Hardware vs. Software
Der Name Synclavier steht schon seit vielen Jahrzehnten für digitale Klangerzeugung mit einem gewissen Tiefgang. Seit Ende 2025 ist dieses Konzept mit dem neuen Synclavier Regen wieder als eigenständige Hardware verfügbar, während Arturia Synclavier V eine Software-Version ist, die sich vollständig in moderne Produktionsumgebungen einfügt. Obwohl beide Varianten dieselben Grundideen aufgreifen, unterscheiden sie sich im praktischen Einsatz und vor allem im Preis. Der folgende Vergleich soll zeigen, dass es dabei weniger um besser oder schlechter geht, sondern vielmehr um zwei sehr unterschiedliche Arbeitsweisen.
Worum geht es? Vergleich zwischen Synclavier Regen (Hardware-Desktop-Synthesizer) und Arturia Synclavier V (Software-Plug-in) und deren unterschiedliche Arbeitsweisen.
- Konzept: Beide basieren auf additiver Synthese mit Partials, verfolgen aber unterschiedliche Bedienphilosophien.
- Workflow: Der Synclavier Regen entschleunigt und strukturiert das Sounddesign, die Software ermöglicht schnellere Ergebnisse im DAW-Kontext.
- Sounddesign: Hardware fokussiert detaillierte Einzelarbeit, das Plug-in erweitert das Konzept um visuelle Editierung und zusätzliche Modulationen.
- Integration & Preis: Arturia punktet mit flexibler DAW-Einbindung und attraktivem Preis, der Regen mit eigenständigem Hardware-Erlebnis.
Inhaltsverzeichnis
- Das originale Vorbild: Synclavier II
- Das Synclavier-Konzept heute
- Bedienung und Workflow der Synclavier-Varianten
- Presets und Einstiegstempo
- Klangerzeugung und Sounddesign
- Modulation und Bewegung
- Effekte
- Integration und Produktionsalltag
- Für wen eignet sich welche Synclavier-Variante?
- Lohnt sich der Aufpreis für den Synclavier Regen?
Das originale Vorbild: Synclavier II
Entstanden ist das ursprüngliche Synclavier-System Ende der 1970er-Jahre bei der Firma New England Digital in den USA. In den 1980er-Jahren entwickelte es sich zu einem digitalen und sehr leistungsfähigen Produktionssystem. Der Schwerpunkt lag dabei nicht auf einer klassischen Synthesizer-Bedienoberfläche, sondern auf einem modularen und computerbasierten Ansatz.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Eng miteinander verbunden waren additive Synthese sowie später auch Sampling und komplexe Produktionsfunktionen. Deshalb wurde das Instrument vor allem in großen Studios und bei Filmproduktionen eingesetzt. Aufgrund des hohen Preises und der technischen Komplexität blieb es ein Werkzeug für Spezialisten statt für den Massenmarkt.
Das Synclavier-Konzept heute
Das Desktop-Gerät Synclavier Regen folgt klanglich und organisatorisch einer festen Hierarchie aus Sessions, Timbres und Partials. Eine Session speichert den kompletten Zustand des Geräts inklusive aller geladenen Timbres, Track-Einstellungen und globaler Effekte. Ein Timbre entspricht dabei einem vollständigen Klang, vergleichbar mit einem Preset bei anderen Synthesizern. Innerhalb eines Timbres arbeiten mehrere Partials, die jeweils eigene Oszillatoren, Hüllkurven und Modulationen besitzen. Dieses Synclavier-Prinzip bildet die Grundlage und prägt die gesamte Arbeitsweise.
Ein großer Unterschied zum Ur-Synclavier und seiner diversen Ableger lässt sich außerdem sofort erkennen: Auf den Computer-Bildschirm und die Computer-Tastatur wurde verzichtet. Die Benutzeroberfläche hat mit dem Vintage-Synclavier keine Gemeinsamkeiten.
Einen Testbericht zum Synclavier Regen findet ihr hier.
Auch der Arturia Synclavier V übernimmt dieses Grundprinzip, setzt es jedoch Software-typisch um. Der gesamte Klangaufbau basiert ebenfalls auf Partials, die in additiver Anordnung geschichtet werden können. Der Unterschied zum Synclavier Regen liegt weniger in der Architektur, sondern in der Darstellung. Beim Plug-in stehen die visuelle Übersicht und der direkte Zugriff im Vordergrund. Gearbeitet wird über eine zentrale Oberfläche. Der Synclavier Regen ist dagegen kleinschrittiger konzipiert und wird über den berührungsempfindlichen Swiper am linken Rand und kontextabhängig eingeblendete Parameter auf dem Display bedient.
