Vergleichstest: Stereo-Reverb-Pedale für Gitarre und Synthesizer

16. August 2020

Der ultimative Stereo-Vergleich: Hall-Pedale für Gitarre und Synthie

Klangvergleich Stereo-Reverb-Pedale für Gitarre und Synthesizer

Reverb ist und bleibt für viele eine der wichtigsten Garnituren des Sounds. Der traditionelle Schlusspunkt der Signalkette hebt das Signal in die passende atmosphärische Richtung, verleiht ihm Tiefe und Glaubwürdigkeit und setzt den Raum in Bezug zum Sound. Ob der Sound in einem engen Raum davonschießt und schnell abklingt oder man das Gefühl hat, das die Sequenz von einer weit entfernten Gebirgskette herunterkommt – das ist dem Reverb überlassen. Und das gilt für Gitarre sowie für den Synthesizer.

Speziell die Nutzung im Studio gebietet den Einsatz von Reverb-Pedalen mit Stereo-Ausgängen. Der Unterschied, den die zweifache Speisung des Signals ausmacht und die Flexibilität des klanglichen Panoramas können für das Endergebnis Gold wert sein. Während viele den Reverb im Mixdown in der DAW justieren, besitzen einige Stereo-Pedale unverfälschte Qualitäten, die vor auch live sinnvoll sind. Dichte der Hallfahne und ihre Länge, Pre-Delay und Depth – die meisten Stereo-Reverb-Pedale besitzen diese Parameter und mehr. Ein paar Worte zum Hall-Prinzip im Mixdown generell:

  • Pre-Delay: bezeichnet die Zeit, bis die ersten Reflexionen der ursprünglichen Signalquelle einen erreichen. Viele Reverb-Engines besitzen ein eigenes, charakteristisches Pre-Delay-Muster. Der Rückwurf des Schalls ist von der Beschaffenheit der virtuellen Fläche abhängig – wie reflexiv ist diese, wie sehr diffundiert sie den Klang bei der Abgabe. Hier klärt sich auch, ob man eine klare klangliche Trennlinie will zwischen dem unbearbeiteten Signal und dem bearbeiteten und ob beide verschmelzen oder voneinander deutlich abzugrenzen sind.
  • Depth: Die Klangtiefe, vor allem nützlich bei Vocals oder „dünneren“ Clean Passagen – Depth hilft euch, den Sound zu „verdicken“, ohne die Rauminformationen zu sehr zu manipulieren. Vergleichbar mit der Intensität der Modulations-Riege, ist Depth bei den meisten Reverb-Pedalen einfach ein Parameter für die Signalstärke.
  • Decay & Density: Die Klangfahne ist oft der Punkt, wo sich die Qualität eines Reverb-Pedals hervortut. Klangliche Artefakte und die Eigendynamik des Abgangs – manche Pedale glänzen in der Hinsicht, andere weniger. Density bezeichnet oft die Dichte dieser Hallfahne. Traditionell gilt: je kleiner der Nachhall, desto dichter die Fahne. Langer Nachhall und hohe Dichte bedeutet, dass man es in der Regel mit einem anhaltenden Teppich zu tun bekommt und Details im Spiel an Transparenz verlieren und so untergehen.

Soviel zu einem kurzen Abriss. Was dieser Artikel leisten soll: Einen unmittelbaren Klangvergleich mehrerer – in erster Linie neuerer – Stereo-Reverb-Pedale sowohl für Gitarre, Synthesizer als auch Drum-Machine zu leisten. Die Pedale werden erst nach Rubrik – Gitarre, Synth, Drum-Machine, und dann nach Engines geordnet verglichen. Ein unmittelbarer Vergleich mit der DAW- oder mit Plugin-Optionen wird hier umgangen. Stereo-Reverb-Pedale werden also klanglich nebeneinander verglichen, ohne dass hier eine Rangordnung daraus resultieren soll – nur Vergleichbarkeit.

