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Workshop: Band-Recording im Proberaum – Vorbereitungen, Schlagzeug, Bass und Gitarren

11. November 2019

Aufnahme einer Band: Drums, Bass, Gitarre

band recording workshop proberaum

Workshop: Band-Recording im Proberaum – Vorbereitungen, Schlagzeug, Bass und Gitarren

Obwohl ich mich eigentlich eher in anderen Gefilden bewege, traute ich mich kürzlich an das Thema „Band Recording“ heran. Das war eigentlich nie mein Steckenpferd – man findet mich normalerweise eher hinter Studiomonitoren. Sei es ein Jazzorchester, viele Pop- und vor allem E-Produktionen unterschiedlichster Art oder auch mal Filmmusik liegen in Einzelspuren vor mir und wollen gezähmt werden. Früher leitete ich noch ab und an Band Recordings in Studios der Umgebung, aber im Zuge meines Werdegangs wurden diese Projekte immer weniger. Ein hübsches Pult, tolle Räume, Preamps und vor allem tolle Musiker führten dazu, dass der anschließende Mixdown dieser Projekte zumeist eher einer Anpassung der Pegelverhältnisse mit etwas Komprimierung, weichen Cuts und finalen Korrekturen gleichkam.

Hier die Übersicht und die Links zu den anderen Teilen des Workshops:

Den letzten und vierten Teil des Workshops veröffentlichen wir zeitnah und verlinken diesen ebenfalls hier.

Recording Workshop

Verdammt gute Jungs: Die Band Solarbear

Vor etwa einem Jahr kontaktierte mich dann mein Freund Julius mit der Bitte, ein Demo seiner damals frisch gegründeten Band Solarbear zu produzieren. Gesagt – getan, innerhalb eines Tages nahmen wir Schlagzeug, Bass, Gitarren und den Sänger auf und erzielten mit einem kleinen Haufen SM57er Mikros, einem Tascam 8-Spur-Interface sowie einer recht tiefgreifenden Postproduktion ein Ergebnis, das mich selber sehr beeindruckte. Es konnte sich, für die wenigen Gedanken, die ich mir über dieses kleine Spaß-Projekt machte, wirklich hören lassen. Das Interesse war geweckt: Was können wir mit gegebenen Mitteln aus diesem Raum herauspressen?

Die Band bewegt sich mit ihrem Sound irgendwo zwischen Metal, Indie und Hard-Rock, besteht aus jungen, motivierten und interessierten Leuten und räumt im Sektor Köln in diesen Tagen einen Bandcontest nach dem anderen ab. Mit den Jungs kann man arbeiten, sie beherrschen allesamt ihr Handwerk und komponieren großartige Arrangements.

Nach einiger Zeit fand sich somit aus beidseitigem Interesse ein neuer Termin für ein etwas ambitionierteres Recording eines neuen Songs unter fast gleichen Voraussetzungen. Mit welchen Mitteln und Tricks wir dieses No-Budget Freundschaftsprojekt durchgezogen haben, möchte ich euch im folgenden Recording-Workshop vermitteln. Sei es als Motivationsspritze für Bands mit rudimentärer Recording-Ausstattung oder für diejenigen, die einfach auf der Suche nach dem einen oder anderen Tipp oder Trick sind. Ich hoffe, dass ihr etwas aus dem Artikel mitnehmen könnt. Das, was wir hier gemacht haben, kann jeder!

Die Vorbereitung der Band-Aufnahme im Proberaum

Aus der ersten, spontanen Demoproduktion im betreffenden Raum konnten wir uns auf Anhieb herleiten, an welchen Stellen wir uns auf möglichst natürliche Art und Weise verbessern können.

Wichtigster Punkt: Ein Pad-Fell für die Kick, die hatte zu viel Sustain und damit einhergehend zu wenig Punch. Doch nicht nur aus diesem Grund: So fehlte damals noch ein vernünftiges Mikrofon fürs Basstrommel-Loch und eine DI-Box für Bass und Gitarren. Im Zuge dessen organisierten wir uns im Vorfeld eine Reihe an vertretbaren Mikrofonen beim Verleiher, ein paar MD-421er für die Toms (sogar die hübschen alten grauen) und ein Shure Beta 52a für die Kick. Muss man mögen und ist eigentlich bei weitem nicht das Optimum für eine „clicky“ Metal-Kick, war aber das einzige, das verfügbar war. Audix wäre super gewesen. Schauen wir also einmal, was wir da raus bekommen. Genereller Kostenpunkt der Ausleihe: Ca. 60 – 80 Euro.

