Workshop Gitarre: Übungen und Technik, Arpeggios 2

1. September 2019

Workshop Arpeggios, Teil 2

Willkommen zum zweiten Teil unseres Workshops! Ein Gitarrensolo spielen, es aus dem Stehgreif improvisieren zu können – davon träumen wahrscheinlich die meisten Gitarristen. Dafür muss ein ganzes Repertoire an Techniken zur Verfügung stehen, das man bestenfalls aus dem Stehgreif zur Anwendung bringen kann. Arpeggios sind eine solche Technik, der wir uns ausführlich und umfassend widmen möchten, was wir im ersten Teil unseres Workshops bereits ein bisschen getan haben. Damit Ihr eure Gitarrensoli möglichst professionell mit technischen Finessen unterfüttern könnt, möchte ich euch möglichst im Detail zeigen, worauf zu achten ist. Übungen für Gitarre können immerhin in vielerlei Hinsicht falsch durchgeführt werden. Ich zeige euch, wo die Fallstricke und wichtigsten Punkte liegen. Im ersten Teil habe ich euch bereits einiges gezeigt, was wichtig ist. Doch das Thema ist umfassend – und will tiefgehend erforscht werden. Prinzipiell gilt natürlich: Je regelmäßiger man es schafft, eine dreiviertel Stunde in den Tagesablauf einzubauen, um Gitarre zu üben, desto besser. An der Gitarre Technik effektiv zu erlernen, braucht Zeit.

Beginnen möchte ich den zweiten Teil mit dem Arpeggio, das im ersten Teil der Workshop-Reihe ganz zum Schluß behandelt wurde – nämlich das C-Dur Arpeggio mit der alterierten #11.
Um die Tonfolge noch interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten und um die Spannweite der linken Hand zu üben, fügen wir noch das A auf der hohen E-Saite hinzu. Da der Ton A in unserer C-Dur Basistonleiter (von dem unser Arpeggio ja abstammt) ja auf der 6. Stufe erscheint, alterieren wir also nun noch eine Sexte zum Klangbild hinzu. Somit finden wir also in diesem Arpeggio die Töne C-E-F#-G-A.

Die rhythmische Spielweise ist nach wie vor achtel – triolisch. Eine besondere Einsatzmöglichkeit dieser Rhythmik ist es, eine spannungsvolle Verschiebung zu erzeugen, die beispielsweise unmittelbar auf einen Höhepunkt bzw. Crescendo zusteuert – eine äußerst nützliche Technik und Übung also. So sieht und hört sich das Ganze an:

Workshop Gitarre: Technik und Übungen

Workshop Gitarre: Technik und Übungen

Lediglich durch das Hinzufügen der #11 erhält diese eigentlich so nach „Kinderlied“ klingende Tonfolge eine interessante, mystische Färbung. Wenn man ein gutes Gitarrensolo spielen will, ist es oft eine Frage von Spannung, die man gekonnt aufbaut und im Anschluss auflöst – eine verbreitete Technik an der Gitarre.
Wie das Ganze in der Praxis klingen kann, zeigt das nächste Klangbeispiel über C-Dur.

Workshop Gitarre: Übungen und Technik, Arpeggios

Dass man sich mit Arpeggios und deren Fingersätzen in vielen Stilistiken durchaus wohlfühlen kann, möchte ich anhand des nächsten Beispiels erläutern. Gitarrensoli kommen ja in so ziemlich jedem Rock-Genre vor. Ich habe mich mal an eine normalerweise fest von pentatonischen Skalen besetzte Stilistik gewagt – den Blues.
Als Basis dient dem Gitarristen ein Dominant7-Arpeggio, dessen Startpunkt sich auf der A-Saite im 7. Bund befindet. Das Klangbild/der Arpeggio-Aufbau setzt sich somit zusammen aus den Tönen E-G#-H-D.

