Vergleichstest Tape Delay Echos: Strymon El Capistan, Wampler Faux Tape Echo, Empress Tape Delay und Dunlop Echoplex EP 103

17. Januar 2017

Wer leiert am schönsten?

Die Nachfrage nach Echopedalen scheint ungebrochen. Das bestätigen die vielen Neuerscheinungen im vergangenen Jahr, von denen auch wir einige zum Test bei uns bereits begrüßen durften. Doch Echo ist nicht gleich Echo, denn viele von uns mögen viel mehr den Sound und die Charakteristik eines guten Tape Echos als die schlichte Wiederholung des Signals eines Digital Delays. Doch was tun, wenn man nicht mal eben das nötige Kleingeld besitzt, um sich eines der „Vintage-Schätzchen“ in Form etwa eines Bandschleifenechos zu gönnen?

Abgesehen vom zumeist schwindelerregenden Preis eines gut erhaltenen Originals sind auch die Kosten für dessen Wartung und die Verschleißteile nicht zu verachten – denn so ein andauernd bespieltes Band hat nun mal nur eine begrenzte Lebensdauer. Und von Sachen wie dem Transport, sollte solch ein Bolide auch mal außerhalb des Studios eingesetzt werden, wollen wir gar nicht erst reden.

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— Die vier Tape Echo Probanden – Wampler Faux Tape Echo, Empress Tape Delay, Strymon El Capistan und Dunlop Echoplex EP 103 —

Die Lösung findet sich wie so oft in der digitalen Welt. Die Leistungsfähigkeit heutiger DSPs ist mühelos in der Lage, die aufwendige Simulation eines solchen alten Bandechos zu simulieren. Theoretisch zumindest, denn viele Hersteller schmücken sich zwar mit einem „Tape Echo“ im Angebot, doch nur die wenigsten Geräte davon sind in der Lage, den charakteristischen Sound mit all seinen Eigenschaften und Schwächen, wie etwa dem charmanten „Eiern“ oder dem Verlust an Höhen mit jeder Wiederholung, überzeugend zu produzieren.

Unsere heutigen vier Testkandidaten möchten gerne das Gegenteil beweisen und befinden sich schon in Reih und Glied auf dem Effektboard festgeklettet. Es treten vier Pedale der Oberklasse an, dementsprechend groß ist natürlich die Erwartungshaltung. Betrachten wir uns im Folgenden die Tape Echo Pedale Strymon El Capistan, Wampler Faux Tape Echo, Empress Tape Delay und Dunlop Echoplex EP 103 genauer.

Die Kandidaten im Einzelnen

Dunlop Echoplex EP 103

dunlop-top

Starten wir mit dem handlichsten Pedal des Quartetts, dem Dunlop Echoplex EP 103. Vorbild für den Klang dieses sehr robusten und im bewährten Stompbox-Format erscheinenden Pedals ist das Bandecho Echoplex EP-3, das in den 70er Jahren zur Standardausstattung vieler Studios gehörte. Die Neuauflage bietet, neben den üblichen Reglern eines Delays wie etwa Verzögerungsdauer, Mix und Anzahl der Wiederholungen, auch eine „Tape Age“ Funktion, die den natürlichen Verschleiß des Bandes simuliert.

Sehr sinnvoll erscheint zudem die Tap-Buchse, an die ein ganz normaler Fußtaster mit Monoklinkenkabel angeschlossen werden kann. Wird hier ein entsprechender Schalter eingeklinkt, erhöht sich die Verzögerungsdauer von maximal 750 ms auf satte vier (!) Sekunden. Abgerundet wird das Angebot mit einer Stereooption, denn die Outputbuchse kann auch ein TRS-Kabel aufnehmen und so das Signal an zwei verschiedene Amps abgeben.

Sound und Praxis mit dem EP 103

Auch wenn das EP 103 bei Weitem nicht über so viele Möglichkeiten der Klangbeeinflussung wie der Rest des Feldes verfügt, so ist der Grundsound des Pedals doch beeindruckend gut. Rauschwerte, Dynamik und der eigentliche Klang der Emulation befinden sich auf einem hohen Niveau. Die „Tape Age“ Funktion bringt zudem richtig Leben ins Spiel bzw. Modulationen in die Wiederholungen und zusammen mit der Selbstoszillation der Echos können so regelrechte Klangkaskaden aufgebaut werden, die wunderbar warm und kräftig aus dem Speaker gedrückt werden. Mit einer maximalen Verzögerungsdauer von vier Sekunden sollte das Dunlop Echoplex EP 103 zudem jeder Aufgabe im Bereich Zeitverzögerung gewachsen sein.

