Workshop: Guitar know-how – Vibratosystem 2

11. Juli 2007

Vibratosystem/Teil2

Teil 2 : ins Detail

Das Problem

Ein Hauptproblem, das immer wieder beim Gebrauch eines Vibratosystems auftaucht, sei es nun ein Vintage- oder moderneres Floyd-Rose-System, ist das Verhältnis zwischen der Spannung der aufgezogenen Saiten auf der einen und dem Zug der Vibratofedern auf der anderen Seite dieser an sich frei schwebenden Konstruktion. Fakt ist, dass ein Instrument mit Vibratoeinheit sich nur auf eine spezielle Saitenstärke einstellen lässt. Die Saiten erreichen bei korrekter Stimmung eine Zugkraft von immerhin ca. 40 kg, je nach Wahl der Stärke, auf der Gegenseite sorgen eben die am Vibratoblock eingesetzten Federn für die nötige Gegenspannung. Wird nun bei einem Saitenwechsel zum Beispiel eine dickere Stärke gewählt, als die, die bisher auf dem System wunderbar funktionierte, wird sich der Vibratoblock unweigerlich nach vorne neigen, da die Saitenspannung nun höher ist und die Federn somit die Zugkraft ohne Nachjustieren nicht korrekt ausgleichen können. Das Ergebnis sind die wie bereits weiter oben beschriebenen unerwünschten Effekte wie eine unbequem hohe Saitenlage und eine nicht mehr korrekte Oktavreinheit. Diese kommt dadurch zustande, da der zu stark angewinkelte Vibratoblock ja auch die Saitenreiter mit nach vorne zieht – und diese sind ja für die Oktavreinheit verantwortlich.

Das Ganze gilt auch für den umgedrehten Fall: nach dem Aufziehen dünnerer Saiten ziehen die Federn zu stark und somit wird sich der Vibratoblock kaum, bzw. gar nicht rühren. Bei den Floyd-Rose-Systemen – welche auch zumeist eine Unterfräsung im Gitarren-Body spendiert bekommen – wirkt sich dies noch dramatischer aus, denn hierbei liegt der Vibratoblock im ungünstigen Falle so tief in der Fräsung, dass zusätzlich auch noch die Saiten auf dem Griffbrett aufliegen.
Also gilt es, eine Gitarre mit Vibratoeinheit auf eine spezielle Saitenstärke einzustellen. Dabei sollte man sogar darauf achten, einem Hersteller die Treue zu schwören, denn selbst bei identisch angegebenen Saitenstärken der verschiedenen Hersteller variiert die Zugkraft und macht eine erneute Nachbearbeitung des Settings notwendig. Dies ist kein Ammenmärchen, sondern mir in der Praxis schon des Öfteren untergekommen.

Die Lösung

Nach Abnehmen der Abdeckplatte an der Rückseite des Gitarrenkorpus kommen die Vibratofedern zum Vorschein. Zumeist sind es drei Federn, die auf der einen Seite in den Vibratoblock und auf der anderen Seite mit einer Vorrichtung an zwei Schrauben in das Holz des Korpus eingeschraubt sind.
Es gibt aber auch Leute, denen die maximal einsetzbaren fünf Federn zu wenig Spannung bieten. Oder man wählt eine extrem starke Saitenspannung (stärker als 012), die ebenfalls das Einsetzen einer oder mehrerer zusätzlicher Federn erforderlich macht, um die erhöhte Zugkraft der Saiten auszugleichen.

Durch das Eindrehen, bzw. lockern der zwei Schrauben, die in den Body führen, lässt sich die Zugkraft der Federspannung regulieren. Werden die Schrauben rechts gedreht, also festgezogen, bringen wir dadurch mehr Spannung auf den Federmechanismus und sorgen damit für mehr Zugkraft für eine höhere Saitenstärke. Und umgekehrt sorgen gelockerte Schrauben für eine Entspannung des Systems. Und genau zwischen diesen beiden Stufen liegt die Kunst: das genaue Austarieren dieser Kräfte um einen möglichst frei schwebenden Vibratoblock zu erhalten. Dabei sollten die Saitenreiter bei einem optimal justierten System parallel zur Decke des Instrumentes stehen.

Aller Anfang ist hierbei schwer, und da man i.d.R. nach einem Saitenwechsel bis zu fünf Stimmvorgänge benötigt, um die Gitarre wieder in Stimmung zu bringen – und somit die Stellung des Vibratoblocks zu begutachten – ist dies zu Beginn eine recht zeitintensive und mühselige Angelegenheit. Doch mit der Zeit kommen die Erfahrungswerte und das notwendige Fingerspitzengefühl.

Danach kann man sich das notwendige Einstellen der Oktavreinheit vornehmen.

Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Klasse erklärt, und sehr detailliert und ausführlich beschrieben ;o) !

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Frage zum Floyd rose system!:ist`s denn möglich dieses System in eine fender Strat kopie ein zu bauen? ich mein`wegen der schon vorhandenen Schrauben,(Bolzen)die eingebaut werden müssen.für eine Antwort bin ich dankbar

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Sorry, Mate, aber es muss heissen:

    "Dabei sollte die Vibrato-Grundplatte mit den Saitenreitern bei einem optimal justierten System parallel zur Decke des Instrumentes stehen."

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Sorry, is nicht ganz korrekt, Blues-Verne..nicht immer sind die Saitenreiter parallel zur Grundplatte des Vibratosystems ;)

      • Avatar
        AMAZONA Archiv

        Ach Stephan,
        wer richtig lesen kann ist echt im vorteil: nicht die Böckchen sind gemeint, sondern natürlich die Grundplatte. Mann eh!
        Manchmal hab ich den Eindruck, analphabetische Klugscheisser mit fehlendem logischen Denken Gehirn???) vermehren sich wie ne Seuche…..

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.