Einen Testbericht zum Arturia Synclavier V findet ihr hier.
Bedienung und Workflow der Synclavier-Varianten
Im praktischen Umgang zeigt sich beim Synclavier Regen, dass eine gewisse Einarbeitung nötig ist. Das liegt nicht nur daran, dass sich das Synclavier-Konzept von üblichen Synthesizern unterscheidet, sondern auch daran, dass nicht alle Parameter gleichzeitig sichtbar sind. Stattdessen werden sie kontextabhängig über Softbuttons aufgerufen. Man bewegt sich gezielt durch Oszillator, Hüllkurven, Modulationen und Effekte und arbeitet sich Schritt für Schritt durch den Klangaufbau.
Diese Herangehensweise verlangsamt zwar den Arbeitsprozess, kann aber auch zu detaillierteren Ergebnissen führen. Gerade bei additiver Synthese sorgt dieses Konzept dafür, dass man sich intensiver mit einzelnen Klangbestandteilen beschäftigt, statt mit wenigen Reglern sofort einen fertigen Sound zu erzeugen.
Besonders deutlich wurde mir das im Praxistest bei der Klangerstellung mit dem Synclavier Regen. Der Weg vom komplett leeren Zustand bis zu einem fertigen Orgel-Pad ist klar gegliedert. Zunächst wird ein Timbre gewählt. Anschließend wird eine Sinusschwingung als Ausgangspunkt definiert. Danach werden weitere Partials ergänzt, Hüllkurven angepasst, Filter gesetzt und Effekte genutzt. Als zentrales Bedienelement für die Anpassung der jeweils angewählten Parameter dient der Swiper. Alternativ kann diese Aufgabe auch der optional erhältliche Regen Knob übernehmen.
Einen anderen Ansatz verfolgt der Arturia Synclavier V. Hier zeigt die grafische Oberfläche viele Parameter gleichzeitig. Obertöne lassen sich zeichnen, Hüllkurven werden visuell editiert und Modulationen sind sofort erkennbar. Das sind Funktionen, die sich auf einem Desktop-Synthesizer nur schwer umsetzen lassen.
Trotzdem kommt man meiner Meinung nach bei der Software-Variante schneller zu Ergebnissen und kann Sounds direkt im musikalischen Kontext beurteilen. Gerade in Verbindung mit einer DAW wirkt das Plug-in sehr praxisnah. Es kann zudem als Standalone-Version betrieben werden.
Presets und Einstiegstempo
Beim Synclavier Regen spielen Presets eine eher untergeordnete Rolle. Zwar ist eine umfangreiche Auswahl in mehreren Ordnern vorinstalliert. Wer sich jedoch einen Hardware-Synthesizer kauft, wird diese sicher eher als Ausgangspunkt für eigene Vorstellungen nutzen.
Deutlich umfangreicher und stilistisch breiter fällt die Preset-Auswahl beim Arturia Synclavier V aus. Der übersichtliche Browser erlaubt ein schnelles Durchhören und Vergleichen der 450 Presets, was besonders im Produktionsalltag von Vorteil ist.
Klangerzeugung und Sounddesign
Im Mittelpunkt des Synclavier Regen steht eindeutig die additive Synthese. Klänge werden aus bis zu 24 Obertönen aufgebaut und über mehrere Partials geschichtet. Schon kleine Änderungen einzelner Partials können hörbare Auswirkungen auf den Gesamtklang haben. Zusätzlich stehen subtraktive Elemente, Sampling und Resynthese zur Verfügung. Die Entwicklung eines Sounds entsteht beim Desktop-Synthesizer also vor allem durch gezielte Arbeit an den einzelnen Bausteinen.
Auch als Plug-in bietet die Arturia-Version additive Synthese, erweitert das Konzept jedoch Software-typisch, etwa durch Oversampling-Optionen und zusätzliche Modulationsmöglichkeiten, die beim Synclavier Regen nicht vorhanden sind. Besonders hervorzuheben sind die sogenannten Timbre-Frames, mit denen sich der Zustand eines Klangs speichern und über Zeitverläufe morphen lässt. Diese Frames können auch geloopt und zum Tempo synchronisiert werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Modulation und Bewegung
Der Desktop-Synthesizer setzt auf definierte Modulationswerkzeuge. Pro Partial stehen beispielsweise eigene Hüllkurven zur Verfügung, die durch Vibrato und Tremolo als direkte LFO-Funktionen ergänzt werden. Zusätzlich sind MIDI-Quellen wie Velocity, Aftertouch oder die Steuerung über das Modwheel nutzbar.
