Musikalischer Navigator
Eine gute Liveshow lebt vom Zusammenspiel von Band, Technik und Publikum. Damit das gelingt, braucht es jemanden, der den Überblick behält, musikalisch denkt und in jedem Moment weiß, was zu tun ist. Diese Person ist der Musical Director, kurz MD. Er sorgt dafür, dass live alle zusammenfinden und eine Show entsteht, die professionell, flexibel und lebendig bleibt. In diesem Artikel geht es darum, was ein Musical Director macht, wie er während eines Konzerts arbeitet und welche Hilfsmittel ihn dabei unterstützen.
- Leitfigur: Der Musical Director hält Band, Technik und Publikum zusammen und sorgt für einen reibungslosen Ablauf.
- Flexibilität: Spontane Anpassungen während der Show machen das Live-Erlebnis lebendig und professionell.
- Kommunikation: Klare Ansagen und Tools wie das Talkback-Mikrofon sind essenziell für die Koordination.
- Organisation: Technische Hilfsmittel und strukturierte Notizen unterstützen den MD bei der Vorbereitung und Durchführung.
- Fazit: Ein erfahrener Musical Director verbindet musikalisches Können mit Organisationstalent und sorgt für eine stimmige Show.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Musical Director?
Ein Musical Director ist die musikalische Leitung einer Liveshow, wie beispielsweise bei einem Konzert. Der Name hat also nicht automatisch etwas mit einem Musical zu tun. Der Musical Director sorgt dafür, dass die Musiker der Band nicht nur einzeln für sich spielen, sondern dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht und die Band als Einheit funktioniert. Während jeder Musiker seinen eigenen Part gut beherrschen sollte, sorgt der MD dafür, dass am Ende alles gut ineinandergreift und klanglich aus einem Guss kommt.
Ein Musical Director ist also nicht einfach ein Band-Leader im klassischen Sinne. Er kommt oft dort zum Einsatz, wo mit gebuchten Musikern, den berühmten „Hired Guns“, gearbeitet wird. Musiker in solchen Bands wechseln häufig, finden sich nur für eine Tour zusammen oder spielen nur bestimmte Shows einer Tour. Damit die Band für das Publikum trotzdem wie eine eingespielte und feste Band-Besetzung wirkt, benötigt es den Musical Director. Im professionellen Bereich ist dieser oft auch für das Buchen der Musiker zuständig sowie deren Subs, sollten diese mal krankheitsbedingt oder aufgrund von Terminüberschneidungen ausfallen.
Vor dem Konzert
Vor und während der Proben für ein Konzert kümmert sich der Musical Director darum, dass die Arrangements stehen, dass Übergänge zwischen Songparts und einzelnen Liedern klar sind und dass alle Musiker wissen, wie die Songs aufgebaut sind. Er achtet auch auf Tonarten und Dynamiken und ist häufig auch derjenige, der Lead-Sheets und gegebenenfalls Backing-Tracks für das Üben und die letztendliche Liveshow vorbereitet. Dabei geht es nicht nur um musikalische Genauigkeit, sondern direkt schon um das Gefühl, das ein Konzert beim Publikum hinterlassen soll.
Während des Konzerts
Sobald das Konzert beginnt, übernimmt der MD die Leitung im Hintergrund, indem er situationsbedingt entscheidet, wann ein Song verlängert, verkürzt oder in der Dynamik verändert werden soll. Seine Kunst besteht also darin, das Konzert lebendig zu halten und ihm trotzdem Struktur zu geben. Meistens sitzt er selbst an einem der Instrumente, häufig am Klavier, wobei sein Monitor-Mix nicht nur auf das eigene Instrument fokussiert ist, sondern ein gutes Gesamtbild der Band abbilden sollte, um alle Instrumente gut zu hören. Wenn ein Sänger spontan etwas anders macht, beispielsweise die Strophe zu früh beginnt oder einen instrumentalen Part vergisst, sorgt der Musical Director dafür, dass die Band sofort mitzieht.
