Hardware-Jam aufbauen: Audio, MIDI und Effekte im Griff
Ein Hardware-Live-Setup muss weder aus einer Vielzahl von Geräten bestehen noch wie ein ganzes Tonstudio verkabelt sein. Bei einem solchen Setup werden verschiedene Geräte synchronisiert und während der Performance aktiv gespielt, ein- und ausgeblendet oder mit verschiedenen Effekten verändert. Der Ablauf ist damit nicht vollständig vorgegeben, sondern kann sich aus einem Jam heraus zu einem kleinen Arrangement entwickeln.
Im Kern brauchen wir lediglich verschiedene Klangerzeuger und eine Zentrale, in der alle Signale zusammenlaufen. Für unseren Workshop beschränken wir uns deshalb auf vier klare Rollen: Drums, Bass, Akkorde oder Melodie und den Mixer. Für unser Praxisbeispiel verbinden wir die Drum-Machine Roland TR-8S, den Bass-Synthesizer Roland AIRA TB-3 und einen Roland JU-06 mit dem Performance-Mixer Korg NTS-4. Statt einer losen Sammlung synchron laufender Geräte entsteht so ein System für lockere Jams und ein späteres Live-Set. Zusätzlich nehmen wir die Stereosumme auf. Weitere Klangquellen oder ein Computer können später hinzukommen.
Der Workshop richtet sich an alle, die bereits verschiedene Hardware besitzen und diese auf eine spielbare, übersichtliche Art zusammenführen möchten.
Worum geht es? Aufbau eines kompakten Hardware-Live-Setups für Jams und Live-Performances.
- Grundaufbau: Drums, Bass, Synthesizer und Mixer bilden ein übersichtliches Hardware-Live-Setup.
- Verkabelung: Strom, Audio und MIDI werden klar strukturiert verbunden und die Geräte miteinander synchronisiert.
- Live-Arrangement: Mutes, Effekte und musikalische Phrasen entwickeln einen Jam schrittweise zum Arrangement.
- Aufnahme: Der Korg NTS-4 überträgt die komplette Stereosumme per USB an den Computer.
Inhaltsverzeichnis
- Was benötigen wir für das Hardware-Live-Setup?
- Die Grenzen des Korg NTS-4
- Strom und Audio verkabeln
- MIDI ohne unnötiges Kabelchaos
- Pegel einstellen, obwohl Gain-Regler fehlen
- Vom ersten Beat zum kleinen Arrangement
- Effekte gezielt einsetzen
- Den Jam als Stereosumme aufnehmen
- Den Computer später ergänzen
- Vom Jam zur Bühne
Was benötigen wir für das Hardware-Live-Setup?
Als Zentrale für unser Hardware-Live-Setup nutzen wir den zuletzt von uns getesteten Korg NTS-4. Mit zwei Mono- und vier Stereokanälen haben wir die Möglichkeit, verschiedene Klangerzeuger zusammenlaufen zu lassen, diese unabhängig zu pegeln und mit internen sowie externen Effekten zu versehen. Durch Buttons zum Stummschalten einzelner Kanäle können wir direkt in den Mix eingreifen und leicht Spannungskurven erzeugen. Mit der Option, die Kanäle auch über Kopfhörer vorzuhören, können wir sicherstellen, dass ausgewählte Sounds zum Gesamtbild passen.
Der Roland TR-8S liefert die Drum-Sounds und erlaubt über die Fader schnelle Eingriffe. Mit dem Roland AIRA TB-3 können wir einfache Basslines und ein wenig Acid-Vibes in den Mix bringen. Der vierstimmige JU-06 sorgt für Akkorde, Stabs oder eine Melodie. Hinzu kommen Kopfhörer, Aktivmonitore, Kabel, ein Aufnahmegerät und bei Bedarf ein MIDI-Keyboard.
Warum tun wir uns das an, wenn ein Rechner mehr Spuren, Instrumente und Effekte bietet? Weil die direkte Arbeit mit Hardware Spaß macht und eine gewisse Begrenzung die Kreativität fördern kann. Statt vor dem ersten Takt lange nach der perfekten Kick zu suchen, arbeiten wir mit dem, was vor uns steht. Statt 40 Spuren können auch vier einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zudem lässt sich bereits mit wenigen Elementen eine Songstruktur aufbauen.
Die Grenzen des Korg NTS-4
Der NTS-4 besitzt weder Eingangs-Gain noch einen Equalizer pro Kanal. Deshalb müssen wir ein zu lautes Signal an der Klangquelle herunterregeln. Kick und Bass trennen wir idealerweise über Tonhöhe, Hüllkurve oder Länge. Die Akkorde setzen wir etwas höher an, damit der Tieftonbereich nicht überladen wird. Gerade im Live-Einsatz zwingen uns diese Einschränkungen dazu, gezielter zu handeln.
