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Workshop: Kompressoren T2


Kompressoren T2

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Der Kompression zweiter Teil

Nachdem im letzten Workshop der am häufigsten begangene Fehler beim Einsatz von Kompressoren unter die Lupe genommen wurde, beschäftigt sich dieser Teil mit der Anwendung der Kompressoren auf Einzelspuren und als Effektgerät (ja, auch Kompressoren können FXen).
Stellen wir uns vor, wir hätten einen Livemitschnitt mit einem Mehrspursystem aufgenommen. Es sind also verschiedene Instrumente auf mehrere Spuren verteilt. Wir haben weiterhin diese Spuren Equalized (der Fachmann sagt: Entzerrt), siehe Workshop 1, und in etwa die Lautstärkeverhältnisse der verschiedenen Instrumente angepasst. Tja – das klingt sehr ausgeglichen und offen, es fehlt aber irgendwie der richtige Druck oder ‘Punch’. Das man das nicht unbedingt mit einer Summenkompression erreichen kann, haben wir gesehen (Workshop 4). In der Summe sind Kompressoren nur noch dazu da, einem Mix den letzten Schliff zu geben, und nicht um drastische Veränderungen des Dynamikbildes zu erreichen. Statt dessen bearbeitet man die Instrumente jeweils einzeln mit dem Kompressor.

Die Königsdisziplin
Die Königsdisziplin einer jeden Kompression ist die Rhythmusgruppe, also Drumset, (E)-Bass und Percussion. Es ist ratsam hier zu beginnen, weil der Lautstärkeeindruck der anderen Instrumente stark von den Rhythmusgruppe abhängt. Es könnte sonst passieren, dass man z.B. die Gitarre, die Keyboards o.ä. zuerst bearbeitet und dann, nach Kompression des Schlagwerks, plötzlich gar nichts mehr an den Dynamikverhältnissen stimmt.
Nun sind die Arten, wie man ein Schlagzeug komprimieren kann so vielfältig wie die Geschmäcker. Manche mögen es gerne kraftvoll im Anschlag und wuchtig im Ausklang (z.B. Rock-Schlagzeug), andere wiederum brauchen einen knackigen und frischen Sound (z.B. R&B Schlagzeug). In unserem Beispiel wollen wir uns dem zweiten Idealbild nähern, dabei jedoch noch genug Natürlichkeit beibehalten (im R&B werden ja auch häufig Sample Drums verwendet). Im Soundbeispiel hören wir einen Ausschnitt aus einer Live-Aufnahme.

Das Schlagzeug und Percussion bilden zusammen mit dem Ebass bekanntlich das rhythmische Grundgerüst eines Liedes (gilt natürlich Hauptsächlich für Populär-Musik). In dieser Gruppe findet man die gewaltigsten Pegelunterschiede, und sie sollte auch deshalb vorrangig bearbeitet werden. Mit der Kompression wollen wir erreichen, das die Dynamik der Rhythmusgruppe eingeengt wird. Das macht den Sound erstens ‘Fetter’ (will meinen: der Lautstärkeeindruck steigt), und zweitens ist so dynamische Staffelung im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten besser möglich.

Jetzt aber zur Sache!
Das Schlagzeug wurde mit (nur) 4 Mikrofonen abgenommen. 2 Overhead-Mikrofone, ein Snare-Mikrofon und einem Bassdrum-Mikrofon. Zur Auswahl der Art- und Positionierung der Mikrofone wird es einen eigenen Workshopteil geben. Die Signale gehen also auf eine Stereospur (2 Overheads) und jeweils 2 Monospuren (Snare, Bassdrum). Damit hat man beim Mixdown ausreichend Kontrolle über den Schlagzeugklang. Die Percussions wurden auf einem Monokanal (besser Stereo), der E-Bass ebenfalls auf eine Monospur aufgenommen. Gemäß der Vorgabe wollen wir dem Drumset einen frischen, offenen Sound geben, und knackig soll es klingen.
Für den ‘Knack’ sind die Snare- und die Bassdrum verantwortlich. Diese werden also durch einen Kompressor geschleift. Kompressoren werden immer in einem Insert benutzt, sei es Track- oder Subgruppen Insert. Niemals jedoch in Auxwegen (siehe Workshop 2). Idealerweise hat man den Kompressor in eine Subgruppe eingeschleift. So kann man den Kompressorweg für mehrere Instrumente nutzen. Wie ein Kompressor grundsätzlich arbeitet wurde bereits im Workshop 4 beschrieben, hier geht es um die Anwendung.
Die Snare soll also ‘knackig’ klingen. Erreicht wird dieses durch eine Kompression, die erst eingreift, wenn der erste Anschlag der Snare (Knüppel auf das Fell) schon erfolgt ist. So erhält man den Originalpegel nur beim ersten Anschlag, danach wird der Pegel sofort vom Kompressor runtergeregelt. Das hört sich dann in etwa so an, als wie wenn man mit der Zunge schnalzt.

