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Velvet Box: Alle Leslie-Speaker Model von 1940 bis 1960

2. März 2019

Die Leslie-Speaker-Modelle der Anfangsjahre

Die Leslie-Model 122, 147 und 251 –

die legendären Klassiker und ihre Geschichte

Folge 2

Die verschiedenen Gehäusetypen

Die Urmodelle, die sogenannten „Tallboys“, besaßen vor allem in der Höhe stattliche Ausmaße. Auch wenn Don Leslie sie immer als das klangliche Optimum bezeichnete und sie daher bis heute einen legendären Ruf genießen, wurde es schnell deutlich, dass ihre Größe ein verkaufshemmendes Merkmal war. Vor allem bei den Frauen, da diese bei der Einrichtung der Wohnzimmer ein gewichtiges Wort mitzureden hätten, wie Don Leslie meinte. Insofern hielt er einen Produktionsstopp für zwingend geboten. In der Folge beschnitt die Firma die mittlere und obere Kammer um insgesamt einen halben Meter und erreichte auf diese Weise die Maße, die danach die meisten legendären Modelle wie das „122-er“ oder „147-er“ besaßen. Dass dieses Standardgehäuse schlechtere Voraussetzungen gegenüber den Tallboys bieten musste, liegt auf der Hand:
Der Basslautsprecher besaß somit eine deutlich kleinere Kammer und der Hochtonrotor befand sich auf einer viel niedrigeren Ebene, was sein Abstrahlvermögen beeinträchtigen konnte.
Trotzdem muss man das Standardgehäuse als einen guten Kompromiss zwischen Klang und praktikabler Größe ansehen und es ist daher nicht verwunderlich, dass fast alle legendären Röhren-Leslies diese Gehäuseform aufweisen. Aber auch das beliebte, transistorisierte Modell „770“, die Holz-Variante des sogenannten Combomodells „760“, besitzt dieses Gehäuse. Darin ist übrigens auch der Grund dafür zu sehen, dass viele „770-er“ später auf Röhrenverstärkung umgerüstet wurden (s. u.).

Von den „147-ern“ und „122-ern“ gab es daneben noch eine Gehäusevariante, in der die mittlere Kammer in der Höhe erneut beschnitten wurde und zwar um 20 cm. Diese kleineren Modelle heißen „142“ (für das „122“) und „145“ (für das „147“). Auf Grund des besseren Handlings entwickelte sich vor allem das „145-er“ zu einem großen Verkaufserfolg. Da die technischen Ingredienzien die gleichen wie bei den größeren Gehäusevarianten sind, äußert sich ein klanglicher Unterschied lediglich in einer etwas schwächeren Basswiedergabe.

Übrigens: Einige Leser werden sich vermutlich fragen, warum immer wieder die Basswiedergabe erwähnt wird. Diese spielt in einem normalen Bandalltag mit einer Standard-Besetzung keine sehr große Rolle. Wohl aber in dem von Jimmy Smith begründetem Jazz-Orgelduo oder -Trio mit Gitarre, in dem der Organist gleichzeitig die Aufgaben des Bassisten übernimmt. Für derartige Besetzungen wären die verkleinerten Gehäuse sicher keine gute Wahl.

Und um die Sache noch etwas verwirrender zu machen: Von diesen beiden kleineren Modellen gibt es wiederum Varianten, bei denen die Frontseite mit Bespannstoff versehen ist, der dem der sogenannten „Truhen“ sehr ähnelt (siehe folgenden Abschnitt). Sie heißen „242“ (technisch wie „142“) und „245“ (wie „145“). Klanglich entsprechen sie ihren Geschwistern, aber in puncto Optik und Geschmack befinden wir uns mit ihnen in einem bedenklichen Grenzbereich.

