Plug-ins einmal anders
In unserem Vergleich der Plug-in-Hosts Blue Cat Audio Patchwork, DDMF Meta Plug-in, Audioström LiveProfessor 2 stellen wir euch Apps bzw. Plug-ins vor, in denen ihr ganze Signalketten von Instrumenten- und Effekt-Plug-ins zusammenstellen könnt. Der Einsatzbereich reicht vom Sounddesign bis zur Erstellung einer ganzen Bühnenshow.
Worum geht es?
- Vergleich: Der Artikel vergleicht die Plug-in-Hosts Blue Cat Audio Patchwork, DDMF Meta Plug-in und Audioström LiveProfessor 2.
- Einsatz: Die Tools dienen zum Kombinieren von Instrumenten- und Effekt-Plug-ins zu komplexen Signalketten.
- Unterschiede: Die drei Programme unterscheiden sich deutlich in Aufbau, Routing-Architektur und Einsatzgebiet von Studio bis Live-Bühne.
- Fazit: Je nach Anwendung bieten alle Hosts starke Lösungen ohne klaren Gesamtsieger.
Inhaltsverzeichnis
Testkandidaten: Blue Cat Audio Patchwork, DDMF Meta Plug-In, Audioström LiveProfessor 2
Bei der Auswahl wollten wir ein möglichst großes Spektrum einfangen, deswegen unterscheiden sich alle Testkandidaten auch ein wenig in ihrer Ausführung und damit auch ihrem Einsatzgebiet.
- Blue Cat Audio Patchwork: Plug-in-Host sowohl als Standalone, als auch als DAW-Plug-in, arbeitet mit Signalketten.
- DDMF Meta Plug-In: Plug-in-Host ausschließlich als DAW-Plug-In, Plug-ins können modular verkabelt werden.
- Audioström LiveProfessor 2: Plug-in-Host ausschließlich als Standalone, arbeitet mit Signalketten mit vielen Extras für Live-Vorführungen jeder Art.
Allen gemein ist die Möglichkeit, unabhängig von einer DAW Plug-in-Instrumente und -Effekte zu einer Signalkette zusammenzufassen. Das kann innerhalb einer DAW für Sounddesign und das Zusammenstellen von ganzen Synth-Stacks nützlich sein. Außerhalb der DAW, also als Standalone, dient es zur Zusammenstellung von Live-Sets für Bands oder Veranstaltungen. Gerade Audioström LiveProfessor 2 hat hier die Nase vorn, wie wir noch sehen werden.
Installation der Plug-in-Hosts Blue Cat Audio Patchwork, DDMF Meta Plug-In Meta Plug-in, Audioström LiveProfessor 2
Keines der Programme hat einen Kopierschutz eines Drittanbieters (wie bpsw. iLok) und alle werden über ein einfaches Lizenzschlüsselverfahren freigeschaltet. Blue Cat Audio Patchwork hat dabei die Eigenheit, dass ihr die Demoversion nicht freischalten könnt, sondern nach dem Kauf einen separaten Installer der Vollversion herunterladen müsst. Audioström LiveProfessor 2 wird euch als portable „.app“ bzw. „.exe“ geliefert, die ihr einfach in euren Programmordner kopiert. In allen drei Fällen war die Installation einfach und zügig.
Die Systemvoraussetzungen für die Plug-in Hosts Blue Cat Audio Patchwork, DDMF Meta Plug-in und Audioström LiveProfessor 2 sind unterschiedlich und reichen im Fall von DDMF Meta Plug-in und Blue Cat Audio Patchwork sogar recht weit zurück in vergangene Betriebssysteme.
Blue Cat Audio Patchwork
- Windows 7, 32 Bit/64 Bit oder höher
- macOS 10.9 oder höher
DDMF Meta Plug-in
- Windows 7, 32 Bit/64 Bit oder höher
- macOS 10.13 oder höher
Audioström LiveProfessor 2
- Windows 7, 64 Bit oder höher
- macOS 11.5 oder höher
Interessant ist, dass die Programme allesamt bis Windows 7 kompatibel sind. Die Anleitung jedes Programms liegt als PDF-Datei vor.
Schauen wir uns nun der Reihe nach an, was die Plug-in-Hosts Blue Cat Audio Patchwork, DDMF Meta Plug-on und Audioström LiveProfessor 2 zu leisten imstande sind.
Blue Cat Audio Patchwork
Beim Start werdet ihr von der Oberfläche mit einem 4×4-Gitter begrüßt. Die Voreinstellung mit einer 100 %-Skalierung stellt viele Symbole sehr klein dar, zum Glück kann die Skalierung von 70 % bis 200 % in 10 %-Schritten verstellt werden.
