Vergleichstest: Olympus LS-P2, Roland R-05, Tascam DR-40, Zoom H4n SP, Mobile Recorder

16. Mai 2016

Kompakt und preiswert - vier Mobile Recorder

Als vor fast zehn Jahren die ersten mobilen Recorder auf den Markt kamen, galten sie noch als echte Exoten. „Speicherkarten-Aufnahmegerät“ hießen die bei Stiftung Warentest dann auch noch reichlich ungelenk. Was mich an die „Strom-Gitarren“ erinnert, die für meine Oma das Ende der abendländischen Kultur bedeuteten. Inzwischen gehören die mobilen Recorder zum Alltag – und das Angebot ist fast schon unübersichtlich groß geworden. Um die Entscheidungsfindung bei einem eventuell anstehenden Kauf zu erleichtern, haben wir vier Kandidaten aus der Liga „handlich und preiswerter als 200,- Euro“ getestet: Olympus LS-P2, Roland R-05 , Tascam DR-40 und Zoom H4n SP. Dabei kam es mir als Radio-Journalisten weniger auf technische Höchstleistungen an, sondern in erster Linie auf Praxistauglichkeit und – wenn möglich – sendetaugliche Recording-Ergebnisse. Schauen wir mal, wer am Ende die Nase vorn hat.

Vergleichstest-Mobile-Recorder-2

Ausgepackt

Da liegen sie nun also: vier originalverpackte mobile Recorder. Machen wir es wie an Heiligabend und packen zuerst das mit Abstand kleinste Paket aus, den Olympus. Ich bin neugierig: Ist das Gerät selber so klein oder liegt es am geringen Lieferumfang, dass der Karton zwischen denen der Konkurrenz fast untergeht? Überraschung: Der LS-P2 ist mit rund 11x4x1,5 cm nicht klein, sondern wirklich winzig. Gerade mal 75 g bringt er auf die Waage, trotz Metallgehäuse – und das inklusive AAA-Akku. Der ist ebenso mit dabei wie ein dickes, 24-sprachiges Handbuch. Eine Speicherkarte gibt’s dagegen nicht. Was auf den ersten Blick aber nicht so dramatisch ist, weil der LS-P2 selber schon 8 GB-Flashspeicher an Bord hat. Genau wie einen versenkbaren USB-Stecker. Eigentlich eine gute Idee, doch in der Praxis braucht man da doch meist ein Kabel. Das Gehäuse ist einfach zu groß für die meisten USB-Steckplätze. Ebenfalls noch mit dabei, ein Plastik-Adapter, um die rückseitige kleine Bohrung auf stativgeeignete Normalgröße zu bringen. Das war es aber auch schon wieder. Opulent geht anders, aber ist ok.

Sparsam: Olympus LS-P2

Sparsam: Olympus LS-P2

Da hat der Roland R-05 schon mehr zu bieten: Neben einem USB-Kabel und einer 4 GB SD-Speicherkarte (ok, das bringt der Olympus ja von Haus aus mit) gibt’s zwei AA-Batterien, eine Kurzanleitung UND ein dickes, englisches Handbuch plus einen Windschutz. Gefällt mir. Mit rund 10x6x2,5 cm und einem Gewicht von 140 g ist der Roland deutlich schwerer und voluminöser als der Olympus. Was auch am stabilen Metallgehäuse liegt.

Als einziger mit Windschutz: Roland R-05

Als einziger mit Windschutz: Roland R-05

Aber nicht im Vergleich zum Tascam DR-40. Der ist mit seinen 15,5x7x3,5 cm und 285 g Gewicht ein echter „Brecher“ – und nur für größere Jackentaschen geeignet. Dazu passen dann auch die drei mitgelieferten AA-Batterien; der Strombedarf scheint hier deutlich höher zu sein als bei den anderen Geräten. Eine 4 GB Micro-SD-Karte steckt bereits – samt Adapter – im SD-Schacht, ein USB-Kabel ist ebenfalls mit dabei. Dazu kommt noch ein ominöser, sehr kleiner „Tilt Foot“, der laut Beschreibung für eine „schräge Aufstellung“ gedacht ist.

