24 Jahre Moogerfooger
Als im Jahr 2001 der erster Bericht über das Moogerfooger MF-101 Lowpass-Filter erschien, war das eine kleine Sensation: Nach langen Jahren durfte wieder ein Gerät den stolzen Namen Moog tragen. Bob Moog hatte sein Unternehmen „Big Briar“ gerade wieder in Moog Music umfirmiert und die Moogerfooger-Serie markierte einen wichtigen Neustart. Heute, fast 25 Jahre später, gilt der MF-101 als gesuchte Vintage-Unit. Er ist nur noch gebraucht erhältlich und erzielt auf dem Markt hohe Preise. Kein Wunder, dass Behringer nun nach und nach die Moogerfooger-Serie wieder zum Leben erwecken wird. Doch dazu später mehr.
Gitarrenffekt für Synth-Community?
Die Moogerfooger-Reihe war von Anfang an mehr als eine Serie einfacher Gitarreneffekte. Sie verband die Optik und Haptik klassischer Moog-Synthesizer mit dem Format eines Effektpedals. Holzseitenteile, robuste Gehäuse, massive Regler und Kippschalter – das Design orientiert sich bewusst am legendären Minimoog. Schon der erste Blick vermittelt: Hier handelt es sich um professionelle Klangwerkzeuge mit eigenständigem Charakter.
Die komplette Moogerfooger-Serie im Überblick
Bevor wir loslegen, kurz noch ein Blick auf die gesamte Reihe, die Moog unter der Bezeichnung Moogerfooger auf den Markt gebracht hat. Die analogen Pedale zeichneten sich alle aus durch ihre robuste Bauweise, die typische Moog-Optik und umfangreiche CV-Steuerungsmöglichkeiten aus. Jede Einheit griff ein klassisches Synthesizer-Prinzip auf und übertrug es ins Pedalformat:
- MF-101 Lowpass Filter – klassisches Moog-Tiefpass mit 12/24 dB Flankensteilheit, Envelope-Follower, Mix-Regelung
- MF-102 Ring Modulator – Ringmodulation mit integriertem LFO für metallische, glockenartige Klänge
- MF-103 12-Stage Phaser – Phasing-Effekt mit 6- oder 12-stufigem Filter, sehr organisch klingend
- MF-104 Analog Delay – Bucket-Brigade-Delay, später auch als MF-104Z mit längerer Delay-Zeit
- MF-105 MuRF (Multiple Resonance Filter Array) – Kombination aus Filterbank und Step-Sequencer für rhythmische Klangverläufe
- MF-107 FreqBox – Oszillator-basiertes Effektpedal, das die Eingangssignale in Frequenzen umsetzt und moduliert
- MF-108M Cluster Flux – Modulations-Effekt mit Chorusing und Flanging, besonders für breite Stereoeffekte
Die Low-Budget-Variante: MiniFoogers
2014 stellte Moog außerdem eine kompaktere und günstigere Serie vor: die MiniFoogers. Diese verzichteten auf CV-Ein- und Ausgänge, boten aber hochwertigen Analogsound in kleinerem Format und zu deutlich niedrigeren Preisen. Die Serie umfasste:
- MF Drive – Overdrive mit Moog-Filter
- MF Boost – Clean- und Mid-Boost für Gitarristen
- MF Delay – analoges Delay mit Bucket-Brigade-Schaltung
- MF Trem – analoges Tremolo mit Subharmonic-Schaltung
- MF Chorus – klassischer analoger Chorus
Aufbau und Bedienung
Der MF-101 ist als bodenkompatibles Effektgerät konzipiert, ausgestattet mit Bypass-Fußschalter und Status-LED. Gitarristen und Synthesizer-Spieler können ihn gleichermaßen einsetzen, da der Eingangspegel flexibel ausgelegt ist. Eine Eingangs-LED unterstützt beim Aussteuern: Gelb signalisiert optimalen Pegel, Rot Übersteuerung. Der Drive-Regler dient vor allem zum Einpegeln, kann aber bei Bedarf auch für leichte Verzerrungen sorgen.
Im Zentrum steht das klassische Moog-Tiefpassfilter mit wählbarer Flankensteilheit von 12 dB oder 24 dB pro Oktave. Damit lässt sich das Signal entweder sanft glätten oder drastisch beschneiden. Über den Mix-Regler wird das Verhältnis zwischen unbearbeitetem Signal und Filterausgang eingestellt – ideal, um die Intensität des Effekts in Studio- oder Live-Umgebungen flexibel anzupassen.
Besonders charakteristisch ist der integrierte Envelope Follower: Er analysiert die Lautstärkekurve des Eingangssignals und steuert damit die Cutoff-Frequenz. Die Intensität lässt sich regeln, eine LED zeigt die Wirkung an. Mit einem zusätzlichen Schalter wird die Reaktionsgeschwindigkeit zwischen „schnell“ und „träge“ gewählt.
