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Workshop: Einstieg in die Eurorack-Welt – Teil 1

25. Juni 2016

Eurorack? Einsteiger Workshop lesen!

Einstieg in die Eurorack-Welt

Einstieg in die Eurorack-Welt

Das von Dieter Doepfer initiierte Eurorack-Format erlebt seit ca. 2010 einen regelrechten Boom. Es wird deshalb Zeit für einen Eurorack Workshop, der Einsteigern aufzeigt, was man braucht, welche Möglichkeiten es gibt und mit welcher Investition man rechnen sollte.

Der Einstieg in die Eurorack-Welt kann losgehen

Alle Infos über den Eurorack-Standard und ein Kurzinterview mit Dieter Döpfer, findet Ihr HIER (bitte klicken). Und was genau MODULARE SYNTHESIZER sind und welche dazugehören und welche nciht, erfahrt ihr HIER.

Firmen wie Make Noise, Intellijel und TipTop Audio stellten zunächst ergänzende Module zum A-100-System her. Mittlerweile ist jedoch deren Angebot an Modulen so groß, dass man sich komplette Systeme nur mit Modulen dieser Hersteller zusammenstellen oder kaufen kann. Neben diesen und anderen Eurorack-Größen sind noch etliche kleinere Hersteller dazugekommen, so dass ein Überblick über diesen Markt praktisch unmöglich ist.

Auch wenn es bereits mehrere Komplettsysteme mit sinnvollen Modul-Zusammenstellungen für den Anfang gibt, so ist doch der große Reiz des Formats die große Modulauswahl, die einem erlaubt, ein personalisiertes System zusammenzustellen. Dieser Artikel soll dabei helfen, sich ein Überblick über den Markt zu verschaffen, um sich ein eigenes System zusammenzustellen. Dazu soll es einige Richtlinien bieten, um typische Fehler zu vermeiden. Im ersten Teil wird es um Cases, Strom, Ansteuerung und VCOs gehen, im zweiten um Filter, Envelopes, LFOs, VCAs und Utilities.

Wer Grundsätzliches zu Modularsynthese erfahren will, sollte sich unbedingt Theo Bloderers hervorragende Serie aus der Prä-Boom-Ära durchlesen, die auch mich damals mit dem Modularfieber infiziert hat. Eine weitere hilfreiche Ressource (um nicht zu sagen Bibel) sind die Handbücher zu den einzelnen Modulen des Doepfer A-100-Systems. Hier sind Funktionen bestens beschrieben, die man auch in anderen Modulen antreffen wird, dazu kommen noch praktische Patch-Beispiele. Zuletzt sind noch The Tuesday Night Machines’ hervorragende YouTube-Videos zu empfehlen.

Da es schier unmöglich ist, alle Konzepte und Begriffe an dieser Stelle zu erklären, sind im nachfolgenden Text Links eingebaut, die auf einen weiterführenden Artikel, Handbuch oder Video führen.

Für die Planung eines Systems kommt man mittlerweile nicht mehr drum herum, sich einen Account bei modulargrid.net zuzulegen. Wenn es darum geht, die Stromaufnahme des Systems einzusehen, die Breite und Tiefe der Module zu bestimmen oder einfach nach dem passenden Modul zu suchen, ist dieser Planer Gold wert. Um sicher zu gehen, sollte man allerdings die Angaben noch mal auf der Herstellerseite nachprüfen.

A_Doepfer A-143

Einstieg in die Eurorack-Welt

Gehäuse und Stromversorgung Modular Synthesizer

Bei der Wahl des Gehäuses ist auf den Einsatzzweck zu achten. Will man mit dem System reisen, so ist ein abschließbarer Koffer, der möglichst klein genug ist, um als Handgepäck mitgenommen zu werden, die richtige Wahl. Im Studio hingegen dürfte ein (gebogenes) Holzkabinett ästhetisch ansprechender sein. Selbst wenn man nur vorhat, sich ein kleines System zuzulegen, sollte Erweiterbarkeit beachtet werden, da man erfahrungsgemäß schnell vom ursprünglichen Plan abkommt, wenn wöchentlich drei neue Module erscheinen, die man unbedingt besitzen will. In den letzten Jahren beliebt geworden sind die sogenannten Skiffs, flache Tischgehäuse, die in größeren Systemen oftmals Kontroll- und Sequenzermodule beherbergen. Für solche Zwecke sind sie natürlich ergonomisch praktisch, haben jedoch den großen Nachteil, dass einige Module aufgrund der geringen Tiefe nicht hineinpassen. Auch hier ist ModularGrid eine große Hilfe, da die Modultiefen angegeben sind.

