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Vergleich Jazzmaster: Fender vs Harley Benton, E-Gitarre

27. Oktober 2020

Fender gegen Harley Benton - wer gewinnt?

Vergleichstests verfolgen zumeist zwei verschiedene Ziele: Erstens – sie sollen Gitarren ähnlicher Bauart, in einer ähnlichen Preisklasse, auf ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin untersuchen – welche Gitarre ist richtig für mich. Oder zweitens – sie zeigen die zwei möglichen Endpunkte einer Modellklasse, preiswert und teuer, Low Budget und High Budget, und vergleichen sie hinsichtlich echter, praktikabler Unterschiede. Zuletzt führten wir in dieser Art beispielsweise den Vergleichstest einer Hagstrom Ultra Max mit einer Gibson Les Paul durch. Darüber hinaus stand immer wieder die Frage im Raum – wo liegen die feinen Unterschiede innerhalb einer Reihe? Mehrere unterschiedliche Epiphones vergleichen wir hier in diesem Epiphone E-Gitarren Vergleichstest und prinzipiell haben wir uns auch mehrere Vergleichstest für Pedale durchgeführt. Die Idee ist und bleibt: klangliche Vergleiche brauchen Standardisierung.

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Ich persönlich habe im Laufe der Jahre die Jazzmaster Gitarre immer mehr schätzen gelernt. Ich assoziierte die Gitarre früher für lange Zeit mit plätscherndem Indie-Rock, unattraktivem, kratzigem Frequenz-Peak in den höheren Lagen – nicht Fisch, und auch nicht Fleisch irgendwie, das Ganze. Selbstverständlich ist das kurzsichtig von meiner Seite gewesen, inzwischen habe ich mehr als eine großartige Jazzmaster in der Hand gehalten und schiele aktuell zur J Mascis Jazzmaster (wenn jemand mit dem guten Stück Erfahrung hat, lasst es mich in den Kommentaren wissen).

Der nun vorliegende Test orientiert sich am zweiten Vergleichstypen: Low Budget und High Budget, doch diesmal hat der Preisunterschied nochmal höhere Dimensionen. Fender vs. Harley Benton ist ein Vergleich, der unseres Erachtens nicht oft genug stattfindet. Harley Benton verstehen sich darauf, das Preis-Leistungs-Verhältnis auszumerzen und für wenig Geld hohe Qualität zu bieten. Fender wiederum sehen sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, mit ihrem Namen Kasse zu machen und mäßige Gitarren auf den Markt zu werfen. Da drängt sich einem durchaus die Frage auf: ist der Unterschied zwischen Fender und Harley Benton – wenn die beiden Firmen jeweils ihre Stärken ausspielen – wirklich so grandios? Mit dieser Frage im Hinterkopf haben wir uns die Fender Jazzmaster AM Orig. 60 und die Harley Benton JA-60 VW herausgesucht und unter identischen Bedingungen getestet. Beide Gitarren war bei uns bereits im Review, doch wollen wir hier nun eine Vergleichbarkeit der beiden Jazzmaster gewährleisten.

Vergleichstest Jazzmaster E-Gitarren – Fender AM. Orig. 60s

Leo Fender brachte die Jazzmaster aus purer Ratlosigkeit oder echter Inspiration auf den Markt – bis heute schneiden sich diesbezüglich die Geister. Als Stratocaster-Nachfolger hatte es die Gitarre zunächst schwer, bis die Gitarre in den 70ern und vor allem in den 90ern zum regelrechten Kultmodell avancierte. Die Fender American Original 60s nimmt ihren Namen ernst: es handelt sich um eine originalgetreue Nachbildung der originalen Jazzmaster – versehen mit einigen Updates und zeitgemäßen, technischen Erneuerungen. Das Offset-Design ist authentisch, der schön alternde Nitrolack ebenso wie der Klang.

Der Korpus aus hochwertigem Erle versteckt sich unter Ice Blue Metallic Finish und dem originalen Pickguard. Der Ahorn-Hals ist reibungslos gut verschraubt und fällt mit seinem 9,5 Zoll Radius ein bisschen schmaler aus als das Original – auch wenn das klassische Mid 60s Halsprofil in C-Form beibehalten ist. Die Fender American Orig. 60s verlangt nichtsdestotrotz einen harten Grip. Der einteilige Hals besteht aus Ahorn und besitzt 21 Vintage Tall Bünde sowie einen echten Knochensattel mit konstantem, 42 mm Radius – die Saiten liegen perfekt im Sattel ein, nichts klemmt oder surrt. White Dot Einlagen und ein schönes, weißes Binding gibt es ebenfalls am Hals. Der Nitrolack ist dünn aufgetragen, lässt das Holz also atmen und beeinträchtigt das Schwingungsverhalten der Gitarre nicht, und die Vintage Tremolo Bridge besonders stimmstabil. Die Gitarre fühlt sich – trotz der gewöhnlicher Mensur – nahezu massiv an. Man hat tatsächlich das Gefühl, ein Instrument aus einer anderen Ära in den Händen zu halten.

