gebe ich lediglich einen groben Überblick über die verschiedenen Aspekte.
Strom, schwere Lasten, Arbeiten in der Höhe oder hektische Umbauten können schnell gefährlich werden – für Techniker ebenso wie für Künstler und das Publikum. Dabei lässt sich mit einfachen Maßnahmen viel für die Sicherheit tun – auch ohne Profi-Status. Denn klar ist: Sicherheit ist kein Hindernis, sie ist die Grundlage für gelungene Veranstaltungen. Unwissenheit ist keine Entschuldigung – sie kann aber durchaus gefährlich werden.
Für Fachkräfte sollte das Thema Sicherheit allgegenwärtig sein und sie sollten sich mit den Sicherheitsvorschriften gut auskennen. Außerdem müssen sie auf deren Einhaltung achten und auf Gefahrenstellen hinweisen. Doch gerade auch Laien und Hobbyhelfer arbeiten in Clubs, bei Stadtfesten oder Konzerten. Ohne Helfer und Stagehands würden viele Veranstaltungen gar nicht stattfinden können. Allerdings übernehmen sie oft auch Aufgaben, die eigentlich Fachkräften vorbehalten sind.
Das ist natürlich in Ordnung – sofern man über das nötige Wissen verfügt und auf die Sicherheit achtet. Man muss keine Fachkraft sein, um sich mit dem Thema Sicherheit zu beschäftigen. Auch für jeden Laien lohnt es sich, im Ernstfall richtig reagieren zu können und sich sowie andere zu schützen. Kurz gesagt: Wer Sicherheit versteht, schützt sich selbst – und wird für jedes Team wertvoller.
Rechtlicher Rahmen – was gilt für wen?
Egal ob Fachkraft oder Helfer bei Konzerten, Festen und Veranstaltungen – alle bewegen sich im Bereich des Arbeitsschutzrechts und sollen ihre Tätigkeiten sicher ausüben können. Daher ist es wichtig, die grundlegenden Vorschriften zu kennen:
- DGUV Vorschrift 1: Grundsätze der Prävention. Sie legt fest, dass alle nötigen Maßnahmen getroffen werden müssen, um Unfälle zu verhindern.
- DGUV Vorschrift 3: Betrifft elektrische Anlagen und Betriebsmittel – also z. B. Verlängerungskabel, Lichtpulte, Verstärker.
- DGUV Regel 115-002: Speziell für Bühnen und Veranstaltungsstätten. Hier steht, wie Technik sicher aufgebaut, geprüft und genutzt werden muss.
- Versammlungsstättenverordnung (VStättVO): Regelt u. a. Fluchtwege, Brandschutz, zulässige Lasten und Aufbauvorschriften für Bühnen.
Gefahren im Bühnenbereich – worauf muss ich achten?
Bühnen sind dynamische Arbeitsplätze – mit vielen Menschen, viel Technik und oft enormem Zeitdruck. Jeder Club und jede Bühne sind anders aufgebaut. Die Unfallgefahren sind daher vielfältig und teils nicht auf den ersten Blick erkennbar. Trotzdem habe ich hier einige wichtige Punkte zusammengestellt, die für viele Unfälle verantwortlich sind.
Sturzgefahren und Stolperfallen
Durch ungesicherte Bühnenkanten oder lose Kabel auf dem Boden entstehen oft tückische Stolperfallen, die zu Gefahren werden können. Deswegen sollten Kabel ordentlich verlegt und mit Kabelmatten gesichert werden. Gänge und Laufwege sind von Kabeln freizuhalten. Die Bühnenkante sollte ordnungsgemäß gekennzeichnet werden – ich empfehle, dies wirklich immer zu tun, auch bei kleinen Konzerten. Ich markiere die Bühnenkante immer mit farbigem oder weißem Tape. Wenn Kinder oder Tanzgruppen auftreten, kennzeichne ich meist noch eine zweite Linie mit etwas Abstand zur ersten. Die Markierung sollte direkt zu Beginn des Aufbaus erfolgen, damit beim weiteren Aufbau niemand stürzen kann.
Ebenso sollten bei großen Bühnen die Stellflächen für Monitore und Lampen mit Tape gekennzeichnet werden. Auch Treppen und Riser müssen entsprechend abgeklebt werden. Laufwege können durch Pfeile auf dem Boden zusätzlich vereinfacht werden. Flächen, die nicht betreten werden dürfen, sollten mit einem Kreuz markiert werden – das sieht man beispielsweise oft auf den Subs oder dem Frontfill vor der Bühne.
