Workshop: Display LCD, VFD, OLED oder ePaper?

4. September 2019

Welche Display-Technologien gibt es, was muss man wissen?

Über die Vergänglichkeit von Displays und neue Technologien

Wie’s halt immer so ist: Der Anlass ist klein und dann wird daraus unerwarteterweise eine ganz eigene Geschichte. Bei mir begann alles mit dem Vorhaben, eines meiner ältesten Geräte wieder vernünftig bedienbar zu bekommen. Die eigentlich schon immer nur mäßige Helligkeit des Displays meiner T3 und vor allem das Wimmern von der EL-Versorgungsspannung nervten mich eigentlich von Anfang an. Nur gab es bis vor einigen Jahren für dieses Problem kaum bezahlbare Lösungen – und überdies war früher natürlich mein Respekt vor dem Eingriff ins Gerät noch so gehörig, dass ich den Gedanken an einem Ersatz durch etwas Besseres dann immer wieder verwarf. Allenfalls ein Austausch „verglimmter“ EL-Folien war drin. Dafür gab es schon seit geraumer Zeit Lieferanten, die sich auf Musikelektronik spezialisiert hatten. Das Risiko, am Ende mit einem defekten Gerät dazustehen, war also recht gering.

Diesmal aber war mir der Folientausch nicht mehr genug – es reichte einfach. Vor allem aber machten mich die Angebote auf eBay und anderen Plattformen neugierig, die fertig konfektionierte Austauschmodule für eine große Anzahl von Geräten der 80er und 90er Jahre anboten, von denen ich inzwischen auch ein paar besitze. Tja – und damit ging’s dann los …

Und was soll man machen: Wenn man einmal Blut geleckt hat und sieht, welch enorme Verbesserung  ein solches Upgrade bringt, dann kann man damit kaum noch aufhören. Außerdem sieht’s einfach schick aus. Inzwischen drohten meine paar Leserbeiträge zu dem Thema, sich hier bei AMAZONA.de schon zu einer kleinen Serie zu entwickeln. Der unmittelbare Anlass diesmal waren in der Tat wieder zwei Geräte, die nach einigen Jahren im Einsatz dringend ein Update brauchten. Dazu weiter unten mehr. Aber wir wollten das Ganze diesmal etwas „genereller“ beleuchten und uns ein wenig orientieren, was insgesamt so geht, wer was liefern kann und was zu beachten ist.

Ich möchte jedoch auch – bei aller Euphorie – deutlich klarmachen, dass sich die hier beschriebenen Umbaumaßnahmen nicht für jeden Zeitgenossen zum Nachmachen empfehlen. Für viele Arbeitsschritte braucht man – neben Zeit, Nerven und einer ruhigen Hand – vor allem ordentliches Werkzeug. Nur mit einem Schraubenzieher ist es nicht getan. Meist benötigt man wenigstens noch einen ordentlichen Elektronik-Lötkolben, manchmal sogar ein Entlötwerkzeug, dazu im Einzelfall Zangen, Feilen, Bohrer usw. Deswegen gebe ich weiter unten auch noch Hinweise für diejenigen, die sich an die ganz großen Umbauten nicht herantrauen wollen und denen vielleicht für den Anfang auch erst einmal der Ersatz einer EL-Folie reicht.

Die OLED-Displays im John Bowen Solaris 2019

Hintergrundwissen zu Displays

Ein paar Takte Hintergrundwissen zu Display-Technologien

Ohne hier eine Abhandlung im Allgemeinen und im Speziellen unter besonderer Berücksichtigung der … Sie wissen schon … schreiben zu wollen, ist es trotzdem hilfreich, wenn man die Vor- und Nachteile der zum Einsatz kommenden Technologien kennt. Es gibt im Wesentlichen drei Anzeigetechniken, die im Bereich der Musikelektronik bisher eine nennenswerte Rolle spielen:

