Workshop: Harmonielehre Teil 1 Noten

8. August 2007

Workshop: Harmonie 1

Eigentlich ist Musikmachen ganz einfach. Man kann so ziemlich alles miteinander kombinieren und arrangieren. Es gibt immer nur eine Devise. Hinterher muss es eben gut klingen!
Oft funktioniert diese Methode. Aber was, wenn man dabei einmal in eine Sackgasse gerät?.
Wenn’s eben nicht funktioniert und irgendwie schräg oder seltsam unharmonisch klingt?
Dann wäre es doch schön, wenn man das bisher Gespielte analysieren könnte, um dann herauszufinden, was denn da nicht passt.
Genau dafür soll diese neue AMAZONA.de-Workshopreihe da sein, ein wenig (trockene) Harmonielehre und viele Praxisbeispiele, die das Gelesene verdeutlichen und den Umgang mit Noten und Harmonielehre etwas entkrampfen soll.
Dieser Kurs erhebt nicht den Anspruch die Harmonielehre komplett abzudecken, sondern soll lediglich helfen die Grundzüge zu verstehen.

Noten:
Was genau sind eigentlich Noten? Zunächst einmal sind Noten eine Sprache mit der wir Melodien und ganze Musikstücke beschreiben können. Jeder der Noten lesen kann, kann
dann unser Musikstück spielen.
Dazu wurde das sogenannte Notensystem definiert. Mit seiner Hilfe kann man sowohl Notenlänge, als auch Tonhöhe, Lautstärke sowie Spielweise vorgeben.

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– Standard Notensystem –

Oben sehen wir nun ein Standardnotensystem, bestehend aus fünf Linien. Einige Informationen sind schon in diesem leeren Notensystem enthalten. Zum Ersten der so genannte Violinschlüssel der uns sagt, das wir alle Noten so lesen, wie sie geschrieben werden und nicht etwa transponiert werden müssen, wie das z.B. beim Bassschlüssel der Fall ist.Nicht zuletzt wissen wir durch den Taktstrich in der Mitte, dass hier ein Takt endet und der neue Takt beginnt.

Als nächstes sehen wir die beiden Vierer, die übereinander stehen und deutlich machen, dass es sich hier um einen 4/4-Takt handelt und nicht etwa um einen Walzer im 3/4-Takt.

Um das Ganze nun zu füllen brauchen wir Noten und eine Möglichkeit den Noten eine bestimmte Dauer zuzuordnen. Hierzu gibt es Notensymbole für ganze Takte, halbe Takte, viertel Takte usw. Gleiches gibt es dann nochmals für Pausen. Jawohl, denn man muss ja auch deutlich machen können, an welcher Stelle nix klingen und Ruhe herrschen soll.

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– Notensystem mit Ganzer-, Halber-, Viertel-, Achtel- und Sechzehntelnote. –

Hier sehen wir nun die einzelnen Notenwerte. Die erste Note, eine ganze Note, beansprucht einen ganzen Takt für sich. Das heißt, sie dauert vier Schläge lang. Eine halbe eben nur halb so lang, nämlich 2 Schläge usw.
Die Noten werden immer mit einem Kreis gekennzeichnet. Eine ganze Note ist einfach ein leerer Kreis. Eine halbe Note ein leerer Kreis mit Strich. Die Viertelnote ein ausgefüllter Kreis mit Strich. Für jede weitere Halbierung des Notenwertes kommt dann noch jeweils ein kleiner Schweif hinzu.
Die liegenden Balken in Takt zwei und drei kennzeichnen zuerst eine ganze und dann einen halben Takt Pause. Die Symbole für Viertel- Achtel- und Sechzehntelpause sind ebenfalls dargestellt und füllen die Lücken zwischen den Noten jeweils so auf, dass eben keine Lücken entstehen und die Summe aus Noten und Pausen innerhalb eines Taktes stets aufgeht.

Weitere Noten(zwischen)werte kann man erreichen, indem man diese mit einem Punkt versieht. Dieser Punkt verlängert den Wert der Note um die Hälfte.

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– punktierte Halbnote und Viertelpause –

Man nennt das dann eine „punktierte“ Note. Im unserem Beispiel oben, verlängert der Punkt die halbe Note um die Hälfte, also auf drei Schläge. Folglich muss danach eine Viertelpause stehen, damit das Ganze in der Summe wieder vier Schläge gibt.

Tonhöhe:
Bisher haben wir uns lediglich mit dem zeitlichen Aspekt beschäftigt. Also der Frage, wie lange eine Note klingen soll. Viel wichtiger aber ist doch welcher Ton denn da erklingen soll?
Dazu dienen die fünf Linien des Notensystems. Jede Linie und jeder Zwischenraum ist für eine Tonhöhe reserviert und weißt eindeutig daraufhin um welchen Ton es sich handeln soll.