Elektrische Gefährdung
Defekte Kabel, offene Stecker, Feuchtigkeit
Auf Bühnen werden viele elektrische Kabel verlegt, zudem kommen Starkstrom oder Generatoren zum Einsatz. Fachkräfte verfügen über das nötige Wissen und die Befähigung, Starkstrom fachgerecht zu verkabeln und die erforderlichen Absicherungen zu treffen. Gerade Helfer sollten hier besonders vorsichtig sein, denn sie sind keine Elektrofachkräfte und dürfen nur eingeschränkt mit elektrischem Material arbeiten – Starkstrom gehört definitiv nicht dazu! Fachkräfte können zwar einzelne Aufgaben delegieren, müssen aber darauf achten, dass alle elektrischen Kabel ordnungsgemäß verlegt wurden.
Alle elektrischen Betriebsmittel sollten in einwandfreiem Zustand sein und ordnungsgemäß verwendet werden. Klassische Fehler wie das falsche Verlegen von Starkstromkabeln oder das Nicht-Abrollen langer Kabeltrommeln sollten vermieden werden. Ebenso müssen alle Kabel den passenden Querschnitt aufweisen und entsprechend abgesichert sein. Auch Nässe und Feuchtigkeit sind gerade bei Festivals ein großes Thema. Dort sollten ausschließlich outdoor-fähige Kabel und Verteiler verwendet werden und empfindliche Teile sind gegen Regen und Feuchtigkeit zu schützen.
Lasten über dem Kopf
Rigging-Arbeiten oder Traversen
Oft werden schwere Lasten in Bühnen eingebaut, Traversen an Motoren gehängt und Lampen in Bühnendächern installiert. Dabei spielt Sicherheit eine zentrale Rolle und ist von enormer Bedeutung. Alle Gegenstände müssen sicher befestigt und zusätzlich – etwa mit einem Safety – gegen Herabfallen gesichert werden. Es sind nicht immer die großen und schweren Lasten, die eine Gefahr darstellen. Oft sind es gerade kleine Dinge, bei denen auf eine zusätzliche Sicherung verzichtet wird. So werden zum Beispiel von Bands gerne Kameras über dem Publikum installiert – auch hier ist unbedingt eine zusätzliche Sicherung anzubringen.
Feuergefahr
Heiße Scheinwerfer, Pyrotechnik, Nebelmaschinen
Brandschutz spielt in der Veranstaltungstechnik eine enorm große Rolle. Es gibt zahlreiche Regeln und Vorschriften, an die sich alle zwingend halten müssen. Eine der wichtigsten Vorgaben ist die Verwendung schwer entflammbarer Materialien. Alle Materialien auf der Bühne müssen entweder ein sogenanntes B1-Zertifikat (schwer entflammbar) aufweisen, mit einem Flammenschutzmittel imprägniert oder aus nicht entflammbaren Materialien gefertigt sein. Viele junge Bands kaufen sich ein Backdrop und vergessen, auf diesen Aspekt zu achten. Um Fehlkäufe zu vermeiden, ist es notwendig, sich im Vorfeld mit diesen Anforderungen auseinanderzusetzen.
Dass Pyrotechnik und ähnliche Effekte ausschließlich von Fachpersonal verwendet werden dürfen, setze ich an dieser Stelle als selbstverständlich voraus. Gerade in älteren Spielstätten mit veralteter Technik ist es besonders wichtig, konventionelle Scheinwerfer regelmäßig zu warten und von Staub zu befreien. Am besten rüstet man ohnehin direkt auf LED-Scheinwerfer um …
Fluchtwege müssen unbedingt freigehalten und deutlich gekennzeichnet werden. Oft erlebe ich, dass Fluchtwege hinter der Bühne mit Bandequipment oder von Helfern mit Cases zugestellt werden. Achtet darauf, diese Wege immer freizuhalten – und weist auch andere Kollegen darauf hin, wenn sie versehentlich etwas im Weg abstellen. Bei großen Veranstaltungen wird die Feuerwehr bei ihrem Rundgang ohnehin darauf achten. Doch gerade bei kleineren Veranstaltungen oder im ehrenamtlichen Bereich habe ich oft erlebt, dass solche Themen zu wenig Beachtung finden.