Audiovergleich Stereo Reverb – die Pedale

In erster Linie handelt es sich um Gitarrenpedale, die wir bei Amazona bereits im Test hatten – manche Tests liegen länger zurück, andere sind ein bisschen frischer. Alle arbeiten digital, besitzen multiple Engines und sind wie gesagt vollständig fähig, das Signal in Stereo zu fahren.

Vergleich Reverb-Pedale – Meris Mercury 7

Das Mercury 7 von Meris ist in den drei Jahren, in denen es auf dem Markt ist, eins der am häufigsten auf Pedalboards anzutreffenden Stereo-Reverbs geworden. Es besitzt im Kern nur zwei Engines – Ultraplate und Cathedral – und baut auf diesen eine Vielzahl an Sounds auf. Vibrato-Modulation, Quinten- und Shimmer-Effekte, endlos fallende oder steigende Halbtöne, kurze Gated Pulses oder ein endloser Raumklang mit Full-Wet-Kapazitäten – das Mercury 7 ist ungemein vielfältig. Auf der zweiten Bedienebene lässt sich auch der Mono-Input des Pedals auf TRS-Stereo schalten, und es besitzt eine sehr spezifische Build-Up-Funktion: die virtuellen, reflexiven Flächen werfen das Signal mit einer gläsernen, fast klirrenden Note zurück. Für MIDI benötigt man die Meris MIDI-Box – die erlaubt es, gleich vier Meris-Pedale per MIDI anzusteuern. Insgesamt zweifelsohne eins der am besten klingenden Reverbs da draußen.

Audiovergleich Stereo Reverb Pedale Mercury 7

  • MIDI: Ja
  • Expression-Funktion: Ja
  • Stereo-Input: Ja
  • Anzahl Engines: 2
  • Software-Editor: Nein

Die besten Reverb-Pedale – Specular Tempus

Da dürften die meisten Augenbrauen sofort hochgehen: das Specular Tempus? Fällt es nicht eher unter die Kategorie Delay-Pedal? Fakt ist: Diese Schönheit von GFI-Systems vereint mehrere Delay- als auch Reverb-Engines unter der Haube. Wir haben das GFI Systems Specular Tempus getestet und waren von beiden Engines hin und weg. Die Algorithmen des GFI Systems sind etwas ganz Besonderes und in meinen persönlichen Augen handelt es sich um doeaktuell beste Delay-/Reverb-Kombination auf dem Markt. Und in Sachen Hall-Kapazitäten fällt das Specular Tempus so umfangreich aus, dass eine Berücksichtigung in dieser Auflistung einfach sein muss: Room, 70’s Plate Reverb, Anti-Shimmer, Infinity-Reverb, Spring und vieles mehr. Ein Nachtrag mit Synthesizern wurde im damaligen Review versprochen und wird entsprechend in diesem Reverb-Audiovergleich geleistet.

Vergleichstest Stereo-Reverb-Pedale für Gitarre und Synthesizer

  • MIDI: Ja
  • Expression-Funktion: Nein
  • Stereo-Input: Ja
  • Anzahl Engines: 16
  • Software-Editor: Ja

Klangvergleich Stereo-Hall-Pedale – Immerse Reverberator MK II

Der Neunaber Immerse ist unter Spielern ebenfalls weit verbreitet – es gilt als eins der besten digitalen Hall-Pedale überhaupt mit einem sagenhaft natürlichem Klangverhalten, spannender Modulation und einer hohen Sensitivität des Halleffekts. So erfolgreich war das Konzept, dass sich viele wunderten, weshalb Neunaber sich die Mühe machten und ein MKII herausbrachten. Doch auch dieses haben wir getestet. Die Neuauflage verzeichnete eine zusätzliche Engine („Sustain“) und eine leicht verbesserte Klangqualität sowie eine etwas bessere Lesbarkeit des Panels. Besonders beliebt: Die Shimmer-Engine, die beim Immerse immer noch eine absolute Referenz darstellt, an der sich viele andere Hersteller die Zähne ausbeißen. Wir werden auch da den Immerse MKII ins Rennen gegen die anderen Pedale schicken und schauen, ob es sich wirklich um die aktuelle beste Shimmer-Engine unter digitalen Reverb-Pedalen handelt. Der große Schwachpunkt des Immerse MKII bleibt die fehlende MIDI-Schnittstelle.

