Workshop: Cajon für Drummies

7. Juni 2015

Cajon für Drummies

Die Ausgangslage

Vor einigen Jahren hat meine Band angefangen, Akustik-Shows zu spielen. Das hatte viele Gründe. Zum einen wollten wir es einfach mal ausprobieren, zum anderen wollten wir unsere dynamische Bandbreite erweitern, um unsere Lautstärke den jeweiligen Gegebenheiten anpassen zu können. Rückblickend hat sich das als ein wichtiger Schritt erwiesen, der uns musikalisch weitergebracht und uns darüber hinaus eine Menge neuer Gigs beschert hat.

Die Herausforderung für mich bestand darin, die Grooves auf allem, außer einem Drumset umzusetzen. Mein erster Gedanke: Eine Cajon! Gesagt, gekauft. Bei unserem ersten Akustig-Gig hatte ich eine Cajon dabei und das war’s. Ein wenig hatten wir vorher geprobt, der Rest blieb spontaner Eingebung überlassen. Das Ergebnis war ok und aufschlussreich. Drumset Grooves auf die Cajon zu übertragen erwies sich als machbar, aber so richtig glücklich war ich damit nicht. Außerdem taten mir meine Hände und der Rücken nach 4 Sets à 40 min weh wie die Hölle.
Es gab also noch viel zu lernen! Was mich sofort genervt hat, war das fehlende Bass-Drum Pedal. Ich bin Drummer, kein Percussionist. Wenn ich auf Youtube sehe, was Könner ihres Fachs auf einer Cajon alles anstellen, werde ich blass. Ich wollte eher versuchen, mir die Cajon wie ein kleines Drumset herzurichten. Gesagt, gepimpt:

Die Lösung

Die erste Anschaffung war ein Cajon Pedal. Meiner Meinung die großartigste Erfindung seit dem Rad, der Demokratie und dem Internet. Damit konnte ich viel entspannter und aufrechter auf der Cajon sitzen und mir die Bass-Schläge sparen, was die Hände und den Rücken spürbar entlastet. Dann habe ich mir ein paar Add-Ons besorgt, mit denen sich das Ganze noch mehr nach Drumset anfühlt. Einen Schlagwerk Heck-Stick als Hi Hat, ein Fuß-Schelle sowie Finger Jingles und diverse Schaker. Um klanglich und stilistisch noch etwas Farbe einzubringen, kam noch eine Darbuka dazu. Da das  Pedal die Hände  befreit, kann man auch mal ein anderes Handpercussion Instrument einsetzen.

Die Abnahme

Da wir gerade bei kleineren Gigs oft mit eigener Anlage unterwegs sind und fast jeden Gig über den Firewire-Ausgang des Digitalpultes mitschneiden, mussten wir uns eine sinnvolle Mikrofonierung überlegen.  Da wir unseren Kram selbst transportieren und auf- und abbauen, lag das Hauptaugenmerk auf der Vermeidung von unnötigem Ballast. 3 Mikrofone reichen aus, um alles Getrommel und Geraschel abzunehmen. Auf zwei kleinen Bass Drum Mikro-Stativen habe ich ein AKG D112 für das Schalloch der Cajon und ein SHURE SM 57 für die Schelle am linken Fuß montiert. Für die Darbuka benutze ich ebenfalls ein SM 57 auf einem kurzen Mikrofonstativ. Das Mikro drehe ich immer jeweils zur entsprechenden Schallquelle. Wenn ich nur die Cajon spiele, ist das Mikro auf die obere rechte Ecke (vom Spieler aus gesehen) gerichtet. Das nimmt die Snare Sounds sowie die Heck-Stick Sounds noch etwas mit.

Apropos Snare Sound: Bei der Cajon habe ich mich für eine SONOR Latino entschieden. Sie besitzt ein besonderes Feature. Die Frontplatte ist durch eine geschraubte Leiste – ca. eine handbreit vom oberen Rand entfernt – in 2 Spielflächen getrennt. Hinter dem oberen Teil der Platte ist ein Snareteppich montiert, der sehr sensibel anspricht. Die angeschraubte Leiste bewirkt eine deutliche Trennung von Bass und Snare Sound, was meiner Anwendung sehr entgegenkommt. Bei Bass-Schlägen rappelt der Snareteppich kaum mit.

