Vergleichstest: Studio-Kopfhörer 2002

5. Juli 2002

Studio Kopfhörer

STUDIOKOPFHÖRER – WOZU?

Bevor wir hier auf die Frage eingehen, welcher Kopfhörer in der Preisklasse zwischen 99 Euro und 200 Euro für Ihre Studioarbeit wohl am besten geeignet ist, stellt sich erst einmal die Frage, wo genau das Einsatzgebiet eines Kopfhörers im Studio liegt.

Verglichen wurden:

Sennheiser
HD250
Sennheiser
HD280
Beyerdynamic
DT 531
Beyerdynamic
DT 770 Pro
AKG
K240 Studio
AKG
K270 Studio
171,00 EUR 200,00 EUR 99,89 EUR 159,89 EUR139,00 EUR179,00 EUR

 

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Bereichen unterscheiden, in denen der Kopfhörer im Studio verwendet wird.

RECORDING:
Ihr Sänger oder Instrumentalist benötigt einen Kopfhörer, um das Playback zu hören, zu dem er seinen Part (Gesang, Gitarre etc.) beisteuern soll. Selbstredend darf das Playback dabei nicht über die Mikrofone aufgezeichnet werden.

MIXING:
Fehlt Ihnen der perfekte Abhörraum, die perfekten Monitore, oder möchten Sie einen Mix auch mal laut hören, ohne dass Ihnen die Nachbarn auf den Pelz rücken? Genau dann benötigen Sie einen hochwertigen Kopfhörer mit linearem Frequenzspektrum, um Ihre Monitorboxen weitestgehend ersetzen zu können.

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Sennheiser HD 280

WARUM KANN ICH MEINEN HIFI-KOPFHÖRER NICHT EINSETZEN?

HiFi-Kopfhörer funktionieren wie das Gard-Haar-Studio, sie geben Ihrer Musik Fülle und Glanz, auch wenn diese Eigenschaften gar nicht vorhanden sind. Selbst der schlechteste Mix sollte auf einem HiFi-Kopfhörer noch akzeptabel und „warm“ klingen.

Das aber genau soll ein Studiokopfhörer verhindern. Er soll die Fehler Ihrer Mischung unnachgiebig bloß stellen. Es geht also nicht darum, den „wohlklingendsten“ Kopfhörer zu küren, sondern denjenigen, der gnadenlos kritisch klingt – auch wenn Ihnen das manchmal nicht gefallen mag.

GESCHLOSSEN, HALBOFFEN oder OFFEN?

Diese Frage ist vor allem für den RECORDING Bereich ausschlaggebend.

Als geschlossene Kopfhörer bezeichnet man jene Modelle, die sich komplett um die Ohrmuschel legen und keine externen Schallquellen mehr an das Ohr lassen und dadurch natürlich auch den Schall, der durch den Kopfhörer erzeugt wird, nach außen abschirmen. Sie sind deshalb vor allem für RECORDING-Zwecke geeignet.

Die Tragepolster der offenen Kopfhörer liegen nur auf der Ohrmuschel, umschließen sie aber nicht. Externer Schall („.. das Essen ist fertig – kommst Du endlich…“) kann ebenso vernommen werden wie auch der Schall des Kopfhörers nach außen treten kann.

In einer Recording-Situation ist es natürlich unerwünscht, dass das eingespielte Playback des Kopfhörers auch auf die Mikrofone gelangt. In solchen Situationen wird deshalb fast immer ein geschlossener Kopfhörer bevorzugt.

Dabei tritt vor allem bei Gesangsaufnahmen folgendes Problem auf. Der/die Sänger/in hört sich nur noch über den Kopfhörer. Viele Sänger haben damit ein großes Problem. Die Stimme klingt verfremdet und ungewohnt, ganz anders als wenn man seine eigene Stimme direkt über die Reflexionen innerhalb eines Raumes wahrnehmen würde. Intonationsprobleme und Timingschwankungen können die Folge sein.

Viele Sänger schieben deshalb eine der beiden Ohrmuscheln des Kopfhörers auf den Hinterkopf, um ein Ohr für die Kontrolle ihrer eigenen Stimme frei zu haben.

Eine andere Lösung bietet AGK mit seinem halboffenen K240 STUDIO. Er versucht das beste beider Welten miteinander zu verbinden.

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Beyerdynamic DT770 Pro

 

TESTVERFAHREN

Der Test fand im Münchner FAST FORWARD TONES Studio statt.

Vier Testpersonen, davon zwei AMAZONA-Redakteure sowie zwei befreundete Produzenten aus München, haben sich bei verbundenen Augen („Wetten Dass… Taucherbrillen“) 3 verschiedene Musikstücke aus den Bereichen Pop, Rock und Klassik angehört und das jeweils mit wechselnden Kopfhörern, die ihnen durch den Testleiter (meine Wenigkeit) aufgesetzt wurden.

Zwischen jedem Test wurde den Testpersonen das jeweilige Musikstück im Abhörraum des Münchner FAST FORWARD TONES Studios auf GENELEC Boxen vorgespielt, um den Lautsprechermix als Referenz verwenden zu können

Ihre subjektive Meinung wurde protokolliert und später in eine Wertetabelle übertragen (siehe unten).

Danach (ohne Taucherbrillen) wurden die Testpersonen aufgefordert, die Kopfhörer nach Ihrem Tragekomfort, Anpassung und Verarbeitung zu beurteilen.

Zu den Kopfhörern:

Wir mischten unter die Testobjekte bewusst zwei HiFi-Kopfhörer, den Sennheiser HD250 sowie den Beyerdynamic DT531, um die Testpersonen absichtlich auf’s Glatteis zu führen. Weit gefehlt, alle vier Testpersonen haben den Fake bemerkt, womit auch erklärt wäre, warum diese beiden Produkte die Schlusslichter des Akustik- Tests bilden.

 

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Haben selbst den AKG 271 schon seit einem Jahr in unserem Studio und schließe mich der Meinung des Tests an. Er Klingt sehr Präzise und das Abschallten beim Absetzen verhindert auch jegliche Rückkoplung. Da wir zur Zeit ausschließlich Rap Produzieren habe ich mir auch noch en dt770pro zugelegt. Ein Kopfhörer kann zwar keine Abhöre wie eine Genelec oder ADAM mit Sub ersetzten, jedoch ist die Arbeit mit diesem Kopfhörer eine gute Alternative.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Bin Besitzer eines AKG 240 und erfreut das der KH so gut abgeschnitten hat. MfG, Armin

  3. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Ich hatte mir den AKG240 nach diesem Test gekauft. Herzlichen Dank für das Engagement! Und ich nutze den Kopfhörer sowohl im Studio, bei Streifzügen durchs Netz, sogar an der Stereo-Anlage. Die Schonungslosigkeit, mit der crossover abgehört werden kann, ist bezaubernd!

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