Die Pickups der American Original Jazzmaster sind die große Stärke und tatsächlich das, wo sich aller Wahrscheinlichkeit nach dann die Spreu vom Weizen trennen wird: jeder der beiden distinkten Lead- und Rhythm-Schaltkreise ist eine Nummer für sich und klingt – den Eindruck konnte der Praxisteil des Tests bestätigen – bisweilen famos. Die Höhenlastigkeit geht nicht auf Kosten der Präsenz des Low Ends – sehr ausgewogen, sehr reaktiv und knackigem Attack. Das gilt sowohl für den Lead-Circuit, der so etwas wie der „Default-Mode“ der American Original Jazzmaster darstellt, sowie den dunklen Rhythm-Circuit, der einem mit den zwei Rädchen ordentliche Klangflexibilität für den Neck-Pickup gewährleistet.

Welche Jazzmaster ist besser? Harley Benton JA-60 VW

Die Harley Benton JA-60 VW ist – da braucht man sich nichts vorzumachen – eine ganz klare Verneigung vor der Fender Jazzmaster, sowohl im Detail wie auch im Groben. Sie ist auch – und das darf man ebenfalls nicht vergessen – ein absolutes Lehrstück in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis. Die HB JA-60 VW hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aller Jazzmaster Gitarren auf dem Markt. Und auf dem ersten Blick sind die beiden Gitarren in vielerlei Hinsicht ähnlich. Auch hier: geschraubter Ahorn-Hals, wenn auch aus kanadischem Ahorn, gleiche Mensur (648 mm), gleiche Sattelbreite (42 mm) und auch hier ein sogenanntes C-Shape Hals-Profil, das jedoch in der Praxis ein paar feine Unterschiede zur Fender Jazzmaster offenbart – der Hals ist gefühlt dünner und nicht leicht abgeflacht hintenrum – ein kleines, aber feines Detail, das bei der Fender Jazzmaster die Bespielbarkeit zusätzlich fördert.

Auch der Lack ist nicht Nitro, sondern Polyurethan und entsprechend nicht ganz so fein wie bei der Fender Jazzmaster aufgetragen. Der Ahornhals ist trotzdem sehr geschmeidig zu spielen, doch gibt es hier schon mal einen Unterschied zur Fender. Ein weiterer: die etwas scharfkantigeren Bundränder sowie die nicht ganz so perfekte Fräsung der Halstasche. Aber das sind verschmerzbare Einzelheiten, die für den Preis absolut vertretbar sind. Die Kluson-Style-Klemmmechaniken erfüllen ihren Zweck gut und verlässlich. Und bevor wir auf die Humbucker zu sprechen kommen, ist ein weiterer, bedeutender Unterschied zwischen den beiden Gitarren zweifelsohne die Bridge: Das Fender Vintage Floating Push In-Tremolo ist selbstredend um einiges hochwertiger, stimmstabiler und dynamischer zu spielen als das simple Stop-Tailpiece der Harley Benton Jazzmaster. Hinzu kommen die die Roswell Alnico-5 P90 Coils. Die Roswell Pickups sind oft besser als ihr Ruf, aber dürfte es besonders spannend sein, zu sehen, wo und wie weit sich ihr Sound im Vergleich zu den originalen Vintage Singlecoils der Fender Jazzmaster behauptet. Also – gehen wir den Vergleichstest der E-Gitarren mal an:

So klingen die Harley Benton und Fender Jazzmaster

Prinzipiell unterscheidet sich die Fender Jazzmaster American Original von der Harley Benton durch das Vorhandensein eines zweiten Schaltkreises – der zweite, dunkle Rhythm-Circuit ist der Fender vorbehalten und ist sicher auch ein bedeutender Kostenfaktor. Also beschränken wir uns bei der Demonstration ausschließlich auf den regulären Lead-Circuit der Fender. Wir speisen den Revv G20 Lunchbox Amp in das Audient Sono. Zum Einsatz kommt auch ein Fuzz – namentlich das JHS Supreme, das wir erst kürzlich im Sammeltest hatten. Die Aufnahmebedingungen sind bei beiden Gitarren 100%ig identisch – nichts wurde nachträglich in der DAW bearbeitet – keine Kompression, kein Hall, kein EQ.

