width=

Workshop: Die besten Lautsprecher für E-Gitarre

22. November 2018

Alles über Gitarrenlautsprecher!

Die besten Lautsprecher für E-Gitarre

Die besten Lautsprecher für E-Gitarre

Jeder gute Verstärkertechniker, aufmerksame Hersteller oder auch der erfahrene Gitarrist wird bestätigen, dass die Lautsprecher für einen Großteil des resultierenden Gitarrensounds verantwortlich sind. Trotz dieser Tatsache ist der Lautsprecher oft das Letzte, was der Gitarrist bei einem Versuch in Betracht zieht, einen unbefriedigenden Ton zu verbessern. Wenn man den Standardlautsprecher durch einen anderen Typ ersetzte, kann der Klang des entsprechenden Verstärkers schnell und wirkungsvoll positiv beeinflusst werden. Dies kann also die einfachste, schnellste und potenziell günstigste Maßnahme sein, eine mittelmäßige Kombination in eine voll befriedigende Tonmaschine umzuwandeln.

Lautsprecher für E-Gitarre unterscheiden sich in Größe und Belastbarkeit, aber auch in Resonanzcharakter, Konstruktion des Magneten, Wirkungsgrad (Lautstärke relativ zur Leistungsaufnahme) etc. Um die Übersicht zu behalten, werden wir verschiedene Lautsprechertypen nun in leichter verdauliche Genres aufteilen.

„Vintage“ und „moderne“ Lautsprecher für E-Gitarre

Beide Gattungen unterliegen jeweils zwei weiteren Unterteilungen: American bzw. British.

In den 1940ern, 50ern und frühen 60ern hatten Gitarrenverstärker selten Lautsprecher, die mehr als 15 bis 30 Watt standhielten. In der Tat haben frühe Gitarrenverstärker bis zum Erscheinen des 80 Watt Fender Twin in den späten 1950ern selten mehr Leistung abgeben können. Diese Lautsprecher waren geeignet, wenn sie an kleinen Veranstaltungsorten oder Aufnahmestudios bzw. in Tanzbands verwendet wurden. Pusht man diese relativ hart, fügten diese, wenn sie in der Nähe der maximalen Betriebskapazität gespielt wurden, der Verzerrung des Verstärkers nochmals ein gewisses Maß an Verzerrung hinzu.

Ein 12″ Eminence Lautsprecher in der Cannabis-Rex-Variante

Da sich Gitarristen dann später auf immer größeren Bühnen befanden (die höhere Lautstärkepegel erforderten), suchten Verstärkerhersteller nach robusteren Lautsprecherkonstruktionen. Viele Gitarristen, die keinen absoluten klaren Ton wollten, genossen den zusätzlichen Biss und die Kompression, die die Lautsprecherverzerrung hinzufügt. Gering belastbare Lautsprecher (mit all ihren großartigen „Fehlern“) wurden zu einem großen Teil des Rock ’n‘ Roll- und Bluessounds und haben diese Rolle seit mehr als 50 Jahren beibehalten. Die jeweiligen Keramiktreiber dieser Modelle waren der Klang vieler Klassiker der 60er Jahre. Jedes dieser Modelle hat einige unterschiedliche Eigenschaften, sie werden aber allgemein durch glockenähnliche Höhen, transparente Mitten und satte Tiefen charakterisiert.

In den USA war Jensen in den 1950err und frühen 1960er Jahren der große Name für (leistungsschwächere) Lautsprecher und in den folgenden Jahren behielt das Unternehmen den Ruf, der heißeste amerikanische Vintage-Hersteller zu sein. Die 15 Watt P10R und P12R Alnico-Lautsprecher, P10Q und P12Q (20 Watt), P12N (30 Watt) und ein paar weitere Modelle von Jensen spielten eine große Rolle in den charakteristischen Sounds der großen amerikanischen 50er Verstärker von Fender, Gibson, Ampeg, Magnatone, Silvertone und anderen.

Der große amerikanische Hersteller Eminence, der aus dem CTS-Unternehmen hervorgegangen ist, produziert auch eine Reihe von amerikanischen Vintage-Treibern, darunter seine beliebten, lang verkauften Legend-Lautsprecher und viele Lautsprecher in der neueren Patriot-Reihe. Der kleinere Hersteller in Indien, Weber Speakers, bietet ebenfalls eine Reihe von hoch angesehenen Vintage-Modellen an.

