Die ultimativen Tipps für Gitarristen, die auch mal zum Bass greifen wollen
Ein Bass ist keine Gitarre! Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon sagen musste. Und fast jeder Gitarrist denkt, dass er auch Bass spielen kann. Dabei unterscheidet sich die Rolle des Instruments und die Herangehensweise in meinen Augen sehr. Also, worauf sollte ein Gitarrist, der auch mal zum Bass greifen möchte, achten?
Inhaltsverzeichnis
Denken wie ein Bassist
Wenn in einer Band bereits zwei Gitarristen am Start sind, muss der dritte Gitarrist halt an den Bass. Und genau an dieser Hürde scheitern viele Gitarristen.
Als Erstes sollte man, auch als Gitarrist, Respekt vor dem Bass haben. Es handelt sich um ein eigenständiges Instrument und nicht nur um eine Gitarre mit vier Saiten (abgesehen davon, dass es auch Bässe mit sechs Saiten gibt). Viele Gitarristen spielen daher den Bass genauso, wie sie eine Gitarre spielen würden. Der Gipfel der Kreativität ist dann erreicht, wenn mit einem Plektrum Achtelnoten auf dem Grundton gespielt werden – am besten noch, ohne auf die Drums zu achten.
Als Bassist übernimmt man aber nun einmal eine ganz andere Rolle im Song. Auch wenn es sich beim Bass um ein Saiteninstrument handelt, ist er meiner Meinung nach näher an den Drums und dem Rhythmus als an der Gitarre. Der erste wichtige Rat für einen guten Basslauf ist daher, sich immer an der Kickdrum zu orientieren. Wenn man exakt auf die Bassdrum spielt, macht man schon mal viel richtig.
Dazu gehört auch, dass man beim Bassspielen alle unnötigen Töne weglässt. Der Bass und die gesamte Rhythmussektion klingen wuchtiger und druckvoller, wenn sie zusammen ein exaktes Pattern spielen. Spielt man viele Zwischentöne, kann dieser Druck verloren gehen.
Spiel also zunächst einmal reduzierter – aus Sicht eines Gitarristen also eher so wie ein Rhythmusgitarrist. Auf keinen Fall solltest du Fills und Leadlines spielen wie ein Lead-Gitarrist.
Natürlich können hier und da Akzente gesetzt werden. Aber beim genauen Hinhören wird man feststellen, dass diese meist auf der Snare liegen. Der Drummer hat sich, wenn er richtig groovt, meist schon einen sehr guten Rhythmus für den entsprechenden Song ausgedacht. Daran darf man sich ruhig orientieren.
Bass spielen – der Ton macht die Musik
Neben dem rhythmischen Aspekt des Bassspielens sind natürlich auch die Töne wichtig. Es kann durchaus sinnvoll sein, lediglich die Grundtöne zu spielen, um damit die Gitarre zu unterstützen. Wichtig ist, dass man immer songdienlich denkt.
Anfangen kann man mit Übergangstönen beim Akkordwechsel. Hierfür sind alle Töne der Tonleiter geeignet. Quinten und Oktaven sind natürlich auch immer ein sicherer Schritt im Minenfeld der falschen Töne. Insbesondere, wenn der Drummer ein markantes Pattern spielt, ist es eine gute Übung, den Grundton auf die Bassdrum und die Quinte oder Oktave auf die Snare zu legen. Damit unterstützt man sein Spiel und wird zum Bindeglied zwischen Gitarre und Drums.
Vor allem als Gitarrist sollte man sich auf dem Griffbrett gut auskennen und den anderen Gitarristen in der Band gut verstehen. Wenn man dann die Akkordfolge anschaut, findet man schnell Noten, die in sämtlichen Akkorden der Folge vorkommen. Wenn man aus diesen Tönen ein Pattern formt und lediglich den Grundton pro Akkordwechsel ändert, ergeben sich wunderbare Läufe. Diese Läufe halten die Akkorde und den Rhythmus zusammen.
Spielpausen
Wenn man als Bassist eine Spielpause macht, wirkt der nächste Ton noch druckvoller. Mit einer Spielpause meine ich natürlich nicht, dass man sein kleines Geschäft verrichtet und sich auf dem Rückweg ein Bier mitbringt. Wie in einem Meer wirken die Wellen natürlich noch höher, wenn vorher ein Wellental kam. Und mit den richtigen Spielakzenten unterstützt man bestimmte Betonungen.
Du musst den Song und den Rhythmus kennen – und dann genau wissen, wann du eine Note nicht spielen musst.
