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Vergleichstest: FM-Synthesizer Plug-ins wie Dexed, Bazille, Arturia DX V

Welches ist das beste FM-Synth Plug-in?

19. Januar 2022

Wer FM sagt, hat häufig die legendären Yamaha-Synthesizer der DX7-Serie im Hinterkopf, die 1983 ihren Siegeszug antrat. In der Tat war es der Yamaha DX7, der 1980er Jahre, der die Musik von mehr als einem Jahrzehnt maßgeblich geprägt hat und auch heute noch dem einen oder anderen Hit seinen Stempel aufdrückt. Doch vielen ist nicht bewusst, dass die Frequenzmodulation als Syntheseform schon älter ist als der DX7 und es längst nicht nur den Yamaha Synth und seine diversen Abkömmlinge gibt. Gerade im Bereich der Software-Plug-ins tummeln sich einige interessante FM Synths, die weit mehr können als Glöckchen Sounds, FM-E-Piano und Lately Bass. Wir haben uns die interessantesten Vertreter genauer angeschaut und uns auf die Suche nach einem inspirierenden FM-Synth gemacht.

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Synthese: Frequenzmodulation

Bevor wir uns die einzelnen Synthesizer genauer anschauen, sollten wir kurz über die FM Synthese sprechen. Was ist das überhaupt?

Bei der Frequenzmodulation wird die Frequenz eines Trägers (Carrier) durch ein weiteres Signal (Modulator) moduliert.

Einen detaillierten Workshop zum Thema FM-Synthese findet Ihr HIER

Dieses Prinzip ist schon recht alt und wurde in den 1920er Jahren mathematisch beschrieben. Wir kennen es auch vom Funk, zum Beispiel dem FM-Radiofunk. Für Musik nutzbar gemacht wurde es bei den ersten Analogsynthesizern. So richtig Fahrt auf nahm FM als Klangerzeugung aber erst durch ein Patent von John Chowning aus dem Jahr 1973, der an der Standford Universität an der Modulation zweier Sinusschwingungen gearbeitet hat und feststellte, dass sich durch Frequenzmodulation daraus obertonreiche Spektren erzeugen ließen. Genau genommen handelte es sich dabei um eine Phasenmodulation (PM), Yamaha haben sich allerdings aus Marketinggründen dazu entschlossen, es bei der Bezeichnung FM zu belassen. Dieses Patent sicherten sich Yamaha nur ein Jahr später (1974), um die Ergebnisse von Chownings Forschung als Klangerzeugung nutzbar zu machen, und zwar für einen neuartigen digitalen Synthesizer. Die bis heute legendären Synthesizer GS1 und GS2 erschienen zu Beginn der 1980er Jahre und waren nicht die ersten FM Synths. Kenner denken sofort an das Synclavier I, welches ebenfalls Frequenzmodulation als Klangerzeugung nutzte und bereits 1978 erschienen ist. Die drei Instrumente hatten allerdings neben für Musiker unerschwinglichen Preisen eine weitere Gemeinsamkeit: Es wurden nur wenige Exemplare gebaut.

Der Original Yamaha DX7 von 1983 (Photo by RLmusic)

Massentauglich wurde die FM-Synthese mit dem Erscheinen des Yamaha DX7. Dieser Synthesizer arbeitete erstmals komplett digital und stellte sechs Operatoren zur Verfügung. Die Anordnung der Operatoren als Carrier und Modulator wurde durch 32 Algorithmen bestimmt. Auch Feedback-Schleifen wurden implementiert. Revolutionär war die Polyphonie von 16 Stimmen, die Speichermöglichkeiten, MIDI und vor allem der Klang. Dass Yamaha das alles für einen Verkaufspreis von rund 4000 DM ($1995) anbieten konnte, versetzte die Branche regelrecht in Angst und Schrecken und läutete zugleich den Niedergang der damals noch sehr angesagten Analogsynthesizer ein. Zur Erinnerung: Roland hatten 1981 den Jupiter-8 vorgestellt, der achtstimmig polyphon war und für den man knapp 10.000 Euro auf die Ladentheke (damals noch nicht virtuell) legen durfte. Zwar sorgt dieses Soundmonster bis heute für feuchte Augen und schweißnasse Hände, doch zum damaligen Zeitpunkt waren die sehr dynamischen und drahtigen FM-Sounds noch unerhört und unerforscht. Kein Wunder also, dass Yamaha und unzählige Musiker mit dem DX7 einen Megahit landeten.

Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. FM kam mit einem Knall und wurde nach einigen Reinkarnationen wieder eingepackt, nachdem Roland mit dem D50 und ROM-Samples zurückschlugen, Korg mit der M1 die Workstation etablierte und Sampler von Akai und Co. zum neuen letzten Schrei mutierten. Doch bis heute kommt keine Workstation ohne FM-Samples aus und immer wieder hört man auch in aktuellen Hits Sounds, die per Frequenzmodulation erzeugt wurden.

Vorteile der FM-Synthese

Ein wesentlicher Vorteil der FM-Synthese ist, dass sie sich relativ einfach digital implementieren lässt und sich schon mit wenig Aufwand komplexere Sounds erzeugen lassen als mit subtraktiver Synthese. Während bei der subtraktiven Synthese eine Schwingungsform mit möglichst obertonreichem Spektrum gefiltert wird, um die endgültige Schwingungsform zu erhalten, ist es bei der FM-Synthese genau anders herum. Durch die Frequenzmodulation wird die daraus resultierende Schwingungsform komplexer. So reichten dem Yamaha DX7 Operatoren mit Sinusschwingungen aus (zur Erinnerung: Sinusschwingungen besitzen keine Obertöne), um daraus komplexe und sehr obertonreiche chwingungsformen zu gestalten. Da das ganze in Echtzeit geschieht und sich der Vorgang durch weitere Modulation beeinflussen lässt, sind die resultierenden Klänge sehr lebendig und können sich kontinuierlich verändern. Aus diesem Grund benötigte der Yamaha DX7 keine Filter.

Ein Beispiel

Ein Sinuston (Carrier) soll durch einen zweiten Sinuston (Modulator) frequenzmoduliert werden. Beide besitzen die gleiche Frequenz. Erhöht man die Amplitude des Modulators, wird der Klang zunehmend reicher an Obertönen. Betrachtet man die Schwingungsform mit einem Oszilloskop, so ähnelt diese mit zunehmender Amplitude des Modulators mehr und mehr einem Sägezahn. Je weiter man die Amplitude erhöht, desto wilder wird es. Es bildet sich ein Gemisch aus Sägezahn und Rechteck heraus und schließlich ein stark metallisches klingendes Gebilde, das eher einer zerklüfteten Bergkette ähnelt. Verdoppelt man hingegen die Frequenz des Modulators, geht das Ergebnis zunächst in Richtung Rechteck, bevor es sich dann mit zunehmender Amplitude in ein Wechselspiel aus Dreieck und Rechteck verwandelt. All das mit einem einzelnen Carrier und einem Modulator. Man stelle sich das nun mit mehreren Carriern und Modulatoren vor oder gar mit Feedback, bei dem der Carrier mit sich selbst moduliert wird. Noch komplexer wird es, wenn nun die Amplitude des Modulators nicht statisch ist, sondern ihrerseits zum Beispiel durch eine Hüllkurve moduliert wird. Oder wie wäre es mit einer Modulation der Frequenz des Modulators mit einem LFO? Und was wäre, wenn nun nicht ein Sinus für den Carrier und den Modulator genutzt wird, sondern eine andere Schwingungsform?

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Schon an diesem Beispiel lässt sich erahnen, wie vielfältig FM-Synthese sein kann. Und hier setzen die meisten der folgenden Plug-ins an. Zugleich füllen manche Plug-ins eine große Lücke der FM-Synthese des DX7, nämlich die fehlenden Filter. Was man dort nur per FM nachbilden konnte, gehört bei den meisten der heutigen FM-Plug-ins mit zum guten Ton. Außerdem wird der Klang durch eine Fülle von Effekten veredelt, sei es nun ein Hall, ein Delay, Chorus, Flanger, Phaser oder Distortion-Effekte. Der größte Unterschied ist jedoch die Programmierung: Intuitiv zu bedienende GUIs gehören heutzutage zum guten Ton dazu und so manches Plug-in zeigt sich diesbezüglich sehr erfinderisch.

Welches ist das beste FM-Plug-in? Eine schwere Entscheidung, sind die Kandidaten doch teils sehr verschieden:

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Die vielfältigen Teilnehmer unserer Challenge

FM-Synthesizer-Plug-ins

Die Auswahl der für diesen Beitrag genutzten FM-Synth-Plug-ins fiel nicht gerade leicht. Natürlich kommen sofort die weit verbreiteten Instrumente Arturia DX7 V und Dexed in den Sinn. Doch hier handelt es sich eher um recht klassische Interpretationen der FM Synthese im Stile eines Yamaha DX7. Gleiches gilt für den Plogue Chipsynth OPS7, der ähnlich wie Dexed sehr nah am Original operiert und dabei nicht nur die FM-Synthese an sich, sondern auch die weiteren Bauteile des Yamaha DX7 emuliert. All diesen Plug-ins ist zudem gemein, dass sie SysEx-Daten der Hardware laden und die Original-Patches wiedergeben können.