An dieser Stelle knüpft der Arturia Synclavier V an, geht jedoch deutlich weiter. Neben internen Modulationsmöglichkeiten spielt hier die DAW-Einbindung eine große Rolle. Parameter lassen sich automatisieren, synchronisieren und in größere Arrangements integrieren. Darüber hinaus erlaubt das Plug-in Funktionen wie Chained Editing, bei denen Änderungen an einem Partial auf weitere Partials übertragen werden können. Gerade bei komplexen Sounds spart das viel Zeit.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Effekte
Die Effekte beim Synclavier Regen sind bewusst reduziert und direkter Bestandteil der Klangerzeugung. Auf der Timbre-Ebene stehen Werkzeuge wie Bit Reduction, Grunge, Alias-Filter, Chorus und Detune zur Verfügung. Ergänzt wird das Ganze durch Reverb, entweder pro Timbre oder global als Master-Effekt.
Der Arturia Synclavier V ist hingegen mit einem klassischen Plug-in-Effektblock ausgestattet, der mehrere Effekt-Slots bietet. Hier stehen unter anderem Chorus, Flanger, Phaser, Delay und Reverb zur Verfügung, die sich frei anordnen lassen. Dadurch können Sounds umfangreicher geformt und durch die optische Darstellung intuitiver angepasst werden.
Integration und Produktionsalltag
Als eigenständiges Instrument arbeitet der Synclavier Regen mit verschiedenen Betriebsmodi. Im Controller-Modus fungiert er als USB-Host für externe Controller und Zubehör. Über den DAW-Modus wird er in ein Rechnerumfeld eingebunden und kann Audio und MIDI übertragen.
Da der Arturia Synclavier V als Plug-in konzipiert ist, lässt er sich vollständig in eine DAW einbinden. Mehrere Instanzen, Automationen und Tempo-Synchronisation gehören hier zum Standard. Für zeitgemäße Produktionen ist das ein deutlicher Vorteil. Es ist keine aufwendige Instrumentenverwaltung oder zusätzliche Verkabelung nötig. Stattdessen können einfach weitere Instanzen in der DAW geladen werden.
Für wen eignet sich welche Synclavier-Variante?
Für Musiker und Sounddesigner, die bewusst mit Hardware arbeiten möchten und Freude daran haben, Klänge von Grund auf zu entwickeln, ist der Synclavier Regen sicher die richtige Wahl. Wer Klanggestaltung als eigenständigen Vorgang versteht und sich intensiv mit klanglichen Zusammenhängen beschäftigt, findet hier ein Instrument mit viel Tiefgang. Besonders in Studios, in denen Hardware eine zentrale Rolle spielt, kommen die Stärken der Desktop-Version zur Geltung.
Für Produzenten, Komponisten und Musiker, die effizient arbeiten möchten, ist der Arturia Synclavier V die logischere Wahl. Die umfangreiche Preset-Auswahl dient als Ausgangspunkt. Sounds werden schnell angepasst und direkt im Arrangement geformt. Gerade für Filmmusik, elektronische Produktionen oder moderne Pop-Arrangements ist das Plug-in deutlich alltagstauglicher.
Lohnt sich der Aufpreis für den Synclavier Regen?
Natürlich stellt sich diese Frage angesichts des deutlichen Preisunterschieds beider Varianten. Rein funktional bietet der Arturia Synclavier V einen enormen Gegenwert und deckt viele Aspekte der klassischen Synclavier-Klangwelt ab. Der Aufpreis des Synclavier Regen lässt sich nicht mit zusätzlichen Funktionen erklären, sondern mit der Art, wie man mit dem Instrument arbeitet. Wer ein eigenständiges Gerät sucht, das eine gewisse Einarbeitung erfordert und detailliertes Sounddesign entschleunigt, kann den Preis gut nachvollziehen. Für alle anderen bleibt die Software-Version von Arturia eine solide Wahl.








































So um 1990 rum war mir eines klar: die Sampler sind die Zukunft. Das war genau die Zeit, wo ein Synthesizer eine Zeit lang gespielt wurde, dann war man in müde und kaufte den nächsten. Der Sampler erlaubte es, diesen Synthesizer einfach aufzunehmen und zu spielen.