Eine Eurorack-Stromversorgung versorgt die Module normalerweise mit zwei Spannungen: +12V und -12V. In der Regel hat das Stromkabel vom Modul zum Versorgungsbus einen roten Streifen, der den -12V-Anschluss kennzeichnet. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen! Oft ist auf der Platine des Moduls der Pin, der die -12V führt, gekennzeichnet (bspw. mit „-12V“, V- oder „red stripe/band“. Dies ist das einzige, wonach man sich richten sollte. Manche Module sind gegen Verpolung geschützt, im schlimmsten Fall aber zerstört man es durch falsches Anschließen, also lieber auf Nummer sicher gehen!

Einstieg in die Eurorack-Welt

„Red Band“-Beschriftung auf PCB

Digitale Module benötigen auch eine +5V Versorgungsspannung. Typischerweise haben Eurorack Gehäuse keine separate +5V-Stromversorgung, was auf verschiedene Weisen gelöst wird. Bei älteren (und auch neueren) Modulen muss man dafür noch einen Adapter verwenden, der an den Bus angeschlossen wird und diese Spannung von den +12V „anzapft“, in neueren Modulen wird dies intern gelöst. Letzteres führt bei Modulen wie z.B. dem Mutable Instruments Clouds dazu, dass die Stromaufnahme bei +12V 120mA und bei -12V 10mA beträgt (bei analogen Modulen ist die Stromaufnahme bei -12V und +12V gleich und meistens geringer). Neuerdings hat z.B. Doepfer darauf reagiert und bietet mit der neuen PSU3 2A bei +12V, 1,2A bei -12V und 4A bei +5V. Grundsätzlich sollte man beachten, dass die Module nicht mehr als 75% der maximalen Strommenge der Stromversorgung ziehen.

Zu beachten ist zudem noch, dass es bei Schaltnetzteilen eher zu Problemen mit Steuersignalen, die Präzision erfordern (wie z.B. Pitch-CV), kommt, im schlimmsten Fall streuen sie auch in den Audiopfad. Dies ist natürlich von Fall zu Fall verschieden, wer aber auf Nummer sicher gehen will, sollte lieber auf ein Trafo-Netzteil zurückgreifen.

Einen eigenen Workshop zum Thema Eurorack-Stromversorgung, findet Ihr HIER.

Einstieg in die Eurorack-Welt

Wie stelle ich mein Modular-System zusammen?

Im Grunde braucht man vier Arten von Modulen: Klangerzeuger (z.B. VCOs, Rauschgeneratoren, Vorverstärker für externe Signale), Klangverbieger (z.B. Filter, Wavefolder, Effekte), Modulationsquellen (z.B. LFOs, Envelopes, Sequencer) und Utilities (z.B. Multiples, Abschwächer, Mixer, VCAs). Um sich ein Bild davon zu machen, wie viele Module vonnöten sind, ist es gut, im Kopf Patches durchzugehen, die man mit dem System erstellen will (auch hier hilft ModularGrid sehr). So kann man feststellen, ob man irgendwo noch einen Mixer, Multiple oder Abschwächer (engl. Attenuator) extra braucht.

Die einfachere, billigere und manchmal sehr sinnvolle Variante ist mit einer vollausgestatteten halbmodularen Synth-Voice anzufangen, bei der die entsprechenden Blöcke schon vorhanden und vorverschaltet sind, sich aber aufbrechen und modular nutzen lassen. Auch hier ist es allerdings ratsam sich zu überlegen, inwiefern noch zusätzliche Utilities nötig sind. Möchte man z.B. das Filtercutoff mit LFO und Envelope gleichzeitig modulieren wird ein Mixer gebraucht. Grundsätzlich ist eine fertige Synthvoice etwas, das man auch gut gebrauchen kann, wenn das restliche System schon autark funktionieren kann. Manchmal will man eben nur schnell einen Bass- oder Leadsound haben, ohne ihn vorher patchen zu müssen.

