Workshop: Das Elektro Multipad am akustischen Schlagzeug

4. Oktober 2015

Drummer und Percussionist in einem

Um dem Sound einer Liveband Percussionfiguren zum Schlagzeuggroove zu spendieren, eignet sich ein elektrisches Multipad am akustischen Schlagzeug am besten. Es lässt sich aufgrund seiner geringen Maße an fast jeder Stelle des Drumsets platzieren. Als ich anfing, Elektronik in mein ansonsten rein akustisches Schlagzeug zu integrieren, erschien für mich der Platz auf der linken Seite des Sets am sinnvollsten, da ich (eher) in der Lage war, mit der rechten Hand komplette Grooves zu spielen und die linke Hand somit frei wurde, um Sounds auf den Pads zu spielen. Ein ähnlicher Ansatz wie bei der Open-Handed-Spielweise, bei der die Hihat mit der linken Hand gespielt wird, um die Rhythmen mit der rechten Hand auffüllen zu können (Die Open-Handed-Spielweise bietet darüber hinaus noch mehr an Vorteilen gegenüber des Cross-Stickings, würde aber an dieser Stelle den Rahmen des Workshops sprengen. Interessierte finden über dieses Thema viel im Netz, zum Beispiel von Claus Hessler).

Natürlich könnte man bequem sein und komplette Loops und Patterns einfach starten und stoppen, doch ich finde es liegt genau darin der besondere Reiz, sich selber Gedanken zu machen, wie man Percussion ins eigene Spiel einfließen lassen kann und diese Figuren eben auch live zu spielen. Auf diese Weise klingt’s auch echt und natürlich, es „menschelt“ und wirkt nicht programmiert und statisch.

Produkte gibt es viele, die in Lage sind gute Percussion Sounds wiederzugeben. Multipads sind viele auf dem Markt, auch in unteren Preisgefilden. Ob diese taugen, lässt sich nur durch einen Besuch im gut sortierten Fachgeschäft herausfinden. Alternativ funktioniert auch jedes Soundmodul, an das sich Pads anschließen lassen.

Um in die Welt der Elektrosound Integration einzusteigen, empfehle ich zunächst, mit Einzelsounds zu experimentieren. Als Beispiel dient hier der Song „Africa“ von der Band Toto. Den Gong Sound im Groove zu platzieren, erfordert etwas Feingefühl. Später kommt die Percussion Figur mit Conga Sounds dazu, die man gleich am Anfang des Songs gut hören kann.

Als erstes probiert den Groove einhändig (Hihat und Snare mit der rechten Hand) zu spielen. Wenn die Sechzehntelnoten zu schwer fallen, probiert es zunächst mit Achtelnoten auf der Hihat. Charakteristisch ist der Gongsound im Song. Er liegt im zweitaktigen Pattern jeweils im ersten Takt auf der Zählzeit 4.

Ein weiteres Merkmal in „Africa“ ist die Conga Figur. Diese enthält einige Off-Beats, also Noten auf „und“ Zählzeiten, was das Ganze etwas anspruchsvoller macht. Übt zunächst nur die Congafigur mit der linken Hand zur Achtelnoten Hihat. Erst wenn das klappt, solltet ihr Bassdrum und Snare hinzufügen.
Spielt die Bassdrum erst mal nur in Viertelnoten. Läuft das richtig rund, fügt die zwei Sechzehntel Kicks vor den Zählzeiten 2 und 4 noch hinzu. Das gibt dem Ganzen das „shuffelige Feel“. Die dritte Hand, um auch noch die Shaker Figur zu spielen, fehlt einem dann zwar doch, aber so klingt es schon recht ordentlich.

Als nächstes geht es etwas moderner weiter. Auch auf die Gefahr hin, dass „Happy“ keiner mehr hören kann, bringt der enthaltene Groove zusammen mit dem Conga Pattern viel Spaß beim Spielen.
Hier gehen wir (das ist grundsätzlich zu empfehlen) wieder so vor wie beim ersten Beispiel „Africa“. Versucht zuerst den Drum Groove komplett auf die rechte Hand zu übertragen (im Video wird das deutlich). Die rechte Hand bewegt sich in Viertelnoten abwechselnd zwischen Hihat und Snare, wobei jeder zweite Hihatschlag geöffnet gespielt wird. Die Bassdrum bringt mit einigen Off-Beats Abwechslung rein. Spielt ruhig erst mal weniger Bassdrums (Four on the flour) und nicht gleich alles auf einmal.
Das Conga Pattern basiert auf Achtelnoten und liegt auf den Zählzeiten 1, 2+, 3+, 4 ,4+. Ein weiterer Tipp zum Übungseinstieg ist, die Conga-Rhythmik zunächst nur auf einem Pad zu spielen. Die Verteilung auf verschiedene Pads macht ihr dann im nächsten Schritt, wenn der Groove sitzt.

Das dritte Beispiel ist der Song „Blurred Lines“ von Robin Thicke. Eine coole Partynummer, macht live immer Spaß. Spieltechnisch schwierig ist die Cowbell Figur aufgrund ihrer Geschwindigkeit. Das sechzehntelbasierende Pattern ist zudem nicht so ganz leicht spielbar im Takt platziert. Der Drum Groove selbst ist nicht sonderlich schwierig, daher kann man sich voll auf die Arbeit mit der linken Hand konzentrieren.

Die Möglichkeiten mit einem Multipad sind gigantisch. Dieser Workshop kratzt nur gerade einmal an der Oberfläche der vielfältigen Möglichkeiten eines solchen Instruments. Ich hoffe, ich konnte Anregungen schaffen und bin gespannt auf euer Feedback! Jetzt viel Spaß mit dem Video:

-- Notenbeispiele ---

— Notenbeispiele —

 

Forum
  1. Profilbild
    SpotlightKid  

    Ja, gefällt mir, auch als Nicht-Drummer aber Roland Octapad II-Besitzer. Ich hätte mich sehr über Transkriptionen der Grooves gefreut.

    Aber warum ist auf dem Mikro im Video so viel Raumanteil? Wurde hier nicht das Direktsignal im Video verwendet? Das würde es angenehmer beim Zuhören machen.

    • Profilbild
      Oliver Schulte  RED

      Danke für´s Lob! Das freut mich :-)

      Transkriptionen werde ich nachreichen!

      Das Video ist nur mit iPad und aufgestecktem Zoom iQ5 Stereo Mikrofon gemacht. Mehr nicht. Ich habe beim Editieren des Videos lediglich eine andere EQ Einstellung bei den Drum Parts genommen als bei den Erklärungen. Die Sprachverständlichkeit ist so vielleicht nicht ganz optimal, ich werde das in Zukunft aber anders lösen.

      Danke für Euer Feedback!

    • Profilbild
      Oliver Schulte  RED

      Hey SpotlightKid,

      Transkriptionen sind hinzugefügt! Jeweils der erste Takt ist der Drumgroove (bei Blurred lines sind es zwei Takte) und der zweite Takt ist die Percussion Figur.

      Viel Spaß damit :-)

      LG Oli

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