Klangvergleich Stereo-Reverb-Pedale Gitarre Synthesizer

  • MIDI: Nein
  • Expression-Funktion: Nein
  • Stereo-Input: Ja
  • Anzahl Engines: 8
  • Software-Editor: Nein

Vergleichtstest Hallpedale – Source Audio Ventris

Source Audio sind eine der wenigen Firmen, die sich in Sachen Ausmaß und Funktionalität an die großen Strymon heranwagen. Das Ventris Dual ReverbPedal dürfte zahlreiche Big Sky-Pedale in den Ruhestand geschickt haben. Die Möglichkeit, zwei Engines parallel laufen zu lassen, war als Alleinstellungsmerkmal für viele das ausschlaggebende Argument. Es besitzt eine der schönsten und musikalischsten Oszillationen per Fußschalter überhaupt, einen 56 Bit-Prozessor, der die duale Engine-Nutzung eben ermöglicht sowie ungemein viele Features, die es für die Live-Situation vorzüglich geeignet machen – Hold-Funktionen, Zugang für das Expression-Pedal und zahlreiche Modulationen, von Tremolo bis Chorus und Flanger-Sounds – das Ventris kann so ziemlich alles. Quantitativ also zweifelsohne eins der umfangreichsten Pedale in dieser Liste, wenn nicht sogar das umfangreichste – mit einem entsprechenden Bombenpreis.

Vergleichstest Stereo-Reverb-Pedale für Gitarre und Synthesizer

  • MIDI: Ja
  • Expression-Funktion: Ja
  • Stereo-Input: Ja
  • Anzahl Engines: 12
  • Software-Editor: Ja

Stereo-Reverb für Gitarre und Synth – EHX Oceans 12

Das EHX Oceans 12 hatten wir vor nicht allzu langer Zeit im Test – nur wurden in diesem Review die Synthesizer-Kapazitäten des Pedals nicht beleuchtet. Etwas, das in dieser Auflistung nun nachgeholt wird. Es steht außer Frage: Würden wir diese Liste nach Preis-Leistungs-Verhältnis ordnen und bewerten, würde das EHX Oceans 12 die Pole-Position bekommen. Es vereint einen FX-Loop, Tails- und Expression-Funktionen, überzeugt aber vor allem mit der Anzahl an Hall-Engines, die es für diesen Preis anbietet: Ganze 28 Reverb-Typen bietet das EHX Oceans 12, bei einem Preis der bei der Hälfte des Source Audio Ventris liegt. Und es ist alles dabei: Room, Plate, Reverse, Modulation. Das Oceans 12 besitzt darüber hinaus Infinite Sustain-Optionen und die Möglichkeit, mit der Tide-Funktion das Stereo-Panorama an sich zu konfigurieren. Die Hinzunahme des Oceans 12 soll eben auch demonstrieren, ob es wirklich einen wahrnehmbaren Unterschied zwischen High Budget und Low Budget Revers gibt. 

Audiovergleich Reverb-Pedale für Gitarre und Synthesizer

  • MIDI: Nein
  • Expression-Funktion: Ja
  • Stereo-Input: Ja
  • Anzahl Engines: 28
  • Software-Editor: Nein

 

Vergleichstest Reverb – E-Gitarre

Ein paar Engines teilen die meisten Stereo-Hallpedale. Um eine sinnvolle Vergleichbarkeit zu gewährleisten, haben wir die Vergleiche für E-Gitarre anhand der jeweiligen Engines durchgeführt. Pro Engine-Rubrik wurde ein Loop aufgenommen, der dann jeweils durch die entsprechende Hall-Signatur gejagt wurde. Folgende Hall-Rubriken vergleichen wir für Gitarre:

  • Room
  • Shimmer
  • Plate
  • Hall
  • Spring
  • Modulation

Hinzu kommt ein High Gain-Loop, der zusätzlich zeigt, wie die Pedale höhere Zerrbereiche handhaben. Nicht alle Pedale besitzen alle Engines, trotzdem sind die Pedale über weite Teile gleich aufgestellt. Wichtig hierbei: Wir haben Pre-Delay, Depth und Decay zu Beginn der Loops auf 12 Uhr geschaltet, und mit Voranschreiten des Loops drehen wir die Parameter hoch.

