ARPs "All in One" Klassiker
Einen gut erhaltenen ARP Quadra zu finden, ähnelt der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Der Quadra gehört mit zu den begehrtesten Vintage-Synthesizern überhaupt. Unser Autor Costello besaß, als er diesen Report schrieb (noch) keinen Quadra, wohl aber der ebenfalls in Berlin lebende AMAZONA.de-Leser Ton-yB. Ton-yB hatte AMAZONA.de bereits für den tollen Zweiteiler zum Synclavier kräftig unterstützt. An dieser Stelle daher ein herzliches Dankeschön an ihn.
Costello war dann vom Quadra so fasziniert, dass er sich den ARP-Klassiker schließlich selbst zugelegt hat. So sind eine ganze Reihe frischer Audiobeispiele entstanden, die jetzt auch direkt in den Text integriert und ausführlich beschrieben werden. Auch das inspirierende Zusammenspiel mit dem ARP-Sequencer 1601 konnte dokumentiert werden. Und jetzt viel Spaß mit dem Vintage-Report ARP Quadra.
Euer Peter Grandl
Inhaltsverzeichnis
- ARP Quadra
- As analogue as a synth can be
- Analoge Workstation
- ARP Quadra: Design-Blaupause für Roland
- Falsches Timing
- Quadra-Vorreiter Joe Zawinul
- Der Sound zum Gruselschocker
- Very Genesis
- Solid twangs
- Pure Solina
- Polysynthesizer oder aufgemotzte Orgel?
- Der geheimnisvolle Leadsynthesizer
- Solo über fünf Oktaven
- Intervalle auf Knopfdruck
- ADSASR
- Triller mir mal was
- Phasendreher
- Doppelter Glide-Effekt
- A wie Aftertouch, a wie Arpeggio
- Please connect me
- ARP 1601 – der perfekte Sparringspartner für den ARP Quadra
- ARP Quadra – mehr als die Summe seiner Teile
- Teuer und anfällig
- ARP Quadra – der etwas andere Polysynthesizer
- Infiziert mit dem Quadra-Virus
- ARP Quadra – warum nicht zum Plug-in greifen?
- Klangbeispiele
- YT-Videos von RetroSound
As analogue as a synth can be
Viele Synthesizer scharen treue Fangemeinden hinter sich. Die Qualitäten eines Minimoogs oder Prophet-5 wurden oft genug gerühmt. Liest man, was in Musikerforen über den ARP Quadra geschrieben wird, treibt es einem fast schon die Tränen der Rührung in die Augen. Auf Sonicstate schwärmen Quadra-Besitzer vom „eleganten, gefühlvollem Klang“ des Synthesizers. Die Streicher seien „pure Solina“, der Bass „der Wahnsinn an sich“. Und überhaupt das ganze Instrument: „ein sehr großes, schönes elektronisches Meisterwerk“. Das spricht für echte Liebe. Ein User bringt es auf den Punkt: „Dieser Synthesizer ist der Inbegriff des Analogen.“
Das erste Klangbeispiel bietet einen tiefen Phasersound über dem ein klopfender hoher Phaserklang und ein Arpeggiator-Sound zu hören sind. Der zweistimmige Bläserklang zeigt, wie die beiden Oszillatoren des Leadsynthesizers im ARP Quadra auch für duophones Spiel genutzt werden können. Und über allem schweben die ätherischen Streicher des ARP Quadra.

Das flache, leicht getreppte Profil des Quadras macht den Synthesizer zur Stilikone. (Foto: Costello)
Analoge Workstation
Der Quadra-Kult unserer Tage grenzt fast schon an Verklärung. Denn im Erscheinungsjahr 1978 erinnerte der Quadra viele Musiker eher an einen aufgebrezelten Stringsynthesizer. Selbst der große ARP-Fan Gordon Reid kommt in seiner Quadra-Hommage in Sound on Sound nicht umhin festzustellen: „Der Quadra ist eine String-Maschine auf Steroiden, kein echter Polysynth.“ Ein ARP Omni 2, dem man noch eine Bass-Sektion und einen Leadsynthesizer spendiert hatte. Ganz falsch lagen die Skeptiker damit nicht. Der Omni war ein echter Verkaufsschlager für ARP. Und genau daran erinnerte sich das Management, als die Firma damals langsam aber sicher auf die Pleite zutrieb.
ARP hatte gerade viel Geld mit dem völlig verunglückten Projekt eines Gitarrensynthesizers verbrannt. Ohne Marktforschung stürzte sich ARP in das Abenteuer. Der ARP Avatar erwies sich als Riesenflop. Vor allem auch, weil die technische Umsetzung ungenügend war. Die Wandlung des Gitarrensignals in eine Steuerspannung klappte nicht wie geplant. Es war für Gitarristen fast unmöglich, mit dem Avatar sauber zu intonieren.
Der ARP Quadra sollte die Wende bringen. Beworben wurde er mit den (nicht nur) bei ARP üblichen Superlativen: „vier separate Synthesizer in einem mikroprozessorgesteuerten System“, das “überwältigende klangliche Möglichkeiten“ bieten würde.
Der Quadra sollte ARP nach dem dramatischen Fehlschlag mit dem Gitarrensynthesizer Avatar wieder in die Gewinnzone holen
ARP Quadra: Design-Blaupause für Roland
Das 5-Oktaveninstrument sieht eindrucksvoll aus. Ein schweres Biest in einem zwar nur mittelmäßig soliden, aber durchaus eleganten Stahlblechkasten mit einer Menge grüner und blauer Folientaster. Das Design begeistert heute noch und es drängt sich schon der Gedanke auf, ob der Quadra nicht auch die Konstrukteure des Roland Jupiter-8 beeinflusst hat. Sogar die orangefarbenen Schriftfelder scheint Roland direkt von ARP übernommen zu haben.
Wie alle Synthesizer aus ARPs „orangefarbener Periode“ leidet auch das Keyboard des ARP Quadra an „Überbiss“. Die Tasten stehen gefährlich vor. Ein Roadie auf einer engen Bühne musste nur einmal nicht aufpassen – kurz an einer Box oder einem Mikrofonständer vorbeigeschrappt – und die Zähne, pardon Tasten, lagen auf dem Boden.

Die Speicherplätze des ARP Quadra rufen lediglich die Preset-Einstellung oder die variable Position auf. Die roten Punkte neben den Fadern zeigen die Werte der Preset-Einstellung.(Foto: Costello)
Falsches Timing
An Bord des ARP Quadra ist ein 8048-Mikrocontroller (mehr dazu im Interview mit Ton-yB), der unter anderem die 16 Speicherplätze des Synthesizers verwaltet. Das Wort Speicherbarkeit elektrisierte damals. Allerdings merkt sich der ARP nicht etwa die Stellung der einzelnen Fader, sondern lediglich für jeden der Folientaster, ob er „an“ oder „aus“ ist. Ob das Instrument einem also die Preset-Einstellung oder die variable Position zur Verfügung stellen soll. Der Aufruf eines Speicherplatzes bietet deshalb immer nur eine Annäherung an den gewünschten Klang. Zum Endergebnis führen erst weiteres Tweaken und Feintunen. Die Presets sind jedoch gut gewählt und man kann mit ihnen flexibler arbeiten, als es zunächst den Anschein haben mag.
Als dann aber im selben Jahr der Sequential Prophet-5 und ein Jahr später der Oberheim OB-X auf den Markt kamen, sahen die Speichermöglichkeiten des ARP Quadras doch etwas alt aus. Und das galt erst recht für das Poly-Angebot des Synthesizers. Denn Vielstimmigkeit wurde wie beim Moog Polymoog durch Frequenzteilung erreicht. Ähnlich wie bei einer elektronischen Orgel.
Man ahnt schon, welches Schicksal dem ARP Quadra blühte, als die „echten“ Polyphonen auf den Markt kamen. Joseph Swalls, ein früherer ARP-Vertriebsmann, erinnert sich: „Der Quadra kam etwa zwei oder drei Jahre zu spät, um noch etwas zu bewirken, da sowohl Sequential Circuits als auch Oberheim bereits 1978 echte programmierbare Polyphone auf dem Markt hatten.“
Interessanterweise kann der ARP Quadra durchaus „modern“ klingen. Die qualitativ hochwertigen Analogklänge lassen sich nämlich wunderbar als Futter für externe Filtereffekte oder auch Bitcrusher verwenden. Für das Klangbeispiel Dance wurden mehrere Effekte des in Logic Pro enthaltenen Beat Breakers eingesetzt. Bis auf die Drums stammen alle Klänge vom Quadra.