LC-Display

Liquid-Crystal-Displays (Flüssigkristallanzeigen) sind seit der Mitte der 80er Jahre wohl für die Anzeigen in über 90 % aller Musikelektronik eingesetzt worden.
Vorteile sind der sehr geringe Stromverbrauch, recht geringe Bautiefen und geringe Kosten. „LCD“ ist aber heutzutage eher ein Gattungsbegriff, denn es gibt inzwischen diverse Unterarten der Bauweise, die auf unterschiedliche Art versuchen, systemisch bedingte Nachteile der Technik abzumildern. Und das sind: Kontrast, Blickwinkelabhängigkeit und Gesamthelligkeit. Bei ersten einfachen LC-Displays, die oft nicht einmal hintergrundbeleuchtet waren (erste DX7, Casio CZ-Modelle) war der Kontrast kaum besser als etwa 7:1. Damit ist im technischen Sinne gemeint, dass die hellen Bereiche der Anzeige siebenmal mehr Licht reflektieren als die dunklen. Um eben so Schrift zu lesen reicht das, gute Umgebungshelligkeit vorausgesetzt. Aber für einen Einsatz zum Beispiel auf einer Bühne ist es eigentlich völlig unbrauchbar. Das hatten die Hersteller auch schnell gemerkt und verbauten schon seit der zweiten Hälfte der 80er Jahre eigentlich nur noch hintergrundbeleuchtete Module. Seit Anfang der 90er Jahre haben sich das erzielbare Kontrastverhältnis und die Winkelabhängigkeit dann erheblich gebessert. Die Fortschritte erreichte man durch verschiedene Optimierungen bei Material, Schichtaufbau und Ansteuerung der LCD-Module (gekennzeichnet durch Technologie-Begriffe wie DSTN, FFSTN, PVA usw.). Die im Vergleich sagenhaften Kontrastwerte eines modernen Computerbildschirms (1000:1) oder gar von Smartphone-Displays (3000:1 und mehr mit LCD-Technologie!) erreichen unsere Austausch-LCDs jedoch bis heute leider nicht, wofür wohl letztlich nur der fehlende Druck aus dem Markt verantwortlich ist. Sehr gute aktuelle Modelle kommen immerhin auf Kontrastverhältnisse von 100:1. Wohlgemerkt: Eine Hintergrundbeleuchtung ändert daran gar nichts! Sie verbessert nur die Grundhelligkeit (also den „Offset“ für die Kontrastwerte), nicht jedoch den Kontrast selbst.

Typísches LCD-Modul (Quelle: reichelt.de)

LCD-Backlights-Display

Und die Hintergrundbeleuchtung von LC-Displays ist noch einmal ein ganz eigenes Thema. Man kennt dafür im Wesentlichen 3 Methoden, nämlich Elektrolimuniszenzfolien, LEDs und Kaltkathodenröhren (eine Technik, die Leuchtstofflampen nicht unähnlich ist).

EL-Folien haben zwei große Vorteile: Sie bauen sehr flach und sie sind sogenannte „Lambert-Strahler“ und senden daher ihr Licht vollkommen gleichmäßig in alle Richtungen aus. Für eine gleichmäßige Hintergrundbeleuchtung ist das erstmal ideal. Wären da nicht die zwei größten Nachteile: Sie haben eine vergleichsweise geringe Lebensdauer (je nach Auslegung „verglüht“ eine EL-Folie innerhalb von 2000-6000 Betriebsstunden – und die sind schnell erreicht) und sie benötigen für den Betrieb eine schwache, aber relativ hochfrequente Wechselspannung von 200 Hz – 2 kHz bei 20 V bis 200 V, je nach Größe und Helligkeit. Leider versetzen die zur Erzeugung nötigen Inverter im Gerät umliegende Bauteile gern in (mechanische!) Schwingungen. Das Ergebnis ist dann das berühmte „Wimmern“, das man mehr oder weniger störend hören kann. Daher wird so etwas heute eigentlich nicht mehr eingesetzt.

Auch die zweite Variante kommt heute kaum noch zum Einsatz, weil sie von LED-Technik überflügelt wurde: Kaltkathodenstrahler. Man kennt das vor allem aus LCD-Monitoren früherer Baujahre. Deren Vorteil ist schnell erklärt: Sie waren bis vor einigen Jahren die mit Abstand hellste verfügbare Lichtquelle für LCD-Anzeigen. Aber auch sie haben Nachteile: Die Bautiefe und vor allem die Wärmeentwicklung ist im Vergleich erheblich und die Lebensdauer ist ebenfalls nicht unbegrenzt. Dennoch kamen solche Display-Beleuchtungen auch bei Musikelektronik zum Einsatz, z. B. beim Kurzweil K2500 (und ich vermute sehr stark, auch bei den EMU EIV und e64 Samplern). Heutzutage sind diese Displays ebenfalls Kandidaten für einen Austausch, weil aktuelle LED-Hintergrundbeleuchtungen genauso hell sind, ohne deren Nachteile zu haben.

Die größten Fortschritte in der Entwicklung hat Variante 3 gemacht, die LED-Beleuchtung. Sie besteht zwar meistens nur aus Punktlichtquellen, die durch speziell geformte Lichtverteiler erst hinter der LCD-Anzeige gleichmäßig verteilt werden müssen, was im Vergleich mehr Bauhöhe kostet. Dafür kann man sie inzwischen aufgrund leistungsfähigerer LEDs deutlich heller machen, ist bei der Farbgebung viel flexibler, aber vor allem erreicht man eine 10- bis 20-mal so hohe Lebensdauer.