Gleiches trifft aber auch auf das Publikum zu: Wenn die Fans den Refrain eines Liedes lautstark mitsingen und das Lied anschließend planmäßig enden würde, kann der MD spontan auf diese Situation reagieren und die Band anweisen, den Refrain noch einmal zu spielen. Er ist also kein Dirigent im klassischen Sinn, sondern eine Art musikalischer Navigator und das Bindeglied zwischen der Band und dem Publikum, das die Richtung vorgibt und die Band musikalisch beisammenhält.
Kommunikation des Musical Directors
Das A und O beim Job des MD ist es, die Stimmung im Raum und auf der Bühne genau im Auge zu behalten, denn ein erfahrener Musical Director reagiert auf das, was er wahrnimmt: So wie er den Song verlängern kann, wenn das Publikum besonders begeistert ist, kann er den Song natürlich auch frühzeitig beenden oder die Stimmung wechseln, wenn die Spannung nachlässt. Damit das funktioniert, braucht es eine klare und verlässliche Kommunikation, für die es verschiedene Systeme und Werkzeuge gibt, die im Folgenden genauer beschrieben werden.
Talkback-Mikrofon
Das Talkback-Mikrofon ist das wichtigste Kommunikationsmittel eines Musical Directors während einer Liveshow, denn es ermöglicht ihm, mit der Band und auch mit dem Technik-Team zu sprechen, ohne dass das Publikum etwas davon mitbekommt. In Zeiten von In-Ear-Monitoring ist das glücklicherweise recht unkompliziert. Mit kurzen und gezielten Anweisungen hält der MD die Show im Fluss und sorgt dafür, dass alle wissen, was als Nächstes kommt.
Einige meiner typischen Ansagen als MD sind beispielsweise: „Noch einmal den Chorus“, „Breakdown und dann ruhiger Chorus“ und sehr beliebt ist auch die kurze Ansage „Klick“, wenn ein Musiker vom Metronom abweichen sollte. Zusätzlich dazu zähle ich zur Sicherheit auch häufig die Sänger zur ersten Strophe ein und gebe dem Tontechniker über mein Talkback-Mikrofon weiter, wenn mir einer der Musiker per Handzeichen Bescheid gibt, welches Instrument er leiser oder lauter auf seinem Monitor benötigt. Im Optimalfall spricht der MD nur, wenn es nötig ist und dann auch nur in kurzen, direkten Ansagen.
Nashville Number System
Das Nashville Number System ist eine Art der Akkord-Notation, mit der ein Musical Director alle Musiker gleichzeitig erreichen kann, selbst wenn sie in unterschiedlichen Tonarten oder Stimmungen spielen und denken. Statt Akkordnamen zu verwenden, beschreibt das System die Kadenzen mit Zahlen, die die Stufen der Tonleiter anzeigen. Bei einem Lied, das beispielsweise in C-Dur klingen soll, heißen die Akkorde also nicht C-Dur, A-Moll und F-Dur, sondern sie werden nach den jeweiligen Stufen der Tonleiter benannt: 1, 6 und 4. So können alle Musiker dieselbe harmonische Struktur verstehen, auch wenn sie sie unterschiedlich greifen oder notieren.

Das Nashville Number System hilft jedem Musical Director. Hier ein Beispiel anhand der C-Dur-Tonleiter.
Ein Beispiel: Das gespielte Lied steht in E-Dur, der Pianist spielt in genau dieser Tonart und greift bei einem E-Dur-Akkord auch tatsächlich ein E-Dur. Der Gitarrist arbeitet aber mit einem Capo im vierten Bund und spielt mit Griffen aus der C-Dur-Tonleiter, die wegen des Capos als Akkorde der E-Dur-Tonleiter erklingen. Wenn der Musical Director nun aus Gründen der Dynamik und spontanen Abwechslung anstelle eines E-Durs den parallelen Mollakkord Cis-Moll ansagt, weiß der Pianist sofort, was zu tun ist, der Gitarrist dagegen kann mit dieser Ansage wenig anfangen, weil er in einer anderen Griffwelt denkt.