Auf den ersten Blick erschienen mir die Plätze für Plug-ins recht begrenzt. Ihr habt aber die Möglichkeit, Blue Cat Audio Patchwork auf ein 8×8-Gitter zu erweitern – das sollte ausreichend Platz für komplexe Plug-in-Setups bieten. Bei den Mitbewerbern gibt es so eine Einschränkung allerdings nicht, dort entschiedet allein die Rechenleistung, wann Schluss ist.
Blue Cat Audio Patchwork verzichtet als einziger der Plug-in-Hosts auf einen Scan eurer Plug-in-Ordner. Das hat den Vorteil, dass es schnell startet und den Nachteil, dass ihr die .dll oder VST-/AU-Komponenten händisch über ein Dateimenü aussuchen müsst.
Blue Cat Audio Patchwork besteht in der Grundansicht aus drei Bereichen: Pre-, Post- und Parallel-Chains. Dabei ist es prinzipiell egal, ob ihr hier Instrumente oder Effekte einsetzt. Für DAWs, die einen Unterschied zwischen diesen beiden Plug-in-Arten machen, gibt es auch zwei Plug-in-Varianten (Effekt bzw. Instrument) von Blue Cat Audio Patchwork.
Der Pre- und der Post-Kanal arbeiten seriell, also könnt ihr hier zwar ein Instrument an erster Stelle setzen, aber ein weiteres Instrument an der zweiten Stelle überschreibt das erste sozusagen. Hier ist eher eine Effektkette einzusetzen, deren Ausgang an allen Spots der Parallel-Chains anliegt.
Wollt ihr Instrumenten-Stacks bauen, so geschieht das in den Parallel-Chains. Ihr könnt so bis zu acht Plug-in-Instrumente gleichzeitig ansprechen. Je nach gewählter Gittergröße könnt ihr dann auch mehrere Effekte dahinter schalten.
Alle parallelen Chains münden schließlich in der Post-Chain, die wieder seriell zu Werke geht. Pre- und Post-Chains könnt ihr auch als Ganzes als Preset speichern. Diese findet ihr dann im Drop-down-Menü an der entsprechenden Stelle. Zur Speicherung aller Einstellungen habt ihr im oberen Bereich eine Ansicht und ihr könnt eine Preset-Ansicht ausklappen, in der ihr auch suchen könnt.
Ihr habt die Möglichkeit, jederzeit die Gesamte-Kette parallel zum Eingangssignal zu mischen, was sich natürlich u. a. für Kompression im „New York“-Stil anbietet.
Blue Cat Audio Patchwork bietet euch außerdem eine ganze Batterie an 25 guten Standardeffekten wie Kompressor und Reverb, was natürlich einen Mehrwert darstellt.
Die Hauptelemente der Oberfläche, wie eben diese Mix-Einstellung aber auch Lautstärkeeinstellungen der einzelnen Plug-ins könnt ihr automatisieren und über eine integrierte MIDI-Learn-Funktion steuern.
Richtig interessant wird es bei den Makro-Zuweisungen. Wenn ein Plug-in einen Parameter zur Verfügung stellt, könnt ihr ihn auch über die interne Makro-Funktion zuweisen. Mit nur einem Regler könnt ihr dann mehrere Plug-in-Einstellungen gleichzeitig verstellen – und diese Makro-Regler könnt ihr dann auch wieder über die DAW automatisieren oder per MIDI-Learn mit einem Hardware-Controller steuern.
Falls euch mal unklar sein sollte, was eine Funktion macht, könnt ihr einfach mit der Maus darüber zeigen. Dann wird entweder ein Tool-Tip oder der Parameter-Name angezeigt.
Die Bedienung von Blue Cat Audio Patchwork gestaltet sich sehr einfach und intuitiv, wenn ihr erstmal den Signalfluss verstanden habt. Die Makros sind auch schnell zugewiesen und Lautstärkeverhältnisse könnt ihr gleich auf der Oberfläche einstellen, ohne das Plug-in-Fenster aufrufen zu müssen. Presets zwischen Standalone- und Plug-in-Version sind austauschbar. Eine 32 Bit/64 Bit-Bridge-Funktion bietet die Software nicht.
DDMF Meta Plug-in
Dieser Plug-in-Host ist ausschließlich als Plug-in für die DAW erhältlich und ermöglicht euch einen modularen Zugang bei der Zusammenstellung von Plug-ins.
Beim ersten Aufrufen müsst ihr angeben, welche Plug-in-Ordner ihr scannen wollt. Das Validieren dauert ein wenig und eventuell fragen einige Plug-ins nach Pfad-Angaben oder ähnlichem. Dann stehen euch die Plug-ins in der linken Seitenleiste zur Verfügung. Von hier aus zieht ihr diese ins Patch-Fenster von DDMF Meta Plug-in, wo sie dann als Blöcke mit MIDI-Leitungen (rot) und Audio-Leitungen (blau) dargestellt werden.