VFD-Display

Vacuum-Fluorenszenz-Displays (oder Digitron-Anzeigen) sind die älteste aller hier genannten Techniken und arbeiteten nach demselben Prinzip bereits im „Magischen Auge“ alter Röhrenradios, wo man sie zur Abstimmungsanzeige benutzt hat. In der Synthesizer-Welt wurden sie eher selten eingesetzt, z. B. beim Ensoniq VFX oder Oberheim Matrix-6. Bei HiFi-Geräten jedoch ist die Technik bis heute weit verbreitet und immer noch der Quasi-Standard.
Der Hauptvorteil ist bis zur Marktreife von OLEDs gewesen, dass man damit aufgrund selbst leuchtender Elemente eine gute Sichtbarkeit auf größere Entfernungen und hohe Kontrastwerte erzielt. Probleme mit Helligkeit, Kontrast oder Blickwinkelabhängigkeit sind also vergleichsweise sehr gering.
Ein Nachteil ist der etwas höhere Stromverbrauch als bei anderen Techniken, damit einhergehend eine gewisse Wärmeentwicklung im Geräteinnern und auch die Lebensdauer. Nach einigen tausend Betriebsstunden werden die Anzeigen dunkel. Ein weiterer Punkt ist, dass die allermeisten VF-Displays speziell für das jeweilige Gerät gefertigt wurden (zumindest in der HiFi-Branche) und universelle Displays wohl nicht (mehr) in so großen Stückzahlen produziert werden. Außerdem sind die Module aufwendiger zu produzieren als LCDs und daher auch nicht wirklich billig. Das macht die Ersatzteilsituation nicht eben entspannter.

Ein VFD-Modul (Quelle: Wikipedia.de)

OLED-Display

Organic Light Emitting Displays sind die modernste und im Vergleich faszinierendste Technologie, die auch mit Abstand die besten Ergebnisse erzielt.
Die Vorteile stechen sofort ins Auge. Es gibt derzeit (speziell im hier besprochenen Anwendungsbereich von Geräte-Displays) keine Technik, die OLED das Wasser reichen könnte.
Die Kontrastwerte sind brillant (bis zu 100000:1), die Helligkeit mehr als ausreichend für eine gute Ablesbarkeit noch aus mehreren Metern Entfernung, eine Blickwinkelabhängigkeit ist schlicht nicht vorhanden. Auch bei Größe und Farben gibt es im Prinzip keine Limits. Man könnte daher denken, dass diese Technologie bereits in den nächsten Jahren alles andere vom Markt fegen wird.
Nun – vielleicht! Aber noch ist nicht das letzte Wort gesprochen, denn OLEDs haben auch Nachteile. Und man wird sehen, wie sich diese beim Einsatz über viele Jahre hinweg auswirken. Der erste Nachteil gehört vielleicht bald der Vergangenheit an: Kosten. Die Technik ist noch nicht lange genug so gut verstanden, dass sie massenhaft und superbillig hergestellt werden könnte. Aber die Kosten fallen bereits deutlich. Der zweite Nachteil ist schon etwas schwerwiegender: Alterung. Auch OLEDs leben nicht ewig und man beobachtet hier zuweilen sogar einen gewissen „Einbrenneffekt“. Wahrscheinlich ist das bei den in Geräteanzeigen auftretenden Helligkeiten und Nutzungsprofilen wesentlich weniger problematisch als beispielsweise bei einem Fernseher. Aber wirkliche Langzeiterfahrungen gibt es eben noch nicht.

OLED-Display (Quelle: buydisplay.com)

ePaper-Display

Dieser Exot bei der Anzeigetechnologie fällt mir noch ein. Er ist mir bisher aber auch nur beim Arturia MatrixBrute untergekommen. Die hauptsächlich von eBook-Readern bekannte Technik ist von allen bisher genannten Techniken die bei Weitem sparsamste und glänzt auch mit recht guten Kontrastwerten. Das allerdings nur bei ordentlicher Umgebungsbeleuchtung, denn ePaper-Displays sind passiv und nicht selbstleuchtend. Ein zweiter Nachteil (den man übrigens beim MatrixBrute beobachten kann) ist die Trägheit bei Änderung des Bildinhalts. Denn hierbei müssen sich Tausende feine Kügelchen im Innern des Displays neu auszurichten. Und das braucht Zeit und zwar im Bereich von einer Zehntelsekunde oder mehr. Schon für eine flüssige Scrolling-Anzeige ist so was meist zu langsam.

ePaper-Display (Quelle: reichelt.de)

Der Display-Markt für DIY

Noch vor einigen Jahren wäre das Thema „Display-Upgrade“ bei einem Synthesizer oder ähnlichem Gerät wohl schlicht undenkbar gewesen. Ich erinnere mich noch, wie ich mal vor über 20 Jahren den offiziellen Ersatzteilpreis eines Korg T3-Displays erfragt hatte. Man nannte mir 600 DM – und mein Interesse war sofort erloschen.