Daneben wurden von einigen beliebten Modellen sogenannte „Truhen“-Varianten gebaut (Leslie O-Ton: „decorator style“). Diese müssen als reine Konzession an den Wohnzimmergeschmack der 60-er Jahre angesehen werden. Die Truhen sind deutlich flacher und breiter als ihre jeweiligen Verwandten und besitzen eine Front mit einem schweren Dekostoff, der durch Holzleisten unterteilt wird. Heute würde man den Look als „Gelsenkirchener Barock“ bezeichnen. Aber sie besitzen daneben noch einen massiven akustischen Nachteil:
Sie bestehen aus zwei statt drei Kammern. In die obere Kammer ist der 15“-Lautsprecher eingebaut. Er strahlt in den bekannten Bassrotor, der sich neben dem Hornrotor in der unteren Kammer befindet. Das aber bedeutet, dass sich der Hochtonrotor nur einige Zentimeter über dem Fußboden befindet, was sein Abstrahlvermögen massiv einschränkt. Dadurch wirken die Truhen im Höhenbereich deutlich schwächer als ihre Verwandten mit dem normalen Gehäuse.
Einige Jahre nach ihrem Erscheinen wurden die Truhen aus genau diesem Grund häufig ausgeschlachtet und als Ersatzteil-Reservoir für die legendären Modelle genutzt. Daneben wurden viele transistorisierte „760-er“/„770-er“ durch Teile der Truhen auf Röhre umgerüstet. Wer sich also heute eine „Truhe“ kauft, sollte tunlichst ein Standardgehäuse besitzen oder erwerben, denn mit der Truhe wird er nicht glücklich werden.

Übrigens: Die Anbiederungsstrategien in Richtung Hausfrauen zogen auch negative Konsequenzen nach sich, denn es gibt heutzutage kaum noch Tonkabinette mit Wohnzimmer-Hintergrund, die keine Wasserflecken von den unzähligen, auf ihnen abgestellten Blumenvasen aufweisen!

Modell 44W – noch nicht mal mit Deckchen

Daneben baute „Electro-Music“ noch die preisgünstigen Einweg-Kabinette mit einem Breitbandlautsprecher, die alle in etwa ähnliche Maße besitzen, auch wenn sie im Äußeren zwei Varianten aufweisen. Eine besitzt ein reines Holzgehäuse und kleine Zierfüße. Die andere weist eine Kastenform ohne Füße auf und besitzt einen Bespannstoff an der Frontseite. Im Inneren befinden sich bei beiden zwei Kammern: eine obere für den Breitbandlautsprecher, eine untere für den Rotor nebst Verstärker oder Anschluss-Einheit. Von diesen Modellen gibt es aktive und passive Varianten. Bei letzteren wird der Verstärker der Orgel angezapft, womit allerdings diejenigen Orgeln nicht in Betracht kommen, die über keine eigene Endstufe verfügen – wie z. B. B3, C3, RT3 oder P100.

Zum Schluss sei noch auf die Gehäuse der sogenannten „Combo-Modelle“ hingewiesen. Also auf das, was Leslie für roadtaugliche Orgelkabinette hielt. Auf sie werde ich in einer späteren Folge eingehen. Ebenso werden dann auch die in Deutschland und Europa gefertigten Gehäuseformen mit dem Namenszusatz „N“ – also z.B. „122N“ – sowie ein paar andere Exoten vorgestellt werden.

Zusammengefasst: Es sollte klar geworden sein, dass die unterschiedlichen Gehäuse nicht nur Erkennungsmerkmale der entsprechenden Modellserien, sondern auch ein wichtiger Faktor für ihren jeweiligen Sound sind. Abgesehen davon finden wir in Deutschland die Situation vor, dass die meisten der hier erhältlichen alten Modelle von der „Deutschen Hammond Instrument GmbH“ in Norderstedt vertrieben wurden, deren Gehäuse aus deutscher oder dänischer Produktion stammten. Es haben aber im Laufe der Jahre zugleich viele amerikanische Modelle ihren Weg nach Deutschland gefunden, so dass wir heute beide Varianten vorfinden. Der Unterschied zwischen ihnen liegt nach meiner Erfahrung – grob betrachtet – darin, dass die amerikanischen Modelle das höherwertigere Holz besitzen, dass die deutsch-dänischen aber besser verarbeitet sind, vor allem in Bezug auf die Holzverbindungen. Daneben gibt es Gehäuse, die nur in Deutschland oder nur in den USA erhältlich waren. Das gilt übrigens auch für die Hammond-Modelle. Aus Gründen der Übersichtlichkeit habe ich diese nur zum Teil berücksichtigt.

