Workshop: Cubase 5 VariAudio

24. März 2009

Cubase 5 VariAudio

Als wir das neue Cubase 5 Update installiert hatten und die neuen Funktionen ausprobierten, sind wir relativ schnell zu dem Entschluss gekommen, dass ein Testbericht bei diesem Update eigentlich keinen großen Sinn macht. Cubase 5 läuft seit der Installation absturzfrei und ohne richtige Probleme. Zwar gibt es hier und da ein paar kleinere, jedoch für die Praxis vollkommen unbedeutende „Bugs“ wie kleinere Redraw-Fehler und Ähnliches. Gepaart mit der sehr guten Bedienungsanleitung, die übrigens jeder im Internet einsehen kann, wäre ein reiner Test mit Feature-Beschreibung komplett überflüssig.
Wir haben uns also entschieden, den Test in mehrere Workshops aufzuteilen, in denen wir aber auch auf Unschönheiten und auch auf die Mitbewerber eingehen. Die Workshops vermitteln also den Workflow der neuen Funktionen, aber auch Hintergrundinformationen.

VariAudio

Was viele auch unter dem Namen Melodyne (Celemeony), Elastic Audio (Magix) oder VariPhrase (Roland) bereits kennen, nennt sich bei Steinberg VariAudio. Entwickelt wurde der Algorithmus übrigens von der Berliner Firma Z-Plane, die auch für LiquidAudio (Überschall) und Abletons Timestreching verantwortlich ist. Z-Planes eigens Plug-in heißt Vielklang und ermöglicht (wie auch TC Harmony 4, Digitechs Vocalist oder Mu Technologies Mu Voice), aus einer Solostimme mehrstimmigen Gesang zu erzeugen.
Die grundlegende Technik ist also nichts neues: Ein einstimmig eingespieltes Wav-File wird nach Tonhöhe und Noten analysiert. Dabei kann es sich übrigens entweder um Gesang oder auch um ein Instrument handeln. Danach gleicht die Darstellung des Wav-Files in etwa der bekannten Darstellung in einem MIDI-Editor.
Man ist also in der Lage, einzelne Töne in Frequenz und zeitlicher Lage zu manipulieren. Die einfachste Anwendung ist dabei die Korrektur falscher Intonation oder die Timing-Korrektur, indem man die analysierten Noten mit der Maus an die richtige Stelle schiebt. Man kann allerdings auch kreativ damit arbeiten, indem man die Melodieführung komplett verändert.

Wer nun bereits Melodyne besitzt, wird sich schon öfter über die Möglichkeiten und den auch bei teils extremen Bearbeitungen immer noch guten Klang gefreut haben. Gleichzeitig war aber die Einbindung über die Melodyne-Bridge schon immer eine Hürde, die den Workflow hemmte. Da VariAudio nun direkt in Cubase 5 eingebunden ist, fällt zumindest diese Hürde.

Die Anwendung von VariAudio könnte nicht einfacher gelöst sein: Wie gewohnt öffnet man mit einem Doppelklick die zu bearbeitende Audiospur und landet im Cubase Audio-Editor. Dank der Integration findet man links den Reiter VariAudio und klickt einfach auf das Pfeilsymbol hinter Pitch&Warp, worauf das Audiofile analysiert wird. Wir haben auf einem Intel Quadcore mit 2,4 GHz getestet, dessen Anschaffung ich ob der geringen Preise heute jedem empfehle, denn Performance-Probleme hat man damit nicht mehr. Die Analyse eines 2:50 min langen Files dauerte gerade mal zehn Sekunden und resultierte im folgenden Bild.

Analyse erste Stimme

Analyse erste Stimme

Die Balken stellen die Noten dar, während die gekurvten Linien in den Balken die tonalen Schwankungen visualisieren.
Bei einer mäßig gut gesungenen Gesangsphrase ist es nun ein Kinderspiel, die Intonation zu korrigieren. Der Parameter „Tonhöhe Quantisieren“ unter dem VariAudio Reiter kann in 0-100% geregelt werden und gleicht die Töne an den nächst liegenden Halbton an. Eine Skalenfunktion ist aber nicht vorhanden, also zu schlecht sollte der Sänger nicht gesungen haben. Und wenn doch, ist man eben gezwungen, die falschen Noten manuell gerade zu rücken.
Der zweite Parameter nennt sich „Tonhöhe ausrichten“ und gleicht damit ungewolltes Vibrato oder hingezogene Töne aus. Der Parameter geht dabei ebenfalls von 0-100%, wobei 100% „Bügeleisen“ bedeutet, was sich dann ähnlich vocoderhaft anhört wie der berühmte Cher-Effekt. Auch in unserem 65% Klangbeispiel ist die Bearbeitung bereits hörbar, hier sollte man also genau aufpassen was man tut.
Ein weiteres tolles Feature ist die Funktion, mit der man tonal gezogene Noten korrigieren kann. Am Anfang und Ende jeder Note erscheint beim Überfahren mit der Maus ein „Anfasser“, mit dem man die Tonhöhe am Anfang und Ende der Note anpasst.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Hallo Hagen,
    coole Idee auf diese Art eine DAW vorzustellen, das sollte zum Standard werden. :)

    Aber ihr müsst zu den Audiobeispielen
    VA_Tonhöhe Ausrichten 65%
    VA_Tonhöhe Ausrichten 100%
    das „%“ aus dem Dateinamnen nehmen, das erzeugt eine 400 Bad Request Fehlermeldung.

    Grüße,
    M.

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Moin,

      es dürfte eher an den „ö“ in den Dateinamen liegen, dass die Dateien nicht ladbar sind. Das „%“ ist ein reguläres Zeichen in URLs, es dient in Kombination mit nachstehendem Zahlenkode zur Maskierung anderer Zeichen, hier des Leerschritts.

      Greetz, Lulle

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