Es dauerte einige Zeit, bis mir klar wurde, dass das Blatt sich gedreht hat. Sampler nehmen eine Teilmenge des Klangs eines Synthesizer auf, das ist auf die Dauer unbefriedigend. Die Synthese dahinter ist immer eine andere, als die der aufgenommen Synthesizer, ein Polaroid der Wirklichkeit.
Das Synclavier war vor fast einem halben Jahrhundert bahnbrechend. Alles konnte ich aufnehmen und als Rohmaterial weiter verwursteln. Heute jedoch gibt es unzählige Sampler, die das genauso gut oder besser können. Das Alleinstellungsmerkmal ist verschwunden. Ich selbst wüsste keinen Grund, wieso ich ein Synclavier oder ein Derivat dessen überhaupt einsetzen sollte. Selbstverständlich gilt dieses Statement nur für mich persönlich. Aber das interessanteste an diesem Instrument dürfte die ehemalige Exklusivität sein. Daher: ganz klar Arturia vor der Hardwarekiste, wenn ich überhaupt eine einsetzen würde.
@Tai Verstehe ich nicht. Das Synclavier ist als mächtiger FM-Synthesizer eben mit dem Konzept der Partials gestartet
Wir reden von Synthese. Sampling, Re-Synthese kamen erst später hinzu.
@Stromer Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Einsätze des Instruments nicht die FM Synthese waren. Ausserdem haben wir gerade davon wirklich reichlich
@Tai Kazimoto hat es weiter unten sehr gut erklärt.
@Tai Denk ich auch.
Sampling klang in damaligen Ohren viel beeindruckender.
einmal ins Mikro aaah sagen
„aaa“ loopen
und „wie ein Klavier spielen können“
und garantiert jeder dem du das gezeigt hast ist ausgeflippt …
her damit, koste es den verkauf der Hölle 😆
@Stromer
Teil 1/2
>[…] Das Synclavier ist als mächtiger FM-Synthesizer eben mit dem Konzept der Partials gestartet […]
Hier muss ich ein wenig Klugscheißen:
Zum damaligen Zeitpunkt: ja. Den »DX-7« von Yamaha gab es ja noch nicht. Schaut man sich das »Synclavier II« genauer an (auch das »Synclavier-V«), dann bemerkt man sofort, dass es zwar FM-Synthese bietet und diese auch mit mehrere unabhängigen »Partials«, also parallel arbeitenden Einheiten (Original: 6 [glaube ich]; Synclavier-V: 12), diese aber jeweils nur aus einem »Carrier« und einem »Modulator« bestehen. Also quasie 2-Operator-FM.
Der DX-7 hat 6 Operatoren, die mit den »Algorithmen« miteinander verknüpft werden. Das gibt es beim Synclavier nicht.
Die Superpower des Synclavier liegt nun eher darin, dass man mit den 6/12 Partials die Sounds relativ hemmungslos stacken kann. Außerdem ist jeder der beiden Generatoren – Carrier und Modulator – noch mit einer additiven Synthese ausgestattet, und die kann auch noch die Phasenlage beeinflussen. Ob das Original auch »Time Frames« besitzt, kann ich nicht sagen. Beim »Synclavier-V« kann man diese ganze Synthese-Eigenschaften auch noch über die Zeit verändern. FM ist teilweise gar nicht notwendig, um drastische Klangverläufe zu realisieren.
@Flowwater „Die Superpower des Synclavier liegt nun eher darin, dass man mit den 6/12 Partials die Sounds relativ hemmungslos stacken kann.“
Die superpower kommt mit dem Pferdefuss das daran dann x Hüllkurven beteiligt sind die alle mit dem einzigen slider/data wheel Parameter für Parameter eingestellt werden wollen …
man tippt endlos in der Gegend rum …
da hab ich sofort keine Lust drauf 🤨 🙄
@plumperquatsch Absolut. Das ist alles nicht so richtig easy zu programmieren. Ehrlich gesagt ist es auch am »Synclavier-V«, mit der sogar ziemlich gut gelösten Bildschirmdarstellung, nicht wirklich einfach.
Das liegt aber an der Synthese an sich, mit der man erst einmal viel experimentieren muss. Der »DX-7« und seine diversen Spielarten, sowie nahezu alle FM-Klone – auch so etwas wie NI »FM-8« oder der »f.’em« (über Tracktion) – haben genau die selben Probleme. Und beim neuen »Leviasynth« von ASM, der ja nicht »nur« FM zwischen den einzelnen Operatoren macht, wird das sicherlich auch nicht einfacher.