Die Jungs sind zwar nicht studioerfahren, haben aber ihre genauen Vorstellungen. Sie sind bereit zu experimentieren, aber eben auch sehr old school, weswegen es nicht zur Debatte stand, dass wir die Gitarrenamps mikrofonieren. Deswegen meine Whatsapp am Vortag: „Bringt alles an Matratzen und Molton mit, was ihr finden könnt.“ Der Raum ist rudimentär behandelt, hat die klassischen Probenraum-Estrichwände und hält ziemlich fiese stehende Wellen in sämtlichen Frequenzbereichen bereit, weshalb ich die Amps schön warm einpacken möchte.

Gegen die Wand drehen, Stoff vor die betreffende Wand und einmal um Mikrofon und AMP herum. Heimlich schmiede ich den Plan, dass ich die Gitarren sicherheitshalber trotzdem zusätzlich noch einmal via DI aufnehmen möchte. Später in der Post soll dann eine Cabinet-Simulation den verschwundenen Raum durch einen hübscheren ersetzen.

Eventuelle Übersprechungen durch andere Instrumente: Hinfällig, wir overdubben die komplette Nummer und nehmen alle Musiker einzeln hintereinander auf.

Im Vorfeld haben die Jungs einen Guide-Track aufgenommen, der den Ansatzpunkt für die von mir vorzubereitende Session darstellt. Da noch einen Klick-Track drunter, fertig. Als digitale Mehrspur-Recordingwaffe der Wahl dient mir Pro Tools 2019, in der ich am Vortag eine großzügige Session anlege. Basierend auf der Mikrofonliste lege ich das fette Rock-Schlagzeug mit den tiefen Kesseln an, woraufhin mir klar wird: Mist, nur acht Eingänge am Interface. Die Toms sind in der Produktion recht wichtig, alle vier wollen direkt mikrofoniert und schön in Stereo verteilt werden, dann noch Bassdrum innen und außen abnehmen, Snare Top und Bottom? Da ist kein Platz mehr für Overheads und Hihat übrig.

Da müssen wir tricksen, die Toms werden einzeln aufgenommen. Normalerweise versuche ich aus möglichst wenigen Mikrofonen am meisten herauszuholen. In diesem Falle und in diesem Raum war es mir jedoch wichtiger, möglichst viel hinzustellen, sodass man später selektieren und basteln kann. Viel mehr gibt es nicht mehr vorzubereiten. Die Jungs können ihr Material aus dem FF spielen, auch auf Metronom. Mit der Gewissheit, dass es irgendwie authentisch und DIY, aber irgendwie auch einfach gut klingen soll, mache ich mich auf den Weg. Also am Sonntagorgen den iMac, Kopfhörer, meine kleinen Genelec 8010er und eine Rolle Gaffa-Tape unter den Arm geklemmt und ab in die Metal-Höhle.

Recording Workshop: Aufnahme des Schlagzeugs

Schlagzeug

Recording Workshop

Das Schlagzeug und meine kleine Recording-Insel

Als ich ankomme, gibt es gleich eine schöne Überraschung, es gibt eine Stagebox mit Multicore. Schon mal etwas weniger Kabelsalat. Beim Anblick von Killians Drum-Kit freue ich mich noch mehr, das Teil klingt großartig und hat verdammt tiefe Kessel, zudem hat er sich noch eine riesige Snare geleistet. Und, gestimmt hat er auch schon. Top Typ.