Workshop Gitarre: Technik und Übungen

Nun taucht ein kleiner Stolperstein in diesem Fingersatz auf. Der Knackpunkt liegt auf der G-Saite. Dadurch bedingt, dass dieser Fingersatz zwei volle Oktaven bietet, kommen wir nicht drumherum, eben auch die Septime spielen zu müssen – um den typischen Dominant-Sept-Klang zu erreichen. Durch einen hammer-on bzw. pull-off beim abwärts spielen stellt sich der gewünschte Effekt ein. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass es durchaus üblich ist, Arpeggios mit hammer-ons und/oder pull-offs zu kombinieren, was dem Spielen eines Gitarrensolos oft einen sehr organischen Flow schenken kann. Das werden auch die weiteren Beispiele und Übungen dieses Workshops zeigen.

Hier nun aber jetzt der Blues: Ich benutze im folgenden Klangbeispiel lediglich das oben notierte Arpeggio über sämtliche Stufen des 12-taktigen Blues, sei es nun Tonika, Subdominante oder die Dominante.

Im folgenden Beispiel fülle ich nun die Intervalle zwischen den Grundtönen des Arpeggios mit Chromatik auf. Wer verbietet es, alle 12 Töne der Tonleiter zu nutzen?

Workshop Gitarre: Technik und Übungen

Workshop Gitarre: Technik und Übungen

Durch das Hinzufügen der chromatischen Zwischentöne erhält dieses Arpeggio schon fast einen countrymäßigen Klangcharakter! Oft sind es diese Zwischentöne, die beim Gitarrensolo den Unterschied machen und von Gitarristen des Genres stets beachtet werden müssen. Bestimmte Übungen und Arpeggios sind in ihren Grundzügen nämlich für unzählige Strömungen denkbar und müssen dann durch diese Zwischentöne ausdifferenziert werden.

Im nächsten Beispiel ist im Prinzip das gleiche Dom.7- Arpeggio aufgeführt wie im ersten Klangbeispiel. Startpunkt ist jedoch hier der 12. Bund der tiefen E-Saite. Auch hier fülle ich die Räume zwischen Sekunde, Terz, Septime und Grundton mit Chromatik. Auch bei diesem Arpeggio verbinden chromatische hammer-ons und pull-offs die einzelnen Grundtöne 1-3-5-7.

Workshop Gitarre: Technik und Übungen

Wie man hört, kann man mit diesem Fingersatz des dom7-Arpeggios schon eine ganze Menge anstellen. Die 12. Lage ist griffgünstig und bietet trotzdem mehr als zwei volle Oktaven.

Zum Abschluss unseres zweiten Workshop-Teils noch ein kleiner Tipp am Rande: Um das Üben von Gitarrensoli, Tonleitern, Arpeggios etc. einfacher und angenehmer zu gestalten, ist es durchaus sinnvoll, den heimischen Computer mal als „Übungs-Workstation“ zu nutzen und ihm das Abspielen einfacher MIDI-Arrangements (wie z. B. einen simplen Blues) anzuvertrauen. Darüber hinaus gibt es unzählige Übungs-Tracks im Internet, die dafür gemacht sind, als einfaches Playback für solche Übungen an der Gitarre und Jams zu fungieren. Gitarre zu üben und sich die Techniken anzueignen, ist eine Sache – wichtiger ist es fast, das eigene Gehör zu trainieren und ein Gefühl für die Cues im Playback zu entwickeln.

So, das soll’s jetzt erst mal wieder gewesen sein Ich hoffe, die Übungen und Sounds bringen ein wenig Inspiration für euer Spiel! Im nächsten Teil der Workshops „Gitarrensolo spielen: Arpeggios“ geht’s dann schon um Lagenwechsel der einzelnen Arpeggios und mit den sich daraus ergebenden fast unbegrenzten Möglichkeiten der Improvisation.

Bis dahin viel Spaß beim Üben, Hören und Fühlen!

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