Klangvergleich Stereo-Reverb-Pedale für Gitarre und Synthesizer

Reverb-Engine: Hall

Der Mercury 7 besitzt nur einen Cathedral und einen Plate – in diesem Falle ist der Cathedral so angepasst, dass er dem Resonanzverhalten einer Hall-Enginge nahe kommt. Am Ende ist es Geschmacksfrage, aber während die Hallfahne des Immerse ein bisschen zurückhaltender und akzentuierter ist, wabert die des Specular Tempus warm und anhaltend. Das Ventris ist von der Sensitivität fast Pole Position – auf die Fluktuationen in der Anschlagskraft reagiert er ein Stück weit differenzierter als die anderen Pedale.

Reverb-Engine: Room

Die Room Engine kommt zum Einsatz, wenn man die Melodie garnieren und den Klang ein wenig verdicken möchte, ohne den Sound im Hall zu ertränken. Trotzdem drehen wir auf Full Wet so gut wie es geht, um den Charakter der Pedale hervorzuheben. Klarer Favorit: Der Room des Immerse. Ein ganz kleines Stück weit verdünnt das Pedal den Sound, aber die Natürlichkeit der Engine ist eine Nummer für sich.

Reverb-Engine: Shimmer

Die Königsdisziplin des Ambient: Die Shimmer-Engine. Auch hier muss man sagen, dass der Immerse-Reverberator die klanglich stärkste Engine vorzuweisen hat, meines Erachtens. Insgesamt ist die Wahrnehmung der Sounds eine zutiefst subjektive Angelegenheit. Ich bin selbst Nutzer des Mercury 7, doch im unmittelbaren Vergleich zum Immerse ist die Shimmer-Engine ein bisschen kratziger. Mir persönlich gefällt es, doch es gibt auch sicher welche, welche die zutiefst neutrale Note des Ventris im Vergleich bevorzugen. Was enttäuscht – die Oceans 12 Shimmer Engine. Diese wirkt dann doch sehr künstlich.

Reverb-Engine: Plate

Wer den Plate Sound vorwiegend nutzt, hat hier die Qual der Wahl. In Sachen Scheiben-Hall stehen sich die Pedale gegenseitig fast in Nichts nach. Das Low Budget EHX Oceans 12 ist ein deutliches Stück schwächer als die anderen Pedale, aber wer zwischen den anderen entscheiden will, wird dies wohl auf Geschmack basierend tun. Mein persönlicher Favorit in Sachen Plate ist und bleibt der Mercury 7, aber über die Tiefe des Immerse kann ich auch immer wieder nur staunen. Die Sensitivität, mit der die Engine auf den Anschlag reagiert, ist meines Erachtens jedoch beim Ventris am genauesten.

 Reverb-Engine: Modulated

In diesem Falle wurde kein einheitlicher Loop verwendet, da die Modulated Sounds sich zu sehr voneinander unterscheiden. Während der Immerse einen Chorus-lastigen Sound produziert, ist das Mercury 7 durch die Bank sonderbar und eigensinnig in Sachen Modulation. Wundervoll ist zweifelsohne auch der Specular Modulated Reverb. Der Ventris arbeitet in der Offspring Engine mit oktavierten Ping-Pong-Sounds, die moduliert werden können. Ein bisschen arg schwach ist das Oceans 12 auf der Ebene – doch das gute Stück liegt preislich auch ca. 200 Euro unter seinen Konkurrenten.