Interessanter wird es, wenn man sich von einer Kompatibilität zum Yamaha DX7 abwendet. Hier wäre der Tracktion F.’em zu nennen, mit dem sich zwar prinzipiell sogar DX7 Sound nachbilden lassen, der jedoch keinen Anspruch auf Kompatibilität erhebt und das wohl komplexeste Instrument im Testfeld ist. Sehr eigenständig sind Tone2 Nemesis und u-he Bazille. Letzterer ist sehr interessant, weil er im Stil eines analogen Modularsynths aufgemacht ist. Richtig eigenständig aufgrund seines interessanten GUI ist schließlich Sugar Bytes Aparillo.

So unterschiedlich die Ansätze der einzelnen Plug-ins sind, so ist ihr Sound dennoch immer erkennbar FM Sound. Dennoch lässt sich nicht jeder Sound mit jedem FM-Synth erzeugen. Möchte man die gut spielbaren Sounds eines DX7 abrufen, kommt man mit dem Tone2 Nemesis, dem u-he Bazille oder Sugar Bytes Aparillo nicht weit, da das Konzept zu weit weg ist und ein Import somit unmöglich. Mit dem Tracktion F.’em lassen sich derartige Sounds gut erstellen, nur ein Import von SysEx ist ebenfalls nicht vorgesehen. Hier greift man also besser zu den Plug-ins, die sich direkt am Yamaha DX7 orientieren oder zumindest daran stark angelehnt sind.

Möchte man im Handumdrehen spannende und sich ständig verändernde Sounds generieren, ohne sich lange in Parameterwüsten zu verirren, greift man zum Tone2 Nemesis, dem u-he Bazille oder dem Sugar Bytes Aparillo Plug-in.

Hier noch einmal alle ausgewählten Plug-ins im Überblick:

Klassische FM-Synthesizer Plug-ins

Moderne Interpretation von FM

Klassische FM Synths nach Vorbild des DX7


Dexed – Synthesizer Plug-in

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Kostenlos und gutklingend: Dexed. Dexed kann auch als Editor für einen Hardware DX7 verwendet werden.

Dexed gehört auf jeden Rechner. Warum? Der Synth ist kostenlos und steht für Windows, Mac und Linux als VST, AU und LV2 Plug-in zur Verfügung. Dexed ist dabei nicht nur der Versuch, einen DX7 als Plug-in wieder zu beleben, sondern dient gleichzeitig auch als Editor und Library-Software für die Originalhardware. Wer einen DX7 kennt und diesen schon einmal programmiert hat, wird das zu schätzen wissen. Die Software stellt auf einer Seite dar, was auf dem DX7 mit seinem kleinen Display unzählige Parameterseiten verlangt.

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SysEx Files vom DX7 werden anstandslos gelesen und interpretiert.

Wie das Original verfügt Dexed über eine 16-stimmige Polyphonie, sechs Operatoren und die originalen FM-Algorithmen. SysEx Patches lädt Dexed anstandslos und gibt sie nahe am Original wieder. Zusätzlich gibt es ein Masterfilter mit Resonanz. Effekte hat man dem Plug-in ähnlich wie der Hardware nicht gegönnt. Dexed eignet sich hervorragend als Schulungs-Synth für die FM Synthese. Diese lässt sich damit gut erlernen und für Besitzer der Hardware (DX7/TX7) ist Dexed sowieso Pflicht.

Vorteile

  • klassischer FM-Synth
  • gut geeignet zum Erlernen der FM-Synthese
  • kompatibel zu DX7/TX7 und Varianten
  • kann als Editor und Library-Software für die Hardware verwendet werden
  • kostenlos

Nachteile

  • keine Effekte
  • nur klassische FM-Sounds wie an der Hardware möglich
  • Programmieraufwand hoch
  • unübersichtliches GUI

Plogue Chipsynth OPS7

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Dichter dran geht es kaum: Der Chipsynth OPS7 ist eine bitakkurate Umsetzung des Yamaha DX7 und fügt diesem einige zusätzliche Features hinzu.

Der Plogue Chipsynth OPS7 erhebt ebenfalls den Anspruch, den DX7 originalgetreu zu emulieren. Anders als bei Dexed hat man aber versucht, die Hardware in allen Belangen zu emulieren, also auch die DACs möglichst originalgetreu nachzubilden. Eingehende MIDI-Noten werden übersetzt, um das Verhalten der Originaltastatur nachzuempfinden. Gerade bei den sehr dynamisch spielbaren FM Sounds spielt das eine große Rolle, wenn man diese mit einer beliebigen MIDI-Tastatur originalgetreu wiedergeben möchte.

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Der OPS7 kann ebenfalls SysEx-Daten des DX7 lesen und auch schreiben.

Die Emulation des Yamaha DX7 Voice Boards ist bitakkurat und SysEx-Daten lassen sich lesen und wiedergeben. Erstellt man im Classic Mode mit dem OPS7 ein Patch, ist dieses auch zur Hardware kompatibel und kann umgekehrt auch mit der Hardware wiedergegeben werden. Im Extended Mode verfügt OPS7 über alternative Schwingungsformen, ein schaltbares Vibrato, Panorama für Carrier und individuelles Feedback für die Oszillatoren. Die Oszillator-Tonhöhe lässt sich mit 1-Bit Random Noise modulieren und es gibt schaltbare Pitch Envelopes für die Oszillatoren.die-besten-fm-plugins-Chipsynth OPS7__03

OPS7 verwendet die 32 Originalalgorithmen der DX7 Hardware. Hinzu kommen ein Arpeggiator, ein Step Sequencer sowie eine Modulationsmatrix. Der Plogue Chipsynth OPS7 besitzt außerdem eine Dual Layer Engine wie das FM Monster Yamaha DX1 und der DX5. Es können wie bei den Vorbildern also zwei FM Sounds geladen und gelayert oder im Split-Modus gespielt werden. Zum Aufwerten der Sounds gibt es Chorus, Hall und ein Stereo Delay.

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Effekte dürfen anders als beim Ur-DX7 nicht fehlen.

Vorteile:

  • Erstklassige DX7/TX7 Emulation
  • Kompatibel zum DX7
  • Erstellte Patches können in die Hardware geladen werden
  • Emuliert nicht nur die Synthese, sondern auch die sonstige Hardware, wie zum Beispiel die DACs
  • Mit dem Arpeggiator, dem Step Sequencer und der Modulationsmatrix sind auch modernere Sounds möglich
  • Effekte wie Chorus, Hall und Stereo Delay
  • Dual FM Engine wie beim DX1 und DX5
  • sehr gut durchdachtes und übersichtliches GUI

Nachteile

  • Gezielte Programmierung nur mit guten Kenntnissen der FM Synthese im Stil eines DX7 möglich

Arturia DX7 V FM-Plug-in

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Schon fast ein Urgestein der FM-Synths: Arturia DX7V.

Der Arturia DX7 V ist, wie der Name schon sagt, ebenfalls am Yamaha DX7 angelehnt, geht aber auch wie der OPS7 über dessen Funktionsumfang hinaus. Wir haben es deshalb mit einer eher klassischen FM-Synthese zu tun, die aber von Arturia einen modernen Anstrich erhalten hat. Dadurch sind auch modernere Sounds möglich, die ein DX7 nicht zu bieten hat.

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Nicht nur optisch erinnert alles an den legendären Yamaha DX7.

Zu den Features gehören eine 32-stimmige Polyphonie, sechs Operatoren mit 25 Schwingungsformen pro Operator, Multimode-Filter und Feedback. 32 DX7 Algorithmen garantieren Kompatibilität zum Yamaha Synth. Bei den Envelopes wählen wir zwischen der klassischen DX7-Hüllkurve, DADSR und Multisegment-Hüllkurven (mit Sync und Loop) pro Operator. Zwei weitere Hüllkurven stehen für Modulatoren zur Verfügung. Für die zwei LFOs gibt es je sechs Schwingungsformen zur Auswahl, außerdem eine Modulationsmatrix.

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Auch klanglich weiß Arturias Umsetzung des FM-Klassikers zu gefallen.

Ein Step Sequencer, Arpeggiator, vier frei zuweisbare Makros sowie vier FX-Slots mit seriellem und parallelem Signalfluss ermöglichen auch abgefahrene Sounds. Richtig fett wird es im vierstimmigen Unisono-Modus – hier sind tolle Lead Sounds möglich.

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Die Möglichkeiten des Originals wurden jedoch deutlich erweitert.

Auch Arturia emuliert den DAC und stellt die Varianten Vintage und Modern zur Auswahl. Damit Einsteiger schnell Änderungen an Presets vornehmen können, gibt es, wie bei Arturia üblich, ein Simple und ein Advanced Interface. Erst im Advanced-Modus erschließt sich die gesamte Vielfalt von Arturias modernem DX7.

