ANZEIGE
ANZEIGE

Workshop: Amp-Modeler Live-Sound einstellen

Typische Fehler beim Live-Einsatz von Modelern

4. Oktober 2026
So klingt dein Modeler besser im Live-Kontext

So klingt dein Modeler besser im Live-Kontext

Kurz & knapp

Was ist es? Dieser Workshop behandelt die Optimierung von Amp-Modelern für den Live-Einsatz, um deren klangliches Potenzial voll auszuschöpfen.

  • Klangkonsistenz: Eine begrenzte Auswahl an Amp-Modellen und IRs fördert die klangliche Konstanz und erleichtert dem FOH-Mischer die Arbeit.
  • Frequenzbeschnitt: Low-Cuts bei 80 Hz und High-Cuts zwischen 5 und 10 kHz sind für E-Gitarren-Sounds im Live-Kontext empfehlenswert, um Matsch und Schärfe zu vermeiden.
  • Monokompatibilität: Stereo-Widening-Effekte können im Live-Mix zu Definitionsproblemen führen; ein monokompatibler Sound ist vorteilhafter.
  • Effektdosierung: Weniger Reverb und Delay sind in den meisten Live-Umgebungen angebracht, da der Raum selbst bereits Nachhall bietet.
  • Schwächen: Factory-Presets sind oft nicht für den Live-Einsatz optimiert und erfordern Anpassungen, insbesondere bei Bässen und Höhen.

So klingt dein Modeler besser im Live-Kontext

Amp-Modeler, Profiler und Capture-Geräte sind toll, keine Frage! Und die meisten von ihnen, mittlerweile sogar die günstigeren, klingen absolut sagenhaft und sind von einem echten Amp klanglich kaum bis gar nicht zu unterscheiden. Dennoch gibt es einige Gründe, warum bei Kemper, Quad Cortex, Helix und Co. gerade im Live-Kontext das klangliche Potenzial nicht voll ausgeschöpft wird. Damit wollen wir heute ein bisschen aufräumen und hilfreiche Tipps an die Hand geben, die den Live-Sound deutlich verbessern können und den FOH-Mischer zusätzlich glücklich machen.

ANZEIGE

Digitale Modeler sind im Live-Betrieb nicht mehr wegzudenken, und dort gehören sie meiner Meinung nach auch hin! Die Vorteile liegen dabei auf der Hand, da sie unter anderem leidige Probleme lösen können: Sie bieten erstklassige Sounds, sind kompakt, meistens viel zuverlässiger als ein klassischer (Röhren-)Amp, liefern konstante Ergebnisse und lassen sich hervorragend ohne Gitarrenbox betreiben, was die Übersprechung bei Mikrofonen auf der Bühne deutlich verringert. Da auch im Konzertbereich überall die Kosten steigen, sind Budgets oft knapp, was in Zukunft kompakte Lösungen noch wichtiger machen wird.

Aber wie so oft, wenn technologische Entwicklung Lösungen für bestehende Probleme liefert, entstehen dabei gleichzeitig neue Herausforderungen. So profitiert auch der Umgang mit einem Modeler von der Eliminierung der Probleme, die sich dabei auftun können.

Denn die riesige Palette an Klängen, Effekten und Werkzeugen, die digitale Klangerzeuger meistens mit sich bringen, gepaart mit der Art und Weise, wie sie oftmals in der Vorbereitung und Programmierung verwendet werden, birgt teilweise Fallstricke für den Live-Sound auf der Bühne, die man mit einem klassischen Amp-Setup vielleicht gar nicht gehabt hätte.

Der Kemper Profiler

Amp-Modelle und IRs nicht zu häufig wechseln

Der erste Umstand, den ein Modeler mitbringt, den man mit seinem vertrauten, analogen Verstärker nicht hätte, ist die riesige Auswahl an Amps und Cabinet-IRs. Ich gebe zu, auch ich genieße es, bei einem Fractal FM9 aus Hunderten von Amps und Tausenden von IRs wählen zu können, um für jede Situation den für mich passenden Sound zu finden!

Allerdings verbirgt sich hier der erste Fallstrick! So schön der Gedanke ist, jeden angestrebten Sound aus dem Studio, in dem Dutzende legendäre Röhrenamps mit der passenden Box zur Verfügung standen, perfekt nachbauen zu können, so problematisch kann es für den eigenen Live-Sound im Bandkontext sein.