Reverb-Engine: Spring

Der Spring ist für bluesige und rockigere Noten zweifelsohne die am geeignetesten und mit dünner, hohenlastiger Note eine Engine für besondere Zwecke. Tatsächlich kann der Oceans 12 hier mit seinen Kollegen mitziehen, wie ich finde. Den Vintage-Charakter von Spring bekommt aber zweifelsohne das Ventris am besten hin.

Reverb bei High Gain

Wir haben hier jeweils einen möglichst neutralen Hall-Reverb genutzt, um große, verzerrte Flächen zu bauen. Keine Lead-Sounds, sondern Breitwand-Gitarren, die hier auf die Spitze getrieben werden sollen. Überraschenderweise steht dem Immerse der High Gain nicht zu gut zu Gesicht. Erklärt sich vielleicht durch die Sustain-Engine, die dann doch ein Stück weit zu sehr ausufert. Klarer High Gain-Sieger in meinen Augen: Das Specular Tempus.

Klangvergleich Audio Stereo Hall-Pedale: Synthesizer

Für Hall-Fragen nutzen viele Racks oder DAW-Lösungen, doch auch die Pedale dieser Welt finden in den Synthie-Studios immer wieder Verwendung. Die atmosphärische Garnierung des Sounds durch Reverb steht vor allem vielen Moog-Synthesizern gut zu Gesicht – ich möchte nicht nachzählen, wie viele Videos es gibt, die den Strymon Big Sky und die Mother-32 miteinander kombinieren. Wir gehen einen etwas anderen Weg – der Synthesizer, der zum Einsatz kommt, ist der Malekko Manther. Dickes Low End, helle und klare Sequenzen, die jedoch auch problemlos ins bissige und kratzige umschwenken können – der Malekkto Manther kann viel. Und auch hier gilt: Jegliche Sound-Manipulation erfolgt durch das Pedal. Die gebastelten Frequenzen werden unangetastet gelassen.

Klangvergleich Stereo-Reverb-Pedale für Synthesizer Malekko Manther

Reverb-Engine: Shimmer

Da einen Favoriten hervorzuheben, ist nicht einfach und pure Geschmacksfrage. Der Oceans 12 macht eine bessere Figur als erwartet, doch der Shimmer des MK II von Neunaber ist und bleibt unerreicht – auch im Kontext mit einem Synthesizer – voll, und reich an klanglichen Reflexionen.

Reverb-Engine: Experimental

Jedes der Stereo-Pedale besitzt seine eigene, distinkte Reaktivität. Die kommt meistens bei den experimentellsten Engines am ehesten durch. Beim Specular Tempus gefällt uns die Vortex-Engine besonders. Doch auch das Zusammenspiel mit der Offspring-Engine des Ventris-Reverb-Pedals gefällt über alle Maße. Über MIDI ließe sich die Delay-Zeit der Engine per Clock synchronisieren – das haben wir in dieser Demonstration übersprungen.

Reverb-Engine: Hall

Die Go-To-Engine vieler Synthesizer-Nutzer kann hier bei allen fünf Pedalen verglichen werden. Auch hier gilt: Pure Geschmacksfrage. Am klarsten und hellsten ist zweifelsohne der Hall des MK II. Das Mercury 7 hat einen eigenen, sehr distinkten Charakter, der bisweilen jedoch schwer zu zähmen ist. Die Modulationstiefe wird auf der zweiten Bedienebene eingestellt und agiert bisweilen eigensinnig.

Reverb-Engine: Plate

Die eigentlich für Gitarre am ehesten gedachte Engine kann bisweilen wahre Wunder bei Synthesizern bewirken – speziell der Specular Tempus glänzt mit seiner 70s Plate Engine. Das Mercury 7 klingt da schärfer, der MK II im Vergleich um einiges weicher.

