Großer Sound für kleines Geld?
Wer anfangen möchte, das Schlagzeug spielen zu lernen, landet schnell bei E-Drums. Anschließend steht man vor einer unübersichtlichen Auswahl an Kits. Zwischen Roland, Alesis, Millenium und Co. gibt es Unterschiede – nicht nur beim Klang, sondern auch in der Verarbeitung, im Spielgefühl und in der Ausstattung. In diesem Vergleichstest widmen wir uns gezielt den Einsteiger-Sets unter 800,- Euro und schauen, welches Kit für wen am besten geeignet ist.
Inhaltsverzeichnis
Das Mindest-Budget
Es mag komisch klingen, aber für das Erlernen eines Instruments braucht es ein Instrument – und kein Spielzeug. Und leider kosten Instrumente nun mal Geld.
Ein E-Drums-Set besteht aus einem Rack, Pads mit Sensoren, einem Modul und der passenden Software. Besonders das Umwandeln der physischen Eingabe in akustische Sounds ist ein komplexer Prozess. Deshalb bleiben gute E-Drum-Sets immer teurer als gleichwertige akustische Konkurrenten.
E-Drums bis 800,- Euro: Bewertungsgrundlage
Um E-Drum-Kits zu bewerten und zu vergleichen, sollte zunächst ein Grundverständnis dafür vorhanden sein, welche Parameter überhaupt wichtig sind. Ich konzentriere mich dabei auf die Verarbeitung, die Ausstattung, den Klang und die Ansprache.
Zur Ansprache gehören auch die sogenannten Zonen. Diese simulieren die unterschiedlichen Sounds, die aus einem Drumset herausgeholt werden können. Bei einem Ride-Becken sind das zum Beispiel Edge, Bow und Bell. Besitzt ein Pad eines E-Drumsets jedoch nur zwei Zonen, muss auf eine der drei Spielweisen verzichtet werden. Das lässt die Simulation weniger echt wirken und schränkt beim Üben ein.

Dieser Artikel entstand bei unserem Besuch beim Musikhaus Thomann. Dort konnte ich sämtliche E-Drum-Kits ausprobieren und direkt miteinander vergleichen.
E-Drums bis 800,- Euro: Die Kandidaten
Alesis Nitro Max
Das günstigste Kit in unserem Vergleichstest von E-Drums bietet acht Pads. Diese setzen sich wie folgt zusammen:
- 1× 6″ Kick
- 1× 10″ Snare (2-zonig)
- 3× 8″ Toms (1-zonig)
- 2× 10″ Crash-Becken (1-zonig)
- 1× 10″ Ride (2-zonig)
- 1× 10″ HiHat mit dediziertem Fuß-Controller
Somit ist man zunächst gut ausgestattet. Das Rack ist sehr leicht, aber dennoch gut verarbeitet. Es ist jedoch verhältnismäßig kompakt und stößt bei Nutzern ab einer Körpergröße von etwa 1,80 m an seine Grenzen. Die Cymbals verfügen nur über eine Zone, lassen sich aber abstoppen. Der Choke-Sensor ist allerdings nur sehr nah um die 6-Uhr-Position platziert, was die Spielmöglichkeiten etwas einschränkt.

Das Rack ist zwar ein wenig klein, dafür bietet Alesis mit der Nitro Serie gute E-Drum-Sets für den Einstieg.
Gleichzeitig bietet das Ride-Becken nur zwei Zonen für Edge und Bow. Die Bell wird erst dann getriggert, wenn die Bow-Position sehr kräftig angeschlagen wird. Zusätzlich ist sehr viel Kraft nötig, um die volle Dynamik, vor allem aus der Snare, aber auch aus den Toms herauszuholen. Dafür gefällt mir der Rebound der Mesh-Pads sehr gut, denn er ist nicht so übertrieben stark wie bei vielen Konkurrenzprodukten in der Einsteigerklasse.
Die Differenzierung der Zonen funktioniert sowohl beim Ride als auch bdei der Snare gut. Ab und zu treten Fehl-Trigger auf, die für diese Preisklasse jedoch im Rahmen liegen.
