Vergleichstest: Neumann KMS 105, Sennheiser e965, Shure KSM9, Kondensatormikrofone

Zusammenfassung

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein Besser/Schlechter gibt es bei diesem Test nicht. Alle drei Produkte liefern eine prima Performance, die sich aber hinsichtlich des Verwendungszwecks unterscheidet.

Das Sennheiser hat einen schönen, warmen Klang, der die Stimme groß macht. Die Vorzüge sind die umschaltbare Charakteristik, LoCut und Pad. So lässt sich das Mikrofon gut den Gegebenheiten anpassen. Eingeschränkt ist der Besprechabstand, deshalb sehe ich das Mikro entweder in der Hand eines in dieser Hinsicht geschulten Sängers/in oder aber fest auf einem Stativ in jazziger Umgebung. Auch bei Vorführungen, wo gerne eine Großmembran (ist das e965 ja auch) eingesetzt wird, wie klassische Konzerte mit Klavier/Gesang oder etwas Richtung Max Raabe kann ich mir das Sennheiser e965 glänzend vorstellen.

Das Neumann KMS 105 ist so etwas wie der Klassiker moderner Kondensator-Gesangsmikrofone. Der Klang ist dynamisch, schön crisp und präsent und lässt sich hervorragend mit dem Besprechabstand formen. Leider kommt der Tiefmittenbereich etwas zu kurz. Dies hat auch die Firma Neumann erkannt und bietet das Nieren-Pendant KSM 104 nun in einer „plus“ Version mit verstärkten Tiefbereich an. Ein KSM 105 plus ist noch nicht angekündigt, es sollte mich aber nicht wundern, wenn es erscheint. Das KSM 105 wird oft in Top40 Band und bei Jazz-Standards gesehen und genau da gehört es mit seiner Klangcharakteristik auch hin.

Das Shure KSM9 bietet die rockigste Performance des Trios. Dies schlägt sich einerseits im druckvollen Sound nieder, anderseits hat das Mikro einen sehr geringen Nahbesprecheffekt, so dass es wirklich mit Lippenkontakt besungen werden kann, ohne sich den Sound komplett zu vermatschen. Hinzu kommt, dass das KSM9 am Feedback unempfindlichsten im Test agiert. Hier also meine klare Empfehlung für lauteren Pop und Rockbands. Mit diesem Werkzeug kann sich der Gesang durchsetzen.

Fazit

Es ist schwierig, aus den drei Mikrofonen einen deutlichen Sieger auszumachen. Neumann, Sennheiser und Shure haben hier jeweils unterschiedliche Herangehensweisen für ein gutes Kondensator-Gesangsmikrofons gewählt und alle drei Konzepte führen zu einem guten Produkt.

Das universellste Mikrofon ist sicher das Shure KSM9, es ist aber gleichzeitig auch das teuerste. Platz zwei in der Universalität nimmt das Neumann KMS 105 ein, das Mikro mit dem höchsten Spezialisierungsfaktor ist das Sennheiser e965.

Deshalb gilt wie immer: Ein Mikrofon muss zur Stimme passen, deshalb unbedingt vor dem Kauf antesten.

Plus

  • Neumann KMS 105:
  • schöner, offener Sound
  • kaum Poppneigung
  • gut mit Abstand zu arbeiten
  • stabile und funktionale Transporttasche
  • -
  • Sennheiser e965:
  • großer Sound
  • Echtkondensator Doppelmembran
  • umschaltbare Charakteristik, LoCut, Pad
  • schwer und massiv
  • -
  • Shure KSM9:
  • druckvoller Sound
  • kaum Nahbesprech-Effekt
  • hohe Feedback-Festigkeit
  • umschaltbare Charakteristik

Minus

  • Neumann KMS 105:
  • etwas bassarm
  • -
  • Sennheiser e965:
  • liebloses Zubehör
  • -
  • Shure KSM9:
  • Näseln in der Nierencharakteristik

Preis

  • • Neumann KMS 105
  • UVP: 589,05 Euro
  • Straßenpreis: 499,- Euro
  • -
  • • Sennheiser e965
  • UVP: 593,81 Euro
  • Straßenpreis: 479,- Euro
  • -
  • • Shure KSM9
  • UVP: 610,- Euro
  • Straßenpreis: 549,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Lieber Armin, herzlichen Dank für diesen wunderbaren Test. Die möglichen und sinnvollen Einsatzbereiche zu berücksichtigen, ist eine hervorragende Methode. [Ich wünschte mir, dass auch manche Keys- und Synth-Liebhaber derart offen wären.]

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hallo MidiDino,

      vielen Dank für das Feedback, es ist immer schön, Rückmeldungen zu bekommen, so Positive erfreuen natürlich besonders.