Ein weiterer Punkt, der mir in der Praxis bei kleineren Veranstaltungen häufig auffällt, ist das Fehlen von Feuerlöschern an der Bühne. Im Ernstfall ist es jedoch entscheidend, schnell reagieren zu können und auf mögliche Unfälle vorbereitet zu sein.
Lärm
Gehörschäden bei Publikum, Musikern und Mitarbeitern vermeiden
Bei Konzerten kann es richtig laut werden – so laut, dass es über längere Zeit zu Hörschäden kommen kann. Deshalb gibt es DIN-Normen wie die DIN 15905-5, die Personal und Zuschauer vor zu hohen Pegeln schützen sollen. Es ist jedoch ein großer Unterschied, ob ich als Zuschauer gelegentlich ein Konzert besuche oder regelmäßig dort arbeite und der Lautstärke jedes Wochenende ausgesetzt bin. Das Tragen von Gehörschutz ist daher eine sehr sinnvolle Maßnahme, um sich selbst zu schützen.
Schwere körperliche Arbeit
Tragen von Equipment
Es klingt vielleicht zunächst etwas merkwürdig, aber das Arbeiten in der Veranstaltungstechnik stellt den eigenen Körper vor erhebliche Belastungen. Leider sehe ich oft, dass falsche Körperhaltungen oder Selbstüberschätzung zu gesundheitlichen Problemen führen – besonders bei Stagehands, die regelmäßig schwere Lasten bewegen und essenziell wichtig für die Branche sind. Häufig werden schwere Kisten allein gehoben, nach dem Motto: „Das habe ich immer so gemacht“ oder „Stell dich nicht so an“. Für solche Einstellungen habe ich absolut kein Verständnis. Ich empfehle allen, verantwortungsbewusst mit schweren Lasten umzugehen – lieber kurz auf Hilfe warten, als mit krummem Rücken ein schweres Transflex-Case zu tippen (also auf den Kopf zu stellen, um Platz zu sparen).
Auch das Schieben von Cases und das Einladen über Rampen birgt Gefahren. Cases sollten niemals von Person zu Person geschubst oder eine Rampe hinuntergerollt werden, ohne dass mehrere Personen das Case sichern. Auch das Abstellen ungebremster Cases auf der Bühne kann riskant sein – sie können durch Unebenheiten oder Vibrationen ins Rollen geraten. All das ist schon passiert und sollte unbedingt vermieden werden.
Schwere Lasten in Verbindung mit körperlicher Ermüdung können ebenfalls zu Unfällen führen. Hier ist Teamwork gefragt und gegenseitige Unterstützung wichtig – damit nach einer langen Schicht alle gesund nach Hause gehen. Ich sage das auch immer wieder zu jungen Stagehands und Fachkräften, die sich beweisen wollen: Es ist völlig okay, um eine Pause oder Hilfe zu bitten. Dafür sind wir auf Veranstaltungen schließlich ein Team aus Kollegen, die alle mit anpacken.
Im Internet findet man übrigens viele Tipps und Hinweise, wie man seinen Körper schonen kann. Hier gelangt ihr zu einem Beispiel des AOK-Gesundheitsmagazins.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Wann brauche ich was?
PSA ist alles, was dich persönlich vor Gefahren schützt. Sie ist in bestimmten Situationen vorgeschrieben – aber auch freiwillig oft sinnvoll.
Typische PSA in der Veranstaltungstechnik:
- Sicherheitsschuhe (mind. S1): schützen vor herabfallenden Lasten.
- Helm: wichtig beim Rigging oder bei Arbeiten über Kopf.
- Gehörschutz: bei längerer Arbeit in der Nähe von PA-Systemen.
- Handschuhe: beim Tragen schwerer oder scharfkantiger Gegenstände.
- PSAgA (Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz): für Arbeiten in der Höhe.
Wie wird PSA richtig eingesetzt?