Mich schreckt das nicht ab. Im Gegenteil: Mich beflügelt das. Das ist einfach mal was anderes. Gleichwohl muss ich zugeben, dass man für eine einzigen selbst geschraubten Sound im »Synclavier-V« auch schon mal einen Nachmittag verballern kann. Da muss man schon Bock drauf haben.
@Stromer
Teil 2/2
Das Synclavier ist also mit seiner FM-Klangerzeugung nicht »nur« ein FM-Synthesizer, sondern viel mehr. Tatsächlich sind die reinen (!) FM-Eigenschaften für heutige Verhältnisse doch eher bescheiden.
Erwähnenswert wäre noch, dass das Synclavier bei diesen FM-Sounds mit 8 Bit arbeitet; DX-7 erst 12 Bit in späteren Inkarnationen dann mit 16 Bit. Beim »Synclavier II« ist das in Verbindung mit den ausgefeilten DA-Wandlern wohl der Grund für den extrem mächtigen, wuchtigen und charismatischen Klang des Originals. Der »Regen« und das »Synclavier-V« dürften da doch etwas hinten an stehen.
@Tai Hier mal eine Zusammenfassung, auch wenn nicht auf Details beim Ausbau eingegangen wird.
http://www.500sound.com/uniquesync.html
Wenn wir heute im Regen oder Arturia einen Sound programmieren, dann repräsentiert das wohl die letzte Ausbaustufe vom Synclavier und mehr. Kein Vergleich mit dem ersten Synclavier, obwohl ich den Chorus auf Oszillatorebene, zusammen mit FM noch immer sehr schön finde.
Schön auch daß die ABLE-CPUs auch bei der Vernetzung von Unis und in der Raumfahrt zum Einsatz kamen.
Daß angeblich jedes Raumschiff zwischen 85 und 95 und auch Jurassic Park mit dem Synclavier vertont wurde, das wußte ich noch nicht. Die Saurier sollen Pferde, Hunde und paarende Schildkröten gewesen sein, die durch Sampling und Resynthese gejagt wurden.
Da höre ich lieber Depeche Mode. 😄
@Kazimoto mit pitchhüllkurve und 2 Oktaven tiefer klingt selbst mein fön interessant 😜
@plumperquatsch Du meinst wie aus Pferden, Vögeln und paarenden Schildkröten diese bösen Saurier in Jurassic Park geworden sind? Was heute leider nicht mehr gemacht wird, die Sampler mit DAC pro Voice auszustatten und die Tonhöhe über die DAC-Clock/Samplefrequenz zu ändern. Damit ging wohl einiges mehr, bevor ein Signal untauglich wurde. Wir sind oft sehr ignorant, wenn wir dank gestiegener Rechenleistung, diese Art der Signalverarbeitung geringschätzen. Ich habe großen Respekt vor der Ingenieursleistung bei NED damals. Alles war da „Top Notch“.
@Kazimoto Ja, als das »Synclavier« hier auf Amazona in dem zweiteiligen Bericht vorgestellt und dort wiederum die lasergetrimmten DAs pro Voice erwähnt wurden, und die wiederum noch mal mit einer separaten Lautstärke-Ansteuerung … da habe ich auch mit der Lesebrille geschlackert. Wie in dem Bericht erwähnt erklärt das wohl den sagenhaften Sound des Originals, der von keiner Emulation – auch nicht von »Regen« – reproduziert werden kann.
@Flowwater Irgendwie bezweifel ich auch, daß eine noch so gute Interpolation, die selben Ergebnisse bringt, werden doch als Nebeneffekt auch Obertöne verändert, was eine „saubere“ Interpolation so nicht macht. Der TAL-Sampler emuliert zwar DACs aber keine Pitch/Clock Tonhöhenänderung, wie bei Akai bis zum S950, Synclavier, Fairlight oder Mirage. Hat die SP1200 das auch, der neue ISLA 2400 scheinbar nicht. Es ist auch verwunderlich, daß anscheinend kein einziges Eurorack-Modul existiert, daß sowas macht. Man müsste schon Circuit Bender fragen oder sich selbst einen Sampler basteln. Oder einen der o.g. Vintage-Sampler kaufen.