Wenn der MD aber „6 Moll“ sagt, können beide Instrumentalisten diese Information ohne Umwege auf ihre aktuell gegriffene Tonart übersetzen: Der Pianist greift Cis-Moll als sechste Stufe seiner Tonleiter, der Gitarrist greift A-Moll als sechste Stufe seiner Tonleiter und beides klingt als Cis-Moll. Besonders praktisch: Sollte das Lied spontan in einer komplett anderen Tonart gespielt werden, weil beispielsweise ein anderer Sänger krankheitsbedingt übernimmt, ändern sich zwar die gegriffenen Akkorde, aber deren Nummern im Nashville Number System bleiben immer gleich, und die Band benötigt nur eine Info darüber, in welcher Tonart gespielt werden soll. Im folgenden Video bekommt man einen guten Eindruck davon, wie ein MD die Band spontan leiten und musikalisch beisammenhalten kann:
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Viele moderne Musicals arbeiten mit Bands und Backing-Tracks. Hier ersetzt der Musical Director mittlerweile häufig den Dirigenten oder er ist Musiker und Dirigent in Personalunion.
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Verknüpfung zwischen Band und Technik
Die Rolle des MD endet nicht bei der Musik, denn häufig ist er auch das kommunikative Zentrum zwischen der Band und dem Technikteam. Diese Verbindung ist entscheidend dafür, dass eine Show reibungslos abläuft und natürlich wirkt. Während eines Konzerts koordiniert der Musical Director, was auf der Bühne passiert und informiert über sein Mikrofon gleichzeitig auch das Technikteam über das, was als Nächstes passieren soll: Wenn die Band in ihrer Dynamik ruhiger werden soll oder ein Song anders als geplant früher endet, wissen auch die Techniker für Licht und Sound dank der Ansagen des MD Bescheid, wann ein Stimmungswechsel ansteht und können entsprechend reagieren. Nur wenn dieses Zusammenspiel funktioniert, wirkt die gesamte Show organisch, auch wenn spontan etwas verändert wird.
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Werkzeuge und praktische Hilfen für einen Musical Director
Einige technische Hilfsmittel erleichtern die Arbeit des MDs. Hier kommt eine kleine Auswahl an nützlichen Tools für den Live-Einsatz, die dem Musical Director die Möglichkeit geben, die Musik frei zu gestalten, spontan zu reagieren und gleichzeitig ein professionelles und perfekt abgestimmtes Live-Erlebnis zu schaffen.
Kommunikation
Das Mikrofon des Musical Directors sollte nur dann offen sein, wenn etwas gesagt wird, wodurch störende Nebengeräusche, wie beispielsweise Gitarrenamps und akustische Drums, verhindert werden und der Bühnenklang über die In-Ear-Kopfhörer sauber bleibt. Praktisch ist hierfür das Monacor PB-05E, ein optischer Mikrofonschalter, der das Talkback-Mikrofon automatisch über einen Infrarotsensor aktiviert, sobald man sich ihm nähert.
Auch das Palmer MI DMS ist eine bewährte Lösung für diesen Zweck, denn hier kann das Mikrofon per Fußschalter abwechselnd zwei Kanälen zugeordnet beziehungsweise ein- und ausgeschaltet werden. Praktisch ist dieses Tool vor allem dann, wenn der Musical Director neben seinen MD-Ansagen auch singt und so schnell zwischen dem Signal für seine Ansagen und dem Signal für den PA-Sound hin- und herschalten muss.

Mein Setup als Musical Director am Klavier: Neben dem eigenen Instrument gibt es immer einen Direktzugriff auf den Monitor-Mix und die Backing Tracks, um jederzeit die Kontrolle über alles zu haben. Fehlen darf natürlich nicht das Talkback-Mikrofon, die Setlist und ein Tablet mit allen Notizen.
Organisation von Leadsheets
Ein weiterer wichtiger Bestandteil im Arbeitsalltag eines Musical Directors ist die Organisation der Notizen und Leadsheets. Gerade bei wechselnden Setlists, komplexen Songstrukturen oder unterschiedlichen Showlängen ist es entscheidend, alle Informationen optisch griffbereit zu haben. Viele MDs nutzen hierfür ein Tablet, das auf einem stabilen Halter montiert werden sollte. Eine zuverlässige Lösung sind Tablet-Halterungen von König & Meyer, wie beispielsweise der K&M 19793 Tablet-PC-Stativhalter, der durch Robustheit und flexible Einstellmöglichkeiten überzeugt.