Das höchste der Gefühle war noch in den Neunzigern ein Austausch der EL-Folie und zum Glück gab es dann auch damals schon jemanden, der den Bedarf erkannt hatte und speziell zugeschnittene Folien für die gängigsten Geräte der Zeit anbot: Wolfgang Dunczewski mit seinem kleinen Webauftritt „MIDI-Rakete“ ist wahrscheinlich ein Anbieter der ersten Stunde, der schon weit vor der Ära der Online-Shops in diesem Business aktiv war. Und er betreibt das Geschäft offenbar immer noch, denn zumindest seine Website (im Charme der Neunziger und sogar mit DM-Preisen) ist noch online.
Ein weiterer, aber sehr aktiver und professioneller Anbieter für Ersatz-EL-Folien ist Stefan Kächele mit seiner Backlight4U. Dort bekommt man für nahezu alle verbreiteten Modelle Ersatzfolien – und das zum Teil sogar in verschiedenen Farben. Darüber hinaus gibt es dort auch komplette Inverter- Bausätze, falls die EL-Spannungsversorgung im Gerät ebenfalls das Zeitliche gesegnet hat (was mir auch schon passiert ist).

Für alle Schrauber der „Stufe 2“, die sich auch mal an den Tausch eines Bauteils herantrauen, gibt es inzwischen ebenfalls Anbieter, die sich ganz allgemein auf die Lieferung von Ersatzteilen für elektronische Musikinstrumente spezialisiert haben, z. B. die Firma Synth-Parts aus Wuppertal (www.synth-parts.com). Und es gibt Anbieter, die sich sogar auf Austausch-Displays spezialisiert haben und diese zum Teil sogar nach eigenen Vorgaben fertigen lassen (wie Stephen James aus Bristol in UK, der u. a. unter dem Pseudonym „Luxmuzik“ auf eBay anbietet). Der Vorteil bei Ersatzteilen aus solchen Quellen ist, dass sie bereits elektrisch und anschlusstechnisch fertig vorbereitet sind und man im Notfall einen Ansprechpartner hat. Aufgrund der je nach Display im Detail vom Original abweichenden Kontrastregelung und Hintergrundbeleuchtung ist das ein großer Vorteil, der einem eine Menge Zeit und womöglich auch mal den Totalverlust eines Bauteils erspart.

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es zumindest für unerschrockene Schrauber der „Stufe 3“ durchaus noch die Möglichkeit gibt, sich einfach im Elektronikgroßhandel oder gar direkt aus China die blanken Ersatzteile für das jeweilige Display zu beschaffen, um sich dann in die Datenblätter reinzuknien und die korrekte Beschaltung selber rauszufinden. Viele Displays (z.B. die 40×2 Text-Displays für M1, JD-800, JV1080, TX802 etc.) bekommt man bei Anbietern wie Buydisplay.com schon für deutlich unter 10 Euro. Der Haken dabei ist, dass man die Sachen erst mal aus China importieren und dass man sich dann um die richtige Beschaltung und die korrekte Lage im Gerät selber kümmern muss. Und hierbei ist der Teufel ein Eichhörnchen, das kann ich inzwischen aus Erfahrung sagen. Eine Link-Sammlung zu den genannten Ersatzteilanbietern befindet sich am Ende des Artikels. Zur Abwägung, ob man so was ganz ohne Vorarbeiten Dritter anpacken will, mögen die folgenden zwei Beispiele Hilfestellung geben.

Beispiele

DIY-Displaytausch beim Yamaha TG77

Die Ausgangssituation ist nur zu gut bekannt. Das Gerät kommt aus der ersten Hälfte der 90er Jahre. Aber zum Glück hat auch Yamaha damals nur ins Industrieregal gegriffen und das weit verbreitete Display-Modul Optrex DMF5005 für seine Yamaha SY77, TG77 und den Yamaha SY99 verwendet – genau wie viele andere Mitbewerber auch für deren Geräte. Und alle teilen dasselbe Schicksal: Die Hintergrundbeleuchtung ist eine EL-Folie. Also raus damit und Ersatz durch moderne LCD-Technik, zum einen wegen des viel besseren Kontrasts, besonders aber wegen der neuen LED- Hintergrundbeleuchtung.