      Grüße
      Armin

  2. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Ich finde ebenfalls, dass das ein schöner Testbericht ist und ein fairer Vergleich der Probanden. Natürlich hätte ich jetzt wieder mal gerne die Hörbeispiele (gerade bei einem Vergleich), aber da kann ich wohl lamentieren bis zum Web 3.0. Nebenbei sollte erwähnt werden, dass das KMS 104plus gar nicht zwingend als „Frauenvariante“ zu bezeichnen ist, sondern vielmehr einfach eine andere klangliche Ausprägung hat. Ganz im Gegenteil: ich habe damals für meine Frau extra das die das KMS 104plus gekauft, nur um dann festzustellen, dass es für eine Männerstimme viel besser geeignet ist und die „normale“ Variante ohne Bass-Anhebung besser für ihre Stimme funktioniert (Alt mit Ausrichtung auf Gospel, Rock, Soul). Das KMS 104 verfügt ohnehin schon eine deutliche Anhebung im Bass-Bereich durch den Nahbesprechungseffekt. Beim KMS 104plus beträgt diese bei 100 Hz satte 12dB im Vergleich zu 1 kHz. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass auch der Bereich von 100 – 500 Hz beim KMS 104plus stärker ausgeprägt ist. KMS 104 und 104plus unterscheiden sich von der Supernieren-Variante KMS 105 auch dahingehend, dass zwischen 2.5 und 10 kHz eine deutliche Anhebung mit einem Peak von 4dB bei ca. 8 kHz zu messen und zu hören ist, währen das KMS 105 erst ab ca. 7kHz eine steilere Anhebung mit einem Peak von mehr als 4dB weit oberhalb von 10 kHz besitzt und dann steil abfällt. Hier muss also tatsächlich gut verglichen werden. Die Mikros klingen stark unterschiedlich. Wir konnten uns davon selbst einen Eindruck bei einem A/B-Vergleich machen.
    Die Auflösung ist bei allen KMS-Varianten gleich gut und es ist ein tolles Gesangsmikrofon für Bühne und Studio. Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein KMS 104(plus)/105 zuzulegen, sollte aber tatsächlich alle drei Versionen ordern und in Ruhe im Proberaum oder auf der Bühne vergleichen, denn in meinen Ohren ist der Unterschied schon sehr deutlich zu hören und die Gefahr groß, dass man das Geld in die „falsche“ Version investiert.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hallo Markus,
      diesmal gebe ich dir Recht, Soundbeispiele wären schön gewesen und hätten bei der unterschiedlichen Auslegung der Mikros auch Sinn gemacht. So wie ich den Test aufgebaut habe, wäre es aber nur fair gewesen, wenn jedes Mikro seine Stärken hätte aufzeigen können, d.h. ich hätte drei Sänger/innen gebraucht, das hätte den Test a) zeitlich verzögert und b) deutlich den Etat gesprengt.
      Zum KSM 104/plus kann ich wenig sagen, das hatte ich nicht hier, Neumann selbst bezeichnet die Bassanhebung der Plus-Variante als für Frauen besonders geeignet.

      • Profilbild
        Markus Galla  RED

        Hi,

        das ist der Grund, weshalb ich das hier angemerkt habe. Ich kannte das KMS 104 und dachte deshalb auch, dass das KMS 104plus eine runde Sache wäre. Die Bassanhebung ist allerdings recht stark und setzt schon in den Tiefmitten ein. Das hat zur Folge, dass ich oft einen steilen LoCut bei 150-180Hz setzen muss oder den Abstand zum Mic vergrößern, damit es nicht zu viel wird. Bei einer Männerstimme hingegen verleiht diese Anhebung eine enorme Größe, viel Volumen eben. Deshalb kann es da genau richtig sein. Wenn man sich nicht so gut auskennt, würde man aufgrund der Neumann Präsentation auch vermuten, dass das KMS 105 kaum anders klingt. Schaut man sich dann den Frequenzgang an, sieht man schon, dass es klanglich doch anders gelagert ist. Man sollte deshalb alle drei Varianten für sich betrachten, wobei sich das 104 und 104plus wesentlich näher sind als 104(plus) und 105.

  3. Profilbild
    Resonanzer

    Ich habe viele Jahre über ein Sennheiser MD 431 II Profipower gesungen und dieses ging mir kaputt ( nicht richtig kaputt. – Schalter zickt ab und zu) war eigentlich sehr zufrieden mit dem Teil und dachte mir das gleiche wieder zu kaufen. Dann las ich Netz das die neuen nicht so gut klingen wie die alten ( vor 8 Jahren ) . Nun gut, könnte ja mal was anderes sein ! Die 3 genannten bei Thomann in Treppendorf in proffesioneller Umgebung antestbar. Liebäugelte eigentlich mit dem Neumann , habe dann aber doch das Shure gekauft.
    Neumann: Sehr klasklarer Sound, Mittenbereich sehr ausgeprägt, druckvoller Sound , leider nur Superniere. Absolutes Minus – Popgeräusche in der Hand sehr ausgeprägt.
    Sennheiser e965 – Klingt ähnlich dem MD 431 guter Popschutz – Bassbereich sehr ausgeprägt – nicht schlecht, aber schaun bzw. Hörn wir mal zum Shure
    DAS ist es kräftig ! Kräftig im Mitten und Bassbereich
    Einfach ausgewogen. Fast keine Popgeräusche (Hand)
    Schaltbar Niere-Superniere
    Gefällt mir am besten – Gekauft ( wenn auch teuersten)

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