Workshop Gitarre: Saitenwechsel

28. Oktober 2009

Workshop: Alles über den richtigen Saitenwechsel

Während meines Jobs als Gitarrenlehrer werde ich von Neueinsteigern des öfteren mit der Frage konfrontiert, wie man denn eine Gitarre korrekt besaitet bzw. was beim Versuch zum ersten mal eine Gitarre zu besaiten denn falsch gelaufen ist, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und die Saiten durch falsches Aufziehen bereits ruiniert sind. Um dem vorzubeugen, präsentiert euch Amazona.de nun eine Anleitung, die gerade für Anfänger, die zum ersten mal einen Saitenwechsel vornehmen möchten, sehr hilfreich sein kann. In diesem Workshop geht es nicht um die Legierung, Hersteller oder Typen der Saiten, sondern einfach nur darum, wie man die magischen Drähte dauerhaft stimmstabil und möglichst ohne Opfer auf der Gitarre verpflanzt.

Strings

Workshop Gitarre – Saitenwechsel

Als erstes empfiehlt es sich, nach dem Entfernen der alten Saiten das Griffbrett gründlich zu reinigen. Dies muss nicht unbedingt nach jedem Saitenwechsel geschehen, einmal im Jahr ist diese Prozedur jedoch zu empfehlen, da aggressiver Schmutz, der sich im Laufe der Zeit auf dem Griffbrett ansammelt, das Höhenspektrum des Instrumentes dämpfen kann. Ebenso ist das Griffbrett ja unbehandelt, d.h. ungeschützt gegen äußere Einflüsse und bedarf deshalb besonderer Aufmerksamkeit, um nicht übermäßig auszutrocknen oder gar durch zu viel Feuchtigkeit aufzuquellen. Die im Handel erhältlichen Reinigungsmittel (Griffbrettöl) sorgen hier für eine hohe aber dennoch schonende Reinigungswirkung und schützen und versiegeln dieses empfindliche Bauteil der Gitarre.

Perfektionisten polieren noch die Bundstäbchen mit handelsüblicher Chrom-Politur oder Stahlwolle. Im letzteren Fall sei aber dringend dazu angeraten, bei elektrischen Instrumenten die Magnete (Pole-Pieces) der Pickups mit Tape abzukleben, da die anfallenden winzigen Metallspäne sonst eine innige Verbindung mit diesen eingehen, die sich nur schwer bzw. gar nicht mehr entfernen lässt.

Auch eine Prüfung der Mechaniken an der Kopfplatte auf korrekten Sitz und Verschraubung sei dann und wann angeraten, denn nur zu oft war schon eine gelockerte Mechanik die Wurzel allen Stimm-Übels! Die Sechskant-Mutter auf der Welle der Mechanik sollte gut handfest angezogen werden.

Nun aber zum eigentlichen Thema.

Workshop Gitarre – so funktioniert’s!

Wir beginnen mit der tiefen E-Saite. Die Mechanik der Saite wird so gedreht, dass das Loch durch das die Saite geführt wird, auf einer Linie mit der entsprechenden Kerbe des Sattels fluchtet, in unserem Falle also die oberste Kerbe. Nach Einführen der Saite am Steg (oder Vibrato-System, je nachdem) wird diese also durch das Loch der Mechanik geführt. Zieht man die Saite nun komplett durch die Mechanik durch, erhält man einen Überschuss von gut und gerne 15 cm, welches am oberen Ende der Mechanik übersteht. Todsünde, aber leider häufig so von unerfahrenen Spielern so gemacht, wäre nun das einfache Drehen an der Mechanik! Die Folge wäre, dass die Saite zwar nach wenigen Umdrehungen (im Falle der tiefen E-Saite einer elektrischen Gitarre nach knapp einer) schon in Stimmung wäre, die Stimmstabilität aber schon durch einfaches Bespielen der Gitarre garantiert hinüber wäre, da die wenigen Wicklungen einfach nicht ausreichen, um die Saite durch den üblichen Gebrauch (Ziehen, Fingervibrato) auf der Mechanik und damit in Stimmung zu halten. Im Falle der Basssaiten ist dieses Problem vielleicht noch nicht so drastisch, da sich ihre Umspannung mit jeder Umwicklung um die Welle der Mechanik recht gut „verzahnen“ kann. Anders sieht das jedoch bei den hohen Saiten aus, die ja „spiegelglatt“ sind und somit der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Aber dazu später mehr.

Forum
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    m-armsby

    Nein Kollege! Weniger ist mehr. Überlänge aufzuwickeln ist der Hauptgrund für sich ständig verstimmenden Gitarren. Die aufgewickelte Saite ist nicht gleichmäßig gespannt so wie zwischen Brücke und Sattel. Die spannt sich sehr viel langsamer und ist nicht in der Lage Spannungsänderungen durch ziehen oder Tremelo Bewegungen mitzumachen. Ein Tremelo ‚Divebomb‘ verstimmt eine auf diese Weise bespannte Gitarre auf Anhieb. Die ‚Spule‘ macht nicht mit. An diese Stelle sagen ‚old school‘ Gitarristen ‚Tremelo ist schuld‘!! Fender hatte in den 70ern ein paar Skizzen auf die Verpackungen ihrer Saiten mitgegeben um ein Weg zu zeigen wie man das ständige Nachrutschen oder Nachspannen innerhalb diese Spule verhindert. Man macht eine Art Knoten und braucht anschließend nicht mehr als eine Umdrehung aufzuwickeln. Bei den tiefen Saiten braucht man nach meine Erfahrung nicht mal das und eine drei-viertel bis eine Umdrehung reicht selbst bei Divebombs die Stimmung zu halten mit der VS100 Tremelo. Der Grund warum FloydRose und ähnliche Systeme sich nicht verstimmen liegt daran das diese ‚Spule‘ gänzlich verhindert wird. Locking Machine Heads sind eine Erleichterung aber nicht besser als die gute alte Methode. Wer seine Gitarre nicht ständig nachstimmen will sollte die alte Methode lernen. Hier in diesen Video hervorragend dargestellt: http://www.....kUr4mKYY1Q
    Try it!!

