Workshop: Harmonielehre Teil 2 Intervalle

7. August 2006

Workshop Harmonie 2

Nachdem wir uns in der letzten Folge der AMAZONA.de-Workshopreihe mit den Grundlagen unseres Notensystems vertraut gemacht haben, kommen wir in dieser Folge zu den Verhältnissen der einzelnen Tönen untereinander. Einen solchen Zusammenhang zwischen zwei Tönen nennt man Intervall. Ein Intervall kann aus zwei gleichzeitig gespielten Tönen oder aber aus zwei aufeinander folgenden Tönen bestehen. Man unterscheidet zwischen „reinen“ Intervallen die zusätzlich als verminderte bzw. übermäßigte Varianten existieren und den Restlichen, die es in „groß“ und „klein“ gibt.

Zunächst einmal die reinen Intervallen.
Reine Intervalle sind Prim, Quarte, Quinte und Oktave. Was bedeutet das nun?
Schauen wir uns zunächst noch einmal unsere C-Dur Tonleiter aus der letzten Folge an.
Diese bestand ja aus den Tönen C-D-E-F-G-A-H-C.

- noch einmal die C-Dur Tonleiter -

– noch einmal die C-Dur Tonleiter –

Wenn wir diesen acht Tönen nun die Ziffern 1 bis 8 zuweisen können wir uns auch recht schnell die Intervalle erklären. Die Intervallnamen kommen aus dem lateinischen und bedeuten einfach die Anzahl der Töne die ein Intervall bezeichnen.

- die reinen Intervalle -

– die reinen Intervalle –

Wie wir sehen, besteht das erste Intervall (die Prim) lediglich aus dem ersten Ton unserer C-Dur Tomleiter Ton, nämlich dem Grundton. Das zweite Intervall besteht aus dem C und dem F, also erstem und viertem Ton der Leiter daher Quarte, das dritte Intervall besteht aus Grundton ( C ) und dem fünften Ton ( G ) und wird daher als Quinte bezeichnet. Das letzte Intervall in unserem ersten Beispiel ist die Oktave, bestehend aus C und nochmals C aber eine Oktave höher.

Klingen tut das so:

Hörbeispiel: reine Intervalle

Wir hören zunächst die Prim, die ja eigentlich nur ein einzelner Ton ist, anschließend dann Quarte, Quinte und Oktave.Verminderte und übermäßigte Intervalle:Erhöht man eine dieser Intervalle um einen Halbton, bzw. verringert man sie um einen solchen durch ein # bzw. ein b (Siehe letzte Folge), so sprich man von übermäßigten bzw. verminderten Intervallen.Hier wird’s dann auch kurz verwirrend. Bisher haben wir die Intervalle anhand ihrer Position in der Tonleiter bestimmt (erste bis achte Stufe). Nun aber werden wir die Intervalle aber in Halbtonschritten zählen.Als Beispiel die Quarte: Die Quarte besteh in C-Dur aus den Tönen C (erste Stufe der Tonleiter) und F (vierte Stufe). Eine reine Quarte besteht somit aus fünf Halbtönen: C-C#-D-D#-E-F. ( Die erste Stufe wird nicht mit mitgezählt.)Eine verminderte Quarte würde demzufolge aus vier, eine übermäßigte aus sechs Halbtönen bestehen. Gleiches gilt für Prim (0 Halbtöne), Quinte (7 Halbtöne) und Oktave (12 Halbtöne), die eben auch entsprechend übermäßigt bzw. vermindert werden können.Große und kleine Intervalle:Einige Intervalle fehlen nun noch und werden hiermit nachgereicht. Es sind dies Sekunde, Terz, Sexte uns Septime für die Stufen zwei, drei, sechs und sieben. Diese Intervalle gibt es als „große“ und „kleine“ Ausführung.

Im Einzelnen gibt es also:
kleine Sekunde (C- Db) 1 Halbtöne
große Sekunde (C-D) 2 Halbtöne
kleine Terz (C-Eb) 3 Halbtöne
große Terz (C-E) 4 Halbtöne
kleine Sexte (C-Ab) 8 Halbtöne
große Sexte (C-A) 9 Halbtöne
kleine Septime (C- B) 10 Halbtöne
große Septime (C-H) 11 Halbtöne

Das sieht dann so aus..

- große und kleine Intervalle -

– große und kleine Intervalle –

…und klingt so.