Im Prinzip ist das Ganze auch kein Hexenwerk, denn gerade weil das Optrex DMF5005 ein derart massenhaft eingesetztes Bauteil war (das offenbar sogar heute noch gebaut wird!), bildete es mitsamt seiner Ansteuerung und Beschaltung (Toshiba T6963) sozusagen den Quasi-Standard. Man bekommt also sehr leicht Ersatzmodule von verschiedenen Herstellern, die alle sogar von den Außenmaßen her nahezu (!) identisch sind. In einigen Details unterscheiden sie sich aber dann doch, weshalb man sie letztlich eben nicht so einfach austauschen kann. Die Unterschiede liegen neben der Hintergrundbeleuchtung hauptsächlich bei der Kontrastregelung. Das hat seinen Grund sehr vermutlich bei den inzwischen verbesserten Display-Technologien (STN, FSTN.FFSTN), die veränderte Offset-Werte und/oder Einstellverfahren erfordern.

Yamaha TG77 vor der „Spezialbehandlung“. Meine Smartphone-Kamera war hier fast noch gnädig – in Realitas wirkte es noch dunkler.

Wenn man also nicht gerade selbst ein begnadeter Elektroniker ist, könnte das Ganze schnell eine uferlose Sache werden. Ich hatte darauf keine Lust und schaute mich daher beim Angebot der Firma Synth-Parts um. Dort bietet man Ersatz-Displays für einige Synthesizer der 90er Jahre an. Es gibt sogar eine Auswahl zwischen verschiedenen Farbkombinationen. Ich habe mir ein Ersatzmodul mit weißer Schrift auf schwarzem Grund bestellt – in der Absicht, den optimalen Kontrast auch auf etwas größere Entfernung zu erzielen. Das Modul traf 2 Tage später ein – mitsamt speziellen Unterlegscheiben und netterweise gleich noch mit einer mehrseitigen Einbauanleitung.

Der Auseinanderbau ist beim TG77 keine große Herausforderung. Vorangestellt sei zur Sicherheit wieder der Tipp, sich eine Schale für die zahlreichen Schrauben und Kleinteile zurechtzulegen, die während der Montage anfallen. Je nach der eigenen Merkfähigkeit mag es auch nützlich sein, „unterwegs“ das eine oder andere Bild mit der Handykamera zu schießen. Das erleichtert nachher beim Zusammenbau z. B. die Erinnerung, welche Schrauben an welcher Stelle zum Einsatz kamen.

Diese Teile werden wir tauschen oder herausnehmen

Durch das Lösen von 7 Schrauben bekommt man den Deckel ab. Das Frontpanel wird an der Oberseite von fünf Schrauben gehalten, an der Unterseite noch einmal über drei innenliegende Schrauben. Dann noch die Potentiometerkappen ab – und schon kann das Frontpanel abgezogen werden und der TG77 ist „skelettiert“.

Das Frontglas mit dem Display-Träger wiederum ist am inneren Rahmen mit weiteren vier Schrauben befestigt. Die kommen ab, die Kabelverbinder des Display-Moduls werden abgezogen, und der Träger liegt frei. Hieran ist das alte Display-Modul mittels 4 Schrauben festgemacht.

Das Frontpanel ist abgeschraubt, der Inverter liegt bereits frei, er kann weg. Jetzt kommt der Display-Träger dran.

Das neue Modul ist (wegen der LED-Hintergrundbeleuchtung) etwas dicker als das alte. Dies wird uns im Weiteren noch ein wenig beschäftigen. Synth-Parts hat auf jeden Fall schon mal die Unterlegscheiben mitgeliefert, die jetzt dafür sorgen, dass auch das neue Modul im Display-Träger plan aufliegend und frei von mechanischen Spannungen verschraubt werden kann.

Jetzt kommt ein angenehmer Teil der Montage: Die ersatzlose Entfernung des alten Inverters für die EL-Hintergrundbeleuchtung. Sie ist links in einem kleinen Metallgehäuse abgeschirmt und führt zwei extra Kabel zur EL-Folie des alten Displays. Das alles wird nicht mehr benötigt.

Noch mal in Groß: Der Inverter geht aufs Altenteil, der Kontrastregler wird ersetzt, das neue Display ist aber dicker als das alte

Bis hierhin war es eine Kaffeefahrt. Ab jetzt wird’s ein wenig tricky. Der Grund dafür ist wiederum, dass das neue Display u. U. höher – und tiefer – baut als das alte Modul. Die Unterlegscheiben zwischen neuem Display und Frontglasträger haben schon dafür gesorgt, dass sich die Abstände der einzelnen Bauteile am Frontpanel nun minimal verschieben. In ganz kleinen Grenzen ist das tolerierbar, wenn man es damit jedoch übertreibt, dann funktionieren mit großer Wahrscheinlichkeit danach einige Taster nicht mehr, weil deren Tastenkappen zu weit entfernt sind. Das muss man im Blick behalten.

