width=

Workshop Gitarre: Saitenwechsel leicht gemacht

6. Oktober 2019

Workshop: Alles über den richtigen Saitenwechsel

Während meines Jobs als Gitarrenlehrer werde ich von Neueinsteigern des öfteren mit der Frage konfrontiert, wie man denn eine Gitarre korrekt besaitet bzw. was beim Versuch zum ersten mal eine Gitarre zu besaiten denn falsch gelaufen ist, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und die Saiten durch falsches Aufziehen bereits ruiniert sind. Um dem vorzubeugen, präsentiert euch Amazona.de nun eine Anleitung, die gerade für Anfänger, die zum ersten mal einen Saitenwechsel vornehmen möchten, sehr hilfreich sein kann. In diesem Workshop geht es nicht um die Legierung, Hersteller oder Typen der Saiten, sondern einfach nur darum, wie man die magischen Drähte dauerhaft stimmstabil und möglichst ohne Opfer auf der Gitarre verpflanzt. Gitarre-Saiten wechseln leicht gemacht also!

Wie wechselt man Gitarren-Saiten

Als erstes empfiehlt es sich, nach dem Entfernen der alten Saiten das Griffbrett gründlich zu reinigen. Dies muss nicht unbedingt nach jedem Saitenwechsel geschehen, einmal im Jahr ist diese Prozedur jedoch zu empfehlen, da aggressiver Schmutz, der sich im Laufe der Zeit auf dem Griffbrett ansammelt, das Höhenspektrum des Instrumentes dämpfen kann. Ebenso ist das Griffbrett ja unbehandelt, d.h. ungeschützt gegen äußere Einflüsse und bedarf deshalb besonderer Aufmerksamkeit, um nicht übermäßig auszutrocknen oder gar durch zu viel Feuchtigkeit aufzuquellen. Die im Handel erhältlichen Reinigungsmittel (Griffbrettöl) sorgen hier für eine hohe aber dennoch schonende Reinigungswirkung und schützen und versiegeln dieses empfindliche Bauteil der Gitarre.

Perfektionisten polieren noch die Bundstäbchen mit handelsüblicher Chrom-Politur oder Stahlwolle. Im letzteren Fall sei aber dringend dazu angeraten, bei elektrischen Instrumenten die Magnete (Pole-Pieces) der Pickups mit Tape abzukleben, da die anfallenden winzigen Metallspäne sonst eine innige Verbindung mit diesen eingehen, die sich nur schwer bzw. gar nicht mehr entfernen lässt.

Auch eine Prüfung der Mechaniken an der Kopfplatte auf korrekten Sitz und Verschraubung sei dann und wann angeraten, denn nur zu oft war schon eine gelockerte Mechanik die Wurzel allen Stimm-Übels! Die Sechskant-Mutter auf der Welle der Mechanik sollte gut handfest angezogen werden.

Nun aber zum eigentlichen Thema – an der Gitarre Saiten wechseln.

Als erstes die E-Saite wechseln

Wir beginnen mit der tiefen E-Saite. Die Mechanik der Saite wird so gedreht, dass das Loch durch das die Saite geführt wird, auf einer Linie mit der entsprechenden Kerbe des Sattels fluchtet, in unserem Falle also die oberste Kerbe. Nach Einführen der Saite am Steg (oder Vibrato-System, je nachdem) wird diese also durch das Loch der Mechanik geführt. Zieht man die Saite nun komplett durch die Mechanik durch, erhält man einen Überschuss von gut und gerne 15 cm, welches am oberen Ende der Mechanik übersteht. Todsünde, aber leider häufig so von unerfahrenen Spielern so gemacht, wäre nun das einfache Drehen an der Mechanik! Die Folge wäre, dass die Saite zwar nach wenigen Umdrehungen (im Falle der tiefen E-Saite einer elektrischen Gitarre nach knapp einer) schon in Stimmung wäre, die Stimmstabilität aber schon durch einfaches Bespielen der Gitarre garantiert hinüber wäre, da die wenigen Wicklungen einfach nicht ausreichen, um die Saite durch den üblichen Gebrauch (Ziehen, Fingervibrato) auf der Mechanik und damit in Stimmung zu halten. Im Falle der Basssaiten ist dieses Problem vielleicht noch nicht so drastisch, da sich ihre Umspannung mit jeder Umwicklung um die Welle der Mechanik recht gut „verzahnen“ kann. Anders sieht das jedoch bei den hohen Saiten aus, die ja „spiegelglatt“ sind und somit der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Aber dazu später mehr.

Der richtige Weg, wenn man an der Gitarre Saiten wechseln will ist nun, die Saite soweit zurückzuziehen, bis sie nur noch wenige Zentimeter aus der Welle der Mechanik herausragt. Der Saitenüberschuss (der sich nun schwebend über dem Griffbrett befindet) ist das Material, das im Endeffekt auf die Welle der Mechanik befördert werden muss. Wie weit man die Saite nun zurückzieht, ist bei jedem Instrument unterschiedlich – im Zweifel lieber etwas mehr „Futter“ auf die Mechanik geben. Doch Vorsicht: Genauso ungünstig ist es, der Mechanik zuviel Saitenmaterial zu geben, denn das würde dazu führen, dass eine zweite Lage Draht aufgewickelt und die Stimmstabilität des Instrumentes dadurch ebenso ungünstig beeinflusst wird, ein Problem, das speziell bei den Basssaiten auftritt, wenn man es zu gut meint. Aber spätestens nach dem zweiten oder dritten Mal, nachdem man an der Gitarre Saiten wechseln war, hat man das Gefühl hierfür schnell raus.

