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Workshop: Kompressoren T1


Kompressoren T1

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Einleitung
Wer kennt das nicht, da klingt doch z.B. das Schlagzeug nach dem Abmischen klar und differenziert, aber irgendwie zu brav. Selbst der dezente Einsatz von Effekten bringt nicht das gewünschte Ergebnis. Man möchte, dass das Schlagzeug druckvoller klingt und mehr in die Magengrube schlägt. Druck – Komprimierung? Klar – Abhilfe schafft hier ein Kompressor. Diese Weisheit dürfte für alle keine neue Einsicht sein; jedoch wie oft hört man das zwar ein Kompressor eingesetzt wurde, das aber leider total daneben ging? Ich rede hier vom gefürchteten ‚Pumpen‘ der Musik. D.h. sobald ein lautes Instrument aufspielt und gleichzeitig mit z.B. dem Schlagzeug spielt, drückt dieses Instrument (mit Vorliebe handelt es sich dabei um einen Basssound) das Schlagzeug im Gesamtmix nach unten. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein! Der größte Irrtum bei der Benutzung von Kompressoren scheint zu sein, diese immer in der Summe des Mainmix einsetzen zu wollen. Das ist natürlich nicht immer verkehrt, wie wir später noch sehen werden, scheitert jedoch zumeist an mangelnder Kenntnis der Funktionsweise eines Kompressors.

 

 

 

Die Funktionsweise eines Kompressors
Bevor Tips und Tricks rund ums Komprimieren fruchten können, zunächst ein kurzer Ausflug in die Theorie dieser Dynamik Prozessoren. Das ist auch gleich das erste Stichwort. Kompressoren beeinflussen die Dynamik eines Audiosignals. D.h., wenn Equalizer den Frequenzgang manipulieren, so manipulieren Kompressoren die Amplituden (oder Pegel) des Signals. Bei den Equalizern sind diese Parameter (Siehe Folge 1): Frequenz [Hz], Gain [dB] und Bandbreite [Okt/Hz]. Bei Kompressoren sind das (mindestens) die Parameter: Threshold [dB], Ratio [a/b], Attack [ms] Release [ms] und Gain [dB]. Wie man sieht, kommt hier eine neue Dimension der Kontrolle ins Spiel: die Zeit. Equalizer arbeiten im Gegensatz zu Kompressoren zeitunabhängig. Was genau leisten Kompressoren also? Man kann einem Eingangspegel in dB (wird im Kompressor gemessen) einen bestimmten Ausgangspegel zuweisen, und festlegen, wie schnell diese Zuweisung einsetzt, und auch wie lange sie ausklingt. Abb.1 verdeutlicht das. Die Parameter heben dabei folgende Funktionen: Threshold (engl.: Türschwelle) gibt an, bei welchem Pegel der Kompressor anfängt in das Signal einzugreifen. Ratio wird in einer Verhältniszahl angegeben, und sagt aus, mit welchem Verhältnis ab der Threshold Schwelle, der Eingangspegel dem Ausgangspegel zugeordnet wird. Bei einem Kompressionsverhältnis von 1:1 liegt keine Kompression des Signals vor. Die stärkste Kompression erreicht man bei einem Verhältnis von oo:1 (unendlich zu eins), was einem Limiter entspricht. Attack gibt an, wie lange die Verzögerung zwischen dem erkennen des erreichten Threshold Pegels und Anwendung der eingestellten Kompressions Ratio ist. Release entspricht dann der Zeit in der die Ratio noch angewandt wird nachdem der Threshold Pegel wieder unterschritten wurde. Mit dem Gain Regler schließlich, kann man das komprimierte Signal nach der Bearbeitung wieder anheben.

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Deswegen pumpt es
Jetzt kann man verstehen, wie es dazu kommt, dass die Musik ‚pumpt‘, wenn der Kompressor in der Summe eingesetzt wird, und ein Basssound einsetzt. Wenn die Pegelspitzen des Signals ohne Basssound gerade eben die Threshold Schwelle erreichen findet nur eine minimale Kompression statt. Ist dann zusätzlich noch eine hohe Ratio (über 10:1) eingestellt, und setzt dann ein Basssound ein, dessen Pegel über der Threshold Schwelle liegt, wird das ganze Signal gedrückt. Setzt der Basssound wieder aus, wird das Signal wieder angehoben – die Musik ‚pumpt‘.

