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Warum Bariton-Gitarren gerade wieder spannend werden

Die Langhälse feiern ein Comeback

9. Juni 2026
Bariton-Gitarren Aufmacher

Warum Bariton-Gitarren gerade wieder spannend werden

Bariton-Gitarren gehören zu jener Kategorie von Instrumenten, die über viele Jahre eher ein Nischendasein geführt haben. Während Stratocaster, Les Paul oder Superstrat seit Jahrzehnten die Bühnen und Studios dieser Welt dominieren, fristeten ihre langhalsigen Verwandten oft ein Schattendasein. Das scheint sich derzeit jedoch zu ändern. Immer häufiger tauchen Bariton-Gitarren in Neuerscheinungen der Hersteller auf und auch in sozialen Medien, auf YouTube oder in modernen Musikproduktionen begegnet man ihnen zunehmend. Doch woran liegt das eigentlich?

Kurz & knapp

Worum geht es? Bariton-Gitarren erleben derzeit eine kleine Renaissance und erfreuen sich besonders bei Shoegaze-, Ambient-, Post-Rock- und modernen Rock-Gitarristen wachsender Beliebtheit.

  • Tiefe Tunings: Die längere Mensur ermöglicht tiefe Stimmungen mit straffer Saitenspannung und guter Intonation.
  • Neue Sounds: Bariton-Gitarren liefern mehr Fundament, Atmosphäre und einen eigenständigen Klangcharakter.
  • Vielseitigkeit: Längst nicht nur für Metal, sondern auch für Shoegaze, Surf, Ambient und Soundtracks interessant.
  • Inspiration: Die ungewohnte Tonlage führt oft zu neuen Riffs, Akkorden und Songideen.
  • Trend: Dank attraktiver Modelle vieler Hersteller werden Bariton-Gitarren zunehmend erschwinglicher.

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Was sind eigentlich Bariton-Gitarren?

Der größte Unterschied zu einer normalen E-Gitarre ist die längere Mensur. Während klassische Gitarren meist zwischen 24,75 und 25,5 Zoll liegen, bewegen sich Bariton-Gitarren häufig im Bereich von 27 bis 30 Zoll. Dadurch können deutlich tiefere Stimmungen realisiert werden, ohne dass die Saiten zu schlabberig werden oder das Instrument seine Definition verliert.

Bariton-Gitarren HB JA

Genau hier liegt einer der Hauptgründe für die aktuelle Renaissance. Moderne Musikproduktionen arbeiten heute oft mit tieferen Tunings als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Was früher vielleicht Drop D war, ist heute nicht selten Drop B, Drop A oder sogar noch tiefer. Zwar lassen sich auch normale Gitarren entsprechend herunterstimmen, wirklich optimal funktioniert das aber nicht immer. Die längere Mensur einer Bariton-Gitarre sorgt dagegen für eine höhere Saitenspannung und damit für mehr Präzision, bessere Intonation und ein deutlich strafferes Spielgefühl.

Dabei beschränkt sich das Einsatzgebiet längst nicht mehr auf Metal und harte Rockmusik. Gerade in den vergangenen Jahren haben zahlreiche Stilrichtungen die Bariton-Gitarre für sich entdeckt. Besonders im Shoegaze-Bereich erfreuen sich die Instrumente wachsender Beliebtheit. Die Kombination aus tiefen Stimmungen, großen Hallräumen und atmosphärischen Klangflächen funktioniert einfach hervorragend. Viele moderne Shoegaze- und Post-Rock-Bands setzen deshalb gezielt auf Bariton-Gitarren, um ihrem Sound zusätzliche Tiefe und eine gewisse düstere Grundstimmung zu verleihen.

Shoegaze – und was noch?

Auch im Bereich Ambient und Soundtrack-Musik bieten die Instrumente spannende Möglichkeiten. Einzelne Töne oder Akkorde wirken durch die tiefere Lage oft deutlich größer und cineastischer. Wer gerne mit Delays, Reverbs und Modulationseffekten arbeitet, findet hier schnell eine inspirierende Spielwiese. Nicht selten entsteht bereits durch die tiefere Stimmung ein völlig anderes Songwriting, weil bekannte Griffbilder plötzlich eine neue Wirkung entfalten.

Ed Sheeran ist nicht gerade berühmt für Doom oder Stoner-Rock …

Ein weiterer Bereich, in dem Bariton-Gitarren traditionell stark vertreten sind, ist natürlich Surf-Musik. Bereits in den 1960er-Jahren wurden entsprechende Instrumente eingesetzt, um den typischen tiefen Twang zu erzeugen. Auch heute greifen viele Gitarristen gerne zu einer Bariton, wenn sie ihren Clean-Sounds etwas mehr Fundament verleihen möchten.

Interessant ist außerdem, dass viele Spieler inzwischen gezielt nach Alternativen zur klassischen Siebensaiter suchen. Nicht jeder kommt mit dem zusätzlichen Saitenpaar zurecht oder möchte seine gewohnten Griffbilder verändern. Eine Bariton-Gitarre bietet hier einen eleganten Mittelweg. Man behält die vertraute sechssaitige Struktur, erhält aber trotzdem Zugriff auf deutlich tiefere Tonlagen.

