Vergleichstest: Reloop Beatmix 4 vs. Pioneer DDJ-SB2

1. September 2016

1 gegen 1 - wer gewinnt den Vergleich

Reloop Beatmix 4 versus Pioneer DDJ-SB2, der Nachfolger vom Pioneer DDJ-SB. Wer ist der bessere Controller?

Die beiden Konkurrenten haben vieles gemeinsam, ebenso aber auch einige Unterschiede. Da sich beide Geräte in ähnlicher Preisregion (220,- bis 300,- Euro) aufhalten, dürfte es interessant sein, welcher von beiden DJ-Controllern das bessere Gesamtpaket bietet.

Gemeinsamkeiten: Reloop Beatmix 4, Pioneer DDJ-SB2

Beide Geräte sind als reine Controller mit einem Main-Ausgang, einem Kopfhörerausgang und einem Mikrofoneingang konzipiert. Es können also keine Plattenspieler oder andere Zuspieler angeschlossen werden. Für das Einpegeln des Mikrofons steht jeweils ein Drehregler zur Verfügung. Beide haben berührungsempfindliche Jog-Wheels und sind als 4-Deck-Mixer konzipiert, d.h. man kann mit einem Button zwischen den beiden Decks auf einer Seite wählen. Es befinden sich jeweils acht Pads an einem Deck. Für das Browsen im Dateimenü gibt es Encoder mit Tasterfunktion. Auch die Master-Sektion ist bei beiden identisch und entspricht dem Standard (Master, Headphone, Cue-Mix). Alle EQ-Regler besitzen eine Einrastfunktion für die Nullstellung.

Reloop Beatmix 4 - Auch hinten sitzt alles zentral

Reloop Beatmix 4 – Auch hinten sitzt alles zentral.

Pioneer DDJ SB2 - Main Out ist auch seitlich angebracht

Pioneer DDJ-SB2 – Der Main Out ist auch seitlich angebracht.

Beide Controller sind vornehmlich für Serato konzipiert, funktionieren aber genauso gut mit jeder anderen DJ-Software. Für Virtual-DJ 8 z.B. gibt es bereits integrierte Mappings.

Mit Mac OS X können die Controller sofort betrieben werden (Core-Audio), für Windows stehen jeweils ASIO-Treiber zum Download bereit.

Verarbeitung: Reloop Beatmix 4, Pioneer DDJ-SB2

Beide Geräte sind komplett aus Kunststoff gefertigt. Dabei sind die Qualität und die Dicke des Materials in etwa gleich, mit leichten Vorteilen beim DDJ-SB2. Die Bedienelemente sind allesamt nicht mit der Frontplatte verschraubt und sitzen somit direkt auf der Platine. Bei einem Sturz oder einem quetschendem Ereignis in der Tasche kann dann durchaus mal Platine beeinträchtigt werden, was zu unvorhersehbaren Störfällen führen kann. Leider gibt es bei keinem der Controller integrierte Killswitches bei den EQs – das fand ich immer vorteilhaft beim Mischen.

Pioneer DDJ SB2 - Mixersektion

Pioneer DDJ-SB2 – Mixersektion

Reloop Beatmix 4 - Mixersektion

Reloop Beatmix 4 – Mixersektion

Die Drehregler haben jeweils einen einheitlichen Drehwiderstand, wobei die Potis beim SB2 ein wenig leichter laufen. Das gilt nicht für die Linefader: Diese gehen beim SB2 mit einem deutlichem Widerstand, der Beatmix 4 läuft da leichter in den Line-Kanälen, sodass auch schnellere Fader-Bewegungen möglich sind. Auch bei den Cross-Fadern gibt es diesen Unterschied, obwohl er hier nicht so gravierend ist. Mit beiden Cross-Fadern kann man schnell umgehen, jedoch lässt sich der des Beatmix 4 leichter „flitschen“, hat also einen noch geringeren Reibungswiderstand. Es gibt bei beiden keine direkte Einstellung der Crossfader-Kurve. Dies lässt sich nur in der Software bewerkstelligen.