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Zum Beispiel hübschen Effekte die FM-Sounds auf. Auch Arturias DX7V ist Patch-kompatibel zum DX7 und importiert dessen SysEx Files.

Vorteile:

  • Klassische DX7 Sounds wie auch moderne Sounds möglich
  • SysEx kompatibel zum DX7
  • Filter pro Oszillator
  • Moderne GUI mit Retro-Anleihen
  • Gut klingende Effekte
  • Vielfältige Modulationsmöglichkeiten
  • Schnelle Anpassung von FM-Sounds im Simple Interface
  • gut durchdachtes User Interface

Nachteile:

  • Programmieren im Advanced-Modus erfordert Kenntnisse der FM Synthese im Stil eines Yamaha DX7

Zwischenfazit

Bereits unzählige Stunden Spielzeit liegen hinter mir und es wird Zeit für ein Zwischenfazit. Schon jetzt fällt es nicht leicht, einen Favoriten zu küren. Dexed hätte mich vermutlich begeistert, wäre mein damals lange Zeit genutzter DX7 noch existent. Durch die einfache Möglichkeit, Sounds zu editieren und direkt mit der Hardware zu spielen, ist Dexed eine prima Lösung für all diejenigen, die nach wie vor einen DX7 in ihrem Besitz haben. Möchte man einen möglichst authentisch emulierten DX7 spielen, ist der OPS7 die richtige Wahl. Bleibt man im Classic-Modus, lassen sich auch hier Sounds wieder zurück auf die Hardware spielen. Beide Plug-ins eignen sich darüber hinaus sehr gut, um FM Synthese von Grund auf zu erlernen. Der OPS7 ist dabei allerdings übersichtlicher gehalten als Dexed und wirkt auf mich insgesamt ansprechender.

Für den Produktionsalltag gefällt mir der Arturia DX7 V  Synthesizer sehr gut. Der Synth ist ebenfalls kompatibel zum klassischen DX7, bietet darüber hinaus aber eine Fülle an Features, die FM Synthese auf ein modernes Niveau heben und einfacher zu handhaben machen, wenn es um kleinere Anpassungen geht. Klanglich ist er über jeden Zweifel erhaben und in dichten Produktionen hört niemand die feinen Unterschiede zum Chipsynth OPS7, der etwas authentischer den DX7 emuliert. Das Arturia-GUI wirkt modern und hat doch den gewissen Retro-Charme. Die endgültige Entscheidung wird vertagt und ich schaue mir erst die übrigen Synths an.

Moderne FM-Synthesizer-Plug-ins


Tracktion F.’em Synthesizer-Plug-in

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Tracktion bietet von allen Kandidaten die wohl umfangreichste Ausstattung. Die Operatoren lassen sich frei miteinander verknüpfen und auch Samples und Filter einbinden.

Tracktion F.’em darf als wohl der ultimative FM Synth bezeichnet werden, geht es um die Fülle der Features. F.’em besitzt nämlich vier Sound Layer mit jeweils acht Operatoren. Pro Operator gilt es, 11 Schwingungsformen zur Auswahl, darunter typische analoge Schwingungsformen wie Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck. Doch damit nicht genug: Gleich zwei zusätzliche Sample-Oszillatoren und ein Noise-Generator mit White Noise und Pink Noise heben das FM-Konzept auf eine neue Stufe: Diese lassen sich in der FM Matrix nämlich genauso in einen Algorithmus einbinden wie die Operatoren auch. So kann zum Beispiel ein Sample einen Operator modulieren oder der Noise Generator ein Sample.

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Layering Extreme: Tracktion f.’em

Jeder Operator besitzt eigene Pitch und Level LFOs sowie Pitch und Level Hüllkurven. Zwei serielle Multimode Filter mit eigener Drive Stufe und vielen weiteren Features (Cutoff LFO, Level LFO, Cutoff Envelope, Level Envelope) lassen sich innerhalb der Matrix von jedem Oszillator und Operator getrennt ansprechen. Der Klang wird durch vier Effektbusse mit je einem Overdrive, Kompressor, Modulationseffekt, Delay, Clocked Delay, Plate und Non-linear Reverb veredelt. Der weiteren Klangbearbeitung dient ein Vierband-EQ. Nicht zu vergessen sind  der Arpeggiator sowie frei zuweisbare Modulatoren. Doch das Beste ist: Durch die vier Sound Layer stehen diese Möglichkeiten gleich vier Mal zur Verfügung. Auch Split-Sounds sind dadurch möglich. Tracktion F.’em besitzt bis zu 256 Stimmen (in Abhängigkeit der Leistungsfähigkeit des Computers).

Obwohl sich mit Tracktion F.’em jeder bekannte FM Sound nachbauen lässt, gibt es leider keine Import-Funktion für SysEx-Daten der Yamaha Synths. Vielleicht liefert Tracktion diese Option mit einem Update später noch nach. Tracktion F.’em kann sehr viel, kommt aber mit einer sehr steilen Lernkurve. Außerdem schluckt das Plug-in reichlich Prozessorleistung. Das Plug-in ist deshalb eher ein Fall für professionelle Sound-Schrauber, die sich von der Komplexität nicht abschrecken lassen. Die meisten mitgelieferten Patches präsentieren Tracktion F.’em eher als Alltagssynth. Meiner Meinung nach wird ihm das aber nicht gerecht, denn wenn man will, kann man sehr komplexe atmosphärische Klänge damit zaubern. Unter den Presets finden sich einige Perlen, die das sehr gut demonstrieren, zum Beispiel der Sound „Beyond of Life“:

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Nur nicht den Überblick verlieren: Eine von unzähligen Parameterseiten von Tracktion f.’em

Vorteile:

  • Sehr umfangreiche FM Implementation
  • FM-Matrix
  • Durch Sample und Noise Oszillator erweitertes Sound-Spektrum
  • Vier Layer mit komplett eigenem Parametersatz
  • Viele Effekte
  • Gute Filter

Nachteile:

  • Komplexität
  • Ressourcenhungrig

Tone2 Nemesis 2

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Klanglich einer der interessantesten Vertreter der FM-Spezies ist Nemesis: Simple Oberfläche und doch komplexe Möglichkeiten.

Den Tone2 Nemesis 2 Synthesizer könnte man auch als „Sounddesigners dream“ bezeichnen. Durch eine Kombination aus 22 verschiedenen Syntheseformen lässt sich jeder nur erdenkliche Sound erzeugen. Zu den Syntheseformen zählen NeoFM, Vintage FM, Phase Distortion, Wavetable, Waveshaping, Ringmod, Formant Synthese und vieles mehr. Zwei Oszillatoren mit je einem Carrier und einem Modulator und eigenen Filtern, Feedback, zwei Envelopes, Phase sowie Drift/Detune stehen zur Verfügung. Für jeden Carrier und Modulator ist eine eigene Schwingungsform wählbar. Es stehen viele verschiedene Schwingungsform-Presets zur Auswahl, eigene Schwingungsformen können per Resynthese aus einer WAV-Datei gewonnen oder per Additive Spectral Editor erzeugt werden. Zwei LFOs (je mit Sine, Triangle, Square, Saw, Sample & Hold, Ramped Noise) mit BPM Synchronisation und Phasenregler lassen sich auf zahlreiche Modulationsziele routen. Die speziellen 0phase-Filter für Träger und Modulator filtern mit einer extrem hohen Flankensteilheit von 90 Dezibel pro Oktave. Steht das Filter auf 0, hört man eine reine Sinus-Schwingungsform. Je weiter man es aufdreht, desto mehr Teiltöne werden hörbar bis hin zur ausgewählten Schwingungsform. Weitere Features sind das Trancegate, der Arpeggiator mit Pattern Sequencer (16 Schritte) sowie die Modulationsmatrix. Eine Unisono-Funktion (2x/4x) mit Spread-Regler sorgt für druckvolle Lead-Sounds und Bässe.

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Tone2 Nemesis 2

Der Synth ist einfach zu bedienen und klanglich sehr flexibel. Schon das Durchhören der Presets zeigt die Klanggewalt, die sich dem Tone2 Nemesis 2 entlocken lässt. Hilfreich sind die kleinen Diagramme von Schwingungsform und Klangsynthese. Der Synth ist intuitiv zu bedienen und man wird nicht mit Parametern erschlagen. Dennoch lohnt es sich, tiefer in die einzelnen Möglichkeiten der Klangsynthese einzusteigen. Belohnt wird man am Ende mit mächtigen Sounds, die man in dieser Form nicht mit jedem beliebigen Synth hinbekommt.

