Solide Sample Drums der 80er
Der MXR 185 Drum Computer erscheint zu einer Zeit, in der digitale Drum-Computer mit echten Samples auf PROMs immer noch recht kostspielig sind. Mit seinem Einführungspreis von 1500 GBP in 1983 (entspricht Inflationsbereinigt heute etwa 6.063,81 EUR) ragte der MXR 185 Drum Computer damit in den Bereich des kaufbaren auch für ambitionierte Hobbymusiker. Zur Info: eine Linn Drum LM-1 kostete zu diesem Zeitpunkt ungefähr das Doppelte.
Die Firma war bis dato eher für Effektgeräte und -Pedale bekannt und konnte auf diesem Gebiet mit einer guten Kundenzufriedenheit punkten – warum also nicht in den neuen lukrativen Markt der Drumcomputer auf Sample-Basis einsteigen?
MXR 185 Drumcomputer
Hersteller: MXR
Baujahr: 1983
Klangerzeugung: digitale 8-Bit Samples, keine analoge Synthese, 12 Drumsounds
Sequenzer: Pattern/Songsequencer, 100 Patterns & 100 Songs
Besonderheiten: Einzelausgänge, kein MIDI
Inhaltsverzeichnis
- Vintage-Drumcomputer: MXR 185 Drum Computer (1983)
- Der MXR 185 Drum Computer ist solide verarbeitet
- Die Anschlüsse der MXR 185 Drum Computer lassen keine Wünsche offen
- Der Klang der MXR 185 Drum Computer ist typisch Achtziger
- Das eigentliche High-Light der MXR 185 Drum Computer – die Programmierung
- Gebrauchtmarktsituation und Erweiterungen zum MXR 185 Drum Computer
- YouTube Videos zum MXR 185 Drum Computer
Vintage-Drumcomputer: MXR 185 Drum Computer (1983)
Der MXR 185 Drum Computer ist solide verarbeitet
Mit den Maßen von 44,4 cm x 26,7 cm x 8,3 cm und einem Gewicht von 5 kg liegt der MXR 185 Drum Computer solide in den Händen. Abgeschlossen werden die Seitenteile von Holzseitenteilen, die dem Gerät eine angenehme klassische Optik verleihen.
Diese erinnert mehr als nur leicht an die einer LM-1, was an dem grau-braunen Metallchassis und den orangefarbenen High-Light-Markierungen liegt. Die obere Hälfte ist ganz den sechzehn Fadern gewidmet, während die untere Hälfte alle Taster zur Programmierung beherbergt.
In dieser Sektion finden sich dann auch die größeren Taster zum einspielen der Beats, die keinerlei Anschlagsdynamik besitzen. Sie sind so angeordnet, dass die Beats mit einer Hand eingespielt werden können, mit ein wenig Übung versteht sich.
Das damals noch üblich interne Netzteil wird über einen festsitzenden Netzstecker verbunden und auf der Rückseite befinden sich auch alle anderen Anschlüsse, sämtlich im 6,3 mm Buchsenformat, mal abgesehen von den industriellen 15-Pin-Anschlüssen.
Die Anschlüsse der MXR 185 Drum Computer lassen keine Wünsche offen
Bleiben wir auch gleich mal auf der Rückseite. Hier finden sich die Einzelausgänge aller Instrumente, wobei die HiHats sich einen Kanal und Lautstärkeregler teilen, was normalerweise keine Probleme machen sollte. Dass wir hier dennoch auf zwölf Audio-Fader kommen, liegt am Click-Ausgang, der einen eigenen Platz spendiert bekommen hat.
Sehr schön beim MXR 185 Drum Computer ist die Anordnung der Einzelausgänge parallel zu den Fadern auf der Frontplatte, was die Verkabelung und Bedienung sehr intuitiv macht. Bleiben noch sechs Anschlüsse, zwei davon sind dem Stereo-Ausgang vorbehalten, auf dem in einer vorgegebenen Panoramaeinstellung alle 12 Sounds über die Volumefader gemischt werden.
Die Einzelausgänge haben allerdings immer die selbe Lautstärke, und die entsprechenden Sounds verschwinden auch nicht, wenn ein Stecker an einer Ausgangsbuchse angeschlossen ist (wie das bei Drum Machines wie der TR-808 der Fall ist). Will man den Sound von Stereo-Mix nehmen, muss der Fader ganz nach unten gezogen werden.
Über die nächsten beiden Buchsen können Pattern-Daten von und auf ein Tonband geladen werden, um so eine Library anzulegen. Der MXR 185 Drum Computer besitzt zwar keinen Festspeicher, die programmierten Pattern und Songs werden aber von einer Lithium-Batterie bis zu 5 Jahre im Speicher gehalten.