Wir beginnen mit dem Clean Channel des Revv G20 und speisen jeweils den Sound des Neck-Pickups in den Amp.

Man ist mehr als überrascht – die Pickups der Harley Benton kriegen die Differenzierung von Low-End und Mitten ähnlich gut wie die Fender Pickups hin. Die Wärme der Fender Pickups ist nicht von der Hand zu weisen – sie sind ein Stück weicher, die Harley Benton Pickups springen einen Stück weit mehr an, sind ein bisschen reaktiver und „bissiger“, wenn man so will. Aber es handelt sich um Nuancen – die HB Pickups machen eine formidable Figur, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich hier um fast eineinhalb tausend Euro Preisunterschied handelt.

Als nächstes testen wir den Sound bei der Fender Jazzmaster und der Harley Benton Jazzmaster, indem wir die mittlere Steg-Position benutzen: Beide Pickups kommen also zum Einsatz, für einen mittigeren, bissigeren Sound, mit mehr Attack. Auch hier nutzen wir zunächst den clean Channel.

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Auch hier verhält es sich ähnlich – wenn man den Attack ein bisschen in den Vordergrund schiebt, zeigt sich, dass die Transienten der Fender Pickups bedeutend weicher sind. Ich musste bei der Benton ein bisschen die Lautstärke bei der finalen Datei runterdrehen, weil sie unter den gleichen Bedingungen übersteuerte. Trotzdem gilt: die Harley Benton ist im Clean Bereich bemerkenswert stark. Auch in Sachen Bespielbarkeit ist der Unterschied nicht ganz so stark wie zunächst angenommen – der Ahorn-Hals der HB ist alles andere als widerspenstig. Die leichte Abrundung hintenrum am Fender-Hals macht da den bedeutenden Unterschied aus.

Doch jetzt geht es ans Eingemachte: des weiteren ist der Sound im Crunch Kanal des Revv G20 nun von Interesse – wie klingen die Gitarren bei angezerrtem Amp? Zunächst testen wir wieder die mittlere Stegposition und aktivieren beide Tonabnehmer:

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – die Fender ist bedeutend in der weicher und resonanter in der Art, wie sie Verzerrung handhabt. Macht die Harley Benton eine schlechte Figur? Auf keinen Fall – für den Preis ist das ein unverschämt guter, muffiger und authentischer Jazzmaster-Sound. Doch die Wiedergabe des Low-Ends geht auf Kosten der Transparenz höherer Frequenzbereiche – spielt man Akkorde, erklingt die Harley Benton definitiv harscher – sie ist weniger „elegant“ und differenziert im Sound, hat mehr Garagen-Charakter. Ist dieser Unterschied jedoch einem eineinhalb Tausend Euro wert? Das muss jeder für sich entscheiden.

Traditionell eher für den Sound im Zerrbereich geeignet, vergleichen wir nun auch zusätzlich den Bridge-Pickup gesondert im gleichen Kanal mit gleichem Zerrniveau.

Je mehr wir mit der Verzerrung des Amps arbeiten, desto klarer wird: die Unterschiede sind hier spürbarer als im Clean Bereich. Die Fender ist definitiv wärmer, transparenter und differenzierter im Attack und im Klangbild. Die Harley Benton ist auch in Stegposition das muffigere, tiefenlastigere Instrument von den beiden.

Traditionell gehören Jazzmaster und Fuzz zusammen – also nutzen wir die Gunst der Stunde und die noch bei uns in der Redaktion vorliegenden JHS Fuzz Pedale – genau genommen das Supreme, und jagen beide Gitarren hindurch.

Hier wiederum verschwinden die Unterschiede regelrecht – zumindest bei der Bridge. Der Neck-Pickup der Fender oszilliert nicht ganz so heftig wie der der Harley Benton. Trotzdem gilt: wer bei seiner Jazzmaster fast konstant im Setup die Fuzz-Pedale aktiviert hat, sollte sich wirklich zwei Mal überlegen, ob er dafür eine hochwertige Jazzmaster nutzen möchte – die Unterschiede bei einem fuzzy Setup sind mehr oder minder verschwindend gering.

Zu guter Letzt schauen wir uns auch die Reaktivität des Volume Poti beim Hereindrehen einer moderaten Verzerrung des Amps an:

Auch hier gilt: Die Harley Benton Pickups kommen auch mit Volume- und Klang-Transparenz viel besser klar als erwartet. Klar, auch hier gilt: Harscher und bissiger ist es bei der Harley Benton, aber die Frequenzen drehen sich ähnlich gleichmäßig rein wie bei der Fender, wenn auch definitiv mit einem spürbar präsenterem Tiefenausschnitt.

