Workshop: Harmonielehre Teil 5 Moll Tonleitern

5. Februar 2007

Harmonielehre 5

In dieser Folge unseres kleinen Harmonielehre-Workshops wollen wir uns einmal mit Tonleitern beschäftigen. Denn schließlich möchten wir zu unseren Akkorden auch Melodien bilden! Einige der gebräuchlichsten Tonleitern zum Improvisieren und Bilden von Melodien werden wir uns daher einmal genauer anschauen.

Natürlich Moll:
Als natürlich Moll bezeichnet man eine Tonleiter, die aus den gleichen Tönen wie ihre parallele Dur-Tonart besteht. Sie wird gebildet, indem man von der VI. Stufe der Dur-Tonleiter ausgehend alle Töne benutzt, die auch in der Dur Tonart vorkommen. Im Falle von C-Dur wäre die passende natürliche Moll-Tonleiter „A-Moll“ und würde aus den Tönen: A– H – C- D- E- F-G-A bestehen.

Natürlich Moll

Natürlich Moll

Das heißt, wir würden in dem Fall die Melodie aus den gleichen Tönen bilden, die auch die Akkorde bilden. Das macht durchaus Sinn und wie erwartet klingen solche Melodien auch harmonisch und angenehm. Sie hat aber einen entscheidenden Nachteil. Es gibt anders als in der Dur-Tonleiter keinen Leitton auf der VII. Stufe, der Spannung erzeugt und nach Auflösung strebt. In C-Dur übernimmt der Ton H diese Funktion. Er liegt nur einen Halbton vom C entfernt und man wartet förmlich darauf, dass sich die Melodie dorthin bewegt. Dadurch, dass diese Funktion bei „natürlich Moll“ fehlt, klingt alles ruhig und ausgeglichen, man könnte auch sagen langweilig und etwas fade.

Harmonisch Moll:

Harmonisch Moll

Harmonisch Moll

Im Gegensatz zu natürlich Moll wird bei harmonisch Moll der Ton auf der VII. Stufe künstlich um einen Halbton erhöht, um so einen Leitton zu schaffen. Das heißt, aus dem G wird in unserem Beispiel ein G#. Dadurch entsteht ein Leitton, der eben zum Grundton A hinleitet und auflöst. Aufgrund dieser „erlösenden“ Funktion auch die Bezeichnung harmonisch Moll. Probiert auch diese Tonleiter über euren Kadenzen aus. Ihr werdet feststellen, dass sich damit vor allem orientalisch klingende Melodien bilden lassen. Das wiederum ist hauptsächlich der kleinen Terz zwischen VI. und VII. Stufe zuzuschreiben (streng genommen ist es eigentlich eine übermäßigte Sekunde!) Das heißt, durch den Austausch von nur einem einzigen Ton haben wir eine komplett neue Klangfarbe und können, bewusst eingesetzt, einem Stück einen ganz neuen Touch verleihen.

Melodisch Moll:

Melodisch Moll

Melodisch Moll

Zugegeben „harmonisch Moll“ klingt für unsere abendländischen Ohren etwas seltsam und so gar nicht „harmonisch“. Das kommt wie gesagt hauptsächlich von dem ungewohnten Intervall zwischen VI. und VII. Stufe. Im Alltag wird man diese Skala daher wahrscheinlich nicht allzu oft einsetzen. Um diesem ungewohnten Klang entgegenzuwirken, erhöht man zusätzlich noch die VI. Stufe und erhält „melodisch Moll“. Auf unser Beispiel A-Moll bezogen, sind wir damit inzwischen bei folgender Tonfolge angelangt: A-H-C-D-E-F#-G#-A. Schaut man sich diese Töne genauer an, wird man feststellen, dass diese Tonleiter sich lediglich durch die kleine Terz (C statt C#) von einer A-Dur Tonleiter unterscheidet. Melodisch Moll entspricht also einer Dur-Tonleiter, bei der lediglich die Terz geändert wurde, um das Tongeschlecht festzulegen.

