Vintage Seltenheit - der Teisco S-60F
Der Teisco S-60F ist ein kompakter, monophoner Analogsynthesizer aus dem Jahr 1980. Er wurde von Teisco gebaut, einer Marke, die zu diesem Zeitpunkt bereits unter dem Dach von Kawai stand. Der Synthesizer folgt der klassischen subtraktiven Klangerzeugung und bietet eine überschaubare Architektur mit einem Oszillator, einem Filter, einem Verstärker, einem LFO und einer ADSR-Hüllkurve. Heute gehört er zu den eher unbekannten und seltenen Vintage-Synthesizern am Sammlermarkt.
Inhaltsverzeichnis
Teisco und der Übergang zu Kawai
Teisco war ein japanischer Hersteller, der seit den 1950er-Jahren Musikinstrumente produzierte, zunächst vor allem E-Gitarren, Verstärker und elektronische Orgeln. 1967 wurde das Unternehmen von Kawai übernommen, das den Markennamen Teisco noch einige Jahre weiterführte. Während Kawai traditionell im Klavier- und Digitalpianobereich stark war, diente die Marke Teisco in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren dazu, auch im wachsenden Markt analoger Synthesizer Fuß zu fassen.
Die Teisco-Synthesizer dieser Zeit wurden in Japan entwickelt und in vergleichsweise kleinen Stückzahlen gefertigt. Der S-60F, der um 1980 erschien, war einer der letzten unter dem Teisco-Label veröffentlichten Synthesizer. Kurz darauf stellte Kawai die Produktion unter diesem Namen ein und brachte analoge und später digitale Synthesizer unter dem eigenen Markennamen auf den Markt.
Rückblick: Der Teisco S-60F Synthesizer
Innerhalb der Teisco Synthesizer-Reihe nimmt der S-60F die Rolle des einfachsten Modells ein. Während der größere Teisco 110F über zwei Oszillatoren verfügt, ist der S-60F strikt monophon und besitzt nur einen VCO. Er richtete sich an Anwender, die ein kompaktes, günstiges und leicht bedienbares Gerät suchten. Auf komplexe Modulationszuweisungen, Speicherfunktionen oder Sequencer wurde verzichtet. Damit blieb der S-60F technisch unterhalb der großen Konkurrenzmodelle seiner Zeit und positionierte sich bewusst in einem niedrigeren Preissegment.
Der Teisco S-60F ist bis heute ein nahezu unbekannter Außenseiter unter den Vintage-Synthesizern geblieben. Er wurde nur in geringer Stückzahl hergestellt und war außerhalb Japans kaum verbreitet.
Gerade das macht ihn aber für Sammler interessant und klanglich hat er wirklich Charakter.
Aufbau, Haptik, Tastatur und Anschlüsse
Der Teisco S-60F Synthesizer ist kompakt gebaut und besitzt eine robustes Metallgehäuse mit Holzseitenteilen. Sein Layout ist übersichtlich und folgt der klassischen Anordnung von links nach rechts: Oszillator, Filter, Verstärker, Modulation und Hüllkurve. Wer sich mit analogen Synthesizern auskennt, findet sich hier sofort zurecht. Um mal ein Negativ-Beispiel zu nennen – ein Yamaha CS30 ist da deutlich komplizierter zu bedeinen und zu druchschauen.
Ein auffälliges Merkmal sind die grünen Signal-LEDs, die den Signalfluss entlang des Panels anzeigen. Leuchtet eine LED, liegt in der jeweiligen Sektion ein Audiosignal an, bleibt sie dunkel, ist der Pegel zu niedrig oder der entsprechende Parameter ist deaktiviert. Diese Anzeige hilft beim Verständnis der Signalführung, ohne dass sie für die Bedienung zwingend erforderlich wäre.
Die Tastatur umfasst zweieinhalb Oktaven mit 32 Tasten. Sie ist solide verarbeitet, nicht anschlagdynamisch, aber zuverlässig spielbar. Ihr kompakter Umfang ist ausgerichtet auf Bass- und Lead-Anwendungen, für die der Teisco S-60F hauptsächlich konzipiert wurde.
An Anschlüssen bietet der Synthesizer CV- und Gate-Eingänge zur externen Steuerung, einen Audioeingang für die Einspeisung externer Signale, zwei Ausgänge mit unterschiedlichem Pegel (Low und High) sowie einen Kopfhöreranschluss. Damit ist der S-60F vollständig kompatibel mit analogen CV/Gate-Setups und kann sowohl eigenständig als auch als Filter- oder Effektmodul für andere Signalquellen genutzt werden.