Die großen Unterschiede

Der auffälligste Unterschied zeigt sich in der Anzahl der Controller-Kanäle und damit auch in der Gesamtgröße des Controllers. Bietet der DDJ-SB2 nur zwei Kanäle, die sich beide Decks teilen müssen, präsentiert sich der Beatmix 4 mit fünf Kanälen: einem Kanal für jedes Deck und noch einem zusätzlichen für die Sampler-Sektion. Beide haben acht große Pads, jedoch sind beim DDJ-SB2 nur vier davon als Trigger für Cue-Points und Loops einsetzbar – die restlichen vier dienen der Deck-Steuerung.

Reloop Beatmix 4 - der A-B-Pad-Mode

Reloop Beatmix 4 – der A-B-Pad-Mode

Über die vier kleinen und schmalen gummierten Taster wählt man beim SB2 die Funktion der vier Pads aus: Hot Cue, Auto Loop, Manual Loop und Sampler. Der Beatmix 4 besitzt hingegen zwei Pad-Modes: A und B. Im Pad-Mode A (blau beleuchtet) sind die oberen vier Pads für Hot-Cues gedacht und die unteren vier für die Autoloop-Funktion. Im Pad-Mode B (rot beleuchtet) werden durch die acht Pads, acht verschiedene Samples getriggert. Es gibt auch einen A/B-Pad-Mode, der durch gleichzeitiges Drücken der beiden Pad-Mode-Buttons aktiviert wird. Dann sind die oberen vier Pads wieder Hot-Cues, aber die unteren für das Abfeuern der ersten vier Samples zuständig.

Pioneer DDJ SB2 - Es stehen nut vier Pads für z.B. Hot-Cues zur Verfuegung

Pioneer DDJ SB2 – Es stehen nut vier Pads für z.B. Hot-Cues zur Verfügung.

Die Bedienung der FX-Sektion ist ebenfalls unterschiedlich gelöst. Beim DDJ-SB2 kann man drei Effekte per Knopfdruck aktivieren. Jedoch hat man dann nur einen Regler, um die Effekt-Parameter zu verstellen. Ein einzelner Effekt kann also nicht unabhängig von den anderen verstellt werden. Ganz anders beim Beatmix 4. Jeder Effekt hat einen Parameterregler. Aktiviert wird der Effekt, wenn sich der Regler aus der OFF-Zone heraus bewegt. Das ist ab der 9-Uhr Stellung der Fall.

Reloop Beatmix 4 - Jeder Effekt laesst sich einzeln aktivieren

Reloop Beatmix 4 – Jeder Effekt laesst sich einzeln aktivieren.

Pioneer DDJ SB2 - Die Effekte koennen nur gemeinsam verstellt werden

Pioneer DDJ-SB2 – Die Effekte können nur gemeinsam verstellt werden.

Der SB2 hat dagegen Besonderheiten in der EQ- und der Crossfade-Sektion. Es steht jedem Kanal unterhalb des Bassreglers noch eine LPF/HPF-Kombi zur Verfügung und der Crossfader kann über einen Button in den „Filter-Mode“ versetzt werden. Ist dieser aktiviert, so fadet nicht nur die Lautstärke aus, sondern es setzt auch ein HPF ein. Beides fehlt dem Beatmix 4.

Die kleineren Unterschiede

Die Jog-Wheels des Beatmix 4 sind größer und flacher als die des DDJ-SB2: 16 cm zu 13 cm. Um den Rand der Jog-Wheels des Beatmix 4 herum sind mehrere LEDs angebracht. Diese zeigen z.B. die abgelaufene Zeit des Tracks an oder geben Auskunft über die Einstellung der Loop-Funktion, die entsprechend visualisiert wird. So etwas gibt es beim SB2 nicht, dafür hat dieser jedoch in der Mitte des Mixers eine Pegelanzeige mit fünf Segmenten, die über den Pegel des gewählten Kanals informiert.

Reloop Beatmix 4 - Ein LED-Kranz zeigt Song- oder Looppositionen an

Reloop Beatmix 4 – Ein LED-Kranz zeigt Song- oder Looppositionen an.

Der Browser-Regler ist an verschiedenen Stellen platziert und unterscheidet sich in der Größe, wobei mir die Position zwischen EQ und Line-Fadern beim Beatmix 4 besser zusagt. Unterschiedlich groß sind auch die Pitch-Regler. Der Beatmix 4 hat hier 70 mm-Fader verbaut. Der SB2 hingegen 50 mm-Fader, die jedoch eine Mittenrasterung haben.