Denn was nicht nur Zuhörerinnen und Zuhörer schätzen, sondern vor allem auch die Person hinter dem Mischpult, ist ein gewisses Maß an Konstanz. Besonders relevant wird das bei Impulsantworten für Gitarrenboxen. Diese sind nämlich, etwas vereinfacht gesagt, nichts weiter als eine EQ-Kurve. Hat man sich schon einmal durch diverse IRs durchgeklickt, weiß man auch, wie drastisch die Unterschiede zwischen ihnen sein können.

Wenn man nun bei jedem Song (oder sogar bei jedem Part innerhalb eines Songs) einen anderen Amp mit anderer Box verwendet, ändert sich jedes Mal das Frequenzspektrum der Gitarre. Hat der Mischer also beim Soundcheck die Gitarre durch das Verwenden eines EQs im Pult an seine Bedürfnisse angepasst, sind die Chancen groß, dass die EQ-Einstellungen bei anderen Songs nicht mehr passen.

ANZEIGE

Ich rate daher, sich beim Live-Einsatz eines Modelers in den meisten Fällen auf eine Handvoll Verstärkermodelle und (noch wichtiger) so wenige unterschiedliche Boxen-IRs wie möglich zu beschränken!

Low-Cuts und High-Cuts setzen

Ein ebenso wichtiger und oftmals übersehener Punkt sind Low-Cuts und High-Cuts. Um deren Bedeutung zu verstehen, ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, wie ein Modeler agiert und, gerade für den Live-Betrieb, auch wie eine PA und das menschliche Gehör grundlegend funktionieren.

Gitarren-Speaker, wie man sie in einer klassischen Gitarrenbox findet, bilden nur ein bestimmtes, meistens auf den Frequenzbereich der Gitarre abgestimmtes Frequenzspektrum ab, das in der Regel im Bereich von ca. 70 Hz bis 10 kHz liegt. Wobei bei vielen Speakern die Übertragung oberhalb von 5 kHz schon deutlich abnimmt. Das Gitarrensignal einer mikrofonierten Box bewegt sich frequenztechnisch also natürlicherweise in diesem Bereich.

Frequenzkurve eines Celestion G12M Greenback (Quelle: Celestion)

Frequenzkurve eines Celestion G12M Greenback (Quelle: Celestion)

Ein digitaler Modeler hingegen gibt in erster Linie ein Full-Range-Signal aus, sprich den gesamten hörbaren Bereich von 20 Hz bis 20 kHz. Das hat auch damit zu tun, dass die meisten Modeler nicht ausschließlich für E-Gitarren konzipiert sind. Bei akustischen Gitarren können zum Beispiel andere Frequenzbereiche wichtig sein.

In der Praxis, und das merkt man ziemlich häufig bei Factory-Presets, haben Sounds von HeadRush, Axe-FX und Co. oftmals zu viele Bässe und Höhen, um sich im Live-Kontext richtig durchzusetzen und nicht schrill zu klingen. Warum das so ist, hängt unter anderem damit zusammen, dass gerade digitale Modeler zu Hause und im Studio überdurchschnittlich oft mit Kopfhörern oder auf Zimmerlautstärke abgehört werden.

Die Fletcher-Munson-Kurve – wie wir Frequenzen hören

Was hier von Bedeutung ist, ist die Fletcher-Munson-Kurve, die beschreibt, wie das menschliche Ohr Frequenzen bei unterschiedlichen Lautstärken wahrnimmt. Bei leisen Pegeln hören wir die Mitten sehr gut, Bässe und Höhen wirken jedoch schwach. Drehen wir die Lautstärke auf, nehmen wir Bässe und Höhen proportional viel stärker wahr.

Dieses Phänomen führt dazu, dass Sounds, die über Kopfhörer noch perfekt ausgewogen wirkten, bei Konzertlautstärke plötzlich matschig und schrill klingen, weil das Ohr die Frequenzen bei der höheren Lautstärke anders wahrnimmt.

Die Fletcher-Munson-Kurve (Quelle: Produce Like A Pro)

Die Fletcher-Munson-Kurve (Quelle: Produce Like A Pro)

Aber auch die Wirkungsweise einer PA hat Einfluss. Ein größeres PA-System mit mehreren Subs und einem Line-Array hat meistens enorme Power im Bass- und Höhenbereich. Wenn die Subwoofer bei einer Open-Air-Bühne mehrere tausend Watt Leistung nach draußen schieben, kann es sehr schnell zu viel werden mit dem Low-End!