Klangerzeugung
Der vollkommen analoge Signalweg des S-60F ist klassisch und linear aufgebaut. Die Klangerzeugung besteht aus einem Oszillator (VCO), einem resonanzfähigen Tiefpassfilter (VCF), einem statischen Hochpassfilter (HPF), einem spannungsgesteuerten Verstärker (VCA), einer ADSR-Hüllkurve und einem LFO.
Oszillator
Der Teicso S-60F besitzt einen einzigen spannungsgesteuerten Oszillator, der die Schwingungsformen Sägezahn und Rechteck/Puls erzeugt. Die Pulsbreite lässt sich modulieren, was dem Klang zusätzliche Bewegung verleiht. Der Tonhöhenbereich reicht über mehrere Fußlagen von 4 bis 64 Fuß. In der Low-Position arbeitet der Oszillator mit frei einstellbarer Frequenz, die über den Tune-Regler durchfahren werden kann. Damit lassen sich auch tieffrequente Modulationseffekte realisieren.
Als Modulationsquellen für den VCO stehen LFO, Hüllkurve und ein Bender-Pad zur Verfügung. Das Bender-Pad erlaubt sowohl positive als auch negative Tonhöhenbeugungen. Zusätzlich gibt es eine Delay-Vibrato-Funktion, bei der die Modulation zeitverzögert einsetzt.
Filter
Das Tiefpassfilter des Teisco S-60F ist spannungsgesteuert und mit Resonanz ausgestattet. Die Resonanz reicht bis zur Selbstoszillation, wodurch das Filter auch als Klangquelle genutzt werden kann. Die Modulation des Filters erfolgt über den LFO und die Hüllkurve. Eine stufenlos einstellbare Keyboard-Steuerung sorgt dafür, dass sich die Filterfrequenz der gespielten Tonhöhe anpassen lässt.
Ergänzt wird das Tiefpassfilter durch ein manuell regelbares Hochpassfilter, das unabhängig arbeitet und keine Modulationsquellen besitzt. Diese Kombination erlaubt einfache, aber wirkungsvolle Klangfärbungen von warmen, vollen Sounds bis zu dünneren, helleren Varianten.
Verstärker und Hüllkurve
Der spannungsgesteuerte Verstärker (VCA) wird über eine ADSR-Hüllkurve gesteuert. Diese bestimmt die zeitliche Lautstärkeentwicklung des Signals. Eine Hold-Funktion kann den Verstärker dauerhaft geöffnet halten. Die Hüllkurve ist einfach, aber ausreichend schnell, um perkussive oder kurze Sequenzen zu realisieren.
LFO
Der LFO des S-60F bietet mehrere Schwingungsformen, darunter Sägezahn, Rechteck, zusätzlich noch Sample & Hold. Damit lassen sich sowohl regelmäßige Modulationen als auch zufällige Tonhöhen- oder Filterbewegungen erzeugen. Der LFO kann sowohl auf den Oszillator als auch auf das Filter wirken.
Externes Audio und Noise
Der S-60F kann über den Audioeingang externe Signale anstelle des internen Oszillators verarbeiten. Im internen Mixer lässt sich Rauschen als zusätzliche Klangquelle hinzumischen. Diese Optionen erweitern den Einsatzbereich über reine Bass- und Leadsounds hinaus und ermöglichen auch etwas abgefahrenere Effektklänge.
Der Teisco S-60F in der Praxis
In der Anwendung erweist sich der S-60F als unmittelbares und unkompliziertes Instrument. Seine überschaubare Architektur erlaubt einen schnellen Zugang zu den wichtigsten Parametern. Klanglich liefert er stabile, präzise Ergebnisse, die vor allem im Bass- und Lead-Bereich überzeugen. Die Filterresonanz ist deutlich ausgeprägt und lässt sich musikalisch gut kontrollieren.
Die CV/Gate-Steuerung funktioniert zuverlässig und erlaubt den Betrieb mit analogen Sequencern oder Controllern. Durch den Audioeingang kann das interne Filter auch auf andere Klangquellen angewendet werden, was ihn im Studio zu einem vielseitigen Werkzeug macht.

Die Bedienoberfläche ist übersichtlich, die Fader und Potentiometer sind solide ausgeführt und bieten einen angenehmen Widerstand. Die Tastatur ist mechanisch robust und für ein Gerät dieser Größe von akzeptabler Qualität. Die grünen Signal-LEDs erleichtern die Orientierung und geben ein unmittelbares visuelles Feedback über den Signalfluss.