Bei allen Qualitäten des ARP Quadra – gegen den im selben Jahr erschienenen Prophet-5 hatte er nicht den Hauch einer Chance
Quadra-Vorreiter Joe Zawinul
So blieb dem ARP Quadra der große Durchbruch verwehrt. Und während sich leicht ganze Telefonbücher mit den Namen der Prophet und Oberheim Keyboarder füllen lassen, ist die Zahl der Celebrities, die sich auf den ARP Quadra stürzten, durchaus überschaubar.
Joe Zawinul soll der erste gewesen sein, der den Quadra-Prototyp im Sommer 1978 unter die Finger bekam: „Einige Monate später erhielt Joe den ersten Testlauf des Quadra für den Einsatz in einem Weather Report Konzert in Havanna, Kuba.“ (Arpeggio Newsletter, Juni 1979) Zawinul scheint mit dem Instrument zufrieden gewesen zu sein: „Es hat einen so großen und vollen Klang.“ Was ihm besonders auffiel: „ein ausgezeichneter Bass-Sound“.
Der extrem fette Sägezahn des ARP Quadra lässt einen manchmal etwas vergessen, wie wunderbar auch die Rechteckschwingung klingt. Hier lassen sich die typischen Jazzrocksounds einstellen, die sich höhenreich auch in dichten Arrangements mit Drums, Gitarre und Bass durchsetzen. Pitchbending funktioniert via Aftertouch, für das Vibrato muss allerdings etwas mühsam der entsprechende Fader betätigt werden. Denn die Proportional Pitch Control (PPC), die wir zum Beispiel von manchen Axxe- und Odyssey-Modellen kennen, besitzt der ARP Quadra nicht.
Der Sound zum Gruselschocker
Der Regisseur John Carpenter ist bekannt dafür, auch die Musik zu seinen Horrorfilmen zu komponieren. Er setzte den ARP Quadra bei Halloween 2 und Escape from New York ein. Das Klangbeispiel Escape from Friedrichshain entstand ursprünglich für meinen Bericht über die Roland-Drummachine CR-78. Da alle Synthesizerklänge vom ARP Quadra stammen, bot es sich an, den Song hier noch einmal zu featuren. Zumal er deutlich von der Klangwelt John Carpenters beeinflusst ist. Alle vier Sektionen des ARP Quadra werden vorgestellt: Bass, Strings, recht überzeugende Synthbläser, die mit dem Polyteil erzeugt wurden, und auch der Leadteil darf brillieren: vom Sequencer-Motiv bis zum fetten Glide-Effekt.
Auch die New Order Keyboarderin Gillian Gilbert spielte Quadra. Weitere berühmte Besitzer waren Rick Wright von Pink Floyd (The Wall: „In the Flesh“, „Empty Spaces“) und Kerry Livgren von Kansas. Und da sehen wir schon, in welche Richtung der Hase läuft. Viel ProgRock dabei, der Ende der 70er-Jahre seinen Zenit schon überschritten hatte.
Die ganz große Zeit der elegischen Stringsounds und dramatischen Leadsynthesizer war eigentlich vorbei – mit Ausnahmen zugegeben.
Very Genesis
Am prominentesten kam der ARP Quadra denn auch bei Genesis zum Einsatz. Tony Banks muss seinen Quadra irgendwann 1979/80 erworben haben, als das Album Duke entstand. Auf der Duke-Tour sahen die Fans erstmalig das neue Instrument. Und waren zunächst skeptisch. Wie SoS-Autor Gordon Reid, der sich fragte, was es mit dieser „multi coloured monstrosity“ auf sich hatte. Er musste sich bis zum berühmten In the cage-Solo gedulden. Dann stand für ihn fest: „Es klang fabelhaft. Das kann nur ein ARP gewesen sein.“ (Sound on Sound April 2002)
Das Synthesizersolo aus In the Cage vom Album The lamb lies down on broadway spielte Tony Banks auch später gerne in Medleys der alten Genesis-Hits. Im Original nutzte er das legendäre Preset Fuzz Guitar 1 vom ARP Pro Soloist. Aufgrund der besonderen Schaltungen des Pro Soloist konnte dieser spezielle Sound auf anderen ARP-Synthesizern nicht überzeugend reproduziert werden. Banks verwendete deshalb auf dem Quadra meist einen kräftigen Sägezahnsound.
Dabei kommt ein Rechteck mit Pulsweitenmodulation dem Original sogar näher. Der im Vergleich um Pro Soloist größere Tonumfang des ARP Quadra ermöglicht es übrigens problemlos, das Schluss-Arpeggio über volle vier Oktaven zu spielen. Banks bleibt für die beiden letzten Akkordbrechungen in derselben Oktave.
Banks hielt dem „buntem Ungetüm“ ARP Quadra auch lange die Treue – bis weit in die zweite Hälfte der 80er Jahre. Der Quadra ist auf Abacab, Genesis und Invisible Touch zu hören und war auch live immer dabei – verewigt auf dem Doppelalbum Three sides live. Es war genau das Instrument, auf das Banks gewartet hatte.
Noch 1976 moserte er im Keyboard Magazine über den ARP 2600: „Wenn man ein 2600 auf die Bühne bringt, gehen viele seiner Feinheiten verloren. Man muss bei jedem Ton, den man benutzt, Kompromisse eingehen.“ Deshalb war Banks auch ein großer Fan des Preset-Synthesizers ARP Pro Soloist; er bedauerte allerdings, dass dieser über nur einen Oszillator verfügt: „Ich finde, sie sollten ein ähnliches Instrument mit zwei Oszillatoren bauen. Das würde seine Vielseitigkeit erheblich steigern.“ Es scheint, als hätten die ARP Ingenieure mit dem Quadra genau diesen Wunsch erhört.
Schauen wir uns nun genauer an, was der ARP Quadra draufhat.
Solid twangs
Wer den ARP Axxe kennt, hat keine Zweifel, dass ein Oszillator völlig ausreicht, um einen sehr mächtigen Bass zu erzeugen. Beim Quadra kommt ein eigener, frei stimmbarer VCO für die monophone Bass-Sektion zum Einsatz. Zwei Presets stehen zur Verfügung: Electric Bass und String Bass. Die Fußlagen 16 und 8 können auch kombiniert werden. Und falls ein richtig markerschütternder 32-Fußbass gewünscht ist: Bitteschön, dafür gibt es einen eigenen Transpositionsschalter. Der Quadra-Bass ist hervorragend geeignet für „solid twangs“. Die Drums im Soundbeispiel stammen von einer LinnDrum.
Immer wenn ein Bassregister gewählt wird, erzeugt der ARP Quadra einen Keyboardsplit. Knapp zwei Oktaven sind für die tiefen Töne reserviert: C1 bis H2, um genau zu sein. In der oberen Oktave überschneidet sich der Bass mit den Strings, wenn beide gleichzeitig aktiviert sind. Der Electric Bass kann zusätzlich mit Decay und Filterresonanz getuned werden, um Funky-Bässe mit viel Punch zu erzeugen.
Auf den ersten Blick scheint der String Bass dagegen etwas stiefmütterlich behandelt worden zu sein. Aber nur auf den ersten Blick: Immerhin besitzt er seinen eigenen Lautstärkeregler. Und außerdem wirken der Attack- und Release-Regler, so wie auch der Phaser-Kanal der Stringsektion auf den Bassklang. Sehr schön, um zum Beispiel weiche Fretless-Bässe zu realisieren.
In unseren Gesprächen über den ARP Quadra merkte Ton-yB an, dass die String Bass Klangerzeugung einfach aus der String-Section abgezweigt worden sei: „Ein großartiges Feature, als Folge eines Kompromisses, wie so oft beim Quadra.“
Pure Solina
Die Streicher des ARP Quadra scheinen tatsächlich dem Stringteil des Omni 2 nachempfunden. Mit den Fußlagen 8 und 4 können dem Streichbass Bratschen und Geigen hinzugefügt werden. Das Ein- und Ausschwingverhalten wird entweder per Preset gesteuert oder über die Attack- und Release-Fader eingestellt. Hübsch ist der Hinweis im Handbuch „Versuchen Sie beim Spielen, wie ein Geiger zu denken.“ Denn selbst bei bester Artikulation: Ein ARP String wird nie wie ein echtes Streichorchester klingen. Genau deshalb machten ja später die Marcato-Strings eines Emulators so viel Eindruck. Die ARP Strings sind seit den seligen Solina Zeiten für wunderbare Klangteppiche mit viel Sternenstaub berühmt.
Auch eine einzelne Sostenuto-Linie lässt sich überzeugend intonieren. Erinnert sei nur an Love will tear us apart von Joy Division.
Kombiniert man die String-Sektion mit dem Bass, der ja frei gestimmt werden kann, liefert der Quadra herrliche Schwebungen und es klingt schon sehr fett. Die Streicher profitieren besonders stark vom Phaser des ARP Quadra, auf den wir später noch zu sprechen kommen. Mit einem eigenen Fußschalter „Poly Sustain“ können alle vorgewählten Release-Werte „überschrieben“ werden. Das Instrument erklingt dann mit maximaler Ausschwingzeit.
Das Klangbeispiel Americana demonstriert den silbrig schimmernden Stringsound des ARP Quadra, ergänzt um einen Melodika-ähnlichen Leadsound, der mit der Poly-Sektion erzeugt wurde. Ein bisschen REM, ein bisschen Lindenstraße.
Ein kleiner blauer Folientaster liegt gerade auf der Grenze zwischen Streicherteil und dem Polysynthesizer. Er heißt „Hollow Waveform“ und befindet sich hier mit gutem Grund. Denn er ändert für beide polyphone Bereiche des Synthesizers die Grundschwingungsform von Sägezahn auf Rechteck. ARP sensibilisiert hier den geneigten Quadra Nutzer für den dramatischen Unterschied im Klang: „Man beachte, wie die Streicher ihren klassischen Orchestercharakter verlieren und einen neuen, völlig anderen Klang annehmen.“