Fender und Harley Benton Vergleichstest – der finale Eindruck

Ich hatte es befürchtet – dass sich der Vergleich dahingehend verschiebt, was für ein irre gutes Instrument die Harley Benton Jazzmaster im Vergleich zur Fender American Original ist. Aber es lässt sich nicht von der Hand weisen: die Unterschiede, wenn auch – vor allem im Zerrbereich – bisweilen deutlich, sind alles andere als frappierend.

Und damit hätte man durchaus rechnen können – zumindest bei diesem Preisunterschied. Ein großer aber feiner Unterschied, der auch beispielsweise bei Gibson und Hagstrom deutlich wurde und neben Verarbeitung und Sustain die großen Namen von den günstigeren unterscheidet, ist die Art, wie die Pickups das Frequenzspektrum wiedergeben. Wie differenziert arbeiten die Pickups im Crunch oder High-Gain, wie wuchtig ist der Attack, wie weich die Spitzen bei hartem Anschlag. In all diesen Punkten legen die „Big Names“ deutlich vor, aber man braucht sich nichts vorzumachen. Bei der Fender American Original spielt für diese Preis-Margin der zweite Schaltkreis eine bedeutende Rolle – nimmt man den „essenziellen Sound“ der beiden Gitarren und vergleicht sie miteinander – sie liegen nicht eineinhalb tausend Euro voneinander entfernt. Klar ist auch: die Fender hat ein besseres Sustain, die Halsverarbeitung ist besser und weicher an den Bundrändern, der Nitrolack sieht besser aus, die Rückseite des Halses bremst das Spiel so gut wie gar nicht – etwas, womit die Bespielbarkeit der HB ein bisschen zu kämpfen hat.

Und klar – es fehlen Tremolo und die Tremolo-Bridge der Fender macht auch nochmal einiges her. Aber lassen wir die Kirche im Dorf: Man bezahlt bei der Fender für den Namen, die Holzqualität und -dichte, für den Rhythm-Circuit, die Bridge und die etwas ergonomischere Handhabe – aber eben auch für den Namen. Wenn es um die „Essentials“ geht – dieser dreckige, angriffslustige Lead-Sound, der auch differenziert und glockenklar kann – da sind sich die beiden Gitarren – wenn nicht schon ebenbürtig – dann definitiv ähnlicher, als man es hätte erwarten können.

Da ist man fast versucht zu sagen, dass das Eigelb des Finishs der Harley Benton ihr größter Minuspunkt ist. Will was heißen, insofern – Chapeau, Harley Benton.

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Fazit

Also – wer gewinnt? Die große Frage ist und bleibt, wieviel man bereit ist für die kleinen, aber feinen Unterschiede zu zahlen. Die Fender American Original steht für Geschichte – und man hat auch ein Stück weit das Gefühl, Geschichte in den Händen zu halten, wenn man die Gitarre spielt. Doch wenn es um Sound-Essenz geht, macht die Harley Benton, die zehn Prozent des Gesamtpreises der Fender kostet, eine unverschämt gute Figur: die etwas muffigeren Pickups sind zu verschmerzen. Wer es also historisch genau nehmen will und glaubt, echten Jazzmaster Sound nur bei den Originalen zu finden und dafür einen teuren Preis zahlen zu müssen – Unsinn. Fenders Name stand früher mal für uneingeschränkte Qualität – das ist bisweilen nicht mehr so. Und auch wenn die American Original 60 zu den besten neueren Gitarren Fenders gehört – für zehn Prozent des Preises kriegt man (fast) den gleichen Sound serviert.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau  

    Also ich weiß ja nicht… für mich klingt die Fender in jeder Disziplin um Längen besser. Die Harley Benton klingt muffig und weniger eigenständig als die Fender.

    Viel zum Klang trägt auch die Brückenkonstruktion bzw. das Vibrato Tailpiece des Originals bei. Der Twang entsteht nämlich durch nicht unerheblichen Anteil durch die Floating Brücke.

    Und ohne das Alleinstellungsmerkmal, nämlich den Rhythm Circuit brauch ich auch keinen Jazzmaster Clone.

    Auch wäre ein Vergleichstest der HB mit einer Squier Jazzmaster besser, weil sinnvoller gewesen, denn die potentielle Käuferschicht wird sich viel häufiger zwischen HB und Squier entscheiden als zwischen HB und Fender..