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Eine Vielzahl von Presets verschaffen einen Überblick über die Leistungsfähigkeit des Neo FM-Synths

Vorteile

  • viele verschiedene Syntheseformen unter einem Dach
  • einfach zu bedienende und zu durchblickende FM Synthese
  • Import eigener Schwingungsformen
  • Additive Spectral Editor
  • Transgate
  • gute Effekte

Nachteile

  • keine

U-he Bazille Synthesizer Plug-in

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Ein wahres Soundmonster und modular dazu: u-he Bazille

Ein echtes Soundmonster ist U-he Bazille. Wir haben es hier mit einem modularen PD & FM-Synthesizer mit bis zu 16-stimmiger Polyphonie zu tun. U-he Bazille kann sowohl klassische wie moderne FM-Sounds erzeugen und wird dabei ähnlich wie ein modularer Analogsynthesizer bedient. U-he Bazille verfügt über vier PD/FM Oszillatoren mit zusätzlicher Fractal Resonance Synthese. einen ausführlichen Test von meinem Kollegen Martin Andersson findet Ihr übrigens HIER.

Phase Distortion dürfte den meisten Lesern von den Casio Synthesizern der CZ-Serie bekannt sein und war Casios Antwort auf die FM-Synthesizer von Yamaha, die ja in Wirklichkeit mit Phase Modulation gearbeitet haben. Auch bei der Phase Distortion arbeitet man mit einem Carrier und einem Modulator, deren Zyklen allerdings zueinander synchronisiert sind. Die CZ-Synthesizer besaßen keine Filter. Allerdings wurde das Verhalten eines Filters mit der Phase Distortion simuliert: Stichwort Digital Controlled Wave (DCW). Per DCW wurde der Gehalt an Obertönen bestimmt, sodass bei einem geringen Wert eine Sinuskurve erklingt, während bei höheren Werten sich die Schwingungsform immer mehr der ausgewählten Oszillatorschwingung annähert. Exakt so arbeitet auch der Phase Distortion-Regler in U-he Bazille.

Die Fractal Resonance Synthese presst mehrere Zyklen einer Schwingungsform in eine andere Schwingungsform, die wie eine Art Fenster agiert. Die daraus resultierende Schwingungsform erscheint in ihrer äußeren Form wie die als Fenster gewählte Schwingungsform, die allerdings mit der Ursprungsschwingungsform ausgefüllt ist.

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Trotz vieler Parameter und Möglichkeiten kommen Bazille mit nur wenigen Seiten aus.

Schon mit einem einzigen Oszillator lassen sich sehr druckvolle Sounds erzeugen, die oft geradezu analog klingen. Moduliert man dann durch das Ziehen von virtuellen Kabeln einen Oszillator durch einen anderen Oszillator, geht es sofort brachial in Richtung FM. Spielt man nun etwas mit den Reglern für Phase Distortion und Fractal Resonance, klingt das nicht nach nur zwei Oszillatoren, sondern richtig fett. Bereits innerhalb eines Oszillators lassen sich filterähnliche Effekte erzeugen, so wie es damals mit den CZ-Synthesizern möglich war. Richtig interessant wird es aber, wenn man die vier selbstoszillierenden Filter, die bis zu sechs parallel nutzbare Ausgänge bereitstellen, in den Signalweg schaltet. Mit diesen lässt sich jeder noch so brachiale digitale Sound in eine analoge Richtung verbiegen. Über vier Multiplexer werden nicht nur Signale gemischt, sondern sie ermöglichen auch Ringmodulation, Amplitudenmodulation und Crossfading. Die vier ADSSR Envelopes verfügen über einen Fall/Rise-Regler für die Sustain-Phase.

Zwei LFOs mit verschiedenen Shapes und drei parallelen Ausgängen sorgen für Bewegung. Noch mehr modulieren lässt sich mit zwei Mapping-Generatoren mit bis zu 128 Schritten, mit denen man Modulationsquellen ein neues Shaping verpassen oder je nach eingehender MIDI-Note unterschiedliche Offsets erzeugen kann. Der Modulation Sequencer mit Morphing-Funktion (Überblenden zwischen acht Sequenzen) setzt dann noch einen oben drauf.

Auf der Effektseite bietet der U-he Bazille vier Effekte mit Hallspirale, Stereo-Delay, Distortion mit sechs verschiedenen Typen und einen Phaser mit zwei Typen.

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Der Patch Browser von Bazille

Vorteile:

  • Viele Sound-Möglichkeiten von klassisch FM über analog klingend bis experimentell
  • Gezieltes Erstellen von Sounds ebenso möglich wie Zufallsprodukte
  • Modularer Aufbau
  • Über die Mapping-Generatoren und den Modulation Sequencer lassen sich abgedrehte Sounds erzeugen
  • Toll gestaltete und übersichtliche Benutzeroberfläche
  • Extrem kraftvoller und druckvoller Sound

Nachteile:

  • keine

Sugar Bytes Aparillo

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Aparillo versteht sich als Textural Synthesizer und macht in diesem Bereich seinem Namen alle Ehre.

Der Sugar Bytes Aparillo wird als Textural Synthesizer und Cinematic Machine vermarktet. Ich darf es vorwegnehmen: Es wird nicht zu viel versprochen. Sugar Bytes Aparillo arbeitet mit einer Oszillatorsektion mit zwei „Operatoren“ mit je einem Träger und einem Modulator. Per Ratio wird die Tonhöhe des Carriers eingestellt, während mit dem FM-Regler die Stärke der Frequenzmodulation durch den Modulator eingestellt wird. Für tonalere Ergebnisse lässt sich der Ratio-Regler per Knopfdruck anders skalieren. Beide Operatoren sind identisch ausgestattet und können gleichzeitig und unabhängig voneinander spielen oder sich gegenseitig beeinflussen. Dafür stehen drei Algorithmen zur Verfügung: Bei Algorithmus 1 arbeiten beide Operatoren unabhängig voneinander, bei 2 (Operator 1 moduliert den Carrier von Operator 2) und 3 (Operator 1 moduliert Operator 2) beeinflussen sie sich für eine noch größere Bandbreite an Sounds. Weiter verändern lässt sich der Sound über die drei Regler Form, Jitter und Bright. Diese ändern den Obertongehalt oder geben dem Sound durch Änderungen im Spektrum mehr Textur. Das geschieht über Formant Shifting, Wave Folding und Wave Shifting.

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Der Sugar Bytes Aparillo FM-Synth dürfte einigen Lesern bekannt vorkommen: Es gibt ihn auch am iPad.

Zwei ADSR-Hüllkurven mit Modulationsmöglichkeiten für jede einzelne Hüllkurvenstufe ermöglichen abgefahrene Sounds, die sich bei jedem Tastenanschlag oder beim Halten eines Tons verändern. Zwei LFOs lassen sich auf jeden einzelnen Parameter routen. Modulationen sind für jede der 16 Stimmen von Sugar Bytes Aparillo getrennt möglich. Ein umfangreicher Arpeggiator und das Shift Tools sorgen für weitere Sound-Optionen. Das Shift Tool ist ein modulierbarer Scale Editor für die 16 Stimmen. Damit lassen sich Läufe und Akkorde erzeugen, indem den 16 Stimmen verschiedene Tonhöhen zugewiesen werden. Mit nur einem Tastendruck werden komplexe Klanggebilde erzeugt, die sich sogar modulieren lassen.

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Die Oberfläche besitzt eine logische Struktur und lädt zum Schrauben an Sounds ein.

Weiter geht es mit der Effektsektion: Spatializer (Delay-basierter Pitch Resonator für einen zusätzlichen „Synth Layer), Kammfilter, Vowel, Multimode Filter, Poly-Autopan, Delay und Reverb veredeln das rohe Ausgangssignal.

So richtig Spaß macht ein anderes Tool: Der Orbiter. Der Orbiter wird zwischen verschiedenen Modulen, die auf einem zweidimensionalen Feld angeordnet sind, bewegt. Für jedes einzelne Modul lassen sich die Stärke, der Radius, Level und Pan einstellen. Diese beeinflussen das Verhalten des Moduls, wenn sich der Orbiter in ihrem Umkreis befindet. Je näher er sich an einem Modul befindet, desto mehr wird aufgrund dieser Parameter das Modul beeinflusst. Die Bewegungen des Orbiters lassen sich aufzeichnen und dann beim Spielen auf der Tastatur wiedergeben. Auch das Zuweisen von MIDI-Noten zu einer Orbiter-Position lässt sich bewerkstelligen, sodass der Orbiter je nach gespieltem Ton an eine andere Stelle springt. Verschiedene Orbiter-Parameter lassen sich über eine Randomize-Funktion zufällig zuweisen.

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Mit dem Orbiter lassen sich extrem lebendige Klangtexturen erzeugen, die man so von keinem anderen FM-Synth her kennt.

Sugar Bytes Aparillo mag zunächst wie ein Spielzeug wirken, erzeugt von allen Kandidaten aber die eindrucksvollsten Klänge. Hier steht weniger das gezielte Bearbeiten von Parametern im Vordergrund als vielmehr das Ausprobieren und Experimentieren. Immer wieder kommt man zu abgefahrenen Ergebnissen, wenn man an einer Stelle etwas ändert. So richtig in Fahrt kommt Aparillo beim Nutzen des Orbiters. Klangsphären, die als Untermalung von Szenen eines Kinofilms oder Spiels dienen sollen, lassen sich damit spielend leicht erzeugen. Die klassischen Synth-Sounds sind nicht so das Ding von Aparillo. Zwar kann man auch diese mit dem Synth erzeugen, allerdings klingen sie nicht so fett und beeindruckend wie die der anderen Kandidaten.