Der Poly-Synthesizer klingt alleine etwas spröde. Gemeinsam mit den Strings entfaltet er seinen Charme. Der blaue Folientaster links wählt die Rechteckschwingung an. (Foto: Costello)
Polysynthesizer oder aufgemotzte Orgel?
Bei der nächsten Sektion verspricht ARP nicht weniger als „authentisch klingendes Klavier, Vibraphon, Bläser und andere beeindruckende Synthesizer-Effekte“. Der ARP Quadra wurde ja als Polysynthesizer beworben (was Moog mit seinem Polymoog und später dem Opus 3 übrigens auch tat). Tatsächlich kam aber klassische „Divider“-Technik zur Anwendung. Derselbe Tongenerator, der die Streicherklänge erzeugt, ist auch für den polyphonen Synthesizer zuständig. Ist nicht der „Hollow-Taster“ (also die Rechteckschwingung) aktiviert, erklingt ein Sägezahnton.
Joy Division entlockten dem Polyteil des ARP Quadra bei Decades von ihrem zweiten Studioalbum Closer einen sehr typischen Klang, der irgendwo zwischen Orgel und Spinett liegt.
Die beiden Fußlagen 8 und 4 können auch kombiniert werden. Und der Poly-Bereich bietet sogar eine vollständige ADSR-Hüllkurve. Die Folientaster bestimmen wiederum, ob die Hüllkurve über Presets gesteuert wird oder die Werte individuell von Hand eingestellt werden. Denkbar ist zum Beispiel folgende Kombination: Attack auf Preset (der Ton ist sofort da), Decay und Sustain ebenfalls auf Preset (entspricht 100 Prozent) und dazu eine variable Ausschwingzeit.
Das Filter der ARP Quadra-Polysektion verfügt über Cutoff und Resonanz. Ein eigener Fader „ADSR Depth“ bestimmt, wie stark die Hüllkurve das Filter moduliert. Auch der LFO kann für die Filtermodulation herangezogen werden. Im folgenden Beispiel habe ich die Filtermodulation des Polyteil mit einigen Arpeggiolinien kombiniert.
Die Handbuch-Autoren geizen beim Thema Filtermodulation nicht mit guten Tipps: Ein statischer Filterverlauf sei bei Spinettklängen zu bevorzugen, während Bläser nach reichlich Modulation verlangten. Nun ja, möchte man einwenden – realistische Bläser benötigen vor allem eine unabhängige Hüllkurve pro gespielte Note. Und genau die liefert die Frequenzteilungstechnik eben nicht. Weshalb es schnell nach Orgel klingen kann. Keyboarder wie Tony Banks haben das Problem clever gelöst: Während er mit der einen Hand auf dem Synclavier den hypnotischen Mama-Sound spielte, hämmerte die andere die perkussive Begleitung auf dem Quadra (wenigstens im offiziellen Mama-Video). Live nutzte er den Trigger-Impuls der LinnDrum. Ein sehr durchsetzungsfähiges Staccato, das ich in der Mischung zusätzlich etwas nach vorne geholt habe.
Vor allem aber spielt der Polyteil im Zusammenhang mit den Strings seine Qualitäten aus. Das kannte man so schon vom Omni. Die gleißenden, sirrenden Strings mit einem filtermoduliertem Brass-Sound erzeugen eine majestätische orchestrale Wirkung. Vielleicht noch etwas Phasing dazu? Kombiniert mit dem kräftigen Bass-Synthesizer ist bereits Gänsehaut-Feeling garantiert. Noch mehr Schwebungen bringt im folgenden Klangbeispiel der Boss Chorus CE-1.

Kein Odyssey, kein Solus und schon gar kein Axxe. Der Leadsynthesizer im ARP-Quadra nimmt eine Sonderstellung ein. (Foto: Costello)
Der geheimnisvolle Leadsynthesizer
Und es kommt noch besser: Lassen wir den Blick auf dem Bedienungspaneel weiter nach rechts schweifen, gerät zunächst der Mischer ins Blickfeld und der berühmte Phaser, der nicht wenig zum Charme des Quadras beiträgt.
Wir wollen uns aber zunächst noch den Lead-Synthesizer vornehmen. ARP weist stolz darauf hin, dass der Lead-Synthesizer, wäre er nicht im ARP Quadra enthalten, eine „separate physische Einheit“ darstellen würde. Das mag ja stimmen; aber dann wäre der ARP Quadra ja auch kein Quadra mehr, sondern gerade mal ein Trio. Viel ist gerätselt worden, was da eigentlich verbaut wurde. Selbst renommierte Zeitschriften wie das Keyboard Magazine haben sich da vertan, als sie den Quadra als „Synthesizer-Sandwich, bestehend aus einem Omni, einem Axxe und ein paar anderen Synthesizern, die in einer Kiste zusammengeschnürt sind“ beschrieben haben. (KM, April 1983). Nun ist der Axxe ja eindeutig ein monophoner Synthesizer mit einem VCO. Und der Quadra-Lead verfügt über 2 Oszillatoren und auch zwei Stimmen. Das erinnert natürlich an den Odyssey. Im Vergleich zum Odyssey ist der Funktionsumfang aber vor allem im Modulationsbereich deutlich abgespeckt. Einige sehen daher eher Parallelen zum ARP Solus.
Im folgenden Beispiel habe ich den durchsetzungsfähigen Leadsound des ARP Quadra über eine epische Orchestermusik mit stampfenden Drums und Chören gelegt. Eine schöne Kombination, falls die Nachtwache mal wieder die Mauer gegen den Nachtkönig verteidigen muss.

Die Zweistimmigkeit des ARP Quadra-Leadsynthesizers lässt eine gewisse Verwandtschaft mit dem ARP Odyssey erkennen (Foto: Costello)
Solo über fünf Oktaven
Da die Vergleiche mit anderen ARP-Synthesizern nicht allzu weit führen, schauen wir uns lieber im Detail an, was der Lead-Synthesizer tatsächlich zu bieten hat. Zunächst einmal kann man mit ihm ein Solo über die vollen fünf Oktaven spielen, ohne ständig eine Transpositionstaste zu drücken. Ist das Bassregister aktiv, wird der Aktionsradius freilich auf die oberen drei Oktaven beschränkt.
Neben dem obligaten Sägezahn offeriert der Lead-Synthesizer auch eine Rechteckschwingung. Allerdings ist die Pulsbreite nicht stufenlos einstellbar (wie bei Axxe, Odyssey oder auch Solus), sondern arbeitet mit festen Werten. 10 Prozent für nasale Klänge, die Richtung Holzbläser gehen. Und alternativ 50 Prozent, was als „hollow timbre“ – als „hohler Klang“ – beschrieben werden kann. Die Pulsbreite kann über den Hüllkurvengenerator moduliert werden. Beim ARP Axxe hilft die Pulsbreitenmodulation, um schwebende Klänge zu erzeugen. Da zuckt der Lead-Synthesizer des Quadra nur mitleidig mit seinen LEDs. Schließlich sorgen ja bei ihm die Tuningfader der beiden Oszillatoren für mehr oder weniger subtile Schwebungen oder gar Intervallstimmungen.
Hier ein Überblick auf den Spuren von Tony Banks und der Cinema Show zur Rechteckschwingung des ARP Quadra mit und ohne PWM.
Intervalle auf Knopfdruck
Die Stimmung Osc 1 zu Osc 2 kann zusätzlich per „Intervall Write“ chromatisch programmiert werden. Bei zweistimmiger Spielweise ist der Lead Synth duophon, hierbei wird dann der Intervall-Speicher auf die zweite Stimme angewendet. Oszillator 2 kann an- oder abgestellt, aber nicht stufenlos dazugemischt werden. Ein Nachteil gegenüber dem Odyssey. Dafür lässt sich beim ARP Quadra aber die zweite Stimme deaktivieren. Bei der Artikulation schneller Läufe bedeutet das durchaus einen Vorteil. Teilweise deaktiviere ich sogar einen Oszillator, um ein ähnlichen Sound wie bei meinem geliebten Pro Soloist zu erzielen, der leider mittlerweile verstummt ist. Und wie früher beim Pro Soloist versuche ich dann die fehlenden Schiebungen mit dem Boss CE-1 zu kompensieren.

Beim Design des Filterbausteins 4075 unterlief den ARP Ingenieuren ein Fehler, der eine begrenzte Cutoff-Frequenz zur Folge hatte
Von anderen ARPs bestens vertraut ist das Filter mit Cutoff und Resonanz. Verbaut wurde das 4075 Filtermodul mit 24 dB Flankensteilheit. Weil ARP einen Widerstand falsch berechnete, geht die Cut off-Frequenz nicht so hoch, wie erstrebt war. Bei 12 kHz ist Schluss, weshalb etwa der Odyssey Mk III nicht ganz so gut klingt wie seine beiden Vorläufer. Die Beschränkung des Frequenzganges kann allerdings durch Anpassung des Widerstands heute leicht behoben werden. Hier ist der Filterklang des ARP Quadra pur zu hören.