Es liegt jedoch nicht immer nur an der Fletcher-Munson-Kurve. Speziell bei Werkssounds scheinen viele Hersteller generell nicht an Live-Tauglichkeit, sondern an Durchsetzungsfähigkeit bei geringen Lautstärken zu denken, was selbst bei guten Factory-Presets oft eine Anpassung für die Bühne nötig macht.

Es empfiehlt sich also generell für den Live-Einsatz, bei E-Gitarren-Sounds einen Low-Cut bei mindestens 80 Hz (Grundfrequenz der tiefen E-Saite) und einen High-Cut irgendwo zwischen 5 und 10 kHz zu setzen. Spielt man Akustikgitarre über den Modeler, kann der High-Cut oft höher ausfallen. Allerdings sollte man gerade hier auf den Bereich zwischen 8 und 10 kHz achten, da es sonst über das PA-System gerne mal im Ohr klingelt. Jeder Mischer wird sich darüber freuen!

Weniger oder gar kein Stereo-Widening

Der nächste Tipp bezieht sich auf Stereo-Sounds. Diese sind beim Einsatz von Modelern ja quasi Standard geworden. Klar, wenn man keinen zweiten Amp ankarren muss, sondern nur ein zweites XLR-Kabel und einen weiteren freien Kanal am Mischpult braucht, ist das in vielen Fällen auch absolut sinnvoll. Vor allem, wenn man mit In-Ear-Monitoring spielt, klingen Gitarrensounds in Stereo einfach breiter und darum meistens besser.

Allerdings muss man beim Begriff „Gitarrensound in Stereo“ etwas unterscheiden: Handelt es sich um ein Amp-Signal in Mono mit Stereo-Effekten wie Chorus oder Reverb? Handelt es sich zum Beispiel um zwei verschiedene Amps oder zwei unterschiedliche Boxensimulationen im linken und rechten Kanal des Stereofelds?

Das Zauberwort lautet hier Monokompatibilität. Denn das, was Zuhörerinnen und Zuhörer bei einem Konzert über ein PA-System hören, ist in den meisten Fällen nicht mit einem wirklichen Stereo-Erlebnis wie über Kopfhörer zu vergleichen. Der Grund: Außer dem Mischer steht kaum jemand im Stereo-Dreieck.

Angenommen, er würde die Gitarre für eine bessere Staffelung hart nach links pannen, würde das Publikum auf der rechten Seite diese eventuell kaum noch wahrnehmen. Daher wird in den meisten Fällen in „Fast-Mono“ gemischt, was für klassische Stereosignale bedeutet, diese sind nicht in eine Richtung gepannt.

"Der Enhancer Block im Fractal Universum: Stereo-Widening sollte im Live-Kontext nur sehr bedacht eingesetzt werden"

Der Enhancer-Block im Fractal-Universum: Stereo-Widening sollte im Live-Kontext nur sehr bedacht eingesetzt werden

Sounds mit Stereo-Widening-Effekten, bei denen die Signale künstlich durch Phasenverschiebungen breitgezogen werden, sind allerdings bei Modelern ganz schön in Mode gekommen. Was auf Kopfhörern super breit und riesig klingt, sorgt im klanglich weniger filigranen Live-Betrieb aber meistens für weniger Definition und lässt die Gitarre schnell im Mix verschwinden, weil sie eben nicht monokompatibel ist.

Darum ist hier weniger mehr! Ein direkteres Gitarrensignal, das auch in „Fast-Mono“ gut funktioniert, gibt dem Mischer viel mehr Raum zum Gestalten. Für breiten Sound in den In-Ears tut es auch ein Mono-Amp mit Stereo-Reverb oder -Delay, da er die oben genannte Monokompatibilität meistens besser erfüllt.

Weniger Reverb und Delay

Der letzte Tipp des Tages befasst sich ebenfalls mit dem Thema direktes Gitarrensignal. Wir alle kennen es: Jammt man allein, kann man fast nicht zu viel Reverb und Delay im Sound haben. Auch hier kommen uns die Factory-Presets der Hersteller für die nächtliche Kopfhörer-Session oft  mit ihren eingebetteten Klangvorschlägen entgegen.