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Auch die LFOs sorgen für allerlei Bewegung im Klang.

Vorteile:

  • Sehr abgefahrene Sound-Kollagen möglich
  • Drastische Änderungen mit wenigen Handgriffen
  • Interessantes Benutzer-Interface, das zum Klangschrauben einlädt
  • Orbiter ermöglicht bewegte Sounds wie bei der Vektorsynthese
  • Die vielen Modulationsmöglichkeiten schaffen unbegrenzt viele bislang nicht gehörte Sounds

Nachteile:

  • Klassische Synth-Sounds zwar möglich, aber nicht so beeindruckend

Bewertung

Es ist gar nicht so einfach, zu einer Bewertung zu kommen und einen Sieger zu küren, wenn es um den besten FM Synth geht. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Kandidaten und auch die Zielsetzung ist teils sehr unterschiedlich. Manche implementieren FM Synthese in Anlehnung an den Yamaha DX7 und Nachfolger. Andere gehen komplett eigene Wege. Um es vorweg zu sagen: Alle Produkte sind sehr gut, klingen gut, liefen stabil und zeigten eine durch und durch gute Performance. Lediglich vom Tracktion F.’em ließen sich aufgrund der hohen Komplexität auf meinem M1 Mac Mini nicht ganz so viele Instanzen laden wie von den anderen Plug-ins.

Der Demosong

Um mir einen Eindruck der Synths und deren Leistungsfähigkeit zu verschaffen, habe ich mit allen Plug-ins einen FM-Demosong in Logic gebastelt. Ausgewählt habe ich dafür jeweils Presets, die meines Erachtens die jeweilige Stärke des Plug-ins repräsentieren. Das Ergebnis könnt ihr im folgenden Video hören und sehen:

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Video laden

Die einzelnen Klangschnippsel wurden darüber hinaus als Audiofiles exportiert, sodass ihr sie auch solo gespielt noch einmal anhören könnt.

Einen eindrucksvollen Start legt sofort Nemesis 2 hin. Das sehr interessante Arp-Preset ist übrigens auch der erste Sound, der bei mir nach der Installation geladen wurde. Ich fand ihn sehr inspirierend und habe ihn deshalb für das Intro verwendet. Begleitet wird der Nemesis 2 von einem Drone-Sound aus dem Aparillo.

Danach startet der Song mit einem Synth-Bass Arpeggio aus dem Arturia DX7V durch, das mich irgendwie an Jan Hammer und Crocket’s Theme erinnert. Kein Wunder, denn Jan Hammer war damals ein großer Fan der FM-Synthese und des DX7 und hat diesen gemeinsam mit seinem Fairlight CMI für die Vertonung der gesamten Serie genutzt. Begleitet wird der Arturia DX7V von einem weiteren perkussiven DX7 Sound, der mit Dexed abgespielt wird. Für mehr Farbe sorgt dann wieder Nemesis 2 mit einem Sound, der etwas an eine Maultrommel erinnert.

An dieser Stelle möchte ich einwerfen, dass auf keiner der Spuren irgendwelche EQs oder Effekte aus Logic verwendet wurden. Alle Sounds sind so zu hören, wie sie das jeweilige Plug-in verlassen. Lediglich die Lautstärken wurden in Logic angeglichen.

Die Hookline des Songs steuert der Chipsynth OPS7 bei. Der Sound, der irgendwo zwischen Orgel und Synth schwebt, ist ein typischer DX7 Sound, wie er in den 1980er Jahren oft für solche Lead-Lines verwendet wurde. Die Hookline wird anschließend vom Nemesis 2 aufgegriffen, der seine Chiptune-Qualitäten beweist und diese mit einem Sound spielt, der auch direkt aus einem Commodore C64 stammen könnte. Dass Nemesis 2 auch klassische FM-Sounds beherrscht, zeigt er mit dem nächsten Sound, mit dem einige rhythmisierte Akkorde gespielt werden.

Tracktion F.’em doppelt die Hookline mit einem weichen Lead Sound.

Mit Bazille habe ich im Anschluss ein weiteres Bass Arp Pattern dem Arturia DX7V Pattern überlagert. Dies schafft etwas mehr Abwechslung. Noch einmal muss Tracktion F.’em ran und spielt unter Einsatz von Pitchbend und Modulation einen weiteren klassischen 80s Synth Sound, während Bazille rhythmisierte Akkorde mit einer Art Wah-Effekt beisteuert. Kurz vor dem „Showdown“ reduziert sich der Song dann auf die beiden Arp-Patterns von Arturia DX7V und Bazille.

Für das Outro darf nun Aparillo zeigen, was es drauf hat. Der Song weitet sich auf und wird atmosphärisch. Ein Arp aus Bazille, das mich irgendwie etwas an einen Horrorfilm-Klassiker erinnert, begleitet das Outro. Während die klassischen Elemente der anderen Synths per Volume Automation ausgeblendet werden, dreht Aparillo mit mehreren Sounds erst richtig auf. Doch auch die Hookline darf noch einmal erklingen, dieses Mal mit einem Lead Sound aus Aparillo. Der beherrscht diese nämlich auch, allerdings ist das nicht sein Spezialgebiet.

Welches FM-Plug-in für wen?

Wer auf der Suche nach einem authentisch klingenden DX7-Plug-in ist, sollte sich den Plogue Chipsynth OPS7 näher anschauen. In meinen Augen ist OPS7 das beste DX7-Plug-in am Markt. Die sehr übersichtliche Oberfläche macht es Kennern leicht, den Synth zu programmieren und im Extended-Mode sind sogar Sounds möglich, die sich mit einem DX7 nicht erzeugen lassen.

Wer ab und an klassische DX7 Sounds nutzen möchte, aber trotzdem auf der Suche nach etwas moderneren FM Sounds ist, sollte sich mit dem Arturia DX7 V anfreunden. Er ist in der Lage, SysEx-Daten vom DX7 zu laden. Durch die erweiterte FM Synthese und viele Modulationsmöglichkeiten und Effekte gehen die Sounds aber deutlich über das Sound-Spektrum eines DX7 hinaus und verpassen diesen einen modernen Anstrich.

Für Kenner der FM Synthese im Stil eines DX7, die aber auf Kompatibilität keinen Wert legen, sondern lieber das letzte Bisschen Sound aus einem FM Synth kitzeln wollen, sind mit dem Tracktion F.’em sehr gut beraten. Dieser äußerst mächtige Synth erinnert mich etwas an Yamahas TX802. Prinzipiell ließen sich mit Tracktion F.’em beliebige Yamaha DX-Sounds nachbauen. Ein Import von SysEx Daten ist zurzeit aber noch nicht möglich. Der Tracktion F.’Em Synth ist dermaßen flexibel und mächtig, dass man eine längere Einarbeitungszeit einrechnen sollte, möchte man ihn wirklich beherrschen. Hier gilt: Geht nicht gibt’s nicht.

Einfacher zu erlernen und zu beherrschen sind der Tone2 Nemesis 2, u-he Bazille und Sugar Bytes Aparillo. Die beiden Erstgenannten sind wahre Soundmonster und klingen extrem druckvoll. Ob kreischende Lead Sounds, warme und sich bewegende Flächen, knallige FM-Bässe oder fast analog anmutende Klänge, alles ist möglich. u-he Bazille konnte mich dabei mit seinem modularen Aufbau begeistern und man kann sich kaum vom Instrument lösen. So richtig in den Bann ziehen konnte mich aber Sugar Bytes Aparillo. Das wirklich außergewöhnliche und erfrischende Bedienkonzept dieses Synthesizers lässt schnell die Zeit vergessen. Mit Sugar Bytes Aparillo wird jeder zum Sounddesigner für Film und Computerspiele. Insbesondere das Konzept des Orbiters hat es mir angetan und mit jeder kleinen Bewegung ertönen neue Klangsphären aus den Studiolautsprechern. Niemand muss erst ein Physikstudium bestreiten, um mit diesem Synth abgefahrene Soundskulpturen zu erzeugen. Ob man sich nun mit FM auskennt oder nicht, spielt keine Rolle.

And the winner is….