Am besten immer dem Risiko angepasst und verantwortungsbewusst. Auch bei Veranstaltungen im ehrenamtlichen Bereich sollte darauf geachtet werden, sich entsprechend zu schützen. Ein absoluter Klassiker: der Case-Deckel, der auf dem Finger landet – sehr schmerzhaft. Mit Handschuh zwar immer noch schmerzhaft, aber deutlich weniger blutig. Quetschungen lassen sich mit Handschuhen wirksam reduzieren. Auch das Tragen von Sicherheitsschuhen sollte immer Pflicht sein. Selbst wenn „nur“ ein Monitor auf dem Fuß landet, kann dieser schwere Verletzungen verursachen.
Bei professionellen Veranstaltungen wird zum Glück großer Wert auf PSA gelegt. Doch in Clubs, auf Touren und bei kleineren Veranstaltungen sehe ich immer wieder Fachkräfte und Helfer ohne ausreichende PSA. Im Falle eines Unfalls kann das auch unangenehme Fragen seitens Krankenkasse oder Berufsgenossenschaft nach sich ziehen, wenn keine PSA getragen wurde. Deshalb: extrem wichtig – und absolut in Ordnung, Kollegen freundlich darauf hinzuweisen!
Sichere Arbeitsmittel & Prüfung
Worauf muss ich achten?
Ein großer Teil der Unfälle entsteht durch defekte oder ungeeignete Technik. Alle elektrischen und mechanischen Arbeitsmittel müssen regelmäßig geprüft werden. Als elektrische Arbeitsmittel gelten alle elektronischen Geräte, die bei einer Veranstaltung bedient oder angeschlossen werden. Dazu zählen Dimmer, Stromkabel, Kettenzüge, Steckdosen, CEE-Verteiler, Moving Lights, Scheinwerfer, aktive Systeme und passive Endstufen, Licht- und Tonpulte, Steckdosenverteiler – kurz: alles, was elektrisch betrieben wird oder der Stromweitergabe dient.
Geprüfte Technik erkennt man an einer angebrachten Prüfplakette. Auf dieser ist zum Beispiel das nächste Prüfdatum vermerkt. Meistens steht darauf „DGUV V3 geprüft“ – das ist die Vorschrift, nach der geprüft werden muss. Eine solche Prüfung darf ausschließlich von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden. Die meisten Veranstaltungstechnikfirmen können diese Prüfungen intern durch ihre Fachkräfte durchführen lassen, sofern diese regelmäßig geschult und entsprechend qualifiziert sind. Es gibt aber auch viele Firmen, die externe Prüfungen anbieten.
Dieses Thema sorgt oft für Streitigkeiten bei kleineren Veranstaltungen oder in kleinen Clubs, da nicht jeder einsichtig ist und dennoch ungeprüftes Material verwendet. Klar ist jedoch: Unabhängig von der Größe und dem professionellen Anspruch einer Veranstaltung müssen alle elektrischen Geräte geprüft sein. Nur so lässt sich sicherstellen, dass weder Techniker noch Künstler oder das Publikum durch defekte Geräte oder Stromkabel gefährdet werden.
Immer mehr Bands kaufen sich frühzeitig eigenes Equipment – dazu zählen etwa ein eigenes In-Ear-Rack, ein eigenes Mischpult, eine kleine PA oder eigenes Lichtequipment. Auch vertikale Nebelmaschinen werden häufig von Bands mitgebracht und verwendet. Doch auch das Equipment der Bands muss auf elektrische Defekte überprüft werden. Ich kenne Meister, die im professionellen Bereich grundsätzlich nur Bands auf die Bühne lassen, die DGUV-V3-geprüftes Material mitbringen. Das sollte natürlich im Vorfeld immer fair an die Bands kommuniziert werden, um sie nicht unangekündigt auflaufen zu lassen. Denn die wenigsten Bands wissen das – woher auch? Sie sind ja keine Fachkräfte.
Im Hobby- und semiprofessionellen Bereich findet dieses Thema leider kaum oder nur wenig Beachtung. Ich versuche dennoch, es den Bands immer mit auf den Weg zu geben, ihr Material prüfen zu lassen. Es ist nicht besonders aufwendig und stellt sicher, dass sich niemand am mitgebrachten Equipment durch einen elektrischen Defekt verletzt. Zusätzlich minimiert es natürlich auch mögliche Fehlerquellen, die den Ablauf einer Veranstaltung stören könnten.
