Mit Mod: Analog Drum at its best
Kann mir mal einer verraten, wieso ich mir eine gebrauchte Roland TR-606 für 450,- Euro gekauft habe, wo es doch den Nachbau Behringer RD-6 schon für 79,- Euro neu im Handel gibt? Der Nostalgie-Effekt war jedenfalls nicht schuld daran – und auch nicht eine exzessive Sammlerleidenschaft. Die Antwort ist ganz simpel: Der Sound!
Inhaltsverzeichnis
Roland TR-606 vs. Behringer RD-6
Ich bin eigentlich nicht der Typ, der eine Stecknadel fallen hört und verzweifelt nach subtilen Klangunterschieden sucht, um einen Unterschied zwischen Klon und Original als verwerflich abzutun. So bin ich Besitzer einiger Behringer-Derivate, unter anderem dem Behringer UB-Xa, dem Behringer Wave oder auch dem Behringer Pro-1 – alles Synthesizer, die die Originale fast schon authentisch abbilden oder zumindest für meine Ansprüche den Vorbildern verdammt nahe kommen.
Im Fall der Roland TR-606, die ich einst b – übrigens damals ebenfalls bereits modifiziert – hatte ich mich extrem auf den Behringer-Klon gefreut und gehörte sicher zu den Early Birds. Die Feature-Liste klang einfach zu schön, um wahr zu sein – aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Entsprechend enttäuscht war ich schließlich, als ich die RD-6 in Händen hielt und die ersten Loops damit erstellte. Ja, sie klang schon ähnlich wie meine einstige TR-606, aber irgendwie war sie dann doch zu weit vom Original entfernt.
Vor allem die HiHats, die maßgeblich für den typischen TR-606-Sound verantwortlich sind, klangen meilenweit daneben. Tatsächlich hatte ich die RD-6 ein paar Monate bei mir im Studio stehen, spielte immer wieder mal damit und erstellte sogar ein paar Tracks damit … aber mit jeder Session setzte ein interessantes Phänomen ein: Ich hörte quasi nur noch die HiHat – vergleichbar mit einem stetig tropfenden Wasserhahn in der Nacht.
Das war der Moment, in dem ich beschloss, die RD-6 abzugeben und mir wieder eine Roland TR-606 zuzulegen – trotz aller Einschränkungen (fehlendes MIDI, keine Einzelausgänge, kein Clap-Sound, kein Distortion-Effekt). Kurz vor der Bestellung haderte ich dann zwar noch mit dem Preis – aber schließlich obsiegte der GAS-Faktor. Und als ich das Original schließlich wieder in Händen hielt und hörte, wusste ich: Sie war jeden einzelnen Cent wert gewesen.
Kurzer Hinweis: Da ich beide Geräte nie gleichzeitig im Studio hatte, gibt es von mir keinen direkten Klangvergleich. Am Ende des Berichts findet ihr jedoch ein YouTube-Video mit einem entsprechenden Vergleich.
Mit einem Mod wird alles besser
Kaum hatte ich mich an der TR-606 wieder sattgespielt, kam auch der Wunsch auf, meine geliebten Mods erneut einbauen zu lassen. Ein kurzer Blick auf Google verriet mir, dass ein guter Freund und AMAZONA-Autor – den ich bislang eher als Serviceanbieter für Gitarreneffekte in Erinnerung hatte – sich genau auf solche Mods spezialisiert hat: Christoph Meggers alias Delay Dude. Was für ein Glücksfall!
Nach einem kurzen Telefonat mit Christoph entschied ich mich für die Nachrüstung von Bassdrum Pitch und Bassdrum Tone sowie Snaredrum Pitch und HiHat Decay. Auf Einzelausgänge konnte ich verzichten, da ich die TR-606 nie live einsetzen werde und bei Studio-Sessions die Parts ohnehin einzeln (also nacheinander) in die DAW überspiele, um sie dort nachzubearbeiten und zu mischen. Christoph bietet aber noch viele weitere Mods für die TR-606 an – mehr dazu weiter unten in einem kurzen Gespräch mit ihm.
Metallknöpfe aus England
Da Christoph seine Mods mit kleinen, grauen Kunststoffreglern anbietet, die allerdings nicht meinem Geschmack entsprachen, bestellte ich kurzerhand zwei Metallpotis – natürlich nach den technischen Vorgaben von Christoph – bei UK-Electronic in England und ließ sie direkt zu ihm nach Berlin schicken. Die vier Knöpfe kosteten inklusive Versand und Zollbearbeitung 13,- Euro – aber das war es mir definitiv wert.