Logischerweise wird an der Mechanik nun so gedreht, dass die Saite zum Inneren der Kopfplatte geführt wird. Bei Gitarrenmodellen mit „Six in line“-Mechaniken (bei deren Konstruktion alle Mechaniken auf der Oberseite der Kopfplatte angebracht sind), wie sie zum Beispiel die Fender Stratocaster besitzt, werden alle Mechaniken somit GEGEN den Uhrzeigersinn gedreht. Bei Instrumenten, an deren Kopfplatte sich die Mechaniken im Trio gegenüber stehen (Les Paul-Typen und i.d.R. fast alle akustischen Instrumente), ist das bei den oberen Mechaniken identisch, die unteren allerdings werden dann MIT dem Uhrzeigersinn in Position gebracht. Alle Angaben beziehen sich wohlgemerkt auf das am Körper anliegende, spielbereite Instrument.

Schritt für Schritt – Gitarrensaiten wechseln

Während des Drehens an der Mechanik gilt es zu beachten, dass das Saitenende bei der ersten Umrundung auf der Welle VON OBEN über die Saite geführt wird, andernfalls würde sich die Saite mit jeder Umdrehung auf der Welle weiter nach oben arbeiten und im schlimmsten Fall zum Schluss selbst von der Welle katapultieren oder aber aus ihrer angestammten Position in der Sattelkerbe springen. Weiterhin ist es sinnvoll, den Bereich zwischen Sattel und Mechanik unter Zuhilfenahme des Zeigefingers der rechten Hand unter Spannung zu halten, denn so kann sich die Saite gleichmäßig auf der Welle ausbreiten.

Genau so geht man auch bei allen weiteren Saiten vor, wobei es hier wie bereits weiter oben angedeutet mit größerer Sorgfalt geschehen sollte, sobald man sich den drei hohen Saiten (früher auch mal „Melodie-Saiten“ genannt) nähert. Da sie keine Umspannung wie die Basssaiten besitzen (und somit keine „Verzahnung“ der einzelnen Windungen stattfinden kann), ist die Gefahr sehr groß, dass sie von der Welle wieder abrutschen oder selbst bei normalem Gebrauch wie Bendings, Fingervibrato etc. permanent aus der Stimmung geraten. Hier gilt es also, möglichst viel Material der Saite auf die Welle zu bekommen!

Ganz hilfreich beim Gitarre Saiten wechseln und dabei auch äußerst günstig und zugleich nerven- und handgelenkschonend: eine Saitenkurbel, mit der die Saite in wenigen Sekunden UND sauber aufgezogen werden kann. Grade für „Vielbespanner“ eine sehr segensreiche Entwicklung!

Nach dem Saitenwechseln die Gitarre stimmen

… kommt natürlich das Stimmen. Einfach haben es hier die Spieler von akustischen Instrumenten oder E-Gitarren, die eine feste Brücke besitzen. In diesem Falle reicht es die Saiten zu stimmen und danach kurz an dieser sachte zu ziehen und die Stimmung erneut zu prüfen. In der Regel wiederholt man diese Prozedur vier- bis fünfmal, und es sollte dann alles im Lot sein. Dies ist nötig, damit die Saite ihre endgültige Position auf der Welle einnehmen kann.

Etwas schwieriger gestaltet sich die Sache für User von Vibratosystemen, zumindest den „freischwebenden“, wie das häufig verwendete Floyd Rose-System. Da die Saitenspannung der Spannung der Vibratofedern gegenüber steht, braucht es schon eine Weile Geduld, bis das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Komponenten nach dem Saitenwechsel wieder hergestellt ist.  Fünf bis sechs komplette Stimmvorgänge sind hier die Regel. Wie Ihr Probleme mit der Oktavreinheit übrigens handhabt, könnt Ihr hier nachlesen. Noch mehr Geduld erfordert dann auch das Besaiten einer Gitarre mit Vibratosystem in einer anderen Saitenstärke. Einen Vorteil genießen die Benutzer von Floyd Rose-Systemen dennoch: Da die Saiten ja am Sattel abgeklemmt werden (Top-Lock-System), können Sie mit dem Bespannen etwas grober umgehen. Aber auch hier kann saubere Arbeit trotzdem nie schaden!

Hier unsere Workshops auf einem Blick:

Fazit

Alles kein Hexenwerk. Auch das Aufziehen von Saiten kann man lernen, und mit dem nötigen know-how sowie ein paar Helferlein (Saitenkurbel, Griffbrettöl) ausgestattet kann diese Prozedur sogar Spaß machen – wenn man weiß, wie schön sauber rein und klar ein Instrument mit frischen Saiten klingen kann. Also ran ans Werk! Bei Fragen oder Anregungen stehe ich wie immer gerne unter s.guete(at)amazona.de zur Verfügung!

Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.