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Sieben Saiten UND Bariton. Das hämmert!

Inspiration included

Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender psychologischer Faktor: Bariton-Gitarren inspirieren. Jeder kennt das Phänomen, dass man ein neues Instrument in die Hand nimmt und plötzlich ganz andere Ideen entwickelt. Genau das passiert bei Bariton-Gitarren besonders häufig. Viele Riffs entstehen automatisch langsamer, schwerer oder atmosphärischer. Akkorde bekommen eine andere Wirkung und selbst einfache Melodien wirken oft größer als gewohnt.

Bariton-Gitarren HB SC

Natürlich sind Bariton-Gitarren keine Instrumente für jeden Gitarristen. Wer ausschließlich klassischen Blues oder Funk spielt, wird die längere Mensur und die tiefere Stimmung wahrscheinlich eher selten vermissen. Für experimentierfreudige Musiker, Songwriter oder Klangtüftler eröffnet sich dagegen eine faszinierende Welt voller neuer Möglichkeiten.

Auch akustisch kann man hervorragend baritonieren:

Das Beste ist, dass Bariton-Gitarren heute deutlich erschwinglicher geworden sind. Während entsprechende Instrumente früher oft teure Exoten waren, bieten inzwischen zahlreiche Hersteller interessante Modelle zu attraktiven Preisen an. Gerade Marken wie Harley Benton, Squier, PRS oder Gretsch haben dazu beigetragen, dass sich deutlich mehr Gitarristen an das Thema heranwagen.

Gretsch ist mit einem ganz neuen Modell am Start:

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Bariton-Gitarren derzeit wieder so gefragt sind. Sie liefern keine komplett neue Idee, aber sie erweitern bekannte musikalische Ideen um eine weitere Dimension. Und manchmal reicht genau das aus, um neue Inspiration zu finden.

Wer also das Gefühl hat, auf seiner normalen Gitarre immer wieder bei denselben Riffs und Sounds zu landen, sollte einer Bariton-Gitarre vielleicht einmal eine Chance geben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dabei etwas völlig anderes herauskommt als ursprünglich geplant. Aber genau das macht doch ihren besonderen Reiz aus, oder?

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Über den Autor
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Jan Steiger RED

1972 geboren, von der Gitarre Anfang der 80er gefunden worden. Im Team von Amazona seit 2018, immer neugierig auf neues Equipment und froh, so viel neues Zeug ausprobieren zu dürfen. Bekennender Kemper-Fan und InEar-Fanatiker. Save your ears, you crazy fools!

 

Forum
  1. Profilbild
    tenderboy

    Ich liebe Baritongitarren.

    Wir spielen Sludge/Doom und haben auf A-Standard gestimmt.

    Meine Hauptgitarre ist eine Solar ATG 1.6. Die hat für eine Bariton eine recht kurze Mensur von 26,5″. Mit dem von mir verwendetem Saitensatz von 0.14 bia 0.68 (dickere tiefe E-Saiten passt nicht mehr in die Locking Tuner) ist die tiefe e-Saite nicht ganz stimmstabil. Ich hab die Gitarre aber auch nachträglich mit einem Evertune System nachrüsten lassen.
    Fantastisch bespielbare Gitarre jetzt.

    Meine alte Bariton ist eine Ibanez MMM-1 mit 28″ Mensur. Saitensatz drauf ist 0.14 – 0.72.
    Nachgerüstet mit EMG 81 und 85.
    Super stabile Stimmung, mächtiger sonorer Sound. Sustain ohne Ende. Wunderschöne Cleansounds. Aber schnelle Riffs drauf spielen tu ich mir schon schwer mit den dicken, straffen Saiten und der langen Mensur.

    Und heuer gönn ich mir noch eine Custom Gitarre.
    Nude Guitars aus Italien baut mir eime 27″ Bariton mit Hals aus Aluminium und einem Body aus Plexiglas. Das sollte eine brutale Waffe für Doom und Sludge werden. (mit Evertune,. 14 – 68er Saiten und Dreamsongs Pickups).
    Die Wartezeit ist hart :)

    Kann auf jedem Fall jedem Empfehlen, mal eine Bariton zu probieren.

    Meine Band:

    https://littleholefilled.bandcamp.com/album/and-the-ants-still-march-on

  2. Profilbild
    calvato AHU 21

    Ich setzte sehr viele meine Squier Tele Paranormal Baritone für Aufnahmen ein. Manchmal für heftige Distortion (naja, mit dem PAFs eher „beinah heftig“), aber viel für Blues und ähnliches. Ich liebe einfach die straffe tiefe Stimmung, das macht irre Spaß! Und zwischendurch hab ich sogar etwas Ariel Posen-Feelings :D

  3. Profilbild
    Linus AHU

    Ich hatte bisher noch keine Bariton-Gitarre in der Hand, aber der Gedanke reizt mich schon länger. Gerade weil ich gerne Rock und Metal spiele und tiefe Tunings mag. Der große Vorteil ist für mich, dass man seine gewohnten Griffbilder behält und trotzdem einen völlig anderen Charakter bekommt. Vielleicht muss ich das irgendwann doch einmal ausprobieren. 😄

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