Eine Rangfolge aufzustellen fällt mir nicht leicht. Am Ende habe ich mich dazu entschieden, die Synths danach zu bewerten, wie sehr sie mich in ihren Bann gezogen haben und welche Möglichkeiten des Sounddesigns sie bieten. Den ersten Platz konnte somit nur das Sugar Bytes Aparillo Plug-in machen. So neu klang FM noch nie. Dicht gefolgt allerdings von u-he Bazille und Tone2 Nemesis 2, die beide auf dem zweiten Platz landen. Beeindruckt hat mich die Einfachheit der Programmierung und die Soundgewalt. Fast unerschöpfliche Möglichkeiten bietet Tracktion F.’em, allerdings muss man in diesen Synth auch viel Zeit investieren, möchte man ihn programmieren und nicht nur als Preset-Schleuder missbrauchen. Die Plätze 4, 5 und 6 werden schließlich von den traditionelleren Plug-ins mit Anlehnung am Yamaha DX7 belegt. Nicht, dass diese Plug-ins schlecht wären. Sie bieten aber im Jahr 2021 wenig Unerhörtes. Für Liebhaber und Besitzer eines Yamaha DX7 ist der Plogue Chipsynth OPS7 ein echter Geheimtipp, da Patches austauschbar sind. So kann man einen Sound bequem am Rechner designen, ihn in DAW-Produktionen einsetzen und anschließend mit auf die Bühne nehmen. Wer keinen DX7 besitzt, aber einfach mal in die Möglichkeiten der FM-Synthese reinschnuppern möchte, tut dies mit dem kostenlosen Dexed. Oder man nutzt Dexed einfach als Editor und Librarian für den betagten DX7.

Meine Rangfolge für die besten FM-Synth-Plug-ins lautet also:

  1. Platz: Sugar Bytes Aparillo
  2. Platz: u-he Bazille/Tone2 Nemesis 2
  3. Platz: Tracktion F.’em
  4. Platz: Arturia DX7 V
  5. Platz: Plogue Chipsynth OPS7
  6. Platz: Dexed

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Fazit

FM-Synthese ist auch im Jahr 2022 noch angesagt und kann wesentlich moderner klingen, als man es vom Vater aller FM-Synths, dem Yamaha DX7 her kennt. Auch wenn Yamaha selbst die FM-Synthese mit dem Yamaha Montage, dem kleineren Ableger Yamaha MODX und dem Yamaha Reface DX wiederbelebt hat, und auch andere Hersteller, wie zum Beispiel Korg mit dem Korg Opsix, FM-Synths im Programm haben, sind es die Plug-ins, die FM unter Umständen ganz eigenständig interpretieren und somit bislang unerhörte FM-Sounds ermöglichen. Doch auch klassische FM-Sounds werden in Produktionen nach wie vor eingesetzt. Insofern haben alle hier vorgestellten Plug-ins ihre Berechtigung. Besonders nah am DX7 ist dabei der Plogue Chipsynth OPS7. Etwas moderner klingt Arturias DX7V und gar kostenlos spielt uns Dexed die alten Patches aus der SysEx-Sammlung. Zwischen den modernen Interpretationen liegen der Tracktion F.’em sowie Bazille. Bazille ist ein Soundmonster und erinnert eher an einen Analogsynthesizer. Nichtsdestotrotz liefert er von klassischen Analog-Sounds bis hin zu harten FM-Sounds die volle Bandbreite. Um diese auszuschöpfen, muss man nicht erst Frequenzmodulation studieren. Tracktion F.’em hingegen ist so komplex, dass man tatsächlich viel Einarbeitungszeit einrechnen sollte. Das klangliche Ergebnis spricht allerdings dann auch für sich und die Möglichkeiten sind fast unerschöpflich. Richtig ausgefallen und neu klingen der Tone2 Nemesis 2 und Sugar Bytes Aparillo. Gerade im Bereich der atmosphärischen Sounds und Sound-Effekte können beide Synths ihre Stärken ausspielen. Nemesis 2 beherrscht allerdings auch klassischere FM-Sounds, während Aparillo der Meister sich bewegender Soundscapes ist. Durch seine ausgeklügelte Benutzeroberfläche ist er für mich der inspirierendste Synth aus dem Testfeld.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Emmbot AHU

    Danke für die tolle Übersicht im Bereich der Fm Sounds.

    Die Idee mit dem Video in dem alle Plugins gezeigt werden ist super. So sieht man auch die GUI bzw. Synths in Aktion und kann einschätzen ob man mit dem Workflow zurecht kommt.

    Von den vorgestellten Plugins nutze ich Dexed als Editor und Libary für meinen Volca FM. Schön das der die SysEx verarbeitet.

    Ältere Plugins wären noch Native Instruments FM7 und 8. Wobei ich den Sound von FM7 besser fand. Irgentwie war der harscher.

  2. Profilbild
    Sudad G

    Schöner und interessanter Vergleichstest zum Thema FM-Synthese.
    Schade, dass im Vergleichstest das bekannteste FM-Synth Plugin FM8 von Native Instruments gefehlt hat, mit dem gefühlt gut ein Drittel aller Musiker arbeiten, wenn es um FM-Sounds geht.
    Hätte mich sehr interessiert, wie der sich gegenüber den anderen so schlägt.
    Meiner Einschätzung nach liegt der FM8 zwischen Dexed und Arturia. Bietet aber ebenfalls viele Möglichkeiten, die weit über die klassische FM-Synthese vom DX7 hinausgehen.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Das Native Instruments Plugin stand auch auf meiner Liste. Testen konnte ich es leider nur mit der Demo-Version, da eine NFR nicht zeitnah zur Verfügung gestellt wurde. Mit den ständigen Unterbrechungen hat das aber nicht allzu viel Spaß gemacht. Ich habe es deshalb raus gelassen. Der FM8 ist auch schon recht alt und die Liste mit den eher „klassischen“ FM-Synths war schon gut gefüllt, deshalb fand ich das nicht so tragisch. Ich würde den FM8 als gute Alternative zum Arturia-Plugin sehen. Beide Hersteller konkurrieren ohnehin um die gleiche Zielgruppe.

  3. Profilbild
    Filterpad AHU

    Und beim FM8 lassen sich ebenso DX-7 Presets als SysEx-Daten laden. Apropos FM8: Das Plug-in ist nicht schlecht, aber die Benutzeroberfläche samt Grafik würde einer Überarbeitung gut tun. Den vermisse ich in der aufgeführten Liste tatsächlich auch, denn: Wenn einer ein DX-7 Plug-in Klon besitzt, dann ein Großteil der Nutzer vermutlich dieses. Ansonsten ein schöner Artikel über eine immer noch teils befremdliche Klangsynthese im Zeitalter von Softwaresynthesizer. PS.: Guter Demosong.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Der FM8 stand auf meiner Liste, aber es kam innerhalb des Testzeitraums keine NFRn (siehe oben). Da er die gleiche Zielgruppe wie das Arturia Plugin anspricht und die Liste der Klassiker schon gut gefüllt war, habe ich ihn rausgelassen.

  4. Profilbild
    ollo

    Aparillo ist super, habe ich seit gestern, weil es den im Sale gab. Das besondere ist ähnlich wie bei Factory aus dem gleichen Hause, dass man mit Zufallsfunktionen bei den Modulationen sofort zu interessanten Klängen kommt. Aber man kann auch gezielt eingreifen. Toller Synth!

    Interessant in Sachen FM ist sicherlich auch noch der hier: https://www.amazona.de/xils-lab-kaox-fm-synthesizer-plug-in/

  5. Profilbild
    Jens Barth

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel, gute Soundbeispiele, gut recherchiert.

    Wie man sieht, gehen die Meinungen auch hier auseinander, Geschmäcker sind eben verschieden)).

    Mit Ausnahme von Chipsynth habe ich tatsächlich mit allen Kandidaten (+ FM7/FM8) gearbeitet. Meine Favoriten sind DX7 V und Bazille gefolgt von Nemesis. F’em ist interessant aber sehr ressourcenhungrig, daher nutze ich ihn nicht sehr oft. Aparillo ist bei mir irgendwie durchgefallen, FM8 ist ok aber nicht mehr als das. Meine Kriterien sind im Wesentlichen Sound und GUI (Einfachheit, Übersichtlichkeit).

    P.S. Bei mir fehlt das eingebettete Video.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Obwohl der FM8 gut klingt, ist mir auch das GUI zu altbacken. Aber gut, wer mit der Native Instruments Sammlung arbeitet, wird kaum das Arturia Plugin kaufen und umgekehrt. Der Chipsynth ist halt schon sehr nah am Original und die Oberfläche ist erheblich besser als bei Dexed. Dafür ist Dexed kostenlos. Die Feinheiten bei den DX-ähnlichen Synths wird man in einer dichten Produktion vermutlich aber ohnehin nicht hören. Hier würde ich deshalb immer das Plugin wählen, dessen GUI mir zusagt. F’em lief auch auf meinem M1 Mac nur mit wenigen Instanzen, was sehr schade ist. Andererseits ist der Synth einfach zu komplex für meinen Geschmack, da die ohnehin schon komplexe FM-Synthese durch die Vielzahl an Parameter und die vielen Layer noch getoppt wird. Aparillo ist nicht für jeden, zeigt aber m. E. deutlicher als alle anderen Kandidaten, welches Potential im Jahr 2022 noch in FM steckt und dass dieses noch lange nicht ausgeschöpft ist. Der Sounddesigner für Games und Movies wird ihn lieben, der klassische Keyboarder und Musikproduzent wohl eher nicht.