Plektrum
Auch wenn viele Bassisten mit einem Plektrum spielen, würde ich erst einmal empfehlen, ohne zu spielen. Das Spielgefühl unterscheidet sich dann von dem an einer Gitarre. Dadurch fühlt man sich eher als Bassist und nicht mehr als Bass spielender Gitarrist.

Weg mit dem Plek – Gitarristen, die erstmals auf dem Bass unterwegs sind, fahren am besten ohne Plektrum.
Wenn man sich an sein neues Instrument gewöhnt hat, kann man – je nach Musikstil – auch wieder zu einem Plektrum greifen. Aber ohne Plektrum hat man auch ganz andere Möglichkeiten. Mit Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger kann man schnelle Läufe spielen. Und Slappen wäre eine ganz andere Spielweise, die Gitarristen so wahrscheinlich noch nie eingesetzt haben.
Abdämpfen
Ein Grund, erst einmal ohne Plektrum zu spielen, ist, dass der Bass immer gut abgedämpft werden sollte. Sicherlich klingt auch mal der eine oder andere Ton aus. Aber für ein wirklich präzises und rhythmisches Bassspiel ist das Abdämpfen im passenden Moment genauso wichtig wie das Anschlagen im richtigen Augenblick. Durch präzise und gleich lange Töne – und (noch einmal) die dadurch entstehenden Spielpausen – groovt der Bass so richtig. Der Klang wird durch das präzise Abdämpfen ebenfalls sauberer.
Zum Abdämpfen darf sowohl die linke als auch die rechte Hand verwendet werden – oder auch beide. Hauptsache, es geschieht präzise. Die rechte Hand, also die, die die Betonungen setzt und den Rhythmus bestimmt, ist für den Bassisten wichtiger als die linke.
Das entsprechende Setup zum Bass spielen
Als Gitarrist weiß man oft schon, wie man ein entsprechendes Setup zusammenstellt. Das beginnt zunächst einmal mit der Auswahl des Basses. Für Gitarristen, die zum ersten Mal Bass spielen wollen und zum damit zum ersten Mal zu einem Bass greifen, ist natürlich neben der Saitenstärke auch die lange Mensur ungewohnt. Richtig umgehauen hat mich ja der Harley Benton Mini-Bass. Mit einer „Gitarristen-Mensur“ und absolutem Fliegengewicht erleichtert er den Gitarristen einen Ausflug in die Welt der Bassisten ungemein.
Wer also nur bei einigen Songs zum Bass greift, könnte sich einen Shortscale-Bass zulegen. Die Mensur entspricht dann fast der einer Gitarre. Dadurch ist die Umgewöhnung nicht so groß und man findet sich schneller auf dem Griffbrett zurecht. Andererseits könnte man – gerade, um sich spielerisch von der Gitarre weiter abzugrenzen – zu einem Longscale-Bass greifen.

Bei Shortscale-Bässen erleichtern die kürzere Mensur, das geringere Gewicht und die geringere Saitenspannung den Gitarristen den Umstieg.
Auch das Gewicht eines Longscale-Basses könnte für einen Gitarristen zunächst ungewohnt sein. Die Handhaltung ändert sich und man muss sich bezüglich der Bundabstände umgewöhnen. Zudem benötigt man in der linken Hand mehr Kraft, um die dicken Saiten zu greifen.
Die Effekte könnte man teilweise aus dem Gitarrensetup übernehmen. Modulationseffekte und Verzerrer funktionieren auch für den Bass. Allerdings sind Verzerrer und Kompressoren für einen Bass natürlich anders abgestimmt und verstärken ein anderes Frequenzbild. Teilweise ließe sich das mit Modifikationen beheben.
Der Bassverstärker sollte einen effektiven EQ und viel Leistung haben. Die tiefen Frequenzen brauchen etwas mehr Verstärkung, um gut gehört zu werden – im Vergleich zu einer höheren E-Gitarre. Die Tiefmitten und der Subbass sind markante Frequenzen, die man etwas pushen kann. Für den Sound ist etwas weniger Verzerrung und mehr Klarheit wichtig, um sich im Klangbild zu platzieren.
Die Platzierung im Proberaum und auf der Bühne
Die Platzierung im Bandkontext ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Um die Bassdrum und Snare gut zu hören, würde ich dem Bassisten beim Bassspielen immer empfehlen, links neben dem Schlagzeug zu stehen. Hier hört man die Snare gut und hat im Zweifelsfall auch noch Blickkontakt zum Drummer. Lasst die Gitarristen auf der Bühne herumlaufen wie Angus Young – die Rhythmussektion steht, wie bei AC/DC, neben den Drums. Nicht nur aus optischen Gründen.