Bei der ersten Demoaufnahme wurde mir klar, dass der Raum auf diesen „spackelauten“ Signalen eigentlich gar nicht so schlimm klingt, deshalb gehe ich das Risiko einer extrem breiten Overhead-Mikrofonierung ein. Hier gehe ich wie folgt vor: Ich schnappe mir ein Pärchen AKG C1000S, Nierenschallwandler. Hoch möchte ich sie hängen. Der Schlagzeuger bekommt einen Zollstock in die Hand gedrückt, anhand dessen wir im jeweiligen Abstand zur Snare-Mitte die beiden Mikrofone ausrichten. Beide zeigen zur Snare und besitzen den gleichen Abstand zu dieser. Nicht ganz Glyn Johns‘ Methode, aber ähnlich. Die Phasenstarre der Snare und Kick stehen bei solchen Produktionen einfach im Vordergrund, dennoch möchte ich aber auch den links und rechts befindlichen Becken meine volle Aufmerksamkeit schenken. Das sollte mit der Niere kein Problem darstellen, hoffentlich wird’s nicht „muddy“.

Recording Workshop

Hang ‚em high: Overhead Konfiguration

Im Verse-Part des Songs bekommt die HiHat eine Hauptrolle, deshalb bekommt diese unterseitig und vom Kit wegzeigend ein kleinmembraniges Stützmikrofon verpasst. Kleinkondensator-Zigarre, Noname.

Wichtig hier: Beim Öffnen und Schließen der HiHat entsteht immer ein kleiner Luftzug, also in erster Linie schauen, dass dieser die Membran umgeht. Unter der HiHat, schräg vom Kit wegzeigend, konzentrieren wir uns hier so gut wie möglich auf den Direktschall des Beckens und so wenig wie möglich Übersprechungen.

Der Rest ist einfacher. Für die Kick (innen) entscheide ich mich für ein im Schalloch des Pad-Fells platziertes Shure Beta 52a, die Kick (außen) ist ein am Schlegel platziertes SM57. Last Minute Glück, dass es mir auffällt: Die Kette des Bassdrum-Pedals quietscht. Etwas geölt und das Problem ist sofort behoben. So etwas kann ganze Aufnahmen zerstören.

Genauso simpel Snare Top und Bottom: Top schrägseitig aufs Fell zeigend, Bottom in etwas direkterem Winkel auf den Teppich gerichtet. Hier fällt uns nach ein paar Probedurchgängen auf, dass der Teppich trotz festester Einstellung noch zu viel Sustain hat, also: Seitlich etwas Tape drauf. Jetzt klingt er „spack“. Nachdem ich Killian eröffne, dass wir die Toms einzeln aufnehmen, schluckt er zwar erstmal kurz, darauf folgt jedoch ein: „Klar, machen wir!“

Recording Workshop

Pedale und Beta 52 im Kickloch

Ab hier beginnt das eigentliche Voodoo: Ich stülpe mir meine Kopfhörer über, pegele, während der Schlagzeuger spielt, alles vernünftig ein und lasse ordentlich Headroom frei. Gehörzerstörender-, aber sinnvollerweise setze ich mich vors Schlagzeug und probiere die genauen Mikrofonpositionierungen aus. Ich schiebe das BD-Mikrofon (innen) noch ein paar Millimeter tiefer ins Schallloch und frickele etwas an der Snare herum, während ich sie über meinen Monitormix auf den Kopfhörern höre und Killian sie spielt.

Über diesen Ansatz angle ich für mich spielerisch das Optimum für die gewählten Positionierungen heraus. Danach klopfen wir noch mal Snare und Kick ab, ob die Stimmungen der Kessel über das komplette Fell hinweg bündig sind. Zum Schluss noch mal die Overheads nachmessen (Mikrofonstative besitzen bekanntermaßen ein Eigenleben), die restlichen Mikrofone kontrollieren und etwas den Kabelsalat zähmen.

Recording Workshop

Das Schlagzeug und meine kleine Recordinginsel

Dann geht es in Richtung Recording-Status. Wir probieren noch ein paar Klicks und den Guide-Track, in von mir quantisierter oder natürlicher Fassung, bis wir uns wohlfühlen. Killian bekommt einen lauten Kopfhörermix mit Direct-Monitoring, Klick und Guide. Nach etwas Seelsorge sowie anhaltender Metronom-Qual für den Schlagzeuger sitzt nach einem Dutzend Takes alles vernünftig im Kasten. Aufgrund von Pro Tools Spuren-Playlists kann ich sofort während der Aufnahme die Takes benennen und kompilieren, sodass ich in der Postproduktion direkt weiß „okay, in diesem Take ist der Verse Part nicht so gut“ oder „in diesem Part sitzt die Double Bass nicht“.