In unseren bisherigen Beispielen handelt es sich beispielsweise immer um den Ton C.

Beginnen wir deshalb zunächst mit der C-Dur-Tonreihe. Diese besteht aus folgenden Tönen: C, D, E, F, G, A, H und wieder C.

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– Die C-Dur- Tonleiter, C-D-E-F-G-A-H-C –

Beginnend beim C läuft die Tonleiter nach oben und die Töne klingen immer höher und enden schließlich wieder bei C, aber ein Oktave höher (dazu später mehr).
Klingen tut das ganze erstmal so.

C-Dur Tonleiter:
Allerdings gibt es in unserem westlichen Tonsystem insgesamt Zwölf Töne, wir hören aber hier lediglich 7. (Der letzte Ton entspricht ja dem ersten)
Das kommt daher, dass es neben den hier gezeigten Tönen noch fünf weitere gibt.

Eine Tonleiter kann man auch als eine Auswahl aus diesem Tonvorrat verstehen, der gut zusammen passt. Oder anders, man lässt alle diejenigen Tön weg, die nicht gut zu einem bestimmten Ton klingen.
Unser Beispiel oben besteht beispielsweise aus fünf Ganztonschritten und zwei Halbtonschritten. Sprich, zwischen die fünf Halbtonschritte würde jeweils noch ein Ton dazwischenpassen. Das würde dann so klingen.

Alle Töne:

Und so aussehen:

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– Alle Töne unseres Tonsystems –

Die Kreuze und kleinen b´s im Notensystem dienen dazu, die Lücken zwischen den Ganztönen zu füllen. Eine Note mit einem Kreuz davor wird um einen halben Ton erhöht, durch ein b wird die Note um einen halben Ton nach unten verschoben.
Wenn man alle Töne hintereinander spielt klingt es nicht mehr ganz so harmonisch wie zuvor. Das liegt daran das immer sieben Töne zusammen eine Tonart bilden und die übrigen fünf eben ausschließen.

Unser erstes Beispiel war die C-Dur Tonleiter. Wenn wir deren Noten mal anschauen, so werden wir feststellen, dass die Reihe aus einem ganz bestimmten Muster an Halb- und Ganztönen besteht. C-D und D-E sind Ganztonschritte, dann folgt mit E-F ein Halbtonschritt, F-G, G-A, A-H sind wieder Ganztonschritte und schließlich nochmals ein Halbtonschritt H-C.
Wenn wir nun eine andere Tonart wünschen, so müssen wir lediglich einen anderen Grundton wählen und dann die Reihenfolge von Ganz- und Halbtonschritten einhalten.
Eine D-Dur-Tonleiter würde dann wie folgt lauten:
D-E-Fis-G-A-H-Cis-D. Hier wurde das F zum Fis erhöht, damit zwischen dem dritten und vierten Ton ein Halbtonschritt liegt, außerdem das C zum Cis gemacht, damit wir zwischen 7. und 8, Stufe ebenfalls einen Halbton haben. Klingen tut das dann so.

D-Dur:
Man wählt also seinen Grund oder Start-Ton, geht immer die entsprechenden Ganz- bzw. Halbtonschritte aufwärts und erhält damit die gewünschte Tonart. Alle anderen Töne ignoriert man ganz einfach.
Bildet man aus diesen Tönen nun Melodien wird man feststellen, das es fast immer „richtig“ klingen wird. Man wird es kaum schaffen etwas „Schräges“ damit anzustellen.

Womit hängt das zusammen?
Töne kann man physikalisch ja einfach als Schwingungen verstehen. Wenn man etwa eine Saite anschlägt wird diese schwingen und einen bestimmten Ton erzeugen. Dabei gilt das einfache Prinzip, je schneller eine Saite oder ein Körper schwingt desto höher klingt der Ton, je langsamer, desto tiefer. Würde man die Frequenzen der Töne, die gemeinsam eine Tonleiter bilden analysieren, so würde man feststellen, dass sie stets proportional zueinander sind.
So hat etwa das 2te (höher gelegene) C in unserem C-Dur Beispiel die doppelte Frequenz, wie das tiefe C. Die fünfte Stufe (G) hat die anderthalbfache Frequenz, wie das erste C.
Es handelt sich also offenbar um eine Kombination von Tönen, die auch mathematisch „sinnvoll“ sind.
Das ist hier jetzt natürlich sehr vereinfacht dargestellt, aber es kann hilfreich sein, sich musikalische Zusammenhänge einmal bildlich oder mathematisch vorzustellen. Die Materie verliert dadurch von ihrem Schrecken und wird entmystifiziert.
Wie gesagt das Notensystem ist lediglich eine Sprache auf die man sich geeinigt hat, um Musik zu notieren. Und diese Sprache kann man auch wunderbar mathematisch, bzw. physikalisch begründen.