      Das Video wird hier normal angezeigt. Seltsam.

  6. Profilbild
    camarillo

    Ich habe hier einen Original DX7 Mk I und nutze ebenfalls gerne Dexed. Für mein Gehör klingen die bis auf das Rauschen des DX7 dermaßen gleich, dass es für mich klanglich keinen Grund gibt, eine andere DX7 Emulation zu nutzen. Unterschiede sind jedenfalls i.d.R. kleiner als der Einfluss bereits leichter Änderungen der Kopfposition beim Hören.

    Allerdings gibt es bei Algorithmus 32 ein gewaltiges, deutlich hörbares Problem mit dem Feedback-Parameter, das leider schon länger nicht behoben wurde.

    Dennoch, winzig kleine Unterschiede gibt es auch sonst. Ich doppele daher gerne den DX7 mit Dexed. Das gibt dann einen superdezenten beinahe-Chorus, den ich sehr angenehm finde.

    PS: Für nicht-DX7 FM macht mir Bazille riesigen Spaß!

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Dexed ist auch ein prima Plugin und seit Jahren auf meinem Rechner. Das hat mir damals auch den Verlust meines DX7 II, dessen Taster und Schalter hätten repariert werden müssen (zu einem wahnsinnig hohen Preis, da Yamaha keine Ersatzteile mehr hatte), etwas leichter gemacht. Heute bereue ich es etwas, dass ich ihn abgegeben habe und vermutlich ließe sich das betreffende Bauteil, das im Inneren des Synths gebrochen war, mit einem 3D Drucker heute zu einem Bruchteil des damals aufgerufenen Preises herstellen. Eventuell probierst du den Chipsynth DX mal aus. Der ist noch ein wenig näher dran und auch Patch-kompatibel. Dafür sehr viel übersichtlicher als Dexed.

      Bazille ist ein Monster und es macht dermaßen Spaß, an dem rumzuschrauben, dass man ihn sich sofort als Hardware wünscht. Sollte Urs Heckmann jemals Hardware bauen, stünden Bazille und Tyrell auf meiner Wunschliste.

      • Profilbild
        camarillo

        Zu den Ersatzteilen: Ich habe die Slider-Kappen meines DX7 3D-gedruckt ;-)

        Den Chipsynth DX würde ich ja ausprobieren, allerdings bin ich auf Linux unterwegs, da läuft er nicht.

        Ich komme aber tatsächlich mit der Programmierung am DX7 selbst ziemlich schnell ans Ziel, und ziehe das der Programmierung am PC vor. Da brauche ich ehrlich gesagt gar nicht mehr Übersicht. (Ich bin sowas noch grundsätzlich aus den 80ern von Poly-800 und Bit One gewohnt. Den DX7 hatte ich damals noch nicht). Klanglich vermisse ich ja beim Dexed auch nichts.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Es musste eine Auswahl getroffen werden. Den Operator aus Ableton Live habe ich auch ausgelassen, ebenso den FM Synth aus Logic.

      • Profilbild
        Everpure AHU

        Das ergibt auch Sinn, denn die von dir genannten sind ja durchaus auf ihre entsprechenden DAWs begrenzt.

  7. Profilbild
    OscSync

    Auch von mir danke für diesen schönen Vergleich! Persönlich hätte ich OPS7 noch etwas höher im Ranking erwartet, aber das sieht sicher jeder individuell. Dexed ist wirklich toll, aber es macht halt hier und da doch den Eindruck eines nicht ganz zu Ende entwickelten und weitergepflegten Produktes. OPS7 reproduziert den charmanten Dreck, das Spielgefühl und die knistrige Wärme meines alten DX7 I doch noch ein klein wenig akkurater. F´em macht auch einen sehr guten Eindruck, aber ich komme wirklich nicht mit dem Namen klar…..

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      In einem Vergleichstest in Sachen DX7-Kompatibilität wäre der OPS7 auf Platz 1! Hier ging es allgemeiner um die Möglichkeiten der FM-Synthese bei ausgewählten aktuell erhältlichen FM-Plugins. Der OPS7 macht halt DX7-Sound und den richtig, richtig gut. Aber leider nicht mehr (wobei das auch heute noch schon eine ganze Menge ist. Ich behaupte mal frech, dass die Soundmöglichkeiten des DX7 bis heute nicht zu 100 Prozent ausgeschöpft sind).

  8. Profilbild
    Flowwater AHU

    Hehe … wenn ich daran denke, dass ja schon der »Dexed« ein tolles Teil ist (wenn auch »nur« dem originalen DX-7 nachempfunden) … und dass Sugar Bytes mit dem »Aparillo« auf dem ersten Platz landet, habe ich mir fast schon gedacht. Ich habe von denen »Nest« (dieser Patchkabel-Sequencer), »Factory« (toller substraktiver Synthesizer mit vier Sequencer-Lanes) und den »DrumComputer« (was der macht, ist klar).

    Ja, doch, Super-Übersicht!

    P.S.: Und schöner Demo-Song.

  9. Profilbild
    Filterpad AHU

    Ist eigentlich der DX-7 der einzigste FM-Synth, der als Software einige male erschienen ist? Gibt es z.B. den DX-7 II auch als Softwaresynthesizer oder womöglich bald den Korg OPsix? Das wär’s doch!

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Im Prinzip können die meisten DX-7 Plugins das, was der DX-7II in seinen diversen Varianten auch konnte (kann). Der OPS7 ist ja auch in der Lage, Layer-Sounds zu erstellen. Und wenn man Dexed zweimal lädt, hast du auch das Ergebnis. Bei den Wandler-Emulationen hat man bei den meisten Synths auch schon mehrere Auswahlmöglichkeiten bezüglich des Sounds. Der OPS7 kann zum Beispiel die späteren Wandler-Versionen simulieren. Ich schätze mal, dass man so klanglich schon nahe dran kommt. Die Patches sind ja ohnehin kompatibel.

      • Profilbild
        Innervisions

        Der DX7II hat auch ein paar Parameter mehr als das Original. Die sind in Dexed nicht implementiert. Dadurch sind auch die Sounds (Presets) der zweiten Generation nicht originalgetreu, wenn sie geladen werden.
        Falls hier zufällig jemand mitliest, der Reaper benutzt: Für Dexed / Reaper und den günstigen X-Touch Mini Controller hab ich ein Editor-Preset für ReaLearn gebaut, siehe hier https://github.com/vonglan/realearn-sy-presets#with-behringer-x-touch-mini-as-controller . Da kann man mit den 8 Endlos-Encodern (mit LED-Feedback) z.B. gleichzeitig die Frequenzen oder Level aller 6 Operatoren ändern, oder eben die Details eines Operators.

  10. Profilbild
    Spamn

    Warum sollen eigentlich digitale Hardwaregeräte wie synths und Hallmaschinen besser klingen als VSTs?

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Ich glaube nicht, dass man das sagen kann. Dafür gibt es auch keinen Beweis. Das ist für viele Musiker eher eine rein subjektive Angelegenheit.

      Wenn man sich mit Hardware einfach besser fühlt, wird sich das auf die Spielweise und damit auch auf den empfundenen Klang auswirken, selbst wenn dieser objektiv gleich oder genauso gut ist.

      Du kannst mit einem Flugsimulator lernen, ein riesiges Flugzeug zu fliegen. Dabei ist alles im Cockpit so wie im Original und der Simulator ist so perfekt, dass er sich auch verhält wie die richtige Maschine. Doch der erste Tag in einer echten Boeing oder einem Airbus wird komplett anders sein, weil schon der Weg ins Cockpit ein anderer ist, wenn man über das Rollfeld geht.

      Bei Hardware Synths ist es für viele auch so: Vom Einschalten bis zum ersten Ton fühlt es sich anders an als die Software. Und sei diese noch so perfekt. Diesen Unterschied „hören“ die Musiker dann. Und das macht dann am Ende viel aus.

    • Profilbild
      Sudad G

      Dass Hardware-Synths besser klingen als VSTs würde ich nicht sagen, aber sie klingen anders, weil meist die kompletten Output-Sektionen der Original-Synths fehlen bzw. diese oftmals nicht emuliert werden. Meist wird nur die reine Klangerzeugung emuliert. Aber Hardware-Synthesizer – egal ob analog oder digital – bestehen auch aus OPs (bei digitalen Synthesizern aus D/A-Wandlern und OP’s), die je nach Hersteller einen bestimmten Eigenklang aufweisen, der mehr oder weniger gut sein kann, aber eben charakteristisch ist.
      Daher passt ja auch ein im mittleren Frequenzbereich ausgeprägter DX7 sehr gut zu einem Roland JX-8P, dessen Frequenzgang genau gegenteilig ist.
      Wenn man jetzt beide Synthesizer als emulierte VSTs benutzt, laufen beide über die Wandler der eingebauten Soundkarte, die für beide den gleichen linearen Frequenzgang erzeugt und damit fallen die Unterschiede in Bezug zum Frequenzgang weg. Damit nimmt man etwas von der Individualität der Instrumente. Daher appelliere ich schon sehr lange an die Hersteller von VSTs, dass sie auch den Frequenzgang, die Wandler (bei digitalen Synths) und deren OPs emulieren und nicht nur Syntheseform und Filter.
      Man kann aber sehr gut VSTs aufwerten in dem man sie durch externe Pre-Amps und externe EQs schickt und dabei versuchen, den Eigenklang der Originalinstrumente – so gut es halt geht – auf die VSTis zu übertragen.
      Ein Analyzer kann dabei sehr nützlich sein.