Die Leslie Model der Anfangsjahre in Steckbriefen

In dem folgenden Abschnitt möchte ich mich den technischen Ausstattungen, den Verwandtschaften und Besonderheiten der wichtigsten Modelle aus den Anfangsjahren widmen. Selbst wenn uns diese Kabinette in Deutschland nur im Ausnahmefall begegnen werden, so kann man an ihnen sehr gut sehen, wie sich Don Leslies Firma allmählich den uns bekannten legendären Modellen annäherte und wie sich aus diesen die 3 Haupttypen der „22-er“, „47-er“ und „51-er“ Serien herausschälten.

 

Leslie Model 30A & 30C (“Tallboys”)

Modell 30A links – 30C rechts

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 152 H x 66 B x 51 T (cm)
  • Rotoren: Bass und Hochton (Hochtonrotor aus Pappmaché)
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp, keine Fernbedienung von der Orgel aus.
    Modell „30C“ * läuft nur auf halber Tremolo-Rotorgeschwindigkeit. Grund: Zur Imitation des Pfeifenorgel-Tremolos befinden sich in beiden Rotoren ausnahmsweise jeweils 2 Schallaustritte, so dass die Geschwindigkeit halbiert werden musste. Dadurch ergab sich ein deutlich flacherer Tremolo-Effekt.
  • Verstärker: Röhre, 30 Watt, 4 x 6L6 Leistungsröhren
  • Lautsprecher: 1 x 3/4″ Hochtontreiber, 1 x 15″ Basslautsprecher. Beide Lautsprecher sind Feldspulen-Modelle (keine permanenten Magnete).
  • Bemerkungen: Das Modell „30A“ stellt das erste Serien-Leslie dar (1940 – 1943).

* Das Modell „30C“ ist dessen Variante für Kirchen (C = Church).

Generelle Merkmale beider Modelle:

  • Stärkere Bass-Wiedergabe als bei den kleineren, später entstandenen
    Standardgehäusen.
  • Der Hochtonrotor strahlt durch den Bespannstoff in der Gehäusedecke (also keine Schlitze in den Gehäuseseiten!).
  • Man sieht dem technischen Innenleben der Serie „30″ an, dass während ihrer Fertigungszeit noch handwerkliche Pionierarbeit geleistet wurde. Viele Einzelteile sind noch nicht normiert, vieles wirkt ein wenig improvisiert und im wahrsten Sinn des Wortes handgemacht, so dass bei einem Schadensfall wahrscheinlich eine Einzelteilanfertigung in einem Spezialbetrieb anstünde.
  • Die „30-er“ Serie findet ihre Weiterentwicklung in der „31-er“ Serie.

Leslie Model 31A, 31H & 31W (“Tallboys”)

Modell 31H – Prospekt und obere Kammer

Modell 31A

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 152 H x 66 B x 51 T (cm), 91 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton (erstes Leslie mit Hochtonrotor aus Bakelit)
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp, erstes Leslie mit Fernbedienung von der Orgel
  • Verstärker: Röhre, 30 Watt, 4 x 6L6 Leistungsröhren, Verstärker-Typ I
  • Lautsprecher: 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber mit permanentem Magneten,
    1 x 15″ Jensen F15LL Basslautsprecher – Feldspulen-Modell (kein permanenter Magnet)
  • Bemerkungen: Das Modell „31A“ stellt die Weiterentwicklung des Modells „30A“ dar.
    Produktionsspanne: 1946-1951. Es führt die Schallaustrittsschlitze in den Gehäusewänden sowie den Hochtonrotor aus Bakelit ein.
    Wie bei der Serie „30“ besitzt das Modell „31“ eine stärkere Bass-Wiedergabe als bei den kleineren, späteren Standardgehäusen.