Audiovergleich Stereo-Reverb-Pedale: Drum-Machine

Kann das Stereo-Reverb-Pedal eine Low-Budget-Drum-Machine in ein Klangmonster verwandeln? Klar, der Charakter von Oszillatoren kann nicht verändert werden. Aber das richtige Maß an Hall-Power kann vor allem in den tieferen Frequenzen für eine ordentliche Weite und ein anderes Gefühl sorgen. Also nahmen wir kurzerhand eine Volca Beats Maschine und jagten diese der Reihe nach durch eins bis zwei Engines der fünf Stereo-Hall Pedale. Die Unmittelbarkeit, mit der sich das Panel kontrollieren lässt, ist einer DAW im Spiel-Flow vorzuziehen. Ein unmittelbarer Nutzbarkeits-Vergleich mit einem Rack entzieht sich mir, da ich mit Racks nicht arbeite. Doch speziell das Mercury 7 lässt sich ganz hervorragend entfesseln. Wenn auch gesagt werden muss – das Specular Tempus überrascht mich enorm in diesem Zusammenhang. Sein Klangcharakter steht den Beats der Volca Maschine hervorragend zu Gesicht. Auch fantastisch: In was die Lo-Fi-Engine des Ventris die Beats verwandelt.

Klangvergleich Stereo-Reverb-Pedale für Drum Machine

Immerse Reverberator MK II

Meris Mercury 7

Electro Harmonix Oceans 12

GFI Systems Specular Tempus

Source Audio Ventris

Klangvergleich Stereo-Reverb-Pedale für Moog DFAM

Doch auch das Spiel mit einer etwas hochwertigeren und mächtigeren Drum-Machine bot sich an. Der Moog-DFAM ist bisweilen etwas schwer zu zügeln – das kann bei Reverb-Pedalen, die dazu tendieren, tiefe Frequenzen eben auch aufzublähen, zu Problemen führen. Hier wurde ein bisschen freier agiert und bisweilen auch die Sequenz des DFAM nachjustiert. Das Ergebnis? Der dreckige Industrial-Charakter des Moog DFAM ist quasi ein Selbstläufer und arbeitet mit längerem Decay, kurzen Gate-Reverbs und Modulation ganz hervorragend. Hervorheben kann ich nur nochmal das Mercury 7, das wahre Wunderwelten mit den Bell-Sounds des Moog DFAM erzeugt. Ein bisschen enttäuschend ist der Immerse in seiner unmittelbaren Auswirkung – meines Erachtens verpasst es das Pedal, bei der Drum Machine einen interaktiven und herausfordernden Charakter zu erzeugen.

Klangbeispiele
Forum
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      index  AHU

      …sehe ich auch so….Strymon, Big Sky, Eventide Space? Also ohne die darf man das nicht „ultimativ“ nennen, meiner Meinung nach…
      so ..und jetzt lese ich erst mal den Test ;)

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        Dimi Kasprzyk  RED

        Hey Index
        Die Idee war eben, die alten Bekannten mal außen vor zu lassen. Gibt unzählige Videos und Tests, bei denen Eventide und Strymon gegenübergestellt werden – unsere Idee war da eher, den anderen Größen mal ein bisschen Rampenlicht zu geben.

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          index  AHU

          …ich habe mir das schon fast gedacht, ich häng mich auch hauptsächlich an dem Wort „ultimativ“ auf…es wird einem ständig in den Medien um die Ohren gehauen, man erwartet was tolles und das Ergebnis ist meisten nur durchschnittlich….
          ich freu mich drauf die Klangbeispiele über (gute) Kopfhörer zu hören nachher. Auf das Specular Tempus habe ich schon länger ein Auge geworfen, es ist eine tolle Delay Reverb Kombi…

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            AMAZONA Archiv

            „Ultimativ durchschnittlich“ träfe es dann wohl. „The Ultimate Average“ wäre ein geiler Albumname.

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              index  AHU

              …damit würdest du dann aber jede Menge Angriffsfläche bieten…obwohl es nicht schlecht klingt

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                AMAZONA Archiv

                scheißegal ;-)

                Läge dann ja zumindest im Zeitgeist.