Als nächstes sind die Toms dran. Vier Sennheiser MD-421, sogar die hübschen alten grauen mit Tuchelanschluss, kommen an die Toms. Da gibt es in meinen Augen kaum etwas besseres, was man sich an die Tom klemmen kann. Wichtig: Damit die Toms irgendwie trotzdem im Mix bleiben, nehme ich die Overheads mit dem exakt gleichen Setup mit auf. Der Rest des Schlagzeugs wird komplett mit Molton und Decken abgedämpft. Damit Killian ein besseres rhythmisches Gefühl während des Overdubs hat, kann er nun auf sämtliche Felle und Becken hauen, ohne dass man es in der Aufnahme hört. Die Toms sind somit schnell im Kasten. Klingen gut.

Recording Workshop

Killian beim Toms aufnehmen: Weniger Schlagzeug, als er gewohnt ist

Aufnahme des Bass im Proberaum

Tims Auftritt, gemeinhin als Mr. One-Take bekannt, hat er schon bei unserem letzten Treffen gekonnt und routiniert seinen Job gemacht. Einzig mit dem Abdämpfen nicht genutzter Seiten gab es ab und zu Probleme. Also noch ein kleines Briefing, DI-Box verkabelt und zusätzlich noch einen aus zwei Bassamps ausgewählt, den ich mit einem SM57 noch zusätzlich einfangen möchte, fertig ist das Ding. Drei Takes, alles steht.

Recording Workshop

Tim beim Bass einzupfen

In dem Song spielt er abwechselnd Metal-artige Riffs und in der Strophe melodische Linien, die schon fast Ska-artig anmuten. Diesen Kontrast fand ich extrem interessant und vielleicht gelingt es mir ja, diese Kontrastierungen durch unterschiedliches Fahren dieser beiden Signale in der Post noch etwas hervorzuheben. Alle Jungs haben wohlwissend vor dem Termin neue Saiten auf ihre Instrumente aufgezogen. Tims Hartke Hydrive mit Röhrenvorstufe ist für meine Ohren absolut studiotauglich und besitzt ein schönes Knurren in den Mitten, weshalb ich den unbedingt mitnehmen wollte.

Recording Workshop

Sieht deutlich mieser aus als es klingt: Eingepackter geschlossener Bassverstärker

Tims Markenzeichen, das im Produktionskontext vielleicht nicht dem Optimum gleichkommt: Er zupft alles, ein Plektrum hat bei ihm nichts zu suchen. Mit einem Plektrum gelingen die Anschläge meist präziser und die Transienten sind natürlich stärker, hätte in diesem Kontext vielleicht besser gepasst. Aber er hat einen guten Job gemacht und deshalb ist das unerheblich.

Recording Workshop: Gitarren

Aktive Charvel und Engl Fireball als Rhythmusgitarren-Grundstein

Für die E-Gitarren von Marcel und Julius dauerte die Soundfindung natürlich deutlich länger. Dafür dass es eigentlich nur zwei Gitarristen in der Band gibt, stehen hier ziemlich viele vernünftige Amps und Cabinets im Raum verteilt. Aus diesen bauen wir uns zunächst eine kleine Wand, die Top-Teile in Richtung Raum gerichtet, die Cabinets und Combos in Richtung Wand. Einmal Mikros davor, Kopfhörer auf, Klampfen aufgeschnallt und los geht das Amp-Tweaking. Zwischen und vor die Cabinets packen wir im Vorhinein alles an Decken und Molton, was wir finden können. Das ist natürlich bei Weitem nicht die optimale Lösung, geschweige denn Herangehensweise, jedoch war es die beste in dieser Situation, um ein gut kontrollierbares Signal unter unseren Voraussetzungen einfangen zu können.