Ein zweites Problem kann werden, dass das neue Display-Modul aufgrund seiner Dicke u. U. einige Dioden auf dem Tastaturpanel direkt hinter dem Display berührt. Diese Störungen müssen beseitigt werden, weil ansonsten die F-Tasten unter dem Display (aufgrund des zu großen Abstands zum Tastaturpanel) nicht mehr funktionieren. In meinem Fall waren es die beiden Dioden ganz rechts, auf denen ein IC des Display-Moduls auflag. Die wurden ausgelötet und einfach auf der Rückseite der Tastaturplatine angebracht.

Vorher-Nachher beim Tastaturpanel. Hier geht’s um Zehntelmillimeter.

Manchmal kann es aber sein, dass das auch noch nicht reicht. Einige Metallklammern des Halteblechs vom neuen Display waren zu weit hochgebogen und erhöhten daher den Abstand zur dahinterliegenden Platine zu sehr oder berührten sogar Bauteile. Mit ein wenig Feil- und Biegearbeiten konnte das aber gelöst werden. Nachdem diese Stolpersteine aus dem Weg geräumt waren, konnte das Frontpanel wieder komplett montiert werden. Ein kleiner erster Funktionstest bietet sich hier an – von der exakten Lage aller Bauteile ist es nämlich abhängig, dass danach noch alle Tasten auf dem Frontpanel wie gewohnt funktionieren.

Ein letzter Arbeitsschritt blieb noch und hier waren Lötarbeiten unumgänglich. Aufgrund des geänderten Displays ist auch das alte Poti zur Kontrasteinstellung an der Rückseite des Gerätes nicht mehr ausreichend und muss durch ein mitgeliefertes Bauteil ersetzt werden, das den Regelbereich dem neuen Bedarf entsprechend erweitert. Das ist aber recht einfach zu bewerkstelligen. Der Einfachheit halber bietet es sich an, dazu gleich die ganze obere Hauptplatine abzuschrauben. Dazu kann man einige Steckverbinder mit der unteren Platine lösen. Hier besteht auch keine Verwechslungsgefahr für den Wiederzusammenbau, denn es gibt keine zwei gleichen Steckverbinder.

Nachdem dies geschehen ist, die Platine wieder am richtigen Platz sitzt und alle Kabelverbindungen wieder hergestellt sind, kann man einen ersten Check wagen. Um den Thrill-Faktor etwas zu dimmen, bringt man das neue Poti an der Rückseite am besten auf Mittelstellung. So ist sichergestellt, dass man beim Einschalten zumindest irgendwas sieht und nicht gleich denkt, alles sei hinüber. Schon der erste Test zeigt aber schnell: Zwischen altem und neuem Display liegen Welten – das wird ein enormer Gewinn an Bedienkomfort.

Jetzt kommt das Aluminium-Frontpanel wieder dran. Hier lohnt es sich, Zeit für die richtige Justage zu nehmen, denn von der exakten Lage des Frontpanels hängt auch direkt die korrekte Funktion der zahlreichen Taster ab. Dabei gilt es nicht nur auf das zuverlässige Auslösen zu achten, sondern auch darauf, dass der Taster danach wieder in seine Ausgangsstellung kommt und nicht klemmt. Dafür sollte man sich Zeit lassen, denn Nachlässigkeiten würden sich später rächen.

Lohn der Mühen: Der TG77 in neuem Glanze

Damit ist der Yamaha TG77 für die Zukunft „fit gemacht“.

DIY-Display-Tausch beim Access Virus Indigo 2

Eine besondere Spezialität war der Display-Tausch beim Access Virus. Das dort ab Werk verbaute Display ist im Prinzip nichts Besonderes, ganz im Gegenteil. Es handelt sich nicht einmal um ein Vollgrafik-Display, sondern nur um eine simple 16×2 Textanzeige. Recht naheliegend wäre ja der Ersatz durch ein OLED-Display, wie ich das auch schon beim Emu Proteus gemacht hatte (siehe hier).

Mein Lieferant fürs „Spezielle“, Stephen James aus England, hat aber für den Virus was ganz Eigenes im Angebot. Ihm war aufgefallen, dass das Display-Fenster im Gehäuse vieler Virus  Modelle deutlich größer ausfällt als für das originale Modul nötig. In der Folge wird dort ein großer Teil der Anzeigefläche verschenkt. Beim vorliegenden Modell, dem Access Virus Indigo 2, ist das besonders bitter, denn aufgrund der damaligen Design-Idee mit blauen LEDs usw. wurde das Original-Display mit weißer Schrift auf blauer Hintergrundbeleuchtung ausgeführt und dadurch war schon beim Neugerät das Kontrastverhältnis nicht optimal. Bei einem in die Jahre gekommenen Display wird es unterirdisch schlecht – wie man auf dem Bild gut erkennen kann.