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            index  AHU

            …so nach Anhören der Soundfiles, bin ich zur Erkenntnis gekommen, daß für mich GFI und Ventris die Favoriten sind.
            Der Shimmer Sound von Neunaber ist garnicht so meiner, ich find den von Ventris und GFI schöner, aber das ist ja Geschmacksache. Der EHX fällt im Vergleich zu den anderen wirklich etwas ab, die Plate vom EHX find ich scheusslich…

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    Pygman

    Ich habe seit kurzem ein Specular Tempus und etwas sehr seltsames festgestellt:
    Bei jedem anderen Hallgerät wird nur das gehallt was hereinkommt, nicht so beim Specular Tempus.
    Wenn ich dem z.B. eine hochpassgefilterte Hihat hineingebe kommen auch Mitten wieder heraus, die in dem ursprünglichen Signal gar nicht vorhanden waren. Er bleibt immer etwas breitbandig, egal womit man ihn füttert. Das kann einen in Erstaunen versetzen, weil man so etwas nicht erwartet.
    Der Audioengineer in mir mag das gar nicht. Der Künstler akzeptiert das schnell, denn man kann das auch nutzen.
    Die EQ´s in dem Gerät empfinde ich allerdings nur als Zierde, denn zupacken können die nicht.
    Ob dieser Schwächen ist es ein Bleiber, denn er klingt einfach nur schön. Doch zum Spielen durch herumschrauben wie ein Otto Bam lädt er nicht wirklich ein. Eher ein Set & Forget & Dream.

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      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey Pygman
      Interessant – das ist mir bei der Nutzung des Specular Tempus gar nicht aufgefallen. Wie du schon meintest – die meisten Reverb-Pedale geben den Frequenzgang gleichmäßig wieder. Das Specular Tempus tendiert höchstens dazu, manche Frequenzbereiche unerwartet auszureißen, doch das im Rahmen des Erträglichen. Was den EQ angeht, gebe ich dir recht – der greift nicht so richtig.

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    costello  RED

    Ich glaube, wenn Dimi noch mehr Geräte reingepackt hätte, wäre es unübersichtlich geworden. Die Zahl der Klangbeispiele ist ja auch so schon gigantisch. Wer gegenhören möchte, wie sich das Big Sky bei Keyboards schlägt, kann ja nochmal diesen älteren Bericht aufrufen https://bit.ly/3awveIM Manchmal wird man ja in Tests auch mit der Nase auf Dinge gestoßen, die in anderem Zusammenhang schon vorgestellt wurden, die man aber verpasst hatte. Hier ging’s mir so mit der Moog DFAM. Das Teil klingt ja richtig abgefahren :)

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    Son of MooG  AHU

    Mir hat auch das eine oder andere Pedal gefehlt, wie das Boss RV-6 oder das TC Electronic Hall of Fame 2. Als Vertreter der mittleren Preislage sind die ja recht verbreitet (das HoF2 ist bei Thomann auf Platz 1 der Verkaufsliste in der Reverb-Kategorie , das RV-6 auf Platz 9). Über beide gibt es zwar auch jede Menge Videos etc., aber keinen Vergleich mit z.T. drei Mal so teuren Pedalen…

  4. Profilbild
    P-Nautilus

    Danke für den Test! Ich hab mich gerne durch die vielen Beispiele gehört. Wie jede*r die verschiedenen Ergebnisse, stärken und schwächen interpretiert, akkumuliert und für sich selbst zu einem meinungsbildenden Ergebnis verarbeitet, ist am Ende wie immer Geschmackssache. Und das erwähnt der Autor ja auch mehr als einmal.
    Nur eine Sache habe ich anzukreiden:
    Bei den Synth Beispielen „Shimmer“ und „Hall“ ertönt beim Ventris das DRY Signal nur rechts, WET dann links. Für einen Stereoreverb-Test etwas… nunja, unpraktisch. Was ist denn da passiert, lieber Tester?!?

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