Recording Workshop

Marcel vor seinem Engl Fireball 60

Gesucht werden drei verschiedene Sounds für verschiedene Rhythmus-Parts der Gitarre, zunächst ein vertretbarer Drive-Sound für Marcels Metal-infizierte Rhythmus-Parts auf seiner Charvel Desolation Gitarre mit fetten, aktiven Humbuckern und ordentlich Ohms am Ausgang. Hier landen wir natürlich schnell beim Engl Fireball samt Cab, auch wenn wir ordentlich Vorstufen-Drive und Höhen rausdrehen müssen, um zu einem mischbarem und eher in den Mitten präsentem Ergebnis zu kommen, über das man noch ein paar andere Elemente mischen kann. Fettes Metal-Voicing halt, mit Spitzen irgendwo zwischen 5 und 9 kHz, super präsent und genial für die Bühne und Lead-Sachen, wir wollen die Gitarren aber doppeln und im Stereofeld verteilen, also muss ein Kompromiss-Setting her, das den Track insgesamt nicht zu sehr vermatscht. Gesagt – getan, noch mal die Molton-Konfiguration überprüft und wieder kommt derselbe Trick: Kopfhörer auf und während Marcel spielt, erst die beste Membran (je nach Cabinet kann es sein, dass die 4×12 Zoll Boxen sich bewusst unterscheiden, in diesem Falle nicht) gesucht und dann den Sweetspot per Bewegung um die Membran gefunden.

Recording Workshop

Hier im Bild: Marcel genießt ein kurzes Sonnenbad während Tim den Bass einspielt

Tipp: Grundsätzlich gilt meiner Erfahrung nach: In der Mitte der Membran fängt man am meisten hochfrequente Anteile und Präsenz ein, der Konus bringt mehr Midrange und am Rand wird’s wieder etwas heller. In diesem Falle wurde das Mikrofon fast mittig vor der Membran platziert.

So ein SM57 kann zwar einiges einstecken, hören tut man das jedoch trotzdem immer. Wegen der physischen Luftbewegung, die durch so einen Amp bei so lauten Signalen entstehen kann, wird das Lowend bei der Aufnahme schnell etwas „bumpy“, wenn man zu nah davor mikrofoniert. Ein, zwei Finger breit Abstand können dem jedoch je nach Amp schon Abhilfe schaffen.

Also rein damit in den silbernen Kasten, sechs gute Takes brauche ich für eine angestrebte und ambitionierte sechsfach Dopplung. Marcel spielt die Riffs sechs, vielleicht sieben Mal, dann ist alles in der Box.

Ibanez Artist ARZ A 800 (EMG), Peavey 6505 60W Top-Teil und Marshall 4x12er Cabinet als Rhythmus-Riff-Stütze

Als nächstes ist Julius mit seiner Ibanez Artist ARZ A 800 mit EMG 81er Humbuckern dran. Hier müssen wir für die Indie-Parts einen Ton herausbekommen, der deutlich runder und entspannter, dafür aber auch punchiger und direkter mit etwas weniger Drive funktioniert.

Wir probieren einen Hughes und Kettner Röhrencombo und den Peavey 6505 aus, letzterer gefiel mir auf Anhieb und dann das kleine Blackstar HT5 Metal-Topteil auf die Marshall 4×12 Box mit den klassischen Vintage 30s Speakern gestellt: Wirklich nette Kombi. Dass aus dem kleinen und günstigen HT5 Röhrentopteil so viel rauskommen kann, auch was den Clean-Channel anbelangt, hätte ich nicht gedacht. Das Ding hat nur 5 Watt Ausgangsleistung!

Am Ende entscheiden wir uns jedoch für den Peavey 6505 als Treiber und die 4x12er Box als Cabinet, mehr Punch, mehr Headroom und mehr Leistung. Während Marcels Gitarre in meinem Kopf eher breit und fett im Hintergrund als Rhythmusgeber tönt, soll Julius Gitarre, die teils dasselbe wie Marcels Rhythmus-Parts spielt, teils auch andere Dinge, schön vorne und direkt anliegen. Also wieder die Mikrofonpositionierung ausgelotet (eigentlich einfach wieder in der Mitte eines der Vintage 30 Speaker gelandet) und dann Vor- und Nachsättigung am Verstärker ans untere Limit verfrachtet. Die Jungs beschweren sich schon, dass es nicht mehr vernünftig zerrt und dreckt, es erfordert einiges an Überzeugungsarbeit, bis ich meinen Willen endlich durchsetze.