Zum Umblättern oder Weiterschalten der digitalen Leadsheets eignet sich der Fußschalter IK Multimedia iRig BlueTurn, mit dem per Bluetooth Signale an das Tablet gesendet werden. So kann sich der MD auf das Spielen und die Band konzentrieren, ohne das Tablet berühren zu müssen, was vor allem für Musical Directors von Vorteil ist, die gleichzeitig auch Pianist oder Gitarrist sind.
Steuerung von Backing-Tracks
Bei kleineren Live-Shows ist es üblich, dass der Musical Director auch die Backing-Tracks steuert, die meist über Ableton Live abgespielt werden und ergänzende Sounds wie Pads und Percussions enthalten. Für die Ausgabe der Backing-Tracks genügt ein Audiointerface, wie beispielsweise das Focusrite Scarlett 4i4 4th Gen. Es ermöglicht die Ausgabe der Backing-Tracks in Stereo, während der dritte Ausgang den Klick und der vierte Ausgang das Cue-Signal übertragen kann.
Für die Steuerung innerhalb von Ableton Live ist der AKAI Professional LPD8 MKII eine gute Wahl, denn dank der Pads und Drehregler kann der Musical Director die Backing-Tracks starten, stoppen oder wahlweise bestimmte Parts loopen, ohne den Computer berühren zu müssen. Besonders im hektischen Live-Betrieb ist das eine enorme Erleichterung.
Viele Bands kombinieren Ableton Live auch mit einer Lichtsteuerung über die Software Lightkey, die sich mit Ableton synchronisieren lässt. Dadurch kann das gesamte Bühnenlicht automatisiert und passend zu den Backing-Tracks betrieben werden. Eine Anleitung zur Einrichtung und Durchführung hierzu findet man in unserem passenden AMAZONA-Workshop.































uh, problematisch. Der artikel stellt es so dar als würden alle so arbeiten.
Welche Band benutzt Bitteschön eine „musical director“ als Souffleuse für Noten?!?
Allein die Vorstellung ist absurd. 😂
Wer das material nicht spielen kann fliegt raus oder wird nie wieder gebucht. 🤷🏻♂️
@plumperquatsch Es geht ja nicht um das „nicht spielen können“, sondern darum, spontan auf das Publikum und die Stimmung einzugehen, statt Setlists stumpf runterzuspielen.
@Gereon Gwosdek Wenn die Band ihr Material drauf hat kann sie jeden Abend eine andere Setlist spielen.
Ich vermag daran nichts stumpfes zu erkennen.
Auch spielt nicht jeder „Schunkel-Rock“ nach dem motto der Saal flippt gerade aus spielen wir den chorus nochmal …
das ist eher unerwünscht.
Die Leute erwarten die stücke wie sie sie kennen. 🤷🏻♂️
@plumperquatsch Im professionellen Bereich durchaus üblich und, sobald Backing Tracks im Spiel sind und man dennoch flexibel im Song hin und her springen möchte, auch notwendig.
@Markus Galla da wird der Gesang gerade gezogen …
da werden Noten vorgesagt …
is ja alles nicht so wichtig. 🤨
Da muss man sich schon Fragen gefallen lassen wie: äh, macht ihr überhaupt noch Musik, oder tut ihr nur so als ob? 😈
@plumperquatsch Wo nimmst du das her?
Da werden keine Noten vorgesagt, kein Gesang gerade gezogen. Hast du den Artikel überhaupt gelesen?
Es werden für Übergänge und Modulationen zwischen Songs vom MD die Stufen der Akkorde angesagt. Schon mal Bruce Springsteen mit der E Street Band live gesehen? Da gibt es kaum Pausen zwischen den Songs. Die Musiker wissen noch nicht einmal, welcher Song als nächstes kommt, weil er die Setlist spontan verändert. Roy Bittan leitet als MD am Klavier die Übergänge ein inklusive Modulation zur neuen Tonart. Oft macht Springsteen es auch selbst und sagt die Akkordnummern nach dem NNS an. Die machen das aber seit 50 Jahren und da reicht ein Blick oder Kopfnicken.