Hören wir uns das Dunlop EP 103 nun in den folgenden Klangbeispielen an. Alle Sounds wurden mit einem Orange Micro Dark, einer H & K Box mit 1×12″ Celestion Vintage 30 Speaker, einer Music Man Silhouette und einem AKG C3000 Mikro aufgenommen. Das gilt auch für die Klangbeispiele der übrigen Pedale.

Klangbeispiel 1 zeigt das Echoplex EP 103 mit der kürzesten Verzögerungszeit von 40 Millisekunden, der „Tape Age“ Regler befindet sich bei allen drei Klangbeispielen in 12-Uhr-Position.

Wie man hören kann, reichen die 40 Millisekunden für ein klassisches Slapback-Echo bzw. die Abbildung eines Kachelraumes nicht wirklich aus, dafür aber besticht das Signal mit einer hohen Dichte.

In Klangbeispiel 2 hören wir nun eine mittlere Verzögerungszeit, das Delay Time Poti befindet sich in der Mittelstellung. Die Modulationen im Signal, also die künstliche Alterung des Tonbandes, sind eher subtiler Art und wirken nicht besonders ausgeprägt – der Tape Age Regler befindet sich nun auf Vollanschlag.

Klangbeispiel 3 zeigt nun das EP 103 mit seiner maximalen Verzögerungszeit von 750 ms – ohne Anschluss eines Pedals an den TAP-Eingang. Wir erinnern uns: Mit eingestecktem Fußschalter kann die Verzögerungsdauer auf bis zu vier Sekunden erhöht werden.

Kein schlechter Einstand in unseren Vergleich, das Dunlop EP 103 ist nur in seinen Möglichkeiten etwas eingeschränkt, aber gewiss nicht im Sound. Und damit ab zu Kandidat Nummer 2.

Wampler Faux Tape Echo Delay

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Ungleich luxuriöser ausgestattet erscheint unser zweiter Kandidat, das Wampler Faux Tape Echo. Auch hier finden wir zunächst die üblichen Regler für Verzögerungsdauer, Anzahl der Wiederholungen und Intensität des Effekts, aber der Rest der Ausstattung kann sich wahrlich sehen lassen. So verfügt das purpurmetallicfarbene Kästchen über Potis zum Regeln der Modulationstiefe- und Geschwindigkeit, einen TAP-Tempo-Schalter, eine Tonblende und einen zentral angeordneten Taster, der die vier rhythmischen Unterteilungen (Subdivisions) der Echos steuert. Eine blaue LED auf der linken Seite der Oberfläche informiert durch ihr Pulsieren jederzeit über die aktuelle Echogeschwindigkeit, während eine taghelle, rote LED ganz rechts ein Bedienen des Pedals in dunkler Umgebung nicht gerade erleichtert. Erwarten dürfen wir eine maximale Verzögerungszeit von 800 ms, damit ist schon eine Menge anzufangen.

Die Hardware entspricht den Anforderungen an ein handgefertigtes Pedal, Schade nur, dass hier keine Stereooption zur Verfügung steht.  Dafür aber liegen sämtliche Anschlüsse an der Stirnseite, inklusive der des 9-Volt-Netzteils. Bei der Klangerzeugung beschreitet Wampler mit dem Faux Tape Echo einen neuen Weg. Das Originalsignal verlässt zu keiner Zeit den analogen Pfad, das digital erzeugte Effektsignal liegt synchron zum Originalton am Ausgang an. Hört sich spannend an, aber was bringt das?

subdivisions

— Sub Divisions Schalter —

Sound und Praxis mit dem Faux Tape Echo

Die Ausstattung kann überzeugen, da fehlt es an gar nichts. Etwas ernüchternd ist hingegen der Sound der Kiste und das beginnt schon beim Anschalten mit einem unerwartet hohen Grundrauschen, das sich beim Hochregeln des Delay Mix Potis Richtung Maximalwert weiter verstärkt. Die grundsätzliche Signalqualität ist hier deutlich schlechter als beim Dunlop EP 103, auch wenn die Modulationen innerhalb des Echosignals schon ausgeprägter wahrzunehmen sind – aber trotzdem irgendwie gar nicht so recht an ein altes Tape Echo erinnern wollen.

Klangbeispiel 1 zeigt das Faux Tape Echo mit der kürzesten Verzögerungszeit, die Potis für Modulationstiefe- und Geschwindigkeit befinden sich, genau so wie auch das Tonepoti, in 12-Uhr-Stellung. Eine echte Illusion eines Kachelraumes kann auch hier nicht entstehen.