Tascam DR-40

Tascam DR-40

Bleibt noch der Zoom-H4n SP, dessen Verpackung mit Abstand am schwersten ist. Sind da Steine drin? Nein – nur drei Handbücher (deutsch, englisch, französisch), jedes 150 Seiten schwer. Da dürften dann keine Fragen mehr offen bleiben, feine Sache. Weniger fein ist, dass Zoom bei der Speicherkarte geknausert hat und keine mitliefert, na klasse. Immerhin ist ein praktisches Kunststoff-Schutzcase (im Butterbrotdosen-Design) mit dabei plus Download-Codes für Cubase LE und Wavelab LE. Angetrieben wird der Zoom von zwei AA-Batterien. Der ist mit 280 g der schwerste Kandidat im Rennen – und mit seinen Abmessungen von 15,6x7x3,5 cm auch der Größte.

Mit Case, Cubase- und Wavelab LE: Zoom H4n SP

Mit Case, Cubase- und Wavelab LE: Zoom H4n SP

Klangbeispiele
Forum
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    Dalai Galama  

    Noch zwei Ergänzungen zum Tascam: Das Gerät akzeptiert SDXC-Cards bis 128 GB. Und man kann es ebenfalls als Cardreader verwenden.

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    AMAZONA Archiv

    Der Test kommt gerade wie gerufen! Vielen Dank.
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    Seit ich für mein Musikmagazin Flächenklang auch Interviews fürs Webradio mache, suche ich einen Ersatz für mein iPhone als Aufnahmegerät. Was mich am iPhone überrascht hat, war die Fähigkeit die Sprache aus den Umgebungsgeräuschen herauszuarbeiten. Ich habe z. B. im vollen Foyer des Planetariums Bochum an einem Stehtisch ein Interview mit 3 Musikern gemacht, und die sind gut zu verstehen, während der Hintergrund im, äh … Hintergrund bleibt. Auch heftiges Aufsetzen von Gegenständen auf den Tisch waren dem darauf liegenden iPhone keine Erwähnung wert.
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    Allerdings zeichnet das iPhone 4S nur mono auf, und die Sprachqualität musste für eine Radiosendung dann doch mit dem Eventide Ultrachannel in Logic noch deutlich bearbeitet werden.
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    Seither suche ich einen Recorder, der nicht jedes kleinste Nebengeräusch gleichwertig wie die Sprache registriert. Vielleicht kennst du die Experimente mit einem Cassettenrecorder in einer Schulklasse? Vom Unterricht bekommt man auf der Aufnahme nichts mit, weil der Raum voller extrem lauter Nebengeräuschen ist.
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    Wie verhält sich das bei den hier beschriebenen Kandidaten? Ansonsten ist wohl der Roland mein Favorit, oder der Tascam …

    • Profilbild
      mdesign  

      die in den recordern verbauten mikrophone sind für interviewzwecke von der richtcharakteristik alle nicht optimal, da zu räumlich, da helfen auch elektronische tricks nicht wirklich.

      ich würde dir ein separates richtmikro empfehlen, das du dann an einen der recorder oder auch an dein iPhone anschließt.

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    Franz Walsch  AHU

    Ich habe mich für den Tascam DR-40 entschieden. Dazu ein paar Anmerkungen. Der Recorder hat weder eine XY- noch eine echte A/B- Ausrichtung (wie häufig auch bei anderen Modellen behauptet), sondern irgendetwas »dazwischen«. Aber dafür lassen sich beide Kapseln unabhänig und experimental stufenlos ausrichten. Das kann zu schönen Audioeffekten führen. Außerdem gibt es ein großes zusätzliches externes Batteriefach »Tascam BP-6AA«. Als Windschutz passt der ZOOM WSU-1 in beiden Ausrichtungen und ist aufgrund der hohen Windempfindlichkeit ein muss. Aufpassen muss man mit den XLR-Kabeln. Ein preiswertes Kabel blieb bei mir stecken und ich konnte es erst durch erheblichen Kraftaufwand wieder lösen. Seither benutze ich nur noch Neutrik-Stecker. Für mich war der Klang und das BWF-Format kaufentscheidend.

