Vergleichstest: Thomann PA-Passivboxen

Verschiedene Herangehensweisen

Die Kandidaten wurden beim Hörtest jeweils von einer kräftigen Endstufe mit dickem Ringkerntrafo angetrieben – noch einem echten „Eisenschwein“. Bei Zuspielung der Musik gab es unterschiedliche Stile, angefangen vom Toto Klassiker Hold the Line, über Peter Gabriels Red Rain und Sledgehammer bis hin zu aktuellen Liedern von Rita Ora und Ed Sheeran. Die Musik lief dabei größtenteils noch von richtigen original CDs, aber teilweise auch als Audiofiles vom Rechner.

Bei den Messungen (nicht in einem speziellen Testraum) habe ich wieder meinen Phonic PAA3 Audio Analyzer bemüht. Das Messgerät hat Rosa Rauschen generiert und das Ergebnis des RTA bei jeweils identischem Lautstärkepegel aufgezeichnet. Dazu war der PAA3 in etwa 60 cm Abstand auf einem Stativ montiert und mit dem Messmikrofon auf die Mitte der jeweiligen Box ausgerichtet.

1. Fun Generation PL 110 P

Diese Thomann Passivbox hatten wir bereits in einem unserer Testberichte. Das auffälligste Merkmal ist hier der überaus günstige Preis. Mit 59,- Euro erweist sich der Lautsprecher als unschlagbares Angebot. Aber bekommt man dafür auch gute Qualität?

Thomann PA-Passivboxen

Na – an welche Marke erinnert diese Gehäuseform?

Die Verarbeitung ist bis auf einen kleinen Patzer am oberen Griff gut. Der Eingriff ist am Rand etwas scharfkantig. Dieser Makel ließe sich mit ein wenig Schmirgelpapier aber schnell beheben, ich hake ihn als Kleinigkeit ab. Die zwei anderen seitlichen Tragegriffe sind dagegen prima gearbeitet. Ja – diese Box hat als einzige der hier getesteten Lautsprecher drei Tragegriffe. Und das, obwohl die PL 110 P gerade einmal 5,6 Kilogramm auf die Waage bringt, was sich beim Hantieren mit all den anderen Testkandidaten als reine Wohltat erweist.

Die Form des Kunststoffgehäuses erinnert sehr stark an die Modellreihe einer bekannte Marke. Das Multifunktionsgehäuse der Fun Generation hat ebenfalls als einzige in diesem Test einen Feststeller am Flansch und lässt sich dank der Gehäuseausführung zudem ganz einfach als Bodenmonitor einsetzen.

Thomann PA-Passivboxen

Flansch mit Feststeller als gute Lösung

Abstriche müssen leider bei der Wiedergabequalität gemacht werden. Die Bässe sind schwach und in den Höhen wird es schnell kratzig, vor allem bei höheren Lautstärken. Hier fehlt mir der seidige Glanz, das alles klingt eher harsch und je nach Musikrichtung schon fast schrill.

Die Messung

Deutlich erkennbar ist ein zerklüftetes Frequenzbild. Es gibt einige Peaks bei 125 Hz, 630 Hz, 4 kHz und 8 kHz. Darunter und dazwischen geht es munter hin und her. Von Ausgewogenheit im Frequenzgang kann man bei dieser Lautsprecherbox am wenigsten reden.

Bassreflexöffnung

Bassreflexöffnung

Fazit dieser Box

Als Preisbrecher räumt diese Lautsprecherbox alles ab. Einsetzen kann man sie sicher für einfache Monitor-Anwendungen, bei denen kräftige Bässe ohnehin nur stören würden. Dennoch sind zusätzlich auch noch die oberen Mitten und Höhen zu zügeln. Das geht ganz gut mit einem grafischen Equalizer. Wenn man dem Lautsprecher mit diesem Werkzeug in einigen Frequenzbereichen zu Leibe rückt, ist ein einigermaßen guter Klang durchaus zu erzielen. Und dann funktioniert mit einigen Abstrichen auch die Fullrange-Beschallung.

