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Velvet Box: Fender Rhodes Electric Piano, Stage, Suitcase …

1. Dezember 2018

Ein Special zur Rhodes-Legende

Ein Name, der Musikgeschichte geschrieben hat: das Rhodes Electric Piano

Vorwort der Redaktion:

Unsere Blue-Box-Serie rund um analoge Vintage-Synthesizer haben wir vor Jahren um die Green-Box-Serie erweitert, die sich den digitalen Vintage-Keyboards annahm. Mit der Black-Box-Serie gaben wir auch den Reportagen rund um Vintage-Drumcomputer einen Namen und dank der Gitarren-Redaktion gibt es mit ZEITMASCHINE inzwischen auch eine Serie für Vintage-Effektgeräte.

Wie ihr bereits ahnt, startet nun mit der Velvet-Box eine Vintage-Serie, die gezielt die fantastischen Keyboards und E-Orgeln der 60er und 70er Jahre beleuchtet. Den Anfang macht dabei Martin Andersson mit einer Story rund um Geschichte, Meachnik und Varianten des legendären Rhodes.

Viel Spaß,
Eure Vintage-Redaktion

The History Of Rhodes

Eigentlich war es als Klavierersatz gedacht. Nur klang es eben ganz anders als ein Klavier und manchem Pianisten krümmte es die Fingernägel beim Gedanken, auf diesem Instrument Bach oder Chopin zu interpretieren. Bis irgendwann in den 60er Jahren einige Musiker auf die Idee kamen, Soul und Jazz darauf zu spielen, woraus sich der Funk entwickelte. Der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Heute ist das RHODES E-PIANO nicht mehr aus der (Populär) Musik wegzudenken.

Rhodes Stage Mark 1

Die Anfänge

Es begann mit einem Klavierlehrer, einem ziemlich erfolgreichen sogar, dessen Methodik berühmt und beliebt war und der in den 1940er Jahren den Auftrag bekam, verwundeten amerikanischen Soldaten im Krankenhaus das Pianospiel näherzubringen. Dazu brauchte es erst mal passende Instrumente, da Klaviere erstens zu groß und unhandlich waren und zweitens nicht in der gewünschten Menge zur Verfügung standen. Harold Rhodes, so hieß dieser umtriebige Klavierlehrer, wollte ein günstiges, einfaches und leichtes Klavier. Und so entwarf er kurzerhand ein kleines Piano, das aus alten Flugzeugteilen gebaut werden konnte und nannte es Army Air Corps Piano bzw. Xylette: ein akustisches Piano mit Metallstäben und einem Tonumfang von zweieinhalb Oktaven. Das Design überzeugte, zwischen 1942 und 45 wurden schätzungsweise 125 000 Xylettes gebaut. Dennoch hatte das Xylette natürlich seine Schwächen, unter anderem war es ziemlich leise. Im Krankenhaus wird dies niemanden gestört haben, aber allgemein betrachtet war es ein Makel. Eine mögliche Lösung dieses Problems lag in der damals eher neuen Technologie von Pickups.

Harold Rhodes mit einem seiner Air-Corps Pianos (Bild fenderrhodes.com)

Amerikanische GIs im (Rhodes) Piano Unterricht (rhodesmusic.com)

1946, 15 Jahre nach der Entwicklung der weltweit ersten E-Gitarre, präsentierte Harold Rhodes an der NAMM sein erstes E-Piano, das Rhodes Pre-Piano. Der Tonumfang betrug nun etwas mehr als drei Oktaven der mittleren Lage (38 Tasten). Zwecks Verstärkung der naturgemäß leisen Metallstäbe kam ein Piezo zum Einsatz, der Röhrenverstärker war im Gehäuse integriert.

Schaltplan des Rhodes Pre-Pianos: Original-Skizze von Harold Rhodes (fenderrhodes.com)

Kennzeichnend für das Pre-Piano ist die fest verbundene Sitzbank.

Geschwungenes Design, das die Formensprache der 50er Jahre vorwegnahm (fenderrhodes.com)

Das Rhodes Pre-Piano mit integriertem Röhrenverstärker (fenderrhodes.com)

Ein Gitarrenbauer bekundet Interesse

Auch das Pre-Piano richtete sich v. a. an Klavierschüler, doch der große Durchbruch wollte noch eine Weile auf sich warten lassen. Dies änderte sich erst, als Ende der 1950er Jahre ein gewisser Leo Fender eine Zusammenarbeit anbot. Dieser hatte den Gitarrenmarkt mit seiner Tele- und Stratocaster ordentlich durcheinander gewirbelt und bot dazu auch die passenden Verstärker an. Eigentlich arbeitete er an einem eigenen E-Piano, doch die Entwicklung kam nicht recht voran. Ein Zusammenschluss mit Harold Rhodes war der logische Schritt, gemeinsam gründeten sie die Firma „Fender Rhodes“.