(Soundbeispiel 8: Snare clean)

Um dies zu erreichen, müssen wir die Attack-Zeit so lang machen, dass der erste Anschlag gerade durchkommt, und die Kompression erst dann Einsetzt. Es gibt zwar kaum Unterschiede in der Länge eines solchen ersten Anschlags (schon mal probiert eine Snare ‘langsam’ anzuschlagen?), jedoch erhebliche Unterschiede bei Kompressoren verschiedener Hersteller. Die Spannweite der Attack-Zeit ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Kompressoren. Je teurer, desto kürzer kann diese eingestellt werden. Aber wir wollen hier gar nicht eine so kurze Attack-Zeit einstellen.
Als Threshhold nimmt man eine Anfangseinstellung von -10dB, als Ratio empfiehlt sich zunächst eine 4:1 Einstellung. Diese Werte sind als Richtwerte gedacht. Sinnvolle Bereiche sind hier 8:1 bis 2:1 für die Ratio und -30dB bis -5dB für den Threshhold. Hier entscheidet der persönliche Geschmack. Da der Kompressor das Signal ja eigentlich nur begrenzt, wird die Snare zunächst leiser.

(Soundbeispiel 10: Snare cmpr)

Dazu gibt es an Kompressoren den Gain-Regler, mit dem das Ausgangssignal wieder angehoben werden kann. Und höre da! Die Snare hat sofort mehr ‘Punch’ und Durchsetzungsvermögen. Im Soundbeispiel wurde das an einer gesampleten Snare durchgeführt.

(Soundbeispiel 9: Snare cmpr gain)

Möchte man den ersten Anschlag noch prägnanter gestalten, regelt man die Ratio höher als 4:1, z.B. 6:1. Dadurch wird der Snareklang nach dem ersten Anschlag noch stärker komprimiert. Nun handelt es sich aber bei dem Beispiel um eine Live Aufnahme. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei der Snareabnahme immer auch andere Komponenten des Schlagzeugs mit auf den Kanal kommen. Hier insbesondere die Hi-Hat, die der Snaredrum räumlich am nächsten ist. Wie laut die unerwünschten Geräusche auf dem Snare-Kanal sind, hängt in erster Linie von der Position und der Art des benutzten Mikrofons ab. Die meisten Kompressoren verfügen deswegen über eine Gate Funktion. Diese bewirkt, dass unterhalb eines bestimmten Threshhold-Pegels das Signal ausgeblendet wird. Man sollte also den Threshhold des Gates soweit anheben, das hauptsächlich nur noch die Snare auf dem Kanal zu hören ist. Nicht alle Kompressoren verfügen zusätzlich noch einen Ratio-Regler im Gatemodul. Damit wird dann zusätzlich bestimmt, wie viel natürliche Ausschwingzeit dem Signal gelassen werden soll. Hohe Ratios greifen drastisch in die Ausschwingzeit ein nachdem der Threshhold erreicht wurde, niedrigere Ratios geben dem Signal (bzw. dem Instrument) mehr Zeit zum Ausklingen (Natürlich haben dann die anderen Ger uml;usche wie Hi-Hat dann auch mehr Zeit…). Möchte man den natürlichen Nachklang eines Instrumentes erhalten, empfiehlt sich also eine Ratio nahe 1:1. In unserem Beispiel wählen wir den goldenen Mittelweg – damit erhalten wir den natürlichen Klang der Snare weitgehend, und unterdrücken zugleich die meisten Störgeräusche. Es gibt allerdings noch einige Tricks, alle Störgeräusche zu eliminieren, und die Snare trotzdem natürlich klingen zu lassen, dazu mehr in einem der nächsten Workshops.
Entsprechend geht man mit dem Kanal für die Bassdrum vor. Hier kommt es jedoch hauptsächlich auf die Tiefen- und unteren Mittenfrequenzen an. Man sollte darauf achten, die Bassdrum nicht zu bassig werden zu lassen. Auch ist man gut beraten, den Nachklang nicht zu lang einzustellen. Bei diesen Frequenzen ist nämlich mit der stärksten Interaktion von Drumset und E-Bass zu rechnen. Das Zusammenspiel von Bassdrum und Ebass ist von entscheidender Wichtigkeit für die Transparenz des Mixes. Es ist wichtig, dem Ebass genug Raum im Frequenzspektrum zu lassen, damit der tieffrequente Bereich nicht zumatscht. Das würde akzentuierte Grooves im Keim ersticken. In Kürze mehr zum E-Bass. Um die Schlagzeug- Kompression abzuschließen, sollen hier die Overheads des Drumssets in aller Kürze behandelt werden. Viel braucht man darüber auch nicht zu sagen, denn das Overheadsignal wird am besten nicht mit einem Kompressor bearbeitet. Es sind höchstens Ratio-Einstellungen von 2:1 und Threshold-Pegel von -5dB zu empfehlen, und ein Gate sollte vermieden werden. Warum? Die Overheads geben den natürlichsten Anteil des Schlagzeugklangs wieder. Wird hier zu stark komprimiert klingt das Schlagzeug schnell pappig und unnatürlich (was einen nicht daran hindern sollte, das einmal auszuprobieren). Zu achten ist im Zusammenspiel mit dem Snare- und dem Bassdrumkanal, dass das Verhältnis der Becken zur Lautstärke der Snare stimmt! Die Becken dürfen nicht zu laut sein. Damit hat man eine recht optimale Abnahme des Schlagzeugs, in welcher der natürliche Stereoklang erhalten bleibt, die aber aufgrund der Kompression von Snare- und Bassdrum knackig Klingt.

(Soundbeispiel 5: drums only cmpr)

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    MartyK

    Interessanter Artikel, nur kann man leider die Soundbeispiele nicht abspielen, weil der Pfad offenbar auf die eigene Festplatte verweist.

  2. Profilbild
    olaf AHU

    Hallo MartyK,
    danke für den Hinweis. Die Klangbeispiele findest du nach dem Artikel. Die Links im Artikel schmeiß ich gleich raus.

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