Aber die beiden Tape-Anschlüsse haben noch eine weitere wichtige Funktion. Wenn der Sequenzer läuft empfangen, bzw. senden sie ein Clock-Signal, das aus 5V-Pulsen besteht, mit einer Auflösung von 24 PPQ.
Tatsächlich finden sich noch zwei weitere Klinkenbuchsen auf der Rückseite, Accent und Run, mit denen über ein Fußpedal entweder der Sequenzer gestartet werden kann und bei laufendem Pattern manuell Lautstärkeakzente gesetzt werden können.
Jetzt bleiben noch die beiden 15-Pin-Anschlüsse, die sehr industriell daher kommen. Über den einen, „Trigger Inputs“ genannt, können die einzelnen Drum-Sounds über ein 5V-Signal ausgelöst werden – so kann der MXR 185 Drum Computer als Drum-Expander herhalten, eine Möglichkeit zur Akzentsteuerung gibt es hier allerdings nicht.
Der zweite 15-Pin-Anschluss war für zukünftige Erweiterungen vorgesehen, die sich jedoch nie materialisierten. Angedacht war eine Ansteuerung von weiteren Sounds über das Trigger-Signal des Bell-Sounds.
Der Klang der MXR 185 Drum Computer ist typisch Achtziger
Die Samples der MXR 185 Drum Computer sind einfach im Netz zu finden und so kann sich jeder ein Bild von den insgesamt 12 Klängen des Drum-Computers machen. Diese erklingen natürlich absolut in der Ästhetik der achtziger Jahre und sind durch die Bank weg gut, jedoch mit einigen Abstrichen.
Der Clap-Sound z.B. ist wirklich arg reduziert und vermittelt nicht gerade die Motivation mitzuklatschen. Die Crash hingegen klingt seht ordentlich, fadet aber am Ende des Samples recht schnell und unnatürlich aus – PROM-Speicher war extrem teuer und so mussten Kompromisse gemacht werden. Insgesamt passen die dreizehn (inklusive Click) 8-Bit-Samples auf 56k verteilt auf mehrere PROMS, wobei die Crash alleine 24k (!) und so einen einen Großteil der Mostek 8247 und AMD 8224 PROMS beansprucht.
Und obwohl ich den eigentlichen, mit Rimshot bezeichneten Snare-Klang recht gut finde, hat er doch mit dem, was ich mir gemeinhin unter einem Rimshot vorstelle wenig zu tun. So ist er aber trotzdem eine willkommene Variante zum eigentlichen Snare-Klang, der gut eingesetzt werden kann.
Die Sample-Daten wurden parallel ausgelesen und gingen dann an den schon damals etwas angestaubten National Semiconductor DAC0800, der mit einem Signalrauschabstand von gerade mal 48 dB nicht zum besten gehörte, was damals auf dem Markt verfügbar war. Auch von Störgeräuschen war das Gerät nicht ganz frei, und so ist stets ein leises Brizzeln bei gestopptem Sequenzer zu hören. Gesteuert wurde das alles vom Star der Musikelektronik der achtziger, der Zilog Z80 CPU.
Alle Klänge des MXR 185 Drum Computer sind aber in sich stimmig und vermitteln ein solides Drum-Fundament, mir hat persönlich die Kick, recht trocken aber dennoch bauchig mit ordentlichem Schlägelanteil, sehr gefallen. Es existiert zwar ein Pitchregler, aber erstens verstellt er die Tonhöhe nur von +1% bis -1% und zweitens sind immer alle Klänge betroffen – gut für eine grobe Anpassung, tonale Spielereien sind aber so nicht zu machen.
Durch die Einzelausgänge bieten sich dann natürlich noch alle möglichen Optionen der Nachbearbeitung (und in der Hoffnung von MXR damals wohl am besten ausschließlich durch hauseigene Geräte).
Das eigentliche High-Light der MXR 185 Drum Computer – die Programmierung
Aller Klang ist bloß Schall und Rauch, wenn ich tausend Stund’ zum Schreiben brauch – oder so ähnlich. Tatsächlich zeichnet sich der MXR 185 Drum Computer durch eine einfache und intuitive Programmierung aus. Dabei muss immer hervorgehoben werden, dass der erste und einzige Drum Computer von MXR keinen Lauflicht-Sequenzer besitzt.
Gestartet wird die Pattern-Eingabe damit, dass ich eine Länge von Takten für das Pattern angebe, das beliebig lang (begrenzt vom Notenspeicher, versteht sich) sein kann. Es stehen euch 100 Pattern zur Verfügung. Dann wird der MXR 185 Drum Computer in den Aufnahmemodus versetzt und ich kann nun gleichzeitig oder einzeln im Overdubverfahren den Beat über die Taster einspielen.