Recording Workshop Tipp: Mein Rezept für mischbare Gitarren: Eben nicht so viel Overdrive reindrehen, wie man es live oder im Probenraum für gut empfinden würde, sondern deutlich weniger, um dem Vermatschen des Mixes, vor allem bei Dopplungen, vorbeugen zu können. Man kann zur Not hinterher ja noch mal in der DAW nachhelfen.

Recording Workshop

Viele Mitten, wenig anderes: Julius‘ Drive Channel

Der Chorus des Songs wird durch einen cleanen Picking-Part dominiert, hierfür bleiben wir bei unserer Amp-Konfiguration, gehen auf den Clean-Channel, bevor wir zur letzten Etappe des für heute angesetzten Recordings übergehen:

Top Layer: Switch auf den Blackstar

Die harmonischen Tops und Riff-Stützen machen wir mit dem für mich heimlichen Star des Tages: Wir klemmen noch mal den Blackstar Röhrenamp an die Vintage 30s. Das Ding kostet vielleicht 300,- Euro. Etwas weniger „Punch“, dafür aber ein Crunch, der irgendwie „edgier“ ist.

Toller Röhrensound, tolle Kontrolle über diesen auch bei geringerer Lautstärke. Einmal mehr am Top-Teil rumgespielt und Part für Part etwas variiert. Fluchs stehen die Takes. Für heute sind wir fertig.

Ich merke, den Jungs ist etwas mulmig im Bauch, ich selbst lasse mich jedoch eine Pizza später mit einem Gefühl der Zufriedenheit im Bauch mit meinem Equipment nach Hause fahren. Mission accomplished: Hiermit kann man sehr gut arbeiten. Was noch aussteht: Aufnahme einiger Solo-Parts des Lead-Gitarristen Marcel sowie die Aufnahme von Christophers Gesang.

Recording Workshop

Marcel konzentriert vor einem Teil unseres kleinen Amp-Towers – klein aber oho: Der Blackstar, ganz obenauf

Soviel bis hierhin. In Teil 2 folgt das erste grobe Editing und die Aufnahmen der Gitarren.

Fazit

Ein kurzes Zwischenfazit: Was ich mit diesem Recording-Workshop sagen möchte: Das kann jeder. Wenn ihr eine Band ohne Label seid, investiert zusammen 1000,- Euro, setzt euch ein bis zwei Monate intensiv mit dem Thema auseinander und ihr könnt selber sehr gute Demos produzieren, mit denen ihr für euch werben könnt – macht was draus! Es lebe der Rock ’n‘ Roll!

Klangbeispiele
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    Markus Galla  RED

    Schön geschrieben. Eine Anmerkung: Die AKG C1000S haben Supernieren/Hypernieren-Charakteristik (es liegt ein kleiner Einsatz bei, um zu switchen), wenn AKG das nicht geändert haben, was ich nicht glaube. Der Aufnahmebereich ist deshalb erheblich enger. Ich nutze sie deshalb nicht mehr als Overhead, weil zu viel vom Gesamt-Sound verloren geht. Die Großmembraner von sE Electronic sind sehr gut und sogar günstiger. Da kann man sogar live auf Tom Mics verzichten. Ich kenne sogar einen Drummer, der sich seinen Signature Sound ausschließlich aus Mikros von sE gebastelt hat. Übrigens nicht zu unterschätzen: SM58 und SM57. Beide funktionieren fast an allen Instrumenten. Selbst an der Kick. Ich habe kürzlich eine Martin Akustikgitarre mit einem SM57 live mikrofonieren müssen und der Sound war der Hammer! Wir haben uns leider im Laufe der Evolution so auf bestimmte Mikros festgelegt, dass wir die tollen Möglichkeiten, die diese günstigen Mikros bieten, gar nicht mehr sehen.

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