In Klangbeispiel 2 nun eine mittlere Verzögerungsdauer. Gehen wir davon aus, dass bei Vollanschlag des Delaypotis 800 Millisekunden zur Verfügung stehen, dürften dies hier also rund 400 ms sein.

In Klangbeispiel 3 nun die maximale Verzögerungsdauer von 800 ms. Zusätzlich wurden hier punktierte Achtel als rhythmischer Wert für die Echos angewählt. Das Pedal macht das, was es soll, ohne dabei aber mit einem herausragenden Sound zu glänzen.

Unterm Strich ein eher enttäuschendes Ergebnis für das Wampler Faux Tape Echo, dessen Preis immerhin nur knapp unter der 300-Euro-Marke liegt. Allem voran ist es das Grundrauschen, das für ein Boutiquepedal eher ungewöhnlich ist und das sich zu einem echten Problem entwickeln könnte, sollte man den Delay Mix Regler zu weit nach rechts bewegen. Auch das eigentliche Effektsignal klingt eher dürftig, dagegen gibt es Pluspunkte für die Möglichkeit, die Echos rhythmisch zu unterteilen, was ja der Kreativität immer wieder gut tun kann.

Unser nächster Kandidat ist sogar noch ein wenig besser ausgestattet – werfen wir einen Blick rüber nach Kanada zu einem weiteren sehr beliebten Pedalhersteller.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Klangzaun

    Vermisst habe ich in der Gegenüberstellung das Strymon DECO und das Source Audio Nemesis Delay, welches gleich 4 verschiedene Tape Delays mit sich bringt.

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      Stephan Güte  RED

      Klar, dann hätte man auch noch das Catalinbread Belle Epoch, das Carbon Copy oder auch das Pigtronix Echolution mit rein nehmen können – und ich würde drei Wochen am Artikel arbeiten :) Im Ernst, es musste nun mal eine Entscheidung für die Testgeräte fallen, vielleicht gibt es ja noch einen zweiten Teil!

      Und wegen SA Nemesis Delay, das hatte ich selbst mal,nach dem Test da behalten und gekauft. Und nach kurzer Zeit wieder verkauft. Fand das nicht so pralle, Sound ok, aber Kreativitätsfaktor nicht sehr hoch.

      Und hier der Test zum Deco:

      https://www.amazona.de/test-strymon-deco/

      Grüße!

      Stephan

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        Klangzaun

        Gerade den Kreativitätsfaktor schätze ich beim Nemesis Delay. Es stehen mittlerweile 26 Delay-Engines zur Verfügung, die mit zig Parametern getuned werden können. Und dann kann man die Parameter auch noch frei auf die Pedalregler legen.

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      dr noetigenfallz  

      Als ich anfing, den Artikel zu lesen, habe ich gedacht: „ich bin gespannt, ob auch dieses Mal wieder jemand schreibt: warum hast du Pedal xy nicht getestet.“. Er hätte wahrscheinlich 30 Pedale testen können und es hätte jemand geschrieben: „aber dieses Pedal, das du nicht ausprobiert hast, wäre voll wichtig gewesen.“

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        Klangzaun

        So ein Test gewinnt ja an Aussagekraft, wenn man mit eigenen Erfahrungen vergleichen kann. Das war ja auch nicht als Kritik sondern als Wunsch formuliert. Ist schon klar, dass nicht alle x Pedale getestet werden können.

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    „Doch was tun, wenn man nicht mal eben das nötige Kleingeld besitzt, um sich eines der „Vintage-Schätzchen“ in Form etwa eines Bandschleifenechos zu gönnen?“
    Diese Argumentation geht nicht unbedingt auf, da v. a. die Strymon-Pedale im höherpreisigen Stompbox-Segment angesiedelt sind — zu diesen Preisen kommen manche Bandechos schon in Rufweite. Nicht unbedingt die kultisch verehrten RE von Roland, aber Roland war auch nicht der einzige Hersteller dieser Gerätespezies.
    Ich für meinen Teil würde mich immer für einen originalen Leierkasten entscheiden, wenn eine digitale Emulation preislich keine echte Alternative darstellt.

  3. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Bisher nutzte ich meine Akai DS4000Mk.ll Bandmaschine für Tape-Delays, die allerdings nur 2 Delay-Zeiten erlaubt (je nach Tape-Speed 9,5 oder 19cm/s) und nach 40 Jahren nicht mehr so ganz frisch ist. El Capistan konnte mich im direkten Vergleich voll überzeugen, dazu noch (virtuelle) Tape-Looper und Spring-Reverb – da relativiert sich der Preis…

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