Die Accents könnt ihr beim ersten Einspielen mit dem Accent-Taster oder auch später hinzufügen, wobei jedes Instrument seine eigene Accent-Spur hat. Damit können – obwohl die Intensität des Accents nicht verändert werden kann – schon recht lebendige Pattern erstellt werden. Falls es mal daneben geht, gibt es auch eine punktuelle Löschfunktion, die auch auf komplette Instrumentenspuren eingesetzt werden kann.
Der MXR 185 Drum Computer geht sogar noch weiter und ermöglicht es, über die „Shift“ genannte Option, eine Humanize-Funktion in 3 stärken einzustellen. Das wird durch ein leichtes Schwanken der Sequenzer-Clock erreicht. Die stärkste Stufe ist dann aber schon etwas zuviel des Guten, kann mit viel gutem Willen aber als Swing-Shuffle aufgefasst werden.
Ist ein Pattern dann erstellt, kann es ganz einfach verdoppelt oder mehrfach kopiert werden, so dass ich in Takt 2 oder 4 nur noch ein paar kleine Variationen einbauen brauche. Auch sehr praktisch: ich kann verschiedene Pattern auch aneinanderhängen.
Habe ich also alles zu meiner Zufriedenheit eingespielt, geht es in den Song-Mode, wo ihr einen Song ganz einfach anhand der Pattern-Nummern zusammenstellt. Der MXR 185 kann bis zu 100 Songs speichern.
Gebrauchtmarktsituation und Erweiterungen zum MXR 185 Drum Computer
Der MXR 185 Drum Computer ist doch recht selten und so finden sich auch nur sehr spärliche Angaben über Auktionen oder Preise. Auf Sequenzer.de wird ein Preis von 180 EUR aus dem Jahr 2017 angegeben, auf einem einschlägigen Gebrauchtmarktportal für Musikinstrumente findet sich eine beendete Auktion, bei der der erstaunliche Preis von ca. 1700,- EUR aufgerufen wurde, wobei unklar ist, ob die Auktion erfolgreich war – ich hoffe nicht, denn ein solcher Preis für 12 Samples plus Vintage-Charme eines alten DACs scheint mir in keiner Weise gerechtfertigt zu sein.
Es gibt außerdem noch einen Shop im UK, der eine MIDI-Erweiterung für den MXR 185 Drum Computer anbietet.
YouTube Videos zum MXR 185 Drum Computer
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Sind das eigene Drum-Sounds oder hat MXR wie damals Sequential beim Drumtraks die Sounds zum Teil von der LinnDrum und der Oberheim DMX ohne eine Zahlung einer Lizenzgebühr verwendet? Klanglich kommt mir das irgendwie bekannt vor, kann mich aber auch irren, ist ja verdamp lang her.
dankeschön für article!🙂
sehr schönes instrument.
wenn unbedingt ich so es haben will okay ich bereit bin 1000,00 $ pay and it’s mine😀
vintage ich am liebes gern habe aber auch vernunft.und so
denke ich B. erfüllt den gebrauch sehr gut.LM oder BMX.ich habe donner D1 klingt poliert aber es reicht.ich sample nicht so viel und drumsamples okay es muß nicht 1:1 kopie sein.
Klingt richtig super! Aber das ist so ein Teil, da kann man sich (wie im Artikel erwähnt) auch einfach Samples des Geräts aus dem Netz ziehen, bei Groove Agent reinladen, und dann klingt das auch super. An der Original-Hardware kann man ja so gut wie fast gar nix am Sound herumdesignen. Und bei dem Video zur Programmierung ist sehr schön das im Artikel erwähnte „brizzeln“ der Audio-Ausgänge zu hören. Würde mich tödlich nerven. 😅
Trotzdem Danke für diesen Bericht über ein Drum-Modul, dass jedenfalls ich bisher noch nicht kannte.
@UAP In der guten, alten KEYBOARDS gab es doch diese Reihe „Love the machines“. Autor war, soweit ich es richtig in Erinnerung habe, Björn Bojahr.
Auf der beiliegenden CD gab es dann die zugehörigen Samples und diese liegen immer noch auf mehreren Festplatten bei mir rum. Bislang hat mich noch keine samplebasierte Drummachine zum Kauf überzeugen können 🙂
@m-ex bernhard lösener?
PS: die category war sehr schön:-)
hätte eigen buch werden können.
auch die süßen Carteicards:-) fehlt leider heute
naja internet hat infos zum print aber schön waren die card schon
@Viertelnote Der Name kommt mir auch sehr bekannt vor und kommt als Autor ebenfalls in Frage.