Rigging & Arbeiten in der Höhe
Richtig sichern
Sobald Lasten über Personen aufgehängt oder in der Höhe gearbeitet wird, gelten strenge Regeln. „Rigging“ ist keine Hobby-Aufgabe – es bestehen enorme Gefahren, wenn Rigging-Tätigkeiten ohne Fachkenntnisse durchgeführt werden. Dazu zählen beispielsweise herabstürzendes Equipment durch unsachgemäße Befestigung oder fehlerhafte Anschlagtechniken.
Sicherheitsmaßnahmen:
- Nur ausgebildete und geprüfte Rigger dürfen Lasten aufhängen.
- Jede Last muss mindestens zweifach gesichert sein (z. B. Sekundärsicherung mit Drahtseil).
- Niemals unter schwebenden Lasten arbeiten.
- Arbeiten in der Höhe (z. B. im Trussing) nur mit PSA und Absturzsicherung.
- Vorherige Sicht- und Funktionsprüfung der Anschlagmittel (z. B. Schäkel, Ketten).
Tipp: Thomann bietet zahlreiche Schulungen an, zum Beispiel das „Sachkunde-Kombiseminar Traversen & Anschlagmittel“. Alle Events findet ihr hier!
Brandschutz
Wie vermeide ich Feuer- und Rauchunfälle?
In der Veranstaltungstechnik kommen oft hohe elektrische Leistungen zum Einsatz. Nebelmaschinen, Pyrotechnik oder heiße Lampen erhöhen zusätzlich das Risiko – und machen konsequenten Brandschutz unerlässlich.
Mögliche Brandgefahren:
- Überhitzte Scheinwerfer
- Defekte oder unsachgemäß verwendete elektrische Betriebsmittel
- Pyrotechnik und Flammeneffekte
- Überlastete Steckdosenleisten und Stromkreise
- Überhitztes, falsch gelagertes Equipment
- Brennbare Materialien (nicht B1-zertifiziert)
- Menschliches Fehlverhalten (z. B. Rauchen neben der Bühne)
Was muss beachtet werden?
- Feuerlöscher bereitstellen – und wissen, wo er ist
- Keine brennbaren Stoffe (z. B. Vorhänge, Stoffe) in der Nähe von Lampen
- Scheinwerfer niemals abdecken (Stauwärme vermeiden)
- Brandschutzklasse der Materialien beachten (z. B. „B1 – schwer entflammbar“)
- Notausgänge freihalten und niemals zustellen
- Alle elektrischen Betriebsmittel prüfen (DGUV V3)
- Regelmäßige Reinigung der Nebelmaschinen
- Sachgemäße Energieversorgung sicherstellen







































Guter und wichtiger Artikel!
Danke für den tollen Artikel!
Hier noch ein Tipp für Stagehands betreffend der Handschuhe:
Anfangs verwendete ich oft diese dünnen, gummierten Handschuhe aus dem Baumarkt.
Da zwischendurch aber immer auch wieder Fingerspitzengefühl gefragt ist fand ich es immer mühsam diese aus- und wieder anzuziehen.
Seit ein paar Jahren verwende ich stattdessen fingerlose Rad-Handschuhe. Für mich das beste aus zwei Welten. Sieht vielleicht nicht ganz so toll aus, aber wenn ich auf Schönheit achten würde, dann stünde ich hinter dem Mikrofon, und würde nicht hinter dem Backdrop die nächsten Riser vorbereiten.
Und falls doch mal ein Casedeckel auf die Finger fällt sind Pflaster immer dabei
(Tipp Nr. 2)
Ein schönes Wochenende, euch allen, `cuda
@whitebaracuda , schau dir mal Maxiflex Arbeitshandschuhe an, die gibt es für verschiedene Einsatzzwecke. Ich finde die sind gut wenn man sowohl schwere Lasten tragen muss, als auch andere handwerkliche Arbeiten durchführt. Vorteil, die gibt auch als Atmungsaktiv und oder genoppt. Der Tragekomfort ist sehr hoch, wenn man die entsprechende Grösse zur Hand trägt. Preislich sind die sehr angemessen.
Mein Gedanke: überall wo im Artikel „sollte“ steht, gedanklich durch „muß“ (oder zumindest „soll“) ersetzen.