Modell 31H

Weiterentwicklung des Modells „31A“ (H steht für Hammond).
Produktionszeit: 1951-1958 (bis 1960 bei speziellen Kundenanfragen).
Identisch mit Modell „31A“, Ausnahmen:

  • Obere Schallaustrittsschlitze sind ab diesem Modell zweigeteilt.
  • In die Modellserie „31H“ wurden 3 unterschiedliche Verstärkertypen eingebaut:
    Verstärkertyp I in die ersten Stückzahlen bis Serien-Nr. 5200;
    Verstärkertyp II ab Serien-Nr. 5200 (unterschiedliche Relais zur Motorensteuerung);
    Verstärkertyp III in den späteren Stückzahlen ab Serien-Nr. 8000; das kleinere Verstärkerchassis wurde auch als stärkere Option für das Modell „21H“ angeboten (ab 1953).
  • Don Leslie hielt das Modell „31H“ von allen, jemals gebauten Modellen für das beste Kabinett. Nach seinen Aussagen waren die kleineren Modelle mit Standardgehäuse ein Kompromiss bezüglich der Kunden-Akzeptanz, erreichten aber nur 80 Prozent der Klangqualität des Modells „31H“.

Modell 31W

Wie Modell „31H“, Ausnahmen:

  • Speziell zum Anschluss an Orgeln der Firma Wurlitzer (= W) entworfen.
  • Der Verstärkertyp ist eine Variante der o.a. Typen I bis III, wird aber als Typ IV bezeichnet und wurde auch in das Modell „46W“ eingebaut (s.u.).

Leslie Model 21H

Modell 21H – Prospekt und Frontseite

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 104 H x 74 B x 52 T (cm), 70 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker: Röhre, 20 oder 30 Watt*
    20W-Version mit 4 x 6V6 Leistungsröhren
    30W-Version mit 4 x 6L6 Leistungsröhren
  • Lautsprecher: 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber mit permanentem Magneten,
    1 x Jensen 15″ F15LL Basslautsprecher: Feldspulen-Modell (kein permanenter Magnet)
  • Bemerkungen: Zusammen mit Modell „50C“ ist es das erste Kabinett mit den späteren
    Gehäuse-Standardmaßen.
    Produktionsbeginn: 1951
    Nur 1 Schallaustritts-Schlitz in den Hochtonkammerwänden.
    Das „H“ steht für Hammond.
    Führt in der Weiterentwicklung zum Modell „22H“.
    * abhängig von der Verstärker-Version:
    Der zuerst verwendete Verstärker leistete 20W, aber viele Musiker verlangten nach mehr Leistung. Daher wurde der 30 Watt Verstärker des Modells „31H“ (Tallboy) in Betracht
    gezogen, der aber eine zu große Chassishöhe aufwies. Also wurde dessen Chassis verkleinert und der dadurch entstandene Verstärker (Typ III – siehe auch Modell „31H)“ in alle
    nachfolgenden Modelle der Serie „31H“ eingebaut und gleichzeitig (ab 1953) als Option für die Serie „21H“ angeboten.

Leslie Model 22H & 22R

Modelle 22H & 22R – Prospekt und Part-List aus dem Manual

Modell 22H

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 104 H x 74 B x 52 T (cm), 66 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker: Röhre, 40 Watt, 2 x 6550 Leistungsröhren
  • Lautsprecher: 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber,
    1 x Jensen 15″ P15LL Basslautsprecher (beide mit permanenten Magneten)
  • Bemerkungen: Anschluss nur durch Orgel-Einbaukit.
    Einführung des späteren Standardverstärkers mit 6550 Leistungsröhren und OC3 Gleichrichterröhre.
    Weiterentwicklung von Modell „21H“: neuer Verstärker und unterschiedlicher Basslautsprecher-Typ (permanenter Magnet).
    Das „H“ steht für Hammond.
    Weiterentwicklung führt zu Modell „122“ mit 2 Rotorgeschwindigkeiten.
    Neuer Farbcode (am Verstärkerchassis) für 22-er Familie: schwarz.