@Kazimoto mit 50 khz samplerate war da einfach mehr „Luft nach unten“ um mit der Clock zu spielen … als bei AKAI oder EMU, ohne das gleich alles bröseliges lofi wurde.
das wird wohl der einzige Grund für die hohe samplerate gewesen sein. 🤔
@Kazimoto man muss sich immer vor Augen halten es gab noch keine pitchshift oder timestrech algos,
„wenn ich mit der clock/samplerate spiele kann ich über umwege pitchen“ hatte man wohl recht schnell rausgefunden. 🤔
@Kazimoto ich wollte auf Raumschiff = verfremdeter Fön raus . ;)
Ich sehe gerade, dass Arturia Synclavier V Teil der Collection 11 Pro ist. Damit hat sich das testen für mich erledigt, wusste ger nicht mehr, dass es Teil der Collection ist.
Weshalb hat Synclavier Regen einen Knob als Zubehör? Haben die diesen in der Entwicklung am Gehäuse vergessen oder ist das ein im Nachgang entstandenes „Feature“ ? Bedieneinheiten zu einem Synthesizer „einzeln“ zu verkaufen finde ich schon etwas exotisch.
@Mixit wie wenn Ferrari das Lenkrad extra verkauft 😁
man könnte ja eventuell das Auto mit einer Fernsteuerung steuern.😜
Da gebe ich Dir vollkommen Recht. Ich sehe das ähnlich.
Heutzutage werden bestimmte alte Hardware-Sampler meist nur noch aufgrund ihres Klangcharakters eingesetzt oder auch weil Hardware-Sampler ein anderes Transpose-Verhalten zeigen als Software-Sampler. Vor allem wenn man darauf angewiesen ist, nur mit einem Sample arbeiten zu müssen.
Aufgrund der damals technischen Unzulänglichkeiten – wie Abtastrate und Bitrate – wurden teilweise beim Fairlight CMI, Emulator II, Prophet 2000, Ensoniq EPS etc. recht hochwertige analoge Komponenten vor und nach den Wandlern eingesetzt, um diese zu kaschieren. Dadurch entstand ein recht markanter Klangcharakter, den heutige Softsampler nicht erreichen. Dafür können sie halt besser Natursounds abbilden, weil es da eher auf Multisamples, Skripting, Artikulation etc. ankommt. Für die Synthese aus Sampler und Synthesizer bieten heutige Softwarelösungen auch eine Menge wie z.B. VPS Avenger, NI Absynth, Serum, Kontakt, Reaktor etc.
Da das Synclavier weder den markanten Sound eines Fairlights noch eines Emus hat, stellt sich mir auch die Frage nach dem Sinn und Zweck einer dezidierten Synclavier-Hardware. Selbst den meisten anspruchsvollen Musikern wird das Arturia Plugin ausreichen.
Ich würde ja gerne mal etwas in der Art eines Prophet 2000 in aktueller Form als Hardware unter den Fingern haben und am besten so leicht zu bedienen wie ein Ensoniq EPS.
Da fällt mir allenfalls der Prophet X derzeit ein, der in diese Richtung geht.
Ich lese hier immer nur Sampler. Der Fairlight ist ein additiver FM-Synth der zwischen verschiedenen Settings/Framee „morphen“ kann, und so „quasi“ Wavetable ähnliche Resynthese machen kann. Ein echter Synthesizer. Das kann natürlich auch der Regen und hat Filter dazu, die dem Arturia fehlen. Der Regen hat 24 Modulation-Slots und ist zusätzlich multitimbral, was der Arturia nicht hat. Es kommt so rüber als ob der Arturia mehr kann, dem ist nicht so. Sampling kommt für mich eher hinten dran, als „Extra“ wenn man so will. Ok, das war damals eine große Sache, verbaut aber den Blick auf das eigentliche Synthesepotential. Man muss sich schon detaillierter damit beschäftigen. Ist auch nicht so schwierig zu verstehen. Auch das FM, das besser Ultra-Hoch-FM genannt werden müsste, weil es weiter geht als z.B. bei Yamaha, bis hin zu Noise, und Samples als FM-Quelle, welcher Synth kann das?
@Kazimoto Du meinst: Das Synclavier ist ein additiver FM-Synth…
Der Fairlight war m.E. ein Sampler bzw. eine Sampling-Workstation.
@network southwest Jup! Der Fairlight konnte übrigens auch additive Synthese. Beide wurden ja weiterentwickelt. Wie weit das Featureset beim Synclavier sich über die Jahre änderte weiß ich nicht genau. Das Arturia-Plugin und der Regen sind bestimmt sowas wie die letzte Ausbaustufe der Synthese-Engine. Frames, Sampling und Resynthese waren bestimmt nicht von Anfang an dabei. Sind Experten hier? 😄
@Kazimoto wenn man „frames“ single cycle loop nennt wirkt das nur noch halb so exotisch … 🤔😂
sampling war zu der zeit unglaublich technisch aufwendig und RAM fast unbezahlbar.
der Vollausbau mit sampling/harddisk Recording hat soviel gekostet wie ein Haus.