Die Hüllkurve des Leadsynthesizers ist sehr viel flexibler, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Im Verbund mit den Preset-Tastern erhält man eine zweite Attack-Phase. (Foto: Costello)
ADSASR
Wie schon beim Polysynthesizer gibt es wiederum einen Fader, der bestimmt, wie stark die Hüllkurve den Filterverlauf moduliert. Der Blick auf die VCA-Hüllkurve sorgt zunächst einmal für Ernüchterung. Was – nur ADR? Kein Sustain? Doch hier kommen wieder die grünen Folientaster ins Spiel, namentlich die „Sustain Low“-Taste.
Das Ganze resultiert in einer Attack-Decay-Sustain-Attack-Sustain-Release-Hüllkurve. „Eine sehr komplexe Hüllkurve“, wie das Handbuch ganz ohne falsche Bescheidenheit anmerkt. Im Prinzip ergänzen sich hier Preset-Einstellungen und frei wählbare Hüllkurvenabschnitte zu einem ziemlich differenzierten Lautstärke- und Filterverlauf mit einer zweiten Attack-Phase. In musikalische Sprache übersetzt lässt sich so beispielsweise ein überzeugendes Sforzando erzeugen.
Tja, da beginnt langsam der Diamant zu funkeln. Denn dazu kommt noch die Tatsache, dass sich der Lead-Synthesizer per Touch Sensor „anschlagdynamisch“ spielen lässt. Das hatte bereits dem ARP Pro Soloist zu unglaublicher Lebendigkeit verholfen. Mittels Tastendruck können Lautstärke, Filteröffnung und alternativ die Tonhöhe (Bend up only) sehr subtil und musikalisch sinnvoll beeinflusst werden. Die Touch-Sensoren befinden sich allerdings nur unter den Tasten der oberen drei Oktaven.
Der Lead-Synthesizer im ARP Quadra klingt einfach unglaublich fett. Tony Banks witzelte später in einer Werbebroschüre für den Korg Oasys, dass er seinen alten Klang ganz einfach simulieren könnte: Schließlich bräuchte er nur einen Sägezahn mit etwas Portamento zu veredeln. (Ton-yB und Costello an dieser Stelle unisono: Hahaha!) Diesem „Bankstatement“ muss entschieden widersprochen werden: Seine Soli klangen nie zuvor und vor allem zu keinem späteren Zeitpunkt so gut wie auf dem ARP Quadra.
Triller mir mal was
Auch die Modulationsmöglichkeiten sind ziemlich außergewöhnlich. In manchen Forumsbeiträgen liest man auch, sie seien „weird“ – also schräg oder sonderbar. Das gilt natürlich nicht für das einfache Vibrato, das der LFO an die Oszillatoren abliefert. Anders sieht es mit der Trill-Funktion aus, die den eingebauten Computer nutzt, um Intervalle zu speichern. Der Quadra „trillert“ dann fröhlich vor sich hin – auf Wunsch in wahnsinniger Geschwindigkeit. Verbindet man das mit dem Arpeggiator, klingt es garantiert „weird“.
Auch ohne „Trill“ lässt sich „Intervall Write“ gewinnbringend einsetzen, vor allem in Live-Situationen. So lassen sich leicht Quarten oder Quinten programmieren und mit nur einem Finger spielen.

Die Modulationsabteilung des Quadra mit der eigentümlichen Trill-Funktion. Man beachte bitte auch den einsamen Folientaster für das Intervall Write. (Foto: Costello)
In der Abteilung „VCO Pitch Modulation“ ist außerdem der Hold/Flat-Taster wichtig. „Hold“ blendet im Zusammenspiel mit einem Fußschalter die Leadstimme aus einem komplexen Arrangement ein und aus (was ja nun eindeutig kein Pitcheffekt ist). Anders „Flat“, das die Stimmung der Lead-VCOs oder der Poly-Sektion einen Halbton absenken kann, um dann den Klang effektvoll wieder auf seine ursprüngliche Tonhöhe zurückfedern zu lassen. Damit ergänzt dieser Effekt das durch Aftertouch gesteuerte Pitchbending nach oben. Etwas gewöhnungsbedürftig – diese Kombination aus Fußtaster und Aftertouch fürs Pitchbending.
Phasendreher
Für die klangliche Ausgewogenheit der vier Quadra-Bereiche sorgt der Output Mixer. Aber es sind ja fünf statt vier Fader? Was haben wir übersehen? Alles klar, der ARP Quadra bietet auch die Möglichkeit, ein externes Signal einzuschleifen und in der Lautstärke mit den Quadra Sounds zu mischen. Und noch eine Besonderheit: Der Mixer hat Send/Return-Funktion. Darauf kommen wir im Abschnitt über die Ein- und Ausgänge des Quadras noch einmal zurück.
Nachdem die einzelnen Bereiche möglichst „heiß“ abgemischt sind – für einen guten Rauschabstand – gibt es natürlich noch einen Master-Regler. In der Mischerabteilung wartet ein weiteres Highlight des ARP Quadras: der Phaser.
Lange bevor uns die Workstations mit „Rundum-Sorglos-Effekt-Paketen“ verwöhnten, gab es Synthesizer mit eingebauten Effekten. So besitzt der ARP 2600 einen Federhall, der viel zum Vintage Sound des Instruments beiträgt. Der Korg Trident hat einen sehr coolen Flanger an Bord. Und beim ARP Quadra kommt ein genialer Phase Shifter zum Einsatz. Nicht so ein vergleichsweise braver Phaser wie später beim Korg Polysix, mit dem sich immerhin ein Orgel Leslie halbwegs realistisch simulieren ließ. Sondern ein richtig dramatisches Phasing. Ist der Resonanzregler auf Maximum gestellt, dann gurgelt und blubbert der Sound, dass es nur so eine Freude ist. Für noch mehr Variation sorgen die Modulationsmöglichkeiten per Pedal, Preset-Hüllkurve und sogar Sample and Hold ist – wie gleich zu hören – möglich.
Der Effekt kann für alle Sektionen des ARP Quadra einzeln ausgewählt werden. Ein leicht angephaster String-Brass-Sound à la Shine on you cracy diamond und darüber ein trockener Leadsound – kein Problem. Und das Ganze in Stereo. Ein „stereo animator“ sorgt dafür, dass das Phasing-Signal in Abhängigkeit von der gewählten Sweep-Geschwindigkeit zwischen den Lautsprechern hin- und herwirbelt.

Links neben der Tastatur befinden sich die beiden Portamento-Fader für VCO 1 und 2. Außerdem wird hier das Triggerverhalten des Polysynthesizers eingestellt. (Foto: Costello)
Doppelter Glide-Effekt
Links und rechts neben der Tastatur befinden sich ein paar weitere Regler. Zur linken kann mit einem einfachen Umschalter das Triggerverhalten des Poly- und Leadmodus des ARP Quadra verändert werden. In der Multiple-Stellung löst jeder Tastenanschlag ein neues Triggern der Hüllkurve aus. In der Position „Single“ können bei Legato-Spielweise neue Triggerimpulse vermieden werden. Oder eben bewusst ausgelöst, um einzelne Töne zu akzentuieren. Hochinteressant sind die zwei Portamento-Fader. Tatsächlich kann jedem der beiden Lead-Oszillatoren eine eigene Portamento-Geschwindigkeit zugeordnet werden – very nice. „Dadurch entstehen Schwebungen im Attack, die erheblich zum fetten Klang der Lead-Sounds beitragen“, schwärmt Ton-yB. Das erinnert fast schon an das polyphone Portamento der großen Oberheim Synthesizer. Na gut, fast.
Den für jeden der beiden Oszillatoren unabhängig einstellbaren Portamentoeffekt hat Tony Banks effektvoll eingesetzt: Beim Solo zu The colony of slippermen wechselt er tiefe Grundtöne stakkatoartig mit höheren Tönen ab. Der Glide-Effekt wird dadurch extrem herausgestellt und der Sägezahn bekommt eine geradezu gummiartige Elastizität.