@moinho , so funktioniert Arbeitschutz nicht. Das lernst du im ersten Seminar zum Arbeitsschutz, Verantwortlichkeiten und Aufgaben einer Führungskraft. Wir müssen nicht aber wir wollen! Heute wird indirekt geführt. Und das funktioniert über Erwartungen, Ziele, gemeinsame Regeln, Motivation und einer gelebten Kultur der Achtsamkeit. Gemessen daran schreibt Noah viele wichtige Punkte runter. sässe er in einer meiner Schulungen, würde ich einen Haken machen. Kursziel verstanden. Und ich hab wirklich schon fast alles gesehen und erlebt was man in Arbeitsschutz falsch machen kann. Ich kenne jetzt nicht die Zahlen der BG ETEM aber aus dem Bauch würde ich sagen, dass Noah sich hier gut informiert hat.
@TobyB Danke für die tollen Tipps! Ich bin tatsächlich nach ein wenig ausprobieren bei Engelbert und Strauss geblieben. Die Handschuhe sitzen bei mir perfekt und mit freien Fingern, ist auch arbeiten an Kleinteilen möglich. Aber vielleicht teste ich mal die Maxiflex.
@TobyB Danke! Ist gar nicht so einfach das komplexe Thema auf die wichtigsten Punkte zu reduzieren und nicht zu weit in die Tiefe zu gehen. Man könnte zu jedem einzelnen Punkt einen eigenen Workshop schreiben oder wie du es machst Seminare geben.
Mich würde mal total von dir interessieren, welche Punkte fallen dir in deinen Seminaren am meisten auf? Wo besteht am meisten Unwissenheit oder wo liegen die häufigsten Irrtümer? Wäre für zukünftige Artikel spannend!
@Noah Seiler , gerne Noah. Hier mal so die ungefilterten Top Punkte:
1. Verantwortung im Arbeitsschutz
2. Delegation von Unternehmerpflichten und Weisungsbefugnis
3. Gefährdungsbeurteilung, Tätigkeitsbezogene, Besondere Gefährdungen (Strom, Chemisch, etc.)
4. Massnahmenhierarchie STOP
5. Unterweisungen
6. Fremdfirmen Koordination
Für das Treiben um und auf der Bühne, sind das Heben & Tragen von Lasten, die allseitsbeliebten Anschlagsmittel. Standsicherheit von fliegenden Bauten. Verteilen von Strom und Spannung. Heisse Oberflächen. Arbeiten in großer Höhe. Brandschutz lass ich mal aussen vor, das ist noch mal ein Spezialthema.
@TobyB Ich denke an der Stelle nicht an Führungsmodelle, sondern an formale (und informelle) Anforderungssprache:
must/muß – der Gesetzgeber will es so,
shall/soll – der Kunde will es so,
should/sollte – der Kunde gibt mir Spielraum.
Wenns an der Stelle um das Leben meiner direkten und indirekten Kunden und Kollegen geht, kommuniziere ich sowieso ohne sprachliche Weichmacher. Und nicht als Kursleiter aber als Führungskraft ebenso wie als ehrenamtlicher Vertreter von Kollegeninteressen verstehe ich da wenig bis keinen Spaß. „Sollte“ wäre für mich daß der Trompeter kein grünes Licht von schräg oben mag oder so.
Beim Schlußsatz (Noah hat sich gut informiert) haben wir indes keine zwei Meinungen. Feiner Artikel!
@moinho , die Anforderungssprache des Gesetzgebers nützt dir im Arbeitsschutz auch nichts, auch nicht dem Referenten. Was passiert im Kopf mit den Teilnehmern, der fühlt sich angegriffen oder herausgefordert. Am Ende des Kurses kann er die die Gesetze herbeten aber nicht umsetzen. Und das will ich erreichen, der soll den Arbeitsschutz anwenden können. Führungsmodelle und die Art und Weise wie ein Team, eine Abteilung und ein Unternehmen geführt werden, spielen sehr wohl eine Rolle. Die Frage ist immer wie man mit wem kommuniziert und wie man das macht. Das heisst nicht das es keine roten Linien gibt. Und ebensowenig das ein Überschreiten ohne bleibt.
@TobyB Bist Du Jurist? Darfst Du Rechtsberatung geben?
@Mac Abre , hier ging es um Arbeitsschutz. Und das vermitteln von Arbeitsschutz an sich. Ich sehe hier keine Rechtsberatung,