Strom und Audio verkabeln
Beim Anschließen gehen wir nach Kategorien vor. Zuerst schließen wir bei ausgeschalteten Geräten alle Netzteile an. Nach dem Strom folgen die Audiokabel. Für unseren Aufbau verwenden wir eine feste Kanalbelegung, die wir bei jeder Probe beibehalten. Das hilft uns, jederzeit einen Überblick über das Gesamtgeschehen zu bewahren.
Über den Assignable Out 1 des TR-8S führen wir die Kick mit einem Kabel von 6,3-mm-Monoklinke auf 3,5-mm-Monoklinke separat auf den Kanal Mono 1 des NTS-4. Der restliche Drum-Mix gelangt über Mix Out L/R und ein Y-Kabel mit zweimal 6,3-mm-Monoklinke auf einmal 3,5-mm-Stereoklinke zu Stereo 1. So können wir die restlichen Drums mit Effekten wie einem Reverb versehen, während die Kick trocken bleibt.
Die TB-3 verbinden wir über ihren 6,3-mm-Ausgang Out L/Mono mit Mono 2 des NTS-4. Dafür benötigen wir ebenfalls ein Kabel von 6,3-mm-Monoklinke auf 3,5-mm-Monoklinke. Der JU-06 folgt über ein 3,5-mm-Stereoklinkenkabel auf Stereo 2. Damit bleiben Stereo 3 und Stereo 4 für spätere Erweiterungen frei, etwa für ein weiteres Synthesizer-Modul oder das Ausgangssignal eines Audiointerfaces.
Die Hauptausgänge verbinden wir mit Aktivmonitoren oder einem Line-Eingang am DJ-Mixer. Eingeschaltet werden zuerst die Klangerzeuger, dann der Mixer und zuletzt die Monitore. Beim Ausschalten gilt die umgekehrte Reihenfolge.
MIDI ohne unnötiges Kabelchaos
In der einfachsten Variante ist der Roland TR-8S unser MIDI-Master. Der MIDI Out führt direkt in den MIDI In des Bass-Synthesizers. Dort stellen wir die Synchronisation auf externe MIDI-Clock. Der interne Sequencer folgt nun Tempo, Start und Stopp der Drum-Machine.
Wahlweise können wir vom MIDI Out des TB-3 dann auch in den MIDI In des JU-06 ein Start/Stopp-Signal laufen lassen, denn auch dort können wir den internen Sequencer nutzen. Alternativ können wir auch über ein MIDI-Keyboard den JU-06 live spielen. Das gibt uns ein wenig mehr direkten Eingriff ins Geschehen.
Pegel einstellen, obwohl Gain-Regler fehlen
Für den Pegelabgleich spielt jedes Gerät sein lautestes vorgesehenes Pattern oder seinen lautesten Sound. Wir öffnen zunächst nur den Kanal der Drum-Machine und erhöhen den Ausgangspegel der Quelle sowie den Kanal-Level langsam. Danach folgen Bass und JU-06. Die Peak-Anzeigen des NTS-4 dürfen bei Spitzen maximal kurz aufleuchten, sollten aber nicht dauerhaft leuchten.
Nun hören wir die Geräte gemeinsam. Verschwindet die Kick hinter dem Bass, muss nicht sofort ein Equalizer her. Oft reicht es, den Bass kürzer einzustellen, eine andere Oktave zu wählen oder die Kick etwas zurückzunehmen. Eine Fläche, die alles zudeckt, bekommt ein kürzeres Release oder wird leiser. Der fehlende EQ zwingt uns damit zu einer sinnvollen Entscheidung: Nicht jedes Element muss jederzeit groß klingen.
Vom ersten Beat zum kleinen Arrangement
Eine der größten Herausforderungen bei einem Hardware-Live-Setup ist nicht die Verkabelung, sondern das Live-Arrangieren. Wir müssen Lautstärken im Blick behalten, passende Elemente hinzufügen und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich der Jam weiterentwickelt. Dafür benötigen wir allerdings keinen bis ins Detail festgelegten Ablauf. Vielmehr möchten wir ein Gefühl dafür entwickeln, wann ein neues Element hinzukommen kann und wann wir einem bestehenden Groove noch etwas Zeit geben sollten.
Als Orientierung können wir in Vierer-, Achter-, 16er- oder 32er-Phrasen denken. Dabei handelt es sich nicht um starre Regeln. Die Unterteilung hilft uns aber dabei, Veränderungen gezielt einzusetzen, damit ein neues Element nicht vollkommen willkürlich in den Jam hineinläuft.