Eingänge sind immer oben, Ausgänge immer unten am Plug-in-Symbol angebracht. Audio- und MIDI-Verbindungen kommen dabei von der Spur in der DAW, in der ihr DDMF Meta Plug-in eingefügt habt. Der Audio-Input bietet dabei einen zweiten Stereo-Eingang, den ihr als Sidechain für Kompressoren oder Ähnliches nutzen könnt. Die Strippen finden leicht ihr Ziel und auch eine Neuverkabelung ist nicht fummelig, obwohl die Ansicht etwas klein ist. Ihr könnt zwar die Arbeitsfläche vergrößern, jedoch nicht die Zoom-Ansicht des Patches an sich.
DDMF Meta Plug-in bietet eine Parameter-Map, mit der ihr bis zu 256 Parameter von Plug-ins innerhalb des Plug-in-Hosts an die DAW weitergeben könnt. Von dort aus habt ihr dann je nach DAW die Option, Parameter-Automationen oder MIDI-Learn einzusetzen. Das Ganze ist leider etwas umständlich, da ihr für die Auswahl ein Drop-down-Menü aller Parameter eines Plug-ins gezeigt bekommt; mitunter haben diese Hunderte Einträge, was die Suche nach dem richtigen Parameter mühsam gestaltet.

DDMF Meta Plug-in – Uüber die Parameter-Map können einzelne Parameter der Plug-ins ferngesteuert werden
Was diesen Plug-in-Host interessant macht, ist natürlich erstens die modulare Herangehensweise, zweitens die integrierten Plug-ins, die alle als Helfer beim Routing dienen. So gibt es einfache Mixer, aber auch welche mit einem X/Y-Feld als Steuerung.
Crossfader sind ebenso vorhanden wie MidSide-Umwandler. Am besten hat mir hier der Crossover gefallen, der das Audiosignal in vier frei wählbare Frequenzbänder zur weiteren Verarbeitung aufteilt. Ein Function-Modul erlaubt das manuelle Eintragen von DSP-Formeln, so könnt ihr einfache Mixer, aber auch Obertonerzeuger erstellen.
Ihr könnt eine Plug-in-Delay Kompensation aktivieren und auch für alle Plug-ins ein Oversampling, sogar getrennt für den Realtime- und den Offline-Modus einstellen.
Eure Presets werde einfach auf der linken Seite angezeigt und es sollte eigentlich die Möglichkeit bestehen, auch Kategorien anlegen zu können. Bei meiner Installation funktionierte das leider nicht so recht. Ihr habt pro Preset zwei Arbeitsflächen, die ihr mit einem A/B-Schalter umschalten könnt. Alle Strippen und Module können in den beiden Ansichten unterschiedliche sein. Hervorragend, um etwas auszuprobieren, ohne Gefahr zu laufen, das Patch zu zerstören.
DDMF Meta Plug-in sehe ich am ehesten als Klanglabor, eben wegen der Helfermodule, die sich zwischen die Plug-ins klemmen. Mit der entsprechenden Kreativität können so wirklich einzigartige Klangkreationen entstehen. Leider gibt es keine eingebaute Makro-Funktion, so dass ihr dafür auf die Mittel eurer DAW angewiesen seid.
Eine kleines Schmankerl: MacSilicon-Rechner können über DDMF Meta Plug-in x64 (Intel)-Plug-ins hosten.
Audioström LiveProfessor 2
Das führt uns zu unserem letzen Kandidaten der Plug-in-Hosts: Audioström LiveProfessor 2. Audioström LiveProfessor 2 ist ausschließlich als Standalone-App konzipiert und kann wesentlich mehr in puncto Konfiguration und Handhabung.
Auch Audioström LiveProfessor 2 muss zunächst einen Scan aller Plug-ins vornehmen. Das Besondere ist hierbei, dass das Programm versucht, von jedem Plug-in einen Screenshot zu machen, so dass in ihr der Auswahl neben dem Namen auch die Oberfläche seht. Das ist eine tolle Idee, allerdings kooperiert hier nicht jedes Plug-in.
Audioström LiveProfessor 2 ist so mächtig, dass ich hier auch nur die Grundzüge anreißen mag, ansonsten müsste ein eigener Testbericht her.
Herzstück ist die Mittelsektion, an die sich rechts und links Listen und Funktionen reihen, die ihr auch alle herausholen könnt und als schwebende Fenster beliebig auf euren Bildschirmen positionieren könnt. In der Mittelsektion erzeugt ihr Signalketten. Jede Signalkette besteht aus einem oder mehreren Plug-ins und es können sowohl Instrumente als auch Effekte enthalten sein. Es kann aber immer nur ein Instrument pro Kette aktiv sein. Dennoch könnt ihr mehrere platzieren und durch Aktivieren nur eines Instruments bestimmen, welches angesteuert wird. Ihr könnt aber beliebig viele Signalketten anlegen.