@plumperquatsch Die Frames haben nicht nur unterschiedliche Modulator/Carrier-Settings ermöglicht, sondern auch unterschiedliche FM, Level, Pitch und wie schnell der Übergang sein sollte. Da würde auch nichts statisch, sondern in Echtzeit berechnet. Diese Echtzeitfähigkeit der custom ABLE-CPU hat NED laut Netz auch für die Datenübertragung zwischen Unis und für die Galileo-Mission der NASA lizenziert. Der Speicher war zu der Zeit nicht das alleinige Problem, es musste überhaupt erstmal ermöglicht werden, in angemessener Geschwindigkeit ein Signal digital zu verarbeiten und weiterzuleiten. Auch die DACs waren absolute Spitzenprodukte ihrer Zeit, erst mit 50Khz, dann ab dem Synclavier II mit 100Khz, was wohl das Doppelte vom DX7 ist. Samplefrequenz und FM hängen architektonisch zusammen. Diesen Echtzeit-Prozess auf statische Single-Cycle Wellenformen zu reduzieren geht m.M.n. nicht, wenn ich das alles richtig verstanden habe.
@Kazimoto Anwesend. Kurzzusammenfassung: Der Fairlight und das Synclavier wurden beide als Synthesizer entwickelt und dann zum Sampler. Der Fairlight: Additiv+Resynthese, Synclavier: Additiv+FM+Resynthese. Beim Synclavier hat man sich lange auf die reine Synthesizer Engine konzentriert (erster serienmäßiger Digitalsynthesizer der Welt). Sampling und Resynthese kamen erst ab 1982 dazu. Der Fairlight hat von Anfang an Sampling in den Mittelpunkt gestellt, und niedrigere Klangqualität mit kleinem Speicher zu Gunsten polyphonem Sampling in Kauf genommen Die Synthese wurde dadurch tendenziell zur Nebensache.
Zum Klang des Originals: Es gibt zwei verschiedene Sampling Engines beim Synclavier.
1982: Monophones 16bit 50kHz Sampling. In Echtzeit spielbar, direkt von einer Harddisk gestreamt. Also auch sehr lange Samples.
1984: Polyphone Sample Wiedergabe, Stereo 16x12bit 100kHz, 128 Stimmen, 1GB RAM.
Beide Engines klingen unterschiedlich und haben trotz der hohen Klangqualität einen jeweils eigenen, sehr musikalischen Klangcharakter der auch heute noch begeistert.
Der Fairlight Series III ist technisch eher mit dem Synclavier Poly-Sampling vergleichbar. Beide Instrumente haben einen eigenen Sound der sich von modernen Soft- und Hardwaresamplern deutlich unterscheidet.
@ach herrjemine Danke, ich wußte nicht daß der Fairlight zuerst ein additiver Resynthese-Synth war. Lustigerweise führt das Synclavier mich gerade wieder zum Vital-VST, der Wavetable, additive Frames, FM und Samples ebenfalls kann, bzw. aus additiven Frames über „Resynthese“ ein Wavetable erstellen kann. Toll! Einer der besten Synths überhaupt, bin auf den Vital 2 echt gespannt.
„detailliertes Sounddesign entschleunigt,“ 😂
wie lange musste der Author das umformulieren? 😂
Respekt
Tacheles:
Wer lahmarschig wie Opa ca. 1985 Sounds schrauben möchte ist mit der Hardware gut bedient.
Der Tester scheint sich nicht wirklich mit dem Regen beschäftigt zu haben: Timbre Frames gibt es selbstverständlich auch im Regen. Mehrere Partials können zeitgleich editiert werden, indem man sie auf der rechten Buttonleiste auswählt. Man kann über die Modulationsseite etliche Parameter auf Midi-Controls mappen und so fernsteuern.
Regen fand ich schon immer völlig überteuert. Ja, es ist ein spezielles Teil aber 2700€ ist wirklich heftig.
Bei Arturia könnte man sich für das Geld ein Astrolab plus Synclavier kaufen und hätte noch Geld für einen Matrixbrute übrig.
Danke für den gut geschriebenen Artikel.
Features und Nutzerinterface sind kurz aber auf dem Punkt beschrieben.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass der Klangvergleich zwischen Arturia und Regen zu kurz kommt.
