Vergleichstest: Neumann KMS 105, Sennheiser e965, Shure KSM9, Kondensatormikrofone

Handhabung

Alle drei Mikrofone liegen gut ausbalanciert in der Hand. Das Sennheiser e965 hat den dicksten Schaft und ist deutlich schwerer, rein von dieser Warte aus ein echtes Männermikro. Das Shure KSM9 ist schön schlank und passt deshalb besser in zarte Frauenhände. In der Mitte pendelt sich das Neumann KMS 105 ein.

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Dort ist es auch mit der Oberfläche angesiedelt, das Neumann fühlt sich gut an und ist ausreichend griffig. Dies könnte beim Sennheiser evtl. zum Problem werden, die Oberfläche wirkt wie lackiert und ist ziemlich rutschig. Am griffigsten empfinde ich die Oberfläche des Shures, das dürfte sich auch mit feuchten Händen noch gut greifen lassen.

Die Mikros werden mit normalen, funktionalen Mikroklammern geliefert. Die Neumann-Klemme ist etwas unflexibel, so lässt sich das Mikro nicht bzw. nur mit sanfter Gewalt von oben einstecken. Besser funktioniert das bei der Sennheiser Klemme, die einer K&M verblüffend ähnlich sieht. Gut gelöst ist das auch bei Shure, der Querschnitt sieht nach einem umgedrehten Omega-Zeichen aus, da lässt sich gut einfädeln. Wieso die Firma zu dem edlen Anthrazit des Mikros eine mausgraue Klemme gewählt hat, würde mich allerdings schon interessieren.

Der nächste Punkt, den ich unter die Lupe nehme, sind die Griffgeräusche. Um es kurz zu machen, hier haben alle drei Firmen gute Arbeit geleistet, sowohl Griff- wie auch Klopfgeräusche werden wirkungsvoll unterdrückt. Ein klarer Sieger ist hier nicht auszumachen.

Wo wir schon bei ungewollten Geräuschen sind, mache ich gleich noch den Popp-Test. Die drei Probanden werden angesungen, dann versuche ich sie durch P-Laute aus der Ruhe zu bringen. Völlig unbeeindruckt steckt dies das Neumann KMS 105 weg, hier poppt nichts. Faszinierend.

Auch das Shure liefert hier einen guten Wert, zwar wird das Poppen nicht komplett unterdrückt, hält sich aber in Grenzen, was auch am recht moderaten Pegelsprung zu sehen ist.

Am Schlechtesten kommt hier das Sennheiser weg, das Popp ist deutlich zu hören. Hinzu kommt, dass das Mikro bassiger abgestimmt ist als seine Kollegen, was den Höreindruck natürlich verstärkt. Nach Einschalten des Trittschallfilters kann das e965 mehr überzeugen, kommt aber noch nicht ganz an das KSM9 heran.

Da die Hersteller großen Wert darauf legen, dass ihre Produkte trotz der empfindlichen Technik äußerst robust und bühnentauglich gebaut sind, überprüfe ich das, indem ich die drei Mikros aus einer normalen Mikroständerhöhe von 1,5m auf einen Steinfußboden…hallo, liebe Vertriebsmitarbeiter bei Neumann, Sennheiser und Shure, gaaanz langsam wieder ausatmen, blöder Scherz, habe ich natürlich nicht gemacht. Genauer hingeschaut bei den Materialien habe ich hingegen schon.

Am stabilsten wirkt das e965, natürlich auch bedingt durch das erhöhte Gewicht. Wenn man von hinten auf den XLR-Anschluss schaut, sieht man schon eine beträchtliche Materialstärke beim Korpus. Auch der Mikrofonkorb ist sehr massiv und lässt sich durch Druck auf das Drahtgeflecht nicht destabilisieren.

Ähnlich robust ist das KSM 105, da der Drahtkorb hier nicht blickdicht ist, wirkt er filigraner, im Ernstfall dürfte er aber ähnliche Nehmerqualitäten wie das Sennheiser an den Tag legen.

Beim Shure KSM9 scheint das Korpusmaterial etwas dünnwandiger zu sein, wohl auch um die schlanke Form zu ermöglichen. Genügend widerstandsfähig ist es aber durchaus. Allein den Mikrokopf empfinde ich als etwas weniger belastbar, als es die beiden Kontrahenten sind.

Gerade beim Sennheiser und beim Shure, bei denen ja zum Erreichen der Schalter der Kopf abgeschraubt wird, habe ich noch ein besonderes Augenmerk darauf, ob die Gewinde exakt geschnitten sind. Hier gibt sich erwartungsgemäß keiner der Hersteller eine Blöße.

Forum
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    MidiDino  AHU

    Lieber Armin, herzlichen Dank für diesen wunderbaren Test. Die möglichen und sinnvollen Einsatzbereiche zu berücksichtigen, ist eine hervorragende Methode. [Ich wünschte mir, dass auch manche Keys- und Synth-Liebhaber derart offen wären.]

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      Armin Bauer  RED

      Hallo MidiDino,

      vielen Dank für das Feedback, es ist immer schön, Rückmeldungen zu bekommen, so Positive erfreuen natürlich besonders.