Reloop Beatmix 4 - laengerer Fader, keine Mitteneinrastung

Reloop Beatmix 4 – längerer Fader, keine Mitteneinrastung

Manchmal ist es eben eine Geschmacksfrage, wo die Anschlüsse eines Gerätes liegen. Wie eigentlich üblich, sind die Anschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon beim Beatmix 4 vorne. Das Pioneer-Gerät hat diese jedoch seitlich links platziert. Falls es aber nun ein Setup gibt, bei dem Plattenspieler doch eine Rolle spielen, ist das ein eher ungünstiger Ort.

Die Standfestigkeit des Beatmix 4 ist durch seine ca. sechs mal größeren Gummifüße wesentlich besser, vor allem auf glatten Oberflächen.

Der klangliche Unterschied zwischen Reloop Beatmix 4 und Pioneer DDJ-SB2

Gibt es einen Unterschied im Klang? Zunächst die Kopfhörerausgänge: Das bei Geräten dieser Preisklasse nun keine Premium-Kopfhörerverstärker zum Einsatz kommen, dürfte klar sein. Tatsächlich haben beide Controller ein deutlich wahrnehmbares Rauschen, auch im Leerlauf und bei herunter gedrehtem Phones-Regler.

Reloop Beatmix 4 - Wie ueblich, sind die Anschluesse vorne

Reloop Beatmix 4 – Wie üblich, sind die Anschluesse vorne.

Pioneer DDJ SB2 - Kopfhoerer- und Mic-Anschluesse liegen seitlich

Pioneer DDJ-SB2 – Kopfhörer- und Mic-Anschlüsse liegen seitlich.

Beim Masterausgang fällt auf, dass der Pioneer-Controller mehr Ausgangspegel, sowie eine andere Klangcharakteristik hat. Um den gleichen Pegel zu erreichen, den der DDJ-SB2 ausgibt, wenn der Masterregler auf der 12-Uhr-Position steht, muss man den Beatmix 4 Master schon ganz aufdrehen. Das heißt aber nicht, dass der DDJ-SB2 doppelt so laut klingt, jedoch steigt die Ausgangsspannung in der letzten Hälfte um 6 dB. Also eine Verdoppelung der Lautstärke und nicht der wahrgenommenen Lautheit (dafür sind in weiten Bereichen 10 dB nötig).

Reloop Beatmix 4 + Pioneer DDJ SB2 - Vergleichstest THD

Reloop Beatmix 4 + Pioneer DDJ-SB2 – Vergleichstest THD: weiß: Beatmix 4, grün: DDJ SB2

Sehr auffällig ist, dass der Beatmix 4 vielleicht ein bisschen weniger Rauschpegel hat, dafür neigen die eingebauten Wandler zu Verzerrungen. Was in der Abbildung deutlich zu erkennen ist; der Beatmix 4 erzeugt erheblich mehr harmonische Verzerrungen. Gerade die unangenehme dritte Harmonische tritt deutlich hervor. Und tatsächlich ist das auch klanglich wahrnehmbar. Bei gleicher Lautstärke klingt das Gesamtbild des DDJ SB2 einfach offener und damit auch potentiell druckvoller, da sich die einzelnen Frequenzen besser voneinander abheben. Der Musik wird einfach mehr Platz zum Atmen gelassen.

Reloop Beatmix 4 - einfach mehr im Griff

Reloop Beatmix 4 – einfach mehr im Griff

Fazit

Beide Geräte sind gute Mixer und halten zunächst was sie versprechen. Natürlich hat der Beatmix die Nase vorn, wenn er für‘s Vier-Deck-Mixing genutzt wird. Es ist einfach unglaublich viel übersichtlicher, wenn jedes Deck einen einzelnen Fader hat. Dazu kommt dann noch ein Extrakanal für die notorisch zu lauten Samples – das ist purer Mixgenuss.

Generell kann man sagen, dass aufgrund der Größe des Gerätes und der ausladenden Platzierung der Bedienelemente der Beatmix 4 die Nase in Sachen Performance vorne hat.