Rechts der Tastatur wird der Aftertouch und der Arpeggiator aktiviert. Letzterer kann im Zusammenspiel mit der Trill-Funktion für Effekte verwendet werden, die dann tatsächlich nach Sequencer klingen. (Foto: Costello)
A wie Aftertouch, a wie Arpeggio
Wechseln wir auf die rechte Seite: Hier wird die Aftertouch-Funktion aktiviert, die beim Klangbeispiel Pulslead verwendet wird, um einen Pitchbendeffekt zu erzeugen. Ebenso verwendet der Klang das doppelte Portamento des ARP Quadra, freilich nur subtil eingesetzt, um den Klang etwas anzufetten.
Der zweite Schalter ist etwas hochtrabend mit Sequencer beschriftet. Tatsächlich handelt es sich um einen Arpeggiator, der auf den Lead-Synthesizer wirkt. Möglich sind Auf- sowie Auf- und Abwärtsbewegungen. Über die bereits beschriebene Trill-Funktion wird das Arpeggio-Tempo variiert.
Durch die verschiedenen Triggermöglichkeiten des ARP Quadras kann der LFO mit dem Wechseln der Akkorde synchronisiert werden. Mittels Fußschalter kann das Arpeggio gehalten werden, so dass man beide Hände frei hat für den Bass- und Polybereich. Bei cleverer Programmierung der Intervall- und Trillerfunktion können tatsächlich Sequencer-artige Effekte erzeugt werden. „Wenn Sie diese Sequenz mit den anderen Quadra-Komponenten kombinieren, kann das Ergebnis überwältigend sein.“ Da kann man den ARP-Autoren nicht einmal Übertreibung unterstellen.

Quadra-Anschlüsse erster Teil: Pedale, Fußschalter und separate Ausgänge für jedes der vier Quadra-Instrumente. (Foto: Costello)
Please connect me
Die Rückseite des ARP Quadra ist mit Buchsen nur so gepflastert. Pedale, Fußschalter, Stereoausgänge, Line Mono und XLR. Dazu eigene Quad-Ausgänge, um jedes beliebige Signal des Quadras unabhängig von den anderen zu mixen. So könnte etwa dem Leadsynthesizer ein spezieller Echoeffekt zugemischt werden. Hier wartet noch ein besonderes Schmankerl: Die Quad-Outs haben eigene integrierte Effektschleifen! Mit einem Insert-Kabel lassen sich direkt für jede Quad-Sektion einzeln Effekte einschleifen und dann mit dem Phaser/Mixer zusammenmischen. Zusätzlich gibt es einen eigenen Eingang für ein Fremdsignal, das in der Mixersektion abgemischt werden kann.
Dazu kommt noch die volle Ausstattung mit CV-, Gate- und Trigger-Ein- und Ausgängen, um den Lead-Synthesizer entweder durch einen Sequencer oder anderen Synthesizer zu steuern. Oder ihn seinerseits zum Ansteuern externer Geräte zu nutzen. Und als ob das noch nicht genug wäre, besitzt auch der Bass-Synthesizer eigene CV- und Gate-Buchsen – In wie Out.
Leider gibt es keinen gesonderten Triggereingang, um den Arpeggiator zu synchronisieren. Die großzügig bemessenen Verbindungen mit der Außenwelt sind umso willkommener, als der ARP Quadra natürlich noch nicht über MIDI verfügt.
Das Klangbeispiel Electronica 2 legt über eine TR-606 einen Bassklang, der für mehr Snappiness mit dem Leadsynthesizer des Quadra produziert wurde. Darüber schimmert ein hoher Stringsound. Weiter ist ein durch Sidechain rhythmisiertes Pattern vom Poly-Teil zu hören, ein hoher Effektsound à la Kraftwerk, sowie ein markantes Melodiefragment.

Und Quadra-Anschlüsse zweiter Teil. Allein die CV- und Gate-Anschlüsse für Lead- und Bass-Synthesizer sind ein Fest! (Foto: Costello)
ARP 1601 – der perfekte Sparringspartner für den ARP Quadra
Eine sehr spannende Ergänzung zum ARP Quadra ist der legendäre Sequencer aus dem gleichen Haus – der ARP 1601 Step-Sequencer. Aus meiner Sicht auch heute noch ein extrem flexibler und dabei intuitiv zu bedienender Step-Sequencer.
Natürlich versteht sich der 1601 auch wunderbar mit dem ARP 2600, dem Odyssey oder Axxe. Gleichwohl ist gerade das Zusammenspiel mit dem ARP Quadra besonders ergiebig. Zum einen hat man mit dem Bass- und dem Leadsynthesizer gleich zwei Synthesizermodule, die angesteuert werden können. Zum anderen lässt sich beim Leadsynthesizer zusätzlich die Intervall-Funktion in Verbindung mit „Trill“ und Arpeggiator dazuschalten. Die sich überlagernden rhythmischen, melodischen und harmonischen Muster besitzen einen ganz eigenen Reiz.
Beim nächsten Klangbeispiel wird der ARP 1601 zur Steuerzentrale für gleich mehrere Synthesizer: Clock Out und Quantize A sind mit Gate In und VC In des Lead-Synthesizers im ARP Quadra verbunden. Der Bass-Synthesizer des Quadras mit Quantize B in VC In verkabelt. Der Sequencer wird in 2x 8 Schritte gesplittet, so dass Lead und Bass unterschiedliche Linien spielen. Clocked Gate 1 geht zum Trigger In im ARP Axxe: Der Rauschgenerator erzeugt einen rhythmischen Effekt. Dabei liefern alle Steps, bei denen ich Gate-Switch 1 eingestellt habe, einen Triggerimpuls für mein Noise. Der ARP 1601 seinerseits wird von der Roland CR 78 angesteuert. Zusätzlich ist ein Chorsound vom Prophet VS und ein Lead-Klang vom Oberheim OB-8 zu hören. Der ARP Quadra ist also durchaus auch für die Fans von Tangerine Dream und Klaus Schulze eine interessante Option.

Für die CV und Gate-Eingänge des ARP Quadra benötigt man Miniklinkenkabel. Soll der Sequencer auch auf den Filtereingang wirken, braucht man ein Kabel mit Miniklinke auf Klinke. (Foto: Costello)
ARP Quadra – mehr als die Summe seiner Teile
Das Geheimnis des ARP Quadra liegt in zwei Dingen begründet: Die ARP Ingenieure haben ein ziemlich intuitiv zu bedienendes Instrument geschaffen und dabei alles weggelassen, was man eigentlich nicht braucht. Das ist der große Unterschied zu ARPs echtem Polysynthesizer Rhodes Chroma, wo es sich gerade umgekehrt verhält.
Zweitens haben die Konstrukteure ein Gesamtinstrument geschaffen, das tatsächlich mehr ist als die Summe seiner Teile. Es ist ein Genuss, den ARP Quadra zu spielen, er klingt einfach majestätisch: „Very ARP and in your face.“ Selbst in seinen Unvollkommenheiten, die er natürlich auch ganz klar hat, kann er als die Quintessenz dessen gelten, was ARP ausmacht. Das haben die Liebhaber, die diese Firma immer hatte – gerade auch in ihrer Abgrenzung zu Moog – dann auch irgendwann erkannt.
Teuer und anfällig
Diese Zuneigung drückt sich auch direkt in den Preisen aus, die Quadra Liebhaber bereit sind zu zahlen. Der ARP Quadra ist sehr rar. Und es darf als Riesenglücksfall gelten, einen gut erhaltenen Quadra zu erwischen. Es wurden keine großen Stückzahlen produziert zwischen 1978 und 1981. Und manches Exemplar ist in den über vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, auf der Strecke geblieben.
Auf die anfällige Tastatur haben wir bereits hingewiesen. Das Blechgehäuse des Quadra ist nicht starr genug und kann sich beim Transport leicht verwinden (siehe Interview). Bei schlechter Behandlung können sich schnell unschöne Dellen und Beulen bilden. Aus Spargründen wurde zunächst darauf verzichtet, das Metallgehäuse des Quadra zu grundieren. So brauchte es nicht viel, damit die Beschriftung sich ablöst. Die Seitenteile wurden mit Linoleum-Bodenbelag bezogen und sind anfällig für Kratzer oder lösen sich gerne von den Kanten her ab. Bei meinem Quadra haben sie sich schon lange verabschiedet, wobei die Metallseiten aber auch nicht schlecht aussehen.