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Diese ständigen HB-Lobhudeleien haben mich inzwischen einige Male dazu verleitet, eine HB zu bestellen. Die 7-saitige, optisch sehr ansprechende Bariton-Tele, die es vor einigen Jahren gab, hätte ich wirklich gern gehabt. Aber alle 3 HB-Instrumente, die ich bisher in der Hand hatte, hatten ein völlig unterirdisches unspielbares Setting, das ich mit meinem Halbwissen nicht korrigieren konnte. Ein Gitarrenbauer hätte es vielleicht schon hinbekommen. Und noch was:
    Ich spiele seit über 40 Jahren Gitarre und spüre Qualität, wenn ich sie in der Hand habe. Die Unterschiede mögen oberflächlich betrachtet gering erscheinen, aber ich nehme es einem Profi nicht ab, wenn er hier im Test die Bedeutung dieser Unterschiede herunterspielt. Warum spielt ihr dann nicht selbst HB? Ein wirklich qualitativ hochwertiges Instrument hat einen entscheidenden Einfluss auf die Spielfreude – Objektivität hin oder her. Und wer Jahrzehnte lang Gitarren in der Hand hatte, kann mir nicht erzählen, dass ihm diese Unterschiede nichts bedeuten. In Online-Bewertungen liest man oft vom „Grinsen, das gar nicht mehr aufhören wollte“. Das ist dieses Gefühl, eine Gitarre in einen Amp zu stöpseln und plötzlich tönt da der perfekte Hammer-geile Sound raus, der einem direkt in die Brust zu fahren scheint und dort die reinsten Glücksgefühle auslöst – nicht unbedingt meine HB-Assoziation!

    • Profilbild
      janschneider  

      Dem kann ich zustimmen. Ich habe zwei Akustikgitarren von HB bestellt, eine habe ich zurück geschickt, da unbespielbar und so schlecht gebaut, dass ein ordentliches Setup kaum mehr möglich war, die zweite war etwas besser, aber auch mit einer viel zu hohen Saitenlage. Der Klang ist für 180€ aber erstaunlich gut und als “Reisegitarre” schon in Ordnung. Zuhause spielen tu ich dann natürlich meine mehr als zehn Mal so teure Lakewood. Das Gefühl ist dann doch ein ganz anderes, in diese Gitarre hatte ich mich sofort verliebt, als ich sie im Laden angespielt hatte. Das passiert mir mit billigen Instrumenten (leider:) nie…

      Ich glaube, die Qualitätsstreuung ist bei den HB-Instrumenten ziemlich hoch, und man muss im Ernstfall mehrfach sich welche zuschicken lassen, bevor man ein ordentliches Instrument erhält (welches dann sicher ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat).

      Ich nehme an, dass bei Produkten, die die Tester bekommen, nicht einfach ein Exemplar aus dem Lager genommen wird, sondern schon darauf geachtet wird, dass es ein ordentliches ist. Oder halt nochmal schnell ein Extra-Setup gemacht wird.

    • Profilbild
      Emmalieb

      Es bleibt natürlich jedem überlassen, woran er den Mojo einer Gitarre festmacht.
      Ich spiele seit über 30 Jahren, hab eine Band die regelmäßig probt und Gitarren zwischen 150 und 2500 Euro Marktpreis. Diese HB ist eine meiner liebsten Brot-und-Butter Gitarren und wird von mir durchaus auch mal für Aufnahmen genutzt.

  3. Profilbild
    janschneider  

    Wäre vielleicht auch ganz informativ, wenn die Preise für die jeweiligen Instrumente auch im Artikel erwähnt würden… :)

    Übrigens bezahlt man bei Fender nicht nur für den Namen, zumindest macht das nicht 500 oder 1000€ Preisunterschied aus, sonder wohl eher für die Fertigung in einem Hochlohnland wie den USA. Ein anderer Gitarrenbauer aus demselben Land würde eine Gitarre derselben Qualität wohl für etwas weniger anbieten können, aber eben auch nicht für hunderte oder tausend Euro weniger.
    Dafür muss man dann schon in asiatische Produktionsländer ausweichen, wo die Lohnkosten niedriger sind. Die können mit Sicherheit auch konkurrenzfähige Instrumente bauen, wenn man nicht mit der Vorgabe “billig, billig, billig” ankommt.

    Das prinzipiell gute Preis-Leistungsverhältnis der HB-Instrumente kommt meiner Ansicht daher, dass es eine Eigenmarke im Direktvertrieb ist und keine andere Firma sowie Vertrieb dahinter steckt, die natürlich auch noch Geld verdienen wollen.