Pentatonik:

Pentatonik

Pentatonik

Alles was wir bisher in diesem Workshop kennen gelernt haben, entstammt mehr oder weniger der klassischen Harmonielehre. Im Pop-Rock Bereich haben wir es dagegen meistens mit einer ganz anderen Tonleiter zu tun.
Die Pentatonik besteht, wie der Name schon vermuten lässt, aus lediglich fünf Tönen.
Ausgehend von einer Durleiter werden alle Töne außer der IV. und VII. Stufe verwendet. Eine Pentatonik in C-Dur bzw. A-Moll würde demnach aus folgenden Tönen bestehen: C-D-E-G-A-C.
Als Ergänzung wird oft noch die so genannte „Blue Note“ (kleine Terz) hinzugefügt. Damit haben wir dann die amtliche Skala für Blues, Rock und Pop.
Diese Tonleiter klingt sehr charakteristisch, je nachdem über welchen Akkorden sie angewandt wird.
Steht der Song in A-Moll (z.B. mit den Akkorden Am-F-G-Am), so wird die A-Moll Pentatonik dazu mit ziemlicher Sicherheit nach Rockmusik klingen.
Spielt man aber die gleiche Tonleiter über A bzw. A7, so sind wir sofort mitten in einem Blues gelandet. Mit dieser Skala ist man immer auf der sicheren Seite, wenn’s rockig oder gar bluesig klingen soll. Vor allem die kleine Terz (Blue Note) trägt hierzu maßgeblich bei.

Praxis:
Jetzt kommt es natürlich wie immer darauf an, das Gelernte anzuwenden und umzusetzen. Am besten analysiert man dazu zunächst seine Songs, um die Tonart zu bestimmen. (Siehe auch Folge 4: Kadenzen), dann wählt man eine passende Tonleiter dazu und legt los. Je nach Stilrichtung und gewünschtem Ergebnis können ganz unterschiedliche Tonleitern die richtige Lösung sein. Hier gibt’s auch nicht wirklich verbindliche Regeln, erlaubt ist was gefällt. Man kann natürlich auch kombinieren und z.B. die Pentatonik um Töne aus der natürlichen Tonleiter ergänzen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, Hauptsache das Publikum läuft nicht weg. Will heißen, nicht übertreiben mit allzu gewagten Experimenten…

Klangbeispiele
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    AMAZONA Archiv

    Hallo,
    wirklich , sehr gut geschrieben dieser Artikel, werde demnächst öfter vorbeischauen.
    Danke

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo

    habe mir eben die workshops durchgelesen angehört mitgemacht…
    meine frage …wieso gibt es leute die alles mit wenigen worten so gut und genau erklären können ;o) andere brauchen jahre dafür …
    vielen dank an den autor des workshops

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    AMAZONA Archiv

    "Melodisch Moll entspricht also einer Dur-Tonleiter, bei der lediglich die Terz geändert wurde, um das Tongeschlecht festzulegen."
    = ehrlich gesagt, fachlicher Quatsch.
    Schon mal was von Tetrachorden gehört?
    Die Melodische Molltonleiter besteht aus einem Molltetrachord und einem Durtetrachord, wäre korrekt.
    Harm. Moll wird sehr wohl häufig eingesetzt, abges. von der Klassik und vielen europ. Volksm. höre man auch gerne z.B. bei Santana (z.B. Smooth, o.a. Corazon Espinado)
    Die versch. Molltonleitern werden oft auch gemischt verwendet, d.h. z.B. aufw. mit den Erhöhungen gespielt und abw. ohne.
    Bei den Pentatoniken untersch. man auch klar zw. Dur und Moll-das ist hier auch leicht oberflächlich und verwechselbar dargestellt, die A-Moll Penta hat zwar die gleichen Töne wie die C-Dur Penta, aber es ergeben sich zu A eben andere Intervalle (hier auch die 4 und 7 dadurch vorhanden) als zu C und das macht auch den Charakter aus.

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    AMAZONA Archiv

    Sind die Korrekturen mittlerweile in die Workshops mit eingeflossen? Oder sind die Fehler (?) immer noch drin? Bin grad fleissig am Kopieren und wills ausdrucken. Aber wenn Fehler drin sind, wärs ja nicht sinnvoll.
    Trotzdem schon mal Danke für die Mühe und leicht zu verstehende Sprache usw.

    Markus

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