Dass Fenders Name zuerst genannt wird, ist etwas irreführend, hatte doch Leo Fender nur am Rande an der Entwicklung mitgearbeitet. Wahrscheinlich war er einfach der bessere Geschäftsmann und konnte seine Interessen besser durchsetzen als der Klavierlehrer Harold Rhodes. So auch beim Piano Bass, der gegen Harolds Willen gebaut wurde. Leo Fender hatte das Potential eines Keyboard-Basses als Band-Instrument erkannt, nicht zuletzt um E-Gitarren zu begleiten. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Tonumfang des Piano Bass genau dem Viersaiten E-Bass entspricht (Contra E bis C‘).
Der Sound war vielleicht etwas dünner als ein E-Bass, aber auf seine Weise interessant und mit der passenden Verstärkung auch durchsetzungsfähig. Ein Konzept, das unter anderem Ray Manzarek überzeugte, der als Keyboarder von The Doors auch die Rolle des Bassisten übernahm, während seine rechte Hand eine Vox Continental spielte.

Fender Rhodes Piano Bass: das erste Produkt der neuen Firma (fenderrhodes.com)

1963 folgte das Modell Celeste, das die mittlere Tonlage des Klaviers abdeckte, mit wahlweise drei oder vier Oktaven. Aus der Kombination von Celeste und Piano Bass resultierte schließlich ein Instrument, das den späteren (Fender) Rhodes Pianos schon sehr nahe kam. Anbei ein Katalogbild der Celeste und des Piano 61, einem frühen Rhodes E-Piano mit eigenem Verstärker, das in Kleinserie produziert wurde.

Aus dem Fender Rhodes Katalog von 1963 (fenderrhodes.com)

1965 übernimmt der CBS Konzern die Firma und die Karriere des Fender-Rhodes E-Pianos nimmt richtig Fahrt auf. Angeboten wurden verschiedene Modelle, stets in Kombination mit einem Verstärker. Diese Sparkle Silver-Top Models (1965 bis 1969) gelten heute als gesuchte Raritäten.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Starkstrom  

    Toller sehr umfangreicher Beitrag mit prima Klangbeispielen! Das war viel Arbeit – vielen Dank dafür!
    Zum Thema „Sample oder echtes Rhodes?“ würde ich sagen – es kommt drauf an….
    Wenn man Musik macht um der Musik willen – wenn also das akustische Erlebnis Dritter im Vordergrund steht – ja, dann kann man praktisch alle Instrumente durch Samples ersetzen – den Unterschied hören ohne Direktvergleich eh nur wenige….
    Wenn man aber aus „Liebe zum Instrument“ spielt und die oben angesprochenen technischen Unregelmäßigkeiten, Eigenheiten und vor allem die Dynamik genießt, wird man ganz sicher mit sample-basierter Klangerzeugung und einer Midi-Klaviatur nicht glücklich.
    Gerade bei meinem Wurlitzer 200A habe ich immer das Gefühl beim Spielen „in seinen Bann“ gezogen zu werden – ich vergesse die Welt um mich herum und die Improvisation sprudelt nur so aus mir heraus.

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      Martin Andersson  RED

      Danke für Deinen Kommentar. Du sprichst etwas sehr Wichtiges an: die „Liebe zum Instrument“, die meiner Meinung nach eine entscheidende Rolle für die Kreativität spielt. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, wie gut irgendwelche Samples sind; wenn mich ein Instrument nicht anspricht und ich mich nicht wirklich wohl darauf fühle, leidet auch die Musik selbst. Auf guten Instrumenten spielt man besser.

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    costello  RED

    Superidee eine „Velvet Box“ aufzulegen! Und dann gleich mit so einem tollen Artikel einzusteigen. Klasse! Das Rhodes ist toll, ich hatte mich 1979 aber doch für ein Wurlitzer 200A entschieden. Es kling einfach „klavieriger“ als das glockig-jazzige Rhodes. Und klar – das Wurlitzer hatte diesen Supertrampklang ;-) Eigentlich war es auch ziemlich stabil, aber wenn man dann doch mal eine Klangzunge zerschossen hatte, war es ein ziemlicher Aufwand, das zu reparieren. Mit der Feile das überschüssige Metall abschmirgeln und zwischendurch immer wieder das Stimmgerät anschließen und die Tonhöhe kontrollieren. Hab’s verkauft, manchmal bedaure ich das.