Ausführung der Modifikationen
Wie nicht anders zu erwarten, lieferte Christoph die TR-606 nach Erhalt der Knöpfe prompt zurück – mit den bestellten Mods in wirklich sauberer und hochwertiger Ausführung. Selbst die Beschriftung der neuen Regler fügt sich nahtlos ins Erscheinungsbild der TR-606 ein. Die Potis sind stabil mit dem Gehäuse verschraubt und bieten zudem einen angenehm präzisen Widerstand.
Bevor wir uns nun dem Klang der Modifikationen widmen, vorab ein paar Fragen an Christoph, die euch sicher ebenfalls brennend interessieren werden.
Interview: DelayDude zu den TR-606 Mods
Peter:
In die heute vorgestellte Roland TR-606 haben wir nicht alle Modifikationen eingebaut, die du anbietest. Welche weiteren gibt es denn noch?
DelayDude:
Die Modifikationen, die deine TR-606 erhalten hat, gefallen mir persönlich am besten. Sie erweitern die Sound-Möglichkeiten des kultigen Drumcomputers und bieten die Möglichkeit, den Sound zu performen. Natürlich darf man von solchen Modifikationen nicht erwarten, dass aus der 606 plötzlich eine 808 oder ein Analog Rytm wird. Die Schaltung wird an bestimmten Stellen erweitert und man kann etwas mehr aus der sonst recht straighten 606 rausholen. Es ist ungefähr so, als würde man die Drosselung aus einem Moped ausbauen. Es gibt die Envelope-Modifikationen für die Bassdrum, Snaredrum und Toms. Außerdem eine HiHat-Filter-Modifikation und natürlich die fünf Einzelausgänge für Bassdrum, Snaredrum, Toms, Cymbals und HiHat. Insbesondere wenn man die Sounds mit Effekten weiterbearbeiten möchte (Verzerrung, Filter und Delays eignen sich hier sehr gut), bieten die Ausgänge einen echten Mehrwert.
Peter:
Die zusätzlichen Regler zur Steuerung der neuen Parameter sitzen genau auf den Logos. Hat das einen bestimmten Grund?
DelayDude:
Ja, das ist konstruktionsbedingt. Das Gehäuse der Roland TR-606 ist fast komplett mit Platinen und Gehäusestreben ausgefüllt. Lediglich in diesen beiden Bereichen (oben links und oben rechts) ist noch ausreichend Platz, um die Potis zu platzieren. Das Gerät ist noch mit Through-Hole-Parts aufgebaut und nicht in kompakter SMD-Technik. Eine SMD-Platine würde natürlich sehr viel mehr Platz lassen, allerdings ließe sich die 606 dann nicht mehr so gut modifizieren. In das Gehäuse passen auf diese Weise aber insgesamt bis zu sieben Modifikationen.
Peter:
Wenn sich jemand die Modifikationen selbst einbauen möchte – hast du einen Tipp? Gibt es irgendwo im Netz Schaltpläne dafür?
DelayDude:
Die TR-606 gibt es ja schon seit den frühen 80ern und sie war damals ein günstiges Einsteigermodell. Modifikationen gibt es für diese Drummachine wahrscheinlich schon so lange, wie es die TR-606 selbst gibt. Wenn man nach „TR-606 Schaltplan PDF“ googelt, findet man zahlreiche Schaltpläne. Wenn jemand seine 606 selbst modifizieren möchte, sollte er vor allem mit Bedacht vorgehen und seine Fähigkeiten realistisch einschätzen. Nicht alle im Internet verfügbaren Modifikationsanleitungen funktionieren tatsächlich. Darüber hinaus gibt es leider viele Details, die man beim Einbau der Mods bedenken und berücksichtigen muss. Dazu gehört unter anderem die bereits angesprochene Platzsituation im Gehäuse. Wir hatten auch schon Roland Drummachines hier, die sich schlicht nicht mehr schließen ließen, bei denen Bohrversuche missglückten oder die Poti-Rückseiten die Platine berührten und dadurch Kurzschlüsse verursachten.
Wir bekommen also immer wieder Anfragen, die mit dem Satz beginnen: „Nachdem ich meine TR-606 modifizieren wollte, funktioniert XY nicht mehr.“ Generell gilt: Schritt für Schritt vorgehen, jeden Schritt dokumentieren und zwischendurch immer wieder testen, ob das Gerät noch funktioniert. So lassen sich Fehler am besten rückgängig machen. Das Problem ist aber: Wenn sich jemand doch überschätzt hat, landen Geräte bei uns, bei denen Fehler entstanden sind, deren Ursprung sich nicht mehr logisch nachvollziehen lässt. So ein Gerät wieder zum Laufen zu bringen, ist dann manchmal sehr schwierig. In Einzelfällen war die 606 sogar irreparabel beschädigt. Das ist sehr schade – und muss wirklich nicht sein.
Peter:
Magst du uns noch deine Preise für die einzelnen Modifikationen nennen?