Die Anschlüsse des Moogerfoogers MF-101
Der MF-101 ist auf der Rückseite üppig ausgestattet und bietet weit mehr als die üblichen In- und Out-Buchsen eines Effektpedals. Neben Audio In und Audio Out stehen gleich mehrere CV-Ein- und Ausgänge bereit, die das Filter vollständig in modulare Setups integrieren:
Cutoff CV In – externe Steuerung der Filtereckfrequenz
Resonance CV In – Modulation der Filterresonanz
Env. Amount CV In – Steuerung des Einflusses des Envelope Followers
Mix CV In – Regelung des Verhältnisses zwischen trockenem und gefiltertem Signal
Envelope Out – gibt das Steuersignal des Envelope Followers aus, um externe Module oder Geräte zu modulieren
Dazu kommen die obligatorischen Netzteilbuchse und der Bypass-Fußschalter auf der Oberseite. Diese umfangreiche Ausstattung macht den MF-101 nicht nur zu einem Effekt für Gitarristen oder Keyboarder, sondern zu einem vollwertigen Modul im CV-basierten Setup – und damit besonders interessant für alle, die analoges und modulares Equipment kombinieren.
Das Moog MF-101 Analogfilter in der Praxis
In der Praxis zeigt sich der Moogerfooger MF-101 als vielseitiges Werkzeug. Es gibt eigentlich kein Signal, dem er nicht zu neuen Klangwelten verhilft, egal Gitarren, Synthesizer, Drumloops oder Stimmen. Vor allem perkussives Material profitiert vom Envelope Follower, da daas Filter hier rhythmisch auf die Dynamik reagiert. Gitarristen nutzen den MF-101 als klanglich edlere Alternative zum klassischen Wah-Pedal – mit dem Unterschied, dass hier echte Moog-Filtertechnik am Werk ist.
Dank zahlreicher CV-Anschlüsse auf der Rückseite lässt sich der MF-101 problemlos in modulare Systeme einbinden. Steuerspannungen für Cutoff, Resonance, Mix oder Envelope Amount stehen bereit, ebenso ein Ausgang für das Envelope-Signal. Damit kann der MF-101 externe Module modulieren oder selbst durch externe Quellen gesteuert werden. In Kombination mit MIDI-to-CV-Interfaces ist sogar eine Einbindung in komplexe MIDI-Setups möglich.
Klangcharakter
Klanglich liefert das Moog-Filter MF-101 genau das, was man von einem Moog-Filter erwartet: musikalische Wärme, kräftige Resonanzen und organische Dynamik. Das Filter reicht von subtilen Eingriffen bis hin zu markanten Resonanzspitzen, bleibt aber stets kontrollierbar. Im Zusammenspiel mit Drumloops entstehen pumpende, rhythmische Bewegungen, bei Synth-Flächen sorgt der MF-101 für organische Lebendigkeit und bei Gitarren entstehen funky, fast sprechende Klangfarben.
Entscheidend ist das Eingangsmaterial: Der Envelope Follower reagiert nur auf Lautstärkeunterschiede. Ein statisches Oszillatorsignal liefert wenig spannende Ergebnisse, während komplexes oder perkussives Material das Filter geradezu zum Leben erweckt.
Die Behringer-Klone
Seit Kurzem hat sich auch Behringer der Moogerfooger-Serie angenommen und bringt nach und nach die ganze Serie als Klone auf den Markt – darunter das BM-11M Filter (MF-101), den BM-13 Phaser (MF-103) und den BM-15M MuRF Box (MF-105). Mit Preisen um die 119,- bis 149,- Euro kosten diese Geräte deutlich weniger als die gebrauchten Originale.
Ob sie klanglich und qualitativ an die Moogerfooger herankommen, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Preislich eröffnen die Behringer-Modelle vielen Musikern erstmals den Zugang zu dieser Klangwelt. Die Die klangliche Bewertung der Klone, überlasse ich meinen Kollegen.
Die Moogerfooger Plug-ins
Moog selbst hat die Serie inzwischen auch digitalisiert. Seit 2022 sind die Moogerfooger als Plug-ins für DAWs erhältlich – lauffähig in AU, VST3 und AAX. Sie reproduzieren nicht nur die Funktionalität der Hardware, sondern bieten durch Automatisierung, Preset-Management und Stereo-Funktion noch zusätzliche Möglichkeiten.
Damit schließt Moog selbst den Kreis: von Hardware über Vintage-Status bis hin zum digitalen Studio-Werkzeug.
Moogerfooger-Diskusion
Bleibt mir nur noch zu fragen: Besitzt ihr selbst einen der Moogerfooger oder habt ihr vor, euch ein entsprechendes Behringer-Derivat zuzulegen? Sind analoge Bodentreter heute noch „sexy“ – oder erledigen Plug-ins diese Aufgaben im Studio nicht günstiger und schneller? Ich denke, ein konstruktiver Austausch in den Kommentaren wäre spannend und könnte gerade für Neulinge sehr inspirierend sein.


