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Wie es richtig geht
Aber wir wollen uns natürlich nicht ausschließlich damit beschäftigen, wie man Kompressoren nicht einsetzt. Wie gesagt ist die Kompression des Summensignals nicht grundsätzlich falsch. Generell sollte jedoch hier die Bemerkung erlaubt sein: wenn der Mainmix schon nach nichts klingt, bringt auch eine angemessene Kompression nichts mehr. Genau das war auch im Beispiel des Pumpens der Fall – hier war der Basssound einfach zu laut im Verhältnis zum restlichen Signal. Die Summenkompression ist daher für nur für den letzten Schliff zuständig, und kann an dieser Stelle keine Wunder mehr bewirken. Hat man also einen passablen Gesamtmix anliegen, kann man die Ausnutzung der Dynamik jedoch noch entscheidend verbessern. Heutzutage wird in jedem noch so kleinen Projektstudio das Endergebnis eines Mixdowns auf ein digitales Medium aufgenommen, sei es DAT, CD-ROM oder die Festplatte des Rechners. Das Problem dabei ist, das kleine Pegelspitzen im Summensignal über die magische (digitale) 0 dB Grenze springen können, und so sehr unschöne digitale Verzerrungen entstehen. Man kann den Aufnahmepegel des Aufnahmegerätes senken, wodurch aber auch natürlich das ganze Signal leiser aufgenommen wird. Man kann aber auch mit dem Kompressor, der im Main Insert eingeschliffen ist, diese Pegelspitzen ‚aufspüren‘ lassen, und eliminieren. Das geht so: Zunächst einmal sollte klar sein, an welchen Stellen die Pegelspitzen auftreten. Das ist sehr leicht herauszufinden, arbeitet man mit einem MIDI Setup und Sequenzer Spuren. Komplizierter wird das bei der Aufnahme von Live-Musikern. Diese sollte man bitten, einen Testlauf zu machen, um so eine Vorstellung von den kritischen Stellen und in Frage kommenden Instrumenten zu bekommen. In diesem Falle der Aufnahme von Live-Musik ist es jedoch sinnvoller mit einem Mehrspur Rekorder zu arbeiten, und erst beim Überspielen des Signals auf das Aufnahmemedium die Summenkompression anzuwenden. Hat man die entsprechenden Stellen entdeckt, tastet man sich langsam an sie richtige Einstellung heran. Es ist empfehlenswert, den Sequenzer im Loop-Modus zu betreiben, so kann man am besten die Pegelspitzen ausbügeln. Also, Kompressor-Einstellungen auf neutral – Threshold: 0 dB, Ratio 1:1, Gain 0 dB. Attack und Release auf die kleinste Zeit einstellen (diese ist von Kompressor zu Kompressor verschieden, und ist eines der wesentlichen Qualitätsmerkmale von Kompressoren; je kleiner desto besser, kann man als Faustregel nennen).

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Das Signal verlässt also genau so den Kompressor, wie es hineinging. Man sieht sich nun genau den Aufnahmepegel an, am besten am Aufnahmegerät selber. Wahlweise kann man auch den Summenpegel des Mischpultes zu Rate ziehen. Dabei geht allerdings die Referenz zum digitalen Pegelmaximum von 0 dB verloren. Man beobachtet den Pegelunterschied zwischen dem durchschnittlichen Summensignal und den auftretenden Pegelspitzen. Diesen Wert stellt man dann am Kompressor als Threshold Pegel ein (Bei einem Unterschied von 3dB stellt man dann einen Threshold von -3dB ein). Die hier angegebenen numerische Werte beziehen sich allerdings auf ein System, dass an die digitale Aufnahmeumgebung angepasst ist, sprich an 0dB Maximalpegel. Welche Einstellung also für die eigene Anlage gilt, muss jeder für sich herausfinden. Hören oder sehen kann man jetzt noch keine Veränderung. Dies geschieht erst wenn man den Kompressions Faktor, die Ratio einstellt. Um solche Pegelspitzen, die als ‚Ausreißer‘ bezeichnet werden können ist eine Ratio von über 10:1 empfehlenswert. ‚Da passiert ja immer noch nichts‘ mag jetzt manch einer sagen. Das hat folgenden Grund: Der Release ist zu niedrig eingestellt, d.h. die Kompression greift nicht lange genug, um die Pegelspitzen völlig zu eliminieren. Dreht man den Release Wert nun langsam hoch, verschwinden die Pegelspitzen.

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Das Ergebnis der Bem ml;hungen
Die Frucht der Arbeit: Man kann den gesamtem Mix jetzt (in unserem Beispiel) 3 dB höher aussteuern. Ob die Aussteuerung am Aufnahmegerät geschieht, oder am Gain Regler des Kompressors (der übrigens genau diesem Zweck dient, dazu mehr im zweiten Teil über Kompressoren) ist nicht von Belang. Dieser Einsatz eines Kompressors, der hier beschrieben wurde, bezeichnet man auch als ‚Limiter‘. Man kann sich den gewonnen Lautstärkeunterschied im Soundbeispiel ‚example 1‘ und ‚example 1 limit@ -3dB gain +3dB‘ anhören. Bei dem Beispiel ‚example 1‘ wurde das Schlagzeug im Verhältnis zu den anderen Instrumenten zu laut aufgenommen, und so Dynamik verschwendet. Die Kompression wurde mit einem einfachen digitalen Kompressor durchgeführt, wie er in vielen Soundbearbeitungsprogrammen zu finden ist. Ein analoger Kompressor, wie er im Live Einsatz verwendet wird, arbeitet aber natürlich nach dem gleichen Prinzip.

Beim nächsten mal
Im nächsten Teil des Recording Workshops werden die Anwendung von Kompressoren für einzelne Instrumente im Mix erläutert. Zudem kann man mit Kompressoren auch noch einige Spezialeffekte erzielen, die man nicht so unbedingt erwarten würde.

Klangbeispiele

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    joe

    In dem Artikel ist ganz am Anfang eine kleine Ungereimtheit: ein Kompressor beeinflusst die Amplituden eines Musiksignals. Das tut ein Equalizer auch. Nur greift der Kompressor auf das Gesamtfrequenzband zu, der Equalizer nur auf einen Teil des Bandes. Und dadurch verändert der EQ den Klang (das Klangbild) des Signals. Der Kompressor verändert nur die Dynamik auf einer Zeitachse, indem er die Pegel zeitlich aufeinanderfolgender Signale verändert. Alles klingt dadurch nur lauter. Klangbild bleibt unverändert. – Aber beide Geräte verändern nur die Amplitude eines Signals. Da sind sie gleich. Die Wirkung ist natürlich anders.

    Wollte ich nur anmerken, damit aus der Tontechnik die ewige Magie des Mysteriösen rausgeht.

    JOe

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