Kaum mehr lesbar: das alte Display des Virus Indigo 2

Stephen hat nun tatsächlich irgendeinen chinesischen Display-Produzenten überreden können, ein neues LED-Display nach seinen Vorgaben extra produzieren zu lassen. Es ist gerade um soviel größer, dass es die beim Virus zur Verfügung stehende „Fensterfläche“ voll ausnutzt. Entsprechend vergrößern sich also alle Anzeigen um 10-15 %, was allein schon einen großen Unterschied macht. Hinzu kommt das deutlich bessere Kontrastverhältnis des neuen Display-Moduls. Aus Designgründen kam natürlich für den Indigo wieder nur Blau in Frage, was der Lesbarkeit nicht wirklich dient. Aber an dieser Stelle galt natürlich ausnahmsweise „function follows form“. Das Display kann genauso gut in anderen Farben geliefert werden. Und ein weiteres Versprechen kann hier eingelöst werden – Lötarbeiten sind wirklich keine nötig!

Der Indigo ist eine relativ gut demontierbare Konstruktion. Das Gehäuse wird aus nur 4 Teilen gebildet: der Bodenplatte mit der Tastatur, dem Bedienpanel und den beiden Seitenteilen (die nicht nur zur Zierde drangeschraubt sind, sondern tragende Funktion haben).
Die entsprechenden Schrauben sind schnell gelöst und das Gerät „zerfällt“. Bei der Gelegenheit wird übrigens auch schnell klar, woher das ziemlich beeindruckende Gewicht des Indigo kommt: Die Seitenteile sind im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Vollen gefräste, fast 1 cm dicke Aluminium-Brocken!

Es gilt nun, noch einige Kabelverbindungen zu lösen, bevor es weitergehen kann. Die drei Flachbandkabel zur Hauptplatine sind leider mit identischen Steckern versehen, so dass das Verwechslungspotential beim Zusammenbau recht hoch ist. Daher empfiehlt es sich dringend, diese Kabel vor der Ablösung mit einem Permanent-Marker in geeigneter Art zu beschriften.
Dazu kommt noch das Tastaturanschlusskabel (aufgrund seiner Fragilität mit Vorsicht zu behandeln) sowie der Netzteilanschluss. Letzterer ist wohl ein schönes Beispiel für cleveres Engineering bei begrenztem Budget. Der Virus verwendet nämlich eigentlich ein ganz profanes externes Steckernetzteil. Andere Hersteller hätten das wohl als Wandwarze oder frei herumfliegend mitgeliefert. Hier wurde es aber recht geschickt einfach komplett ins Gehäuse verlegt und festgezurrt, sodass nur das 220 V Anschlusskabel von außen durch eine Gehäuseöffnung dort hinein gesteckt werden muss. Das Sekundärspannungsanschlusskabel wurde dann innen mit Kabelbindern an der Hauptplatine festgemacht. Auf diese Weise bekam der Virus äußerlich einen „erwachsenen“ 220 V Anschluss.

Zerlegter Virus: Rechts die Unterseite (man sieht das vom Blech gehaltene Stecknetzteil). Links ist schon das neue Display eingebaut.

Als nächstes ist die eigentliche Virus Hauptplatine dran. Sie ist über Abstandshalter auf der Bedienteil-Platine festgemacht und am Gehäuseteil über die Anschlussbuchsen verschraubt. Wenn man sie entfernt hat, liegt darunter das Display-Modul frei. Dies kann nun aus seiner Halterung gelöst werden und raus – die 4 Abstandshalter auf den Halteschrauben gleich mit – sie werden nicht mehr benötigt und wären dem deutlich größeren neuen Display nur im Weg. Das neue Display wird nun einfach anstelle des alten auf die vier Halteschrauben gesteckt – dann aber mit den 4 mitgelieferten selbst arretierenden Muttern sanft (!) angezogen. Auf diese Weise stützt sich das Display plan von innen an der Gehäusescheibe ab. Das hält.

Wie schon erwähnt, gibt es diesmal nichts zu löten – aber eventuell Bohrarbeiten. „Eventuell“ deswegen, weil bei der derzeitigen Lösung die Einstellung des Display-Kontrastes  aufgrund der anderen Panel-Technologie über ein extra Potentiometer laufen muss. Die bisherige Regelung über das Gerätemenü funktioniert also nicht mehr. Das Anschlusskabel dazu ist lang genug, um das Poti an praktisch jeder Stelle hinten zu platzieren. Die Qualität des neuen Displays schien mir aber so viel besser, dass man je nach eigener Empfindlichkeit wohl eine Stellung findet, die einfach immer passt – und sich damit die nachträgliche Justage (und die Bohrung) sparen kann. Ich gebe jedoch zu, ich hatte auch etwas Hemmungen, einfach so ein Loch in den Virus zu fräsen. Stephen arbeitet übrigens schon an einer verbesserten Version, die ohne Poti auskommt. Aber die ist noch nicht serienreif.