Modell 22R

Identisch mit Modell „22H“, Ausnahme:
Das Gehäuse ist eingerichtet für den nachträglichen Einbau des Hammond Hall-Einbausatzes „ETK“, dadurch befinden sich Schallaustritts-Schlitze in den Gehäuse-Seitenteilen.

Leslie Model 50C

Modell 50C – Front und Innenansicht

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 104 H x 74 B x 52 T (cm), 75 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker: Hauptkanal-Verstärker: Röhre, 30 Watt, 2 x 6550 Leistungsröhren*
    2. Kanal-Verstärker: Röhre, 15 Watt, 2 x 6V6 Leistungsröhren
  • Lautsprecher : Hauptkanal – 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber mit permanentem
    Magneten, 1 x Jensen 15″ F15LL Basslautsprecher: Feldspulen-Modell (kein permanenter Magnet)
    2. Kanal – 2 x 6×9″ Breitbandlautsprecher (stationär)
  • Bemerkungen : Das Modell „50C“ wurde speziell für den Anschluss an Conn Orgeln (= C) konstruiert, kann aber mit entsprechenden Einbaukits auch an jede andere Orgel angeschlossen werden.
    Zusammen mit Modell „21H“ ist es das erste Kabinett mit den späteren Gehäuse-Standardmaßen.
    Das „50C“ ist das erste zweikanalige Modell der Firma Leslie, wobei der zweite Kanal nicht als Hall-Kanal gedacht war, sondern die Strings/Reeds-Register der Conn-Orgel übertragen sollte,
    während die Flöten-/Orgelregister vom Rotationskanal übernommen wurden. (Conn hatte damals die erste 2-kanalige Orgel gebaut, in der die Register in 2 Gruppen geteilt wurden).
    Der Verstärker des zweiten Kanals ist in das Hauptverstärkerchassis integriert (im Gegensatz zu den ebenfalls zweikanaligen Modellen „122RV“ und „147RV“, bei denen der Hallkanal ein separates Verstärkerchassis besitzt).
    Die beiden stationären 6×9″ Lautsprecher des zweiten Kanals befinden sich in der mittleren Gehäusekammer, sind aber durch kleine Holzkammern vom Basslautsprecher akustisch isoliert und strahlen durch schmale Schlitze in den Gehäusewänden nach beiden Seiten ab.
    Das Modell „50C“ führt in der Weiterentwicklung zum Modell „51/51C“.
    * Die modernen 6550 Leistungsröhren charakterisieren den späteren Standardverstärker, wie er erstmals im Modell „22H“ in Erscheinung trat. Der „50C“-Verstärker entspricht im Gegensatz zu diesem aber noch dem alten Bautyp und verwendet außerdem keine OC3 Gleichrichterröhre.

Leslie Model 51 & 51C

Modell 51 – Front und Innenansicht

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 104 H x 74 B x 52 T (cm), 75 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker: Hauptkanal – Röhre, 40 Watt, 2 x 6550 Leistungsröhren
    2. Kanal – Röhre, 15 Watt, 2 x 6973 Leistungsröhren
  • Lautsprecher: Hauptkanal – 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber, 1 x Jensen 15″ P15LL Basslautsprecher (beide mit permanenten Magneten)
    2. Kanal – 2 x 6×9″ Breitbandlautsprecher (stationär)
  • Bemerkungen: Anschluss nur durch Orgel-Einbaukit.
    Das Modell „51C“ ist die Weiterentwicklung des Modells „50C“, weist aber den moderneren Verstärker (geht auf den des „22H“ zurück) und Basslautsprecher (permanenter Magnet) auf.
    Gemein ist beiden Modellen der in das Hauptverstärkerchassis integrierte Verstärker des zweiten Audiokanals und dessen beiden, nach zwei Seiten abstrahlenden Breitbandlautsprecher.
    Modell „51C“ wurde zum Anschluss an Orgeln der Firma Conn (= C) konstruiert, kann aber mit entsprechenden Einbaukits an jede andere Orgel angeschlossen werden.
    Der zweite Kanal war anfänglich – wie beim Modell „50C“ – für unterschiedliche Orgelregister gedacht, entwickelte sich aber ab dem Erscheinen der Hammond-Orgeln „A100“ und „M100“ (beide mit integrierter Hallspirale) immer mehr zu einem Hall-Kanal.
    Ab 1960 wurde das „51C“ in Modell „51“ umbenannt, beide Modelle sind aber vollkommen identisch.
    Neuer Farbcode (am Verstärkerchassis) für 51-er Familie: grün
    Das „51-er“ führt in der Weiterentwicklung zum Modell „251“.