Dur und Moll:
Eine weitere Unterscheidung ist die zwischen Dur und Moll. Und hier endet dann die Fähigkeit der Naturwissenschaften Musik zu erklären.
Warum Moll traurig klingt und Dur fröhlich, wird wohl nie ganz geklärt werden können.
Rein technisch gesehen, befinden sich bei einer Molltonleiter lediglich die Halb und Ganztonschritte an anderer Stelle.
Zunächst noch einmal die C-Dur-Tonleiter und direkt danach eine C-Moll-Tonleiter.

C-Dur/C-Moll:
Wie man hört ein deutlicher Unterschied. Während die Dur-Leiter offen und frei klingt, ist die Moll-Variante bedrückter und trauriger. Hier liegen die Halbtöne übrigens zwischen 3. und 4. sowie zwischen 5. und 6. Stufe.

Man sieht also, die Zusammenhänge in der Harmonielehre folgen durchaus nachvollziehbaren Regeln und Strukturen.
Macht man sich diese Zusammenhänge deutlich, fällt es einem leichter sich mit Musik auseinandersetzen oder etwa mit seinen Mitmusikern zu kommunizieren.

In dieser und den folgenden Workshops sollen ein paar ganz grundsätzliche Kenntnisse dazu vermittelt werden. Welche das sein werden? Nun, das hängt unter anderem auch von Ihnen ab. Was interessiert die AMAZONA Leser? Lassen Sie es mich wissen, ich werde dann versuchen darauf einzugehen.

In der nächsten Folge werden wir uns aber erstmal mit Intervallen, also Sprüngen von einem zum anderen Ton auseinandersetzen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    renster

    Hallo,

    super Artikel. Ich "spiele" schon lange klavier, tat dies aber bisher eher nur intuitiv. Euer Artikel lässt mich aufatmen, etwas mehr Grundlagen zu sammeln. Bitte mehr davon zum Beispiel: Welche Akkorde passen zusammen? Wie schafft man unterschiedliche Stimmungen (ausser mit DUR und MOLL).

    Danke und Grüße

    renster

  2. Avatar
    dieter198

    Sehr schöner Artikel! Beim Lesen des Beitrags stellt sich mir folgende Frage:
    Warum gibt es eigentlich zwischen H/C und E/F eigentlich keinen Halbton?

    • Avatar
      Time

      Späte Antwort:

      Es handelt sich dabei um Halbtonschritte.

  3. Avatar
    PiLo

    Ganz großes Dankeschön an den/die Verfasser!!! Endlich habe ich es begriffen :-) Der Artikel ist gut aufgebaut und recht einfach nachvollziehbar! Die Klangbeispiele sind nur leider nicht hinterlegt, aber es geht auch so.

    Grüße an alle Amazonianer!

  4. Avatar
    sabi

    hey, der artikel is echt gut, aber ich habe immer noch nix verstanden =( früher konnte ich es mal, hat mich aber nicht so wirklich interessiert, jetzt will es ich verstehen, aber bekomm es nit in mein hirn^^ naja muss es mir vllt. öfters durchlesen..\r\nmachts gut \r\n

  5. Avatar
    jagenau

    Gut aufgebaut, leicht verständlich, sehr interessant!!!
    Danke Euch, habe mir nun zwei, drei Fragen beantworten können.

  6. Avatar
    hmm

    Schoener Artikel, allerdings liegen die Moll Halbtonschritte bei Stufe 2/3 und 5/6 und nicht wie angegeben bei 3/4 und 5/6

  7. Avatar
    camaron

    ich finde es toll das du dir soviel mühe machst, anderen menschen toll und verständlich dein wissen mitzuteilen!! es spielt keine rolle ob du nen schreibfehler mit dem moll- halbtonschritt machtest! ich bin nun etwas älter, aber ich möchte die sprache der musik jetzt verstehen! klasse beitrag!! :-)))
    weiter so,
    klaus

  8. Profilbild
    MANE

    …und nein, bei Moll liegt der Halbtonschritt nicht zwischen 3. und 4.Stufe, wie hier beschrieben, sondern zwischen der 2. und 3. Dies hat schon jemand angemerkt und es wurde nicht verändert. Das schwächt den gut gedachten Kurs ab.

    • Profilbild
      Quaesitio  

      Man könnte es noch auf die Spitze treiben und sagen, dass hier lediglich das natürliche Moll betrachtet wurde; denn genau genommen gibt es ja auch noch harmonisches (2/3, 5/6 und 7/8) und melodisches Moll (2/3 und 7/8) sowie das sogenannte Zigeunermoll (2/3, 4/5, 5/6 und 7/8).

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