Ich mag das Arturia Plugin und habe es oft bei Jams eingesetzt.
Die Bedienoberfläche des Regen gefällt mir weder funktionell noch optisch.
Aber man sollte schon erwähnen, das das Regen erheblich besser klingt als das Plugin.
Solange man monophone Sounds spielt ist das nicht so auffällig aber sobald man Akkorde oder polyphone Arrangements spielt, fällt der Klang beim Synclavier V zu einem großen undifferenzierten Mischmasch zusammen und versteckt sich im Mix. Das ist beim Regen nicht der Fall. Dort bleibt der Klang weitgehend unabhängig von der Polyphonie sehr druckvoll.
Für mich das wichtigste Argument für ein Regen.
An den Klang der originalen Synclavier Hardwareschlacht kommt aber leider auch das Regen nicht ran.
@ach herrjemine Hallo und danke, dass das erwähnt wird, die Hardware setzt sich vor allem bei dichteren Arrangements deutlich besser durch. Die Bedienung ist Geschmackssache. Schneller ist man beim Plugin, dem Original entsprechend ist die Hardwarebedienung mit dem Touchstrip oder per unverschämten Aufpreis mit dem Knob. Die Bedienphilosophie hat durchaus etwas. Parameter wählen, Wert editieren. Das ist analytisch und fokussiert. Darauf muss man sich einlassen. Ich hätte mir das Bedienkonzept so auch nicht vorstellen können, weil zum Beispiel die EMU Rompler mit kleinem Display und einem Datenrad wirklich schrecklich zu bedienen waren. Das ist eingebrannt. Beim Synclavier (Regen) ist das aber anders. Ich konnte mir bevor ich auf der Superbooth die Gelegenheit hatte den Nonlinear Labs Synthesizer anzutesten, der genau diese Bedienphilosophie anbietet, nicht vorstellen, das mich das antriggert. Aber genau für eher analytische Syntheseformen wie Additiv und FM ist diese Herangehensweise sehr sinnvoll. Das verwässert das Plugin leider. Der Preisunterschied Hardware / Software ist schwierig. Der Regen hat in jedem Fall seine Berechtigung.
@toneup Du hast schon Recht, daß die Bedienung beim Regen, so eigensinnig sie scheint, gut funktioniert. Ich bin da vielleicht von der Synclavier Hardware versaut wo die Parameter noch etwas besser vor einem ausgebreitet sind. Der Vergleich mit dem Nonlinear C15 ist sehr passend. Solange nicht zu viele Parameter unter einem Knopf vergraben sind (DX7) und die Dateneingabe haptisch gut funktioniert (eher nicht DX7) ist diese Bedienphilosophie wirklich sehr schnell und macht Spass. Zumal man die Parameter irgendwann aus dem Muskelgedächtnis anwählen kann.
@ach herrjemine Also von der originalen Synclavier Hardware wäre ich auch gerne versaut ;-)) , Als ich vor dem C15 gesessen bin, hat mich das Konzept sofort abgeholt, und ich schraube sehr gerne an einem Voyager oder Andromeda. Schauen wir einmal, ob der angekündigte Synclavier ORK erscheinen wird. Das wäre dann von der Bedienung sehr nahe am Original, wegen versaut und so…
Also von der originalen Synclavier Hardware wäre ich auch gerne versaut ;-)) , Als ich vor dem C15 gesessen bin, hat mich das Konzept sofort abgeholt, und ich schraube sehr gerne an einem Voyager oder Andromeda. Schauen wir einmal, ob der angekündigte Synclavier ORK erscheinen wird. Das wäre dann von der Bedienung sehr nahe am Original, wegen versaut und so…
@toneup Der ORK II wird kommen und die Bedienung wird dann auf jeden Fall wieder mehr in Richtung Original gehen. Konnte man ja in der Ankündigung sehen.
Für die Abenteuerlustigen: Man kann man das Regen per Adapter auch an ein altes V/PK (also das grosse Synclavier Keyboard) anschliessen und so die originale Bedienoberfläche nutzen. Die Keyboards tauchen durchaus ab und zu einzeln auf dem Gebrauchtmarkt auf aber sind dann meist entweder recht hochpreisig oder müssen restauriert werden. Auf der Habenseite: Sieht sexy aus, die Bedienoberfläche fühlt sich sehr edel an und man hat gleich ein sehr gutes Masterkeyboard mit toller Holztastatur und Poly Aftertouch. Das der Rechnerturm fehlt muss man ja nicht an die grosse Glocke hängen :)