Reverb Block im Fractal FM9: Niedrigere Mix-Werte bieten sich für den Live-Kontext oft an

Reverb-Block im Fractal FM9: Niedrigere Mix-Werte bieten sich für den Live-Kontext oft an

Bei einem Konzert sieht es jedoch meistens anders aus. Spielt man nicht gerade einen Gig im totgedämmten Proberaum, ist die Location meist ein größerer, akustisch nicht optimierter Raum mit allen möglichen Diffusitäten und Nachhallzeiten. Spielt man also seine Reverb-Patches mit Namen wie „Andromeda Tail“ oder „Cosmic Infinity“, schickt man seinen Sound zusätzlich in einen nicht kontrollierbaren, oft bis zu 5 Sekunden langen Hall namens „Jugendhaus am Bahnhof“ oder „Altes E-Werk“. Alle, die in Kirchen spielen, sollten sich ganz besonders angesprochen fühlen.

Das Ergebnis ist ein matschiger Sound, der auch wieder an mangelnder Definition leidet. Die Faustregel sollte also sein: Je größer der Raum, desto weniger Reverb und Delay benötigt dein Gitarrensignal. Firmen wie Fractal Audio lösen das geschickt durch globale Parameter für den Mix der Reverb- und Delay-Blöcke. So kann man je nach Location reagieren, ohne seine Sounds umprogrammieren zu müssen.

ANZEIGE
Fazit

Aus einem Modeler einen guten Sound für den Live-Einsatz rauszuholen, ist kein Hexenwerk. Man sollte aber auch nicht davon ausgehen, dass die vorgeschlagenen Sounds immer passen! Gerade das Übersetzen des Klangverhaltens von Kopfhörern zu einer fetten PA kann aufgrund des Fletcher-Munson-Effekts und der Wahrnehmung des Stereofelds schwierig sein. Auch eine gesunde Beschränkung auf das Wesentliche bei Amp-Profilen und Effekten ist im Live-Betrieb ein guter Anhaltspunkt, um den eigenen Gitarrensound durchsetzungsfähig und rund zu halten. Befolgt man einige der hier aufgeführten Regeln und hinterfragt die eigenen Presets, stehen die Zeichen gut, dass sich der Live-Sound deutlich verbessert.

Affiliate Links
Harley Benton DNAfx GiT Pro
Harley Benton DNAfx GiT Pro
Kundenbewertung:
(111)
Neural DSP Quad Cortex
Neural DSP Quad Cortex
Kundenbewertung:
(576)
ANZEIGE
Affiliate Links
Harley Benton DNAfx GiT Pro
Harley Benton DNAfx GiT Pro
Kundenbewertung:
(111)
Neural DSP Quad Cortex
Neural DSP Quad Cortex
Kundenbewertung:
(576)
Über den Autor
Profilbild

Matze Franz RED

Mit Lenny Kravitz und Coldplay aufgewachsen und dann zum Jazz gefunden. Bachelor und Master Studium Jazz Gitarre in Würzburg und Mannheim. Danach den Fokus wieder auf die Musik gelegt, mit der ich groß geworden bin und jetzt als Live- und Studio-Gitarrist mit allen möglichen deutschen Pop-Acts unterwegs. Ich habe mit ClockClock, LEA, Laith Al-Deen, Lotte, Marie Bothmer, Bengio, Tiemo Hauer und vielen weiteren Künstler*innen und Bands zusammengearbeitet. Große Momente in meiner Karriere ...

Forum
  1. Profilbild
    Tai AHU

    Viele der Regeln halte ich auch in der Studioarbeit für richtig. Ich habe oft den Eindruck, bei vielen Gitarristen gibt es nur hartes links/rechts Panning. Ist vermutlich auch bei Keyboardern nicht selten. Es ist halt schon ein Unterschied, ob ich alleine, oder zusammen mit Anderen spiele.

    Ergänzender Tip: Bei der Fletcher-Munson Kurve sollten für die Werte der roten Ergebnislinien die dB Werte negativ sein. Sonst würden wir bei 3kHz ja gar nix hören. Die Y Achse zeigt dann die Lautstärke und die Kurve eher die Dämpfung bei bestimmten Frequenzen. Oder die Kurven horizontal spiegeln.

  2. Mehr anzeigen
Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Wir behalten uns die Löschung von Inhalten vor. Dies gilt insbesondere für Inhalte, die nach unserer Einschätzung gesetzliche Vorschriften oder Rechte Dritter verletzen oder Diffamierungen, Diskriminierungen, Beleidigungen, Hass, Bedrohungen, politische Inhalte oder Werbung enthalten.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
X
ANZEIGE X
ANZEIGE X