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    falconi  RED

    Angenehm unaufgeregter, gut gewichteter und daher besonders lesbarer und informativer Beitrag zum Rhodes, danke.

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    Robocob11  

    Wunderbarer Bericht, aber ich greif lieber zu einer Hardware-Kopie. Die klingen heute genauso gut und sind weniger anfällig.

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    Son of MooG  AHU

    Sehr informativer Artikel; habe einiges dazugelernt. Auch schön, mal etwas über Deodato und Bugge Wesseltoft zu lesen; letzterer ist auch ein außergewöhnlicher Synthesist, der mit minimalem Equipment auskommt, wie auf diesem Clip zu sehen ist:
    http://www.....WKAqsLqidA

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        psv-ddv  AHU

        Das ist ok. Über Weihnachten ist eh genug los.
        Dann gehe ich also davon aus, ab Januar mein (noch zu kaufendes) Rhodes selber stimmen zu können. :)

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    MidiDino  AHU

    Auch ich freue mich sehr über den Artikel. Die Rhodes-Instrumente sind auch für mich fantastisch, ich setze allerdings keine Originale ein. Das RP-X von GEM hält einige Klänge bereit, die ich mit Vorliebe nutze, ebenso Pianoteq. Die Rhodesklänge sind übrigens auch in der Klassik nutzbar. Ich spielte für meine jüngste EP Stücke von F. Couperin mit Rhodesklängen ein.

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      Organist007  

      Ich finde das rpx auch recht gut, akustikklaviere und rhodes, welches allerdings nicht ganz so viel „balls“ hat. Für weichere rhodes klänge oder gepaart mit anderen sounds sehr brauchbar.

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    mdesign  

    schöner artikel, danke! ich hatte ende der 70er ein mark I. der runde deckel balancierte den minimoog nur so recht und schlecht. und der viel zu niedrige ausgangspegel wurde per nachgerüstetem batterie-vorverstärker aufgemotzt – vergass man nach der probe auszuschalten, war am nächsten tag die teure 9V-blockbatterie leer. die dynamik war eine herausforderung für jeden amp – ganz leise bis komplett übersteuert ging per anschlag. also ein extrem empfindliches instrument, das viel spielgefühl und technik einforderte. ich wurde diesem hohen anspruch leider nie wirklich gerecht, darum trennten sich unsere wege irgendwann zugunsten elektronischer keyboards. trotzdem – der rhodes-sound ist für mich immer noch inbegriff früher pop-musik, das spielgefühl der (manchmal etwas zu simplen und unexakten) hammermechanik unerreicht.

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      Martin Andersson  RED

      Danke für Deinen Kommentar, mdesign.
      Die große Dynamik hat gewiss auch ihre Schattenseiten. Hie und da nutze ich auch einen Kompressor, um die Dynamik etwas einzudämmen.

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    unifaun  

    Auch von mir ein großes Dankeschön für diesen toll recherchierten und geschriebenen Artikel.

    In meiner Jugendzeit spielten etliche Bands in unserer Gegend mit Rhodes Mark I plus Mini-Moog oben drauf.

    Unsere eigene Band hat sich – nur für die Auftritte – das Mark II einer Realschule ausgeliehen. Da stand überall in gelber Schablonenschrift „Stadt ****“ drauf. Aber das war ein tolles Teil.

    Ich spiele mittlerweile u. a. die Rhodes-Klänge aus der Nord-Piano-Library auf meinem Stage 3 compact sehr gerne. Bei den Dynamikstufen könnten sie da allerdings mal etwas „aufbohren“. Die Piano-Samples XL haben bis zu 200 MB (komprimiert), die Rhodes und Wurli max. nur 30 MB. Da geht noch was.

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    iggy_pop  AHU

    Ich liebe das Rhodes Mk. 1 — vor zwanzig Jahren war die Entscheidung, Wurlitzer 200 oder Rhodes 73 Mk. 1. Ich habe mich für ein (blind bzw. taub gekauftes) Mk. 1 entschieden und den Kauf bis heute nicht bereut — nur beim Mitschleppen zu Gigs.
    .
    Um dieses Übel zu umgehen, bin ich parallel auf das SV-1 73 ausgewichen, das ebenfalls ein hervorragendes Instrument ist.
    .