Leslie Model 46W

Modell 46W – Front, geschlossene und offene Rückseite

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 104 H x 71 B x 53 T (cm), etwa 70 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker: Röhre, 30 Watt, 4x 6L6 Leistungsröhren*
  • Lautsprecher: 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber mit permanentem Magneten,
    1 x Jensen 15″ F15LL Basslautsprecher – Feldspulen-Modell (kein permanenter Magnet)
  • Bemerkungen: Speziell für den Anschluss an Wurlitzer-Orgeln (= W) entworfen, ist
    mit entsprechenden Einbaukits aber auch für alle anderen Orgeltypen geeignet.
    Gehäusegröße wie Modell „21H“, anfänglich ebenfalls mit jeweils einem Schallaustritts-Schlitz in den Hochtonkammerwänden, spätere Exemplare aber mit jeweils 2 Schlitzen.
    Die Weiterentwicklung führt zu Modell „47“.
    * Der Verstärker entspricht dem des Modells „31W“.

Leslie Model 44W

Modell 44W – Front und Innenansicht

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 84 H x 71 B x 53 T (cm), etwa 55 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker: Röhre, 20 Watt, 4x 6V6 Leistungsröhren*
  • Lautsprecher: 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber mit permanentem Magneten,
    1 x Jensen 15″ F15LL Basslautsprecher: Feldspulen-Modell (kein permanenter Magnet)
  • Bemerkungen: Speziell für den Anschluss an Wurlitzer-Orgeln entworfen (= W), mit entsprechenden Einbaukits aber auch für alle anderen Orgeltypen geeignet.
    Das „44W“ war das erste Kabinett mit den späteren, kleinen Standardmaßen (wie Modelle „45“, „145“ etc.), aber nur jeweils 1 Schallaustritts-Schlitz in den Hochtonkammerwänden.
    Das „44W“ stellt eine verkleinerte Version des Modells „46W“ dar, bei dem ein schwächerer Verstärker eingebaut wurde.
    Es führt in der Weiterentwicklung zum Modell „45“.
    * Der Verstärker entspricht weitestgehend der 20 Watt Verstärker-Variante des Modells „21H“.

Leslie Model 45

Modell 45 – Front und Innenansicht

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 84 H x 71 B x 53 T (cm), etwa 55 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker : Röhre, 40 Watt, 2 x 6550 Leistungsröhren
  • Lautsprecher : 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber, 1 x Jensen 15″ P15LL Basslautsprecher
    (beide mit permanenten Magneten).
  • Bemerkungen : Weiterentwicklung des Modells „44W“. Im Unterschied zu diesem mit dem modernen, leistungsfähigeren Verstärkertyp und dem mit permanentem Magneten ausgestatteten Basslautsprecher ausgerüstet.
    Der verwendete Verstärker ist der des Modells „47“ und wird auch als solcher bezeichnet, so dass der einzige Unterschied zwischen beiden Modellen in der unterschiedlichen Gehäusehöhe liegt. Daher könnte das „45-er“ als verkürzte Version des Modells „47“ bezeichnet werden.
    Die geringere Höhe bewirkt im Vergleich zur hohen Gehäuseform eine etwas schlechtere Basswiedergabe.
    Anschluss durch Orgel-Einbaukit oder „Combo Preamp I“.
    Das „45-er“ konnte man damals auch ohne Verstärker bestellen.
    Neuer Farbcode (am Verstärkerchassis) für 47-er Familie: rot.
    Das „45-er“ führt in der Weiterentwicklung zum Modell „145“ mit zwei Rotorgeschwindigkeiten, welches ein sehr beliebtes Kabinett wurde, vor allem in Großbritannien.

