Workshop E-Gitarre: Tonabnehmer, Teil 1

28. April 2010

Pickup-Workshop

Ob Stacked Coils für den brummfreien Genuss von Vintage-Singlecoils, Ton-Philosophien über die Legierung von Alnico-Magneten, oder KlingenHumbucker im Einspulerformat – die Welt der Tonabnehmer ist alles andere als übersichtlich. Anglizismen, die liebe Physik und der hartnäckige Irrglaube zur Aussagekraft des Gleichstromwiderstands tun ihr Übriges und schon ist die Verwirrung perfekt.

Wie gut, dass der zweiteilige AMAZONA-Workshop nun endlich Licht ins Dunkel bringt! Neben einem Überblick über Geschichte und Aufbau der kleinen Spulenkörper, stehen im ersten Teil unter anderem Basiswissen und Magnetkunde auf dem Stundenplan.

Workshop Tonabnehmer

Workshop Tonabnehmer

Workshop E- Gitarre Tonabnehmer – es war einmal…

Wir schreiben das Jahr 1931 – Georg Beauchamp entwickelt den ersten Tonabnehmer, der auf dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion basiert und legt so den Grundstein für die Abnahme der Saitenschwingung.

Eine Dekade später gelang ein weiterer Geniestreich und wesentlicher Schritt zur Elektrifizierung der Gitarre – ein gewisser Les Paul stopft mit mäßigem Erfolg Socken in den Resonanzkörper seiner Akustikgitarre, bis er ihr schließlich einen massiven Holzklotz implantiert. Was so banal wie skurril klingt, ist das Ergebnis unbändigen Innovationsdrangs und die Geburtsstunde der Solidbody-Gitarre. Es folgt eine Gitarre mit massivem Holzkorpus. Sein Prototyp trägt den bezeichnenden Namen ‚The Log‘ was zu Deutsch so viel wie Holzklotz bedeutet und von einer Gitarrenfirma namens Gibson mit Hohn und Spott abgetan wird. Doch das Fehlen eines Resonanzkörpers führt zum gewünschten Sustain, einem klaren Ton und der Unterdrückung von Rückkopplungen – eine perfekte Basis für den Pickup-Einsatz.

Mit der Verbindung beider Innovationen ist der Weg zur Stromgitarre geebnet, doch weitere 10 Jahre ziehen ins Land, bis Leo Fender 1950 mit der Esquire den Archetyp der E-Gitarre kreiert und mittels Massenproduktion den Siegeszug der elektrifizierten Saiteninstrumente einläutet.

Workshop Tonabnehmer

Workshop Tonabnehmer

 

Workshop E-Gitarre Tonabnehmer – die Wicklung!

Die Esquire trug schon bald darauf den Namen Telecaster und ist der beste Beweis dafür, dass sich seitdem nur wenig verändert hat. Ihr einspuliger Singlecoil-Tonabnehmer ist ebenso simpel aufgebaut, wie das Instrument selbst: Sechs kleine Stabmagneten werden auf einer Platte montiert und mit Kupferdraht umwickelt. Das ist auch schon alles. Bewegt sich nun eine Stahlsaite in das Magnetfeld dieses Spulenkörpers, wird eine Spannung induziert, die als elektrisches Signal an den Verstärker geht.

Nun kommt, was ihr bereits geahnt habt: Ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn schon kleine Veränderungen von Faktoren wie Wicklungszahl, Drahtstärke oder Magnetmaterial bestimmen den ‚Klang‘ eines Pickups entscheidend. Das Wickeln von Tonabnehmern ist damit zwar denkbar einfach, aber im Detail eine Wissenschaft für sich.

Workshop E-Gitarre Tonabnehmer – doppeltes Lottchen?

Im Alltag eines Gitarristen dreht sich viel um Equipment-Philosophie und Überzeugungen. Die wohl einfachste Unterscheidung von Gitarrensounds lässt sich zwischen den Fender und Gibson vollziehen. Neben Hölzern und Grundkonstruktion definiert vor allem der Tonabnehmer den unterschiedlichen Klangcharakter beider Lager.

Die hellen präsenten Höhen und das offene Klangbild eines Singlecoils werden mit Fender assoziiert, während Gibson eng mit dem warmen und druckvollen Humbucker-Sound verknüpft ist.

Der elegante Einspuler hat sein Arbeitsgebiet vorwiegend im cleanen Bereichen, wo transparente, klare Höhen und eine besonders dynamische Ansprache gefragt sind. Eine funky Rhythmusgitarre lebt ebenso vom präzisen Ton des Singlecoils wie der berühmte Twang-Sound beim Country. Die sensiblen Alleingänger reagieren aber auch empfindlich auf allerhand elektronischen Schnick-Schnack wie Transformatoren, Bildschirme oder Mobiltelefone. Gerade bei hoher Lautstärke oder Verzerrung, sollte man aus den nachfolgenden Gründen eher auf den großen Bruder des Ein-Spulen-Tonabnehmers zurückgreifen.

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