Hör dir deine Idole an
Wenn du den Bass einer bestimmten Band am liebsten magst, hör dir an, warum das so ist. Ist es eine bestimmte Verzerrung, die den Sound knackiger macht? Werden bestimmte Läufe, Spieltechniken oder Betonungen genutzt? In Internetforen und YouTube-Tutorials werden viele der bekannten Bassisten analysiert und deren Stil erklärt. Ich kann nur empfehlen, diesen Stil zu lernen.
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Anschließend kann man ihn sich aneignen und mit eigenen Elementen anreichern. Man muss das Bassspiel nicht neu erfinden – man sollte Elemente verwenden, die einem gut gefallen.
Mini-Übungsliste für angehende Bassisten
Und zum Schluss noch eine kleine Übungsliste, mit der man sich an das Leben als Bassist gewöhnen kann.
Groove & Timing beim Bass spielen: „Mit der Kickdrum atmen“
Ziel dieser Übung ist es, den Bass synchron zur Bassdrum zu spielen. Hierfür nimmst du einen einfachen Drum-Loop oder ein Metronom mit Betonung auf 1 & 3.
Jetzt spielst du nur Grundtöne auf den Beats, dann spielst du nur auf die 1 und 3, danach nur auf die 2 und 4 (Off-Beat). Ganz wichtig ist, dass du regelmäßig, beispielsweise jeden Tag 5 Minuten übst und den Fokus auf das Timing richtest.
Wechselschlag mit Fingern
Mit dieser Übung trainierst du den gleichmäßigen Ton mit Zeige- und Mittelfinger.
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Root-Quinte-Oktave – der Rock/Pop-Standard
Als Gitarrist kennst du Akkordtöne ja ohnehin. Jetzt geht es aber darum, sie rhythmisch einzusetzen.
Starten kannst du mit einem C-Dur-Akkord (C–G–C). Hier spielst du erst einmal saubere Achtel C–G–C–G–C–G–C–G. Mit einem Wechsel zu F-Dur, G-Dur und so weiter hast du schon die klassischen Rock-Grooves! Bassspielen kann echt Spaß machen!
Chromatische Übergänge
Achtel können aber schnell langweilig werden. Dann gilt es, die Basslinien durch chromatische Übergänge interessanter zu machen. Du startest beispielsweise mit einem Grundton wie A und arbeitest dich über A, A# und B zum C. James Jamerson ist übrigens das perfekte Beispiel hierfür:
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Und ganz klar: Zum Üben von Skalen und Übergängen ist natürlich immer der Blues geeignet. Um gleichmäßige Saitenanschläge mit konstanter Intensität zu üben, sind markante Bassläufe wie Another one bites the Dust von Queen sehr gut.
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Ich gebe mal meinen Senf dazu, merke aber direkt mal an, das ich den Artikel sehr gelungen finde.
Wenn in einer Band schon zwei Gitarren sind, muss Gitarren #3 halt zum Bass. Da wäre wichtig zu sagen: und zwar die technisch und theoretisch versierteste Person. Zum Bass wird man befördert, nicht degradiert.
Der Bass ist in der klassischen Rock Besetzung das einzige Instrument, das gleichzeitig melodische, rhythmische und harmonische Aufgaben übernimmt und es gibt durchaus Stellen in denen eine dieser Funktionen unter den anderen leidet. Da eine gute Lösung zu finden, ist nur möglich, wenn man die Stücke in allen Details kennt. Hat schon Gründe, warum Theorie-YouTube so Bass dominiert ist.
Beim Plektrum würde ich nicht nur sagen, das abdämpfen der Saiten sei ein Grund mit dem Wechselschlag anzufangen, es ist der Grund. Die Greifhand muss beim Plektrumspiel neben dem Greifen der Töne noch einiges an zusätzlicher Arbeit verrichten um andere Saiten zu dämpfen und klingende Noten zu beenden. Beim Wechselschlag übernimmt die Schlaghand diese Aufgabe zu großen Teilen. Deshalb ist das Plektrum eine erweiterte Technik. Man fängt auf der Gitarre ja auch nicht mit dem eBow an.
@susuexp Da bin ich absolut bei dir!!!👍
@susuexp „Zum Bass wird man befördert, nicht degradiert.“
Cool, gefällt mir. 😎
Sehr gelungener Artikel.. viele gute und hilfreiche Tipps, sehr gut verpackt und ohne belehrend zu wirken.