Im Vergleich ist das Kit recht laut. Besonders das HiHat-Pedal kann bei aktiver Nutzung etwas stören. Beim Spielen mit Kopfhörern ist das jedoch kein Problem.
Die Kits des Alesis Nitro Max klingen gut. Mit insgesamt 440 Drum-Sounds aus der BFD-Bibliothek ist man gut aufgestellt, sollte in Bezug auf Dynamik jedoch kein Klangwunder erwarten.
Das Alesis Nitro Max verfügt über Bluetooth, so dass sich Songs zum Üben direkt auf die angeschlossenen Kopfhörer einspielen lassen.
Millenium MPS-450
Das nächste Set aus unserem Vergleichstest „E-Drums bis 800,- Euro“ stammt von der Thomann-Hausmarke Millenium und ist nahezu identische aufgbebaut. Es setzt sich wie folgt zusammen:
- 1× 8″ Kick
- 1× 10″ Snare (2-zonig)
- 3× 8″ Toms (1-zonig)
- 2× 12″ Crash-Becken (1-zonig)
- 1× 12″ Ride (2-zonig)
- 1× 10″ HiHat mit dediziertem Fuß-Controller
Ein großer Vorteil gegenüber dem Alesis Nitro Max ist die größere Bass-Drum. Sie ermöglicht den deutlich komfortableren Anschluss eines Double-Kick-Pedals. Auch die größeren Becken bieten beim schnellen Spielen eine höhere Treffsicherheit. Das macht das Kit für Metal-Interessierte durchaus interessant.

Insgesamt sehr ähnlich zum Alesis Nitro Max bietet das Millenium MPS-450 dank seiner größeren Pads mehr Schlagfläche – allerdings mit einigen Abstrichen
Für die größeren Pads muss man allerdings Abstriche beim vier Jahre älteren Modul machen. Bluetooth sucht man hier vergeblich. Auch die Sounds und die Ansprache sind schlechter umgesetzt als beim Alesis Nitro Max. Das Kit klingt eindimensionaler und dünner. Trotz der Mesh-Pads lässt es sich in der Dynamik schlechter regulieren.
Da das primär an den Samples liegt und weniger an den Sensoren, kann das Kit trotzdem eine gute Alternative sein und eignet sich vor allem für diejenigen, die ihr zukünftiges Kit ohnehin über einen Software-Drummer betreiben wollen.
Millenium MPS-750X
Für 100,- Euro mehr bekommt man bei Millenium ein Kit, das seinem kleineren Bruder mit folgender Ausstattung deutlich überlegen ist:
- 1× 8″ Kick
- 1× 10″ Snare (2-zonig)
- 3× 8″ Toms (2-zonig)
- 2× 10″ Crash-Becken (2-zonig)
- 1× 10″ Ride (3-zonig)
- 1× 13″ HiHat mit echtem HiHat-Ständer
Hier wird es meiner Meinung nach nun interessant. Prinzipiell bietet das MPS-750X alles, was ein Anfänger braucht. Das Ride-Becken mit drei Zonen und die Crash-Becken mit zwei Zonen decken alle Spielweisen ab, die am Schlagzeug üblicherweise gebraucht werden. Auch die 13″ HiHat mit echtem HiHat-Ständer macht beim Üben einen großen Unterschied. Man gewöhnt sich sofort daran, dass sich eine HiHat normalerweise mitbewegt und nicht starr an einer Stelle bleibt.
Gleichzeitig bieten auch die Toms eine zweite Zone, die für Sonder-Sounds wie eine Clap, eine Splash oder einen Sub-Drop genutzt werden kann. Auch die Choke-Funktion ist breiter verfügbar als beim Alesis Nitro Max und reagiert meines Erachtens etwas sensibler als beim MPS-450.
Das Drum-Modul mit seinen knapp 700 Samples und 20 vorgefertigten Presets ist gut ausgestattet. Besonders überrascht haben mich die Cymbals. Selbst Cymbal-Swells lassen sich erstaunlich sauber umsetzen, ohne dass die einzelnen Anschläge zu deutlich wahrnehmbar sind.