Auch für DJs, die gerne eine Songstruktur manipulieren, sind die größeren Pads des Beatmix einfach das bessere Instrument, zudem es ja acht Hot-Cues gibt. Beim Pioneer DDJ-SB2 sind es nur vier.

Die Steuerung der Effekte kann den ganz großen Unterschied für einige machen. Nur beim Beatmix 4 können diese unabhängig voneinander geregelt werden. Nicht zu verachten sind dann wiederum die LPF/HPF-Filter eines Mixkanals des SB2. Auch die Filter-Fade-Funktion ist praktisch, obwohl im Übergangspunkt des Cross-Fades eine Lücke im Bassbereich entsteht.

Bei den Jog-Wheels ist es sicher ein stückweit Geschmacksache, jedoch sind LEDs als Anzeigen für Loop- oder Songposition schon hilfreich beim Beatmix 4. Eine Pegelanzeige bietet jedoch nur der DDJ-SB2.

Klanglich übertrifft der Pioneer Controller den Beatmix 4 von Reloop. Erstmal kommt mehr Saft aus dem Gerät (und jeder weiß: Laut ist gut), zweitens klingt die Wiedergabe auf dem DDJ-SB2 dabei transparenter und präziser. Wenn es in diesem Test gegen den Beatmix 2 gegangen wäre (hat auch nur 2 Mixerkanalzüge plus einen für die Samples), stünde meine Einschätzung fest: Trotz kleinerer Einschränkungen (verkoppelte FX-Parameter, weniger Pads) würde ich zum SB2 greifen, gerade auch weil die Klangqualität hier besser ist. Beim Vergleich mit dem Beatmix 4, mit den beschriebenen Unterschieden, würde ich leicht zu diesem tendieren, wenn mir Vier-Deck-Mixing sehr am Herzen läge. Dann überwiegt die separate Kanalkontrolle, die FX-Bedienung und die Anzahl und Größe der Pads.

Plus

  • gute Klangqualität (Pioneer DDJ-SB2)
  • zusätzliche LPF/HPF-Filter und Filtermode für den Crossfader (Pioneer DDJ-SB2)
  • seperate FX-Regelung (Reloop Beatmix 4)
  • jedes Deck hat eine eigenn Line-Kanal (Reloop Beatmix 4)
  • große Pads (Reloop Beatmix 4)
  • 8 Hot-Cues etc (Reloop Beatmix 4)

Minus

  • FX nur zusammen verstellbar (Pioneer DDJ-SB2)
  • nur zwei Line-Kanäle Pioneer (Pioneer DDJ-SB2)
  • nur 4 Pads für Hot-Cues etc (Pioneer DDJ-SB2)
  • direkte Funktionsauswahl der Pads (Pioneer DDJ SB2)
  • im Vergleich schlechtere Klangqualität Reloop Beatmix 4
  • leiserer Main-Ausgang (ca. 6dB) Reloop Beatmix 4

Preis

  • Pioneer DDJ-SB2: Ladenpreis: 238,- Euro
  • Reloop Beatmix 4: Ladenpreis: 298,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    DJ Ronny  

    Danke für den Test und schön, dass du den Klang nicht nur subjektiv beurteilst , sondern auch etwas gemessen hast.
    MEin Fazit würde genau so ausfallen. Vieleicht kannst du mal so einen Test in der höheren Preisklasse machen, z.B. Denon/Pioneer/Numark.

  2. Profilbild
    chain  AHU

    Serato hat seine Mindestanforderungen auf: dual core 2,4ghz auf 4GB RAM erhöht. Ich habe da leider leaks. Wäre für einen Behringer CMD 4, in diesem Test, falls nicht serato only.
    Wie sind die Pitch Fader zu bewerten? Benötigt man diese noch, dank Auto sync ;)? Welches ist nun der bessere „Plattenteller“ – hoch und klein vs flach und groß? Danke

  3. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Hallo Chain.

    Pitchfader scheinen wirklich nur noch ein Relikt der Vergangenheit, aber jeder mixt anders. Natürlich kann man die auch umfunktionieren um z.B. weitere FX-Parameter zu steuern.

    Tja, die Platter sind wohl Geschmackssache. Die größeren, flachereren vom BM4 haben mir haptisch besser zugesagt.

    Cheers,
    TG

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