Einige der Samples auf meiner Festplatte sind aber defintiv von Björn Bohjar (am Dateinamen zu erkennen). Vielleicht verwechsele ich jetzt einfach die Artikelserie.
@m-ex in zeit ich nicht an karton reiche.
„love the machines“ WurlitzerSideman samples waren süß🙂
@m-ex ja, lösener!
hab die Serie geliebt!
er schreibt noch immer für die keyboards!
auf der Homepage sind neue Artikel von ihm.
@Numitron auch rhytm pattern sheets … sehr schön weil visually zu fasen.👌
@Viertelnote es gibt ein nettes Buch von hal Leonard mit drum Machine patterns!
nicht erschrecken, ist ursprünglich von 1987 und schaut noch immer so aus.
was ich toll finde 😁
@Numitron 👌ja excelent! wo grebst du nur immer diese schätze aus?
silberstock von kleinerMuck den leihe mir so doch mal aus🙂
giebt es sowas auch für 80s pattern? synthriff and chords?
ja ich weiß -google-😉
@Viertelnote Hi danke!
beim Musikshop in Wien gefunden!
medimops hat gebrauchte, anscheinend guter Zustand oder halt im Buchhandel.
https://www.medimops.de/hal-leonard-publishing-corporation-260-drum-machine-patterns-taschenbuch-M00881888877.html?variant=UsedGood&creative=&sitelink=&utm_source=PSM&utm_medium=cpc&utm_campaign=AT_BM_OUT_WEB_ALL_SHO_KOO-PMX_MR-10_&gad_source=1&gad_campaignid=20764944185&gbraid=0AAAAApJgN6jXgGju4LYxGjtw88qloK8gT
Beim Titel dachte ich zuerst an den LXR-02 Drumcomputer
Keine Ahnung warum. Dachte echt es ist hier ein neues Modell. Bis ich Vintage gelesen hatte😂
Somit für mich ein völlig unbekanntes Gerät.
Gerne mehr solche Exoten👍
Der kreative Teil dieser Kiste scheinen die Fader zu sein. Da sehe ich wieder mal, das sollte grundsätzlich da sein, oder wenigstens die Option, das mit einer externen Faderbox zu erledigen. Beim zweiten Video trommelt er/sie ja ziemlich willkürlich in den Groove. Es wird quantisiert. Hoffentlich nicht grundsätzlich.
Keine Innovation zu den damals bereits am Markt etablierten Geräten, dazu noch preislich nicht attraktiv genug und es fehlte der entscheidende Glamour-Faktor.
Cabaret Voltaire habe ihn auf ihren „funky“ Alben benutzt. Kann es eine bessere Referenz geben? 😌
@Michael Deusinger Cabaret Voltaire wäre sicherlich keine Referenz u. a. für Quincy Jones gewesen, dieses Gerät einzusetzen. Underground finde ich gut, Underground steht aber nicht unbedingt für einen Massenmarkt. Und so ist es ein Nischenprodukt ohne Alleinstellungsmarkmal.
Und prima, hier einmal etwas über so einen Exoten erfahren zu können. Hatte die Kiste schon ganz vergessen.
@Dirk Matten völig off topic: dein studio so hatte auch sehr viel prominente.
hast du fotos sagen wir presentiert. in den gängen oder den räumen oder waren eher es
private erlebinse nicht für öffentlichkeit? dein persönliches fotoalbum meine ich.
@Viertelnote Alles privat und respektvoll den Kunden gegenüber. Aber hier ein Eindruck als Anzeigenmotiv: https://www.elektropolis.de/ssb_1999_studio1.htm
@Dirk Matten vielen dank!🙂
@Viertelnote Bessere Qualität: https://www.elektropolis.de/studio_1.png
@Michael Deusinger Sehr oft, wenn man die wirklichen Gründe erfährt, warum X das Instrument Y in den frühen Aufnahmen verwendete, kommt raus, sie hatten einfach kein Geld für die bessere Lösung. Und wie Dirk schon richtig schrieb, MXR hatte damals definitiv nicht den Status, dass irgendjemand von denen was bahnbrechendes erwartete. Ich hatte das, genau so wie ihren „Synth“, gar nicht mehr in der Erinnerung
@Michael Deusinger Danke, für deinen Hinweis 👍
Cabaret Voltaire ist für mich auch eine klare Referenz.
@masterBlasterFX Kommt drauf an, ob vor oder nach „The Crackdown“ — das war der Break-Point; danach hätte man genauso gut Duran-Duran hören können, davor war es die Musik schlechthin.