  4. Profilbild
    Chufu  

    Ich lege bei solchen vergleichen immer den Focus auf den Klang. Der muss mich Überzeugen. Mit der Beurteilung guter Sound , schlechter Sound tu ich mich immer ein bischen schwer. Weil das liegt immer im Auge des Betrachters. Auch die Geschichten mit der Bespielbarkeit. Der eine Mag das Halsprofiel so der andere wieder was anderes. Das ist alles sehr indivieduell.
    Der Autor dieses Artikels Mach das sehr gut. Er beschreibt hier ziemlich Sachlich einfach nur die Unterschiede und läst dem geneigten Leser Quasi selbt die Subjektive beurteilung.
    Für Mich sind die Klangunterschiede deutlich zu hören. Wobei man allerdings nicht unbedingt sagen kann welcher Klang jetzt besser ist. Kommt darauf an was man Musikalisch machen will und ob der Klang in die Musik passt die man machen will.
    Und wenn man da den doch erheblichen Preisunterschied in betracht zieht dann bin ich auch am zweifeln ob der wirklich gerechtfertigt ist.
    Die HB macht in jedem fall einen guten Job. Notfalls kann man ja andere Pickups einbauen.

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wenn man sich anguckt, was hochwertige Hardware, Hälse und Corpus so kosten (als Ersatzteile, gerne auch von Fender himself), dann erschliessen sich mir Preise über – sagen wir mal – 1200€ für die echten Fenderbretter so gar nicht.

    • Profilbild
      Hein Schlau  AHU

      Keine Ahnung, wie hoch in deren Werken der Durchsatz ist, aber wenn man für eine Gitarre mal 4 Tage Herstellungszeit annimmt (also 4×8 Stunden man-power a 12 Dollar), kommt man schon auf 348 Dollar Netto-Lohnkosten. Dazu kommen noch die ganzen Betriebskosten, Entwicklung, Marketing etc. und Wagnis und Gewinn.
      Selbst in den USA dürften auch die Umweltschutzauflagen strenger sein, als in den meisten Ländern Asiens.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Wie gesagt, die Einzelteile kann man von Fender ja zu halbwegs nachvollziehbaren Preisen kaufen. Für‘s Zusammenschrauben und Einrichten braucht es dann noch vielleicht 3 Stunden (wahrscheinlich schneller)….

  6. Profilbild
    SynthUndMetal  

    Ich denke für Einsteiger, Nicht-Profis, „Ausprobierer“ (und diejenigen, die keine Statussymbole für ihr Musizieren benötigen;-) sind die HB Gitarren sicher in Ordnung. Von diesem sehr attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis habe ich damals Anfang der 80er nur träumen können.
    Ich hatte selber bisher nur „Marktenprodukte“ bei mir stehen. Eine 8-saitige Fanfret Gitarre von HB hat das aber im Sommer geändert. Das passive Steg-Pickup musste allerdings einem aktiven EMG 808X weichen (ich will damit ja auch keine Warmduschermusik machen!).
    Im Detail habe ich natürlich einige kleinere qualitative Schwächen im Vergleich zu meinen anderen Gitarren bemerkt (nichts was das Spielgefühl beeinträchtigt hätte), speziell aber der nicht sehr kratzfeste Lack ist mir hier aufgefallen. Aber vielleicht habe ich diesmal nur zu penibel hingeschaut, da es seit vielen Jahren die erste Gitarre war, die ich mir mal wieder gegönnt habe. Soviel zu meiner Erfahrung mit HB bisher.

  7. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich bin weder ein Fender-Fan noch ein Jaguar / Jazzmaster-Fan (hässlichste Gitarren ever). Aber diese Einschätzung, dass eine Gitarre der untersten Preiskategorie einer 10-mal so teuren Gitarre nahezu ebenbürtig ist, halte ich – Klartext gesprochen – für irreführenden Blödsinn. Das empfinde ich als unseriös. Es gab hier mehrere Vergleichtests mit der Hagstrom Ultra Max gegen Gibson und Epi. Konnte ich beide nachvollziehen, habe selber die Ultra-Max und eine Gibson LP. Der Vergleich Mittelklasse gegen Premium kann interessante Ergebnisse bringen, das leuchtet ein. Aber das hier leuchtet mir nicht ein und ich halte das – wie gesagt kein Fender Fanboy – für unseriös und rufschädigend. Das hat Fender ganz sicher nicht verdient. Und nach allem, was ich von HB bisher in der Hand hatte, stimmt es auch nicht.
    Aber es passt natürlich in den Mainstream, der billig, billiger, am billigsten immer mehr als das Maß aller Dinge ansieht. Und alle, die Qualität weder wahrnehmen, noch schätzen können, klatschen eifrig Beifall und knallen sich die Bude mit billigem China-Schrott voll. Das heißt aber nicht, dass wirkliche Qualität nicht existiert.