Wir beginnen mit einem lockeren Drum-Konstrukt. Eine Kick im 4/4-Takt, eine Clap oder Snare auf zwei und vier sowie einzelne Hi-Hats reichen zunächst vollkommen aus. Statt direkt das vollständige Pattern abzuspielen, schalten wir die Elemente nacheinander hinzu und hören, wie sich der Groove dadurch verändert. Am Ende einer Vierer- oder Achter-Phrase können wir beispielsweise den Send für die Drums öffnen. Eine kurze Hallfahne sorgt für Variation, ohne dass wir dafür direkt ein neues Pattern benötigen.
Steht das Drum-Fundament, können wir die vorbereitete Bassline des TB-3 langsam einblenden oder diese live einspielen. Wir können die Kick für einige Takte stummschalten und der Bassline dadurch mehr Raum geben. Anschließend holen wir die Kick gemeinsam mit einer Offbeat-Hi-Hat zurück. Bereits dieser einfache Eingriff erzeugt einen deutlich wahrnehmbaren Wechsel, obwohl das grundlegende Pattern unverändert bleibt.
Für einen Break können wir die Kick erneut herausnehmen und über die Total FX des NTS-4 ein Hochpassfilter auf die Summe legen. Indem wir die tiefen Frequenzen langsam herausfiltern, kündigen wir den kommenden Wechsel hörbar an. In diesem Moment lässt sich ein Akkord, ein Stab oder ein Pad des JU-06 hinzufügen. Den Sound können wir vorher über Cue vorhören und erst dann in den laufenden Mix einblenden. Beim anschließenden Drop kehren Kick und Bass zurück, während der JU-06 als neues Element im Arrangement bleibt. Über die Send FX können wir auch diesen Sound mit Hall oder Delay variieren.

Natürlich können wir mit dem Anschluss eines MIDI-Keyboards die Synthesizer unseres Hardware-Live-Setups direkt spielen
Wie lange die einzelnen Abschnitte dauern, hängt vom Jam ab. Funktioniert ein Groove besonders gut, können wir problemlos 16 oder 32 Takte darin bleiben. Fehlt noch ein wenig Spannung, verändern wir zunächst erst nur ein Element, etwa die Hi-Hat, das Filter der Bassline oder den Effektanteil. Einen funktionierenden Ablauf spielen wir mehrmals und verändern bei jedem Durchgang zunächst nur wenige Details. So bekommen wir ein Gefühl dafür, welche Eingriffe tatsächlich Wirkung zeigen.
Auf diese Weise kann sich eine erste Idee nach und nach zu einem kleinen Arrangement entwickeln. Gleichzeitig können wir einen Break nutzen, um zu einem neuen Drum-Pattern, einer anderen Bassline oder einem weiteren Synthesizer-Sound überzuleiten. Der Jam bleibt damit offen, besitzt durch die Orientierung an musikalischen Phrasen aber trotzdem eine nachvollziehbare Struktur.
Effekte gezielt einsetzen
Als Send FX wählen wir einen Hall. Der Send der separaten Kick bleibt geschlossen, während wir die restlichen Drums oder den JU-06 in den Effekt schicken. In einem späteren, umfangreicheren Hardware-Live-Setup können wir durch die Send- und Return-Anschlüsse des Korg NTS-4 auch ein externes Effektgerät in unseren Jam mit aufnehmen.
Mit den internen Effekten lohnt es sich, ein wenig auszutesten, was einem gefällt. Jedoch sollte man es wie immer mit Effekten nicht übertreiben. Ein kurzes Delay am Ende einer Phrase kann für genügend Variation sorgen. Achtet allerdings darauf, dass der Feedback-Wert nicht zu hoch eingestellt ist, da die Wiederholungen den Gesamtpegel ungewollt anheben können.
Mit den internen Total FX des Korg NTS-4 bearbeiten wir die Stereosumme. Für den Break genügt ein Hochpassfilter, den wir vor der Rückkehr von Kick und Bass wieder deaktivieren. Mehr Effekte braucht es für den ersten Durchlauf nicht.
Den Jam als Stereosumme aufnehmen
Zur Aufnahme verbinden wir den Korg NTS-4 per USB-C mit einem Computer und wählen das kompakte Mischpult als Aufnahmequelle. Der Mixer überträgt die Stereosumme mit 48 kHz und 24 Bit. In der Aufnahmesoftware legen wir eine Stereospur an, nehmen zunächst eine Probeminute auf und hören diese vollständig ab. Erst danach folgt ein kompletter Durchlauf.
Pegelbewegungen, Mutes und Effekte werden fest aufgezeichnet. Eine zu laute Fläche lässt sich später nicht einzeln korrigieren. Gerade deshalb eignet sich die Aufnahme zur Kontrolle des eigenen Arrangements.
Hier mal ein Jam, den wir euch aufgenommen haben:
Den Computer später ergänzen
Alternativ kann natürlich auch euer Computer die Master-Clock bei eibem Hardware-Live-Setup liefern. Dafür müssen wir diesen per USB-Kabel mit unserer Drum-Machine verbinden und den Synchronisationsmodus auf USB wechseln. Die restliche MIDI-Verkabelung können wir dann beibehalten.