Bei Bands, die komplett mit In Ear spielen und mit wechselnden Besetzungen, macht der MD das über ein Mikrofon. Auch wenn Formteile wiederholt werden und das vom Ablauf abweicht, sagt der MD das an.
@Markus Galla malen nach zahlen ;)
jetzt modulier über den Grundakkord (rumble 1111)
in welchem Universum ist das nicht Noten vorsagen? 🤭
@Markus Galla (und die andere hälfte kommt vom play-back)
@plumperquatsch Und? War in bestimmten Musikstilen schon immer so: Sequencer, Bandmaschinen, Ableton Live. So what?
Pink Floyd
Genesis
Phil Collins
Michael Jackson
Depeche Mode
Erasure
Pet Shop Boys
JMJ
Madonna
Prince
und danach im kompletten Elektro-Bereich, Techno, Trance, Hip Hop und mehr, egal wie groß und gut die Bands sind. Je aufwändiger die Studioproduktionen sind, desto eher wird live auf Backing Tracks zurückgegriffen, um die Songs irgendwie zu reproduzieren. Bei allem, was abseits von purer Rockmusik läuft, ist das der Normalzustand. Das wird seit den 70ern gemacht und ist jetzt keine Überraschung oder neue Erfindung.
@Markus Galla noten vorsagen hier,
autotune da,
die andere hälfte kommt vom band.
ich hab nix gegen einen Notenständer oder sonstigen spick-Zettel,
aber bei noten vorsagen und autotune hört es bei mir wirklich auf mit den Milli Vanillis. 🛑
@plumperquatsch Ich frage noch einmal: Wer sagt Noten vor und was hat das mit Autotune zu tun?
@Markus Galla Der Herr an der Orgel im ersten Video sagt heimlich die Akkorde an.
natürlich nur für die Übergänge 😆
wer soll das glauben?
Madonna lässt live videos im Nachhinein mit autotune fälschen.
@Markus Galla JMJ hat früher schon ,wie ein Huhn die Körner pickt, im 2 finger suchsystem gespielt. 🤭
Mittlerweile drückt der nur auf auf irgendwelche trigger pads und spielt nicht mehr wirklich. ;)
@plumperquatsch Einen MD MUSS es eigentlich immer geben bzw sollte es geben. Jemand, der musikalisch das Sagen hat, Entscheidungen bei der Probe, Arrangement und auch beim Auftritt trifft.
Bei immer gleicher Besetzung, Sängern, Programm geschieht das live oft nur durch Kopfnicken oder die klassische „Sängerfaust“, wo SängerIn die letzte Runde zum Schluss einläutet.
Bei extrem komplexen Stücken kenne ich das auch, dass der MD die Teile durch´s Talkback ansagt, einfach um safe durch die Stücke durchzuschiffen.
Das mit den Zahlen kenne ich tatsächlich nur, dass jemand mit den Händen die Chords anzeigt. Das geht natürlich nicht, wenn es so schnell sein muss wie im ersten Video.
Einen MD finde ich gerade im professionellen Bereich wirklich zwingend. Was der genau regelt hängt von der Komplexität ab.
@calvato Ganz genau. Und ich kann versprechen: Jeder, der als professioneller Musiker (oder auch semi-professioneller Musiker) einmal in einer Band mit MD gespielt oder dort ausgeholfen hat, will im Anschluss nicht mehr ohne spielen. Es macht alles so viel entspannter:
– jeder hat ordentliche Lead Sheets, die aufeinander abgestimmt sind (keine Diskussionen über Akkorde mehr)
– jeder hat denselben Ablauf (keine Diskussionen mehr wie: Wie oft kommt da noch der Chorus? Hat das Solo 8 oder 16 Takte?)
– jeder weiß genau, was er oder sie zu tun hat und welche Erwartungshaltung es gibt
– jeder weiß in der Regel, wann er wo zu sein hat
– man redet auf der Bühne mit EINEM Menschen und nicht alle durcheinander
– wenn sich Abläufe spontan ändern, haben alle die gleichen Infos zur gleichen Zeit
– Tempi und auch Tempowechsel sind vorab festgelegt
– im Idealfall hat sich der MD auch Gedanken darum gemacht, welche Parts der Studioaufnahme er in jedem Fall erwartet und was optional ist oder weggelassen werden darf (Woohoo!)