      • Profilbild
        Markus Galla RED

        Ich glaube, dass das eher eine generelle Frage war, gar nicht so sehr auf nur Vintage-Geräte bezogen.

        Aber grundsätzlich stimmt das, was du sagst natürlich. Das ist. m. E. auch der Grund, warum sich der OPS7 von Dexed etwas absetzt. Aber: Hätte ich in den Demo-Song viermal das gleiche Patch gesetzt, einmal mit einem DX7, einmal DX7 IID, einmal Dexed und einmal OPS7, wäre ich mir sehr sicher, dass das niemand hätte auseinander halten können. Eventuell hätte man den DX7 erkennen können, weil es da 12 Bit-Wandler waren. Der DX7 IID hatte schon bessere Wandler. Davon abgesehen bleibt in einer professionellen Mischung ohnehin der Sound nicht unbearbeitet. Das war früher so und ist heute auch noch so. Dass ich in meinem Demosong auf weitere Bearbeitungen komplett verzichtet habe (kein EQ, keine Kompressoren, keine Effekte), ist nicht die Regel. Ich persönlich glaube, dass das Feeling von Hardware eine sehr viel größere Rolle spielt bei dem, was man letztendlich hört.

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      @Spamn: Bei Hallmaschinen gibt es tatsächlich einige Geräte, die würden Producer nie mit Software eintauschen wollen. Das bleibt wohl eine Magie der besonderen Form. Da ich keine Hardware Hallmaschine besitze, kann ich den Unterschied nicht erklären. Anscheinend „matschen“ diese die Spuren nicht so zu und klingen einfach schön, was man z.B. von Steinbergs REVelation VST leider nicht behaupten kann. Bei dem Tool ist meiner Ansicht nach noch Luft nach oben. Native Instruments oder Lexicon sind hier inzwischen in Sachen Softwarehall weiter.

      Bei FM-Synthesizer ist das in meinen Augen eine rein haptische Sache, mal abgesehen von dem Grundrauschen des DX-7 und der alten Bauteile, was natürlich auch Einfluss auf den Klang hat. Z.B. sagt man, dass exportierte Files vom DX-7 in den NI FM8 Softwaresynthesizer den Klang erheblich verändert. Ohne Gewähr! Aber ich denke bei den hier aufgelisteten Plug-ins ist soundtechnisch der Unterschied zum Original maginal und im Mix kaum relevant.

      • Profilbild
        Sudad G

        Ja , das mit den Hallgeräten stimmt ab einer gewissen Preisklasse wirklich.
        Mit einem Lexicon 300, 480 oder einem Bricasti M7 kannst Du viel mehr Instrumente gleichzeitig verhallen und kannst via Effekt-Send entscheiden, ob sie weiter vorne oder hinten im Mix stehen und das ohne den Pre-Delay Parameter ändern zu müssen. Das hört man selbst in dichteren Arrangements noch. Versuch das mal mit einem PlugIn Hall.
        Wobei die Plugins über die letzten Jahre mächtig zugelegt haben. Problem sind vor allem noch die Early Reflections. Die Hallfahnen können die PlugIns mittlerweile sehr gut.
        Casey Dowdell (ehem. Lexicon Mitarbeiter) beantwortete mir diese Frage vor einigen Jahren folgendermaßen. Bei einem aktuellen PC bzw. Mac werden von dem Plugin via Prozessor mathematische Probleme häufig seriell in extrem hoher Geschwindigkeit abgearbeitet, so dass es zwar wie eine parallele Signalverarbeitung aussieht, aber eben nicht ist. Bei einem Hardware-Reverb aus den 80ern oder 90ern läuft dieser Prozess in dessen DSP-Chip um ein Vielfaches langsamer ab, aber eben exakt parallel zwischen linkem und rechtem Kanal. Und dieser exakt parallele Prozess beider Kanäle ist für realistisch klingende Early Reflections quasi Grundvoraussetzung.
        Im Prinzip müssten die Programmierer heutiger Plugin Reverbs nur erreichen, dass diese Berechnung absolut synchron und parallel abläuft.

  11. Profilbild
    Magicsound-Tonstudio 36179 Bebra

    Erst mal danke für den ausführlichen Bericht, als Jugendlicher habe ich Markteinführung des DX-7 erlebt, schon damals war die Programmierung immer ein großes Thema und waberte wie ein geheimnisvoller Nebel über der FM Synthese. In den 90er Jahren war mein erstes FM-Modul der TX-802 der später durch den Native Instruments FM-7 ersetzt wurde. Der FM-7 war für mich der geniale Ersatz für die Hardware sowohl Soundtechnisch, als auch optisch. Schade, dass NI den FM-7 durch den FM-8 ersetzt hat, der zwar ein tolles FM-Plugin ist aber nicht mehr das gewisse etwas und den Charm des guten alten FM-7 hat. Da ich FM auch heute noch sehr viel nutze, kommt der Dexed sowohl der FM-8 (der FM-7 wäre mir an dieser Stelle lieber gewesen) zum Einsatz. Wichtig ist allerdings die FM-Sounds immer wieder mit externen Effekten zu versehen, z.B. auf einen knackigen FM-Bass ein sehr kurzen Raum drauf, oder den FM-Bass als ad on Bass mit Delay und die Sonne geht auf.

  12. Profilbild
    gaffer AHU

    „An dieser Stelle möchte ich einwerfen, dass auf keiner der Spuren irgendwelche EQs oder Effekte aus Logic verwendet wurden. Alle Sounds sind so zu hören, wie sie das jeweilige Plug-in verlassen.“

    Schöner Artikel, Markus, ich gratuliere. Das Zitat habe ich eingesetzt, weil es eines meiner big problems beim Musikmachen anreisst. Ich selbst halte es für problematisch, dass immer mehr Funktionen in die PlugIns wandern. Sequenzer, Effektgeräte etc. Das hilft mir sehr beim Rumspielen mit einem PlugIn. In der Produktion versuche ich das zu vermeiden und lasse diesen Job lieber von der DAW erledigen. Gerade dein Sieger Aparillo greift sehr tief in die Effektkiste, ist auch bei Factory (auch Sugarbytes) so, trotzdem liebe ich beide Programme. Einige Sounds wären vollkommen unspektakulär ohne sie. Da schneidet dann natürlich ein Dexed gegenüber einem Aparillo erstmal sehr schlecht ab. Über dexed habe ich ja auch eine Leserstory geschrieben, ich finde die Mac Version gut, auch mit der GUI kann ich gut leben. Ganz im Gegensatz zur iPad Version, die trotz 13″ Screen fast nicht bedienbar ist. Bin nicht sicher, ob das der gleiche Programmierer geschrieben hat.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Ja, das stimmt wohl. Bei vielen Keyboards wie Montage, Fantom und anderen ist das auch so.

      Einwenden könnte man, dass der puristische Ansatz zu keiner Zeit zeitgemäß war. Es ist nicht so, dass früher Sounds trocken aufgenommen und erst später im Mix ihre endgültige Form erhalten haben. Ganz im Gegenteil. Gerade durch die Beschränkungen auch in großen Studios, was die Anzahl an Effektgeräten und Spuren auf Band angeht, wurden viele Entscheidungen vor der Aufnahme getroffen. Da wurden Gitarren und Synths durch Pedale gejagt und EQs und Dynamics schon vorher eingesetzt. Es gab halt nur noch keine integrierten Multieffekte und Speichermöglichkeiten. Insofern gehörten Effekte schon immer fest zum Sound dazu, es war nur komplizierter. Meinen DX7 gab es damals live nie ohne ein Ibanez Chorus Pedal und weitere Effekte aus einem Alesis Effektgerät.

  13. Profilbild
    gaffer AHU

    Ich wollte meinem Beitrag noch was hinzufügen (Restbearbeitungszeit um die 5 Minuten. Hatte aber keine Berechtigung dazu. Naja, dann halt ein extra Kästchen gefüllt.

    Ich finde den Arturia Ansatz am besten. Quick Edit Screens sind der richtige Weg. Vorsichtig erweitert. das ist eine prima Entwicklung bei denen. Die ersten Versuche hielten sich ja noch sklavisch ans Original. CS80 mit drehenden Lüftern, glücklichweise hörte ich ihn nicht. f.’em ist definitiv der ambitionierteste Ansatz, gratuliere Wolfram!

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