      Grüße
      Armin

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    Markus Galla  RED

    Ich finde ebenfalls, dass das ein schöner Testbericht ist und ein fairer Vergleich der Probanden. Natürlich hätte ich jetzt wieder mal gerne die Hörbeispiele (gerade bei einem Vergleich), aber da kann ich wohl lamentieren bis zum Web 3.0. Nebenbei sollte erwähnt werden, dass das KMS 104plus gar nicht zwingend als „Frauenvariante“ zu bezeichnen ist, sondern vielmehr einfach eine andere klangliche Ausprägung hat. Ganz im Gegenteil: ich habe damals für meine Frau extra das die das KMS 104plus gekauft, nur um dann festzustellen, dass es für eine Männerstimme viel besser geeignet ist und die „normale“ Variante ohne Bass-Anhebung besser für ihre Stimme funktioniert (Alt mit Ausrichtung auf Gospel, Rock, Soul). Das KMS 104 verfügt ohnehin schon eine deutliche Anhebung im Bass-Bereich durch den Nahbesprechungseffekt. Beim KMS 104plus beträgt diese bei 100 Hz satte 12dB im Vergleich zu 1 kHz. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass auch der Bereich von 100 – 500 Hz beim KMS 104plus stärker ausgeprägt ist. KMS 104 und 104plus unterscheiden sich von der Supernieren-Variante KMS 105 auch dahingehend, dass zwischen 2.5 und 10 kHz eine deutliche Anhebung mit einem Peak von 4dB bei ca. 8 kHz zu messen und zu hören ist, währen das KMS 105 erst ab ca. 7kHz eine steilere Anhebung mit einem Peak von mehr als 4dB weit oberhalb von 10 kHz besitzt und dann steil abfällt. Hier muss also tatsächlich gut verglichen werden. Die Mikros klingen stark unterschiedlich. Wir konnten uns davon selbst einen Eindruck bei einem A/B-Vergleich machen.
    Die Auflösung ist bei allen KMS-Varianten gleich gut und es ist ein tolles Gesangsmikrofon für Bühne und Studio. Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein KMS 104(plus)/105 zuzulegen, sollte aber tatsächlich alle drei Versionen ordern und in Ruhe im Proberaum oder auf der Bühne vergleichen, denn in meinen Ohren ist der Unterschied schon sehr deutlich zu hören und die Gefahr groß, dass man das Geld in die „falsche“ Version investiert.

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      Armin Bauer  RED

      Hallo Markus,
      diesmal gebe ich dir Recht, Soundbeispiele wären schön gewesen und hätten bei der unterschiedlichen Auslegung der Mikros auch Sinn gemacht. So wie ich den Test aufgebaut habe, wäre es aber nur fair gewesen, wenn jedes Mikro seine Stärken hätte aufzeigen können, d.h. ich hätte drei Sänger/innen gebraucht, das hätte den Test a) zeitlich verzögert und b) deutlich den Etat gesprengt.
      Zum KSM 104/plus kann ich wenig sagen, das hatte ich nicht hier, Neumann selbst bezeichnet die Bassanhebung der Plus-Variante als für Frauen besonders geeignet.

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        Markus Galla  RED

        Hi,

        das ist der Grund, weshalb ich das hier angemerkt habe. Ich kannte das KMS 104 und dachte deshalb auch, dass das KMS 104plus eine runde Sache wäre. Die Bassanhebung ist allerdings recht stark und setzt schon in den Tiefmitten ein. Das hat zur Folge, dass ich oft einen steilen LoCut bei 150-180Hz setzen muss oder den Abstand zum Mic vergrößern, damit es nicht zu viel wird. Bei einer Männerstimme hingegen verleiht diese Anhebung eine enorme Größe, viel Volumen eben. Deshalb kann es da genau richtig sein. Wenn man sich nicht so gut auskennt, würde man aufgrund der Neumann Präsentation auch vermuten, dass das KMS 105 kaum anders klingt. Schaut man sich dann den Frequenzgang an, sieht man schon, dass es klanglich doch anders gelagert ist. Man sollte deshalb alle drei Varianten für sich betrachten, wobei sich das 104 und 104plus wesentlich näher sind als 104(plus) und 105.

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    Resonanzer

    Ich habe viele Jahre über ein Sennheiser MD 431 II Profipower gesungen und dieses ging mir kaputt ( nicht richtig kaputt. – Schalter zickt ab und zu) war eigentlich sehr zufrieden mit dem Teil und dachte mir das gleiche wieder zu kaufen. Dann las ich Netz das die neuen nicht so gut klingen wie die alten ( vor 8 Jahren ) . Nun gut, könnte ja mal was anderes sein ! Die 3 genannten bei Thomann in Treppendorf in proffesioneller Umgebung antestbar. Liebäugelte eigentlich mit dem Neumann , habe dann aber doch das Shure gekauft.
    Neumann: Sehr klasklarer Sound, Mittenbereich sehr ausgeprägt, druckvoller Sound , leider nur Superniere. Absolutes Minus – Popgeräusche in der Hand sehr ausgeprägt.
    Sennheiser e965 – Klingt ähnlich dem MD 431 guter Popschutz – Bassbereich sehr ausgeprägt – nicht schlecht, aber schaun bzw. Hörn wir mal zum Shure
    DAS ist es kräftig ! Kräftig im Mitten und Bassbereich
    Einfach ausgewogen. Fast keine Popgeräusche (Hand)
    Schaltbar Niere-Superniere
    Gefällt mir am besten – Gekauft ( wenn auch teuersten)

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