2. the box PA110

Auch diese Passivbox macht vor allem durch ihre ausgeprägte Wiedergabe der Höhen auf sich aufmerksam, was auf Kosten der Bässe geht. Teilweise sind mir auch hier die oberen Frequenzbereiche zu aufdringlich.

Ständer

the box PA110 mit Ständern für Monitoranwendungen

Wenngleich die PA110 nicht der schwerste Teilnehmer im Feld ist, kommt mir das aufgrund der kompakten Gehäuseabmessungen gefühlt dennoch so vor. Mitgelieferte Monitor-Füße zum Einstecken für die Nutzung der Box als Floormonitor sind bei weitem nicht mehr zeitgemäß und könnten bei ständigem Anbringen und Abmontieren auf Dauer auch zum Materialbruch an den Zapfen führen.

Was den Wirkungsgrad betrifft, liegt diese Box ganz weit vorne, das zeigen auch die Messungen des SPL.

Die Messung

Hier ist eine deutliche Betonung der höheren Frequenzbänder zu sehen. Außerdem bietet diese Box mit einem SPL von 83,1 gesamt den höchsten Schalldruck im Test und zwar sogar noch knapp vor der CL 110 Top, die mit ihrem geringeren Widerstand von 4 Ohm ohnehin Vorteile in Sachen Lautstärke haben müsste.

Hochtonhorn

Kompaktes Hochtonhorn

Fazit dieser Box

Wer Wert auf eine höhenbetonte Wiedergabe legt oder unbedingte Durchsetzungsfähigkeit vor allem von Sprache oder Gesang anstrebt, der ist mit dieser Box gut bedient. Von der Gehäuseform darf man allerdings nicht viel erwarten, die wirkt altmodisch und die mitgelieferten Monitor-Füße sehe ich als reinen Notbehelf. Wenn mit dieser Box Monitoranwenden grundsätzlich nicht infrage kommen, dann bekommt man für unter 120,- Euro aus meiner Sicht eine klanglich bessere Alternative zur Fun Generation PL 110 P.

Das Handling der PA110 wird allerdings dadurch erschwert, dass es hier nur einen einzigen Tragegriff gibt. Von Vorteil ist hier das robuste und unempfindliche Kunststoffgehäuse.

3. the box Pyrit 10

Wir bewegen uns mit der Pyrit 10 noch immer im Bereich der Kunststoffboxen. Dennoch kommt hier die erste Überraschung. Der Klang ist ausgewogen und bietet angenehme und transparente Höhen sowie eine recht gute und straffe Basswiedergabe. Hervorzuheben ist hier der 1,4-Zoll Titan-Kompressionstreiber. Der doppelte Stativflansch mit der Möglichkeit, den Lautsprecher leicht nach vorn zu kippen, steht ebenfalls auf der Haben-Seite.

the box Pyrit 10

the box Pyrit 10

Zwei Tragegriffe, einmal seitlich und einmal oben, machen das Handling deutlich angenehmer und leichter als bei der gerade beschriebenen PA110. Deswegen kommt mir die Pyrit trotz des etwas höheren Gewichts auch immer leichter vor. Über die etwas zerklüftete Optik des Gehäuse kann man sicher streiten, aber die ausklappbaren Füße für den Monitorbetrieb finde ich klasse.

Die Messung

Schon ab 80 Hz geht die Pyrit kräftig zur Sache. Ein leichter Frequenzeinbruch ist in den hohen Mitten bei 3,15 kHz zu sehen. Das ist sogar gut, denn zu viel von diesen Frequenzen lässt das Ohr leicht ermüden. Ansonsten ist der Frequenzgang recht ausgeglichen und wesentlich besser als bei einigen anderen Testkandidaten.

Monitor

Klappbare Füße für Monitoranwendungen

Fazit dieser Box

Wer sich nicht am Kunststoffgehäuse und an der etwas eigenwilligen Optik dieser Passivbox stört, der bekommt mit der the box Pyrit 10 einen klanglich guten Lautsprecher mit Multifunktionsgehäuse, der mit cleveren Lösungen auftrumpfen kann. Der Preis ist fair, für mich ist die Pyrit 10 ein klarer Tipp.

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