    • Profilbild
      SynthUndMetal  

      Ich glaube HB produziert seine Gitarren nicht in China sondern in Vietnam, genauso wie Solar und andere Hersteller in Indonesien produzieren. Ich denke die Zeiten sind schon lange vorbei, dass Made in USA gleichbedeutend für hohe Qualität stand. Asien kann das häufig sogar besser für weniger Geld. Aber darum geht es hier eigentlich nicht. Fender und Co. leben überwiegend von ihrem Markenruf und tummeln sich daher eher im Premium-Sektor. HB versucht das Geld vor allem über die Stückzahlen zu machen. Klassische Produktplatzierung halt, wie aus dem Marketinghandbuch, nichts weiter.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Zu behaupten, HB und die Fender USA-Modelle hätten die gleiche Qualität ist eine totale Verbiegung von Wahrnehmung. Dass manche es gerne so sehen möchten, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass sie sich manche Dinge nicht leisten können, ist eine ganz andere Sache. Das meine ich gar nicht despektierlich, denn ich kann mir selber viele Dinge nicht leisten, die ich gerne hätte. Nur lüge ich mir dann nicht die Welt zurecht, nur weil es sich um eine unangenehme Wahrheit handelt.
        Ich bin offen für vieles, was hier geschrieben wird. Aber immer wieder erscheinen hier diese überschwenglichen HB-Tests und wenn ich dann dieses Preis-Leistungswunder für mich realisieren will, funktioniert es einfach nicht! Warum nicht? Es gab ein HB-Modell, das ich WIRKLICH, WIRKLICH gerne gehabt hätte. Aber es war einfach überhaupt nicht möglich, ein spielbares Exemplar zu bekommen. Da stimmt irgendwas für mich nicht und ich fühle mich ein bisschen beschwindelt.

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          SynthUndMetal  

          Ich denke Du interpretierst Da zu viel in meinen Kommentar. Mein Qualitätsvergleich Asien/USA war allgemeiner Natur als Reaktion auf Deinen „billigen China-Schrott“ und kein direkter Vergleich zwischen Fender und HB. Sonst hätte ich das so geschrieben. Ich empfehle daher einfach mal tief Luftholen und nochmal alles in Ruhe lesen.
          Auch anderen zu unterstellen sich etwas nicht leisten zu können finde ich ziemlich daneben, zumal das bei mir und sicher vielen anderen hier im Forum definitiv nicht zutrifft. Es ist halt ein Unterschied zwischen „sich etwas leisten können“ und „was man für sein Hobby bereit ist auszugeben“.

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            AMAZONA Archiv

            Weil wir zwei es gerade vom Lesen können haben: Ich habe weder Dir noch sonst jemandem im Forum unterstellt, sich etwas nicht leisten zu können, obwohl es andererseits für die weitaus meisten Menschen einschließlich mir einen Fakt darstellt, weil es eine wichtige Grundbedingung des Lebens ist, dass unsere individuellen und globalen Ressourcen begrenzt sind.
            Was ich darstelle, ist ein gesamtgesellschaftlicher Trend, billig produzierte Produkte qualitätsmäßig mit aufwendiger produzierten Produkten zu vergleichen und dann zu behaupten, es existiere kein Qualitätsunterschied, der den Preisunterschied rechtfertigt.
            Das Problem dahinter ist aber, dass Qualität zu großen Teilen keine messbare Größe, sondern eine subjektive, intuitive Wahrnehmung darstellt. Nun gibt es die eine Fraktion, die behauptet, was sich nicht messen lässt, existiert auch nicht und die andere Fraktion, die mit ihrer Intuition diesen Wert „Qualität“ in großer Deutlichkeit wahrnimmt und schätzt.
            Ich persönlich halte diesen Trend, Qualität wegzureden für einen individuellen Selbstbeschiss (Siehe mein vorheriger Kommentar). Das ist alles. Alles, was in diesem Kommentar geschrieben wurde, bezieht sich nicht auf Dich, sondern erläutert nur meinen Standpunkt zu diesem Amazona-Artikel. (Werde ich ab jetzt am besten unter jeden Kommentar schreiben.)

