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Workshop: Der perfekte Live-Gig

Der perfekte Live Gig

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4. Wie optimiere ich das Bühnenoutfit?

Eine sehr heikle Angelegenheit, die schon ganze Bands zerschossen hat. Selten wird so lange und so ausdauernd in einer Band gekämpft wie um das optische Erscheinungsbild. Eine Tributeband hat es hier wieder einmal deutlich leichter, sie kopiert einfach möglichst viele optische Trademarks des Originals, vom Schnitt der Hose bis zum Finish der Gitarre. Eine Coverband hat es da schon deutlich schwerer, eine Band mit eigenen Songs fängt faktisch bei null an.

Eins vorneweg, wer sich auf eine Bühne stellt, die konzipiert wurde, damit möglichst viele Leute jemanden auch von weiter hinten aus sehen können und dabei aussieht, als würde er gerade vom Spaziergang mit seinem Hund oder von der Arbeit kommen, hat es nicht verdient auf einer Bühne zu stehen, es sei denn, es ist Teil eines ausgeklügelten Konzeptes. Die berühmte „Jeans/T-Shirt“ Wahl ist in ihrem Grundkonzept an Langeweile nicht zu überbieten, es sei denn, die Kombination hat einen völlig ausgefallenen Schnitt / Farbe / Zusammenstellung oder man ist Brian Adams, der aber mittlerweile auch im Anzug auftritt.

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Dabei ist die Kasperle-Abteilung genauso unproduktiv wie ein bohnenlangweiliges Outfit. Das Geheimnis liegt in zwei Punkten.

a. Einheitliches Auftreten

Natürlich kann man sich auf den Dresscode „schwarz“ einigen, was aber so ausgeluscht ist wie ein Kaugummi, der seit einer Stunde in der rechten Backentasche vor sich hin gammelt. Der Dresscode muss zur Musik passen, wobei jeder Musiker gerne ein etwas anderes Spektrum abdecken kann. Eine Band muss nicht nur musikalisch, sondern VOR ALLEM auch optisch eine Einheit auf der Bühne darstellen. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen verliert immer gegenüber einem einheitlichen Erscheinungsbild.

b. Den eigenen Charakter überzeichnen

Egal wie sehr man sich auch Mühe gibt, sich selber oder den anderen zu verbiegen, man ist einfach der, der man ist. Deshalb ist der Versuch, aus einem eher zurückhaltenden Menschen eine Rampensau zu machen, immer zum Scheitern verurteilt. Viel besser ist es in dem Fall z. B., den ruhigen Kollegen zum absoluten „Cool“-Typen auszureizen mit null Bewegung auf der Bühne, eventuell noch lässig mit Sonnenbrille auf einem Barhocker hängend. Mein Paradebeispiel hierzu ist immer der Bassist der Huey Lewis And The News Band, Mario Cipollina, der sich als Counterpart zu der wuseligen Fronttruppe mit Anzug, Kippe im Mundwinkel, Sonnenbrille und Daumenpick vor seinen Amp stellte und sich überhaupt nicht mehr bewegte. Trotz null Bewegung einer der optischen Punkte, die hängen blieben. Abgesehen von der hervorragenden Bassfigur in „The Power Of Love“…

habt ihr genügend Kabel eingepackt?

Habt ihr genügend Kabel eingepackt?

5. Wozu braucht man einen Tech Rider?

Auch wenn er gerne von den örtlichen Veranstaltern ignoriert wird, so ist er doch ein extrem wichtiger Bestandteil eines jeden Gastspielvertrages. Nicht so sehr wegen den gewünschten Catering Punkten, bei denen man sich unterhalb der Profiliga ohnehin meistens mit dem zufrieden geben muss, was der Veranstalter für angemessen hält, sondern wegen der technischen Punkte.

Kommt ihr als Band mit kompletter Produktion, sprich Backline, Ton und Licht, wird sich der Tech Rider wahrscheinlich auf Stromversorgung, Park- und Ladeplätze nebst Stagehands (Auf- und Abbauhelfer) beschränken. Nutzt ihr jedoch die Hausanlage des Clubs oder mietet der Veranstalter Material für die Show an, geht der Stress so richtig los. Ein guter Tech Rider umfasst ungefähr folgende Punkte:

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1.) Welches Personal muss der Veranstalter stellen (FOH, Lichtmischer, Stageshands etc.)
2.) Welche Parkfläche benötigt die Band (PKW, Transporter, Anhänger, LKW, Bus)
3.) Mindestmaße Bühne und Drumriser, eventuell Keyboardriser
4.) Bühnenstrom (wie viele Steckdosen mit welcher Absicherung an welchem Ort der Bühne)
5.) Garderobe und Ausstattung
6.) Gibt es Platz für einen Merchandise Stand
7.) Catering
8.) Belegungsplan Mischpult (wie viele Kanäle als Minimum benötigt werden, welches Instrument auf welchen Kanal gesteckt wird, wie viele Monitorwege benötigt werden, welche Effekte etc.)
9.) Einfacher Stageplan (wer steht wo)

So kann sich der Veranstalter und insbesondere der technische Leiter vor Ort ein Bild machen, wer und wie viele Musiker kommen, wo sie stehen und was ihre Bedürfnisse für eine gute Show sind.

6. Brauche ich eine Packliste?

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ohne eine Packliste, die ich vor Antritt der Reise zum Venue und nach Abschluss der Show durchgehe, wird immer ein Teil des Equipments vor der Show im Lager oder nach der Show im Club vergessen. Insbesondere Künstler, die in mehreren Bands mit unterschiedlichem Equipment spielen, profitieren von dieser einfachen To-Do-Liste, die sich in wenigen Minuten anfertigen lässt und auf die Innenseite der Proberaumtür und die Innenseite des Transporters geklebt auch in angeheitertem Zustand für viel Ruhe sorgt.

Eine gute Packliste beinhaltet aber nicht nur das Equipment, sondern auch eventuelle Arbeiten, die im Vorfeld ausgeführt werden müssen, wie z. B. Veranstalter Rechnung ausdrucken, neue Saiten aufziehen, Batterien Funkstrecke auf Ladezustand checken, Akku Gitarrensender aufladen, Setliste ausdrucken und vieles mehr.

Packliste kontrolliert? Dann ab dafür!

Packliste kontrolliert? Dann ab dafür!

7. Generalprobe für den Gig

Generell kann eine Generalprobe niemals schaden, allerdings beinhaltet sie die Gefahr der Sicherheit. Eine Generalprobe kann nur dann funktionieren, wenn sie unter Bühnengesichtspunkten abgehalten wird und da fängt das Problem schon bei der Positionierung der Musiker im Proberaum an. Im Proberaum wird zumeist im Kreis aufgebaut, auf der Bühne steht man aber nebeneinander. Damit einhergehend hört man sich und die Kollegen auf der Bühne teilweise sehr schlecht, teilweise gar nicht mehr, was zu einer großen Verunsicherung führen kann.

Hier macht es mehr Sinn, die Generalprobe in einer Location abzuhalten, wo man sich möglichst nah am Bühnenaufbau befindet. Vielleicht kennt einer ja den Hausmeister eines Vereinsheims oder man hat Zugang zu einer Mehrzweckhalle, die man unter Aufsicht für ein paar Stunden nutzen darf. Fragen kostet nichts.

In diesem Sinne, viel Erfolg und viel Durchhaltevermögen, ihr werdet es brauchen…

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Forum
  1. Profilbild
    edeling

    Ein sehr guter Beitrag von einem geschrieben, der auch den Plan hat. Eine schöne Betätigung für mich, der genau so denkt nach 40 Jahren Bühne und das so unterschreiben kann.
    Leider laufen da draussen so viele Vögel rum, die das alles ignorieren… mit solchen Nasen kann und will ich nicht mehr arbeiten.
    Allein Axels Beschrieb von GammelT-shirt und Jeans – ich hab mir fast in die Hose gemacht vor Lachen, weil das eben genau so stimmt. Habe ich genau so erlebt bei meinem kurzen Gastspiel bei „Schrammel-Oppa & die Hinterfotzigen“ (Platzhalterbandname – dämliches BluesRock Zeug) … unbelehrbar, erfolglos…

    Aber was folgere ich nun inspirativ aus dem Beitrag:
    Bei eigenem, ernsthaftem MusikMaterial sollte das Publikum dieses bereits kennengelernt haben, bevor es dieses Live auf der Bühne zu sehen bekommt!

    Axel: ????

  2. Profilbild
    Healfix  

    Axel, Deine Workshops sollten Pflichtlektüre für alle sein, die meinen, auf die Bühne zu müßen. Teilweise ernüchternd, aber man weiß, auf was man sich einläßt.

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Vielen Dank für das Lob, ich hoffe immer, dass möglichst viele Musiker von meinen Erfahrungen profitieren können.

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