Die Konfiguration von MIDI- und Audio-Routing nehmt ihr am Anfang der Kette vor, es gibt dafür auch eine Patch-Ansicht, die wesentlich übersichtlicher ist. Als Zugabe gibt es dann auch noch eine Routing-Matrix, die sich noch schneller bedienen lässt. Es gibt nicht nur Surround-Audio-Konfigurationen, es wurde auch an Ambisonics gedacht.
Jede Kette könnt ihr mit einem MIDI-Filter bearbeiten, um so Layer und Key-Zonen zu erzeugen. Es gibt auch eine eigene Abteilung, mit der ihr beliebige MIDI- oder OSC-Controller konfigurieren und konditionieren könnt. Im zweiten Schritt könnt ihr im Prinzip jede Aktion, die er mit einer Maus einstellen könnt, auch einem Controller zuordnen.
Eine besondere Stärke sind die Snapshot-Möglichkeiten von Audioström LiveProfessor 2 . Das fängt bei den per-Plug-in-Snapshots an. Jedem Plug-in in euren Signalkette könnt ihr Snapshots hinzufügen, diese werden angezeigt, wenn ihr dieses Plug-in ausgewählt habt und können per Klick oder Anweisung der Cue-List (dazu später mehr) aufgerufen werden. Außerdem könnt ihr diese Momentaufnahmen als Datei speichern.
Bleiben wir bei den Snapshots. Denn es gibt auch globale Snapshots, die die gesamte Konfiguration oder nur Teile davon speichern und aufrufbar machen. Diese können auch direkt von einem externen Trigger wie MIDI oder der eben der Cue-List aufgerufen werden. Das Geniale an diesen Snapshots ist, dass die Parameter eines Plug-ins nicht einfach wechseln, sondern sich graduell zum Zielpunkt ändern – so können tolle Übergänge geschaffen werden.
Bei den anderen Kandidaten Blue Cat Audio Patchwork und DDMF Meta Plug-in ist das nur über externe Tools der DAW (falls vorhanden) möglich.
Ihr könnt auch Aufnahmen von euren Workspaces machen, das heißt, wie ihr die gesamte Oberfläche inklusive Plug-in-Fenster und Seitenleisten konfiguriert habt. Auch diese könne über die Cue-Liste aufgerufen werden.
Nun müssen wir aber das mächtigste Tool ansprechen, das sind eben die Cue-Lists. Mit diesen könnt ihr alle möglichen Funktionen abrufen, mehr noch als die bereits angesprochenen. Es gibt auch noch Cues, die MIDI-oder OSC-Befehle senden, das Clock-Tempo ändern oder Audiodateien abfeuern können. Ihr könnt außerdem quasi jeden Aspekt von Audioström LiveProfessor 2 hier fernsteuern.
Ausgelöst werden diese z. B. über einen externen Controller. Ihr könnt diese aber auch von einem eingehenden Timecode triggern lassen – und hier genau tritt die zweifellose Bühnentauglichkeit hervor. Auch die Cues können mit Übergängen arbeiten oder zeitverzögert aufgerufen werden, wenn mehrere davon in einer Cue-Gruppe zusammengefasst sind.
Das alles ist noch nicht eimal die Hälfte, was Audioström LiveProfessor 2 zu leisten imstande ist und positioniert die App aber eindeutig im Live-Bühnen- und Live-Show-Bereich. Bis auf die Millisekunde können Events getimed werden.





















































Vielen Dank für den Überblick zu den drei Plugin-Hosts!
DDMF Meta Plug-in geht schon sehr in Richtung GigPerformer. Da wäre ja fast interessant, wer hier von wem die Ideen geklaut hat 😄. Ich persönlich würde hier ganz klar Gig Performer bevorzugen, wenn auch die primäre Anwendung eine andere ist (Stand-alone Host). Mit Hilfe des GP Relayer ist es möglich, Audio und Midi zwischen der DAW und Gig Performer auszutauschen. Im Vergleich zum DDMF Plugin lässt sich das dann aber nicht mit dem DAW-Projekt speichern.
In dem Beitrag könnte vielleicht eine kleine Abgrenzung zu Gig Performer, MainStage, Cantabile und ggf. auch Kushview Element ergänzt werden, das fände ich ganz interessant ☺️
@Dizzy DDMF Meta Plug-in 1 kam 2010 heraus, GigPerformer 1 erst 2016.
Das 4. bekannte Plugin wäre dann noch Pluginguru Unify 2. https://www.pluginguru.com/products/unify2/
Und ganz aktuell kommt Msh, das ist ein virtueller Modular-Synth ähnlich wie Bitwigs The Grid aber mit dem Vorteil, dass der auch VST3-Plugins läd. Könnte richtig großartig sein: https://msh.audio/