Insbesondere dann, wenn es um Künstlerbegleitung geht, ist ein MD ein Segen. Ich muss mich nicht mit dem Künstler auseinandersetzen, das macht der MD für mich. Wenn es Diskussionen gibt, kommuniziert der Künstler mit dem MD und nicht mit jedem Musiker einzeln – das macht es für den Künstler und die Band bedeutend leichter.
@calvato , ich stimme dir zu. Spätestens, wenn Bild, Ton, Licht und Performance synchron sein sollen, gehts „live“ nicht ohne MD. Irgendwo muss einer die Fäden zusammen halten. Mir würde da jetzt ad hoc ein Klassikorchester einfallen, welches mit elektronischen Klangerzeugern zusammenspielt. Da gibt es zwar einen Dirigenten aber auch einen MD, der die Schnittstelle zwischen Akustik und Elektronik ist. Und das ist ist nicht unüblich. Im Theater gibts auch einen Inspizient, der den technischen und künstlerischen Teil einer Aufführung koordiniert. Selbst Top Acts wie Depeche Mode usw. haben sowas, nur weil man den nicht sieht, heisst das nicht sowas existiert nicht. Bei der Global Spirit Tour war das Kerry Hopwood. Und vor dem steht sogar ein Dave Gahan stramm. Oder aktuell Synthony, da gibts neben der Dirigentin Sarah-Grace Williams auch einen MD. Der dann die Elektronik koordiniert. Es ist unrealistisch zu behaupten, es geht ohne. Z.B. Depeche Mode, Sythony oder Musicals etc. sind dermassen komplexe technische Konstrukte. Da brauchst du halt Know How. Das ist schon ein bisschen mehr als Knöpfchen und Tasten drücken. Spätestens wenn Macs, mit Ableton, Mainstage oder Ipads ins Spiel kommen wirds interessant. Und das möchte dann live alles mit FoH und Co zusammenspielen. Keiner möchte wegen eines verpatzten Einsatz augebuht werden.
@plumperquatsch , darum gehts nicht. überleg dir einfach mal das es eben nicht trivial ist alle Einsätze sowohl akustisch und elektronisch synchron zu halten. Sowohl auf der Bühne zum FoH, Montor und dann wieder zum Publikum. Da wird schon Aufwand getrieben. Und sowas haben auch Rockbands. Chuck Leavell bei den Stones und für David Gilmour. Und derzeit bei Gilmour Gavin Elder. Wie Gereon sagt, es gibt nicht um das stumpfe runterspielen. Und dafür braucht auch ein „Star“ einen MD. Ich kenne keine Maschine die der Band ansagt oder anzeigt, das Solo machen wir jetzt mal einige Takte länger, oder der Künstler braucht für die Eröffnung noch drei Abfeiertakte, weil er nicht auf die Uhr geguckt hat. Oder wie bei den Blues Brothers durch einen Tunnel auf die Bühne muss. Also gibt der MD erst mal Minnie The Moocher. Also gibts erstmal einen Singalong.
Manche Bands haben noch nicht mal einen Manager sondern Regeln das alles selbst, inclusive weltweite Tourneen.
Sowas ist allgemein als Authentizität bekannt und dafür werden die Bands dann auch geliebt, weil sie nicht Spielball der Musikindustrie sind. ;)
@plumperquatsch ist ja nur ein Beispiel!
ist bei jeder band anders.
@plumperquatsch Was hat die Bühnen-Performance bei Konzerten mit der Musikindustrie zu tun? Es geht hier darum, dass bei professionellen Besetzungen, die nicht zwingend immer mit denselben Musikern arbeiten (Stichwort Sideman & Hired Gun) der Musical Director das Zepter in die Hand nimmt, die Arrangements festlegt, die Proben (falls überhaupt vorhanden) organisiert, den Soundcheck organisiert und so weiter. Während der Konzerte ist er dann immer noch Partner des Sängers oder der Sängerin und navigiert die Band zusammen mit dem Performer durch die Show.