Einige Fragen, die man sich vor jedem Modulkauf stellen sollte:

  • Haben die CV Ein- oder Ausgänge Abschwächer? Habe ich genügend Abschwächer in meinem System, um ein Modul ohne Abschwächer so zu modulieren, dass ich die Stärke der Modulation einstellen kann?
  • Welche Spannungen gibt das Modul aus? LFOs und Oszillatoren geben meist bipolare Signale aus (i.d.R. zwischen +-5V und +-10V), Envelopes und Sequencer positive Signale (zwischen 0-10V).
  • Welche Spannungen erwarten die CV-Eingänge? VCAs z.B. reagieren nur auf positive Signale, so dass die negative Halbwelle eines LFOs ignoriert wird. Manche haben, um das zu kompensieren, einen „Initial Gain“ Regler, der einen Offset (= Gleichspannung) hinzufügt, in anderen Fällen muss man einen Offset mit einem separaten Modul hinzufügen.
  • Bei Modulen mit Trigger- oder Gate-Eingängen: Welche Spannung erwarten sie? Habe ich überhaupt Module in meinem System, die Trigger oder Gates ausgeben?
  • Braucht das Modul eine +5V-Versorgungsspannung? Liefert mein Netzteil diese oder muss ich einen Adapter hinzukaufen? Ist mein Case tief genug für den Doepfer-Adapter oder muss ich mir einen flacheren von z.B. Mutable Instruments kaufen?
  • Ist das gewünschte Modul überhaupt verfügbar? Je nach Hersteller und Glück muss man manchmal Monate auf ein Modul warten. Gerade wenn man sich ein Starter-System zusammenstellt, will man am Ende nicht ohne Filter oder Ähnlichem dastehen.

Einstieg in die Eurorack-Welt

Wie steuere ich einen Modular-Synthesizer an?

Möchte man das Modularsystem mit der „restlichen Welt“ verbinden, so ist es nötig, ihm Pitch-, Gate-, Modulations- und Clocksignale zuzuführen. Typischerweise verwendet man dafür ein MIDI-to-CV Interface, die es sowohl in standalone Ausführung als auch als Modul zu kaufen gibt.

Wer vorhat, sein System ausschließlich von der DAW aus zu steuern, sollte sich unbedingt die Software Silent Way von Expert Sleepers anschauen. Hier werden Steuersignale aus den Ausgängen eines Audiointerfaces ausgegeben. Diese müssen gleichspannungsgekoppelt (engl. DC-coupled) sein oder aber man benutzt eins der Expert Sleepers-Module, die sich über S/PDIF oder ADAT anschließen lassen. Die Silent Way-Software bietet zudem auch verschiedene Module wie Hüllkurven, LFOs und Sequencer, die eine willkommene Ergänzung darstellen oder auch als Platzhalter für „reale“ Module genutzt werden können.

Die ultimative Modularerfahrung ergibt sich aber natürlich durch Sequencer-Module. Beachten sollte man, ob der Sequencer einen eingebauten Quantisierer hat, der die Spannungen so ausgibt, dass sie am Pitch-Eingang eines Oszillators zu (westlich-) musikalischen Ergebnissen führen. Wer Mikrotonales sequenzieren oder den Sequencer als Modulationsquelle benutzen will, sollte lieber zu einem nichtquantisierten Sequencer greifen und die eventuelle Quantisierung einem entsprechenden Modul überlassen. Es gibt allerdings auch Sequencer mit separaten quantisierten und nichtquantisierten Ausgängen.

Will man seine modularen Sequencer mit der Außenwelt synchronisieren, wird man aber trotzdem Clock- und vielleicht auch Reset-Signale brauchen, also kommt man um eine der oben angeführten Lösungen nicht herum.

Einstieg in die Eurorack-Welt

Die VCOs

Bevor es um die verschiedenen Oszillator-Typen geht, sollte zuallererst die Anzahl dieser zur Sprache kommen. Klar lässt sich mit einem Oszillator viel machen – wer braucht schon eine TB-303 mit zwei Oszillatoren? – dennoch eröffnen sich durch zwei oder mehreren VCOs riesige Möglichkeiten, z.B. FM, Sync, Ringmodulation, verstimmte Oszillatoren Sounds etc. Hier eignen sich zwei gleiche Oszillatoren natürlich bestens, da das Tracking identisch ist, was besonders bei FM wichtig ist. Je nach Einsatzzweck ist ein gutes Tracking über mehrere Oktaven wichtig. Das bedeutet, dass der Oszillator „oktavrein“ ist, also 1V mehr am Pitch-Eingang auch tatsächlich eine genaue Verdopplung der Frequenz zur Folge hat. Wer vorhat, eher tonale Musik damit zu machen, sollte auf jeden Fall darauf achten.

Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich bei analogen VCOs um entweder sägezahn- oder dreiecksbasierte Oszillatoren (engl. saw/triangle core). Dies bedeutet, dass aus einer dieser beiden Grundschwingungen die Restlichen durch verschiedene Waveshaper gewonnen werden. Dies bedeutet bei sägezahnbasierten Oszillatoren meistens, dass die Dreiecks- und Sinusform kleinere „Macken“ aufweist, die je nach Geschmack charmant oder störend klingen können. Dafür ist bei dreiecksbasierten Oszillatoren kein normaler Hard Sync möglich, bei dem die Schwingungsform wieder von Anfang an startet, sondern ein sogenannter „reversing sync“, bei dem die Schwingungsform nur ihre Richtung ändert.  Auch hier ist es Geschmackssache, wer sich allerdings einen Moog Prodigy mäßigen Syncsound wünscht, sollte eher zu saw core greifen.

Bei FM-Eingängen gilt: Je mehr, umso besser. Beispielsweise könnte man einen Oszillator durch einen anderen frequenzmodulieren, eine Sequenz in den 1V/Okt. Eingang speisen und zusätzlich noch einen LFO in einen anderen FM-Eingang, um ein Vibrato zu erzeugen. Da wird schnell klar, wie sinnvoll es ist, möglichst viele FM-Eingänge zu haben.

Bei FM unterscheidet man zwischen linear und exponentiell. In der Regel wird man für Frequenzmodulation durch einen anderen Oszillator eher den linearen Eingang nehmen, da es „musikalischer“ klingt, das heißt der Grundton ist klarer auszumachen. Exponentielle Eingänge werden üblicherweise mit LFOs für Vibratos und Hüllkurven für Drumsounds verwendet. Eine Besonderheit sind (lineare) through-zero-FM-Eingänge, die tiefere Modulationen bei gleichbleibendem Grundton gestatten.

In letzter Zeit sind „Complex Oscillators“ nach Vorbild des Buchla 259 populär geworden. Hierbei handelt es sich um 2 Oszillatoren in einem Modul, wobei einer als Primär- und der andere als Modulationsoszillator gedacht ist. Sie sind durch einen Modulationsbus miteinander verbunden, der Pitch- und Amplitudenmodulation sowie Modulation eines Wavefolders, das dem Primäroszillator nachgeschaltet ist, ermöglicht. Vorteil dieser Verknüpfungen ist, dass man leicht eine große Klangpalette durch FM und Wavefolding abdecken kann, die sich auch erheblich von üblichen subtraktiven Syntheseklängen unterscheidet. Dafür hat man weniger Einzelausgänge für die jeweiligen Oszillatoren und in der Regel nur exponentielle FM über den Modulationsbus. Es gibt allerdings auch digitale Versionen des Complex Oscillators, die sogar lineare Through-Zero-FM erlauben.

Abgesehen davon gibt es noch eine ganze Welt an digitalen Oszillatoren, die verschiedenste Syntheseformen wie Phasenmodulation, Wavetables, Karplus-Strong, 8-Bit-Sounds, modale Synthese, Sampling und viel mehr abdecken. Zwar beginnen viele ihre Modularsysteme mit analogen Oszillatoren, entdecken aber später die digitale Seite. Einige der aufregendsten Module der letzten Jahre waren rein digitaler Natur.

Und jetzt zu Teil 2

Fazit

So viel zum ersten Teil unserer neuen Modular-Serie. In der nächsten Folge werden weitere Modultypen vorgestellt sowie die Frage beantwortet, wie man eine Niere gewinnbringend verkaufen kann, um sein Traumsystem zu finanzieren.

Forum
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    whitebaracuda  

    Seht verständlicher, umfassender Workshop, vielen Dank!