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    KeepCool

    Mich fasziniert der Rhodes Klang auch schon seit meiner Jugend. All die Jahre habe ich alles was an Hard- und Softwareemulationen auf den Markt kam sofort gekauft. Ja, das Zeug ist inzwischen richtig gut. Bis ich vor zwei Jahren mein erstes echtes Rhodes gekauft habe. Ein ’73er Mark I. Da wars um mich geschehen. Inzwischen habe ich 4 Stück und weitere werden folgen. Jedes hat einen ganz eigenen Charakter, den man durch Restauration, Voicing und Tuning herausarbeiten kann und muss. Keine noch so gute Emulation bringt die Faszination rüber, welche ein 45 Jahre altes Instrument auf den Musiker ausübt. Wer mal ne Stunde am echten Rhodes gesessen ist und dann an den Rechner sitzt, der merkt erst wie tot das alles ist. Ob es der Zuschauer hört? Wohl kaum.

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      Martin Andersson  RED

      Ob’s der Zuschauer hört? Ich würde eher sagen: der Zuschauer merkt sehr wohl, ob ein Musiker durch das Instrument inspiriert wird oder nicht.

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    Organist007  

    Vielen Dank für den tollen Bericht. Mark 1 war mein erstes „Bandinstrument“ und ich war mächtig stolz drauf. Später kam ein moog prodigy dazu samt delay.
    Heute nehm ich vorwiegend NE3 (10 kilogramm !) , kurzweil artis, GEM RPX oder das Gemini- modul von GSI.

    Seit einigen Jahren hab ich wieder ein Rhodes Mark 1, erstanden für 900Euronen im tollen Zustand.
    Für die nächsten Serien wünsvh ich mir einen Beitrag über fie FARFISA COMPACT !

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    fatzratz  

    Das Rhodes … ein Sound, der dringend erfunden werden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe … zu den ganz Großen am Rhodes zähle ich übrigens auch Joe Zawinul, der mit dem Rhodes und Effekten bemerkenswerte Sounds gebastelt hat …

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      fatzratz  

      wupps, steht ja auch im Artikel … lesen können wär toll … klasse geschrieben finde ich den übrigens :)

  13. Profilbild
    Markus Harsani  RED

    Hallo Martin,

    vielen Dank für den schönen Artikel – Wirklich ganz tolle Hintegrundinfos zu den Instrumenten !

    Ich habe auch noch ein Rhodes Mark II, aber leider gehört es mal ordentlich von einem Profi überholt. Meine Versuche das Ding zu stimmen sind besonders im Bereich der tiefen Tasten kläglich gescheitert ( Stimmgabeln prellen aneinander, etc. ). Unglaublich aber wahr : Habe das Rhodes 1998 damals von einem Hobby-Jazzmusiker in einem Topzustand für schlappe 700 DM (!) erworben.
    Es ist noch die Version ohne Plastiktasten –> Unfassbar Schwer !

    Auch ich verwende gerne die Arturia Emulationen, aber es geht einfach nichts über das Original !
    Für das Original sollte man zu Hause auf jeden Fall ordentlich Platz einplanen – Es ist in echt viel größer als auf den Bildern.

    Habe das Rhodes immer über einen Fender Twin Reverb + Schaller Tremolo und Crybaby Wahwah gespielt. Wahnsinn was das immer für tolle Bässe erzeugt hat und ganz zu schweigen von den sahnigen Tremolo Sounds in Verbindung mit dem Schaller Effektgerät und gehaltenem Sustainpedal.

    Es ist einfach ein Instrument dass einen in seinen Bann zieht – Auch ganz ohne Effektgeräte und auf einem cleanen Twin Reverb Verstärkerkanal… Instant Beautiness !

  14. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Kennt noch jemand das Rhodes-Intro von „Garden of Paradise“, dem ersten Stück auf dem „Rainbow Dome Musick“-Album von Steve Hillage? Wunderschönes Duett des Rhodes mit dem Arp 2600 von Miquette Giraudy…
    Auch Peter Baumann hat es bei Tangerine Dream verwendet (z.B. auf „Rubycon“); das Rhodes ist eben nicht nur für Soul und Fusion geeignet.

  15. Profilbild
    Laborant

    1969 waren die Rhodes noch mit Tear drop Hämmern ausgestattet,die klingen dadurch weicher und in den Höhen angenehmer,das wurde zb. auf Bitches Brew verwendet

  16. Profilbild
    fritz808  

    gute idee, hier nun auch vintage-keyboards vorzustellen. freue mich schon auf weitere teile. was kommt als nächstes?

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