Hörbeispiel: große und kleine Intervalle:

Tritonus:

Eine Besonderheit stellt der Tritonus dar. Er ist das Intervall, dass die Tonleiter in zwei gleich große Hälften teilt uns besteht somit aus sechs Halbtönen. Man kann Ihn sich sowohl als übermäßigte Quarte (C-F#), wie auch als verminderte Quinte (C-Gb) vorstellen.

Und nun?

Wenn man sich Intervalle anhört, so hat jeder seinen eigenen bestimmten Charakter. Eine kleine Terz wird bedrückter klingen als z.B. eine große Terz.
Man sollte sich also durchaus einmal mit den Intervallen beschäftigen und versuchen ein Gefühl für Sie zu bekommen.
Dazu spielt man entweder die einzelnen Töne um sie sich einzuprägen.
Besser noch man analysiert andere Musikstücke um zu schauen in welcher Situation was für Intervalle verwendet wurden und was man damit erreichen kann.
Damit kann man dann arbeiten um z.B. bestimmte Stimmungen musikalisch auszudrücken. Soll etwas fröhlich klingen, wird man eher mit reinen Intervallen arbeiten, traurig wird es Beispielsweise mit kleinen Terzen, und Spannung erzeugen vor allem Septimen.
Warum das so ist, lässt sich auch wieder physikalisch belegen. Grundton und Septime haben z.B. Schwingungen, die sich aneinander „reiben“ und keine ganzzahligen Vielfachen voneinander sind.
Man wartet bei einer Septime stets darauf, dass sie sich „auflöst“, d.h. zu einer Oktave wird.

Hörbeispiel: Septime

Man hört zuerst eine Septime, die sich dann in eine Oktave verschiebt. Somit wird aus dem spannungs-geladenen Intervall Septime, das ruhende, harmonische Intervall.

In der nächsten Folge werden wir dann aus diesen Einzel-Intervallen Akkorde bilden. Denn im Grunde sind Akkorde nichts anderes als Intervallschichtungen.

Klangbeispiele
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    AMAZONA Archiv

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    AMAZONA Archiv

    ich hab da ne frage was mir hier nicht so klar wurde, wenn bei einer note z.b. D ein b vorzeichen ist dann wird es doch des, aber wenn ein H ist und davor ein b vorzeichen dann wird es nicht hes sondern es wird ganz einfach ein b!!!wieso???

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      saxysm

      Das ist einfach historisch so im Deutschen. Englisch ist logischer, dort heisst es allerdings B statt H und BB statt B. Alle erniedrigten Töne kriegen ein B, also E(b), D(b), G(b) etc. Ausgesprochen: E-flat, D-Flat, G-Flat etc. Kreuze heissen dann sharp:
      G# – G-sharp, A# – A-sharp, etc.

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    AMAZONA Archiv

    Also, es tut mir leid, aber ich versteh´so manches daran nicht. Wie kann ein Intervall nur aus einem Ton bestehen? Geht doch nicht! Zitat: „Wie wir sehen, besteht das erste Intervall, die Prim, nur aus einem einzigen Ton, dem ersten Ton unserer c-Dur- Tonleiter, dem c.“ Kann das jemand erklären?

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      saxysm

      Prim besteht aus ZWEI gleichen Tönen. Wenn also zwei Instrumente den gleichen Ton spielen (unisono) ist das eine Prim.

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      AMAZONA Archiv

      Was der Autor vergessen hatte:
      Intervalle bezeichnen 2 Töne, die zusammen oder nacheinander erklingen. Man kann also auch eine Melodie mittels Intervallbezeichnungen beschreiben. In diesem Sinn ist die Prime ein logischer Intervallschritt.

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    AMAZONA Archiv

    Generelle Kritik:
    Die Charakterisierung mit „lustig“ und „traurig“ ist nichts weiter als Unfug (oder Halbwissen). Nehmen wir z.B. das erste Intervall eines d-moll Dreiklangs „d – f“, so handelt es sich um eine kleine Terz, also nach obiger Auslegung traurig. Nun ist „d – f“ in B-Dur aber das 2. Intervall des Durdreiklangs, also „lustig“? Man muss zuerst das Tonmaterial des Intervallumfelds berücksichtigen, bevor man derartige Prädikate vergibt (was man in der Musiktheorie allerdings vermeiden sollte, denn es handelt sich dabei um subjektive, emotionale Eindrücke, die in einer objektiven Theorie nichts zu suchen haben).

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