Auf der anderen Seite des Teiches stellten Goodmans und Celestion in den 1950er Jahren Lautsprecher her, die weitgehend ähnliche Eigenschaften wie ihre amerikanischen Brüder ​​hatten. Unter Verwendung von Zellstoff-Papier-Konen und Alnico-Ringmagneten erzielten diese eine Leistung von 12- bis 20 Watt. Am bekanntesten ist der  Vox Blue-Celestion G12.

Celestions „Blue“, immer noch erhältlich als exzellente Neuauflage des Alnico Blue, ist berühmt für seine süßen, reichen und musikalischen Mitten, ansprechende Höhen, leicht abgerundete Low-End-Ansprache und jede Menge Biss. Der Blue war schon immer ein hocheffizienter Lautsprecher für E-Gitarre, was bedeutet, dass er einen relativ hohen Anteil, der in ihn gepumpten Leistung in Lautstärke umwandelt. Das G12 hat eine Empfindlichkeit von 100 dB im Vergleich zu 90 dB bis 97 dB für ähnlich gestrickte Vintage-Jensens und andere Lautsprecher. Diese Empfindlichkeit bedeutet, dass ein Paar G12s in einem 2×12 Vox AC30 viel Lärm in diesem 30-Watt-Röhrenverstärker erzeugen können und sogar so laut klingt wie ein 60 Watt- oder ein 100 Watt Verstärker mit weniger effizienten Lautsprechern.

Mitte der 1960er Jahre entwickelte Celestion seinen mit Keramikmagnet bestückten Lautsprecher für E-Gitarre G12M „Greenback“ (mit 20-25 Watt), die in der Regel in geschlossenen 4 x 12″ Marshall Kabinetts zum Einsatz kam. Dieser setzte den frühen Standard für Rock (Amp-Stack-Sound). Der Greenback ist warm und kantig, mit einem Bass, der nicht besonders fest ist, aber immer noch viel Druck erzeugt, wenn er in einer 2 x 12″ oder 4 x 12″ Box installiert ist. Dieser Lautsprecher ist typisch für den „britischen“ Sound, den so viele klassische Rocker und Blueser bis heute bevorzugen.

Sehr beliebt, der Celestion Vintage 30 Lautsprecher

In den späten 60ern nahm der etwas höher bewertete G12H einen schwereren Magneten und ein etwas effizienteres Design an, um mehr Low End, etwas mehr Lautstärke und Druck zu bieten. Celestion produziert noch heute zwei Varianten des Greenback und des G12H in der britischen Heritage-Serie und in der chinesischen Classic-Serie.

Forum
  1. Profilbild
    mhagen1  

    Vielen Dank für die gute historische Übersicht! Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass der Speaker einen wesentlichen Anteil am Gesamtsound hat. Ich verwende eine Isolation-Box von Grossman, bei der es sehr einfach ist, den Speaker zu tauschen. Unglaublich, wie krass die Unterschiede zwischen den Lautsprechern sind, wenn man sonst alle Parameter in der Signalkette gleich lässt (Gitarre, Amp, Mikro, Pre-amp).

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Ja geil, du hast ne Grossmann? :) Was für Speaker setzt Du da rein, hast du ein kleines Lager angelegt?

      • Profilbild
        mhagen1  

        Ich habe in meinem „Lager“ folgende Speaker: Celestion Alnico Gold Bulldog, G12M-65 Creamback und Vintage 30, Eminence Cannabis Rex sowie Jensen NEO 12. Dabei fällt mir ein, dass man im Bericht noch auf die Neodym-Speaker hätte eingehen können. Die sind zwar schlecht für die Umwelt (in der Herstellung), aber gut für den Rücken. Es gibt mittlerweile eine recht große Auswahl von Jensen, Eminence, Celestion, Fane usw. In der Gitarre und Bass vom Dezember 2017 gab es mal einen Vergleichstest.

  2. Profilbild
    Johannes Krayer  RED

    Danke für das Lob! Freut mich. Ich habe gleichfalls schon einige Lautsprecher in einigen meiner Combos, Boxen getauscht und war auch immer wieder verblüfft, dass sich der Klang eines Amps so positiv verändern lässt.

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo mhagen1,
      dann bist Du ja bereits fürstlich bestückt, was die Qual der Wahl nicht gerade erleichtert.
      Ich habe mir auch einen Neodym Celestion Creamback für meine 1×12″ Thiele-Box zugelegt, um den Rücken zu schonen. Nach einer gewissen Einspielzeit, bin ich damit nun wirklich zufrieden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.