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      Stephan Güte  RED

      Werter Kollege m-armsby,

      meine Erfahrung spricht da leider dagegen..es gibt faktisch kein verstimmungsfreies Vibrato-System „klassischer Bauweise“, da spielen noch mehr Faktoren (Sattel, Qualität der Konterschrauben des Vibratoblocks, z.B…) eine tragende Rolle, und „Dive-Bombs“ sind hierbei gar unmöglich- und auch die wenigsten Spieler die ein Instrument mit einem Vintage-Style-Vibrato wählen möchten das auch wirklich tun.

      Und genau aus dem Grunde gibt es ja die „Floyd Rose-Style“-Vibratosysteme, die am Sattel durch die Klemmung (Top-Lock-System) das Problem so lösen, dann klappts auch mit den „Dive-Bombs“.

      Bei den „Vintage-Style-Vibratosystemen“ hilft auch kein „knoten“ der Saiten (damit schaffst Du nur eine Sollbruchstelle..) oder was auch immer. Diese Systeme sind einfach nicht dafür gemacht/gedacht. Mit einem gut eingestellten Sattel und wenig „Luft“ bei der Saitenwicklung an der Mechanik lassen sich aber auch hier befriedigende Ergebnisse erzielen.

      Und noch etwas: Tremolo ist ein Effekt der den Ton an und ausschaltet, an einer Gitarre nennt man so etwas „Vibrato-System“ ;o)

      Viele Grüße,

      Stephan

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        changeling  AHU

        Locking Machine Heads sind was anderes als Klemmsattel bei Floyd Rose und ähnlichen Systemen. Da wird die Saite in der Mechanik eingeklemmt. Also erst Saite durchziehen, dann festklemmen, überstehende Saite abschneiden und stimmen.
        Erleichtert das aufziehen erheblich und soll jedenfalls stimmstabiler sein.

  2. Profilbild
    m-armsby

    Oh oh Kollege – Man lernt nie aus.
    Zu nächst ein mal – ich besitze Gitarren mit diesen von mir beschriebenen Systeme und kann
    sie demonstrieren. Neue Gitarren werden so verkauft – und zwar richtig gute! Die John Petucci Music Mann Guitars haben ein VS100 ähnliche Bridge und locking Machine Heads mit normale Sattel. Das reicht für Dive Bombs und wird auch als ganz normale Serie gebaut. Siehe http://www.....jpx-6.html
    Unsere schöne ZerberusGuitars gehen da ein Schritt weiter mit ein Rollen Sattel.
    http://www.....%20ii.html
    Sicher gibt es viele Grunde warum ein nicht FR Tremelo System sich verstimmen kann.
    Mein Reden ist, das mit wie von zwei Top Saiten Hersteller empfolene Techniken der Sateinmontage und maximal eine Windung am Post die Stimmung erhalten werden kann – ich möchte das das bekannt wird weil es das Spielen wesentlich angenehmer macht und wenn man .die ganze Problematik versteht gewinnt man seine Gitarre wieder lieb und stellt fest die ist gar nicht so schlecht wie man gedacht hat. Ausserdem ist die Arbeit schneller weil man nicht so viel kurbeln muss. Hier werden einige eigene Missverständnisse weitergeben, sehen wir hier am Beispiel Vibrato. Ich gehe kurz daruf ein.
    1. Tremelo ist das Wort in den Patenteschriften von Floyd Rose und Don Ramsay.
    2. Im Wiki über Floyd Rose kommt das Wort Vibrato nicht ein mal vor.
    2. Sollbruchstelle ist das was Fender und D’Addario empfehlen ? Hmm – besser kommentarlos.
    Ok Leute – machs gut!

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      Stephan Güte  RED

      Hallo, (ich vermute Frank von Zerberus Guitars)

      ich besitze selber eine Music Man Silhouette mit Klemm-Mechaniken. Abgesehen davon das ich von „Dive-Bombs“ wohl etwas anderes verstehe (Downbending des Vibratosystems bis zur völligen Erschlaffung der Saiten) erntet man auch hier bei stärkerer Nutzung deutliche Verstimmungen, leider.

      Nebenbei bemerkt haben wir auch grade eine MM John Petrucci im Test, auch hier gibt es Tuning-Probleme und auch dort sind keine wirklichen Dive-Bombs möglich, dafür lässt sich der Vibratoblock gar nicht weit genug nach vorne ziehen, allein der Winkel des Vibratohebels lässt dies gar nicht zu.

      Und das ist auch leider bei der von Dir beschriebenen Zerberus-Gitarre so (hatten wir ja auch bereits im Test ( http://www.....page_num=2 ), und das trotz einem montierten Rollensattel.

      Man lernt nie aus, genau ;)

      Viele Grüße,

      Stephan

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