            • Profilbild
              SynthUndMetal  

              Du machst hier im Forum also bei dieser Diskussion ein Statement bezüglich „sich etwas nicht leisten zu können“ und sagst dann im nächsten Kommentar, dass sich dadurch im Forum (die einzigen übrigens, die das lesen werden!) niemand angesprochen fühlen soll und verweist dann im gleichen Satz auf „begrenzte globale Ressourcen“? Was ist denn das für eine verquerte Logik :-D Deinen restlichen Argumentationsspagat erspare ich mir lieber zu kommentieren ;-)

  8. Profilbild
    Codeman1965  

    Geil.

    Endlich mal wieder ein Thread, in dem ein Super-Top-Checker die Weisheit nicht nur exklusiv für sich gebucht, sondern diese auch noch mit der großen Kelle gelöffelt hat…!

  9. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Das finde ich schade bei Amazona. Die sind nun mal eng verbundelt mit Thomann, und die Thomann-Eigenmarken kommen hier über Gebühr gut weg. Das ist natürlich ein Verdacht, der auch unfair sein kann. Aber wie kann ich es beurteilen?
    Wenn ich mir hier den Test durchlese, ist er geradezu zwanghaft auf ein HB-Lob hin geschrieben.
    Obwohl die Unterschiede deutlich und teils frappierend sind. Eine Jazzmaster lebt von ihrem Tremolo, vom Surf-Sound (wurde garnicht getestet), von ihrer Fähigkeit, sowohl Dirty Garagensounds als auch schimmerndes, differenziertes zu Gehör zu bringen.
    Letztlich muss man sagen: Die HB ist eine kastrierte Jazzmaster, die nur einen Bruchteil des Soundspecktrums bietet. Das sollte das ehrliche Fazit sein. In einem wirklich objektiven Test.

    (Ich mag Amazona trotzdem, aber Liebe und Kritik schließe sich ja nicht aus). ((-:

      • Profilbild
        lightman  AHU

        Ich bin zwar absolut kein Gitarrenexperte, glauber aber eher, daß hier ein Tremolo (Schwingung durch Lautstärkenänderung) statt Vibrato (Schwingung durch Tonhöhenänderung) vorliegt.

        Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege.

        • Profilbild
          Sven Blau  

          Nein, denn dieses Teil sorgt für eine Verkürzung bzw. Verlängerung der Saite, also findet eine Tonbeugung statt, ähnlich wie bei einem Bending.

          Um ein Tremolo zu erzielen, müsstest du in rascher Folge am Volumepoti drehen.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Oh, stimmt. Natürlich heisst es Vibrato. Danke für die Korrektur. ((-: Aber das kann ich jetzt nicht mehr korrigieren.

      • Profilbild
        lambik  

        Lustig ist, dass Fender selbst das Vibrato Tremolo genannt hat (sogar auf End-60er/Anfang-70er Stratocaster-Kopfplatten nachzulesen)

  10. Profilbild
    eki mako

    Ich finde auch, dass sie schon sehr unterschiedlich klingen..leider..zum Vorteil für Fender…

  11. Profilbild
    micky rmb  

    Den Preis für die Fender halte ich auch so für 300/400€ zu hoch. Nichts destotrotz, wenn man sich den Test von Dimi durchliest und dazu die Soundbeispiele hört, komme ich zu dem Schluss, das sich da einiges zu Gunsten der Fender summiert. Vibratosystem, mehr und für mich bessere Soundmöglichkeiten, der Lack und, und und…, als neutraler Leser und etwas anspruchsvoller Gitarrist, würde ich dann lieber schon mehr, unabhängig vom Namen, gibt ja auch noch andere Hersteller von Jazzmastern, auf den Tisch legen. Bei den „HB“`s bin ich mehr als skeptisch. Sie reichen soundmässig, auch bei anderen Kritiken, immer nahe heran, aber eben nicht ganz. Will ich das? Ich glaube nicht.

  12. Profilbild
    THEBIGBASS  

    Spiele seit Längerem eine HB Jazzmaster Kopie. Anfänglich musste ich mich etwas eher flache Griffbrett, wo ich mich vor allem an ein deutlich gewöbtes, lackiertes Tele bzw Strat Maple Griffbrett gewöhnt hatte. Und eine Mechanik hat wenig (wenig!) Spiel.

    Und sonst?! Kam – sah – fetzte. Bis heute und hoffentlich noch lange. Ueber einen Röhrenamp ein Gedicht.
    Ich bin Leo Fender bis heute äusserst dankbar für seine einzigartige Entwicklung von Gitarren, Bässen, Verstärkern.

    Ohne kostengünstige Instrumente – in einer bemerkenswerten Qualität – könnte ich mir viele Instrumente nicht leisten. Dafür bin ich u.a. Harley Benton sehr, sehr dankbar.

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