DelayDude:
Na klar. Die einzelnen Modifikationen kosten 50,- Euro inklusive Material (zzgl. Mehrwertsteuer), alle fünf Einzelausgänge zusammen kosten netto 80,- Euro. Einen Mengenrabatt gibt es, wenn man sich gleich für mehrere Mods entscheidet.
Peter:
Für welche Synths, Drums oder Effekte bietest du denn sonst noch Umbauten an?
DelayDude:
Wir reparieren und modifizieren sämtliche Effektgeräte und auch bestimmte Verstärker. Am liebsten optimiere ich Verzerrer – das ist meine Leidenschaft. Aus vielen einfachen Verzerrern kann man noch sehr viel rausholen, insbesondere wenn man eine bestimmte Klangvorstellung hat.
Besonders beliebt ist der Moog-Ladder-Filter-Mod für den Moog MF-Drive:
Die Synthesizer-Community scheint mit ihren Geräten generell recht zufrieden zu sein. Hier werden hauptsächlich Reparaturen abgebrochener Potis angefragt. Ich habe aber zum Beispiel auch bei einer Moog Grandmother CV-Ausgänge eingebaut.
Auf unserer DelayDude-Website, die wir gerade überarbeiten, findet ihr HIER ein paar Beispiele für Modifikationen. Das ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was möglich ist. Wir helfen auch bei der Pedalboard-Planung und bieten individuelle Workshops zur Nutzung von Effektpedalen – mittlerweile auch für Synthesizer und Drummachines – an.
Wer Interesse an einer bestimmten Modifikation hat, vielleicht auch nur eine Sound-Vorstellung im Kopf und wissen möchte, ob man das umsetzen kann oder lernen will, wie man aus einem bestimmten Gerät das Beste herausholt, kann sich gerne bei uns per E-Mail melden: christoph“at“delaydude.de oder sonja“at“delaydude.de
Peter:
Wie lange müssen deine Kunden ungefähr warten, bis sie ihr Gerät zurückbekommen?
DelayDude:
In der Regel muss man mit einer Bearbeitungsdauer von etwa zwei Wochen rechnen. Im Frühling – wenn die Tourzeit beginnt – kann es auch mal etwas länger dauern, weil dann viele noch schnell ihre Setups checken lassen wollen und wir in der Werkstatt (meine Frau Sonja und ich) alle Hände voll zu tun haben. Wer es eilig hat, sollte den Auftrag also eher antizyklisch einplanen.
Und natürlich wünschen wir unserem scheidenden Chefredakteur ganz viel Spaß mit der modifizierten 606 – wir sind schon gespannt auf deine kommenden Projekte!
Peter:
Vielen lieben Dank Christoph … ist mir nicht leicht gefallen, aber das ist eine andere Geschichte.
Soundbeispiele zu den Roland TR-606 Mods
Hier einmal der Mod der Bassdrum. Dabei werden sowohl Tone als auch Pitch verändert:
Und hier der Envelope-Mod der Open HiHat:
Und hier der Klang der modifizierten Snare:
Und zuletzt noch ein Bild von einer TR-606 mit Christophs eigenem Label „Delay Dude“:
Soundvergleich Roland TR-606 vs. Behringer TD-3
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Auch ich war mit der RD – 6 nicht zufrieden, habe mich dann aber für eine Cyclone TT- 606 entschieden und bin damit sehr glücklich :)
Definitiv auch eine Alternative für Menschen, die den 606- Sound suchen.
@Herr Rorschach Ich habe deren TT303 und die ist von der TB303 nicht zu unterscheiden. Daher bin ich davon überzeugt, dass die TT606 ebenfalls 1:1 ist. Behringer, einer der größten Player auf der Erde wohlgemerkt, konnte ja nicht einmal die 808 clonen. Das ging erst in der MK2 los.
@Morokosch Ich nehme mal an Du hast die TT-303 MK2 !?
Bin im Besitz der MK1
Und die kommt nicht annähernd an meine RE-303 Replika
Dagegen bin ich positiv überrascht von der TD-3 von Behringer.
9,5 von 10 Punkten
@MPC-User die VCF Resonanz ist 1:1 bei der MK2
Ganz so schlecht finde ich die RD6 nun auch wieder nicht. Die größten Unterschiede sind für mich im tuning der einzelnen Instrumente.
Wenn man eine 606 möchte, die man nicht roh hören sondern z.B. durch einen MS20 jagen möchte, dann funktioniert die RD6 dafür einwandfrei.
@exitLaub habe mir neulich die RD 78 gegönnt und die hat Behringer deutlich besser hinbekommen. Vor vielen Jahren hatte ich mal eine Originale, genau wie die 606 auch.
Mensch kann aber mit der RD – 6 auch nicht wirklich was falsch machen :)
„Drums at its best“ Autsch.
Entweder „Drum at its best“ oder „Drums at their best“.
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