    Ich bin schon sehr gespannt wieviele Nieren man spenden kann ohne dass das Gehör darunter leidet;)

    Viele Grüsse
    Cuda

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    AMAZONA Archiv

    Vielen Dank für den Artikel. Irgendwann habt ihr auch mich. Bisher aber nicht.
    .
    Ich habe gerade den Link zum Buchla 259 angeklickt. Dort steht: Complex Waveform Generator, $2,000.
    .
    Dann lese ich: „Selbst wenn man nur vorhat, sich ein kleines System zuzulegen, sollte Erweiterbarkeit beachtet werden, da man erfahrungsgemäß schnell vom ursprünglichen Plan abkommt, wenn wöchentlich drei neue Module erscheinen, die man unbedingt besitzen will.“
    .
    Ok, nicht jedes Modul kostet so viel. Aber günstig sind Modulare generell nicht (was ich nicht beklagen, sondern nur bemerken will). Aber Modularsynthesizer sind das Panini-Sammelalbum der Elektronik-Szene. Ich bin da noch sehr gespalten …

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      tomk  AHU

      Grins … ich stelle mir grad vor wie du mit dem Panini-Album an den Lippen die Papierflöte spielst!

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      Edgar Möller  RED

      Damit keine Missverständnisse aufkommen: Buchla ist ein eigenes Format, hat nichts mit Eurorack zu tun und bewegt sich preislich in der Anwalts- Arzt- und sehr-erfolgreiche-Musiker-Kategorie.

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    swellkoerper  AHU

    Schön, dass ihr einen Eurorack-Workshop bringt! Man muss auch nicht grad mit einem Synth anfangen, je nach bereits vorhandenem Equipment kann man mit einem kleinem Modularsystem sehr schön CV-Tools, Clock-Geschichten oder Sequencermodule ergänzen und damit experimentieren. Als Ergänzung zu einer halbmodularen Synthvoice ist ein komplexer Funktionsgenerator Maths eine super Sache mit Potential für laaange Zeit.

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    Renton

    Frage an die Experten unter euch:

    Was der Unterschied zwischen monophoner und polyphoner Spielweise ist, dürfte klar sein. Aber wie realisiert man so etwas bautechnisch? Sind im polyphonen Fall die Oszillatoren parallel zu einander geschaltet? Oder wie muss ich mir das vorstellen?

    Danke Euch im Voraus

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      swellkoerper  AHU

      Für echte Polyphonie müsstest du für jede Stimme die gewünschten Synthese-Module (Oszillatoren, Filter, Mixer, VCAs, LFOs, etc) extra bereitstellen. Für Paraphonie wäre dies die gewünschte Zahl Oszillatoren, den restlichen Synthesestrang nur einmal. Die Stimmverteilung erledigt ein polyphones MIDI-Interface a la Vermona oder ein einfacher sequentieller Schalter wie der A-151 von Doepfer. Das macht aber niemand, da der Patch-Aufwand immens ist und modulare Synthesizer für stimmstabilen, polyphonen Betrieb einfach nicht gemacht sind. Man könnte so viele Module, die dafür nötig sind auch weitaus sinnvoller einsetzen, um das Klangpotenzial weiter auszureizen.

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        Renton

        Hallo Toby,

        vielen vielen Dank für die Links und deine Antwort. Da muss ich wohl noch mal auf den Dachboden meines Vaters….da liegt dieses besagte Werk (zweiter Link) irgendwo herum.

        BTW.: Eins muss ich euch, liebes AMAZONA Team, lassen. Irgendwie habt ihr es geschafft, dass es in diesen Foren kaum Beleidigungen, Pöbeleien, etc. gibt. Ein grosses Danke Schön an die Macher dieser Seite und natürlich allen Foristen.

        Gruss

        Renton

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          TobyB  RED

          Hallo Renton,

          wenn der Dachboden zu unaufgeräumt ist, du hast ja den Link ;-) Tatsächlich funktionieren die Schaltungsvorschläge. Und zumindest kann man sich mal angucken, wie man es diskret aufbauen kann, oder wie ein Moogfilter arbeitet oder wie in Japan einiges gelöst wurde. Was halt gut ist, das die Schaltungen schön sauber getrennt sind, dass macht vieles einfacher.