  4. Profilbild
    mdesign  

    möchte hier meinen zoom H1 noch anfügen. ist zwar etwas plastikmäßig, dafür kostet er unter eur 100. sound ist okay, externes mikro kann angeschlossen werden. für viele einsätze unterwegs durchaus ausreichend. mir hat er bei video-aufnahmen als (durchlaufender) recorder für bühne oder atmos gute dienste geleistet.

    • Profilbild
      costello  RED

      Ich besitze auch ein Zoom H1 und der Sound ist – vor allem im Verhältnis zum Preis – ziemlich gut. Allerdings ist es anfällig für Griffgeräusche und wirklich etwas plastikmäßig. Beim Einsetzen der Batterie brachen gleich zwei Kunststoffnippel ab.

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    Vati  

    Zwei Oldies gegen ein 2014 Modell und ein aktuelles. Die Innovationsfreudigkeit der Teilnehmer hält sich in engen Grenzen. Der einzige Lichtblick ist da der Olympus Recorder mit Bluetooth, App-Fernbedienung und 3. Mikrofon mit Kugelcharakteristik (Leider nur ein/aus schaltbar). Die anderen glänzen z.B. mit Kabelfernbedienung. Mal schnell eine Aufnahme aufs Handy schicken oder über WLAN ins Netz. Fehlanzeige! Kaum zu glauben im Jahr 2016. Die Baugrösse ist auch ein Beleg für den Entwicklungsstand von 2011.
    Vielleicht wird sich mal ein Smartphone Hersteller erbarmen und zeigen, was heute möglich ist.

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    DJ Ronny  

    Ein sehr interessanter Bericht. Das einzige, was mich stört ist, dass die Lieferung mit Handbuch als positiv bewertet wird. Hallo Umwelt, viel wichtiger ist meiner Meinung nach, ein Handbuch das als PDF in mehreren gängigen Sprachen zur Verfügung steht. Aufs Handy geladen und du hast es immer mit. Wer schleppt schon so ein Buch mit, noch in 3 Sprachen?

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    Stephan Merk  RED 1

    Ich hatte das Glück, vor Erscheinen bereits ein Exemplar des LS-P2 in Händen zu halten und konnte es mit anderen Recordern vergleichen. Dabei unterlag der LS-14 vor Allem beim schlechteren zentralen Mikrofon. Weiterhin ist Voice Guidence ein Feature, dass Olympus‘ Bemühungen im Bereich blinder und sehbehinderter Anwender zeigt, das vorgestern auf der Sight City in Frankfurt präsentierte DM-770 ist dem LS-P2 sehr ähnlich, spricht auch noch mehr. Zudem gibt es speziell für den LS-P2 eine gesprochene Anleitung als Download, die speziell für blinde und sehbehinderte Anwender entwickelt wurde. Auch sei der interne USB-A-Anschluss erwähnt, ein Wunsch vieler Olympus-User.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED 1

      Eine Ergänzung noch zum LS-P2 und Interviews: Wir haben inzwischen festgestellt, dass die Zoom-Einstellungen des LS-P2 im Vergleich zu älteren Modellen wie LS-3 deutlich verbessert wurden. Das Zentrum wird vordergründig und der Hintergrund teils deutlich zurückgestellt. Zoom 5 eignet sich gut für das direkte Besprechen und hat ein enges Stereobild. In der akustischen Bedienungsanleitung gibt es ein Beispiel einer Reportage-Situation am Frankfurter Hauptbahnhof, bei der die Stimme klar im Vordergrund ist. Ich finde bei Sprachaufnahmen in unruhigen Umgebungen Stereoaufnahmen generell zu unruhig und das lenkt auch die Aufmerksamkeit ab, das hat Olympus ganz gut gelöst. Übrigens kommt man mit einer Batterie auch gut über den Tag, notfalls ist schnell eine AAA-Zelle am Kiosk gekauft oder als Ersatz eingesteckt. Große Akkupacks kann man sich da echt sparen.

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