Wenn man noch nie als professioneller Sideman gearbeitet hat, weiß man das nicht zu schätzen. Und selbst bekannte Bands mit vermeintlich festen Besetzungen haben oft für Konzerte einen Musical Director, der dafür sorgt, dass die Studioaufnahmen in eine gute Live-Version überführt werden. Ich habe in einer Besetzung gespielt, in der es das nicht gab. Fürchterlich. Ich habe die Aufgabe hinterher freiwillig und unentgeltlich übernommen, um Ordnung reinzubringen. Alles Profis!
Wenn ich Musiker für Konzerte gebucht habe, habe ich den Job immer gemacht und wir haben ohne Probe besser gespielt als andere, die ihr Leben im Proberaum verbracht haben. Für professionelle Musiker ist jede Stunde Probe ein finanzieller Verlust, da weiß man den MD schnell zu schätzen.
@Markus Galla „Was hat die Bühnen-Performance bei Konzerten mit der Musikindustrie zu tun?“
Jede Minute länger kostet ein Schweinegeld. ;)
@Markus Galla „Für professionelle Musiker ist jede Stunde Probe ein finanzieller Verlust, da weiß man den MD schnell zu schätzen.“
keinen bock auf proben ist ja als sehr professionell bekannt. 🤭
@plumperquatsch Wenn alle ihren Part spielen können, benötigt man keine Proben, dann reicht der Soundcheck oder maximal eine Durchspielprobe. Wenn man als Musiker seinen Lebensunterhalt verdienen muss, kann man sich unbezahlte Proben nicht leisten. Und die meisten Proben sind unbezahlt.
Als Hobbymusiker ist die Probe Freizeitgestaltung, bei Profis Arbeitszeit. Das lernt man als freiberuflicher Musiker sehr schnell, vor allem, wenn man mal die Gage durch die komplette Zeit für Auftritt, Aufbau+Soundcheck, Anfahrt, Hotelaufenthalt, Proben, Üben der Songs usw.teilt und feststellt, dass man schon vor Steuern und Kranken-/Rentenversicherung deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Als Sideman bekommt man dann sehr schnell einen Realitäts-Check.
@Markus Galla Das ist ein Problem des „Session Musikers“. 🤷🏻♂️
soundcheck und los
oh weih das kann gewaltig schief gehen,
spiel jetzt bloß kein gitarrensolo oder jazzige Akkorde auf der Orgel, arrrgh 😬😆
Erst einmal ein sehr interessanter Beitrag. Die beschriebenen Aufgaben /Funktion gibt es, glaube ich, wenn uch nicht immer ausgesprochen, in jeder Band, in irgendeiner Form.
Menschen, die als Musiker davon leben müssen, sind da wirklich drauf angewiesen, dass solche Jobs (MD) da sind. Da hat Markus sicher recht (und die Erfahrung).
Sehr interessant und spannend, wie ich finde.
Weiter so.
V.
PS: Es ist für mich wirklich eine Freude zu sehen (Foto), dass Kirchenmusik verbreiteter ist als man denkt und auch mit sehr viel Freude und Professionalität betrieben zu werden scheint!
@VerMona74 Ich denke auch, dass das gerade im semi-professionellen Bereich eher ohne große Absprachen geschieht. Da geht es dann auch weniger um Bezahlung, sondern einer ist eben der „Macher“ und nimmt diese Aufgaben wahr. Im professionellen Bereich ist das dann in der Regel ein bezahlter Job, der sehr aufwändig ist, aber eben oft notwendig.
Zu deinem PS: Das wird hier kontrovers diskutiert: Von Befürwortern bis Hatern ist alles dabei. Verständlich, da das Thema die Gesellschaft gerade stark spaltet.
@VerMona74 Guckt man in größere Freikirchen, zum Beispiel in den USA, sieht man erstmal, auf welchem hohen Level an Professionalität Kirchenmusik und Technik umgesetzt werden kann. Das ist schon beeindruckend.
@Gereon Gwosdek Ist auch ein gewaltiger Unterschied ob da die Haarlem Gospel Singers stehen oder der Kirchenchor St. Anna. ;)
Für ein Musical oder die Band zur late night show ist das alles ok,
das ist alles Musik zum zweck.
(alt und vergesslich lass ich auch durchgehen)
Irgendwo hört der Spaß dann aber auch auf und ich erwarte mehr. 🤷🏻♂️