Der Teisco S-60F ist nicht unbedingt ein Synthesizer für komplexe Klangexperimente, auch wenn man mit ihm, trotz der reduzierten Möglichkeiten schnell zu schrägen Sounds kommen kann. Gerade diese Reduktion macht ihn in vielen Situationen effektiv. Seine Bauweise, die einfache Handhabung und die stimmstabile Elektronik tragen dazu bei, dass er auch nach Jahrzehnten als zuverlässiger analoger Monosynthesizer gilt. Unterm Strich – ein kleiner Geheimtipp.
Der Teisco S-60F auf YouTube
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Interessante Vorstellung .. danke.
Das Testexemplar sieht ja aus wie neu.
Wo der wohl preislich liegen wird ?
Immer wieder überraschend wie, schön so ein altes Gerät mit minimalistischer Ausstattung klingen kann (auch wenn hier wohl noch mit ein bisschen Reverb aufgebrezelt wurde).
Sollte mir mal ein gebrauchter günstig über den Weg laufen, müsste es aber dann doch eher der S-110F sein, damit ich schwach werde. Die Teiscos sind selten (und das ist auch gut so gegen die ungesunde Sammelwut). 😉
Ja, Teisco hatte damals einige spannende Synthesizer im Rennen. Ich kann mich noch gut an den polyphonen SX-400 erinnern. Als ich beim SSB zu Besuch war um den Oberheim OB-SX anzuspielen, stand auch ein SX-400 im Laden. Er konnte soundmäßig im direkten Vergleich zum Oberheim natürlich nicht mithalten, war aber trotzdem ein ein beindruckendes Teil. Ach so, der obige Link zum Vintage-Bericht über den SX-400 funktioniert nicht. Wahrscheinlich weil das Datum auf den 10.01.2026 eingestellt ist.
@MadMac Der 210er klingt wie die Venus… sagenhaft schön.🤩
Den krieg ich gesamplet. Freu mir total..gg
@Viertelnote […klingt wie die Venus… sagenhaft schön…] Dann viel Spaß mit den Samples. Habe mir eben zum Kaffee den Artikel über den SX-240 gegönnt. Auch ein nettes Teil. Hat sogar zwei Oszies.🙂
@MadMac Danke Dir! ein bisschen gedulden muß ich mich noch.lieber Gruß🙂
die rangieren bestimmt an die 1.000er Marke.
Würde den bestimmt nicht darunter abgeben wollen (wenn ich den hätte und mögen würde)
Aber Teisco macht mich hier monofon klanglich nicht an (außer polyfon der 210), eher zappenduster🙂Rollo ganz nach down gezogen🤔
Aber der Artikel ist super getippselt. Hat sehr gut zum Kaffee gepasst.
Dankesehr!
freundlichst netter Gruß🙂
Und ich dachte nach 16/17 Jahren Amazona kenne ich inzwischen jeden Synthesizer. Tja, irren ist menschlich! Der Firmenname war mir irgendwie gehörfällig, aber das Gerät augenblicklich nicht. Dennoch, er liefert laut Klangbeispielen tatsächlich schöne brauchbare Ergebnisse. Brot,-und Buttersounds wie man so schön sagt in der Szene. Auch das Design und die Stimmstabilität gehen klar. Ob man diesen in der heutigen Zeit noch braucht sei mal dahingestellt. Aber ein interessantes, kleines Gerät – Ein „Silberschatz der Synthesizer“ (würde ein Old Shatterhand sagen).
Mein absoluter Favorit bei den monophonen Kawais / Teiscos ist der 1978er S-100f. Der kann zusätzlich noch Filter-FM durch den Oszillator und hat einfach sauknackige Envelopes. Der superknarzige Sägezahn tut ein übriges dazu. Klingt insgesamt einfach so richtig knackig durchsetzungsfähig wunderschön elektronisch. Da kommen viele moderne Analoge einfach nicht ran.
Der funktioniert auch super für Acidartiges, quasi eine mehr als brauchbare 303-Alternative.
Bei meinem 100f war die Tastatur ein Totalschaden. Da habe ich ihn gleich auf einen Desktopsynth umgebaut und ein Kenton CV/Gate Interface reingebastelt. Zusammen mit dem CV-In fürs Filter läßt er sich einfach vom Eurorack aus ansteuern und erzeugt jede Menge Sequenzer- und Percussionlines.
Die alten Teiscos finde ich auch noch sehr interessant.
Allerdings sind die aufgerufenen Preise eher abschreckend, wenn man mal einen sieht.