Leslie Model 47 & 47R

Modell 47 – Front und Innenansicht

Modell 47

  • Kabinett: Holz
  • Maße: 104 H x 71 B x 53 T (cm), etwa 60 kg
  • Rotoren: Bass und Hochton
  • Geschwindigkeiten: schnell – stopp
  • Verstärker: Röhre, 40 Watt, 2 x 6550 Leistungsröhren
  • Lautsprecher: 1 x Jensen 3/4″ V21 Hochtontreiber, 1 x Jensen 15″ P15LL Basslautsprecher
    (beide mit permanenten Magneten)
  • Bemerkungen : Weiterentwicklung des Modells „46W“. Im Unterschied zu diesem mit dem modernen Verstärkertyp und dem mit permanentem Magneten ausgestatteten Basslautsprecher ausgerüstet.
    Das Gehäuse besitzt die mit Modell „21H“ eingeführten (höheren) Standardmaße.
    Der Verstärker wird auch im Modell „45“ verwendet, so dass der einzige Unterschied zwischen beiden Modellen in der unterschiedlichen Gehäusehöhe liegt. Daher könnte das „45-er“ als
    verkürzte Version des Modells „47“ bezeichnet werden.
    Neuer Farbcode (am Verstärkerchassis) für 47-er Familie: rot.
    Anschluss durch Orgel-Einbaukit oder „Combo Preamp I“.
    Das „47-er“ führt in der Weiterentwicklung zum Modell „147“ mit zwei Rotorgeschwindigkeiten.

Modell 47R

Identisch mit Modell „47“, Ausnahmen:
Das Gehäuse ist eingerichtet für den Einbau des Hammond Hall-Einbausatzes „ETK“, dadurch befinden sich Schallaustritts-Schlitze in den Gehäuse-Seitenteilen für die Lautsprecher des Hall-Kanals.
Der Hall-Einbausatz kann aber nicht mit dem „Combo Preamp I“ angesteuert werden.

 

Damit wäre die Übersicht über die Modelle der Anfangsjahre abgeschlossen. Man kann an ihnen sehr gut verfolgen, wie sich „Electro-Music“ langsam, aber stetig den folgenden legendären Modellen „122“ & Co. näherte. Und wie immer, wenn eine Entwicklung kontinuierlich und nicht überhastet geschieht, wurden die folgenden Kabinette später zu Recht derartig beliebt.

All die oben vorgestellten Modelle sind vor allem in den USA anzutreffen. In Deutschland sind sie dagegen nur selten zu finden. Der Grund dafür liegt in dem Umstand, dass es sich der „Durchschnittsdeutsche“ erst nach dem sogenannten Wirtschaftswunder leisten konnte, an derartig teure Anschaffungen in einem nicht-lebensnotwendigen Bereich zu denken. Dagegen erlebten die Amerikaner gerade in den 50-er Jahren eine Periode des allgemeinen Wohlstands, der es ihnen ermöglichte, sich diversen Luxus zu erlauben. Außerdem waren auch sie durch eine Kriegszeit gegangen und sehnten sich – wie die Deutschen – nach Spaß und Unterhaltung.

Zusammenfassend: Die Modelle mit 2-stelliger Bezeichnung besitzen einen gewissen Liebhaber- und Sammlerwert. Aber für den Musiker-Alltag besitzen sie außer den Modellen „22“, „45“, „47“ und „51“ deutlich weniger Wert, da sie entweder viel zu groß oder in ihrer Verstärkerleistung zu schwach sind oder weil ihnen die langsame Geschwindigkeit fehlt. Dieses Manko kann jedoch durch Einbau eines Langsamlauf-Motors mit entsprechender Steuerung behoben werden, um den legendären Modellen zu entsprechen.