Access Virus C in der Indigo 2 Ausführung

Insgesamt gewinnt auch der Virus Indigo durch diesen Umbau enorm – bei der Bedienergonomie und beim „Look“.

Fazit

So ein Austausch-Display kann einem alten Synthesizer praktisch neues Leben einhauchen. Auf jeden Fall ist es dazu geeignet, den Spaß am Gerät wieder neu zu entfachen. Der Vorher/Nachher- Unterschied ist zuweilen so groß, dass man nur schwerlich der Versuchung widersteht, nach und nach alle Geräte, die man noch so hat, mit einem „frischen“ Display auszustatten. Wer überdies noch ein wenig Spaß am Basteln hat und auch größere Eingriffe inklusive Sägen, Bohren und Feilen nicht scheut, für den ergeben sich spannende Projekte. Die ganz Hartgesottenen bestellen sich die Ersatzdisplays beim Distributor oder sogar beim Hersteller und schlagen sich dann auf eigene Faust durch. Für solche Fälle würde ich empfehlen sicherzustellen, dass man eine gut ausgestattete Werkzeugkiste und wenigstens ein Messgerät besitzt. Das Ergebnis spricht dann aber auf jeden Fall für sich.

Plus

  • erhebliche Verbesserung der Bedienergonomie
  • Einsatz in schwierigen Lichtverhältnissen oder aus größerer Entfernung wird möglich
  • z. T. weniger Hitzeentwicklung im Gerät und geringerer Stromverbrauch
  • Minderung von Störgeräuschen
  • schickere Optik

Minus

  • je nach Modell: zeitaufwendig, erfordert Erfahrung und ordentliches Werkzeug
  • unter reinen Kostenaspekten nicht immer vernünftig
  • für reine Sammler eventuell ein Problem wegen der "Verbastelungsgefahr"

Preis

  • im Idealfall ca. 10-15 Euro für Allesselbstmacher
  • ab ca. 40 Euro (kleinere Anzeigen) bis ca. 80 Euro (z. B. bei Grafikdisplays 240x64) bei vormontierten Bausätzen
  • bis zu 150 Euro für Spezialfälle wie größere OLED- Displays als vormontierte Bausätze
Forum
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    JohnDrum  

    Danke für den Bericht.
    Ich hatte auch meine Folie für meinen TG77 bei MIDI- Rakete bestellt. Die EL- Folie habe ich einfach über die andere rübergeschoben und angelötet. Trotz neuer Folie könnte es noch heller sein. Vielleicht wähle ich irgendwann noch den anderen Weg.

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      cosmolab  

      …aber hoffentlich trotzdem das alte Display abgeklemmt, oder?
      Das würde nämlich sonst die „relative Dunkelheit“ erklären… ;-)

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        JohnDrum  

        Vielen Dank für den Tipp. Habe die alte Folie abgetrennt und die neue drübergeschoben, so wie man es oft im Internet lesen kann. Wenn aber die alten Kontakte die neuen berühren, dann hätte ich ja auch das Problem des erhöten Widerstandes!? Kann sein, dass ich daran nicht gedacht habe. Muss da nochmals nachschauen.

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          cosmolab  

          …so ist das mit den „Steilvorlagen“ – eigentlich war das von mir eher scherzhaft gemeint! Ich hab Dir schon zugetraut, dass Du das vorher isolierst. Schon ein bissl Isolierband über die alten Anschlußfäden tut´s ja bereits.
          Aber es gibt auch gut „elektrische Gründe“. Die Stromversorgung für die EL-Folie war seinerzeit womöglich gerade ausreichend für eine Folie dimensioniert worden und hätte jetzt mehr Last, was sie mehr „stresst“, den für die neue Folie zur Verfügung stehenden Strom (und damit deren Helligkeit) verringert und u.U. sogar die Wimmergeräusche noch verstärkt.

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            JohnDrum  

            Der TG 77 ist ja schnell auseinandergebaut. Jedenfalls einfacher, als einen iMac zu zerlegen ;-).
            Habe letztes mal einen Akai S3000 XL aus den „Müll“ gezogen. Der macht solche Wimmergeräusche bzw. pfeift. Da werde ich auch nochmals ran müssen.

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                JohnDrum  

                Ja, Musikgeschäfte haben oft ein Lager in der hintersten Ecke, wo Geräte rumliegen, die keine Eltern mehr haben und sich niemand dafür interessieren und sich um sie kümmern.

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