Zur Abnahme der Cajon eignet sich statt eines Bass Drum Mikrofons übrigens auch eine Grenzfläche hervorragend. Kleines Handtuch in die Kiste, Mikro draufgelegt, fertig! Und man hat noch einen Mikroständer gespart!

Im Video habe ich verschiedene Kombinationen mit Darbuka, Shaker und nur Cajon aufgenommen. Das gibt ein kleinen Einblick, was mit dieser Konfiguration möglich ist. Ich hoffe, dass das euch das Anregungen gibt, selbst auszuprobieren und ‚aufzurüsten‘. Ich habe das Spielchen auch noch weiter getrieben und dieses Set mit einer richtigen Hi Hat und einer Piccolo Snare erweitert. Am Hi hat Ständer lassen sich dann noch andere Add-Ons befestiglen wie Cowbell oder ein Beckenarm. Die Möglichkeiten sind endlos und mir macht das Cajon-Spielen seitdem viel mehr Spaß. Euch hoffentlich auch.

Fazit

Die Cajon ist ein großartiges Instrument. Gerade für Gigs, bei denen ein Drumset einfach ‚zu viel‘ ist. Mit etwas Zubehör lassen sich vertraute Grooves vom Drumset aber noch einfacher und besser umsetzen. Das Angebot an Add-Ons ist mittlerweile riesig.

Unten findet ihr Links zu dem Equipment, was ich in dem Video benutze. Aber schaut euch um, es gibt noch viel mehr.

Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED 111

    Hi Peter,

    auch ich stand vor der Aufgabe „Cajon-Drums-Percussion-Set“.
    Die Ausgangslage war bei mir, Nichtdrummer, folgende: Ich wollte etwas trommeln und kaufte ein Paar „Wodden-Bongos“. Nach und nach kamen ein paar kleine Becken, Woodblocks, Schellenkranz dazu.
    Für ein Projekt sollte Kick und Snare dazu, also habe ich eine Bass-Cajon gebaut, direkt gespielt wie eine normale Kick und eine Travelcajon als Snare genommen. Die Snare später in tief auch selbst gebaut.
    HiHat gab es zunächst nicht, ein 12″ Splash ist mein Ride. Als vorsichtiger Mensch und Nichtdrummer möchte ich mir ungern dauernd zwischen die Beine klopfen, also stehen meine Snares links außen.
    HiHat kam dann doch noch, in 8″ passt die rechts neben die Snare.
    Das Ganze ist nun im Rack, passt aufgebaut in meinen Scudo, mikrofoniert wird mit Clips, Becken mit Kleinmembran von unten, Grenzfläche in der Kick. Aufgebaut und spielfertig in 3 Minuten. Ich schick dir gern mal Fotos, wenn es dich interessiert.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Sehr schöne Umsetzung, und ich bin überrascht, wieviel mehr man mit der „Fußgängerzonenpanflöte des neuen Jahrtausends“ machen kann, respektive ein Drumset prima simulieren kann.
    Merci insbesondere fürs Video.

  3. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo Peter,

    Kompliment, das war sehr lehrreich und saugenial umgesetzt !!!

    ToB

  4. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Ich besitze auch seit 10 Jahren ein Schlagwerk Cajon la Peru‘ Buche und bin bisweilen sehr zufrieden damit. Aber bei diversen Add-Ons habe ich mich bis jetzt eher zurückgehalten. Bis auf ein paar „Fußglocken“ (Hi-Hat-Ersatz) und ein Sitzkissen war’s das bisher. Ich habe auch das Gefühl das sich so ein Cajon jedes mal anders anhört wenn man darauf spielt. Wenn es eines Tages nicht mehr so klingt wie es klingen soll: Einfach das Kissen im Bassloch neu positionieren und den Klettverschluss an den Gitarren-Saiten neu anlegen. Evtl. die Stellschrauben der Saiten um eine viertel-Umdrehung nachspannen (nicht mehr und nur wenn nötig), dann hat man wieder Freude damit. Schlagwerk waren wirklich die ersten für vernünftige Cajons, aber die anderen Drum-Firmen (Meinl, Sonor) haben nicht lange auf sich warten lassen! Das einzige was mich ärgert: Die Cajons sind allesamt preislich in den letzten Jahren gut angestiegen (sonst wäre schon das 2te im Haus). :-/

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