          Grüsse

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    TobyB  RED

    Ich hoffe auf das Thema, Steuerung eines Modularen Systems mit CVs aus der DAW :-)

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      swellkoerper  AHU

      Hallo Toby,
      das ist easy: 1. MOTU Interface kaufen 2. Kabel oder Patchfeld löten. Kannst auch Standard-Patchbay und Insertkabel benutzen, dann hast alle Ausgänge gleich parallel invertiert anliegen 3. Reaktor-Blocks direkt in die Interface-Ausgänge routen. 4. Spass haben. Mein Ultralite MKII gibt ca. 4.5V raus – CVs schwäche ich direkt in Reaktor ab, so bekomme ich 4 saubere Oktaven. Gates muss man je nachdem verstärken oder durch ein Mult ziehen, je nach Modul welches das Gate empfangen soll. Das war`s, macht unglaublich Laune und hilft zumindest zeitweise, sich die eine oder andere Investition zu verkneifen :-)

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        TobyB  RED

        Hallo Swellkoerper,

        danke für die Tipps, ich hab mittlerweile ein MOTU 828 MkIII, MkII viel Kriechströmen bei einem Gewitter zum Opfer. Ich hab in der Kiste noch ein ESI Maya44, das müsste eigentlich auch gehen, mit Expert Sleeperz ging das zumindestens. Patchfeld ist eine gute Idee, da ich gerne mit Farbkodierung für die Patchkabel arbeite. Ich werd mit da mal was überlegen :-)

        Tob

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    changeling  AHU

    Also wenn man schon Saw und Tri Core erwähnt, dann sollte neben Sync auch erwähnt werden, dass die (lineare) FM bei Tri Core meist besser klingt.
    Welche „Macken“ gibt es bei Saw Core bei der Saw?
    Relevant sind (vor allem für FM) auch eher „Macken“ beim Sinus, da liefern selbst resonierende Filter die saubersten Sinus-Signale.

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      Edgar Möller  RED

      Beides richtig.
      Danke für den Hinweis. Das soll natürlich „…dass die Dreiecks- und SINUSwellenform kleinere „Macken“ aufweist.“ heißen.

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      hijack  

      Das mit dem Filter als besserer Sinus habe ich auch schon gehört und gelesen.

      Heisst das aber, dass man für einen FM-System mit mehreren „Oszillatoren“ und Modulatoren eher Filter nehemen sollte ? Und wie bekommt man die tonal gesteuert ?

      Oder nimmt man dann besser digitale Sinus-Wellenformen ?

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        changeling  AHU

        Das Problem bei selbst resonierenden Filtern ist, dass man die nicht syncen kann. Digitale Oszillatoren sind bei guter Ausgangsglättung dafür in der Tat besser geeignet, wenn man Sync braucht. Gibt da ja auch einige, die gleich einen kompletten FM-Strang an Bord haben wie der Intellijel Shapeshifter.

  7. Profilbild
    Joe Electro

    Klar, Dieter Doepfer spielt seit Jahrzehnten eine tragende Rolle bei der Verbreitung modularer Synthesizer. Dass er im Jahr 1996 quasi im Alleingang den „Formfaktor Eurorack“ für Modularsysteme entdeckt hat, ist allerdings etwas missverständlich formuliert. Ja, die marktbeherrschende Stellung des „Eurorack-Standards“ und dessen A100-Bus verdanken wir unbestritten ihm. Das mit dem Formfaktor sehe ich aber etwas anders. Wenn man sich die Schaltpläne der allerersten Doepfer-Module (VMS) ansieht (irgendwo habe ich sie noch abgeheftet), ist unverkennbar, dass damals Anleihen beim elektor FORMANT-System gemacht wurden, das Ende der 70er-Jahre entstand. Und sichtlich nicht nur bei den Schaltungen, denn ich zitiere jetzt aus dem elektor-Heft 74 vom Februar 1977:

    „Die Frontplatte- und Platinenabmessungen … zeigt Bild 13. Die Festlegung dieser Abmessungen erfolgte unter weitgehender Berücksichtigung vorhandener Normabmessungen um Kompatibilität mit dem 19“-Eurocardsystem zu erreichen. Für dieses System sind Kartenträger und Gehäuse erhältlich, die ein gutes mechanisches „Gerüst“ für den Synthesizer abgeben.“

    Logisch, dass auch die als Ergänzung für dieses System hervorragend geeigneten VMS-Module damals in diesem Format produziert wurden. Die Idee mit dem Eurorack-Formfaktor müssen wir aber ehrlicherweise dem FORMANT-Entwickler C.Chapman zuordnen.

  8. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Es gibt ja leider genug YT-Videos von sogenannten Experten, die bei voll aufgedrehtem Sustain hektisch am Decay fummeln und sich wundern, warum sich nichts ändert (nur eines von vielen Beispielen). So ist ein fundierter Leitfaden durch die Eurorack-Welt nur zu begrüßen, incl. Tipps für gute YT-Videos wie mylar melodies.

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