Die Bedienung des MPS-750X macht Spaß. Die sechs Fader, mit denen man Kick, Snare, Toms, Crash, Ride und HiHat direkt in der Lautstärke anpassen kann, sind sehr praktisch. Sie sollten jedoch mit Bedacht genutzt werden, denn nicht alles lässt sich einfach über die Lautstärke regeln. Vieles hängt auch vom spielerischen Können ab. Wenn eine HiHat im Mix zu laut erscheint, stellt sich die Frage: Spiele ich sie leiser oder greife ich zum Fader?
Yamaha DTX432K
Das Yamaha DTX432K siedelt sich mit 549,- Euro preislich über dem Millenium MPS-750X an.
Bei diesem E-Drumset gibt es ausschließlich Mono-Pads. Snare- und Tom-Pads bestehen hier nicht aus Mesh, sondern aus Gummi und diese Gummi-Pads haben sich im Laufe der Zeit als einer weniger gut geeignete Oberfläche für Drumpads erwiesen. Hinzu kommt eine sehr kleine Auswahl an Kits.
Außerdem besitzt das Modul kein Display. Die Bedienung beschränkt sich dadurch auf das Nötigste. Auf den ersten Blick sichtbar ist vor allem die Auswahl der Kits, nicht jedoch deren Bearbeitungsmöglichkeiten.
Die Samples klingen zwar dynamisch, stechen jedoch in ihrer Preisklasse nicht besonders hervor. Damit ist das DTX432K im Vergleich zu den anderen Kits im Test nicht konkurrenzfähig.
Roland TD-07
Das teuerste Kit aus unserem Vergleichstest „E-Drums bis 800,- Euro“ ist das Roland TD-07 Kit. Es bietet:
- 1× 8″ Kick
- 1× 8″ Snare (2-zonig)
- 3× 6″ Toms (1-zonig)
- 1× 10″ Crash-Becken (2-zonig)
- 1× 10″ Ride (2-zonig)
- 1× 10″ HiHat mit dediziertem Fuß-Controller
Für einen Preis von 700,- Euro bietet das TD-07 als Einsteiger-Kit der V-Drum-Reihe einen entscheidenden Vorteil: Die Dynamikansprache. Rolls, Ghostnotes und Swells werden von diesem Kit ein klein wenig besser dargestellt als bei seinen Konkurrenten.
Ob es einem den merklichen Aufpreis für ein Drum-Kit wert ist, das schlechter ausgestattet ist, als das günstigste Kit in unserem Testbericht, sollte man sich genau überlegen. Denn auch das Alesis-Kit sowie die Millenium-Modelle verfügen über MIDI-Anschlüsse und können somit mit entsprechender Software klanglich deutlich aufgewertet werden.
Gleichzeitig bewegt es sich im selben Preissegment wie das Alesis Nitro Pro. Dieses bietet – bei nur geringfügig unterlegenem Dynamikumfang – größere und optisch ansprechendere Pads, deren Snare und Toms zudem über zwei Zonen verfügen. Eine Lizenz für den Software-Drummer BFD 3.5 ist ebenfalls enthalten.

































Hier wird sich ja sonst gerne über den Gebrauch von KI für die Titelbilder beschwert.
Dieses hier finde ich sensationell 🤘
War in den 90ern großer Transformers Fan.
Ich habe mich von Anfang an an Roland gehalten. Dachte, ich fange mit was amtlichen an, dafür mit weniger Umfang. Und dann rüste ich Stück für Stück auf.
Hab nicht bedacht, dass die Setpreise bei Roland deutlich unter den Stückpreisen liegen. Und auch gebraucht findet man seltener Eizelteile.
Wäre also deutlich teurer gekommen mich einzeln hoch zu kaufen.
Als dann mal gebraucht ein gutes Angebot für ein TD-27KV da war, hab ich zugeschlagen. Bin noch immer glücklich damit.
@zwiefelpunc Ich bin immer bei DDrum geblieben…Modul mit MIDI-out zum Rechner mit BFD drauf plus Gußeisen-Kessel, dazu Yamaha-Beckenpads…preiswert, priceless.
@zwiefelpunc Ich gebe dein Lob an den Grafiker weiter. Er hat lange gewerkelt, damit das so aussieht.