Den Folientastern blieb ARP auch bei der Entwicklung des Rhodes Chroma treu
Als besonders anfällig sollten sich die Folientaster erweisen, für die es bei Ausfall nur schwer Ersatz gibt. Im Prinzip ist es aber machbar, wie Ton-yB im Interview erläutert. Im Internet ist auch ein Beispiel dokumentiert, wo ein vollständiger Austausch der Mylar-Folie gegen konventionelle Schaltertechnik vollzogen wurde. Eine Wahnsinnsarbeit, die dem Look des Instruments nicht unbedingt gut tut.
Ach ja, und dass die Fader mit zunehmendem Alter schwergängig bis unbenutzbar werden, ist jedem ARP Besitzer nur zu geläufig. Das freilich lässt sich beheben. Der größte Risikofaktor ist wohl der Ausfall des Mikrocontrollers. (Auch dazu mehr im Interview).
ARP Quadra – der etwas andere Polysynthesizer
Costello:
Meine Begeisterung für den ARP Quadra resultiert ganz klar aus der Bewunderung für Tony Banks und Genesis. Wie ist das bei Dir? Warum hast du den Quadra deiner Sammlung zugefügt?
Ton-yB:
Den Begriff Sammlung mag ich eigentlich nicht so. Auch wenn man natürlich leicht in das Sammelfieber abrutscht. Ich arbeite ernsthaft daran, immer nur Instrumente zu behalten, die ich auch regelmäßig spiele oder die meinen Klangfundus eindeutig erweitern. Was den Quadra angeht, ist das bei mir ähnlich wie bei dir. Tony Banks war der Held meiner Jugend. Für mich gehören Banks Kompositionen und seine eigenständige instrumentale „Stimme“ auf Synthesizer, Hammond und Mellotron zumindest abschnittsweise noch immer zum Berührendsten, was die Menschheit an musikalischem Output produziert hat.
Jetzt wissen wir auch, was es mit deinem Pseudonym auf sich hat. Ton-yB = Tony Banks. Und auf dem Quadra kamen Tonys Soli ja nun besonders fett rüber.
Ton-yB:
Ich würde zwar nicht sagen, dass mir die Quadra Soli unbedingt besser gefallen als seine Pro Soloist oder die späteren Synclavier Leadsounds, die haben alle ihren eigenen Reiz. Aber die auf den Abacab/Mama/Invisible-Touren live mit dem Quadra gespielten Soli klingen schon unglaublich durchsetzungsstark, kraftvoll und definitiv wunderschön.
Interessant sind aber nicht nur die monophonen Leadsounds, sondern z. B. auch die Stakkato-Akkorde im Song „Mama“, die Banks einfach auf dem Quadra hält und von einer LinnDrum triggern lässt. Oder die „Abacab“ Intervalle, bei denen ein Poly-Synth Preset des Quadra durch einen Verzerrer geschickt wird. All diese Sounds sind der ursprüngliche Grund für die Anziehungskraft, die der ARP Quadra auf mich ausübte und die mich letztendlich zum Kauf bewogen hat. OK, ein bisschen haben es mir auch das schräge Konzept und das durchgeknallte Design angetan.
Costello:
Nun liegen die Dinger ja leider nicht auf der Straße rum.
Ton-yB:
Du sagst es. Ich habe jahrelang, ach was, jahrzehntelang nach einem gut erhaltenen Quadra gesucht. Die wenigen Angebote, die es über die Jahre gab, habe ich immer wieder verworfen, weil die Kisten entweder runtergerockt waren oder mir zu teuer erschienen. Irgendwann begannen die Preise langsam anzuziehen und ich habe dann nach dem Motto jetzt oder nie bei einem Angebot in den USA zugeschlagen. Aus heutiger Sicht war das auch mit Zoll und Transportkosten zwar noch günstig, aber es hätte auch richtig schiefgehen können.
Costello:
Da lässt man Nerven.
Ton-yB:
Absolut. Der ARP ist sehr empfindlich und es ist ein langer Weg über den großen Teich zu mir. Als die Kiste dann endlich da war, funktionierte auch so einiges nicht. Es stellte sich aber dann heraus, dass ich ein richtiges Dornröschen-Exemplar erwischt hatte, welches einfach seit der Herstellung ungespielt im Flightcase gelagert war.
Costello:
Ohne Worte, davon kann man ja nur träumen.
Ton-yB:
Alle Verschmutzungen und Schäden, die auf den Fotos erkennbar waren, stellten sich als Spuren von aufgelöstem Flightcase Schaum heraus. Nicht mal ein Kratzer. Noch nicht mal an den Schrauben neben der Tastatur, die man zum Öffnen des Gehäuses löst, ist der Lack abgeplatzt. Das hatte ich in all den Jahren noch nie gesehen. Also nix abgerockt, sondern frisch aus der Zeitmaschine.
Costello:
Wo hast du den Quadra technisch aufarbeiten lassen?
Ton-yB:
Ich habe einen kurzen Check durchgeführt und eine Grundreinigung und dann habe ich das Schätzchen für eine elektronische Frischzellenkur zum heiligen Eric nach Holland geschickt.
Costello:
Der gute Saint Eric in Dordrecht. Er ist wirklich der ARP Papst und ein super netter Typ. Ich habe ihm damals meinen Pro Soloist persönlich vorbeigebracht. Von Brüssel aus war das nur ein Katzensprung. Aber zurück zu deinem Quadra …
Ton-yB:
Das Verschicken war nochmal eine Zitterpartie, aber seither läuft der Quadra wie ein Träumchen. Ich glaube nicht, dass es auf der Welt noch allzu viele Quadras in einem solch guten Zustand gibt.
Costello:
Was schätzt du an dem Instrument?
Ton-yB:
Seine schräge Einzigartigkeit. Wenn man ohne viel nachzudenken drauflosspielt, klingt es eigentlich sofort wie ein Genesis Track aus den späten 70ern. Der Quadra ist sowas wie die „auf-Knopfdruck-glücklich-analog-Workstation“ für in der Vergangenheit hängengebliebene Art-Rocker wie mich. (lacht)
Costello:
Das hast du jetzt hübsch gesagt …
Ton-yB:
Na ja, mit den ganzen Spielhilfen und Eigenarten kommt man auch immer auf neue, kranke Ideen. Nicht zuletzt kann man von einem Keyboard aus ohne irgendwelche Menütauchereien ein ganzes Arrangement lostreten (oder besser losfingern) und es erklingt immer im großartigen Breitwand-Analogformat.
Ein weiterer, ganz entscheidender Punkt sind für mich die beiden Frequenzteiler-Sektionen: Strings und Polysynth. Ich finde klassische Polysynths mittlerweile oft recht langweilig.
Costello:
Diese Einschätzung wird die Prophet-5 Besitzer unter uns sicher freuen …
Ton-yB:
Ok, es gibt da schon großartige Kisten, aber der Sound ist doch auch recht ausgelutscht. Frequenzteiler-Synths galten immer als Orgeln oder Notlösung. Aber neben dem etwas untypischen Klang sind sie eben vollpolyphon und man kann endlich mal mit 10 – oder mehr – Fingern und Pedal spielen. Das geht auch mit einem P10 oder CS80 nicht oder klingt dann nicht besonders. Auf Synths mit diskreter Stimmarchitektur klingen komplexe, vollgriffige Akkorde oder Cluster eben schnell unangenehm und schräg oder einfach too much. Auf dem Quadra klingt sowas geil.
Costello:
Wofür setzt du den Quadra aktuell ein?
Ton-yB:
Einfach dransetzen und Spaß haben! Dann als so eine Art Synth-Taschenmesser im Studio mit all seinen Einzelfunktionen beim Arrangieren und Aufnehmen: Bass, String Machine, Phaser etc. und als unerschöpfliche Inspirationsquelle beim Soundschrauben. Gerne dann mit externen Effekten, geschichteten Sounds und CV-Experimenten.
Costello:
Was macht für dich seine Einzigartigkeit aus?
Ton-yB:
Einige Punkte habe ich ja bereits angesprochen. Aber wenn man es auf den Punkt bringen muss, sind es eigentlich seine Schwächen. Die ARP Leute mussten mit technisch einfachen Mitteln eine eierlegende Wollmilchsau auf die Beine stellen, um ihre Firma vor dem Bankrott zu bewahren. Das ging letztendlich nur, indem sie jede Sektion des Synths auf das Nötigste reduziert und dann durch einfache Tricks – also Spielhilfen, Schaltfunktionen, Mixer, Phaser – das Ganze vor der Trivialität gerettet haben. Ich vermute, dass die Klanggewalt des Quadra auch durch die relative Einfachheit der jeweiligen Signalwege zustande kommt, die ja dann alle kombiniert doch wieder ordentlich komplex sind.
Costello:
Was würdest du umgekehrt als Schwächen sehen?
Die Schwächen sind seine Stärken. Solange man nicht erwartet, dass der Quadra klingt wie ein Memorymoog oder Prophet-5.
Costello:
Wie sieht es mit dem Thema Maintenance aus? Du lächelst so vielsagend. Ist es so schlimm?
Ton-yB:
Wie man’s nimmt. Das Gehäuse zum Beispiel ist zwar wirklich futuristisch schön, aber eben aus recht dünnem Blech gefertigt. Wenn man den Quadra nicht an beiden Enden gleichmäßig anhebt verwindet er sich beim Transport. Das kann zu Verknotungen der elektronischen Innereien führen. Also von Kontaktproblemen über gebrochene Lötstellen bis hin zu Platinenbrüchen.
Costello:
Das will man nicht haben.
Ton-yB:
Das braucht man wirklich nicht. Andererseits sind Profis wie Joe Zawinul damit jahrzehntelang auf Tour gewesen. Sooo empfindlich ist er dann wohl doch nicht, wenn man ihm nicht mal aus Versehen die Zähne – also Tasten – ausschlägt. Bis auf ein paar Details sind Reparaturen am Quadra ziemlich unproblematisch, es gibt zwar ein paar ICs, die man etwas suchen muss, aber alles keine blauen Blumen.
Costello:
Probleme mit den Folientastern scheinen nicht so leicht zu beheben zu sein.
Ton-yB:
Die Folientaster sind bei normaler Benutzung ziemlich haltbar. Die reagieren ja schon auf leichtes Antippen. ARP bezeichnet sie ja daher auch als „Tap-Touch Switch“. Wenn da aber über Jahre ein Grobmotoriker zugange war, können die schon mal den Geist aufgeben.
Costello:
Und was dann?
Ton-yB:
Dann wird es etwas unangenehm. Entweder man tauscht sie gegen normale Taster aus, wobei man das sicher auch eleganter machen kann, als in dem von dir im Beitrag beschriebenen Beispiel oder man lässt sich eine neue Tasterfolie anfertigen. Das ist im Maschinenbau ein ganz übliches Verfahren. Lohnt sich aber leider nur bei größerer Stückzahl. Ich hatte mal interessehalber ein Angebot angefragt, das lag bei ca. 3000,- Euro für eine einzelne Folie.
Costello:
Das klingt nach einem Schnäppchen.