Zusätzlich können wir in diesem Szenario über USB-Audio am Korg NTS-4 Inhalte aus dem Rechner wiedergeben. So erschließt sich uns die Möglichkeit, Softwareinstrumente in den Mix aufzunehmen. Für unseren ersten Aufbau möchten wir es übersichtlich behalten und lassen den Computer als Zuspieler weg. Wir verwenden diesen lediglich zur Aufnahme der Stereosumme.
Typische Fehler im Hardware-Live-Setup lassen sich oft schnell eingrenzen. Startet der Bass nicht mit der TR-8S, prüfen wir MIDI-Kabel und externe Clock. Eine ungewöhnlich laute Kick läuft womöglich gleichzeitig über ASSIGNABLE OUT und MIX OUT. Bei Verzerrungen reduzieren wir die Ausgangspegel. Ist ein Synthesizer nur im Kopfhörer zu hören, kontrollieren wir Mute, Kanal-Level und Cue-Balance.
Vom Jam zur Bühne
Ein solches Hardware-Live-Setup sollten wir zu Hause üben und dabei ein Gefühl für die Abläufe bekommen. Patches und Pattern werden vorbereitet und gespeichert. Über mehrere Sessions bauen wir aus losen Jams ein kleines Live-Set auf.
Damit die Skizzen reproduzierbar bleiben, solltet ihr euch Tempo, Pattern-Nummern, Patches und die erste Aktion notieren oder abspeichern. Die Kanalbelegung bleibt gleich. So konzentrieren wir uns auf Übergänge und Klangveränderungen statt auf den Signalweg.
Das Hardware-Live-Setup kann anschließend auf der Bühne oder im Club zum Einsatz kommen, entweder als eigenständiges Live-Set, als Live-Intermezzo während eines DJ-Sets oder als zusätzliche Ebene, auf die wir innerhalb eines DJ-Sets immer wieder zurückgreifen.


































Bei dem NTS-4 hatte ich auch gleich den Gedanken an ein ähnliches Setup
Ein 303 Clone wäre auf jeden Fall auch dabei gewesen 😀
Vielleicht noch mein Blofeld um etwas flexibler im Sound zu sein… und im kleinen Format zu bleiben.
Hi, gefällt mir.
„Warum tun wir uns das an, wenn ein Rechner mehr Spuren, Instrumente und Effekte bietet? Weil die direkte Arbeit mit Hardware Spaß macht und eine gewisse Begrenzung die Kreativität fördern kann. Statt vor dem ersten Takt lange nach der perfekten Kick zu suchen, arbeiten wir mit dem, was vor uns steht. Statt 40 Spuren können auch vier einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zudem lässt sich bereits mit wenigen Elementen eine Songstruktur aufbauen.“
Schöne Begründung und kann ich nachvollziehen. Für mich war das immer ein zu großer Aufwand.
Euer Jam Beispiel gefällt mir auch. Bitte weiter so und viel Spaß.
@DJ Ronny Ja das würde ich genauso unterschreiben. Weniger ist manchmal mehr.👍
Aber die perfekte Kick such trotzdem immer noch😜
@MPC-User beschreibe mal perfekte Kick.
Stichwort „Grenzen des Korg NTS-4“. Kann mir als blutigem Anfänger bitte mal jemand erklären, was es in der Praxis bedeutet, dass der an seinen Stereoeingängen keine Monosignale verträgt, wie es im Test hier vor ein paar Tagen hieß?
Wird ein Monosignal dort dann nicht verarbeitet und bleibt stumm? Oder wird es „nur“ nicht dupliziert und ist nur als 1 Kanal im Stereomix zu hören?
Und wie es ist es am Monoeingang: wird der Kanal dann wenigstens dort dupliziert und als Dual Mono weitergegeben?
Bitte klärt mich auf, ich wirklich null Ahnung 😀 Herzlichen Dank vorab!
@Raypunzel Kein Problem. Es gibt immer zwei Möglichkeiten, wie ein Stereoeingang funktionieren kann. Bei den meisten analogen Mischpulten wird ein am linken Eingang eines Stereokanals anliegendes Signal automatisch in der Stereomitte ausgegeben, wenn kein Signal am rechten Kanal anliegt, sprich dort kein Stecker eingesteckt ist. Das ist hier nicht so. Liegt nur ein Signal links oder rechts an, wird es auch nur links oder rechts im Stereopanorama ausgegeben. Du kannst also die Stereokanäle nicht einfach so als Monokanal nutzen. Dupliziert wird hier nichts.