Moin Peter, ich hatte 5 vor etwa 6 Jahren während meiner langjährigen Auslandsabwesenheit bestellte (… damals wohl die letzten erhältlichen Restbestände in diversen deutschen Läden … ) und seither unbenutzt in ihren Kartons lagernde MoogerFoogers vor einem halben Jahr zusammen (alle fünfe !) verkaufen können . . . bekam aber nun seit dem Erscheinen der BEHRINGER Clones doch erheblich Lust auf diese Effektgeräte und habe schon begonnen, sie mir nach und nach auch zuzulegen – manche der (voll-)stereophonen Verwendung wegen auch doppelt; der Superpreis der Geräte erlaubt dies ja auch leicht.
Ich liebe die umfangreichen Anschluss- und Verwendungsmöglichkeiten, die BEHRINGER übernommen und teils auch noch erweitert hat. Auch die etwas gefälligere kleinere Bauform erleichtert die Nutzung der Geräte schon recht gut, weil auch bei mir die Arbeitsflächen fast täglich enger zu werden scheinen …
PS: das unter den drei in deinem Artikel abgebildeten MiniFooger-Gerätchen ‚MF-Flange‘ ist nicht unter den gelisteten 5 Geräten genannt – gab es also doch noch mehr als die 5?
Danke für die schönen Erinnerungen. Selbst besitze ich ein Moogerfooger Filter von der ersten Serie (damals noch Big Briar), das ich immer wieder gerne mit dem Rhodes spiele. Oder mit dem Saxophon: die Filter Cutoff wird per Schwellerpedal gesteuert bei mittlerer Resonanz. So sind Hybrid-Klänge möglich, irgendwo zwischen elektronisch und akustisch.
Ich hatte die komplette Serie, den MF-107 sogar doppelt, incl. MF-105, MF-105Midi, MF-105 Bass. Das war eigentlich nie so geplant, aber ich konnte damals ein komplettes Flightcase mit 9 Moogerfoogern super günstig erwerben, nur den Cluster Flux MF-108 habe ich später noch dazu gekauft.
Es vergeht kaum eine Woche im Studio, in der ich meine Moogerfooger nicht irgendwo einsetze.
Sie sind meine kleinen Helferlein für dies und das und ergänzen meine Modularsysteme perfekt. Besonders im modularen Umfeld habe ich die fast immer mit drin, man kann sie schön extern vom Sequenzer aus mit ansteuern. Ich sehe sie auch weniger als Effekt, sondern eher als Modul in einem separaten Gehäuse an.
Ich mag die Bedienung sehr, alles ist mit den großen Knöpfen sehr präzise einstellbar und die mehrfarbigen LEDs sind eine große Hilfe. Gerne spiele ich mit dem Gain und zerre die Signale etwas an. Das klingt dabei immer sehr gut und selbst rotzige Sounds bekommen damit immer einen besonderen „teuren“ Touch.
Der MF-101 ist das einzige Modul, welches ich nur selten einsetze, was aber einfach daran liegt, das ich bei Minimoog, Voyager und Model 15 eher das interne Filter nutze.
Die Preise für die Moogerfooger haben extrem angezogen, gerade das analoge Delay ist gebraucht meist nur noch jenseits der 1000 Euro zu finden, das muss man dann schon haben wollen.
Da kann Behringer eine gute Alternative sein, ich hatte die Treter aber noch nie zum 1:1-Vergleich im Studio. 😎
Ich denke Behringer hat einen guten Job gemacht für den doch relativ niedrigen Preis. StarskyCarr bewertet auch die Behringer Serie auf Grund des Preises, in seinem ausführlichen Vergleich, als no Brainer. Ob die Effekte wirklich genau so lange halten wie die Moog Originale bleibt abzuwarten.
@caseflipper super Typ!
macht tolle Demos.
bei meinem bi Phase geht der CV Input nicht..
ahhh.
echt nervig.
6 Wochen warten und dann etwas defekt.
Ich habe vier von den Teilen, zwei davon nach der Produktionseinstellung zu nicht-mehr-rational-begründbaren Preisen auf dem Gebrauchtmarkt eingekauft. Ich habe die Teile in zwei Sends meines Mixers und zwar
-Ring Modulator und MIDI MuRF: Hauptsächlich zum Veredeln von Drums und Beats, synchronisiert mit der DAW.
-Phaser und ClusterFlux: Für Pads, Drones … ebenfalls synchronisiert.
Die Teile können so gut wie allem irgendwie noch „den letzten Kick“ aufsetzen. Ich werde Keines davon hergeben.