Dieser Schriftzug ist manchem Sammler viel Geld wert. Doch manchmal drohen teure Reparaturen. (Foto: Costello)
Ton-yB:
Gefährlicher wird es nur bei der CPU, die die Taster verwaltet. Das ist eben ein Mikrocontroller, d. h. das Quadra „Betriebssystem“ ist fest in den Chip integriert. Wenn der flöten geht, ist Ende Banane. Ein Händler aus den Niederlanden hat mal Ersatz-CPUs angeboten. Ich habe mir damals zur Sicherheit ein Backup gekauft. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Teile sehr haltbar sind. Bisher läuft meine original CPU einwandfrei. Ich nehme an, dass man den Mikrocontroller mit den heutigen technischen Mitteln auch clonen könnte. Grundsätzlich gilt für mich: Technik lässt sich immer irgendwie reparieren.
Costello:
Für wen macht der Quadra aus deiner Sicht heute Sinn?
Ton-yB:
Tja, für wen macht das Teil Sinn?! (schmunzelt) Also erstmal für jeden, der sich in den göttlichen Sound verknallt. Dann hilft’s eh nix. Dann natürlich für Musiker, die ihren Synth wirklich im Sinne einer Instrumental-Performance spielen wollen. Die ein elektronisches Instrument suchen, welches Übung beim Spielen und Experimente bei der Verkabelung mit externen Effekten oder CV-Kisten mit immer neuen, unerwarteten Soundentdeckungen belohnt. Klar, wer ‘ne gute String-Machine, eine Moog Taurus Alternative, eine Polymoog Alternative, den Über-Phaser oder den fettesten ARP-Lead sucht, der könnte auch fündig werden. Aber für die Einzelaufgaben sind die Quadras dann wohl doch schon ein bisschen zu teuer geworden.
Costello:
Auf alle Fälle ist der Quadra zu schade für die Vitrine.
Ton-yB:
Sammler und Spekulanten lassen sich hoffentlich von den technischen Eigenheiten, dem „odd ball“-Image oder dem Begriff „Frequenzteiler“ abschrecken. Wär doch schade drum.
Costello:
Das finde ich auch. Vielen Dank, Ton-yB, dass du uns den Quadra mit so viel Begeisterung und Kenntnis nahegebracht hast.
Infiziert mit dem Quadra-Virus
Die Klangbeispiele zum Quadra-Report waren ursprünglich bei meinem Besuch bei Ton-yB „on the fly“ entstanden. Neben dem Interview und den Fotos. Und wer ein so komplexes Instrument nur mal kurz anspielt, kann ihm schwerlich voll gerecht werden. Bei mir hat aber schon das Anspielen und das Gespräch mit dem Besitzer den Wunsch ausgelöst, selbst einen ARP Quadra zu besitzen. Ich habe mir für die Suche Zeit gelassen. Wer bei der Vintage-Suche ungeduldig ist, kann sehr schnell mehr Geld ausgeben, als ihm lieb ist.
Meine Geduld wurde belohnt: Ein seriöses Studio in Berlin trennte sich von einer ganzen Ladung Vintage-Synthesizer. Wäre ich Spekulant, hätte ich damals für relativ wenig Geld einen Synthex, einen OSCar und einen Jupiter-6 erstehen können. Der Quadra kostete mit Case 4.200 Euro – ein durchaus fairer Preis. Mein Quadra weist zwar ein paar optische Mängel auf: Die Linoleum-Seiten fehlen, ebenso der ikonische Schriftzug auf der Rückseite. Dafür ist das Panel mit den Folientastern einwandfrei und der Synthesizer war von Analogia.pl überholt worden. Er funktioniert bis heute. Der Quadra bildet zusammen mit dem Prophet-5 und einem Prophet VS mein Lieblingstrio.
ARP Quadra – warum nicht zum Plug-in greifen?
Natürlich kann man die Frage stellen, ob man nicht für knapp 50 Euro auch mit dem Plug-in von Cherry Audio gut bedient ist. Warum nicht? Für mich wäre es allerdings keine Alternative: Da tippt man sich dann durch 400 Presets und das ist eigentlich das komplette Gegenteil von dem, was den wundervollen Charme des Originals ausmacht. Der ARP Quadra lädt einfach zum stundenlangen Spielen, Ausprobieren und Improvisieren ein. Diese Inspiration will bei Software nicht auf mich überspringen.
Ich besitze den Pro Soloist von Cherry Audio, der sehr durchdacht konzipiert ist. Die Architektur des Pro Soloist wurde komplett aufgebohrt, dadurch bietet die Software-Emulation viel mehr Möglichkeiten und dazu klingt sie auch noch recht gut. Den Vergleich mit meinem (leider nicht mehr funktionierenden) Pro Soloist hält das Plug-in aber nicht stand. Speziell der legendären Fuzz Guitar fehlt die Magie des Originals.
Doch zurück zum ARP Quadra: Das Klangbeispiel Electronica 1 verbindet einen Arpeggiator-Sound und zwei verschiedene Effektklänge. Später kommt ein zweiter arpeggierter Klang hinzu, wobei der Triller-Effekt das Pattern zusätzlich anreichert.
Klangbeispiele
Inzwischen kenne ich „meinen“ Quadra. Und konnte so eine ganze Reihe zusätzlicher Klangbeispiele aufnehmen, die die Vielfalt des Instruments abbilden. Zum einen schüttele ich das In the cage-Solo natürlich nicht einfach so aus dem Ärmel, zum anderen konnte ich den Quadra nun auch in Songs einbetten. Als Interface wurde ein Prismsound Orpheus und ein Neve 88M verwendet, an Effekten Roland SRV-2000, Lexicon PCM 70, Roland RE-201 und hier und da auch die Quantec QRS und Yardstick-Simulation in Logic Pro, die wirklich nicht übel klingt. Beim Beispiel Paraphonic Fuzz habe ich das Behringer Spring Reverb 646 eingesetzt, das auch einen angenehm klingenden Verzerrer bietet. Der Bass-Sound im Original ist übrigens ein Moog Taurus, in meinem Beispiel der ARP Quadra. Die Drums kommen, wenn nichts anderes vermerkt ist, von Toontracks EZdrummer 3.
Hier eine von mir häufig genutzte Einsatzmöglichkeit. Über ein Arpeggio des ARP Quadra improvisiere ich auf einem anderen Synthesizer – in diesem Fall ist es der Prophet VS. Der Echoeffekt kommt vom PCM 70.
Von den ursprünglichen Soundbeispielen verblieben ist Ton-yBs filigrane „Quadra-Improvisation“, die jenseits der Portamento-Leads die Raffinesse des Quadras zeigt. Keine Overdubs, alles in einem Durchgang mit Pedalen und Fußschaltern gespielt. Von Ton-yB stammt auch der Polyfilter-Sweep (70% Resonanz) mit Phaser. Mit bewusst niedriger angesetztem Pegel, weil gerade dieser Sound gerne mal Verzerrungen produziert, die dann vor allem bei der MP3-Wandlung virulent werden. Bei der Improvisation kam ein Quantec QRS zum Einsatz, beim Phaser-Beispiel ein Lexicon 480L. Letzteres wurde über eine Lake People DI direkt ins Pult gespielt. Sonst ist alles neutral: kein EQ, kein Kompressor oder sonstige Effekte. Das Audiointerface ist ein PrismSound Dream ADA-8.