Einige Leser werden sicher denken, dass diese vielen Modelle untereinander doch recht ähnlich wären, und sie werden darin keinen Sinn entdecken. Aber – wie gesagt – es handelt sich um einen Entwicklungs- und Reifeprozess, doch nicht nur.
Die damaligen Heimorgeln waren die Vorläufer der heutigen Keyboards (also die Apparaturen, die von manchen Musikern gerne als „Tischhupen“ bezeichnet werden), vor allem und zu allererst in den USA. Es gab diverse Firmen wie Conn, Gulbransen, Hammond oder Wurlitzer, die den Markt bedienten, und dieser Markt war sehr groß. Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei, aber so gut wie alle Firmen wurden während der Kriegszeit mehr oder weniger in die Waffenproduktion eingespannt, so dass es nach Kriegsende neben dem Vergnügungsstau auch einen Ideenstau gab. Denn man hatte die Kriegszeit auch dazu genutzt, sich zumindest Gedanken über zukünftige Produkte zu machen. Und die Konsumenten, die sich zu Hause der Unterhaltungsmusik widmen wollten, verlangten nach Orgeln und Verstärkern, die möglichst perfekt zueinander, zur Wohnungseinrichtung, zum Geldbeutel und zu den eigenen musikalischen Bedürfnissen passen sollten. Daher bot Leslie nicht nur die verschiedenen Modelle in unterschiedlichen Gehäusegrößen, sondern auch in unterschiedlichen Holzausführungen an.

Natürlich wollten sich große Firmen wie Wurlitzer nicht damit abfinden, dass ihre Orgeln mit Leslie-Kabinetten verstärkt wurden. Und so entwickelten sie eigene Modelle mit rotierenden Lautsprechern, die sich in ihrer Konstruktion wegen des Patentschutzes von den originalen Leslies unterschieden. Auf diese Weise entstanden die ersten Imitationen, die aber alle nicht den Erfolg und die Qualität der Originale gefährden konnten. Von diesen Kabinetten sind allerdings nur sehr wenige nach Deutschland gelangt.

In der nächsten Folge werden wir uns endlich den allseits bekannten Legenden mit dreistelligen Bezeichnungen und Röhrenverstärkern widmen.

Preis

  • Auf dem Gebrauchtmarkt zwischen 1.300,- und 1.500,- Euro
Forum
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    fritz808  

    auch teil 2 auf hohem niveau. gratulation. bin nun vor allem gespannt auf die berühmten klassiker.

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    costello  RED

    Sehr schöner Artikel, mit einem Augenzwinkern geschrieben und zugleich ein Stück Kulturgeschichte der Nachkriegszeit. Der Wunsch nach gepflegter Hausmusik und das Leslie hatte sich bitteschön dem Einrichtungsstil anzupassen. Freue mich auch schon auf den Teil mit den „amtlichen“ Leslies.

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    psv-ddv  AHU

    Endlich mal eine Übersicht der mannigfaltigen Leslie Varianten.
    Danke dafür!
    Bleibe weiter gespannt dran.

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Danke für die informative Übersicht,aus Unwissenheit hatte ich leider eines ,mit eingebauten Lautsprecher in der Basstrommel,zwar mit Hochton Rotor und 5 weitern Lausprechern,Transistor Verstärker,in Holzoptik,habe mich schnell wieder getrennt,die wirlklich Modelle,konnte ich mir nicht leisten.

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      Klaus Rathjens  RED

      Ja, das war eines der berüchtigten Mehrkanal-Modelle mit Rotosonic-Trommel. Im Vergleich zu den klassischen Kabinetten leider nur noch ein fahler Abklatsch und leider auch ein Pflasterstein auf dem Weg in den Niedergang. Darum: Nicht überall, wo Leslie draufsteht, ist auch das legendäre Leslie drin.
      Die Mehrkanal-Modelle werden übrigens in einer der weiteren Folgen vorgestellt werden.

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Sehr flüssig :) Gradezu funky, das erinnert mich an eine andere Jugendsünde, Ich hab mal in einem Pub in Birmingham Brian Auger spielen sehen und hören und konnte ihn nicht einordnen. Genauso wie seine Beigleitung an der Gitarre Sir Francis Rossi. Echt peinlich.

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