Joe Zawinul war der erste, der den neuen ARP Quadra testete. Der Keyboarder von Weather Report war auch wichtiger Werbeträger für ARP.
Bei Ton-yB habe ich auch die Beispiele Bass, Trill-Effekt, Intervall Write sowie Lead 1 und den Pulsleadklang eigespielt.
Die Aufnahmekette: Quadra (Stereo Out) -> 2x Stage Acompany SA20 Di-Box -> 2x Amek 9098 EQ/Pre (nur Preamp) -> Euphonix CS2000/3000 -> PrismSound Dream ADA-8-> Cubase. Als Hall kam ein Lexicon 224 zum Einsatz.
YT-Videos von RetroSound
Hier drei YT-Videos mit dem ARP Quadra von Marko Ettlich auf seinem YT-Channel RetroSound.
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Wunderbarer Artikel von Dir.
Die Liebe und Begeisterung für diesen traumhaften Synthesizer ist in jedem Satz und allen Klangbeispielen zu spüren!
Danke dafür, schöner kann der Samstag nicht beginnen.
wunderschön!
finde auch den Moog source so schön!
aber leider auch mit Folientasten.
oder meinen jx3p! hab sogar ein jx3p t Shirt 😁
leider sind heute wenige Geräte so schön.
Danke für diesen informativen wie unterhaltsamen Beitrag zum ARP Quadra! Da macht der Samstagvormittag gleich noch mehr gute Laune.
Es ist tatsächlich so, dass Software-Simulationen das Spielgefühl auf so einem außergewöhnlichen Instrument nur teilweise abbilden können. Wer aber das hier Besprochene trotzdem mal selber nachhüpfen will, ist mit den Cherry-ARPs eigentlich ganz gut bedient.
Und die gibt es jetzt anlässlich des 100sten Geburtstages von Alan R. Pearlman im Cherry Audio-Shop ziemlich günstig. Der hier zelebrierte ARP Quadra und der ebenfalls erwähnte ARP Pro Soloist sind gerade für 29,– Dollar zu haben. Und auch die anderen ARP-Interpretationen gibt`s zum reduzierten Preis.
Toller Artikel mit schönen Soundbeispielen, mein Liebling ganz klar der John Carpenter inspirierter Track.
Costello kann es einfach :-) jeder Artikel von ihm ist eine Liebeserklärung an das Gear und die Geschichten darum.
Von einem Quadra habe ich schon oft geträumt, gerade wegen John Carpenter.
Jetzt hatte ich mir mal das Cherry Audio Plug-In angehört, mit den Strings kann ich mich anfreunden aber diese hohen Sequencer und Lead Sounds wie in Costello’s „Escape from Friedrichshain“ habe ich leider bei der Software nicht gehört.
Hat jemand das Plug-In und würde sagen dass man diese Sounds auch mit dem Plug-In hinbekommt?
@Anthony Rother Das Cherry Audio kann wohl schon mehr als nur Strings. Hier hatte jemand mal vor ein paar Jahren in einem Test einen kompletten Track nur damit gemacht:
https://www.buenasideas.de/test/testbericht-cherry-audio-quadra-vier-gewinnt/
Klingt für mich entfernt nach alten Kraftwerk-Sachen.
@Klaus Trofob Vielen Dank, höre gerade rein. Klingt gut.
Das beste wäre ein Quadra Hardware – Cherry Audio Quadra Vergleich.
Konnte aber keinen Vergleich finden.
Ich muss zugeben das ich der Software nicht wirklich traue dass sie wie die Hardware klingt ohne einen Vergleich.
😃
@Anthony Rother Im direkten Vergleich wird man wohl bestimmt noch den einen oder anderen Unterschied zwischen Hardware und Software hören, wie doch eigentlich fast immer. Aber das Plugin kostet auch wirklich nicht viel, momentan nur 29,- Dollar.
Erstmal, ein geiler Artikel über diesen Hammersynth! Ich oute mich jetzt mal. Warum bin ich Keyboarder geworden? Antwort: Tony Banks! Für mich wird der ARP Quadra immer mit diesem Musiker verbunden sein. Ich hatte schon immer einen Faible für Multisynths gehabt und bis in die Neunziger hinein selbst einen ARP Omni 2 gespielt.
Kleine Anekdote, es begab sich auf der Musikmesse Frankfurt und auf dem ARP-Stand wurde der Rhodes Chroma vorgestellt. Daneben stand noch ein Quadra herum, wohl damit der Chroma nicht so einsam ist. Ich habe etwas auf dem Chroma herumgeklimpert, aber der Funke wollte an diesem Tag nicht so Recht überspringen. Also habe ich mich an den Quadra gesetzt, weil ich noch nie auf einem spielen konnte. Was soll ich sagen, ich konnte mich nicht mehr davon loseisen. Irgendwann wurde es dem Herrn von ARP zu bunt und er hat mich freundlich darauf hingewiesen, das doch der Chroma der neueste Synth wäre und ich sollte doch lieber den spielen oder gehen. Ich bin dann gegangen.😉
interessanter und betont liebevoller artikel, tolle sound-beispiele. wieder einiges neue erfahren. großes lob!
trotzdem ist der funke bei mir nicht übergesprungen – der quadra ist mir zu vintage. ein bisschen mehr polysynth darf schon sein.
Vielen Dank für den schönen Artikel!
Liebe das Design/Layout vom Quadra genauso wie vom Jupiter-8.
Herzlichen Dank für diesen wundervollen, umfassenden und detailreichen Artikel, incl. liebevoll eingespielter Soundbeispiele beziehungsweise „Zitate“ und dem abschließenden Talk. Ich kann mich den übrigen Kommentatoren nur anschließen und freue mich, unter so vielen Gleichgesinnten zu sein.
Ich finde auch, ARP baute die schönsten Synths. Besonders die orange-schwarzen Instrumente waren sehr gelungen. Da kam vielleicht noch Oberheim mit den Nadelstreifen in die Nähe.
Die Logos der beiden Firmen waren selbst in den End-70ern sensationell altbacken. Motto: hier disaint der Schäff
@Tai selbst moog hat es geschafft, eine note ins eigentlich schöne logo zu pfuschen.
Klingt wirklich eigenständig.
Vor 30 Jahren hätte man bestimmt noch ein Exemplar preiswert ergattern können.
Heute sind sie Museumsstücke.
Wenn man mich heutzutage ein Hersteller nochmal zum Kauf überreden möchte, dann schaut euch die Designs dieser Instrumente an. Korg entwarf für mich irgendwann die langweiligsten Designs überhaupt. Heutzutage verstauben alle Workstations in einem Eck meines Zimers und locken mich nicht mehr.
Krass muss es sein liebe Hersteller, krass!
@PaulusS dabei hatte korg mit dem MS-20 ja eine ikone geschaffen. aber nach der M1 war nur noch langeweile.
@mdesign der minilogue hat einen Designpreis gewonnen und ist wunderschön 🔥
@Numitron mein minilogue XD steht direkt neben meinem MS-20. er ist optisch und funktionell ganz ok, da gebe ich dir recht. aber die holzfront auf die rückseite zu kleben, ist schon ein bisschen hilflos.
@mdesign aber er hat einen hohen Wiedererkennungswert!
😃
Welch umfangreicher und schön geschriebener Artikel voller Retroklänge! Danke dafür. 😘
Vielen Dank für euer positives Feedback zum ARP Quadra-Report. Ich habe mich sehr darüber gefreut. 🙂Völlig zu recht heben viele das tolle Design hervor. Besucher meines Musikzimmers fragen oft, warum ich überhaupt so viele Tasteninstrumente brauche. Beim Quadra allerdings sagen alle „wow, der sieht ja wirklich cool aus!“ Ich hoffe sehr, er hält noch ein Weilchen. Ihn zu spielen, macht einfach nur Freude. Und sonst muss halt Cherry Audio ran. 😉Klingen tut der ja offenbar auch sehr gut und man kann endlich den Arpeggiator synchronisieren. Ein A-B-Vergleich Hardware-Plugin würde mich übrigens selbst mal interessieren. Lieben Gruß an die Amazona-Gemeinde und noch einen schönen Sonntagabend!
@costello Hi Kazimoto, so weit ist es zum Glück noch nicht, dass ich Selbstgespräche führe. 😄 Der Kollege falconi hatte Ton-yb bereits vor mir interviewt – zum Synclavier. https://www.amazona.de/vintage-digital-ned-synclavier-ii-synclavier-9600-teil-1/ Mit dem Quadra-Artikel liegt’s du richtig. Das war einer meiner ersten Artikel für Amazona, ursprünglich 2018 erschienen. Für die Wiederveröffentlichung habe ich an die 20 neue Klangbeispiele erstellt und außerdem alles zusammengeholt, was ich zwischendurch schon mit dem Quadra angestellt habe. Unter anderem „Escape from Friedrichshain“. Die Klangbeispiele sind jetzt direkt im Text untergebracht, wo sie thematisch passen und auch beschrieben. Es kamen auch neue Kapitel dazu und eine ganze Reihe neuer Fotos. Ist also ein echtes Reissue geworden. Mit dem DK Synergy reißt du bei mir eine (fast vernarbte) Wunde auf. Aber das ist eine andere Geschichte.
@costello Ton-yb ist eine Referenz auf den englischen Unterhaltungsmusiker Anton Geldinstitute, der mit seiner Hammond Royal gern zum Tanze aufgespielt hat.
So eine Bahnreise bietet endlich Gelegenheit, diesen Monsterartikel von A-Z zu lesen und die Beispiele zu geniessen. Ein echter Costello. Besten Dank dafür. Da der Quadra einfach nur gut aussieht, war ich auch immer mal am Nachdenken, damals halt. Irgendwann konnte ich mal einen anspielen, war aber nicht meins und kapiert habe ich die Kiste auch nicht. Für die Optik muss es nun ein Jupiter 8 richten. Den Sound liefert Behringer.
Tolles Gerät, toller Artikel, tolle Klangbeispiele! Zum Stichwort „Phasendreher“ noch der Hinweis, das einige Klangbeispiele komplett gegenphasig sind, vielleicht lässt sich das noch korrigieren?